Gerechtigkeit ist…

Es kommt selten etwas Besseres nach, so eines dieser ewigen Pfälzer Sprichworte, die einem immer dann einfallen, wenn man damit konfrontiert ist, dass, na was: selten etwas Besseres nachkommt. Nachgekommen ist mit der neuen Regierung eine neue Ministerin für Familie und all die anderen (minus Männer) und wer über die Pressemitteilungen liest, der hat nicht den Eindruck, es habe sich etwas zum Besseren verändert – in Gegenteil.

Aber, und damit sind wir bei einer anderen Pfälzer Weisheit, die ein leider zwischenzeitlich verstorbener und heftig vermisster Pfälzer gerne geäußert hat: Es ist nichts so schlecht, als dass es nicht für ebbes gut ist! (digital remastered high-germanized version)

So auch die Pressemeldung unter dem Titel: “Förderung für ungewollt kinderlose Paare wird aufgestockt”. Gerade diese Pressemeldung eignet sich hervorragend, um ein paar (sozio-)logische Erkenntnisse zu verbreiten.

Beginnen wir mit dem Textteil des Bundes:

succesful cloning“Kinderwünsche dürfen keine Kostenfrage sein”, sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. “Gerade für Paare mit kleinen und mittleren Einkommen stellen die hohen Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro oft ein großes Problem dar. Familienpolitik beginnt bereits vor der Geburt eines Kindes.”

Soziologie umfasst einen Bereich, der gemeinhin als Sozialstrukturanalyse beschrieben wird. Die Sozialstrukturanalyse hat z.B. die folgenden Ergebnisse erbracht: Familien, die sich Kinder eigentlich nicht leisten können, für die Kinder entsprechend eine Kostenfrage sind, produzieren mehr Kinder für die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, und dies vor allem deshalb, weil sie durchschnittlich später eingeschult werden, weil sie häufiger sitzen bleiben oder auf Sonderschulen landen, weil sie häufiger eine Hauptschulabschluss, wenn überhaupt einen Abschluss erreichen, kurz: Die Paare, die sich einen Kinderwunsch aus Kostengründen nicht erfüllen können, sind auch die Paare, deren Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Kinder anderer Paare, eine Karriere auf Transferzahlungen zu starten.

Geissler SozialstrukturWarum das so ist, ist eine andere Frage, deren Antwort man als Konflikttheoretiker damit geben könnte, dass die Mittelschicht ständig neues Fleisch in der Unterschicht braucht, auf das sie heruntersehen kann, um sich ihre eigene Überlegenheit zu bestätigen. Entsprechend wäre die Finanzierung, die den Paaren angedeihen gelassen wird, die sich wegen zu geringer Einkommen, ihren “Kinderwunsch” nicht erfüllen können, Geld, das zur Psycho-Hygiene der Mittelschicht eingesetzt wird. Und damit es auch klappt, sorgen Mittelschichtsinstitutionen wie sie die Schulen oder das BMFSFJ darstellen dafür, dass Kinder aus der Unterschicht auch nicht in die Weidegründe der Mittelschicht vordringen.

Weiter geht es im Text, und da die Förderung ungewollt kinderloser Paare in Sachsen-Anhalt stattfindet, kommt auch ein Vertreter der dortigen politischen Kaste zu Wort, ein Norbert Bischoff. Er hat auch besonderes Wissen, das er an den Leser bringen will:

“Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, ungewollt kinderlose Paare nicht über Gebühr mit der Finanzierung für notwendige Behandlungen allein zu lassen. Über die Kosten darf keine Sozialauswahl erfolgen.”

Norbert Bischoff

Norbert Bischoff: Schaffer der Bischoff-Gerechtigkeit

Wir sehen: nicht nur die Bundesministerin ist uninformiert über einfache gesellschaftliche Zusammenhänge, auch der Landesminister. Zwei, die sich gesucht und gefunden haben, ein nettes Paar, so zu sagen. Gerechtigkeit ist also, wenn ein Wunsch, der mangels finanzieller Ressourcen nicht erfüllt werden kann, durch die Allgemeinheit erfüllt wird. Ist das so? Nun, dann hätten wir gerne einen Dienst-Ferrari. Oder gilt das Wunschkonzert nur für “notwendige Behandlungen”, wie der Minister einschränkt?

Nun, falls dem so ist, trifft eine logische Keule, denn die Behandlungen sind gar nicht notwendig: Es gibt kein Naturgesetz, das die künstliche Befruchtung zur lebenserhaltenden Maßnhme werden lässt. Das würde sich auch mit dem vermeintlichen Kinderwunsch ins Gehege kommen, denn wäre die Behandlung notwendig, der Kinderwunsch wäre ein Kinderzwang. Der Herr Minister hat offensichtlich keine Ahnung, wovon er spricht, auch nicht davon, was Gerechtigkeit ist.

Gerechtigkeit ist nämlich nicht, wenn andere für meine Wünsche zahlen. Das mag Politikern aufgrund ihrer hohen Gehälter, die viele trotz intellektueller Mittelmäßigkeit (im besten Fall) beziehen, so vorkommen, aber es ist nicht so. Gerechtigkeit ist, wenn man für eine Anstrengung und im Vergleich zur Anstrengung eines anderen, eine der Anstrengung und ebenfalls im Vergleich zum anderen entsprechende Auszahlung erhält. Wenn zwei Arbeiter die gleiche Arbeit in gleicher Intensität verrichten und der eine 5 Stunden, der andere aber 7 Stunden arbeitet, dann ist es gerecht, dass derjenige, der länger gearbeitet hat, auch mehr Lohn erhält.

(Wir wollten eigentlich ein Beispiel mit Politikern machen, aber hier versagt die Equität, denn Politiker werden ja für ihre Existenz und nicht für ihre Leistung bezahlt. Wen wundert es da noch, dass sie keinerlei Ahnung davon haben, was als Gerechtigkeit anzusehen ist.).

red ferrariAber für Herrn Bischoff ist Gerechtigkeit, wenn ein Wunsch erfüllt wird, der mit so hohen Kosten verbunden ist, dass ihn sich der Wünschende nicht selbst erfüllen kann. Diese, nennen wir sie Bischoff-Gerechtigkeit, wollen wir zum Anlass nehmen, um ein kleines Wunschkonzert zu starten. Also, Liebe Leser von ScienceFiles, wünschen Sie sich etwas aus dem breiten Angebot der Bischoff-Gerechtigkeit.

Gibt es etwas, das sie gerne hätten, das Sie sich aber nicht leisten können und für das Sie der Meinung sind, dass es keine Sozialauswahl geben darf? Dann teilen Sie es uns und dem Herr Bischoff mit. Nutzen Sie dazu sein eigens eingerichtetes Kontaktformular und ergänzen Sie das Stichwort: Bischoff-Gerechtigkeit.

Wir haben uns von Herrn Bischoff eine einsame Insel gewünscht, auf der man keine Nachrichten aus Deutschland empfangen kann.

island in the sun
Und Sie?

Nachtrag

Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem der Ausstieg aus der furchtbaren Kerntechnik beschlossen ist, in einem Land, in dem die Gentechnologie mit mystischen Kräften, die allesamt Schreckliches hervorbringen, verbunden und entsprechend abgelehnt wird, dennoch und über Steuergelder finanziert an Erbgut herumexperimentiert werden darf. Und ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem das so genannte ungeborene Leben (ein netter Widerspruch) von so vielen Beschützern verteidigt wird, befruchtetes Erb-Material dem Absterben preisgegeben oder auf Eis gelegt wird? Und ist es nicht erstaunlich, mit welcher Vasallentreue sich die heftigen Kinderwünscher Dritten anvertrauen, sich unter deren Obhut begeben und keine Sekunde daran zweifeln, dass das, was da in ihnen heranwächst auch wirklich ihres ist?

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... concerned with and about science

11 Responses to Gerechtigkeit ist…

  1. FDominicus says:

    Sieht so aus als ob wir einfach nur die Absurdität kultivieren

  2. Chaeremon says:

    Als kinderloses Ehepaar waren wir ganz frustriert als uns die Ärzte den Befund mitteilten. Aber das hat uns (natürlich) nicht abgehalten, und wir haben nach reiflicher Überlegung einen Antrag auf Adoption eingereicht.

    Im Tollhaus-D wird so ein Antrag dann auf- und abgestapelt, man bekommt Zwischenbescheide, auf dem wievielten Rang man inzwischen gelandet ist. Ganz entscheidend hat sich dieser Rang geändert, als das Gutachten vom örtlichen Pastor eintraf: wir wären noch nie in seiner Kirche erschienen (wir sind konfessionslos). Weiter entscheidend war das Gutachten vom örtlichen Metzger: wir wären noch nie im Laden gewesen (ging ja nicht, nach unserem Feierabend hatte der immer geschlossen und wir arbeiten beide Samstags). Als dann auch das Gutachten von unserem Vermieter eintraf: wir hätten noch nie den Rasen gemäht (war als seine Leistung bei den Nebenkosten vertraglich geregelt) schlug es dem sprichwörtlichen Fass den Boden aus. Es ergab sich zufällig, dass wir in die benachbarte Grossstadt umziehen konnten, was wir dann auch in Angriff nahmen (schon allein wegen der kürzeren Fahrzeit, versteht sich).

    Dort angekommen hatten wir dann den Antrag auf Adoption (im benachbarten Bundesland) nochmal einzureichen, aber man gab uns gleich zu verstehen dass “man” erstmal die Anträge der langverdienten Ortsansässigen auf- und abgestapeln würde, und dass der Rang sich auch durch verstärkte Nachfrage von langverdienten Ortsansässigen verändern würde, so dass wir mit Zeiträumen von Jahrzehnten zu rechnen hätten. Wir sind also nur von einem Tollhaus zum anderen gegangen, weiter nichts.

    Über die volle Kostenübernahme (durch die Gesundheitskasse) von ärztlichen Versuchen können wir uns nicht beklagen, das war damals wohl noch im Aktenordner mit der Aufschrift “Gerecht” einsortiert, oder nur einfach unauffindbar zwischen den einzelnen Tollhäusern, wer weiss das schon.

    Wir bezweifeln allerdings, aus guten Gründen, dass es irgendwo im Tollhaus-D gerecht zugeht: das sind nur Märchen von Norbert Bischoff (und anderen Tollhaus-D Betreibern) die man zum Nachweis (bei EU & co) der Einwanderungswilligkeit-D statistikhalber braucht.

    • Markus says:

      Dass es keine Kinder mehr zur Adoption gibt liegt vermutlich nicht am Pfarrer und dem Vermieter, sondern an Pille und Legalisierung der Abtreibung – oder ?!?

      • Chaeremon says:

        Nein, es gibt heutzutage viel mehr Kinder zur Adoption (YMMV; die Statistiken sind politisch motiviert), weil es viel mehr zerrüttete Lebensgemeinschaften und Junkies gibt denen das “Sozialamt” die Kinder irgendwann einfach wegnimmt und an langverdienten Ortsansässige weiterreicht.

        Letztere machen mit Gutachtern (wie schon damals) gemeinsame Sache. Cui bono, mit Knete vom “Sozialamt” (man kann “Kurse” dafür nehmen, dann gibts auch ‘ne “Zulassung” vom “Sozialamt”). Wenn Sie keine Horrorstories aus der Realität verkraften dann sollten Sie diese “Zustände” erst garnicht erforschen: die Kinder müssen alles erleiden, traumatisch, was sich das Tollhaus-D so “ausdenkt”.

        • Markus says:

          Naja, dass die Statistiken politisch motiviert gefälscht sind müssten sie mir erstmal nahebringen … stecken da die Freimaurer dahinter ? Oder die Juden ? 😉 Das blog hier heisst, “sciencefiles” nicht “Verschwörung für Anfänger” !

  3. Fiete says:

    Mal eben kurz zusammengefasst: es gibt kein Recht auf Kinder und das ist völlig okay.
    Aber Schwesig und ähnlichen Familienverachtern passt das nicht, also führen sie es, parallel zum ( gleichlautende ) Gruppenprivileg für homosexuelle Partnerschaften, durch die Hintertür ein.
    Nächster Schritt wäre: Befreiung von allen homosexuellen Lebensabschnittsgemeinschaften von sämtlichen Kosten bei Mietmutterschaft, künstlicher Befruchtung, Adoption anderen geraubter Kinder u.s.w., u.U. auch postnatal.
    Hauptsache das Kind hat nicht zwei Eltern unterschiedlichen Geschlechts, oder weitere natürliche Verwandte, wäre wohlmöglich gar durch normalen “heteronormativen” Geschlechtserkehr gezeugt worden ( #Aufkreisch! ).

    Obwohl: postnatal geht doch nicht, oder höchstens für ein paar Wochen, denn sonst müßten nicht beide ( oder alle drei, vier, fünf ) kurz nach der Geburt wieder vollzeit arbeiten und das würde ja den flächendeckenden Ausbau der Krippen in Verzug bringen, wäre also schlecht für die Expansion der “Dienstleistungsgesellschaft”.

  4. Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Gerechtigkeit

  5. Markus says:

    Ansonsten lese ich Michael Klein gern … aber hier irrt er:

    Weibliche Eizellen altern mit der Frau, deshalb ist ungewollte Kinderlosigkeit (genauer gesagt: Naive Studentinnen der Sozial- und Geisteswissenschaften mit einem unrealistischen Preis-Leistungs-Verhältnis was ihre Gebährfähigkeit angeht, die zu lange warten, bis sie dann doch noch mit Trostpreis-Männes ein Kind wollen, weil die Freundin inzwischen auch eines hat) – diese “ungewollte Kinderlosigkeit” ist ein Problem älterer Frauen, v.a. Akademikerinnen. Ob akademische Männer Kinder wollen oder nicht ist dem Staat sowieso scheissegal, dem Staat sind Männer, da weniger wechselwählend und treudoof, sowieso völlig egal, die sollen Steuern zahlen und sich als Besserverdiener beschimpfen lassen und gut ist – wenn sie aufmucken sollen sie sich vorsehen, dass man sie nicht Patriarchen oder Kinderschänder nennt.

    Demgegenüber bekommen Uschi Dorfschlampe und Bülük Özkölötzglück ohnehin mit 19 ihr erstes Kind von wem auch immer und lassen sich den Rest der Zeit vom Staat durchfüttern (Männe kann und will nicht zahlen, warum sollte er auch, er hat nie ein Eheversprechen gegeben und die Pille auf Krankenschein ist Uschi vermutlich auch vorher bekannt gewesen …). Diese Unterschichtskinder sind aber eher ein P r o b l e m als die L ö s u n g unseres Bevölkerungsproblems, denn die werden kaum Akademiker werden … und Jobs für Kistenschlepper gibt es in Deutschland sowieso seit Jahrzehnten nicht mehr, sie werden als Wähler zwar hoch geschätzt, soziologisch-konzeptionell-strukturell vielfältig betreut, ökonomisch aber “Hartz-Betroffene” werden.

    DESHALB hat der Bischoff das Thema aufgegriffen, und ihm ist darin zuzustimmen (aber man kann natürlich in der SPD nicht sagen “Wir brauchen weniger Unterschichtskinder und mehr Akademikerkinder …”, da laufen einem die Wahler ja noch mehr weg, deshalb dieser Bonbonton.)

    Bischoff hat Recht ! Es müsste aber sein Vorschlag noch radikalisiert werden, wie Murray/Herrnstein das für die USA ja gemacht haben: Verheiratete Akademiker, die vor dem 30. Lebensjahr ein Kind bekommen, bekommen einen zinslosen Staatskredit über 250.000 Euro zur Familiengründung und eine Unterschichtshaushaltshilfe gratis (gute Investition – wenn die keinen Bock hat “Reichenkindern” Windeln zu wechseln, gibt´s kein Hartz mehr …), denn sie werden in den folgenden 30 Jahren durch ihre höherwertige Arbeit den Staat durch Steuern füttern. Unterschichtsmütter, insbesondere alle Unverheirateten, erhalten vom Staat überhaupt keine Unterstützung mehr, das gleiche gilt für Muslime. Wer als nicht Steuern Zahlende Kinder will, soll sich vorher einen zahlungskräftigen Mann suchen und dem den Kinderwunsche durch eine Eheschliessung auch klarmachen (Aprés-Disco-Nächte dürfen keinen lebenslangen Versorgungsanspruch mehr begründen). Transferleistungen werden auf “biblische” 10% im Sinne von “Almosenanspruch” begrenzt, so verhungert keiner, aber es ist auch kein “alternativer Lebensentwurf” alleinerziehende Hartzerin zu werden. Den Rest kann jeder selbst ausgeben wie er will, wenn sie denn Lust hat mehr zu erwirtschaften, statt talkshows zu schauen.

    Der Satz “Mütter bedürfen des besonderen Schutzes des Staates” (warum eigentlich ?) wird wieder aus dem GG gestrichen und es bleibt nur noch das ursprûngliche “Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Staates”.

    Alles total rassistisch-sexistisch-imperialistisch und nicht grundgesetzkonform, ich weiss – aber eine gute Richtung Zukunft zu denken, statt immer nur weiter die DDR light in der wir inzwischen leben auszupolstern.

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