Sprühender Witz: Kardinal will Gutmenschen rehabilitieren

Kardinal Woelki ist unter die Straßenkünstler, neudeutsch: die performance artists gegangen. Gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Mitarbeitern der Caritas will er im Erzbistum Köln das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprühen. Die Sprühkreide, die grüne Sprühkreide sei leicht zu entfernen, so hört man aus dem Erzbistum.

Die vergängliche Straßenkunst, die man wohl als Verbildlichung des Spruchs, nichts ist so vergänglich, wie ein Gutmensch (aus Sprühkreide) betrachten muss oder als modernisierte Variante der morbiden Erkenntnis: Asche zur Asche und Sprühkreide zur Sprühkreide, mit der Geistliche bei Begräbnissen glänzen, sie soll der Rehabilitation des Wortes „Gutmensch“ dienen, so erklärt der Kardinal.

“Eigentlich will doch jeder Mensch gut sein. Wir brauchen gerade das Gute, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten.“ Wenn Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, als Gutmenschen beschimpft werden, dann sei das absurd. Das meint der Kardinal.

Bochenski LogikFrüher hatten katholische Geistliche eine Ausbildung in Logik. Joseph Maria Bochenski hat seine Logik und seinen katholischen Glauben unter einen Hut gebracht. Früher, da haben sich katholische Logiker über die Frage auseinandergesetzt, was ein Begriff wie „Gutmensch“ eigentlich aussagt.

Die zwei Lager, die es früher gab und die früher noch jeder katholische Geistliche aufsagen konnte, sie leiteten sich einmal von Plato ab und behaupteten, das begrifflich Beschriebene haben genau die reale Existenz, die der Begriff beschreibe. Wenn man so will, teilt sich das Beschriebene dem Beschreiber im Begriff mit. Diese etwas mystische Auffassung vom Wesen der Dinge in begrifflicher Fassung, wurde von einer nominalistischen Schule bekämpft, die darauf beharrt hat, dass Begriffe Konstruktionen sind, die von Menschen erdacht werden, um reale oder abstrakte Dinge zu beschreiben. Am deutlichsten kann man diesen Unterschied am Beispiel von Gut und Grumpf machen. Während ein Anhänger Platos der Ansicht ist, „gut“ sei eine Eigenschaft von Dingen, die begrifflich gefasst wird, was eine Äquivalenz von gut in Begriff und Realität zur Folge hat und keine andere Begrifflichkeit als „gut“ zulässt, sind die Nominalisten der Ansicht, dass dann, wenn man Grumpf als etwas definiert, das z.B. jemanden beschreibt, der in Mathematik immer alle Aufgaben zu lösen im Stande ist, man sagen kann, dass dieser jemand in Mathematik grumpf ist – denn man beschreibt ein empirisches Faktum mit einem mehr oder weniger willkürlichen Begriff, der seiner Willkür nur dadurch enthoben wird, dass er zur Konvention erklärt wird, was dem Verständnis und der Verständigung sehr zuträglich ist.

Kardinal Woelki ist im Gegensatz dazu der Ansicht, dass ein Begriff das ist, was er bezeichnet. Gut muss gut sein. Der gute Hirte kann sich für Woelki ebenso wenig als Schwein erweisen wie sich ein Gutmensch als missionarischer Eiferer, der dem eigenen Vorteil verpflichtet ist, erweisen kann. Kurz: Begriffe haben für Woelki eine wahre, keine konstruierte Existenz.

Nur so kann man es erklären, dass er meint, man könne dadurch, dass man das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprüht, nur eines bewirken: Die Rehabilitation von Gutmenschen.

Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man keinerlei Menschenkenntnis, keinerlei Erinnerung an die scholastische Tradition in der Katholische Kirche und keinerlei Verständnis des täglichen Lebens hat. Wir fürchten, dem Kardinal aus Köln steht ein Schock bevor.

Es beginnt schon damit, dass nicht „jeder Mensch gut sein“ will. Oder anders formuliert: Das, was manche Menschen für gut halten, wird von anderen für gar nicht gut gehalten. Nehmen wir Woelki kurz ernst und gestehen ihm zu, dass jeder Mensch gut sein will. Wenn jeder Mensch gut sein will, dann müssen zwangsläufig auch Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Mao, Idi Amin und Fidel Castro den Willen gehabt haben, gut zu sein.

 

Die Opfer der Genannten werden kaum zu dem Schluss kommen, dass den Genannten ein Wille zur Gutheit unterstellt werden kann. Der Kardinal erzählt hier also Unsinn. Es gibt ganz offensichtlich einen Unterschied zwischen Intention und Verhalten, so wie es einen Unterschied zwischen Auffassungen darüber gibt, was als „gut“ anzusehen ist. Die katholische Kirche hat es über Jahrhunderte für gut befunden, Menschen an Holzstäben zu verbrennen, um deren Seele zu befreien. Die damaligen Gutmenschen haben also zwangsläufig die posthume Segnung des Kölner Kardinals.

Oder ist Woelki gar nicht der Meinung, dass man Giordano Bruno Gutes getan habe, als man ihn verbrannt hat bzw. dass Adolf Hitler mit seinen Großdeutschen Phantasien eigentlich Gutes tun wollen, wem auch immer?

Wenn der Kardinal dieser Meinung nicht ist, dann muss er zwangsläufig zugestehen, dass Gutmenschen nicht unbedingt gut sein müssen, schon weil das, was der Begriff bezeichnet, nicht notwendig ein guter Mensch sein muss. Entsprechend sollte es den Kardinal nicht wundern, wenn seine Aktion von manchen als Unsinn von Gutmenschen bewertet wird, und zwar von denen, die es nicht mehr ertragen können, von anderen bevormundet und ständig auf das, was angeblich gut und richtig ist und regelmäßig denen nutzt, die sich so gerne als Gutmensch inszenieren, hingewiesen zu werden.

Manche werden gar in der Aktion einen Beleg dafür sehen, dass es auch anderen reicht. Denn: Wie man daran sehen kann, dass in Köln Plätze mit dem grünen Wort Gutmensch besprüht wurden und da jeder weiß, dass grün die Farbe von Ekel, Schlechtheit und Erbrechen ist, gibt es immer mehr, die der Missionierung durch Menschen, die vorgeben, besser als andere zu wissen, was gut und was für diese anderen gut ist, nichts mehr abgewinnen können, sie im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen finden.

Das eben ist das Problem: Ob Gutmenschen alle gut sind oder jeder gut sein will, sind empirische Fragen, keine Fragen des Glaubens, wie der Kardinal meint.

Ob er es auch gut meint?

Heiko Maas und Philosophie: Zwei Welten, nichts Gemeinsames

Heiko Maas twittert wieder. Dieses Mal hat er eine philosophische Erkenntnis getwittert, die ihm wohl auf der Toilette gekommen ist:

 

Wir sind zwar nicht alle gleich.
Aber wir sind alle gleich viel wert.

Wir haben schon die mannigfaltigsten Verwirrungen über Gleichheit gelesen, aber Heiko Maas schafft es, noch die letzte Normalität aus dem Fenster zu werfen, denn: Wir sind alle gleich, aber wir sind nicht alle gleich viel wert: Das ist die Crux der philosophischen Geschichte des Abendlandes, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Nein, das war die Crux, denn jetzt gibt es ja Heiko Maas, den Philosophen aus dem Saarland.

Halten wir uns dennoch an den Standard, der vorhanden war, bevor die Maassche Verwirrung eine Verständigung über Grundlegendes zerstört hat.

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlageEntsprechend sind wir alle bei Geburt gleich. Liest man z.B. bei Thomas Hobbes nach, dann geht die Gleichheit noch weiter und erstreckt sich auf alle Rechte, die man als Mensch von Natur aus so haben kann. Von Naturrechten ist entsprechend die Rede. Die umfassen z.B. das Recht auf Freiheit und finden bei Hobbes gar kein Ende, denn bei ihm gibt es keine Instanz außer dem jeweiligen Menschen selbst, die das Recht auf alles, das ein Mensch hat (und das umfasst ausdrücklich das Recht, Leben und Besitz eines anderen zu nehmen) einschränken kann. Und weil Menschen neben Rechten auch mit Verstand ausgestattet sind, vertraut Hobbes darauf, dass sie zu einer Übereinkunft dahingehend kommen, dass es besser ist, sein Recht auf alles, einzuschränken, weil man, wenn man z.B. das Recht, anderer Leben zu nehmen, abgibt und einen Leviathan einsetzt, um zu überwachen, dass auch andere das entsprechende Recht nicht mehr nutzen, zwar nicht mehr Leben nehmen kann, aber in der Gewissheit Leben kann, das eigene Leben nicht genommen zu bekommen. An dieser Übereinkunft sind alle Menschen in gleicher Weise beteiligt, mit den gleichen Rechten, denn von Natur aus sind alle Menschen gleich.

Da kommt so ein Mensch also auf die Welt, wächst und entwickelt sich, und ein anderer Mensch kommt auf die Welt, wächst und entwickelt sich anders. Der eine wird Erfinder, der nächste wird Maurer, wieder ein anderer wird Politiker und alle drei sind sie nicht dasselbe wert, denn der Wert, den Heiko Maas im Munde führt, er ist nicht von Geburt an vorhanden, wie die Gleichheit, von der oben die Rede war, der Wert wird zugewiesen.

In einem Markt erfolgt die Zuweisung durch die Nachfrage. Wir alle wollen ein Dach über dem Kopf. Der Maurer wird entsprechend gewertschätzt, hat einen angegbaren Wert. Der Erfinder, der den Mörtel und die Ytongsteine erfunden hat, ohne ihn hätte der Maurer nichts zu mauern oder nichts so Schönes zu mauern, entsprechend hat der Erfinder auch einen Wert, einen, der vielleicht höher geschätzt wird, als der des Maurers. In Kriegszeiten wird der Wert von Soldaten hoch geschätzt. Wer einen Unfall hat, kann den Wert des Feuerwehrmannes, der ihn aus dem Auto schneidet, gar nicht hoch genug einschätzen.

Je nach Situation und Motiv der Zuschreibung von Wert, variiert der Wert von Menschen. Für die Gesellschaft sind Menschen, die arbeiten und einen Nutzen erwirtschaften, mehr wert als Menschen, die nur konsumieren und keinen Finger krumm machen. Wir sind entsprechend nicht alle dasselbe Wert. Um das zu sehen, muss man sich einfach nur überlegen, was passieren würde, wenn man einen bestimmten Menschen einfach streichen würde. Streichen wir Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley aus der Geschichte und wir haben damit Penicillin gestrichen, Antibiotika ade, denn Florey, Chain und Heatley sind für die Erfindung des Penicillin verantwortlich (und Ian Fleming war später auch dabei). Der Beitrag, den Florey, Chain und Heatley zur Wohlfahrt der Menschheit geleistet haben ist viel mehr wert als z.B. der Beitrag von Wladimir Iljitsch Lenin, der hauptsächlich darin bestand, Marxens Ausgangspunkt zu einer totalitären Philosophie weiter zu entwickeln und einen blutigen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Oder nehmen wir Heiko Maas, wer würde, wenn er sich entscheiden müsste, zwischen seinem Müllfahrer und Heiko Maas, auf den Müllfahrer verzichten und Heiko Maas wählen?

Eben.
Deshalb sind wir nicht alle gleich viel wert.

P.S.

Die Behauptunug, wir seien alle gleich viel wert, ist Ergebnis eines Essentialismus, der sich aus der Maaschen Formel der Ungleicheit ableitet: Wir sind nicht alle gleich, was bedeutet: schon bei Geburt verschieden. Diese Aussage macht nur Sinn, wenn man Menschen Eigenschaften unterstellt, die sie definierren, und zwar so, dass sie nicht gleich sein können, Eigenschafen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung usw. Diese Eigenschaften müssen für Heiko Maas essentiell, also unveränderlich sein, und sie müssen auf alles durchschlagen, was den entsprechenden Menschen ausmacht. Damit löst Maas die Gemeinsamkeit zwischen Menschen auf, ersetzt sie durch essentielle Unterschiede und stellt sich auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten, die auch der Meinung waren, es gäbe Eigenschaften, die Menschen qua Geburt und unwiderruflich so definieren, dass sie nicht gleich sind, dass die einen zu Unter-, die anderen zu Herrenmenschen geboren sind. Ob Heiko Maas diese Konsequenz seiner Philosophie bedacht hat?


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Und hier über den traditionellen Weg:

An der Uni Jena werden „Objektivitäten“ bekämpft

„Look what I found!“, so der Anfang von ziemlich viel Hallo in der Redaktion, denn es ist uns ein Veranstaltungshinweis vom StuRa (wohl Studentenrat) der Uni Jena ins Postfach geweht:

“ Der Arbeitskreis Wissenschaftskritik & kritische Wissenschaft des StuRa der Uni Jena organisiert vom 03.-05.06.2016 eine studentische Tagung, um die Möglichkeiten kritischer Perspektiven in der Wissenschaft auszuloten.“

Kritische Wissenschaft und Kritik an der Praxis dessen, was Wissenschaft sein will, das ist unser Metier, und das nun auch schon seit etlichen Jahrzehnten. Ergo fühlen wir uns angesprochen.

Uni jenaInteresse ist geweckt, und was lesen wir weiter? Von einer „auf Leistung und Konkurrenz ausgerichteten Bologna-Universität“ lesen wir weiter. Welches Problem können Studenten vom StuRa wohl mit Leistung und Konkurrenz haben? Dass Studenten in die Lage versetzt werden, in einem bestimmten Fach etwas zu leisten, und zwar auf Grundlage ihrer Kenntnisse und ihres Wissens, das ist der Zweck einer Universität. Ginge es nicht um Leistung, man könnte die Universität schließen. Und Konkurrenz, nun, das ist ein Bestandteil der Conditio Humana: Wer Konkurrenz ablehnt, der hat wenig Menschliches vorzuweisen.

Was also stört die StuRas (klingt wie Stuka, die akademisierte Variante von Stuka, quasi ein intellektueller Stuka) daran, dass an Universitäten Leistung und Konkurrenz gefördert werden? Es stört sie, wie weiteres Lesen ergibt:

“die naturalisierenden, androzentristischen, eurozentristischen, verdinglichenden und affirmativen Tendenzen“ der herrschenden wissenschaftlichen Diskurse.

Bei so viel Kauderwelsch in Form von Adjektiven ist es immer sinnvoll, die Lateinizismen ins Deutsche zu übersetzen. Was die StuRas stört ist demnach die Verankerung von Diskursen in Behauptungen über deren Entsprechung mit der Realität (naturalisierend), der empirische Mann, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (androzentristisch), der empirische Mann der in Europa wohnt, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (eurozentristisch), der empirische Mann, der in Europa wohnt und verdinglicht wird und das Zentrum dieser Diskurse bildet, und die Zustimmung dazu, dass der empirische Mann, der in Europa wohnt, und verdinglicht wird, das Zentrum dieser Diskurse bildet (affirmativ).

Das also ist der Kern dessen, was die StuRas unter Wissenschaftskritik und kritischer Wissenschaft verstehen.

Uns scheint, die StuRas verstehen weder, was unter Wissenschaftskritik noch was unter kritischer Wissenschaft zu verstehen ist. Wissenschaftskritik hat nichts mit eingebildeten Entitäten wie dem hegemonialen weißen Mann, der den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht, der auf Europa begrenzt, zu tun (dass die StuRas keine chinesischen oder arabischen Fachartikel lesen können, ist ihr Problem. Es hält sie kein weißer Mann davon ab, Chinesisch oder Arabisch zu lernen). Wissenschaftskritik hat etwas damit zu tun, dass ideologische Behauptungen, wie die, dass der hegemoniale weiße Mann den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht und auf Europa begrenzen will, es an Universitäten schaffen konnten, wo Universitäten doch der Ort sein sollen, an dem Erkenntnis gewonnen und als Wissen gesammelt wird.

Logik der ForschungErkenntnis wiederum liegt dann vor, wenn Aussagen über die Wirklichkeit mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wenn diese Aussagen in so allgemeiner Form vorliegen, dass daraus Vorhersagen über die Wirklichkeit gemacht werden können, die wiederum an dieser Wirklichkeit scheitern oder sich bewähren können, dann liegt Wissen, und zwar in Form einer Theorie vor. Das alles hat weder etwas mit dem Objekt von Wissenschaft, noch etwas mit dem, der Wissenschaft betreibt und schon gar nicht hat es etwas mit dem Ort, an dem Wissenschaft betrieben wird, zu tun.

Entsprechend hat das, was von den StuRas als Wissenschaftskritik oder gar als kritische Wissenschaft verkauft werden soll, absolut nichts mit dem einen oder dem anderen zu tun. Vielmehr sitzen die StuRas dem alten Missverständnis auf, die Kritische Schule aus Frankfurt, die Linke, weil sie in der Regel nicht wissen, was geschrieben wurde, bevor Habermas die Unverständlichkeit als Kriterium eingeführt hat, für sich in Anspruch nehmen, sei links und habe etwas mit Kritik zu tun. Hat sie nicht und ist sie nicht. Was kritische Wissenschaft ist, damit haben wir uns ausführlich in unserem Grundsatzprogramm auseinandergesetzt. Es sei den StuRas in der Hoffnung, dass man noch die ein oder andere graue Zelle erreichen kann, zur Lektüre empfohlen.

Triggerwarnung: Kritische Wissenschaft hat nichts mit hegemonialen, weißen Männern zu tun. Dafür viel mit einer Methode, und zwar der Methode, die Wissenschaft von Glauben und Mystik oder Metaphysik, wie Karl Raimund Popper gesagt hat, trennt. Insofern müssen wir noch eine Warnung nachschicken: Das Lesen unseres Grundsatzprogramms kann bei eingefleischten Ideologen zu Verärgerung und Verstörung führen und bei Personen, die nicht fest in ihrer Ideologie verankert sind, zu Zweifel. Gegen Zweifel, so weiß jeder Ideologe, ist kein Kraut gewachsen, weshalb wir jedem, der Ideologe bleiben will, von der Lektüre unseres Grundsatzprogramms abraten. In keinem Fall tragen wir die Folgen eines nachfolgenden Abfalls vom Glauben.

Übrigens sind „Student*innen aller Fachrichtungen (auch Naturwissenschaften)“ aufgerufen, an der studentischen Tagung teilzunehmen. Vor allem das „auch“ in der Klammer sagt eigentlich alles. Und schließlich ist die Tagung mit „Umkämpfte Objektivitäten“ überschrieben und das ist nun wirklich die größte Unsinn, denn Objektivitäten heißen deshalb Objektivitäten, weil sie objektiv gegeben sind (sonst sind es keine Objektivitäten). Entsprechend kann sie nur bekämpfen, wer nicht ganz dicht oder in der Wahrnehmung gestört ist.

 

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Die SPD, ein Kinderpornoring?

Logik für Sozialdemokraten:

Wenn das stimmt:

Logik f dummies„Die Rolle der NPD bei den Taten sei „eindeutig belegbar, dadurch dass Aktivisten der NPD zu den Beschuldigten gehören“, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Der 29-Jährige sei eine „stadt- und kreisbekannte Person“ der NPD.“

dann stimmt auch das:

Die Rolle der SPD bei den Kinderpornoaktivitäten mehrere Abgeordneter ist „eindeutig belegbar, dadurch dass“ Abgeordnete der SPD nicht nur zu den Beschuldigten gehören, sondern wegen der entsprechenden Straftaten vor Gericht standen und auch verurteilt wurden.

Hintergrund ist der Brandanschlag auf die Sporthalle eines Oberstufenzentrums in Nauen/Brandenburg vor rund einem halben Jahr. Die Sporthalle war als Unterkunft für Flüchtlinge geplant. An diesem Brandanschlag soll ein 29jähriger NPD-Stadtverordneter aus Nauen beteiligt gewesen sein.

Der Brandenburgische Innenminister glaubt nun schließen zu können:

X war am Brandanschlag beteiligt.
X ist Mitglied der NPD
Die NPD ist am Brandanschlag beteiligt.

Die logische Struktur dieses Schlusses ist wie folgt:

Einige A sind X oder: Einige Deutsche sind Politiker.
Einige A sind Y oder: Einige Deutsche sind Mörder.
Alle Y sind X oder: Alle Mörder sind Politiker.

Dass ein solcher Schluss so großer Unsinn ist, dass er es nicht einmal zum Fehlschluss schafft, sollte eigentlich offensichtlich sein. Aber man kann ja nicht sicher sein. Deshalb hier noch einmal ein Beispiel, das vielleicht auch der Innenminister des Landes Brandenburg versteht – vielleicht!

Sebastian Edathy (oder Jörg Tauss) hat Kinderpornographie auf seinem Bundestags-Computer.
Sebastian Edathy (oder Jörg Tauss) ist zum Tatzeitpunkt Mitglied der SPD.
Die SPD unterstützt Kinderpornographie.

Ob er es versteht, der SPD-Innenminister Schröter, oder ob er sich jetzt auf seinem Dienstcomputer rückversichert?

Wie dem auch sei: Bei allem Bemühen, die NPD aus der politischen Öffentlichkeit zu beseitigen sollte man doch Fairness walten lassen, schon weil man ja für sich in Anspruch nimmt, besser als die NPD-Mitglieder zu sein.

 

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Auch das noch: Vier Geschenke überfordern ein Kind

Apotheken sind wahre Horte der Weisheit und des nutzlosen Rates  Orte, an denen „ohne Zuzahlung“ und sogar ohne Rezept, Dinge wie die Apotheken-Umschau oder „Baby und Familie“ abgegeben werden.

Und ganz ohne Beizettel.

ApothekenKurz: Apotheken sind das El-Dorado für alle Sammler von allerlei gedruckten Devotionalien, Beispielen der Begrenztheit des menschlichen Intellekts und von Ratschlägen, die obwohl in der Inbrunst der Überzeugung vorgetragen, dennoch zum Verschwinden im Meer des Unsinns bestimmt sind.

Zum Beispiel:

„Mehr als drei Geschenke überfordern ein Kind“.

Eine Allaussage ohne wenn und aber: Wenn Sie nun gedacht haben, Ihr Kind sei hier die Ausnahme und man könne ihm vier oder gar sechs Geschenke schenken, dann vergessen Sie das ganz schnell, denn „Mehr als drei Geschenke überfordern ein Kind“ bedeutet: Alle Kinder sind mit mehr als drei Geschenken überfordert, also auch Ihr Kind.

Indes wird es schwierig, die schenkwütige Umgebung, die es auf Ihr Kind als Empfänger von Geschenken abgesehen hat, im Zaum zu halten, denn, so heißt es weiter in „Baby und Familie“:

„Alle wollen Ihr Kind beschenken“.

Nicht nur sind mehr als drei Geschenke für alle Kinder eine Überforderung, jetzt wollen auch noch alle genau „Ihr Kind beschenken“. Und natürlich sind alle, alle eben, deutlich mehr als drei, nämlich: 7 297 276 900 als wir diesen Text geschrieben haben. Wenn wir Ihr Kind als Geschenkeempfänger und uns abziehen, bleiben immer noch 7 297 276 897 als alle diejenigen übrig, die Ihr Kind beschenken wollen.

7 297 276 897 potentielle Schenker bei 3, drei, DREI ! Geschenken, wenn die Überforderungsschwelle nicht überschritten werden soll.

Was also tun?

Ingetraud Palm-Walter, Vorsitzende des Arbeitsausschusses „spiel gut“ in Ulm und deshalb hinreichend qualifiziert, um sich in „Baby und Familie“ zu äußern, weiß Rat:

„Sie rät, zum Beispiel der näheren Verwandtschaft vorzuschlagen, dass sich alle an einem größeren Geschenk beteiligen. ‚Oder Sie achten darauf, dass Ihr Kind nicht alle Geschenke gleichzeitig bekommt‘, so Palm-Walter. Die Schenker sollten das Präsent dann übergeben, wenn sie das Kind treffen. ‚Ich finde auch, dass Eltern Wünsche verteilen dürfen. Denn sie kennen ihren Nachwuchs am besten.'“

Die nähere Verwandtschaft zu einer kollektiven Geschenkabgabe zu verpflichten, das hilft nicht wirklich weiter. Gehen wir davon aus, dass die nähere Verwandtschaft 20 Personen umfasst, dann bleiben immer noch 7 297 276 879, die Geschenke bringen wollen, deutlich mehr als drei.

Was also tun?

Wir, in unserer Kolumne, gute Logik gegen groben Unsinn, raten zu Folgendem:

Logik f dummiesProblematische Allaussagen auch über die Weihnachtsfeiertage unterlassen. Nicht „Alle wollen Ihr Kind beschenken“, nicht einmal die Hälfte von alle oder ein Drittel von alle, nein vermutlich wollen rund 10/7 297 276 900 Ihr Kind beschenken. Etwas weniger als alle. Wir hoffen, diese Einsicht ist kein allzu großer Schlag für die eigene Selbstüberschätzung.

Darauf folgt Rat zwei: Und wenn es noch so kribbelt im Hirn, nicht alle Kinder sind mit drei Geschenken überfordert, wenn es überhaupt Kinder gibt, die mit drei Geschenken überfordert sind. Kinder sind nämlich unterschiedlich. Man versucht dieser Unterschiedlichkeit mit dem Begriff „Individuum“ Rechnung zu tragen und hat zudem z.B. die Kategorie „Alter“ als weiteres Unterscheidungsmerkmal eingeführt.

Und weil Kinder idiosynkratische kleine Individuen oft unterschiedlichen Alters sind, deshalb kann niemand, schon gar nicht Ingetraud Palm-Walter wissen, wie viele Geschenke „ein Kind“ überfordern.

Schließlich: Unzulässige Verallgemeinerungen unterlassen. Die Tatsache, dass man selbst mit Legospielzeug überfordert ist, bedeutet nicht, dass Kinder auch damit überfordert sind. Aus der eigenen Überforderung lässt sich nicht auf die Überforderung anderer schließen.

Wir hoffen, das überfordert Ingetraud Palm-Wagner jetzt nicht, rufen Ihr ein „spiel‘ gut“ zu und raten unseren Lesern: Nehmen Sie zuzahlungsfreie Druckerzeugnisse, die in Apotheken ausliegen, nur nach entsprechender Konsultation ihres Gehirns und dann auch nur im Beisein logischer Schutzkenntnisse zu sich, ansonsten droht ihnen zumindest kurzfristige, wenn nicht dauerhafte infirmitas.

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Die Mitstech-Legende: Öffentlich-rechtlicher Schmierenjournalismus vereint im Hass

Patrick Gensing, den Namen muss man sich merken. Gensing ist Redakteur bei Tagesschau.de und Autor eines Beitrags, mit dem die öffentlich-rechtliche ARD nun endgültig den Boden des seriösen Journalismus verlassen und ins Lager des Schmierenjournalismus übergewechselt ist.

Für uns Beobachter von der Insel ist es wirklich erstaunlich, wie wenig es braucht, damit die deutsche Schönwetterdemokratie sich als die Einbildung herausstellt, die sie nun einmal ist.

Es braucht ein Attentat, einen Attentäter der von sich sagt oder über den gesagt wird oder von dem behauptet wird, er sei … ja, was eigentlich, rechtsextrem, fremdenfeindlich, xenophob, Kölner… irgendwas, was diskreditierungsfähig ist halt.

Und daraus mischt Patrick Gensing eine braune Soße, und wir sezieren sie.
Absatz für Absatz.

ARD Vereint im HassDer Anschlag von Köln und Pegida: Vereint in Hass auf Flüchtlinge und das System„, so lautet die Überschrift, die an die publizistische Meisterleistung erinnert, mit der Joseph Goebbels, den Anschlag auf Ernst Eduard vom Rath, Diplomat für Hitler in Paris, verübt von Hermann Grünspan benutzt hat, um die Reichskristallnacht loszutreten – Auch damals wurde ein Zusammenhang zwischen der Tat eines Einzelen und einer Gruppe von Menschen hergestellt. Damals wurde die Gruppe über ihr Merkmal „Jude“ identifiziert, heute über eine falsche Einstellung.

„Wenn der braune Mob loslegt, dann kann es jeden treffen“, das sagt Katja Kipping von der Linkspartei und warnt damit vor einer Eskalation der Gewalt. Wir warnen vor einer Eskalation der Dummheit, denn natürlich kann es nicht jeden treffen, denn wenn es jeden treffen könnte, gäbe es keinen braunen Mob bzw. müsste sich der braune Mob gegen sich selbst richten, was auch wieder bedeuten würde, dass es nicht jeden treffen kann. Wir sehen: Nicht jeder, der sprechen kann, kann auch Sprache benutzen (oder gar richtig denken), und nicht jeder der mit linken Devotionalien wie „brauner Mob“ um sich wirft, hat die geistige Reife, das auch zu tun.

Der „braune Mob“, der für alle, einschließlich sich selbst, eine Gefahr ist, er bildet den Auftakt zum Beitrag von Patrick Gensing in der ARD. Es folgt der Einzeltäter, jener Einzeltäter aus Köln, der mit einem Messer hantiert hat. Er ist – wie Gensing unter Bezug auf die objektive Quelle „Antifa“ und deren „Recherchen“ weiß – in einer Szene unterwegs gewesen, in der auch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, für alle, die es nicht wissen, NSU, Nationalsozialistischer Untergrund, unterwegs waren. Guilty by Association nennt man das im Englischen. Es ist ein Fehlschluss.

Aber es dient der ersten Eskalationsstufe im Manipulationswerk von Gensing, den die Steuerzahler, auch die Steuerzahler von Pegida, finanzieren, die da lautet: Brauner Mob kann jeden treffen, der Attentäter von Köln ist brauner Mob und schlimmer noch, NSU, jedenfalls ist er in den selben Kreise recherchiert worden, von der Antifa, die in öffentlich-rechtlichen Kreisen als verlässliche Quelle gilt. Tief sind wir gesunken.

Aber noch nicht tief genug.

Zwei Absätze widmet Gensing dem Anliegen, rechtsxtreme Täter, Neonazis und Straftäter, die in einer Datenbank, die so unbekannt ist, dass sie nicht einmal einen Namen hat, der rechtsxtremen Szene zugeordnet werden, als Einzeltäter darzustellen. Die Anstrengung dient der Verbreitung des Mythos vom rechtsxtremen „führerlosen Widerstand“, also niemand führt, niemand strukturiert, niemand organisiert und dennoch sollen alle auf die selbe Weise ausgerichtet und organisiert sein.

Der Mythos des „führerlosen Widerstands“ ist instrumentell im Text von Gensing, denn er dient dazu, das böse Agens, das wir schon analysiert haben, jene esoterische Dämonenvorstellung, von der Leute wie Gensing besessen sind, einzuführen. Ganz nebenbei ist Einzeltäter mit rechtsextremem Hintergrund natürlich immer gut, um Anders Breyvik anzuführen. Gäbe es Breyvik nicht, man müsste ihn erfinden, als personifiziertes Böses.

Bis hier gibt es also einen braunen Mob, der sich in führerlose Einzeltäter auflöst und Anders Breyvik.

Jetzt kommen „Politiker und Experten“, die Pegida eine Mitverantwortung für das Attentat auf Henriette Reker in Köln zuweisen. Und wenn das Experten behaupten, Experten wie Hajo Funke oder Andreas Zick, der auf dem gleichen Sender einmal als Konfliktforscher und einmal als Sozialpsychologe geführt wird, und kein Mal als Stiftungsvorstand der Amadeu Antonio Stiftung, dann muss das so sein, dann muss es ein böses Agens geben, das die Kette der Wahnvorstellung, die Gensing bislang gewoben hat, schließt: Brauner Mob, rechtsxtreme Einzeltäter und Pegida als geistige Mentoren des rechtsextremen und führerlosen Widerstands.

Und damit die Message auch nachhause genagelt wird, kommt nicht nur der Stiftungsvorstand der Amadeu Antonio Stiftung, Sozialpsychologe oder Konfliktfoscher oder was auch immer Zick zu Wort, sondern auch „Timo Reinfrank von der „Amadeu Antonio Stiftung“. Und jener Reinfrank, der weiß, wer schuldig ist:

Timo Reinfrank von der „Amadeu Antonio Stiftung“ kritisierte, dass die rechtspopulistischen und islamfeindlichen Inhalte von „Pegida“ als vermeintlich berechtigte Ängste verharmlost worden seien. „Die Drohungen gegen Flüchtlinge und Migranten, die auch immer wieder am Rande oder nach Pegida-Demonstrationen zu realer Gewalt führten, wurden nicht als Bedrohung der inneren Sicherheit verstanden.“ Der Anschlag von Köln zeige, so Reinfrank weiter, dass Pegida „mitgestochen“ habe.

Zum Thema „mitgestochen“ haben wir uns bereits geäußert. Dass Reinfrank, der von Rechtsextremen lebt und ohne Rechtsextreme arbeitslos wäre, ein Interesse daran hat, die Gefahr von Rechts zu stilisieren und warm zu halten, ist vermutlich der Hauptgrund für die Mitstech-Legende. Mit seiner Behauptung, dass am Rande von Pegida-Demonstrationen „reale Gewalt“ verübt worden sei, stellt der unvorsichtige Reinfrank aber eine Tatsachenbehauptung auf, die ausgerechnet die Bundesregierung als falsch ausgewiesen hat:
BT18-4068

“Die Veranstaltungen der PEGIDA und ähnlichen Aktionsformen verliefen überwiegend störungsfrei. Nur in Einzelfällen kam es im Rahmen von Konfrontationen mit Gegendemonstranten und Anhängern dieser Strömungen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Anbetracht der zum Teil erheblichen Anzahl von Demonstranten wurden bisher jedoch verhältnismäßig wenige Straftaten mit Bezug zu den jeweiligen Veranstaltungen festgestellt.“ Das schreibt die Bundesregierung.“

Amadeu Antonio GUVDass Reinfrank es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, ist vermutlich seinem Eifer geschuldet, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, und die Mitstech-Legende in Zählbares zu verwandeln: Steuermittel für Aktionen gegen Rechts, für Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor rechten Eltern, für Erziehung von Schülern zu treuen und nicht rechten Staatsbürgern und alles durch die Amadeu Antonio Stiftung, die schon jetzt fast vollständig von deutschen Ministerien unterhalten wird. Arbeitsplatzsicherung nennt man das.

Die Meldung, die Gensing den Lesern der Tagesschau, die für dieses Stück Schmierenjournalismus Gebühren bezahlen, mit auf den Weg geben will, ist denmnach die folgende:

Brauner Mob ist für alle gefährlich. Rechte sind Einzeltäter. Breyvik ist rechts. Einzeltäter sind führerloser Widerstand, der durch eine geheimnisvolle, dämonische Macht, ein böses Agens angeleitet wird, Pegida, das ist der Ursprung dieses bösen Agens, dieser geheimnisvollen Macht, und Anders Breyvik, das ist der, der zeigt, wozu diese geheimnisvolle, dämonische Macht fähig ist. Wer bei Pegida mitläuft, der ist für Anders Breyvik nachträglich und für den Attentäter von Köln vor allem verantwortlich. Wer Pegida-Versteher ist, ein Attribut, das Werner Patzelt angeheftet wurde, weil er versucht, die Diskussion um Pegida auf Grundlage der Fakten zu führen, der ist auch schuld, mitschuld – woran auch immer.

Das also ist die Qualität des Journalismus, den öffentlich-rechtliche Anstalten ihren Lesern zumuten. Es ist Schmierenjournalismus und widerlich und mit einem eindeutigen Ziel verfasst: Brandstiftung und Brunnenvergiftung, denn: Welche Reaktion gibt es wohl, wenn man einem ganz normalen Menschen, der bislang bei Pegida mitgelaufen ist, weil er seinen Unmut über die deutsche Politik zum Ausdruck bringen will, zum Komplizen im Attentat von Köln, zum geistigen Mentor der NSU und zum Weggefährten von Anders Breyvik erklärt?

So lange es in Deutschland Redakteure wie Patrick Gensing bei öffentlich-rechtlichen Anstalten gibt, braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass die Situation nicht eskalieren wird. Offensichtlich gibt es eine ganze Reihe von Gutmenschen, die endlich Blut sehen wollen, denen ein Attentätchen nicht reicht, denn es hat sie erst auf den Geschmack gebracht.

Freuen wir uns also auf den LiveFeed von der Pegida-Demonstration. Sie wissen ja: Bei der ARD sitzt man in der ersten Reihe, und vielleicht fließt ja wirklich Blut – live und in Farbe!

Das böse Agens „Pegida“: Die Wahnvorstellung schreibt mit

So lange es Menschen gibt, so lange gibt es mentale Krankheiten. Wahnvorstellungen faszinieren Wissenschaftler und Novellisten entsprechend seit vielen Jahrhunderten. Der Fall of the House of Usher, der Fall Charles Dexter Ward oder die gerade erschienene wissenschatfliche Bestandsaufnahme „The Measure of Madness“ von Philip Gerrans zeigen dies.

Eine Wahnvorstellung wird in der klinischen Psychologie wie folgt definiert:

„Eine Wahnvorstellung ist eine Überzeugung, die logisch inkonsistent ist oder wohlbestätigtem Wissen über die reale Welt widerspricht und trotz gegenteiliger Belege aufrechterhalten wird, weil die persönliche Gewissheit der Betroffenen so stark ist, dass sie rationl[en Argumenten] nicht mehr zugänglich sind.“ (Butcher, Mineka & Hooley, 2009: 583).

Das ist die Theorie der Wahnvorstellung, nun zur Praxis:

Pegida hat in Köln mitgestochen„, so schreib Martin Niewendick im Berliner Tagessgpiegel. Und weiter:

Tagesspiegel Pegida mitgestochen„Dresden: Auf einer islamfeindlichen Pegida-Demonstration droht ein Mann Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel mit ihrer Hinrichtung. Er hat einen Galgen dabei und lässt auf Schildern wissen, dieser sei für Politiker ‚reserviert‘. ‚Abschieben, Abschieben‘, skandiert die Menge der ‚Asylkritiker‘ währenddessen.
Köln, fünf Tage später: Ein Mann attackiert die Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker mit einem Messer … „Ich habe das wegen Rekers Flüchtlingspolitik getan“, sagt er nach Angaben von Zeugen.
Völlig egal, ob der Mann geistesgestört ist oder noch alle Sinne beisammen hat: Die Saat der Hetze gegen Asylbewerber ist aufgegangen. Pegida hat mitgestochen.“

Analysieren wir die Wahnvostellung von Martin Niewendick, der sich aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen in öffentlich zugänglichen Medien wie dem Tagesspiegel äußert (vielleicht ein Programm der Resozialisierung, so eine Art „offenes Äußern“ …).

Das ist das Explanans im Text von Niewendick:
(1) Ein Mann hat in Dresden einen Galgen dabei, der für Politiker reserviert ist.
(2) In Dresden findet eine Demonstration der Pegida statt.
(3) Irgendwer skandiert „Abschieben“ in Dresden.
(4) In Köln sticht fünf Tage später ein Mann auf die Oberbürgermeister-Kandidatin Reker ein.
(5) Er habe das wegen der Flüchtlingspolitik von Rekers getan, sagen andere (angeblich).

Daraus folgert Niewendick:
(K) Die Saat der Hetze gegen Asylbewerber ist aufgegangen.
(K) Pegida hat mitgestochen.

Betrachtet man zunächst die empirischen Tatsachen, so war der Mann, von dem bei Niewendick die Rede ist, ein Einzeltäter. Insofern hat niemand mitgestochen, was auch schwierig ist, da der Griff eines Messers in der Regel nicht für mehr als eine Hand ausreicht.

Die Behauptungen von Niewendick können demnach nicht empirisch gemeint sein. Sie gehören entsprechend in eine metaphysische Sphäre, in der sich „Saatgut“ verbreiten kann, wobei dieses Saatgut die folgenden Kriterien erfüllen muss:

(1) Säer und Besäter müssen in gleicher Weise für das Saatgut empfänglich sein.
(2) Das Saatgut muss in der Lage sein, die Strecke von Dresden bis Köln innerhalb von fünf Tagen und unbeschädigt zurückzulegen.
(3) Das Saatgut muss in der Lage sein, sich einen empfänglichen Wirt zu suchen, auf dem es aufgehen kann.
(4) Das Saatgut darf nicht wählerisch sein, muss bei geistesgestörten ebenso aufgehen, wie bei nicht geistesgestörten.
(5) Das Saatgut muss gegen Asylbewerber „hetzen“, aber Politiker an Galgen hängen wollen.

Nun, Saatgut der Art, wie es sich Niewendick hier vorstellt, gehört in der Tat in den Bereich der Metaphysik, denn intelligentes Saatgut, das sich in der beschriebenen Weise verhält, gibt es nicht.

Bleibt noch die Ausrede, dass Niewendick „Saatgut“ als Metapher verwendet, was die Frage aufwirft, für was verwendet er „Saatgut“ als Metapher?

Klinische PsychologieNehmen wir an, er verwendet „Saatgut“ als Metapher für ein irgendwie gearteten bösartigen Agens, das von Pegida in Dresden freigesetzt wird, der die paar Hundert Kilometer nach Köln spielend zu überwinden im Stande ist, und dort einen „Mann“ befallen kann, der wiederum Messerstechen und eben nicht erhängen will. Nehmen wir die Inkonsistenz, dass das bösartige Agens eigentlich von einem Galgen in Dresden ausgeht, sich aber in Köln in einem Messer materialisiert hat, nicht weiter ernst, eine kleine Diskrepanz, die völlig ungeachtet der Frage, ob Niewendick „geistesgestört ist oder noch alle Sinne beisammen hat“ bestehen bleiben kann.

Denn nunmehrt stellt sich die Frage, wie das frei driftende Agens, das sich in Pegida-Demonstranten, Galgen, Messern und Männern in Köln materialisieren kann, bekämpft werden soll.

Bekämpfen wir es doch mit Logik und mit dem, was David Hume schon vor Jahrhunderten in seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand (!sic) geschrieben hat.

Kein Agens, kein Saatgut und auch kein Dämon, kein Teufel und kein Gott sind in der Lage, ein Messer in die Hand zu nehmen und zuzustechen.

Bei derartigen Vorstellungen handelt es sich um Wahnvorstellungen, wie sie oben definiert wurden.

Ein Messer kann nur eine Person benutzen. Wozu die Person ein Messer benutzt, ist wiederum Ergebnis eines Kalküls, das die entsprechende Person vornimmt. Wer einen Apfel vor sich hat, der geschält werden soll, hat für ein Messer eine andere Verwendung als derjenige, der versucht, das Rettungsseil, das ihn an die Normalität bindet, durchzuschneiden.

Menschen sind – so haben es die meisten Philosophen angenommen – in ihrer Mehrheit mit Vernunft begabte Wesen, die Handlungensziele für sich formulieren und diese Handlungsziele zu erreichen suchen. Die Ideen und Motive für Handlungen entstehen in den Köpfen der entsprechenden Menschen. Es braucht keinen Dämon und kein bösartiges Agens, um Menschen zu niedrigen Handlungen, z.B. zum Anstecken eines Polizeiautos, zum Quälen eines Tieres oder zum Attentat auf einen Politiker, sei es Oskar Lafontaine, sei es Wolfgang Schäuble oder John F. Kennedy zu motivieren, nicht einmal Pegida braucht es, wie die Tatsache, dass es lange vor Pegida politische Attentate gab, zeigt.

Entsprechend stellt sich die Frage, wie die Verbindung zwischen Pegida, Galgen, Dresden und Mann, Messer, Köln hergestellt werden kann. Auf Basis logischer Argumente, ohne einen Dämon, ein bösartiges Agens anzunehmen, ohne eine Wahnvorstellung zu kultivieren, die ein frei flottierendes Agens am Werke sieht, der Ausschau nach potentiellen Messerstechern hält, ist dies nicht möglich.

Die Verbindung, die Niewendick „Pegida mitstechen sieht“, gibt es also nicht in der Realität, es gibt sie ausschließlich im Gehirn von Niewendick, was zu David Humes Untersuchung über den menschlichen Verstand führt. Hume hat gezeigt, dass Annahmen über abstrakte oder zusammengesetzte Eindrücke, wie er das genannt hat, also über Entitäten, die es nicht gibt, „Ideen“, „Verbindungen“, „ein bösartiges Agens“, „einen Dämon“, „die unsichtbare Hand der Pegida am Griff des Messers des Mannes in Köln“ ausschließlich Konstrukte menschlicher Phantasie sind. Wären sie das nicht, Strafrichter hätten ihre wahre Freude mit Angeklagten, die für sich ins Feld führen, von einem bösartigen Agens, einem Dämon oder dem Niewendick-Virus besessen zu sein, weshalb sie für ihre Taten nicht verantwortlich sein könnten.

ideology of madnessDie Behauptung, Pegida habe mitgestochen, ist also eine Phantasievorstellung von Uwe Niewendick, was die Frage aufwirft, warum er diese Vorstellung entwickelt, warum er es gerne sähe, wenn Pegida mitgestochen hätte, warum er die Gelegenheit nutzt, um mehrere Tausend Personen, die in Dresden demonstrieren, zu gedungenen Meuchelmördern zu erklären?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, so wenig wie die Frage zu beantworten ist, warum es vielen gefallen würde, wenn sich der Ärger der Teilnehmer an der Pegida in Dresden in Gewalt transformieren würde. Die enstrpechenden Antworten lassen sich vermutlich nur über den Umweg der klinischen Psychologie geben und ihre Gegenstände finden sich im DSM-V beschrieben.

In jedem Fall kann festgestellt werden, dass es dem öffentlichen Diskurs und dem öffentlichen Klima in Deutschland sicher nicht nützlich ist, wenn von Wahnvorstellungen Geplagte wie Martin Niewendick in Tageszeitungen Raum erhalten, um weiter den Brunnen zu vergiften und weiter dazu beizutragen, die Menschen in Dresden und ihre Anliegen und Interessen zu delegitimieren. Dies wiederum fällt in die ureigenste Verantwortlichkeit von Medien und Politik, deren Vertreter offensichtlich nicht daran interessiert sind, legitime Interessen von Bürgern ernstzunehmen, wie dies in einer Demokratie normal sein sollte. Vielmehr scheinen sie an einer Eskalation interessiert zu sein, denn zu einer solchen tragen die Niewendicks der Republik bei.

Damit sind wir wieder im Reich der Vorstellungen angekommen und bei der Feststellung, das jemandem, der es sich vorstellen kann, dass mehrere Tausend Menschen gerne Messer in Politiker stecken, exzessive Gewaltphantasien offensichtlich sehr nahe liegen [und die Frage, was der Kandidat für das Amt des Verwaltungschefs in Köln mit einem Bundespolitiker gemeinsam hat, ist an dieser Stelle noch nicht einmal angesprochen…].

Butcher, James W., MIneka, Susan & Hooley, Jill M. (2014). The Measure of Madness. Philosophy of Mind, Cognitive Neuoscience and Delutional Thought. Cambridge: MIT-Press.

„Selbsternannte (Hass-)Prediger“

„[S]elbst ernannte  wissenschaftsferne (Hass-)Prediger, die beliebig festlegen wollen, was ‚unwissenschaftlich‘ sein soll“, hat Ilse Lenz entdeckt.

Wir fragen uns: Was könnte dieser Satz bedeuten?

Welcher (Hass-)Prediger sagt von sich, er sei ein (Hass-)Prediger? Also: „Hey, wollt Ihr mal so richtigen Hass gepredigt bekommen. Kommt zu mir, dem einzig wahren (Hass-)Prediger!“

Wem einer bekannt ist, bitte bei uns melden.

Ist es nicht vielmehr so, dass (Hass-)Prediger von anderen als solche bezeichnet werden, in durchaus diffamierend gemeinter Weise? Wenn ja, dann ist Ilse Lenz hier ihre Logik durcheinander geraten (sofern sie eine hat), und sie meint nicht selbsternannte (Hass-)Prediger, sondern fremdernannte.

Preston CredoVerräterisch ist es, das Adjektiv „selbsternannt“. Für Ilse Lenz ist es offensichtlich negativ konnotiert. Was in anderen Ländern den Kern einer freien Gesellschaft ausmacht, das ist für Ilse Lenz negativ: nämlich dass man sich selbst, als der Bürger der man ist, dazu ernennt, die Regierung oder deren Handlanger zu kontrollieren, eine Selbsterenennung, die häufig in relativ kurzer Zeit in eine institutionalisierte Form überwechselt, weil noch mehr denken, sie müssten sich selbsternennen, und weil es in freien Gesellschaften die Kompetenz von einzelnen ist, die überzeugt, andere überzeugt, andere, nicht Ilse Lenz.

Für Ilse Lenz hat selbsternannt eine negative Konnotation. Für sie zählen offensichtlich nur fremdernannte (Hass-)Prediger in diesem Fall. Sie glaubt an Positionen nur dann, wenn sie von oben verliehen wurden, wenn der Pater Familias der kleinen Ilse auf die Schulter klopft und ihr ein Eis spendiert, dann ist das mehr wert als wenn die kleine Ilse sich Geld verdient und ein Eis davon kauft.

Es gibt eben mindestens zwei Arten von Menschen, solche, die etwas von sich aus leisten wollen und solche, die etwas verliehen bekommen wollen, am besten für keine Leistung. Das erklärt dann auch, dass Genderisten nun, da sie nach ihren Leistungen gefragt werden, den Frager mit einem Unverständnis anblicken, das nicht mehr zu überbieten ist.

Und es sind häufig Adjektive, Adjektive wie „selbsternannt“, eigentlich gebraucht, um andere abzuwerten, die zeigen, mit was oder wem man es zu tun hat. Geht der Versuch der Diskreditierung dann derart in die Hose, wie bei Ilse Lenz, die Personen, die von sich sagen, sie seien (Hass-)Prediger unterstellt, sie würden festlegen wollen, was „‚unwissenschaftlich‘ sein soll“, dann atmet daraus nicht nur der Untertanengeist und die fast schon manische Anbindung an den Übervater, sondern auch ein Unverständnis davon, was Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft trennt.

Denn: Ob etwas Wissenschaft ist oder nicht, das hat nichts damit zu tun, ob die Kriterien von einem selbsternannten (Hass-)Prediger stammen oder nicht. Es ist eine Frage der Kriterien, nicht der Person, die sie aufstellt. Und wie es die Wissenschaftsgeschichte nun einmal so will, jene Wissenschaftsgeschichte, das sei zugegeben, die Genderisten wie Ilse Lenz nicht kennen, gelten als Wissenschaft jene Aussagen über die Realität, die (1) nachvollziehbar und (2) prüfbar sind, die (3) an der Realität scheitern können und (4) eine (nach Möglichkeit neue) Erkenntnis über die Realität beinhalten.

Ob ein selbsternannter (Hass-)Prediger diese Kriterien vorbringt oder ein fremdernannter Untertan, das ist vollkommen wurscht. Wem es nicht wurscht ist, der gibt damit ein gutes Beispiel für den Fehlschluss ad hominem, der in Deutschland so weitverbreitet und der doch so vollkommen unwissenschaftlich ist.

Gerechtigkeit ist…

Es kommt selten etwas Besseres nach, so eines dieser ewigen Pfälzer Sprichworte, die einem immer dann einfallen, wenn man damit konfrontiert ist, dass, na was: selten etwas Besseres nachkommt. Nachgekommen ist mit der neuen Regierung eine neue Ministerin für Familie und all die anderen (minus Männer) und wer über die Pressemitteilungen liest, der hat nicht den Eindruck, es habe sich etwas zum Besseren verändert – in Gegenteil.

Aber, und damit sind wir bei einer anderen Pfälzer Weisheit, die ein leider zwischenzeitlich verstorbener und heftig vermisster Pfälzer gerne geäußert hat: Es ist nichts so schlecht, als dass es nicht für ebbes gut ist! (digital remastered high-germanized version)

So auch die Pressemeldung unter dem Titel: „Förderung für ungewollt kinderlose Paare wird aufgestockt“. Gerade diese Pressemeldung eignet sich hervorragend, um ein paar (sozio-)logische Erkenntnisse zu verbreiten.

Beginnen wir mit dem Textteil des Bundes:

succesful cloning„Kinderwünsche dürfen keine Kostenfrage sein“, sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. „Gerade für Paare mit kleinen und mittleren Einkommen stellen die hohen Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro oft ein großes Problem dar. Familienpolitik beginnt bereits vor der Geburt eines Kindes.“

Soziologie umfasst einen Bereich, der gemeinhin als Sozialstrukturanalyse beschrieben wird. Die Sozialstrukturanalyse hat z.B. die folgenden Ergebnisse erbracht: Familien, die sich Kinder eigentlich nicht leisten können, für die Kinder entsprechend eine Kostenfrage sind, produzieren mehr Kinder für die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, und dies vor allem deshalb, weil sie durchschnittlich später eingeschult werden, weil sie häufiger sitzen bleiben oder auf Sonderschulen landen, weil sie häufiger eine Hauptschulabschluss, wenn überhaupt einen Abschluss erreichen, kurz: Die Paare, die sich einen Kinderwunsch aus Kostengründen nicht erfüllen können, sind auch die Paare, deren Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Kinder anderer Paare, eine Karriere auf Transferzahlungen zu starten.

Geissler SozialstrukturWarum das so ist, ist eine andere Frage, deren Antwort man als Konflikttheoretiker damit geben könnte, dass die Mittelschicht ständig neues Fleisch in der Unterschicht braucht, auf das sie heruntersehen kann, um sich ihre eigene Überlegenheit zu bestätigen. Entsprechend wäre die Finanzierung, die den Paaren angedeihen gelassen wird, die sich wegen zu geringer Einkommen, ihren „Kinderwunsch“ nicht erfüllen können, Geld, das zur Psycho-Hygiene der Mittelschicht eingesetzt wird. Und damit es auch klappt, sorgen Mittelschichtsinstitutionen wie sie die Schulen oder das BMFSFJ darstellen dafür, dass Kinder aus der Unterschicht auch nicht in die Weidegründe der Mittelschicht vordringen.

Weiter geht es im Text, und da die Förderung ungewollt kinderloser Paare in Sachsen-Anhalt stattfindet, kommt auch ein Vertreter der dortigen politischen Kaste zu Wort, ein Norbert Bischoff. Er hat auch besonderes Wissen, das er an den Leser bringen will:

„Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, ungewollt kinderlose Paare nicht über Gebühr mit der Finanzierung für notwendige Behandlungen allein zu lassen. Über die Kosten darf keine Sozialauswahl erfolgen.“

Norbert Bischoff

Norbert Bischoff: Schaffer der Bischoff-Gerechtigkeit

Wir sehen: nicht nur die Bundesministerin ist uninformiert über einfache gesellschaftliche Zusammenhänge, auch der Landesminister. Zwei, die sich gesucht und gefunden haben, ein nettes Paar, so zu sagen. Gerechtigkeit ist also, wenn ein Wunsch, der mangels finanzieller Ressourcen nicht erfüllt werden kann, durch die Allgemeinheit erfüllt wird. Ist das so? Nun, dann hätten wir gerne einen Dienst-Ferrari. Oder gilt das Wunschkonzert nur für „notwendige Behandlungen“, wie der Minister einschränkt?

Nun, falls dem so ist, trifft eine logische Keule, denn die Behandlungen sind gar nicht notwendig: Es gibt kein Naturgesetz, das die künstliche Befruchtung zur lebenserhaltenden Maßnhme werden lässt. Das würde sich auch mit dem vermeintlichen Kinderwunsch ins Gehege kommen, denn wäre die Behandlung notwendig, der Kinderwunsch wäre ein Kinderzwang. Der Herr Minister hat offensichtlich keine Ahnung, wovon er spricht, auch nicht davon, was Gerechtigkeit ist.

Gerechtigkeit ist nämlich nicht, wenn andere für meine Wünsche zahlen. Das mag Politikern aufgrund ihrer hohen Gehälter, die viele trotz intellektueller Mittelmäßigkeit (im besten Fall) beziehen, so vorkommen, aber es ist nicht so. Gerechtigkeit ist, wenn man für eine Anstrengung und im Vergleich zur Anstrengung eines anderen, eine der Anstrengung und ebenfalls im Vergleich zum anderen entsprechende Auszahlung erhält. Wenn zwei Arbeiter die gleiche Arbeit in gleicher Intensität verrichten und der eine 5 Stunden, der andere aber 7 Stunden arbeitet, dann ist es gerecht, dass derjenige, der länger gearbeitet hat, auch mehr Lohn erhält.

(Wir wollten eigentlich ein Beispiel mit Politikern machen, aber hier versagt die Equität, denn Politiker werden ja für ihre Existenz und nicht für ihre Leistung bezahlt. Wen wundert es da noch, dass sie keinerlei Ahnung davon haben, was als Gerechtigkeit anzusehen ist.).

red ferrariAber für Herrn Bischoff ist Gerechtigkeit, wenn ein Wunsch erfüllt wird, der mit so hohen Kosten verbunden ist, dass ihn sich der Wünschende nicht selbst erfüllen kann. Diese, nennen wir sie Bischoff-Gerechtigkeit, wollen wir zum Anlass nehmen, um ein kleines Wunschkonzert zu starten. Also, Liebe Leser von ScienceFiles, wünschen Sie sich etwas aus dem breiten Angebot der Bischoff-Gerechtigkeit.

Gibt es etwas, das sie gerne hätten, das Sie sich aber nicht leisten können und für das Sie der Meinung sind, dass es keine Sozialauswahl geben darf? Dann teilen Sie es uns und dem Herr Bischoff mit. Nutzen Sie dazu sein eigens eingerichtetes Kontaktformular und ergänzen Sie das Stichwort: Bischoff-Gerechtigkeit.

Wir haben uns von Herrn Bischoff eine einsame Insel gewünscht, auf der man keine Nachrichten aus Deutschland empfangen kann.

island in the sun
Und Sie?

Nachtrag

Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem der Ausstieg aus der furchtbaren Kerntechnik beschlossen ist, in einem Land, in dem die Gentechnologie mit mystischen Kräften, die allesamt Schreckliches hervorbringen, verbunden und entsprechend abgelehnt wird, dennoch und über Steuergelder finanziert an Erbgut herumexperimentiert werden darf. Und ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem das so genannte ungeborene Leben (ein netter Widerspruch) von so vielen Beschützern verteidigt wird, befruchtetes Erb-Material dem Absterben preisgegeben oder auf Eis gelegt wird? Und ist es nicht erstaunlich, mit welcher Vasallentreue sich die heftigen Kinderwünscher Dritten anvertrauen, sich unter deren Obhut begeben und keine Sekunde daran zweifeln, dass das, was da in ihnen heranwächst auch wirklich ihres ist?

Im Krefelder Rathaus grassiert der Wahnsinn

KrefeldEin Leser von ScienceFiles, dem wir an dieser Stelle herzlich danken, hat uns ein besonderes Kleinod zugespielt, ein Kleinod, das den Wahnsinn, der in öffentlichen Verwaltungen endemisch zu sein scheint und der sich in „Programmen“ niederschlägt, die auch den standhaftesten Leser durch ihre logischen Fehler, den darin enthaltenen, gesammelten Unsinn und den allgegenwärtigen Kampf mit den Fällen der deutschen Sprache niederstrecken, in komprimierter Weise vorführt.

Nun ist das „Programm zur Chancengleichheit“ der Stadt Krefeld, das „Maßnahmen zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern bei der Stadtverwaltung Krefeld“ enthält und damit schon im Titelblatt zu erkennen gibt, dass die Schreiber des Programms, genauso wie diejenigen, die es verabschiedet haben, nicht wissen, wovon sie reden, die Grundlage der Einstellungen, die die Stadt Krefeld als Dienstleister vornimmt.

Krefeld ChancengleichheitInsofern ist die Vermengung von Chancengleichheit und Gleichberechtigung vielleicht kein Zufall, denn Chancengleichheit hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun da erstere z.B. auf gleiche Chancen beim Zugang zu Positionen abzielt, während letztere die Behandlung von Bewerben auf Positionen beschreibt. Chancengleichheit baut somit auf vorhandenen individuellen Merkmalen, während Gleichberechtigung auf zugewiesenen kollektiven Merkmalen basiert und damit notwendigerweise indivdiuelle Merkmale diskriminiert. Die weitere Lektüre des Programms zeigt jedoch, dass die Vermengung vermutlich nicht intentional ist, denn die Schreiber des Programms sind nicht nur der deutschen Sprache hoffnungslos ausgeliefert, sie führen auch und ganz offensichtlich einen Kampf mit Begriffen und versuchen, Leser durch die Verwendung möglichst vieler zumindest für sie gelehrt klingender Begriffe zu erschlagen.

Aus diesem Bemühen resultieren dann so aufschlussreiche Sätze wie: „Diversity Management ist in erster Linie ein ‚Human-Ressource-Ansatz'“. Boah ey! Die Hülse, die man auch als Grumpf ist in erster Linie ein Mampf-Ansatz umschreiben kann, hakt indes daran, dass der Schreiber sich, wie Buridans Esel, nicht zwischen deutscher und englischer Sprache entscheiden kann. Entsprechend ist Diversity Management entweder in erster Linie ein „Human-Resource-Approach“ oder ein „Human-Ressourcen-Ansatz“.

Das bringt uns zum Thema deutsche Sprache.

Der verlorene Kampf mit der Sprache

Duden GrammatikDer Kampf mit der deutschen Sprache ist allgegenwärtig im Krefelder Programm zur Chancengleichheit der Verwaltungs-Legastheniker, die man ja auch nicht diskriminieren darf, nur weil sie nicht wissen, wie man z.B. Konjunktionen richtig verwendet:

„Familienfreundlichkeit der Kommune nach außen und innen trägt dazu bei, sowohl ihr Ansehen in der Bevölkerung als auch ihre Attraktivität als Arbeitgeberin zu erhöhen und gleichzeitig als Vorbild für andere (auch private) Arbeitgeber/innen zu sein (24).“

Möglicherweise könnte Heidegger dieser Seinsbetrachtung etwas abgewinnen, wenn er noch leben würde. Als normaler Sprecher der deutschen Sprache muss man jedoch darauf bestehen, dass das dritte „als“ nicht vom infinitiv erweiterten Sein gefolgt wird oder, wenn man auf das Sein besteht, ersatzlos entfällt.

Auch Relativsätze haben es schwer im Programm der Krefelder:

„Da das Programm zur Chancengleichheit auf einem Ratsbeschluss beruht, haben sich auch die Stadt Krefeld und die Fraktionen an ihn gebunden“ (10).

Dass man grammatikalisch männlichen Personalpronomen in einem Programm zur … Sie wissen schon, ablehnend, ja fast feindlich gegenübersteht, rechtfertigt nicht, sie willkürlich einzusetzen. Oder wollen die Schreiber tatsächlich betonen, dass die Stadt Krefeld und die Fraktionen sich an die Beschlüsse halten, die sie selbst treffen? Wohl kaum. Wahrscheinlicher ist, dass der Schreiber abermals von den Möglichkeiten der deutschen Sprache überwältigt wurde. Vielleicht war es ihm auch peinlich, den Ratsmitgliedern zu sagen, dass sie für den Unsinn, der im Programm zur Chancengleichheit steht, verantwortlich sind.

Der verlorene Kampf mit der Logik

Was die Schreiber an Defiztiten in der Verwendung der deutschen Sprache offenbaren, machen sie quasi wieder wett, durch einen umfassenden Einsatz logischer Fehler. Aber: Sprache hat etwas mit Logik zu tun. Wäre dem nicht so, man hätte Schwierigkeiten, sich zu verständigen. Etwas solche:

„Und es geht doch: Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden, Achim Exner, hat einige Zeit sein Amt in Teilzeit ausgeübt, um sein Kind selbst betreuen zu können“ (16).

Logik f dummiesMan kann nur vermuten, dass mit dem trotzigen „Und es geht doch“, etwas gezeigt werden soll, was von den Schreibern des Programms positiv bewertet wird. Also nicht, was sie zeigen, nämlich dass Achim Exner nach der Teilzeit, die er genommen hat, um „sein Kind selbst betreuen zu können“, zum „ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden“ geworden ist. Demnach, wäre „es geht doch“ als Möglichkeit gemeint, Oberbürgermeister, die sich nur mit halber Kraft ihrem Amt widmen, loszuwerden.

Aber so wird es vermutlich nicht gemeint sein. Vielmehr soll Exner vermutlich als Beispiel für die Möglichkeit der zumindest kurzfristigen Ämterführung in Teilzeit angestrengt werden. Und damit stellt sich die Frage: Und? Das Beispiel zeigt, dass Achim Exner Teilzeit Oberbürgermeister war – mehr nicht. Soll es mehr zeigen? Nun, wenn das die Absicht hinter „es geht doch“ ist, dann handelt es sich hier um einen individualistischen Fehlschluss, denn aus der Tatsache, dass Exner Teilzeit-OB war, ergibt sich schlicht und ergreifend nichts, was sich auf andere Oberbürgermeister oder wen auch immer übertragen ließe.

Nicht nur den individualistischen Fehlschluss beherrschen die Schreiber des Programms zur Chancengleichheit der Stadt Krefeld, nein, auch den ökologischen Fehlschluss beherrschen sie:

„Frauen haben in der Regel die besseren Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse. Mit externen Ausschreibungen kann dieses Potenzial auch für die Stadtverwaltung Krefeld erschlossen werden.“ (14)

Der ökologische Fehlschluss ist unter Genderisten allseits beliebt, doch ändern die Vielzahl der Fehlschließerinnen nichts daran, dass es sich um einen Fehlschluss handelt. Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass 70% der Beschäftigten der Stadt Krefeld in der Lage sind, die deutsche Sprache in ausreichendem Maße als Instrument so zu handhaben, dass eine Verständigung mit ihnen im Prinzip möglich ist, während dies für 30% der Beschäftigten nicht der Fall ist. Greifen wir nunmehr einen wahllosen Beschäftigten heraus. Können wir sicher sein, dass er die deutsche Sprache in ausreichendem Maße beherrscht und entsprechend nicht an der Formulierung des Programmes zur Chancengleichheit beteiligt war? Nein, denn die Wahrscheinlichkeit, einen nicht des Deutschen mächtigen Beschäftigen zu erwischen, beträgt 30%.

Jetzt wird es schwierig. Wie kann man die gewonnene Erkenntnis auf die zitierte Textstelle übertragen?Wenn Frauen in der Regel bessere Bildungsabschlüsse erreichen als Männer, dann ist dies eine Aussage im Aggregat, die nicht gewährleistet, dass die Frau, die sich gerade bei der Stadt Krefeld bewirbt, auch einen besseren Bildungsabschluss hat als männliche Bewerber (vielmehr mag das Krefelder Programm als Hinweis darauf dienen, dass es sich eher umgekehrt verhält). Und einmal mehr erweist sich ein Satz im Programm als Unsinn.

Die Wahrheit

Die Wahrheit findet sich auf S.18 des „Programms“, hier räumen die Schreiber mit „Missverständnissen“ auf – ein für alle Mal:

„Entgegen vielen Missverständnissen sorgt die Gleichstellungsstelle nicht dafür, dass Frauen nur aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt werden“ [Hervorhebung durch uns]

TruthNa bitte. Damit sind hoffentlich all diejenigen, die fabulieren, dass Frauen nur wegen ihres Geschlechts bevorzugt werden, ruhig gestellt. Allerdings stellt sich nunmehr die Frage, wegen was Frauen in Krefeld sonst noch bevorzugt werden. Leider gibt es im „Programm zur Chancengleichheit“ hierzu keine weiteren Ausführungen, so dass wir den Ball an unsere Leser weiterspielen müssen und deren investigative Fähigkeiten anfragen:

An alle Leser:

Bitte finden Sie heraus, durch was, außer durch ihr Geschlecht, Frauen, die bei der Stadt Krefeld beschäftigt sind oder sein wollen noch (vermutllich gegenüber männlichen Bewerbern und Angestellten) bevorzugt werden.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass im Zeitalter des Employer Brandings (So ist das nicht, wir können auch mit Begriffen werfen…) die Stadt Krefeld für normal intelligente Menschen kein attraktiver Arbeitgeber ist, muss man als normal intelligenter Mensch doch nicht nur damit rechnen, mit unsinnigen und unlogischen Programmen konfrontiert zu werden, sondern auch mit Ratsherren und einer Verwaltungsspitze, die diesen Unsinn verabschiedet haben und sich nun „daran gebunden“ fühlen.