Rechtsextremismus-Schlammschlacht: Unfähige gegen Ahnungslose

Das Drama: Wettstreit der Opfer – wer ist das opferigere Opfer?

Die Beteiligten am Drama:
Göttinger Institut für Demokratieforschung: Erstellt eine Studie, die keinen wissenschaftlichen Standards entspricht und als Auftragsarbeit nur zu dem Zweck erstellt wird, Iris Gleicke einen Erfolg zu verschaffen;

Iris Gleicke,
Beauftragte für Ossis mit einem selbsterklärten Interesse an Rechtsextremismus. Braucht eine Studie als Arbeitsnachweis und dazu, sich zu profilieren und als Anti-Rechts zu inszenieren.

Akt 1:
Die Studie wird erstellt, vorgestellt, von Gleicke über den grünen Klee gelobt und von den Medien begierig aufgenommen. Man hat es ja schon immer gewusst: Die Ossis sind rechtsextrem, Freital (Rechte) und Heidenau (ganz Rechte) belegen das. Müssen sie auch, denn viel mehr als Freital und Heidenau haben die Göttinger nicht berücksichtigt und dennoch allen Ossis ein vernichtendes Urteil ausgestellt.

Akt 2:Goettingen Junk Science
Die Veröffentlichung der Studie hat Folgen: ScienceFiles hat eine methodische und inhaltliche Kritik veröffentlicht, die sich in Varianten in etlichen Medien niederschlägt.

Gleicke steht zu ihren Auftragnehmern. Die Studie ist gut. Es gebe keinen Grund, an den Ergebnissen zu zweifeln. Die methodischen und inhaltlichen Unzulänglichkeiten, die die Studie zu einem Schulbeispiel für den Missbrauch von Wissenschaft zur Legitimation vorbestimmter Ergebnisse machen, interessieren Gleicke nicht. Schließlich hat sie genau das bestellt.

Akt 3:
Die Kritik verstummt nicht. Von erfundenen Interviewpartnern ist die Rede und Tatsachen über die Art und Weise, in der die Interviews geführt und die Interviewpartner an der Nase herum geführt wurden, gelangen an die Öffentlichkeit. Michael Panse, Stadtrat in Erfurt, beschreibt seine Erfahrung als Interviewter mit dem Göttinger Institut am 25. Mai auf Facebook wie folgt:

“Fünf Dinge sind dazu aus meiner Sicht einzuwerfen:
1. Ich war einer der 40 Gesprächspartner (im Rahmen eines Telefoninterviews).
2. Mit mir wurde nicht darüber gesprochen, ob ich anonymisiert werden möchte, oder nicht – es wurde offensichtlich von den Verfassern eigenverantwortlich entschieden.
3. Mir wurde nicht gesagt, dass es bei der Studie u.a. um den Herrenberg in Erfurt geht, stattdessen wurde nach allgemeinen politischen Einschätz[ung]en zum Thema Rechtsextremismus gefragt.
4. Die von mir zitierten Sätze sind eine stark verkürzte Wiedergabe. Der daraus folgenden Einordnung und Wertung widerspreche ich ausdrücklich.
5. Nach Lektüre der Studie habe ich den Eindruck, dass das Ergebnis bereits vor den Interviews feststand und dazu gezielt nach verstärkenden Zitaten und Argumenten gesucht wurde.”

Qualitative Interviews, die am Telefon geführt werden, sind sicherlich eine Neuerung und bislang nicht in der einschlägigen Literatur erfasst. Bislang wurde die Stärke qualitativer Interviews auch darin gesehen, den Befragten von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu sitzen. Wird auf diesen wichtigen Bestandteil qualitativer Interviews verzichtet, dann muss es handfeste Gründe dafür geben. Der Eindruck, den Panse in seinem 5 Punkt wiedergibt, nämlich als Sprechvieh missbraucht worden zu sein, das nur dazu gedient habe, die vorgefertigten Ergebnisse zu legitimieren, ist ein solcher Grund. Und da die Arbeit der Göttinger eine Auftragsarbeit im Rahmen einer Legitimationsbeschaffung ist, ist der Grund nicht von der Hand zu weisen.

Akt 4:
Gleicke bekommt kalte Füße. Die interne Kritik muss so heftig geworden sein, dass die Ostbeauftragte nun versucht zu vermeiden, dass die Auftragsstudie zur Imagepolitur zu einer Auftragsstudie, die den Abschied aus dem politischen Leben einläutet, wird. Die Sommerpause ist immer ein guter Zeitpunkt, zu dem man sich von lästigen Lasten befreien kann. Und genau diesen Zeitpunkt wählt Gleicke, um die Göttinger und ihre Junk Studie, für die Gleicke rund 130.000 Euro aus den Taschen der Steuerzahler verplempert hat, loszuwerden.

Die Glaubwürdigkeit der Studie sei dahin. Schlamperei und Fehler hätten sie zerstört.

Schuld sind die Unfähigen in Göttingen, die der wohlmeinenden Ostbeauftragten eine Junk Studie untergeschoben haben.

Akt 5:
Die Auftragsnehmer und Legitimations-Forscher aus Göttingen sehen sich einmal mehr als Opfer der Studie, die sie selbst erstellt haben. Sie sind überrascht und empört und in erster Linie ganz unschuldig. Dass dem so ist, wollen Sie mit den folgenden Aussagen belegen:
Man habe im Bundeswirtschaftsministerium genug Zeit gehabt, um die Studie vor Veröffentlichung zu lesen;
Der Vorwurf methodischer Fehler sei unsinnig … noch am 4. Juni sei die entsprechende Kritik aus dem Ministerium als „haltlos“ bezeichnet worden.
Und das Beste kommt zum Schluß:

„Wenn man sich mit wissenschaftlichen Studien auf ein solches Terrain wie den Rechtsextremismus begibt, wird bekanntermaßen hart gekeilt, wie es auch bereits jetzt in den einschlägigen Foren als Reaktion auf die Berichterstattung über den Brief geschieht. Dass das Ministerium sich dabei überstürzt davonmacht – ohne mit uns zuvor darüber auch nur ein Wort geredet zu haben –, ist bedrückend. Offenkundig scheint ein solches Verhalten in Wahlkampfzeiten für opportun gehalten zu werden. Aber ob man damit wirklich etwas gewinnt?”

Da haben sich die Göttinger mutig wie sie nun einmal sind, in das verminte Gelände des Rechtsextremismus begeben, haben keine Mühe gescheut, um die gewünschten Ergebnisse auch herbeizuschreiben und was passiert: Sie werden im Regen stehen gelassen. Kaum dass die Kritik einsetzt, macht sich „das Ministerium“ davon – ohne auch nur ein Wort mit den Göttingern gesprochen zu haben. Die Mohren aus Göttingen haben ihre Schuldigkeit getan und können gehen. So ihre Opfergeschichte.

Welcher Opfergeschichte glauben Sie? Der Opfergeschichte der Ossi-Beauftragten, deren Vertrauen nach eigenen Angaben durch die Göttinger Schlamper erschüttert wurde oder der Geschichte der Göttinger Opfern, die völlig unverdient in das Kreuzfeuer der Kritik von phantasierten Rechten geraten sind und deren gute, schöne, herausragende, ja unglaublich ergiebige Studie, um ihren Platz im Walhalla der Wissenschaft betrogen wird.

Damit Sie entscheiden können, welche Opfergeschichte sie glauben, die der Ahnungslosen, die dennoch mit Steuergeldern hantiert oder die der Willfährigen, die sich als Legitimationsbeschaffer verdingen, hier ein paar Highlights der methodischen und inhaltlichen Idiotien, die sich in der Göttinger Studie finden:

  • Es werden Aussagen über alle Ostdeutschen gemacht. Die Datenbasis erlaubt keine Aussagen über Ostdeutsche (weil im Wesentlichen nur ein paar Ossis in drei Städten und noch dazu qualitativ befragt wurden);
  • Es werden Vergleiche zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen angestellt. Die Datenbasis erlaubt keine derartigen Vergleiche. Es wurden überhaupt keine Westdeutschen befragt.
  • Es werden generelle Aussagen über Erfurt, Freital und Heidenau gemacht, die die Datenbasis nicht zulässt (wenige Befragte können nicht mehrere 10.000 Einwohner repräsentieren).
  • Die Göttinger behaupten, sie hätten Ursachen für Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit identifiziert. Da sie keinerlei Kausalanalysen vorgenommen haben und überdies mit nur wenigen Befragten arbeiten, ist es nicht möglich, auch nur in die Nähe der Entdeckung einer Kausalität zu gelangen.
  • Die Göttinger sind für einen der dümmsten Sätze, den die Wissenschaftsgeschichte je gesehen hat, verantwortlich. Sie schreiben:

„Die jeweiligen Fokusgruppen hatten eine Größe von sechs bis acht TeilnehmerInnen, wobei versucht wurde – und auch weitgehend gelang -, sowohl nach Alters- als auch nach den Geschlechterdurchschnitt sowie die Verteilung nach Berufstätigkeit/Ausbildung/Arbeitslosigkeit/Rente der jeweiligen Untersuchungsorte einigermaßen repräsentativ abzubilden.“ (12)

Dazu haben wir schon am 18. Mai angemerkt:

Das ist mit Verlaub der größte Schwachsinn, den wir je gelesen haben. Wer behauptet, er können auf Basis von 6 bis 8 Personen die „jeweiligen Untersuchungsorte einigermaßen repräsentativ“ abbilden, wie dies die Göttinger tun, der hat entweder (1) nicht mehr alle Tassen im Schrank, (2) keine Ahnung von Methoden, (3) will bewusst seinen Auftraggeber täuschen oder macht (4) sich einen Spaß mit seinem Auftraggeber, dem er entsprechende Attribute von Dummheit und Naivität zuweisen muss.

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

  • Damit die Göttinger auch finden, wonach sie auf der Suche sind, haben sie fast ausschließlich Personen befragt, von denen man bereits vorher wissen kann, dass sie über das Ausmaß des Rechtsextremismus in Ostdeutschland jammern werden, schon weil es zu ihrer politischen Ideologie gehört, über Rechtsextremismus zu jammern bzw. weil sie für das Jammern bezahlt werden.

Nun: welche Opferstory ist glaubwürdiger, die von der Ahnungslosen Iris, die als Ostbeauftragte Steuergelder verschleudert oder die von den armen Göttingern, die sich heldenmutig in vermintes Gelände gewagt haben und dort in die Luft gesprengt wurden?

Wer ist für Sie das Opfer? (Mehrfachnennungen erlaubt)

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Erfolg für ScienceFiles: Ostbeauftragte distanziert sich von Rechtsextremismus-Studie

Erinnern sie sich noch an die Studie aus dem Göttinger Institut für Demokratieforschung, in der eben einmal alle Ostdeutsche zu Rechtsextremisten erklärt wurden? War haben diese Studie als erste umfassend kritisiert und gezeigt, dass sie methodisch wie inhaltlich Junk darstellt. Darüber hinaus haben wir auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen, die den Verdacht nahelegen, dass nicht alle Befragten, die angeblich befragt worden sein sollen, auch tatsächlich befragt wurden.

Unsere Kritik stand zunächst der üblichen Jubelberichterstattung gegenüber, mit der die meisten Mainstream-Medien auf alles reagieren, das zum einen die Möglichkeit gibt, verbal auf Ostdeutsche einzuschlagen, es zum anderen erlaubt, virtue signalling zu betreiben, sich als Guter zu inszenieren, der gegen die bösen Rechten Stellung bezieht. Entsprechend haben die Göttinger viel medialen Beifall von denen erhalten, die keine Ahnung von empirischer Sozialforschung haben.

Auch die Bundesbeauftragte für die Ossis hat die Göttinger und ihre Studie zunächst in Schutz genommen und keinen Grund gesehen, sich von dem Science Junk, den man ihr, der Ahnungslosen, angedreht hat, zu distanzieren.

Das hat sich seither geändert. Scheinbar hat die Ossi-Beauftragte zwischenzeitlich fachkundigen Rat eingeholt und nachdem ihr der Rat erteilt wurde, eine Möglichkeit gesucht, um sich aus der Ecke, die sie als Anhänger der Göttinger Junk Science bezogen hat, zu befreien.

Der Befreiungsschlag ist heute erfolgt.

Wie die Sächsische Zeitung mit Bezugnahme auf einen Brief der Ostbeauftragten, der der Zeitung vorliegt, berichtet, distanziert sich die Ostbeauftragte von der Studie, die sie einst so prima fand und bei der sie trotz aller von uns vorgebrachten Argumente, keinerlei Grund sah anzunehmen, dass sie Junk darstellt.

Der plötzliche Sinneswandel wurde dadurch ausgelöst, dass die Göttinger „ohne nähere Erläuterungen und Hinweise darauf, was geändert wurde“ und offensichtlich als klandestine Form der Vertuschung eigener Fehler, die durch unsere Kritik offenkundig geworden sind, neue Fassungen ihrer Studie nachgerecht haben [Man kann sich dumm und man kann sich dämlich anstellen]. Daraus, so die Ostbeauftragte, könne sie nur die Konsequenz ziehen, sich „hiermit in aller Form von der Studie zu distanzieren“.

Die Deutlichkeit der Art, in der sich Gleicke distanziert, gibt einen ungefähren Eindruck von dem Aufruhr, den es im Bundesministerium für Wirtschaft, zu dem Gleicke gehört, gegeben hat. Hier ein paar Zitate aus dem Brief, den Gleicke an das Institut für Demokratieforschung in Göttingen geschrieben hat:

„Dieser Mangel an Sorgfalt, um es freundlich auszudrücken, ist zum einen mit den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens nicht zu vereinbaren und zum anderen ein klarer Beleg für eine schlicht nicht hinnehmbare Schlamperei, die bei einem so sensiblen und wichtigen Thema auch dann unentschuldbar wäre, wenn der Fehler auf bloßes redaktionelles Ungeschick zurückzuführen sein sollte.“

Goettingen Junk Science„Ich betrachte die Bekämpfung des Rechtsextremismus seit Jahrzehnten als eine meiner wichtigsten Aufgabe. Dass Sie diesem Anliegen (ebenso wie dem eigentlich hervorragenden Ruf Ihres Instituts) einen Bärendienst erwiesen haben, ist Ihnen hoffentlich bewusst.“

Natürlich ist das nur vorgeschoben, denn offensichtlich hat Frau Gleicke von der SPD nach einem Vorwand gesucht, um die verschwendeten Steuergelder in Höhe von 129.391,86 Euro zurück zu bekommen und gleichzeitig nicht wie der ahnungslose Konsument, dem man gerade eine Kaffeeanbauröstundbrüh-Maschine verkauft hat, dazustehen – in aller Lächerlichkeit.

Wir wagen hier die begründete Prognose, dass die Ostbeauftragte ohne unsere methodische Kritik, ohne unseren Hinweis darauf, dass es mehr als den Anschein hat, dass Interviews erfunden wurden und ohne die Aufzählung all der methodischen und inhaltlichen Fehler die die Göttinger ihrem Generalverdikt von Ostdeutschen zu Grunde gelegt haben und vor allem ohne den Aufruhr in Mainstream-Medien wie der Welt, die bei uns kopiert haben, noch heute von der Junk-Studie begeistert wäre und – um im Bild zu bleiben – darauf warten würde, dass sich eine Kaffeebohne entwickelt, die man rösten und brühen kann.

Wenn die 129.391,86 Euro, die nach Göttingen überwiesen und dort für die Produktion von Junk Science ausgegeben wurden, tatsächlich zurück gefordert werden können, dann muss man davon ausgehen, dass eine Intention, Junk Science abzuliefern und Ostdeutsche als Rechtsextreme zu diffamieren, vorhanden war. Welche Straftatbestände dadurch erfüllt werden, ist eine Frage, die an die Adresse der vielen Juristen unter unseren Lesern geht.

Politisch motivierte Straftaten: Wie man Rechte gefährlicher macht

Polizeiliche Statistiken sind seit jeher ein Zankapfel für Kriminologen gewesen. Was zeigen sie? Zeigen sie überhaupt etwas? Wie kann man mit der Tatsache umgehen, dass ein gezähltes Delikt einmal mehr als einen Straftatbestand umfasst, einmal mehrere gezählte Delikte nur einen Straftatbestand darstellen?

Das zuletzt genannte Problem ist besonders schwerwiegend. Ein Beispiel macht dies deutlich. Ein Demonstrant, der im Rahmen einer Demonstration einen Polizeibeamten verletzt, ein Auto in Brand steckt und – for good measure – noch eine Schaufensterscheibe einschlägt, zählt, wenn er schließlich von der Polizei in Gewahrsam genommen wird, statistisch als ein Landfriedensbruch. Der Sammelstraftatbestand „Landfriedensbruch“ verdeckt somit die Tatsache, dass tatsächlich drei Straftaten begangen wurden. Gezählt wird nur eine – als politisch motivierte Straftat von links im vorliegenden Fall.

Verteilt ein anderer 100 Flugblätter, auf denen der Holocaust geleugnet und ein Loblied auf Hitler gesungen wird, dann zählt dies als 100 Straftaten, nämlich als 100 einzelne Propagandadelikte. Während oben ein Täter drei Straftaten begeht, die statistisch als eine erfasst wird, begeht hier ein Täter eine Straftat, die statistisch 100 Mal zählt.

Das sind einige der Probleme, die die Polizeiliche Kriminalstatistik zu einem Zahlenwerk machen, das man mit Vorsicht genießen muss.

Vorsicht ist jedoch im ideologischen Kampf höchst hinderlich, insbesondere wenn es darum geht, die Behauptung, rechte Straftäter seinen gefährlicher als linke zu einem Gemeingut werden zu lassen. Gerade versuchen sich wieder die unterschiedlichsten Experten, z.B. der emeritierte FU-Professor Hajo Funke im Stern, daran, die statistische Welt der Polizeilichen Kriminalstatistik, wie sie z.B. im Verfassungsschutzbericht zu finden ist, so zu verballhornen, dass dabei herauskommt, Rechte seien gefährlicher als Linke.

Dass Rechte gefährlicher sind als Linke ist nicht nur für das ideologische Seelenheil derer, die sich zu den besseren, linken Menschen zählen, wichtig, es ist wichtig, um weiterhin Steuermittel abgreifen zu können und es ist wichtig, um den Kampf gegen Kriminelle auf rechte Kriminelle beschränken zu können.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Daten des Verfassungsschutzberichts von 2016 so aufbereitet, dass ein Bild entsteht, das einen Vergleich von Straftaten, die von Rechts- bzw. Linksextremen begangen wurden, möglich ist.

Der Verfassungsschutzbericht weist für 2016 41.549 politisch motivierte Straftaten aus. Davon werden 23.555 als politisch rechts motivierte Straftaten und 9.389 als politisch links motivierte Straftaten geführt. Extremistisch motivierte Straftaten, also Straftaten, die von der Polizei als gefährlicher für die Aufrechterhaltung der Grundsätze der Verfassung eingestuft wurden, gibt es 22.471 von rechts und 5.230 von links. Das ist auf den ersten Blick ein eindeutiges Ergebnis: Politisch motivierte Straftaten von rechts werden häufiger erfasst als linke, was übrigens nicht heißt, dass sie auch häufiger begangen werden. Generell gilt für polizeiliche Statistiken was für alle Statistiken gilt, das, was man findet, hängt davon ab, wonach man sucht und mit welcher Intensität man danach sucht. Bei politisch motivierten Straftaten kommt noch hinzu, dass wProbleme bei der Zuordnung der entsprechenden Straftaten zu den Kategorien „rechts- oder linksextrem motiviert“, vorhanden sind. Ein Flugblatt, auf dem der Holocaust geleugnet wird, ist einfach zuzuordnen. Eine gebrochene Nase als Ergebnis eines linksextremen Überfalls zu bewerten, ist da schon mit größeren Schwierigkeiten verbunden.

Weil dem so ist, muss man Straftaten, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, einer der beiden politischen Seite zugerechnet zu werden oder die ausschließlich von einer der beiden Seiten begangen werden können, aus der Statistik heraus rechnen.

Subtrahiert man von den 22.471 Straftaten, die im Verfassungsschutzbericht als politisch rechtsextreme Straftaten klassifiziert werden

  • 12.476 Propagandadelikte und
  • 6.432 Volksverhetzungs-Delikte

dann verbleiben 3.509 einer rechtsextremen Motivation zuordenbare Straftaten für das Jahr 2016. Diesen Straftaten stehen 5.230 einer linksextremen Motivation zuordenbare Straftaten gegenüber. Mit anderen Worten, wenn man die verbalen und schriftlichen Delikte, die nur Rechte begehen können, aus der Rechnung nimmt, dann begehen Linksextreme 1.721 (+ 49,0%) Straftaten mehr als Rechtsextreme. Wenn man die Frage, ob Rechts- oder Linksextreme gefährlicher sind, diskutieren will, dann muss man von diesen Zahlen ausgehen.

Wir haben die häufigsten Delikte, die sich zu den 3.509 bzw. 5.230 Straftaten für das Jahr 2016 addieren, im Hinblick auf ihren Anteil am Gesamtaufkommen ausgewertet und die Zahlen für 2015 gleich noch dazu genommen. Dabei ist das in der folgenden Abbildung dargestellte Ergebnis herausgekommen:

Die von Rechts- wie Linksextremen am häufigsten begangenen Straftat ist somit die Sachbeschädigung. Mit einigem Abstand folgt die Körperverletzung.

Rechtsextreme tendieren etwas mehr zu Gewaltdelikten, wobei die Tatsache, dass sich hinter einem Landfriedensbruch (den Linksextreme häufiger begehen als Rechtsextreme) mehrere Körperverletzungen verbergen können in Erinnerung behalten werden muss.

Brandstiftungen haben unter den Straftaten von Rechten einen höheren Anteil, nominal begingen Linksextreme 2016 aber häufiger Brandstiftungen als Rechtsextreme. Es steht 134 zu 113.

Alles in allem zeigt der Verfassungsschutzbericht, dass sich Linksextreme und Rechtsextreme wenn es um Straftaten geht, kaum etwas geben. Sie begehen Gewalttaten und Sachbeschädigungen und Zündeln an anderer Leute Eigentum. Sie sind letztlich die geistigen Kinder der selben gescheiterten Sozialisation. Früher hat man Kriminelle als Randständige bezeichnet, ein Begriff, der auf Links- wie Rechtsextremisten auch heute zutrifft. Im Gegensatz zu heute hat man früher jedoch nicht versucht, Randständige, wie sie z.B. Horst Schüler-Springorum genannt hat, in bessere und schlechtere Randständige zu unterscheiden, in bessere und schlechtere Kriminelle. Derartige Perversionen sind ein Ergebnis der Post-Moderne und ihrer ideologischen Relativierung. Professoren wie Hajo Funke haben ihren Anteil daran, dass Blödsinn wie die Frage, ob Straftaten von Links gegenüber Straftaten von Rechts besonders ausgezeichnet sind, in Deutschland diskutiert werden müssen.

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Der gute linke Mensch und das rechte Nazi-Monster: Debattieren in Stereotypen

Linke sind keine Kriminellen. Linke begehen keine Ausschreitungen. Gewalt ist eine Angelegenheit der Rechten. Linke sind friedliebend. Rechte wollen ihren Führer wieder haben. Rechte wollen Ruhe und Ordnung und keine Veränderung. Linke sind offen für Neues. Rechte sind intolerant. Linke sind flexibel.

Die Post-G20-Debatte ist eine Debatte der Stereotype, der liebgewonnenen Stereotype, denn die Linke in Deutschland sonnt sich seit Jahrzehnten in ihrem nach dem Dritten Reich aufgebauten Status als friedliebende Ideologen, die für Gleichheit, gegen Armut, für Homosexualität, gegen Globalisierung, für Reichtum für alle und gegen Kapitalismus eintreten.

Rote Flora, “Kultur” auf links

Der sakrosankte Status, der Linken zugestanden wird, zeigt sich z.B. in Hamburg. Dort hat der Senat über die Johann Daniel Lawaetz-Stiftung, die vom Hamburger Senat gegründet und vermutlich auch weitgehend ausgehalten wird, 820.000 Euro für das „Kulturzentrum Rote Flora“ ausgegeben, um Letzteres zu kaufen und weiterhin den Linken, die es seit Jahrzehnten besetzt halten, unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Welche Kultur aus dem Zentrum verbreitet wird, konnte man während der Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel gut beobachten.

Doch nicht nur in Hamburg, lassen es linke Politiker Linken durchgehen, dass diese gegen Gesetze verstoßen. Nicht nur in Hamburg zeigt sich das zwiespältige Verhältnis das Linke zum Eigentum anderer haben. Auch in Berlin, in der Rigaer Straße, gibt es Häuser, die mit dem Wohlwollen des Berliner Senats besetzt gehalten werden.

Gesetze gelten, wenn es um linke Straftaten geht, nicht in gleicher Weise, wie sie für herkömmliche Straftäter und schon gar nicht für rechte Straftäter zu gelten scheinen.

Der sakrosankte Status Linker, von Linksextremismus findet einen weiteren Ausdruck im weitgehenden Fehlen wissenschaftlicher Studien zum Thema „Linksextremismus“. Während man mit den Blättern, die zum Thema „Rechtsextremismus“ bedruckt wurden, Mülldeponien zu einem beachtlichen Teil füllen könnte, bliebe das Häuflein bedruckter Blätter, die sich dem Thema „Linksextremismus“ gewidmet haben, eher unbemerkt.

Das weitegehende Fehlen wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema „Linksextremismus“ hat seine Entsprechung in den staatlichen Umerziehungsprogrammen, die vornehmlich Rechtsextremismus gelten, während Linksextremismus bislang kein Gegenstand staatlicher Umerziehungsbemühungen ist.

Vor diesem vollkommen uninformierten Hintergrund wird derzeit eine der in Deutschland so häufigen Emotionsdebatten geführt, in der sich vor allem Überzeugungstäter von Links durch allerlei idealistisches Gerede hervortun, das leider jeglicher empirischer Basis entbehrt. Der Glaube an den Linken, das gute Wesen, ist ein Glaube, für den es keinerlei Belege gibt – statt dessen gibt es eine Vielzahl von Belegen, die dafür sprechen, dass Linke, wenn sie die Gelegenheit finden, Macht auszuüben, schlimmer sind als Rechte, eher dazu neigen, z.B. die Gelegenheiten für Korruption, die mit entsprechenden Positionen einhergehen, auch auszunutzen.

Um die Diskussion über den guten Linken auf eine fundierte Basis zu stellen, haben wir auf ScienceFiles bereits vor einiger Zeit eine Reihe gestartet, deren Ziel darin besteht, die wissenschaftlichen Studien, die sich mit Linken und Rechten, mit Links- und Rechtsextremismus beschäftigen, zusammenzutragen. Die Ergebnisse der in diesem Zusammenhang von Dr. habil. Heike Diefenbach besprochenen Untersuchungen kann man wie folgt zusammenfassen.

Es gibt Linksextremismus (was von manchen Zeitgenossen durchaus bestritten wurde).
Linksextreme weisen im Hinblick auf Charaktereigenschaften Gemeinsamkeiten mit Rechtsextremen auf.
Beide zeichnen sich durch eine Rigidität im Denken und eine kognitive Geschlossenheit aus, d.h. Links- wie Rechtsextremisten sind Gläubige, die ihren Glauben durch keinerlei empirische Fakten stören lassen. Mehr dazu gibt es hier.

Weiter Ähnlichkeiten finden sich im Hinblick auf die Art und Weise, in der beide ihren Glauben verteidigen bzw. bereit sind, sich dem Wort von Autoritäten unterzuordnen. Aggressivität und Unterwürfigkeit als geteilte Eigenschaft von Linken und Rechten wurde hier ausführlich dargelegt.

Schließlich hat sich gezeigt, dass Versuche zwischen Linken und Rechten auf Grundlage von Persönlichkeitsmerkmalen oder Einstellungen zu trennen, z.B. im Hinblick auf die Offenheit gegenüber Neuem oder dem Bedürfnis nach Sicherheit, scheitern, denn die entsprechenden Merkmale und Eigenschaften variieren mit dem Kontext. So sind Linke in Osteuropa weniger offen als Rechte, während in Westeuropa keinerlei Unterschied zwischen beiden im Hinblick auf die Offenheit besteht. Mehr zu diesem Thema gibt es hier.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Erzählung vom guten Linken ein linkes Märchen ist. Erzählt wird es von Personen, die sich gerne als gut inszenieren, die gerne für sich in Anspruch nehmen, sie seien die besseren Menschen und diesen Anspruch mit einem dogmatischen Bild von sich und denen verbinden, die sie zu ihren Gegnern stilisieren. Und dass sie das tun, zeigt, wie sehr sie linksextrem und wie wenig gut sie sind.

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Rechte und Linke in Ost- und Westeuropa

Antworten aus neueren empirischen Studien – Teil 3 der Serie: “Eineiige Zwillinge: Was unterscheidet “Rechte” von “Linken?

In Teil 2 unserer Serie hatten wir die Studie von Van Hiel, Duriez und Kossowska (2006) vorgestellt, die anhand flämischer Stichproben von Wahlberechtigten und von politischen Aktivisten die Existenz von Linksextremismus und Rechtsextremismus belegt haben: „It has been shown that LWA [left-wing authoritarianism] does exist and should not be considered a myth, …” (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 789). Darüber hinaus haben die Autoren mit Bezug auf die Stichprobe der flämischen Wahlberechtigten festgestellt: „One of the most disturbing findings in the present voter samples … is the positive correlation between LWA and RWA“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 790; Hervorhebung d.d.A.). LWA [left-wing authoritarianism] und RWA [right-wing authoritarianism] zeigten Ähnlichkeiten nicht nur mit Bezug auf Autoritarismus, sondern auch mit Bezug auf Dogmatismus und allgemeiner Feindseligkeit.

Die Studie, die wir in Teil 3 unserer Serie vorstellen, stammt von Thorisdottir et al. (2007) und erbringt anhand der Daten des European Social Survey (ESS) aus dem Jahr 2002 weitere Belege dafür, dass Merkmale, die üblicherweise Personen mit linker Orientierung zugeschrieben werden, und Merkmale, die üblicherweise Personen mit rechter Orientierung zugeschrieben werden, Personen aus den beiden Gruppen tatsächlich nicht stabil und zuverlässig voneinander unterscheiden. Im Vergleich von 14 westeuropäischen und vier osteuropäischen Staaten und auf der Basis von Angaben von insgesamt 36.385 Personen hat die Studie von Thorisdottir et al. (2007: 176) nämlich „ … evidence of both universal and context-specific effects in our analysis of the cognitive and motivational antecedents or left-right political orientation” erbracht.

Die Bedeutung dieses Befundes kann man auf der Basis dieser verklausulierten Formulierung kaum würdigen. Vor allem läßt sie nicht die Überraschung (oder gar Verstörung?) erahnen, die die Autoren angesichts der von ihnen erzielten Befunde gefühlt haben müssen, haben sie doch beabsichtigt, verschiedene Zusammenhänge, die traditionell zwischen einer rechten politischen Orientierung und einigen „key components“ (Thorisdottir et al. 2007: 182) hergestellt werden, auf einer stabilen Basis von Daten aus neunzehn europäischen Staaten zu überprüfen oder in diesem Fall vielleicht zutreffender: zu belegen: „… there are two sets of hypotheses under consideration. First, we predict that a positive relationship will emerge between right-wing political orientation and two key components: traditionalism (Hypothesis 1) and acceptance of inequality (Hypothesis 2). Second, we predict that right-wing orientation will be positively associated with needs for order/rule-following (Hypothesis 3) and security (Hypothesis 4) and negatively associated with openness (Hypothesis 5), even after adjusting for quadratic effects associated with ideological extremity and sophistication … It was expected that the hypotheses would receive more consistent support in Western than in Eastern European countries, which are still in transition between “old” and “new” regimes” (Thorisdottir et al. 2007: 182-183).

Angesichts dieser Hypothesen ist deutlich erkennbar, dass das Forschungsinteresse von Thorisdottir et al. bei dem liegt, was sie als typisch rechte Persönlichkeitsstruktur und als typisch rechte Auffassungen betrachten, eben deshalb, weil sie von „key components“ sprechen, die Personen mit rechter politischer Orientierung auszeichnen sollen, während es für Personen mit linker politischer Orientierung keine „key components“ zu geben scheint, die sie auszeichnen; diese Personen bleiben unspezifiziert, sie erscheinen Thorisdottir et al. offensichtlich von vornherein als „Normalvariante“ des Mensch-Seins.

Für die Prüfung der Hypothesen ist es zunächst notwendig, Personen mit politisch rechter Orientierung und solche ohne eine politisch rechte Orientierung zu identifizieren. Zu diesem Zweck verwenden die Autoren eine Links-Rechts-Skala mit zehn Skalenpunkten, wobei „0“ die extreme Linke und „10“ die extreme Rechte definiert. Die Einstufung von Befragten auf dieser Skala erfolgt durch Selbsteinschätzung (Thorisdottir 2007: 185).

Als „Core Aspects of Right-Wing Ideology“ wurden erhoben:

• Traditionalismus:
Er wurde anhand eines einzigen Items gemessen: „Tradition is important to him. He tries to follow the customs handed down by his religion or his family”. Ein Befragter sollte dann auf einer 6-Punkte-Skala, also einer Skala ohne Mittelpunkt, die eine Identifikation als links oder rechts erzwingt, angeben, ob die so beschriebene Person “not like me at all“ (0) oder „very much like me“ (5) sei.

• Akezptanz von Ungleichheit:
Sie wurde ebenfalls anhand eines einzigen (und umgekehrt formulierten) Items gemessen: „He thinks it is important that every person in the world should be treated equally. He believes everyone should have equal opportunities in life”. Wieder sollte ein Befragter auf der 6-Punkte-Skala angeben, ob diese Person so sei wie er oder nicht, wobei er vor einem erheblichen Problem gestanden haben könnte, weil das Item zwei Stimuli enthält, der Befragte in seiner Antwort aber nicht entsprechend differenzieren kann, was einen groben, aber leider ziemlich verbreiteten methodischen Fehler darstellt. Es ist nämlich durchaus möglich, dass man für oder gegen die Gleichbehandlung von Personen, z.B. vor dem Gesetz, ist, aber nicht unbedingt auch für oder gegen Chancengleichheit.

Als „Psychological Predictors of Ideology“ galten den Autoren:

• Das Bedürfnis nach Ordnung/Regelbefolgung:
Es wurde gemessen anhand von zwei Items, die leider wieder mehrere Stimuli umfassen: „It is important to him to behave properly. He wants to avoid doing anything people would say is wrong” und “He believes that people should do what they’re told. He thinks people should follow rules at all times, even when no one is watching”.

• Das Bedürfnis nach Sicherheit:
Es wurde ebenfalls anhand von zwei, mehrere Stimuli umfassenden, Items gemessen: “It is important to him to live in secure surroundings. He avoids anything that might endanger his safety” und “It is important to him that the government ensures safety against all threats. He wants the state to be strong so it can defend its citizens”.

• Offenheit für neue Erfahrungen:
Zu ihrer Messung wurden die Antworten von Befragten auf zwei Items kombiniert: „Thinking up new ideas and being creative is important to him. He likes to do things in his own original way” und “He likes surprises and is always looking for new things to do. He thinks it is important to do lots of different things in life”.

Neben Korrelationsanalysen zwischen der politischen Orientierung von Befragten und den genannten unabhängigen Variablen wurde von den Autoren ein Strukturgleichungsmodell berechnet, das getrennt für westeuropäische und für osteuropäische Länder die folgenden Pfadkoeffizienten ergab:

Quelle: Thorisdottir et al. 2007: 195 (Tabelle 6)

Die Koeffizienten für den Zusammenhang zwischen Traditionalismus und politischer Orientierung (zu finden in der ersten Zeile der oben stehenden Tabelle) entsprachen den Erwartungen: „… traditionalism is a positive predictor of right-wing orientation in both Western and Eastern Europe. Acceptance of inequality, however, is a predictor of right-wing orientation only in Western Europe [wie die Koeffizienten in Zeile 2 der Tabelle zeigen). Rule-following exerted both direct and indirect effects on political orientation in both contexts. The indirect effect was much larger through traditionalism than through acceptance of inequality in both the West (.61 versus .05) and the East (1.07 versus -.06) [s. Zeilen 4 und 5 in der Tabelle]; the direct effect of rule-following on left-right orientation was also positive and significant in both contexts [s. Zeile 3]. The relationship between need for security and acceptance of inequality was … contrary to expectations, insofar as the need for security was negatively associated with the acceptance of inequality [s. Zeile 7] … we find that although the direct path from need for security to right-wing orientation is significant and positive in Western Europe as originally predicted, this path is robustly negative in Eastern Europe [s. Zeile 6], where the socialist/communist legacy is especially strong. With regard to openness, a relatively complicated picture again emerged. Its indirect path via acceptance of inequality was negative and significant in both Eastern (b = -.18) and Western (b = -.33) contexts [s. Zeile 10], but its direct effect on right-wing orientation was positive in Eastern Europe (b = .27) and non-significant in Western Europe (its path leading to traditionalism was not significant in either case) [s. Zeilen 9 und 11]. Thus, there was some evidence that openness to experience led people to prefer egalitarianism, and this factor led them away from right-wing conservatism. At the same time, however, openness appears to have led people to be attracted to other aspects of conservatism … and to turn away from the socialist tradition in Eastern Europe“ (Thorisdottir et al. 2007: 196-197).

Zusammengenommen zeigen diese Befunde also, dass es keine allgemein gültige Entsprechung von Persönlichkeitsmerkmalen oder Einstellungen von Personen mit rechter (oder linker) politischer Orientierung gibt: Zum einen bestehen erwartete Zusammenhänge zwar in westeuropäischen Ländern, aber nicht in osteuropäischen, oder es stellten sich unerwartete Ergebnisse ein wie der Zusammenhang zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und einer linken politischen Orientierung (Thorisdottir et al. 2007: 198). Zum anderen hängen Traditionalismus und Akzeptanz von Ungleichheit, die von den Autoren gleichermaßen als mit einer rechten politischen Orientierung verbunden betrachtet werden, untereinander nicht oder nicht in der erwarteten Richtung zusammen. Nach eigener Aussage der Autoren waren die Befunde zur Variable „Offenheit für neue Erfahrungen“ die größte Überraschung für sie: In den osteuropäischen Ländern bestand ein positiver Zusammenhang von Offenheit mit einer rechten politischen Orientierung, und für die Befragten in den westeuropäischen Ländern ließ sich kein (statistisch signifikanter) direkter Effekt von Offenheit auf die politische Orientierung beobachten (Thorisdottir et al. 2007: 198). Die Hypothesen, die Thorisdottir prüfen oder vermutlich eher: belegen wollten, konnten also weitgehend nicht bestätigt werden.

Man hätte im Schlusskapitel dieses Textes einige Überlegungen dazu erwartet, wie genau west- und osteuropäische Länder bzw. die gesellschaftspolitische Situation in ihnen und ihre diesbezügliche Geschichte als Kontextfaktoren auf die diversen Zusammenhänge zwischen den berücksichtigten Variablen und der politischen Orientierung der Befragten aus diesen Ländern wirken könnten. Solche Überlegungen stellen die Autoren im Schlussteil ihres Textes aber nicht an (und an anderen Stellen im Text auch nicht in nennenswerter Weise). Statt dessen findet man – neben einer Zusammenfassung der Befunde und Hinweisen auf mögliche Beschränkungen der Studie – die folgende Passage, anhand derer deutlich wird, wie die Autoren ihre durch die Daten nicht bestätigten Vorurteile über die Persönlichkeitsunterschiede zwischen „Rechten“ und „Linken“ zu verarbeiten versuchten:

„Virtually no evidence was obtained for the commonly held hypothesis that an authoritarian personality style characterizes left-wing extremists just as well as right-wing extremists … With regard to traditionalism and rule-following, we found that a linear pattern characterizes most nations, indicating that these needs are consistently stronger among right-wing than left-wing adherents, even in formerly communist countries” (Thorisdottir et al. 2007: 199).

Dieser Absatz mutet einigermaßen seltsam an, und zwar deshalb, weil in der Studie überhaupt keine Skala zur Feststellung der sogenannten autoritären Persönlichkeit zur Verfügung steht, die hätte ausgewertet werden können. Man muss den Absatz deshalb wohl so interpretieren, dass die Autoren meinen, dass ein Item, das „Traditionalismus“ messen soll, und zwei Items, die „Regelbefolgung“ messen sollen, hinreichen, um eine autoritäre Persönlichkeit zu identifizieren. Selbst dann, wenn man dies guten Gewissens akzeptieren könnte, würde der Befund, dass „Traditionalismus“ und „Regelbefolgung“ in den „meisten“ Ländern „stärker“ mit rechten politischen Einstellungen zusammenhängen als mit linken, die starke Aussage, mit der der Absatz beginnt, in keiner Weise überzeugend stützen, besonders nicht angesichts der vielen unerwarteten Zusammenhänge bzw. Nicht-Zusammenhänge, die die Studie ergeben hat: Man erinnere sich z.B. daran, dass das Bedürfnis nach Sicherheit als ein wichtiges Merkmal einer autoritären Persönlichkeit(sstruktur) gilt (s. z.B. Milburn 1991: 43). In der Studie von Thorisdottir et al. konnte aber nur für Befragte in westeuropäischen Ländern ein direkter positiver Zusammenhang zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und rechter politischer Orientierung festgestellt werden, während der Zusammenhang für Befragte in den osteuropäischen Ländern „robustly negative“ (Thorisdottir et al. 2007: 196) war. D.h. Befragte, die keine rechte politische Orientierung haben, haben dort ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit, und wenn man als Indikator für eine autoritäre Persönlichkeit nicht z.B. die Variable „Traditionalismus“ heranzieht, sondern „Bedürfnis nach Sicherheit“ und eine allgemeine Aussage treffen will, die nicht nach west- und osteuropäischen Ländern differenziert, muss man hieraus schließen, dass Personen, die keine rechte politische Orientierung haben, in dieser Studie definitionsgemäß also eine linke politische Orientierung haben, eher autoritäre Persönlichkeiten haben als Personen, die eine rechte politische Orientierung haben.

Stellt man – korrekterweise – sowohl die Befunde für Traditionalismus und Regelbefolgung als auch für das Bedürfnis nach Sicherheit (und die Akzeptanz von Ungleichheit) in Rechnung, muss man auf der Basis dieser Befunde mindestens festhalten: Some evidence was obtained for the commonly held hypothesis that an authoritarian personality style characterizes left-wing extremists just as well as right-wing extremists – und damit das Gegenteil von dem aus den Befunden schließen, was die Autoren geschlossen haben!

Dass die Autoren den oben zitierten, fragwürdigen Absatz dennoch meinten, in den Text aufnehmen zu müssen – einen Text, der sich ansonsten um Wissenschaftlichkeit bemüht – , läßt ahnen, wie stark die Enttäuschung der Autoren darüber gewesen sein muss, dass die Daten nicht mit ihren vorgefassten Meinungen über „Rechte“ und „Linke“ konform gegangen sind. Die Enttäuschung muss hinreichend stark gewesen sein, dass die Autoren mit ihrer trotzig anmutenden allgemeinen Aussage über das Nicht-Vorhandensein autoritärer Persönlichkeitsstrukturen unter Personen mit linker politischer Orientierung den eigenen in Koeffizienten und in Worten berichteten Befunden widersprechen.

Einmal mehr wird erkennbar, wie wichtig es ist, dass man sich bei der Lektüre von Texten, die Studienergebnisse berichten, nicht mit der Lektüre von Einleitung und Schluss begnügt, sondern die Richtigkeit der dort formulierten Schlussfolgerungen möglichst anhand der berichteten statistischen Befunde selbst überprüft. Nur dann kann der Konsum eines wissenschaftlichen Textes als eine kritische Lektüre, eine Lektüre im Sinn und im Interesse kritischer Wissenschaft, gelten. Unterbleibt eine solche kritische Lektüre, ist die Rezeption von Studienergebnissen keine wissenschaftliche Betätigung, sondern lediglich eine Übung im Dienst eines ideologisch motivierten oder vielleicht nur eines sehr naiven Multiplikatoren-Daseins.

Literatur:

Milburn, Michael A., 1991: Persuasion and Politics: The Social Psychology of Public Opinion. Pacific-Grove: Brooks-Cole.

Thorisdottir, Hulda, Jost, John T., Liviatan, Ido & Shrout, Patrick E., 2007: Psychological Needs and Values Underlying Left-Right Political Orientation: Cross-National Evidence from Eastern and Western Europe. The Public Opinion Quarterly 71(2): 175-203.

Van Hiel, Alain, Duriez, Bart & Kossowska, Malgorzata, 2006: The Presence of Left-Wing Authoritarianism in Western Europe and Its Relationship with Conservative Ideology. Political Psychology 27(5): 769-293.

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