Keine intellektuelle Kanzlerdämmerung: Börsianer sind keine Menschen

Die meisten Politiker sind keine Logiker.
Das ist bekannt.

Logik fuer DummiesDie meisten Politiker wissen gar nicht, dass es eine formale, eine Aussagen-, eine Prädikatenlogik gibt.

Den wenigsten Politikern ist bewusst, dass Mathematik auf Logik beruht.

Kaum einem Politiker ist bekannt, dass auch Sprache auf Logik beruht, dass Sprache, ohne Logik zum bloßen Gebrabbel wird.

Die meisten Politiker sind nicht an Logik interessiert, weil ihre Sprache keine Argumente enthält, nicht auf Argumentation ausgelegt ist, sondern darauf, die Adressaten ihrer sprachlichen Ergüsse affektiv, also über den Bauch und nicht über das Gehirn, zu erreichen.

Etwa so:

Was sind Finanzmärkte?
Die Mehrzahl von Finanzmarkt.

Was ist ein Finanzmarkt?
„Finanzmarkt ist ein Oberbegriff für alle Märkte, auf denen ein Handel mit Kapital stattfindet“, so Wikipedia.
An Finanzmärkten wird also mit Kapital gehandelt.

Wer handelt mit Kapital?
Menschen handeln. Der Gütertausch, hier in Form von aktuellem Kapital gegen zukünftiges Kapital, ist eine Interkation, eine soziale Handlung, die nur zwischen Menschen erfolgen kann.

An Finanzmärkten handeln Menschen miteinander.

Handeln ist ein „bewusstes und willentliches menschliches Tun, das auf die Grundlage der Wirklichkeit gerichtet ist; der Handelnde verfolgt dabei bestimmte Ziele und hat dafür bestimmte Motive” (Giesecke 2010: 21). Soziales Handeln zwischen Menschen ist „am vergangenen, gegenwärtigen oder für künftig erwarteten Verhalten anderer … [orientiert]” (Weber 1988: 562)

nyse2Wenn nun Kanzler Merkel sagt:
„Bei Globalisierung geht es um Menschen und deren Lebenschancen, nicht um Interessen der Finanzmärkte“, dann stellt sie die Menge der Menschen, den Finanzmärkten gegenüber. Beide sind im Bezug zu einander exklusiv: Finanzmärkte haben zwar Interessen, wie Frau Merkel meint, aber dort gibt es keine Menschen, die handeln, denn die Menschen und ihre Lebenschancen sind inkompatibel zu Finanzmärkten, was zur logischen Konsequenz hat, dass es an Finanzmärkten keine Menschen geben kann.

Nun gibt es verlässliche Beobachtungen von z.B. Börsen in New York, London, ja selbst in Frankfurt, die berichten, sie hätten Menschen beim Handel an der Börse, am Finanzmarkt beobachtet. Diese Beobachtungen müssen nach der Logik von Kanzler Merkel falsch sein, denn an Börsen und Finanzmärkten gibt es keine Menschen. Folglich muss Frau Merkel der Ansicht sein, an Finanzmärkten handeln entweder Aliens oder Unmenschen. Beide Konsequenzen der Merkelschen Aussage muss man als menschenfeindlich ansehen.

Ist die Menschenfeindlichkeit von Merkel nun Ergebnis der Tatsache, dass sie Unsinn erzählt oder ist die Menschenfeindlichkeit ernstgemeint. Ist Frau Merkel also tatsächlich der Ansicht, Börsianer, Broker, Investmentbanker seien keine Menschen?

Sprühender Witz: Kardinal will Gutmenschen rehabilitieren

Kardinal Woelki ist unter die Straßenkünstler, neudeutsch: die performance artists gegangen. Gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Mitarbeitern der Caritas will er im Erzbistum Köln das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprühen. Die Sprühkreide, die grüne Sprühkreide sei leicht zu entfernen, so hört man aus dem Erzbistum.

Die vergängliche Straßenkunst, die man wohl als Verbildlichung des Spruchs, nichts ist so vergänglich, wie ein Gutmensch (aus Sprühkreide) betrachten muss oder als modernisierte Variante der morbiden Erkenntnis: Asche zur Asche und Sprühkreide zur Sprühkreide, mit der Geistliche bei Begräbnissen glänzen, sie soll der Rehabilitation des Wortes „Gutmensch“ dienen, so erklärt der Kardinal.

“Eigentlich will doch jeder Mensch gut sein. Wir brauchen gerade das Gute, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten.“ Wenn Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, als Gutmenschen beschimpft werden, dann sei das absurd. Das meint der Kardinal.

Bochenski LogikFrüher hatten katholische Geistliche eine Ausbildung in Logik. Joseph Maria Bochenski hat seine Logik und seinen katholischen Glauben unter einen Hut gebracht. Früher, da haben sich katholische Logiker über die Frage auseinandergesetzt, was ein Begriff wie „Gutmensch“ eigentlich aussagt.

Die zwei Lager, die es früher gab und die früher noch jeder katholische Geistliche aufsagen konnte, sie leiteten sich einmal von Plato ab und behaupteten, das begrifflich Beschriebene haben genau die reale Existenz, die der Begriff beschreibe. Wenn man so will, teilt sich das Beschriebene dem Beschreiber im Begriff mit. Diese etwas mystische Auffassung vom Wesen der Dinge in begrifflicher Fassung, wurde von einer nominalistischen Schule bekämpft, die darauf beharrt hat, dass Begriffe Konstruktionen sind, die von Menschen erdacht werden, um reale oder abstrakte Dinge zu beschreiben. Am deutlichsten kann man diesen Unterschied am Beispiel von Gut und Grumpf machen. Während ein Anhänger Platos der Ansicht ist, „gut“ sei eine Eigenschaft von Dingen, die begrifflich gefasst wird, was eine Äquivalenz von gut in Begriff und Realität zur Folge hat und keine andere Begrifflichkeit als “gut” zulässt, sind die Nominalisten der Ansicht, dass dann, wenn man Grumpf als etwas definiert, das z.B. jemanden beschreibt, der in Mathematik immer alle Aufgaben zu lösen im Stande ist, man sagen kann, dass dieser jemand in Mathematik grumpf ist – denn man beschreibt ein empirisches Faktum mit einem mehr oder weniger willkürlichen Begriff, der seiner Willkür nur dadurch enthoben wird, dass er zur Konvention erklärt wird, was dem Verständnis und der Verständigung sehr zuträglich ist.

Kardinal Woelki ist im Gegensatz dazu der Ansicht, dass ein Begriff das ist, was er bezeichnet. Gut muss gut sein. Der gute Hirte kann sich für Woelki ebenso wenig als Schwein erweisen wie sich ein Gutmensch als missionarischer Eiferer, der dem eigenen Vorteil verpflichtet ist, erweisen kann. Kurz: Begriffe haben für Woelki eine wahre, keine konstruierte Existenz.

Nur so kann man es erklären, dass er meint, man könne dadurch, dass man das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprüht, nur eines bewirken: Die Rehabilitation von Gutmenschen.

Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man keinerlei Menschenkenntnis, keinerlei Erinnerung an die scholastische Tradition in der Katholische Kirche und keinerlei Verständnis des täglichen Lebens hat. Wir fürchten, dem Kardinal aus Köln steht ein Schock bevor.

Es beginnt schon damit, dass nicht „jeder Mensch gut sein“ will. Oder anders formuliert: Das, was manche Menschen für gut halten, wird von anderen für gar nicht gut gehalten. Nehmen wir Woelki kurz ernst und gestehen ihm zu, dass jeder Mensch gut sein will. Wenn jeder Mensch gut sein will, dann müssen zwangsläufig auch Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Mao, Idi Amin und Fidel Castro den Willen gehabt haben, gut zu sein.

 

Die Opfer der Genannten werden kaum zu dem Schluss kommen, dass den Genannten ein Wille zur Gutheit unterstellt werden kann. Der Kardinal erzählt hier also Unsinn. Es gibt ganz offensichtlich einen Unterschied zwischen Intention und Verhalten, so wie es einen Unterschied zwischen Auffassungen darüber gibt, was als „gut“ anzusehen ist. Die katholische Kirche hat es über Jahrhunderte für gut befunden, Menschen an Holzstäben zu verbrennen, um deren Seele zu befreien. Die damaligen Gutmenschen haben also zwangsläufig die posthume Segnung des Kölner Kardinals.

Oder ist Woelki gar nicht der Meinung, dass man Giordano Bruno Gutes getan habe, als man ihn verbrannt hat bzw. dass Adolf Hitler mit seinen Großdeutschen Phantasien eigentlich Gutes tun wollen, wem auch immer?

Wenn der Kardinal dieser Meinung nicht ist, dann muss er zwangsläufig zugestehen, dass Gutmenschen nicht unbedingt gut sein müssen, schon weil das, was der Begriff bezeichnet, nicht notwendig ein guter Mensch sein muss. Entsprechend sollte es den Kardinal nicht wundern, wenn seine Aktion von manchen als Unsinn von Gutmenschen bewertet wird, und zwar von denen, die es nicht mehr ertragen können, von anderen bevormundet und ständig auf das, was angeblich gut und richtig ist und regelmäßig denen nutzt, die sich so gerne als Gutmensch inszenieren, hingewiesen zu werden.

Manche werden gar in der Aktion einen Beleg dafür sehen, dass es auch anderen reicht. Denn: Wie man daran sehen kann, dass in Köln Plätze mit dem grünen Wort Gutmensch besprüht wurden und da jeder weiß, dass grün die Farbe von Ekel, Schlechtheit und Erbrechen ist, gibt es immer mehr, die der Missionierung durch Menschen, die vorgeben, besser als andere zu wissen, was gut und was für diese anderen gut ist, nichts mehr abgewinnen können, sie im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen finden.

Das eben ist das Problem: Ob Gutmenschen alle gut sind oder jeder gut sein will, sind empirische Fragen, keine Fragen des Glaubens, wie der Kardinal meint.

Ob er es auch gut meint?

Heiko Maas und Philosophie: Zwei Welten, nichts Gemeinsames

Heiko Maas twittert wieder. Dieses Mal hat er eine philosophische Erkenntnis getwittert, die ihm wohl auf der Toilette gekommen ist:

 

Wir sind zwar nicht alle gleich.
Aber wir sind alle gleich viel wert.

Wir haben schon die mannigfaltigsten Verwirrungen über Gleichheit gelesen, aber Heiko Maas schafft es, noch die letzte Normalität aus dem Fenster zu werfen, denn: Wir sind alle gleich, aber wir sind nicht alle gleich viel wert: Das ist die Crux der philosophischen Geschichte des Abendlandes, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Nein, das war die Crux, denn jetzt gibt es ja Heiko Maas, den Philosophen aus dem Saarland.

Halten wir uns dennoch an den Standard, der vorhanden war, bevor die Maassche Verwirrung eine Verständigung über Grundlegendes zerstört hat.

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlageEntsprechend sind wir alle bei Geburt gleich. Liest man z.B. bei Thomas Hobbes nach, dann geht die Gleichheit noch weiter und erstreckt sich auf alle Rechte, die man als Mensch von Natur aus so haben kann. Von Naturrechten ist entsprechend die Rede. Die umfassen z.B. das Recht auf Freiheit und finden bei Hobbes gar kein Ende, denn bei ihm gibt es keine Instanz außer dem jeweiligen Menschen selbst, die das Recht auf alles, das ein Mensch hat (und das umfasst ausdrücklich das Recht, Leben und Besitz eines anderen zu nehmen) einschränken kann. Und weil Menschen neben Rechten auch mit Verstand ausgestattet sind, vertraut Hobbes darauf, dass sie zu einer Übereinkunft dahingehend kommen, dass es besser ist, sein Recht auf alles, einzuschränken, weil man, wenn man z.B. das Recht, anderer Leben zu nehmen, abgibt und einen Leviathan einsetzt, um zu überwachen, dass auch andere das entsprechende Recht nicht mehr nutzen, zwar nicht mehr Leben nehmen kann, aber in der Gewissheit Leben kann, das eigene Leben nicht genommen zu bekommen. An dieser Übereinkunft sind alle Menschen in gleicher Weise beteiligt, mit den gleichen Rechten, denn von Natur aus sind alle Menschen gleich.

Da kommt so ein Mensch also auf die Welt, wächst und entwickelt sich, und ein anderer Mensch kommt auf die Welt, wächst und entwickelt sich anders. Der eine wird Erfinder, der nächste wird Maurer, wieder ein anderer wird Politiker und alle drei sind sie nicht dasselbe wert, denn der Wert, den Heiko Maas im Munde führt, er ist nicht von Geburt an vorhanden, wie die Gleichheit, von der oben die Rede war, der Wert wird zugewiesen.

In einem Markt erfolgt die Zuweisung durch die Nachfrage. Wir alle wollen ein Dach über dem Kopf. Der Maurer wird entsprechend gewertschätzt, hat einen angegbaren Wert. Der Erfinder, der den Mörtel und die Ytongsteine erfunden hat, ohne ihn hätte der Maurer nichts zu mauern oder nichts so Schönes zu mauern, entsprechend hat der Erfinder auch einen Wert, einen, der vielleicht höher geschätzt wird, als der des Maurers. In Kriegszeiten wird der Wert von Soldaten hoch geschätzt. Wer einen Unfall hat, kann den Wert des Feuerwehrmannes, der ihn aus dem Auto schneidet, gar nicht hoch genug einschätzen.

Je nach Situation und Motiv der Zuschreibung von Wert, variiert der Wert von Menschen. Für die Gesellschaft sind Menschen, die arbeiten und einen Nutzen erwirtschaften, mehr wert als Menschen, die nur konsumieren und keinen Finger krumm machen. Wir sind entsprechend nicht alle dasselbe Wert. Um das zu sehen, muss man sich einfach nur überlegen, was passieren würde, wenn man einen bestimmten Menschen einfach streichen würde. Streichen wir Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley aus der Geschichte und wir haben damit Penicillin gestrichen, Antibiotika ade, denn Florey, Chain und Heatley sind für die Erfindung des Penicillin verantwortlich (und Ian Fleming war später auch dabei). Der Beitrag, den Florey, Chain und Heatley zur Wohlfahrt der Menschheit geleistet haben ist viel mehr wert als z.B. der Beitrag von Wladimir Iljitsch Lenin, der hauptsächlich darin bestand, Marxens Ausgangspunkt zu einer totalitären Philosophie weiter zu entwickeln und einen blutigen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Oder nehmen wir Heiko Maas, wer würde, wenn er sich entscheiden müsste, zwischen seinem Müllfahrer und Heiko Maas, auf den Müllfahrer verzichten und Heiko Maas wählen?

Eben.
Deshalb sind wir nicht alle gleich viel wert.

P.S.

Die Behauptunug, wir seien alle gleich viel wert, ist Ergebnis eines Essentialismus, der sich aus der Maaschen Formel der Ungleicheit ableitet: Wir sind nicht alle gleich, was bedeutet: schon bei Geburt verschieden. Diese Aussage macht nur Sinn, wenn man Menschen Eigenschaften unterstellt, die sie definierren, und zwar so, dass sie nicht gleich sein können, Eigenschafen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung usw. Diese Eigenschaften müssen für Heiko Maas essentiell, also unveränderlich sein, und sie müssen auf alles durchschlagen, was den entsprechenden Menschen ausmacht. Damit löst Maas die Gemeinsamkeit zwischen Menschen auf, ersetzt sie durch essentielle Unterschiede und stellt sich auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten, die auch der Meinung waren, es gäbe Eigenschaften, die Menschen qua Geburt und unwiderruflich so definieren, dass sie nicht gleich sind, dass die einen zu Unter-, die anderen zu Herrenmenschen geboren sind. Ob Heiko Maas diese Konsequenz seiner Philosophie bedacht hat?


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Und hier über den traditionellen Weg:

An der Uni Jena werden “Objektivitäten” bekämpft

“Look what I found!”, so der Anfang von ziemlich viel Hallo in der Redaktion, denn es ist uns ein Veranstaltungshinweis vom StuRa (wohl Studentenrat) der Uni Jena ins Postfach geweht:

“ Der Arbeitskreis Wissenschaftskritik & kritische Wissenschaft des StuRa der Uni Jena organisiert vom 03.-05.06.2016 eine studentische Tagung, um die Möglichkeiten kritischer Perspektiven in der Wissenschaft auszuloten.”

Kritische Wissenschaft und Kritik an der Praxis dessen, was Wissenschaft sein will, das ist unser Metier, und das nun auch schon seit etlichen Jahrzehnten. Ergo fühlen wir uns angesprochen.

Uni jenaInteresse ist geweckt, und was lesen wir weiter? Von einer „auf Leistung und Konkurrenz ausgerichteten Bologna-Universität“ lesen wir weiter. Welches Problem können Studenten vom StuRa wohl mit Leistung und Konkurrenz haben? Dass Studenten in die Lage versetzt werden, in einem bestimmten Fach etwas zu leisten, und zwar auf Grundlage ihrer Kenntnisse und ihres Wissens, das ist der Zweck einer Universität. Ginge es nicht um Leistung, man könnte die Universität schließen. Und Konkurrenz, nun, das ist ein Bestandteil der Conditio Humana: Wer Konkurrenz ablehnt, der hat wenig Menschliches vorzuweisen.

Was also stört die StuRas (klingt wie Stuka, die akademisierte Variante von Stuka, quasi ein intellektueller Stuka) daran, dass an Universitäten Leistung und Konkurrenz gefördert werden? Es stört sie, wie weiteres Lesen ergibt:

“die naturalisierenden, androzentristischen, eurozentristischen, verdinglichenden und affirmativen Tendenzen“ der herrschenden wissenschaftlichen Diskurse.

Bei so viel Kauderwelsch in Form von Adjektiven ist es immer sinnvoll, die Lateinizismen ins Deutsche zu übersetzen. Was die StuRas stört ist demnach die Verankerung von Diskursen in Behauptungen über deren Entsprechung mit der Realität (naturalisierend), der empirische Mann, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (androzentristisch), der empirische Mann der in Europa wohnt, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (eurozentristisch), der empirische Mann, der in Europa wohnt und verdinglicht wird und das Zentrum dieser Diskurse bildet, und die Zustimmung dazu, dass der empirische Mann, der in Europa wohnt, und verdinglicht wird, das Zentrum dieser Diskurse bildet (affirmativ).

Das also ist der Kern dessen, was die StuRas unter Wissenschaftskritik und kritischer Wissenschaft verstehen.

Uns scheint, die StuRas verstehen weder, was unter Wissenschaftskritik noch was unter kritischer Wissenschaft zu verstehen ist. Wissenschaftskritik hat nichts mit eingebildeten Entitäten wie dem hegemonialen weißen Mann, der den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht, der auf Europa begrenzt, zu tun (dass die StuRas keine chinesischen oder arabischen Fachartikel lesen können, ist ihr Problem. Es hält sie kein weißer Mann davon ab, Chinesisch oder Arabisch zu lernen). Wissenschaftskritik hat etwas damit zu tun, dass ideologische Behauptungen, wie die, dass der hegemoniale weiße Mann den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht und auf Europa begrenzen will, es an Universitäten schaffen konnten, wo Universitäten doch der Ort sein sollen, an dem Erkenntnis gewonnen und als Wissen gesammelt wird.

Logik der ForschungErkenntnis wiederum liegt dann vor, wenn Aussagen über die Wirklichkeit mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wenn diese Aussagen in so allgemeiner Form vorliegen, dass daraus Vorhersagen über die Wirklichkeit gemacht werden können, die wiederum an dieser Wirklichkeit scheitern oder sich bewähren können, dann liegt Wissen, und zwar in Form einer Theorie vor. Das alles hat weder etwas mit dem Objekt von Wissenschaft, noch etwas mit dem, der Wissenschaft betreibt und schon gar nicht hat es etwas mit dem Ort, an dem Wissenschaft betrieben wird, zu tun.

Entsprechend hat das, was von den StuRas als Wissenschaftskritik oder gar als kritische Wissenschaft verkauft werden soll, absolut nichts mit dem einen oder dem anderen zu tun. Vielmehr sitzen die StuRas dem alten Missverständnis auf, die Kritische Schule aus Frankfurt, die Linke, weil sie in der Regel nicht wissen, was geschrieben wurde, bevor Habermas die Unverständlichkeit als Kriterium eingeführt hat, für sich in Anspruch nehmen, sei links und habe etwas mit Kritik zu tun. Hat sie nicht und ist sie nicht. Was kritische Wissenschaft ist, damit haben wir uns ausführlich in unserem Grundsatzprogramm auseinandergesetzt. Es sei den StuRas in der Hoffnung, dass man noch die ein oder andere graue Zelle erreichen kann, zur Lektüre empfohlen.

Triggerwarnung: Kritische Wissenschaft hat nichts mit hegemonialen, weißen Männern zu tun. Dafür viel mit einer Methode, und zwar der Methode, die Wissenschaft von Glauben und Mystik oder Metaphysik, wie Karl Raimund Popper gesagt hat, trennt. Insofern müssen wir noch eine Warnung nachschicken: Das Lesen unseres Grundsatzprogramms kann bei eingefleischten Ideologen zu Verärgerung und Verstörung führen und bei Personen, die nicht fest in ihrer Ideologie verankert sind, zu Zweifel. Gegen Zweifel, so weiß jeder Ideologe, ist kein Kraut gewachsen, weshalb wir jedem, der Ideologe bleiben will, von der Lektüre unseres Grundsatzprogramms abraten. In keinem Fall tragen wir die Folgen eines nachfolgenden Abfalls vom Glauben.

Übrigens sind „Student*innen aller Fachrichtungen (auch Naturwissenschaften)“ aufgerufen, an der studentischen Tagung teilzunehmen. Vor allem das „auch“ in der Klammer sagt eigentlich alles. Und schließlich ist die Tagung mit „Umkämpfte Objektivitäten“ überschrieben und das ist nun wirklich die größte Unsinn, denn Objektivitäten heißen deshalb Objektivitäten, weil sie objektiv gegeben sind (sonst sind es keine Objektivitäten). Entsprechend kann sie nur bekämpfen, wer nicht ganz dicht oder in der Wahrnehmung gestört ist.

 

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Die SPD, ein Kinderpornoring?

Logik für Sozialdemokraten:

Wenn das stimmt:

Logik f dummies“Die Rolle der NPD bei den Taten sei “eindeutig belegbar, dadurch dass Aktivisten der NPD zu den Beschuldigten gehören”, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Der 29-Jährige sei eine “stadt- und kreisbekannte Person” der NPD.”

dann stimmt auch das:

Die Rolle der SPD bei den Kinderpornoaktivitäten mehrere Abgeordneter ist “eindeutig belegbar, dadurch dass” Abgeordnete der SPD nicht nur zu den Beschuldigten gehören, sondern wegen der entsprechenden Straftaten vor Gericht standen und auch verurteilt wurden.

Hintergrund ist der Brandanschlag auf die Sporthalle eines Oberstufenzentrums in Nauen/Brandenburg vor rund einem halben Jahr. Die Sporthalle war als Unterkunft für Flüchtlinge geplant. An diesem Brandanschlag soll ein 29jähriger NPD-Stadtverordneter aus Nauen beteiligt gewesen sein.

Der Brandenburgische Innenminister glaubt nun schließen zu können:

X war am Brandanschlag beteiligt.
X ist Mitglied der NPD
Die NPD ist am Brandanschlag beteiligt.

Die logische Struktur dieses Schlusses ist wie folgt:

Einige A sind X oder: Einige Deutsche sind Politiker.
Einige A sind Y oder: Einige Deutsche sind Mörder.
Alle Y sind X oder: Alle Mörder sind Politiker.

Dass ein solcher Schluss so großer Unsinn ist, dass er es nicht einmal zum Fehlschluss schafft, sollte eigentlich offensichtlich sein. Aber man kann ja nicht sicher sein. Deshalb hier noch einmal ein Beispiel, das vielleicht auch der Innenminister des Landes Brandenburg versteht – vielleicht!

Sebastian Edathy (oder Jörg Tauss) hat Kinderpornographie auf seinem Bundestags-Computer.
Sebastian Edathy (oder Jörg Tauss) ist zum Tatzeitpunkt Mitglied der SPD.
Die SPD unterstützt Kinderpornographie.

Ob er es versteht, der SPD-Innenminister Schröter, oder ob er sich jetzt auf seinem Dienstcomputer rückversichert?

Wie dem auch sei: Bei allem Bemühen, die NPD aus der politischen Öffentlichkeit zu beseitigen sollte man doch Fairness walten lassen, schon weil man ja für sich in Anspruch nimmt, besser als die NPD-Mitglieder zu sein.

 

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