Den Seinen nimmt’s der Staat im Schlaf

Richtig informative und interessante Statistiken haben es heute schwer, wenn es darum geht, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Öffentlichkeit wird in Unsinns-Statistiken ertränkt, mit denen Gender Pay Gaps herbeigelogen werden sollen oder erfasste Straftaten in Kriminalität umgedeutet werden sollen.

DestatisDabei veröffentlicht irgend ein subversiver Mensch beim Statistischen Bundesamt immer einmal wieder eine Statistik, die es so richtig in sich hat.

“Durchschnittliche Rückerstattung lag bei 873 Euro”, so lautet eine dieser Pressemeldungen, die bislang ohne Wirkung verpufft sind.

Warum?

Eine Erklärung dafür, dass relevante Statistiken keine Wirkung zeitigen, liegt darin begründet, dass Sozialwissenschaftler ihre Arbeit verweigern. Die meisten von ihnen sind von innovativen Denkern und Kritikern am Status Quo zu Verteidigern des Status Quo und nützlichen Instrumenten in den Händen von Politikern degeneriert, die gerade einen Sozialwissenschaftler benötigen, um ihre neueste Marotte zu rechtfertigen.

Sozialwissenschaften, deutsche Sozialwissenschaften, sie hatten einst einen gesellschaftlichen Einfluss, sie waren von Vordenkern und Querdenkern durchsetzt, die gesellschaftliche Routinen in Frage gestellt haben. Um gesellschaftliche Routinen in Frage zu stellen, muss man natürlich in der Lage sein, einen Schritt zurück zu treten und das, was einem als Normalität präsentiert wird, gegen den Strich zu bürsten, eine Fähigkeit, der Kindern und Jugendlichen durch die Vorgabe des richtigen Denkens weigehend beraubt werden, und eine Fähigkeit, die in den Sozialwissenschaften, die von genderistisch-staatslegitimierend-sozialistischer Langeweile erstickt werden, mit Sicherheit nur noch vereinzelt vorhanden ist.

Und so bleiben Pressemeldungen, wie die oben zitierte, unbearbeitet, versinken im Meer der unsäglichen, stupiden und uninformativen Pressemeldungen.

Doch aus diesem Meer haben wir sie herausgefischt:

Destatis_Steuer“2010 gab es in Deutsch­land rund 13,1 Millionen unbeschränkt Steuer­pflichtige mit Einnahmen aus nicht­selbst­ständiger Arbeit und eventuell Kapital­einkünften. 11,4 Millionen dieser Steuer­pflichtigen erhielten im Rahmen der Einkommen­steuer­veranlagung eine Steuer­erstattung. Diese lag im Durch­schnitt bei 873 Euro. Besonders häufig waren Rück­erstattungen zwischen 100 und 1 000 Euro (62 %). Bei rund 10 % der Betroffenen fiel die Rück­zahlung geringer als 100 Euro aus. Beträge über 5 000 Euro erstatteten die Finanz­ämter in 1 % der Fälle.

Eine Nach­zahlung an das Finanz­amt mussten 1,4 Millionen Steuer­pflichtige leisten – der durch­schnittliche Betrag lag bei 897 Euro.”

Mit anderen Worten: Der deutsche Finanzminister, dessen Häscher sehr kleinlich und mit Gebührenforderungen reagieren, wenn bei ihnen nicht zum korrekten Termin eine Zahlung eingeht, von der sie denken, sie würde ihnen zustehen, arbeitet monatelang seinerseits mit Geld, das ihm nicht zusteht.

Der Zahlungsirrtum zu Gunsten des Finanzministers findet in 87% aller Fälle statt und summiert sich auf rund 10 Milliarden Euro. Gnädiger Weise geben die Finanzämter diese 10 Milliarden, die sie zu Unrecht kassiert haben, an diejenigen zurück, die eine Steuererklärung erstellen, auf Antrag und nicht freiwillig. Ein Zustand, der mündige Bürger eigentlich auf die Palme bringen müsste, eigentlich.

Den 10 Milliarden Steuergeldern, die die Finanzämter vorsorglich zu viel kassieren, die sie nur auf Antrag und ohne Zinsen zurückgeben (bei nur 2% Verzinsung müssten die Finanzämter 890 Euro und nicht 879 Euro im Durchschnitt zurücküberweisen), womit sie sicherstellen, dass die entsprechenden Bürger mit Sicherheit finanziell geschädigt wurden, stehen gut 1,2 Milliarden Euro gegenüber, die nachgezahlt werden müssen.

Ein eklatantes Missverhältnis.

Aber: Wo kein Kläger ist, ist bekanntlich kein Richter, und auf den Sozialwissenschaftler, der darauf hinweist, dass Statistiken, wie die berichtete, zeigen, dass deutsche Finanzämter abhängig beschäftigte Bürger bestehlen und finanziell dadurch schädigen, dass sie dann, wenn sie beim Diebstahl ertappt werden, nicht einmal eine Zinsentschädigung erstatten, vielmehr erwarten, dass Bürger ihren Diebstahl mit Hilfe vorgegebener Formulare und unter Einsatz von Zeit und Geld, häufig für einen Steuerberater, erst aufdecken, auf diesen Sozialwissenschaftler warten wir bis heute vergeblich.

Es soll ja Deutsche geben, die gerne Steuern zahlen, die entsprechend kein Problem damit haben, ganz uneigennützig zu geben, dem Finanzamt im vorliegenden Fall.

Grenze der Toleranz: Ein Beispiel

Mohandas “Mahatma” Gandhi wird das Zitat zugeschrieben, dass man den moralischen Fortschritt einer Nation daran erkennen könne, wie sie mit Tieren umgehe.

Die moralische Dimension ergibt sich daraus, dass Menschen für sich in Anspruch nehmen, anderen Tieren in einer Reihe von Eigenschaften überlegen zu sein; sie ergibt daraus, dass Menschen andere Tiere halten und als Nahrungsmittel gebrauchen; sie ergibt sich daraus, dass Menschen Methoden erfunden haben, die es sehr leicht machen, andere Tiere zu töten; und sie ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass Menschen aufgrund ihrer Physis einer Vielzahl von Tieren schlicht überlegen sind.

Kurz: die moralische Entwicklung eines Menschen zeigt sich in der Art und Weise, in der er seine Überlegenheit gegenüber anderen Lebewesen nutzt bzw. ausnutzt. Man kann dieses Argument auch verschärfen und sagen, es sind erst die moralische Entwicklung und der Umgang mit Überlegenheit, die einen Menschen zum Menschen macht.

Wir sind mit Peter Singer dieser Ansicht.

Zudem ist das, was Menschen von anderen Tieren, insbesondere von Säugetieren trennt, in den letzten Jahren immer weniger geworden, schon weil sich Säugetiere als selbstbewusst und vernunftbegabt erwiesen haben. Das hat entsprechende Konsequenzen:

Singer Praktische Ethik“Einige nichtmenschliche Tiere scheinen vernunftbegabt und selbstbewusst zu sein und begreifen sich selbst als distinkte Wesen mit einer Vergangenheit und Zukunft. Wenn das so ist oder nach unserem besten Wissen so sein kann, dann ist in diesem Fall das Argument gegen des Töten [von nichtmenschlichen Tieren] so stark wie das Argument gegen die Tötung von Menschen mit einer dauerhaften geistigen Behinderung auf gleichem geistigen Niveau” (Singer, 1994: 173).

Aus diesem Absatz kann die Einschränkung “mit einer dauerhaften geistigen Behinderung” gut und gerne gestrichen werden. Es reicht festzustellen, dass das Argument gegen das Töten von selbstbewussten und vernunftbegabten nichtmenschlichen Tieren so stark ist, wie das Argument gegen das Töten von Menschen auf gleichem geistigen Niveau.

Das Argument ist noch stärker, wenn ein geistiges Gefälle zwischen Menschen und Tieren angenommen wird. Dann muss man fordern, dass diejenigen, die sich zum Menschen qualifizieren wollen, anderen Lebewesen respektvoll begegnen und keine Übergriffe auf deren körperliche Integrität vornehmen (es sei denn zur Selbstverteidigung).

Selbst im deutschen Stragesetzbuch hat diese Forderung, die auf der Ansicht aufbaut, Menschen seinen mit mehr Vernunft und mehr Selbstbewusstsein begabt als die meisten Tiere, Eingang gefunden. So heißt es im § 222:

(1) Wer ein Tier

roh misshandelt oder ihm unnötige Qualen zufügt,
aussetzt, obwohl es in der Freiheit zu leben unfähig ist, oder
mit dem Vorsatz, dass ein Tier Qualen erleide, auf ein anderes Tier hetzt,
ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer, wenn auch nur fahrlässig, im Zusammenhang mit der Beförderung mehrerer Tiere diese dadurch, dass er Fütterung oder Tränke unterlässt, oder auf andere Weise längere Zeit hindurch einem qualvollen Zustand aussetzt.

(3) Ebenso ist zu bestrafen, wer ein Wirbeltier mutwillig tötet.

Aus all dem kann man folgern, dass diejenigen, die z.B. gegen § 222 StGB verstoßen oder in einer nicht vom Strafrecht erfassten Weise eine Überlegenheit über Tiere, die sie z.B. durch körperliche Überlegenheit oder technische Hilfsmittel erreichen, ausnutzen, sich nicht zum Mensch qualifizieren, weil sie das rudimentärste Niveau der moralischen Entwicklung nicht erreicht haben.

Wenn aber ein bestimmtes Niveau moralischer Entwicklung Menschen auszeichnet und dieses Niveau mit einer bestimmten Behandlung anderer Lebenwesen einhergeht, dann verläuft da eine Grenze der Toleranz, wo angebliche Menschen ihre Überlegenheit missbrauchen, um Tiere zu quälen oder zu töten.

Ein Beispiel für entsprechende Quälereien ist Gegenstand einer Petition, die wir unseren Lesern ans Herz legen, denn die Unterschrift unter die entsprechende Petition ist ein Mittel, den moralischen Anspruch der Menschheit gegen die zu verteidigen, die sich über ihr Aussehen als Menschen qualifizieren mögen, nicht aber aufgrund ihrer moralischen Entwicklung.

Facebook: Ban Violence Against Animals!

Ban Violence against Animals

Der Mensch ein Tier, das Tier ein Mensch?

Angeblich unterscheiden sich Menschen dadurch von Tieren, dass sie zur Selbstreflexion fähig sind. Also dadurch, dass sie u.a. über sich und ihr Verhältnis zur Umwelt nachdenken können. Die Selbstreflexion ist auch die Grundlage der Ausbildung einer Moral, etwa in der Weise, wie sie Kant in seinem kategorischen Imperativ formuliert hat. Ohne die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, ist es kaum möglich, die Sichtweise anderer zu übernehmen, Empathie zu zeigen oder sich schlicht danach zu fragen, wie man andere behandeln will oder andere behandeln soll.

MassentierhaltungDie beschriebenen Fähigkeiten sollen eine Grenze aufrichten, die zwischen Mensch und Tier verläuft, denn, so die Annahme, im Gegensatz zu Menschen sind Tiere nicht zur Selbstreflexion und zur Ausbildung einer Moral fähig. Die Trennlinie zwischen Mensch und Tier bringt für Menschen eine Verantwortung mit sich, denn sie müssen zeigen, dass sie tatsächlich die höher entwickelte Lebensform sind, z.B. dadurch, dass sie andere Lebewesen nicht zu Objekten degradieren, die der menschlichen Bedürfnisbefriedigung und nur dieser dienen, dass also das Fressen gerade nicht vor der Moral kommt.

Neuere Entwicklungen haben die Grenze zwischen Mensch und Tier verschwimmen lassen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Tiere zur Selbstreflexion fähig sind, sich sogar moralisch verhalten können und dass sie darüber hinaus mit einem Bewusstsein und einer Erinnerungs- und Leidensfähigkeit ausgestattet sind, die den entsprechenden menschlichen Eigenschaften sehr ähnlich ist. Die Grenze verschwimmt auch von der anderen Seite, denn bei manchen Personen, die zur Gattung Mensch gezählt werden, fragt man sich, ob sie je aus dem Stadium des unbewussten Fressens oder des sich anderer Bedienens herausgekommen sind – ob sie – zur Selbstreflexion und zur Reflexion ihrer Handlungen überhaupt in der Lage sind, ob Empathie zu ihrem Verhaltensrepertoire gehört.

Sind Menschen zur Empathie und zur Reflexion fähig, dann stellt sich ihnen eine ganze Reihe von Fragen:

  • Was rechtfertigt die Reduzierung von Lebewesen auf Nahrungsmittel, und wo verläuft die Grenze einer Nahrungsmittelindustrie?
  • Warum sind Hunde “des Menschen bester Freund” und entsprechend keine Delikatesse im Restaurant, während Lämmer letztere darstellen und sich nicht als Freund des Menschen qualifizieren?
  • Warum sind Chinesen im Hinblick auf die Frage, ob Hunde ein Nahrungsmittel sind, anderer Meinung als z.B. Deutsche?
  • Warum finden es Inder barbarisch, Rinder zu schlachten, und warum finden es Araber barbarisch, Schweine zu essen?
  • Was ist die Qualität, die ein Menschenleben so wichtig macht, dass ihm unzählige andere Lebewesen geopfert werden?

Massentierhaltung_huehnerUnd welche Lebewesen dürfen zum Erhalt eines beliebigen Menschenlebens geopfert werden? Delphine, Wale, Affen, Pferde, Esel? Wo, mit anderen Worten, verläuft die Grenze zwischen Mensch und Tier, und warum ist die Grenze so abivalent und so flüchtig?

Und welche moralischen Fragen ergeben sich daraus, dass nicht (mehr) eindeutig zu bestimmen ist, wer Mensch und wer Tier ist?

Dies sind Fragen, die u.a. auf dem 4. Wittener Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie diskutiert werden sollen. Das Kolloquium: Der Mensch ein Tier – das Tier ein Mensch, findet vom 13. bis zum 14. März an der Universität Witten/Herdecke statt.

Interessierte werden Vortäge zu hören bekommen, die sich mit den ethischen und anthropologischen Herausforderungen der modernen Mensch-Tier-Beziehung beschäftigen oder die fragen, ob der Unterschied zwischen Mensch und Tier ein Problem der Fakten oder ein Problem des Urteilsvermögens darstellt oder die die zentrale Frage betreffen: Wie gehen wir würdig mit Tieren in die Zukunft?

Den Zweck der Veranstaltung bringt Prof. Peter Heusser, Leiter am Institut für Integrativmedizin der Universität Witten/Herdecke wie folgt auf den Punkt:

Witten herdecke„Die Industrialisierung und Ausbeutung der Tiere für die Ernährung, die Massenzucht für den Zweck der Forschung, das weltweite Artensterben – all das zeigt ein Mensch Tier-Verhältnis, das dringend Besinnung, Verantwortung und Moral fordert, d.h. gerade diejenigen Fähigkeiten, welche wir im Tierreich nicht oder nur im Ansatz finden. Das bedeutet also: Nur wenn der Mensch seine besondere Eigenart und Fähigkeit gegenüber dem Tier erkennt und ausbildet, vermag er, dem Tier – und nicht zuletzt der Natur im Ganzen – die notwendige Würde zu verleihen.“

Kant hat das Menschsein als Entwicklungsaufgabe konzipiert. Zentraler Bestandteil der Entwicklung zum Menschen ist die Entwicklung einer Moral, die sich nach seiner Auffassung am kategorischen Imperativ orientieren muss. Entsprechend muss man mit Kant feststellen, dass das Menschsein weit mehr Anspruch stellt, um erreicht zu werden, als den Griff in die Tiefkühltruhe des Supermarkts, um abgepackte Leichenteile daraus zu entnehmen.

Der Zynismus der Genderista oder: Warum man sich als Deutscher schämen muss

Benin liegt in Westafrika, eingeklemmt zwischen Togo, Nigeria, Burkina Faso und Niger und mit Zugang zum Atlantik. Benin ist ein sehr armes Land mit kaum vorhandener industrieller Produktion und einer weitgehend auf Subsistenz ausgerichteten Landwirtschaft. Die Menschen in Benin erreichen im Durchschnitt ein Lebensalter von 61 Jahren, sofern sie nicht vorher an Malaria, HIV/AIDS oder dem Dengue Fieber sterben. Benin belegt Platz 16 auf der Liste der Länder, in denen Malaria die meisten Todesopfer fordert.

Was Zugang zu Trinkwasser in Benin meint!

Was Zugang zu Trinkwasser in Benin meint! ©Helvetas

Rund 61% der Bevölkerung in Benin haben Zugang zu Frischwassser, rund 70% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen. 42,4% der Bevölkerung können weder lesen noch schreiben, 37,4% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze und müssen entsprechend mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen.

Die Infrastruktur des Landes ist schlecht. Benin belegt Platz 113 von 134  Ländern im Hinblick auf die Erschließung des Landes durch Eisenbahnen, Platz 119 (von 222) im Hinblick auf die Erschließung durch Straßen mit einem festen Belag und Platz 102 (von 108) im Hinblick auf die Erreichbarkeit über Wasserwege (über den Niger und nur saisonal möglich).

Benin ist ein Entwicklungsland, das vor einem Berg von Aufgaben im Hinblick auf Bildung, Infrastruktur, Gesundheit und Wirtschaft steht, wenn das Ziel darin besteht, Benin zu einem Land zu entwickeln, das auch nur die Millennium-Ziele der Weltbank erfüllt.

Benin ist zudem ein Land, in dem die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) aktiv ist, ein Bundesunternehmen, das die Bundesregierung dabei unterstützt, “ihre Ziele in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung zu erreichen”.

Entsprechend wissen Bundesregierung und GIZ ganz genau, was die Menschen in Benin brauchen.

Was war es noch einmal?

Zugang zu frischem Wasser?

Nein, das war es nicht.

Wirksame Medikamente gegen Malaria oder Mittel zum Schutz vor den Überträgern von Malaria?

Nein, das war es auch nicht.

Schnellkurse, um denen, die es nicht können, immerhin 42,4% der Bevölkerung, Lesen und Schreiben beizubringen?

Nein, das ist es auch nicht.

Ein Instrastrukturprogramm für Straßen und Eisenbahnen, um das Land besser zu erschließen und für Investoren interessanter zu machen?

Nein.

Sanitäre Anlagen?

Nein.

Was braucht Benin denn?

Benin, das weiß die GIZ und das weiß die Bundesregierung braucht Gender Mainstreaming. Weil man es kaum glauben kann: Beniner brauchen nicht Zugang zu Trinkwasser, keine sanitären Anlagen, keine Straßen, keinen Schutz vor Malaria, keine Schreib-/Lesekurse, nein: sie brauchen Gender Mainstreaming.

Der moderne Kolonialismus bringt nicht mehr das Christentum, damit arme Schwarze nicht als arme Schwarze, sondern als arme christliche Schwarze sterben. Der moderne Kolonialismus bringt Gender Mainstreaming. Die Bewohner von Benin sind nach dem Gender Mainstreaming zwar immer noch so arm wie davor, sie sterben immer noch wie die Fliegen an Malaria und haben eine um rund 20 Jahre geringere Lebenserwartung als Deutsche, aber sie sind Gender gemainstreamt und damit fit für den Eintritt in den Gender Himmel.

Der Zynismus der Genderista ist nicht mehr zu überbieten.

Wenn es darum geht, den Genderismus zu verbreiten, dann gehen die Aktivisten sprichwörtlich über Leichen:

  • GIZ“Als Berater/in für Gender Mainstreaming unterstützen Sie WANEP-Bénin bei der Implementierung von Gender in allen Programmen und bei der Entwicklung neuer Formate für Weiterbildungen zu Genderkompetenz, Maskulinität, Gewalt und Konflikt.
  • Sie koordinieren die vierteljährlichen Treffen der GIZ Gender Ansprechpersonen der Vorhaben und monitoren die Umsetzung der Genderstrategien der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
  • Zu Ihren Aufgaben zählt auch die Förderung der innerbetrieblichen Gleichstellung in der GIZ und die Schulung von neuen Mitarbeiter/innen in den Bereichen Gender, Gleichstellung und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.”

Benin exportiert Nüsse, Baumwolle und Fische und man kann sich sehr gut vorstellen, wie unter den Fischern und Baumwollpflückern Gender Mainstreaming betrieben wird, immer mit Blick auf “neue Formate für Weiterbildung zu Genderkompetenz, Maskulinität, Gewalt und Konflikt”. Vor allem kann man sich die satten Gender Strategen vorstellen, wie sie beim Koordinationstreffen im besten Hotel vor Ort die Maskulinität und die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beklagen, während um sie herum die Einwohner an Malaria erkranken und sterben und die Ökonomie am Boden liegt.

Die Industrie in Benin produziert, wie in den meisten factor driven economies, Produkte, die mit einem hohen Arbeitseinsatz verbunden sind, darunter Baumaterialien und vor allem Zement. Vermutlich sind es diese Produktionsunternehmen, in denen Gleichstellung und sexuelle Belästigung die wichtigsten Themen darstellen. Die Arbeitsbedingungen, so steht zu vermuten, sind vorbildlich, so dass man gar nicht weiß, was außer einer “Schulung … in den Bereichen Gender, Gleichstellung und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz”, die Mitarbeiter wohl benötigen könnten. (Übrigens erstaunlich dass jetzt schon Berater gesucht werden, die Mitarbeiter in sexueller Belästigung, vermutlich in Techniken sexueller Belästigung am Arbeitsplatz schulen …).

Und damit die wichtigen Themen des Gender Mainstreaming den Beninern auch richtig begreifbar gemacht werden können, damit sie wissen, dass es besser ist, in Kenntnis von Gender Mainstreaming an Malaria zu sterben als ohne eine entsprechende Kenntnis, deshalb benötigt die GIZ einen überzeugten Ideologen, einen, der von Ideologie so getrieben und besessen ist, dass ihn die Leichen, die seinen Weg pflastern, nicht stören.

So einen:

“Sie haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium, in Gender Studies und Friedens- und Konfliktforschung und verfügen über Berufserfahrung mit geschlechterpolitischem Schwerpunkt.

Mit den Themen Menschenrechte, gewaltfreie Kommunikation, Maskulinitäten & Gewalt, Gendertheorien und Ansätzen zur Herstellung von Geschlechterdemokratie sowie Strategien gegen sexuelle Belästigung sind Sie vertraut.”

BeninWäre man vor Jahrzehnten mit einem derartigen Zynismus konfrontiert worden, man hätte entsetzt reagiert.

Das zumindest hat der Genderismus geschafft, die Schwelle des Entsetzens wurde angesichts dessen, was für Genderista normal ist, angehoben. Das neue Entsetzen fängt jenseits der Erkenntnis an, dass Gender Mainstreaming noch vor Grundbedürfnissen wie dem Zugang zu Trinkwasser, der Produktion von Nahrung und einem angenehmen Leben kommt. Dann trifft das Entsetzen aber voll und führt zu der Erkenntnis, dass jeder, der auch nur noch einen Funken von Anstand im Leib hat, sich für das schämen muss, was derzeit in seinem Namen und aus deutschen Landen nach Westafrika exportiert wird.

In der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sind zum 1. Januar 2011 der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) zusammengeschlossen worden. Der Vorteil dieses Zusammenschlusses liegt auf der Hand: Man kann Ideologie unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe exportieren.

Tit-for-Tat: Liberale Moral

Moral, ein Begriff, der immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint, beschreibt ein Normensystem, das Auffassungen über richtig und falsch, über gut und böse beinhaltet. Offenkundig flottiert ein solches Normensystem nicht frei im Raum. Es muss vereinbart und entsprechend verhandelt werden.

Kant für Anfänger

Kant für Anfänger

Zum Glück gibt es eine Vielzahl geteilter Vorstellungen darüber, was richtig und falsch, gut und böse ist, geteilte Vorstellungen, die sich auf Basis der conditio humana und auf Basis einer menschlichen Entwicklungsleistung einstellen, die Immanuel Kant in seinem kategorischen Imperativ beschrieben und Thomas Hobbes als die wichtigste seiner Verstandestugenden gefasst hat. Gemeint ist damit die Einsicht, dass man anderen besser mit Wohlwollen begegnet, denn tut man es nicht, so könnte es passieren, dass einem diese anderen auch nicht mit Wohlwollen begegnen.

Bei Kant nimmt diese Einsicht eine normative Form an („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde”), bei Hobbes ist es eine Leistung der Vernunft, die intelligente Menschen zu dem Schluss kommen lässt, dass Vorteile, die sie sich z.B. durch Übergriffe auf andere Menschen verschaffen können, schnell durch Schutzmaßnahmen zunichte gemacht werden, die man gegen Übergriffe durch andere Menschen ergreifen muss.

Moral baut grundlegend auf dieser Einsicht auf und ist entsprechend eine Entwicklungsleistung, von der man sagen könnte, dass sie den Menschen erst zum Menschen macht, und sie ist eine Entwicklungsleistung, die manche nicht zu erbringen im Stande sind.

Es ist relativ einfach, diejenigen zu erkennen, die die entsprechende Entwicklungsleistung nicht erbracht haben: Sie können anhand von zwei Kriterien erkannt werden:

  • Sie verursachen Dritten Externalitäten, indem sie physische, psychische oder intellektuelle Übergriffe auf deren Integrität vornehmen.
  • Sie vertrauen darauf, dass jene Dritte die Externalitäten hinnehmen. Sie ruhen sich auf der Liberalität ihrer Opfer aus und kalkulieren damit.

Elisabeth Tuider ist jemand, der diese beiden Kriterien erfüllt. Sie will sexualpädagogisch intervenieren, und sie bereitet all denen moralische Externalitäten, die nicht der Ansicht sind, man müsse ihre Kinder oder generell Kinder in Schulen mit Analverkehr und der Einrichtung eines Bordells belästigen. Und sie ruht sich darauf aus, dass die entsprechend moralisch Verletzten sich nicht zur Wehr setzen, Tuider nicht sagen, was sie von den entsprechenden Ansinnen halten – in der pazifistischsten Variante.

Lann Hornscheidt ist ebenfalls jemand/etwas, das/der/die diese Kriterien erfüllt. Er/sie/es will eine neue Sprache durchsetzen und ruft dazu auf, dieses Durchsetzen über “Interventionen” vorzunehmen, die z.B. darin bestehen, Veranstaltungen von Gegnern ihrer/seiner Ideologie zu stören oder Bücher, die von dem abweichen, was Hornscheidt für richtig hält, zu beschädigen. Er/sie/es verursacht Externalitäten für Dritte, die sich z.B. mit einer seltsamen für sie nicht verständlichen Sprache konfrontiert sehen, die ihnen nichts sagt, oder die sich mit einem studentischen Mob in ihren Veranstaltungen oder mit fehlenden Seiten in Büchern konfrontiert sehen. Er/sie/es vertraut darauf, dass die entsprechenden Adressaten der “Interventionen” sich nicht zur Wehr setzen und erdulden, was ihnen zugemutet wird.

Aus liberaler Sicht stellt sich die Frage, wie man mit Personen umgeht, die offensichtilch eine Entwicklungsleistung zum moralischen Menschen nicht erbracht haben, die nicht in der Lage sind, eine einfache Überlegung anzustellen, die da lautet: Was passiert, wenn andere mich so behandeln, wie ich andere behandle?

Axelrod1Die Antwort findet sich in einem Buch, das Robert Axelrod bereits 1984 veröffentlicht hat, und sie lautet: Tit-for-Tat. Tit-for-Tat ist ein Computerprogramm, das Anatol Rapoport entwickelt hat. Es besteht aus genau 5 Anweisungen in FORTRAN und hat sich in einem Turnier gegen 62 konkurrierende Computerprogramme durchgesetzt. Ziel des Turniers war es, die Strategie zu finden, die für Kooperationen zwischen Akteuren den größten Erfolg verspricht. Tit-for-Tat ist das Programm, das in Kooperationen zu den besten Ergebnissen führt. Es startet mit Goodwill, mit Wohlwollen und reagiert in der Weise, in der ihm begegnet wird. Nimmt das Gegenüber das Kooperationsangebot von Tit-for-Tat an und kooperiert seinerseits, dann kooperiert Tit-for-Tat weiterhin. Versucht das Gegenüber das Kooperationsangebot und die damit verbundene Vorleistung auszunutzen und defektiert, dann reagiert Tit-for-Tat ebenfalls mit Defektion und kündigt die Kooperation auf.

Die Funktionsweise von Tit-for-Tat kann nun genutzt werden, um das moralische Dilemma, in dem sich Liberale befinden, wenn sie mit Personen konfrontiert sind, die die moralische Entwicklungsleistung, die hier beschrieben wird, nicht erbracht haben, die Übergriffe auf Dritte landen, wie dies für Tuider und Hornscheidt beschrieben wurde.

Wenn demnach Tuider oder Lann Hornscheidt das Wohlwollen, das ihnen entgegen gebracht wird, z.B. dadurch, dass man sie auf ihren Positionen gewähren lässt und nicht nach dem Nutzen, den sie erbringen, fragt, mit Defektion goutieren, wenn sie Externalitäten durch Übergriffe auf Dritte, seien es Schüler, seien es Lehrende an Universitäten und ihre Studenten, seinen es Leser, die mit fehlenden Seiten in Büchern konfrontiert sind, verursachen, dann erfordert dies eine entsprechende Reaktion, ein “Tat”, eine Form der Abschreckung, die den Aggressoren zeigt, dass sie eine Grenze überschritten haben und sich besser und so schnell wie möglich auf ihre Seite der Grenze zurückziehen.

Wie kann diese Abschreckung aussehen? Nun, sie besteht darin, den Aggressoren ihre eigene Medizin zu trinken zu geben.

Lann Hornscheidt ruft dazu auf, die Veranstaltungen anderer zu stören, deren Lehre Inhalte umfasst, die Lann Hornscheidt nicht positiv beurteilt. Entsprechend kann Lann Hornscheidt nichts dagegen haben, wenn diejenigen, die mit dem, was Lann Hornscheidt vorschlägt, nicht einverstanden sind, in ihre/seine Veranstaltungen drängen, um dort zu stören.

Lann Hornscheidt ruft dazu auf, aus Büchern Seiten herauszureißen, die Inhalte haben, die von ihm/ihr nicht positiv beurteilt werden. Entsprechend kann Lann Hornscheidt nichts dagegen haben, wenn diejenigen, die mit dem, was Lann Hornscheidt schreibt, nicht einverstanden sind, Bücher von Lann Hornscheidt zur Hand nehmen und Seiten, die ihnen nicht gefallen, herausreißen.

Moron borderTuider behauptet, ihre sexualpädagogischen Interventionen in Klassenräumen seien gerechtfertigt, um Kinder zu selbständigen Menschen zu erziehen, entsprechend kann sie nichts dagegen haben, wenn die selbständigen Menschen ihre neu erworbenen Kenntnisse in ihrem Büro ausleben.

Und so weiter.

Ein vernünftiger Mensch, ein Mensch, der den kategorischen Imperativ von Kant verinnerlicht hat, wird natürlich erkennen, dass er sich in einer Eskalationsspirale befindet, dass es wenig Sinn macht, Übergriffe mit Übergriffen mit Übergriffen zu beantworten. Ein Vernünftiger Mensch wird wissen, dass diese Eskalationsspirale der Grund dafür ist, dass er Übergriffe auf Dritte unterlässt.

Tuider und Lann Hornscheidt fehlt diese Einsicht. Sie sind über die Reaktionen auf ihre “Interventionen” überrascht, was der beste Beleg dafür ist, dass sie die Entwicklungsleistung zum moralischen Menschen (noch) nicht erbracht haben. Sie müssen es entsprechend auf die harte Tour lernen, wie man so schön sagt, in dem sie – wie oben dargestellt – mit den Folgen, ihrer Übergriffe konfrontiert werden, immer in der Hoffnung, dass sich spätestens dann ein Lerneffekt einstellt.

 

Genetisches Enhancement – Genetisches Doping

Religion und Politik, so die Benennung eines so gernannten Exzellenzclusters an der Universität Münster, aus dem eine interessante Arbeit zum Thema “Genetisches Enhancement” stammt, die gerade bei Springer veröffentlicht wurde.

Genetisches Enhancement oder, wie wir lieber sagen, weil es treffender ist: genetisches Doping, wird in diesem Buch, das Lioba Welling verfasst hat, wie folgt definiert:

genetisches Enhancement“Als ‘Enhancement’ werden somit Eingriffe bezeichnet, welche die menschliche Gestalt über das Maß hinaus verbessern sollen, das für die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit erforderlich ist. Dies kann die Verbesserung einer Funktionsweise bedeuten, aber auch das Hinzufügen neuer Eigenschaften und Fähigkeiten umfassen (20).”

Pointiert formuliert ist unter genetischem Enhancement also eine Form des umfassenden Dopings zu verstehen, etwa so:

  • Sie sind strunzdumm, wollen aber hyperintelligent sein? Genetisches Enhancement fügt ein paar Gensequenzen ein, die für etwas mehr “Sparkle” im Gehirn sorgen.
  • Sie sind feige und wollen die Eigenschaft “Mut” ihrem Repertoire hinzufügen? Genetisches Enhancement fügt das Mut-Gen in die Sequenz der Einstellungen gegenüber der Außenwelt ein und entfernt die Angst-Sequenz.
  • Sie haben es satt, krank zu sein? Genetisches Enhancement macht sie zum ewig Gesunden.

Inwieweit diese Beispiele der Realität des genetischen Enhancements entsprechen, wie weit die Möglichkeiten genetischen Dopings bereits gediehen sind, das ist eines dieser Tabus, das im öffentlichen Diskurs besteht, so dass über das, was möglich ist, nicht diskutiert wird.

Deshalb sind Bücher, wie das von Welling wichtig, denn sie machen auf Dinge aufmerksam, zeigen Entwicklungen auf, die unter unserer aller Nase weitgehend unbemerkt stattfinden. Der Markt für genetisches Enhancement, so es denn serienreif werden sollte, ist nach Ansicht von Welling vorhanden: “Der Wunsch nach genetischen Verbesserungen”, so sagt sie, “kann bei vielen Menschen aufkommen [oder auch nicht]. … Dahinter stehen ähnliche Motive wie bei Schönheitsoperationen, Doping oder hohen Bildungsinvestitionen: die Hoffnung auf Schönheit, Gesundheit, Leistung und Erfolg”.

Wer also mit sich nicht zufrieden ist, weil seine Leistung im Fussball hinter der von Gareth Bale zurückbleibt, dem macht genetisches Enhancement Hoffnung. Na ja, indirekte Hoffnung, denn im Moment ist das alles noch Zukunftsmusik, wenngleich kurzfristige Zukunftsmusik, die sich in 10, vielleicht 20, vielleicht 30 Jahren zum realen Konzert entwickelt haben wird, und die durch das Grundgesetz nicht verboten ist. Denn: wie Welling im siebten Kapitel ihres Buches ausführt, Verbesserungen am Erbgut verletzen dann keine Grundrechte, wenn sie mit hinreichender Sicherheit ausgeführt werden können, wenn Ärzte also garantieren können, dass die Verbesserung, das genetische Doping, den gewünschten Effekt auch hat.

Gibt es also bald ein Volk bestehend aus Superfussballern und Denk-Monstern? Nun, genetisches Doping wird nicht billig. Entsprechend wird es eine soziale Schichtung bei den Gedopten geben: Wer mehr Geld hat, kann sich genetisch verbessern, wer wenig Geld hat, nicht. Eine Herausforderung für die AOK. Gleichzeitig verbinden sich mit der Ko-Existenz von Gedopten und nicht Gedopten normative Probleme, denn wie soll man die Leistung des Gedopten (des Genverbesserten) im Vergleich zur Leistung des nicht Gedopten (nicht Genverbesserten) honorieren? Ersterem fällt seine höhere Leistung ja leichter, und er hat einen unfairen Startvorteil.

Fragen über Fragen, die Welling anspricht und ansatzweise diskutiert, und es kommt ihr sicher das Verdienst zu, ein Buch veröffentlicht zu haben, das, sofern es wahrgenommen wird, dazu führen könnte, dass selbst in Deutschland die Konsequenzen aus einer Entwicklung diskutiert werden, die nicht mehr aufzuhalten ist.

Nur eine Frage, die naheliegt, aber in deutscher Literatur systematisch fehlt, fehlt auch bei Welling, nämlich die Frage staatlicher Eingriffe. Wie immer, kommt der Staat nur als guter Hirte vor, der entweder seine Hände schützend über seine Schäfchen legt und das Erbgut eines Menschen für unantastbar erklärt oder seinen Schäfchen verbietet, Schöpfer ihrer selbst zu sein. Der Staat, als Konglomerat von Akteuren, die nach ihrem Vorteil suchen und somit eigene Interessen haben, kommt nicht vor, jener Staat, der genetisches Doping einsetzen könnte, um seine Gesellschaft zum Beispiel zu stratifizieren, in Arebitsdrohnen und Arbeiterverwalter, indem man Letztere genetisch verbessert und erstere genetisch verschlechtert, denn was in die eine Richtung geht, geht natürlich auch in die andere Richtung.

supersoldierUnd was wäre dienlicher als eine soziale Klasse der Arbeiterdrohnen, denen man zudem die Sprachfähigkeit genetisch ab-verbessern könnte, damit sie nicht maulen und ihr Los schweigend ertragen und sich vor allem nicht zusammenschließen und Aufwiegelungsreden halten, die all die Arbeiten tun, die diejenigen, die mit dem Verwalten beschäftigt sind und sich für zu wichtig halten, als dass sie ihre Hände benutzen könnten, nicht tun wollen, schon weil sie gerade mit erheblichen Menschheitsproblemen beschäftigt sind, z.B. mit der Frage, wie man seine eigenen Deprivationen in einen Forschungsgegenstand umwidmet, der ein Auskommen verspricht.

Und natürlich fällt x-files Kennern der Super-Soldier ein, jener genetische Mutant, der nicht schlafen muss und dem das moralische Bewusstsein ab-verbessert wurde, damit er beim Töten keine Skrupel hat. Auch eine sehr nützliche genetische Verbesserung, die einmal mehr zeigt, dass die Frage, was als genetische Verbesserung als akzeptables genetisches Doping zu gelten hat, relativ zu den Interessen derjenigen ist, die die Verbesserung vornehmen.

Und deshalb ist es so wichtig, darüber zu diskutieren, gerade in Deutschland.

Das Lied der Partei und Aktion: Pay for it

Gestern haben wir auf das Lied der Partei verlinkt. Aber ein Link ist eigentlich nicht genug, um diesem traurigen Zeitzeugen eines kollektiven und menschenverachtenden Geistes, der einst die DDR aus Ruinen auferstehen und in eben diesen Ruinen leben ließ, gebührend Rechnung zu tragen. Deshalb wollen wir dem Lied der Partei, das Louis Fürnberg 1949 geschrieben hat und das über die Dauer der DDR die Hymne der SED war, heute einen würdigen Platz auf ScienceFiles einräumen. Wer nachdem er den Text gelesen hat, immer noch der Meinung ist, man könne und dürfe sozialistische Experimente machen, dem ist nicht mehr zu helfen:

Klicken Sie, um in die richtige Richtung geschubst zu werden!

Klicken Sie, um das Lied auch akkustisch zu genießen!

Sie hat uns alles gegeben,
Sonne und Wind, und sie geizt nie.
Wo sie war, war das Leben,
Was wir sind, sind wir durch sie.
Sie hat uns niemals verlassen,
Frohr auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt die Mutter der Massen,
Uns trägt ihr mächtiger Arm.

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht
Und Genossen es bleibe dabei,
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer Recht,
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Lenin’schem Geist
Wächst von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei.

Sie hat uns niemals geschmeichelt.
Sank uns im Kampfe auch immer der Mut.
Hat sie uns leis nur gestreichelt:
“Zagt nicht!” und gleich war uns gut.
Zählt denn noch Schmerz und Beschwerde,
Wenn uns das Gute gelingt.
Wenn man den Ärmsten der Erde,
Freiheit und Frieden erzwingt?

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht …

Sie hat uns alles gegeben,
Ziegel zum Bau und den großen Plan.
Sie sprach: “Meistert das Leben,
Vorwärts Genossen, packt an.”
Hetzen Hyänen zum Kriege,
Bricht euer Bau ihre Macht.
Zimmert das Haus und die Wiege,
Bauleute seid auf der Wacht!

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht …

Deutlicher kann man die Verachtung des Individuums nicht machen. Deutlicher kann man die im Sozialismus angelegte Überschätzung, man wisse, was richtig und gut und wahr ist und könne das Leben anderer planen, für sie sprechen und über sie bestimmen kaum machen. Und wer weiß, vielleicht hat die derzeit in Vergessenheit geratene Hymne ja eine Zukunft, dann, wenn die deutsche Regierung ihre Bevölkerung jetzt schubsen will, in die richtige Richtung schubsen will, setzt das voraus: “Die Regierung, die Regierung, die hat immer recht und Genossen es bleibe dabei …”.

Zum Thema die Bevölkerung Schubsen gibt es eine neue Untersuchung, die Lee Shephard, Ronan E. O’Carroll und Eamonn Ferguson erstellt haben. Über 13 Jahre (2000 bis 2012) haben sie die Spenderaten von Organen in Ländern mit unterschiedlichen Systemen zum Schubsen der Bevölkerung untersucht. Während in manchen Ländern Organspende als Standard gesetzt wird, und Nicht-Spender ihre Nichtspende erklären müssen (opt-out), wird in anderen Ländern das Nichtspenden als Standard gesetzt und Spender müssen ihre Spendewilligkeit erklären (opt-in).

Das Ziel beider Systeme besteht darin, so viel wie möglich Organe zu ernten (to harvest), und entsprechend ist die Menge der geerntete Organe das Maß aller Dinge. Die Ergebnisse: Mehr Organe gibt es bei opt-out Systemen, vermutlich weil viele vergessen, dem System ihre Organe zu entziehen bevor sie der Tod ereilt. Dafür gibt es in opt-in Systemen mehr Lebensspender also Menschen, die eine ihrer Nieren spenden und mit der verbleibenden weiterleben.

Das verkompliziert das Unternehmen “Organspende”, denn wie so oft im Leben erweist sich die Realität als komplexer als die Gedankengänge der nach ihrer eigenen Überzeugung allwissenden Planer. Das gibt einem ein Gefühl der Zufriedenheit, zeigt es doch, dass die Planer planen können wie sie wollen und dennoch hinter ihren Zielen zurückbleiben werden. Egal, wie geschubst wird, immer wird sub-optimal geschubst, denn die gewählte Form der Schubserei bleibt in mindestens einem Punkt hinter dem Ergebnis der abgwählten Form der Schubserei zurück.

Allerdings ist es ärgerlich, wie Planer und Ärzte und all diejenigen, die am Organhandel verdienen, denken, sie könnten mit den Organen ihrer Bevölkerung planen, mit den Organen der naiven Spender, die umsonst hergeben, woran andere sich dann eine goldene Nase verdienen. Deshalb und um die Fronten im Organhandel gerade zu rücken, haben wir eine Aktion gestartet:

If you want my organ – pay for it.

Wenn Ihr eines meiner Organe wollt – zahlt dafür!

Es ist nämlich nicht einzusehen, dass ausgerechnet diejenigen, die die Güter bereitstellen, auf denen die Wertschöpfungskette des Organhandels aufbaut, leer ausgehen.

Pay for it

Was ist ein Mensch wert?

Allein die Überschrift wird manche schon verärgern. Menschen kann man nicht nach Wert bemessen. Ihren Nutzen kann man nicht in Zahlen angeben. Menschen sind ein Wert an sich, so wird behauptet und mit dieser Behauptung auf den Lippen wird um jeden Menschen, geboren oder ungeboren, gekämpft – oder auch nicht.

Aber: Der Wert eines Menschen variiert massiv mit dem Verwendungszusammenhang.

carnageMenschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind, unterliegen einer seltsamen Metamorphose. Sie werden zu Extremisten und Zivilisten, die bei einem Militärschlag getötet wurden. Die Objektivierung der ehemligen menschlichen Subjekte findet sich nicht nur bei kriegersichen Auseinandersetzung, auch bei ideologischen Auseinandersetungen: politische Gegner werden zu Populisten, Extremisten, Kritiker werden zu prekären Existenzen, zu ärgerlichen weißen Männern. Ziel der Objektivierungen: Den Wert der entsprechend bezeichneten Menschen in Frage stellen.

Und das, obwohl die UN angeblich um jedes Menschenleben kämpft, sich UNICEF weltweit für die Rechte und das Leben von Kindern stark macht. Nur: Sind die Kinder einmal erwachsen, werden die Menschen z.B. zu Palästinensern, die in ihrem Staatsgefägnis aufbegehren, werden sie zu Menschen, über die man nicht mehr so einfach Mitleid ausgießen kann, wie dies bei Kindern noch möglich ist, dann reduziert sich augenscheinlich ihr Wert: Dann werden sie zu Hamas-Extremisten, Islamisten, Terroristen, sie werden Ewiggestrige, die der Moderne im Weg stehen.

Den Möglichkeiten zur Objektivierung von Menschen sind keine Grenzen gesetzt. Immer funktioniert die Objektivierung über Gruppenbildung: Wenn Individuen einer Gruppe zugeordnet werden, werden sie ent-menschlicht, sie sind ab sofort nicht mehr Ahmed Al-Nur, der im Gaza-Streifen wohnt, sondern Hamas-Terroristen, sie sind nicht mehr Arne Hoffmann, der Kritik am Genderismus übt, sondern Männerrechtler, linke Männerrechtler in seinem Fall, sie sind nicht mehr Kevin Preis, dem die Grundschulempfehlung verweigert wird, weil sein Vater als Hilfsarbeiter tätig ist, sondern Kinder aus bildungsfernen Schichten.

Die Objektivierung in Gruppen hat den Vorteil, dass man die individuellen Unterschiede nunmehr ignorieren kann, so tun kann, als wären alle Männer gleich, als wollten alle Frauen nur das eine, als wären alle AfD-Wähler Rechtsextremisten und alle Türken in Deutschland verhinderte IS-Kämpfer. Die entsprechenden psychologischen und sozialpsychologischen Vorteile, die sich mit dieser Form der Objektivierung verbinden, sind unter den Stichworten Stereotype und Vorurteile gut erforscht, sie sollen uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren.

Uns geht es um den Wert von Menschen, und wie die Ausführungen bislang zeigen, ist der Wert von Menschen Gegenstand einer Askription. Trotz aller Bekundungen von der Gleichheit der Menschen, trotz aller Lippenbekenntnisse über den Wert an sich, den jedes menschliche Leben darstellt. Zudem haben Menschen einen inkorporierten Wert, der sich als Summe ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten darstellt –

Brown prejudicez.B: im Hinblick auf ihr Humankapital: Spezialisierte Arbeiter, die in der Lage sind, nachgefragte Leistungen zu erbringen, haben einen höheren Wert als Personen, die es in ihrem Leben nie für notwendig gefunden haben, sich in irgend etwas zu bilden und zu entwickeln. Erwachsene Menschen, die am gesellschaftlichen Leben z.B. durch Arbeit teilhaben, haben einen höheren Wert als Kinder, Letztere kosten die Gesellschaft, erstere bringen einen Beitrag für die Gesellschaft. Entsprechend lächerlich ist die politisch korrekte Routine, die in öffentlich rechtlichen Anstalten die Insassen verpflichtet, die Toten bei einem Flugzeugabsturz nach Alter zu differenzieren.

Aber diese Routine, die Tote nach Wert unterscheidet, denn wollte man nicht behaupten tote Kinder seien mehr Wert als tote Erwachsene, man müsste die Toten nicht in entsprechende Altersgruppen zerlegen, diese Routine, sie hat ihren Sinn, sie wirkt über Objektivierung und Gruppenbildung und vermittelt den Eindruck, dass bestimmten Gruppen von Dritten ein höherer Wert zugeschrieben wird als anderen Gruppen. Dieses soziale Ranking des Wertes von Menschen funktioniert ausschließlich über Gruppen, Gruppen, die mit einer positiven Konnotation versehen sind.

Die Litanei der deutschen Wertzuschreibung beginnt bei Frauen, die höheren Wert haben als Männer, und zwar über eine Opfer-Erzählung, die genutzt wird, Frauen, also solche, die sich auf ihr Geschlecht reduzieren lassen wollen, in allen Lebenslagen zu fördern. Frauen und Kinder stehen in etwa auf einer Stufe. Auch Kinder sind der Gegenstand vielfältiger Förderung und natürlich der Gegenstand von Erziehung, was heute die Vermittlung der Inhalte bedeutet, die die politisch-korrekte Erzählung in Deutschlands umfasst. Weiter sind die Gruppen der Altruisten und zivil Engagierte und Ehrenamtliche und Organspender gut angesehen, bieten den Willigen die Möglichkeit, sich von ihrer Individualität zu transzendieren und einen Wert zugewiesen zu bekommen.

Wie die Sirenen es mit Odysseus versucht haben, so versuchen moderne Profiteure Menschen zu ködern und zu fangen, ihnen etwa ein Leben nach dem Tod zu versprechen, z.B. durch Organspende. Organspende ist nicht nur ein Beispiel dafür, wie der Platz, der nach der vermeintlichen Säkularisierung und dem damit verbundenen Verschwinden des Lebens nach dem Tod freigeworden ist, gefüllt wird, sie ist auch ein Beispiel dafür, wie man Menschen objektiviert, als Organspender in diesem Fall, um sie dann in aller Gemützsruhe ausnehmen zu können, und zwar im doppelten Sinne.

Organspende appelliert an die Menschenliebe, gibt es doch so viele, die auf ein Spenderorgan warten, damit sie weiterleben können. Organspende macht sich das Mitleid von Menschen zunutze und verspricht Ihnen eine soziale Aufwertung, wenn sie ihre nach dem Tod unnützen Organe spenden. Lebendspendern wird, wie z.B. Selbstmordattentätern, eine Art Märtyrerdasein versprochen, wenn sie sich von einer Niere trennen, um einem Dritten das Überleben zu ermöglichen.

Soweit, so gut.

Ganz nebenbei wird über die Organspende eine Hierarchisierung vorgenommen, Organspender sind besondere Menschen, aber das ist nicht ihr einziger Wert, denn Organe, die gespendet werden, haben einen besonderen Wert, werden aufgrund der Nachfrage nach ihnen hoch gehandelt. Eine neue Niere kostet in Ungarn 30.000 Euro, Einbau inklusive. Der Wert von Menschen, von organspendenden Menschen ist demnach ein handfester Wert, er materialisiert sich für alle, die an der Produktkette beteiligt sind: Der Spender erhält einen kleinen Obolus für seine Niere, der Mittelsmann, der die Niere an einen Nachfrager vermittelt hat, erhält einen größeren Obolus und der Arzt, der die Niere entnimmt und einbaut, erhält einen mittelgroßen Obolus. Die Wertschöpfung des Handels mit Organen ist offensichtlich.

human organ tradeDrastisch wird diese Wertschöpfungskette im häufig beklagten “Organ Trafficking”, dessen Geschichte um kriminelle Banden rankt, die Arme in den Ländern Asiens und Afrikas oder Kriegsgefangene ausnehmen, um mit deren Organen einen hohen Profit zu erzielen. Seltsamer Weise bricht die Erzählung vom Organ Trafficking immer auf der Angebotsseite ab und berücksichtigt diejenigen, die auf der Nachfrageseite profitieren, die Ärzte, die sich für Transplantationen hergeben ebenso wie die Empfänger der Organe in keiner Weise, schon um nicht die Mitleids-Erzählung zu ruinieren, nach der Organempfänger arme und auf Hilfe angewiesene Menschen sind, die mit dem Tode ringen und nicht den Eindruck zu erwecken, es gebe eine Hierarche des menschlichen Werts, die die Organ-Lieferanten auf der untersten Stufe sieht.

Nicht nur im Rahmen der beschriebenen Formen des Organ-Handels, auch in Deutschland haben Organe einen Wert – für Krankenhäuser und Ärzte, sie werden abgerechnet und finanziert, eine Organtransplantation ist eine Operation, die dem durchführenden Krankenhaus Umsatz und Reputation verschafft und oft genug verdienen alle Beteiligten noch ein bißchen oder ein bißchen mehr nebenher. Entsprechend haben Spenderorgane auch in Deutschland für die an der Wertschöpfungskette Beteiligten einen Wert, ist Organspende ein Geschäft.

Im Gegensatz zur Organspende im Beispiel aus Ungarn, bei der ein Spender als Verkäufer seiner Niere auftritt und somit etwas mit seiner Organspende verdient, geht der deutsche Spender leer aus: Weder können die Angehörigen nach Tod eines erklärten Spenders seine Spendeprodukte gewinnbringend verkaufen noch können Lebendspender einen Profit aus ihrer Veräußerung gewinnen. Ihr Lohn besteht darin, sich einbilden zu können, sie seien ein guter Mensch und andere würden das auch so sehen, sie dafür schätzen, der Lohn der post-hum Ausgenommenen besteht darin, zu Lebzeiten stolz den Spendeausweis vorzeigen zu können.

Den Profit mit den Organen machen andere, das Gesundheitssystem, die an der Wertschöpfungskette Beteiligten, diejenigen, die davon profitieren, dass andere eine (Organ-)Leistung erbracht haben. Das nennen manche gelebte Solidarität oder wahren Altruismus, und es erfüllt auch alle Kriterien, die man an Sklaverei anlegt, in diesem Fall eine Form freiwilliger Sklaverei, bei der man Menschen einen psychologischen Wertzuwachs verspricht, wenn sie sich in die Gruppe der Organspender einfügen, die wiederum von denjenigen, die in der Wertschöpfungskette erst noch kommen, genutzt werden kann, um ihrerseits unter dem Mantel der Hilfe für Menschen in Organnot, zu profitieren. Die psychologische Werterhöhung des Organspenders entspricht demnach der monetären Werterhöhung bei professionellen Organverwertern.

 

 

Tabus der Altenpflege

Salbungsvolle Worte zum Wochenende:

“Zentrale Anliegen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind es, dass eine qualitätsvolle Pflege gewährleistet wird, ältere Menschen mit Pflegebedarf ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen können und pflegende Angehörige in ihrer Aufgabe angemessen unterstützt werden.”

oder:

“Menschen mit Pflegebedarf müssen sich darauf verlassen können, die erforderlichen Leistungen zu erhalten.”

Altenbild

Altenbild

Die salbungsvollen Worte zum Thema “Altenpflege” werden ergänzt durch einen Altenbericht, in dem Alte fast nur als potentielle ehrenamtlich tätig bürgerlich Engagierte vorkommen. Verlieren sie ihren entsprechenden Wert, weil sie zum Pflegefall werden, dann verschwinden sie nicht nur aus dem Altenbericht, sondern auch aus der öffentlichen Wahrnehmung. Vorhanden ist dann nur noch die Arbeit, die Alte verursachen, etwa in Form der Werbetrommel, die für Altenpflegeberufe gerührt wird, dem Versuch, den eklantanten Fachkräftemangel wegzureden oder den Zahlen, mit denen im Rahmen der Pflegeversicherung jongliert wird. Wer nicht mehr vorkommt, das sind die Insassen von Altenpflegeheimen. Hinter wem sich erst einmal die Tür eines Altenpflegeheimes geschlossen hat, der ist dem Vergessen anheim gestellt, wie sich z.B. im sechsten Altenbericht zeigt, der an wenigen Stellen über zu pflegende Alte redet, aber nicht von ihnen berichtet.

Dies wird sehr deutlich am Begriff des Pflegeheims. Er kommt insgesamt 21 Mal auf den 293 Seiten des Berichts vor, wobei die Zusammenhänge, in denen er vorkommt, sehr auschlussreich sind, wie eine kleine Inhaltsanalyse zeigt:

  • In vier von 21 Zusammenhängen wird von Problemen in Altenpflegeheimen berichtet, ohne die Probleme auch als Probleme zu benennen. Eine Fremduntersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Insassen in Altenpflegeheimen unter Mangelernährung leiden (xii). Jemand anderes findet, dass der hohe Verwendungsgrad freiheitsentziehender Maßnahmen in Altengefängnissen bedenklich sei (162). Schließlich wird angemerkt, dass es keinerlei Forschungsarbeiten zur Prävention von Stürzen alter Menschen in Pflegeheimen gibt (162). Das alles wird in einem distanzierten Ton berichtet, so wie man von Dingen berichten, die nicht sonderlich tangieren, ähnlich der Ebola-Berichterstattung aus Liberia – da gibt es welche, die leiden und sterben…
  • Viel wichtiger scheinen Altersbilder und ihre Auswirkung auf alles Mögliche zu sein, z.B. die Bereitschaft von Migranten, ihre Eltern in Pflegeheime zu stecken. Altersbilder kommen an sieben Stellen im Bericht im Zusammenhang mit Pflegeheim vor (57, 162, 181), und sie bilden, wenn man so will, den Rahmen, innerhalb dessen über Desozialisation (71) gefachsimpelt wird und die “Verknüpfung des Mikrosozialraums Pflegeheim” mit dem “kommunalen Sozialraum” (72) angeregt wird, was natürlich bürgerliches Engagement voraussetzt (71; 73) und etwas dadurch behindert wird, dass die Anzahl der Pflegeheimbewohner von manchen als zu hoch eingeschätzt wird (164), was im Hinblick auf 13% vakante Pflegeheimplätze (189) etwas erstaunt, aber im Zusammenhang mit der Patientenverfügung stehen kann, die vor allem Pflegeheiminsassen machen sollten (179).

limiting harmWie immer, wenn ein Thema in Deutschland offiziell behandelt wird, dann wird nicht das Thema, sondern eine Wunschvorstellung davon behandelt. Dies hat regelmäßig zur Folge, dass vom Thema Betroffene, Alte in Pflegeheimen in diesem Fall, nicht vorkommen, bestenfalls als Kostenfaktor oder Gegenstand freiheitsentziehender Maßnahmen oder als Verursacher von Selbst-Stürzen finden sie Berücksichtigung. Angesichts der angeblich so hoch sozialen Gesellschaft mit all ihren vielen hingebungsvollen Menschen, ist dies mehr als erstaunlich.

Fast so erstaunlich wie die Tatsache, dass ein international heißdiskutiertes Thema, nämlich das Thema der Iatrogenese (iatrogenesis) in Deutschland und im Zusammenhang mit Altenpflege keine Rolle spiel (im Altenpflegebericht kommt der Begriff “Iatrogenese” nicht vor), obwohl es eine sehr prominente Rolle spielen sollte. Iatrogenese bezeichnet Krankheit durch Behandlung, beschreibt die Folgen der Behandlung die manche Alte in Pflegeheimen erfahren.

Nicht nur um den salbungsvollen Worten und dem Schweigen, zu dem Pflegeheiminsassen verurteilt sind, entgegenzuwirken, sondern um eines dieser Tabus der deutschen Gesellschaft zu brechen, in dem der Gender-Firlefanz und die Vorlieben von kleinen Damen, die große Positionsinhaber spielen, wichtiger sind als das Wohlergeben einer ganzen Generation von Alten, hier ein Beispiel aus der Wirklichkeit, wie sie sich in Pflegeheimen abspielt.

Es ist die Wirklichkeit, der sich Herr S täglich gegenübersieht.

Herr S. ist 89 Jahre alt und bislang als rüstiger Rentner durch sein Leben gegangen. Eine Darm-Erkrankung, die ihn körperlich geschwächt hat, lässt dies nicht mehr zu. Also wird er vom Krankenhaus in ein Altenpflegeheim überstellt. Vorher bewohnte er ein eigenes Haus, nun teilt er sich ein Zweibettzimmer. Weil er geschwächt ist, ist er wackelig auf den Beinen. Nach mehreren Stürzen als Folge seiner Versuche, zur Toilette zu gelangen, und nachderm er bei seinem letzten Sturz gut 30 Minuten auf Hilfe warten musste, wird er in Windeln gepackt und zum Bettlägerigen gemacht – denn ein Pfleger, der ihn zur Toilette begleitet, ist nicht verfügbar.

Der Entprivatisierung seiner bisherigen Existenz durch Einlieferung in ein Zweibettzimmer folgt die Demütigung, die ihn zum würdelosen Dasein eines Inkontinenten verurteilt, obwohl er gar nicht inkontinent ist.

Besucher, die ihn an Wochenenden und Wochentags sehen, nehmen eine seltsame Abwesenheit und Interesselosigkeit bei ihm war, aber nur an Wochenenden. Das  hat seine Ursache darin, dass er an Wochenenden ruhig gestellt wird: Die Pflegersituation ist noch schlechter als an Wochentagen, entsprechend müssen die Alten eben medikamentös vor sich hindämmern.

Der Entprivatisierung und Demütigung folgt die medikamentöse Entmündigung, die Herrn S. willentlich seines Willens beraubt.

Nach nur wenigen Wochen im Pflegeheim hat Herr S. eine Lungenentzündung, die seine Überstellung auf die Intensivstation des örtlichen Krankenhauses zur Folge hat. Eine intensive Behandlung verbessert seinen Zustand, was dazu führt, dass er schnellstmöglich wieder aus dem Krankenhaus in sein Pflegeheim zurückgegeben wird, denn die Krankenkasse bezahlt keinen Krankenhausaufenthalt zur Pflege, da Herr S. schon zur Pflege im Pflegeheim ist.

Entprivatisiert, gedemütigt und entmündigt, hilflos, wie man Herrn S. hinterlassen hat, gibt es nur noch eines, das man ihm antun kann, man kann ihn seine Hilflosigkeit spüren lassen, ihn vernachlässigen. Wo die Grenze zwischen der Vernachlässigung und der Körperverletzung verläuft, wer will es entscheiden?

Fixierungen-in-der-PflegeWie lange Herr S. die Pflege noch überleben wird, ist derzeit noch eine offene Frage, deren Beantwortung wohl eher früher als später erfolgen wird. Beantwortet ist jedoch die Frage, was öffentlich finanzierte Altenpflegeheime mit Würde und Respekt vor dem Alter zu tun haben. Auf Basis eines Einzelfalls und dem, was ansonsten im Hinblick auf Iatrogenese (aus Ländern, in denen sie erforscht wird und die entsprechende Forschung kein Tabu darstellt), freiheitsentziehende Maßnahmen, wie das ans-Bett-Fesseln von Alten genannt wird, vermutlich um Alte in die Nähe von Kriminellen zu rücken oder auf Basis der endemischen Stürze, die auf sich gestellte Alte in den eigens für sie eingerichteten Pflegeheimen erleiden, von der weitverbreiteten Mangelernährung ganz zu schweigen, muss man feststellen, dass es eine Schande ist, wie mit pflegebedürftigen Alten in Deutschland verfahren wird.

Aber wen wundert diese Missachtung alter Menschen angesichts einer Meute von Politikern, die Wichtigeres zu tun haben: Frauenförderung, Hilfe für Homosexuelle, Nottelefone für die Massen misshandelter Frauen, Kinderförderung, Beratungsangebote für diejenigen, die sich depressiv fühlen, Netzwerktreffen derjenigen, die nichts anderes machen, als sich in Netzwerken zu treffen, in-vitro-Fertilisation für die Torschluss-Gepanikten, und, nicht zu vergessen, Sexologen für das wichtigste, was die derzeitige Gesellschaft zu kennen scheint …

Nachtrag:

Herr S. ist innerhalb von 48 Stunden nach seiner Rückkehr in das Pflegeheim nach erster Einschätzung an einer Lungenembolie verstorben.

Nachhaltige Indoktrination

Heute muss alles nachhaltig sein. Politik reicht nicht mehr, es muss nachhaltige Politik sein. Umweltschutz reicht schon lange nicht mehr: nachhaltiger Umweltschutz muss her. Personalkonzepte sind nur noch akzeptabel, wenn sie nachhaltig sind, nachhaltig ist der Anbau von Kakaobohnen, Marken sind sogar “top-nachhaltig“, Arbeiten als solches reicht auch nicht mehr, nur nachhaltiges Arbeiten wird belohnt, Nachhaltige Investmentfonds suchen Investoren, wer Rad fährt, fährt nicht mehr Rad, nein, er radelt für die Nachhaltigkeit und, last but not least, ist Friede nicht mehr als einfacher Friede von Wert, sondern nur noch, wenn er ein nachhaltiger Friede ist.

Go GreenDie Beispiele zeigen nachhaltig, dass Nachhaltigkeit in mannigfaltiger Weise verwendet wird und immer ist damit dasselbe Ziel verbunden: etwas durch den Zusatz von “Nachhaltigkeit” zu etwas Besserem, Wichtigerem zu machen, es vor anderen Dingen auszuzeichnen, um auf diese Weise eine nachhaltig positive Wirkung bei Zuhörern und Lesern zu erzielen. Kurz: Nachhaltigkeit ist ein Füllwort, dessen Wirkung nicht über die Kognition erfolgt, denn Nachhaltigkeit hat keine inhaltiche Bedeutung, sondern über die affektive Konnotation von Nachhaltigkeit, die dem Wort “Nachhaltigkeit” immanente Wertung, die man mit: gut, wichtig, schön, wünschenswert, richtig, hervorragend und in jedem Falle anzustreben umschreiben kann.

Dass Nachhaltigkeit ein leerer Begriff ist, zeigen auch die (pseudo-)wissenschaftlichen Versuche, den Begriff zu bestimmen:

Nachhaltigkeit, so kann man diese Anstrengungen zusammenfassen, soll alle Prozesse beschreiben, die eine Erneuerung von Ressourcen gewährleisten und einen Raubbau an Ressourcen verhindern. Diese Beschreibung nachhaltiger Entwicklung, findet sich zum Beispiel im Urtext, dem die Nachhaltigkeit entsprungen ist: dem Brundtland-Bericht. Dort wird eine nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung definiert, “die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff, 1987, S.46). Das beschriebene Kunststück, die bekannten Bedürfnisse heutiger Generationen mit den unbekannten Bedürfnissen zukünftiger Generationen in Einklang zu bringen, wird in der AGENDA 21 weitergeführt. Der Nachhaltigkeit werden nun drei Dimensionen zugewiesen, nämlich (Bolz, 2005, S.37; Rotmans & DeVries, 1997, S.10):

  • eine soziale und wirtschaftliche Dimension, die u.a. der Bekämpfung von Armut dient, Bevölkerungspolitik betreiben will und den Handel umschließt;
  • eine Dimension die die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen sicherstellen soll und u.a. die Bereiche Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik umfasst;
  • eine Dimension die auf die Stärkung der Rolle (Rechte) gesellschaftlicher Gruppen abzielt, worunter vornehmlich Minderheiten, Frauen, aber auch NGOs fallen.

Es ist jedem halbwegs in Wissenschaft Geschulten leicht ersichtlich, dass Nachhaltigkeit kein wissenschaftliches, sondern ein normatives Konzept ist, denn Nachhaltigkeit beschreibt gesellschaftliche Zustände, die aus Sicht derer, die die entsprechenden Zustände als nachhaltig beschreiben, wünschenswert sind. Warum sie das sind, wird regelmäßig nicht begründet, vielmehr werden diejenigen, die nach einer Begründung fragen, durch einen entrüsteten Appell an einen nicht näher bestimmte Verantwortung gegenüber nicht näher bestimmten Dritten oder Dingen mundtot gemacht.

Dass Nachhaltigkeit somit ein Begriff ist, der bestenfalls mit Bezug auf die Ethik bestimmt werden kann, wird spätestens dann deutlich, wenn man die Argumentation der Nachhaltigkeitsapostel umdreht und fragt:

  • Ist es nicht wichtiger das Los der derzeitig lebenden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, anstatt ihnen Einschränkungen mit Blick auf noch nicht geborene Menschen aufzuerlegen?
  • Wieso soll man bekannte Bedürfnisse lebender Generationen zu Gunsten unbekannter Bedürfnisse (noch) nicht lebender Generationen zurückstellen?
  • Warum sollen heute lebende Generationen auf einenhöheren Lebensstandard, der ihnen mögilch ist, verzichten, nur weil Berufspessimisten annehmen, dass zukünftige Generationen zu dumm sein werden, um mit den Herausforderungen, vor die sie gestellt sind, selbst fertigwerden zu können?
  • Ist es überhaupt ethisch vertretbar, von Menschen Verzicht zu fordern und ihnen ein schlechteres anstelle eines besseren Leben zu verordnen?

Dies sind nur einige Fragen, die mit dem Konzept der Lebensqualität oder Nicht-Nachhaltigkeit verbunden sind und die deutlich machen, dass Nachhaltigkeit lediglich dazu dient, moralischen Druck auf Menschen auszuüben, um sie in eine Richtung und zu Handlungen manipulieren zu können, die sie von sich aus nicht vorgenommen hätten.

overpopulationAufgabe einer Wissenschaft, die sich ernst nimmt, wäre es entsprechend den anti-emanzipatorischen Kern, den Nachhaltigkeit umschließt, deutlich zu machen und eine moralische Aufklärung zu betreiben, die Menschen nicht zu Lemmingen des Zeitgeistes macht, sondern sie darüber entscheiden lässt, ob sie sich im Sinne der Nachhaltigkeits-Apostel verhalten wollen oder nicht. Das würde natürlich voraussetzen, dass die Nachhaltigkeitsapostel ihre Argumente dafür präsentieren, warum es für derzeit Lebende einen Nutzen bringen soll, sich nachhaltig zu verhalten und diesen Nutzen auch konkret anzugeben. Anders formuliert: Die Nachhaltigkeitsapostel müssten begründen, warum die Lebensqualität der derzeit lebenden weniger wert sein soll als die Lebensqualität zukünftiger Generationen. Und schon weil ein konkreter Nutzen gefragt ist, wird man vergeblich auf entsprechende Argumente warten (schon weil Nachhaltigkeit, dann, wenn sie ernstgenommen wird, und als Reduzierung des Einflusses von Menschen auf ihre Umwelt operationalisiert wird, logisch zu der Konsequenz führt, dass man einen Geburtenstopp fordern müsste.).

Institutionalisierte Wissenschaft in Deutschland 2014 ist jedoch weit davon entfernt auch nur Spuren einer emanzipativen Auffassung der eigenen Tätigkeit zu enthalten. An die Stelle der Rationalität, die die Idee der Wissenschaft über Jahrhunderte hinweg getragen hat, tritt immer häufiger eine Irrationalität, deren Ziele gerade nicht in der Befreiung von Menschen und der Herstellung von Autonomie bestehen, sondern im Gegenteil darin, Heilsbotschaften zu verkünden, Verhaltensvorschriften zu geben oder, in anderen Worten, Inhaber wissenschaftlicher Positionen in der moralischen Überzeugung schwelgen zu lassen, sie könnten irgend etwas besser für andere beurteilen als diese selbst.

Und so ist es nicht verwundertlich, dass sich vermeintliche Wissenschaftler dafür hergeben, an einer effektiven Verbreitung der Nachhaltigkeits-Saga mitzuwirken. Ziel: “Sachwissen in den Themenfeldern der Nachhaltigkeit zu vertiefen und mit erfahrenen Fachleuten aus der Praxis (z. B. taz, SPIEGEL) die verständliche und spannende Vermittlung der Themen zu üben”. Deutlicher kann man die Tasache nicht mehr machen, dass deutsche Universitäten nicht mehr Erkenntnisgewinn zum Ziel haben, sondern klar sozial-technologische Ziele verfolgen, also dabei mitwirken wollen oder sollen, die Bürger auf den richtigen Weg zu führen, ihnen das richtige Verständnis zu vermitteln, als es in diesen wenigen Zeilen aus dem Zertifikatstudium “Nachhaltigkeit und Journalismus”, das an der Leuphana-Universität Lüneburg angeboten wird, von der wir uns zunehmend fragen, warum sie “Universität” nicht endlich durch Schule ersetzt.

nachhaltig siegelIm Zertifikatstudium, das mit dem Zertifikat “Nachhaltigkeit und Journalismus” endet, eine Auszeichnung, die man sich dann vermutlich auf den Allerwertesten tätowieren lassen darf, werden Grundlagen in “Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften”, “Nachhaltigkeitshumanwissenschaften”, in der “Nachhaltigkeitskommunikation” gelegt, in dem die “Nachhaltigkeitsforschung” der entsprechenden “Nachhaltigkeitswissenschaften” dargelegt und genutzt werden, um einen “Nachhaltigkeitsjournalismus” darauf zu gründen. Bei so viel Nachhaltigkeit muss es auch dem letzten Leser  deutlich werden, dass hier nachhaltige Kaderbildung betrieben werden soll, und zwar in Form nachhaltiger Journalisten, oder, in den Worten von Dr. habil. Heike Diefenbach, von Multiplikatoren, die wie die 12 Apostel in die Welt ziehen und die heilige Botschaft verkünden, nicht die heilige, in diesem Fall, sondern die nachhaltige Botschaft.

Das Pikante am Zertifikatsstudium der Kaderschmiede in Lüneburg findet sich unter dem Punkt “Partner”. Partner des Zertifikatsstudium, das aus Gründen der Verschleierung an einer Institution angeboten wird, die sich (noch) Universität nennt, sind:

  • Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die “treibende gesellschaftliche Kraft für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland”.
  • Die Zeitschrift GEO, des Verlagshauses Gruner und Jahr, die offensichtlich und bislang noch keine nachhaltigen Reportagen produziert.
  • Germanwatch, eine “Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt”.
  • Die Lüneburger Landeszeitung, die derzeit “31.689” nicht nachhaltige Exemplare verkauft.
  • Die taz.panterstiftung, die in Workshops “kritische Journalisten” der Art, wie man sie fast täglich in der “taz” bewundern kann, heranzüchten will.
  • Völkel Naturkostsäfte, bei denen der “Anbau von Bio-Streuobstwiesen und die Förderung von samenfesten Gemüsesorten” ganz hoch im Kurs steht.
  • Und der WWF, der “weltweit die Zerstörung der Natur und Umwelt” stoppen will, woraus man nehmen muss, dass Natur mit Umwelt nichts zu tun hat.

go green 2Die genannten Partner, deren richtige Bezeichnung wohl eher: Sponsoren wäre, machen das Zertifikatsstudium erst möglich, und entsprechend empfehlen wir das Studium der vollen Aufmerksamkeit der GEW, die im regelmäßig auf uns niederkommenden “Privatisierungsbericht”, die Einflussnahme privater Organisationen auf die Bildung beklagt. Und im vorliegenden Fall sind wir ganz und gar einer Meinung mit der GEW: Es ist höchste Zeit die Finanzierung von Zertifikatsstudien zu “Nachhaltigkeit und Journalismus” , die Einflussnahme privater Organisationen auf die Ausgestaltung von Bildung und den Missbrauch universitärer Ressourcen für Indoktrination und Manipulation zu unterbinden.

Literatur

Bolz, Hermann R. (2005). Nachhaltigkeit. Eine weitere Worthülse oder ein wirksamer Beitrag zur Verringerung der Ontologischen Differenz? Norderstedt: Book on Demand.

Hauff, Volker von (Hrsg.)(1987). Unsere gemeinsame Zukunft – Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Köln: Greven.

Rotmans, Jan & De Vries, Bert (1997). Perspectives on Global Change: The TARGETs Approach. Cambridge. Cambridge University Press.