Hass auf Heterosexualität: Gegenwartsverlierer und ihr gestörtes Verhältnis zu Kritik

Hass und Heteronormativität, so lautet die Überschrift eines Beitrags in Jungle World, auf den uns ein Leser dankenswerter Weise hingewiesen hat. Christian Jakob, Autor des besagten Beitrags, der mit “Hassanfälle hat er täglich” beginnt und Akif Pirincci zum Gegenstand hat, versucht in seinem Beitrag ein sehr schwieriges Framing zu schaffen: Wie schreibt man über einen Gegenstand, den man verabscheut, ja hasst, ohne zu sagen, dass man ihn hasst.

king louisDie pseudo-intellektuelle Art, die in den Teilen der Mittelschicht Anwendung findet, die sich aus welchen Gründen auch immer, für distinguiert halten (vermutlich weil sie den Inhalt von Pierre Bourdieus “feinen Unterschieden” nur aus vierter Hand kennen und gänzlich missverstanden haben), funktioniert hintenrum: Man unterstellt anderen, denn man selbst macht sich natürlich nicht die Hände schmutzig, tägliche Hassanfälle, zum Beispiel, sekundiert von einer “Fangemeinde von  alten und neuen Rechten”, man berichtet von furchtbaren Einträgen auf Facebook, die zwischenzeitlich “offenbar gelöscht” wurden (Nachprüfung entsprechend unmöglich), man zitiert die wüstesten Ausfälle von Kommentatoren, die man finden kann, natürlich nur aus Gründen der Darstellung, nicht, weil sie einem besonders geil machen, streut die gelegentliche “Hasstirade” ein und  gestaltet damit den Rahmen, den man Lesern vorgeben will, denn: die Bösen sind nun benannt.

Jetzt kommen die vermeintlich Guten. Elisabeth Tuider ist eine vermeintlich Gute. Sie ist ganz urplötzlich und ohne eigenen Anteil Opfer von Kritik geworden. “Ihre Kontakdaten” hat sie von ihrer Homepage bei der Universität Kassel gelöscht, sie ist “abgetaucht”, wie Jakob weiß, und dabei ist alles, was sie wollte, Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer Sexualität zu helfen und vor allem ihren Lehrern Hilfestellung bei Antworten auf Fragen, die sie täglich gestellt bekommen, zu geben, Fragen wie: “Wie richtet man eigentlich ein Bordell ein, das auf die sexuelle Orientierung seiner Kunden Rücksicht nimmt?” oder “Wie geht Analverkehr?”. Kinder und Jugendliche bewegt nichts mehr als diese Fragen, so weiß Tuider, woher auch immer.

Und nach den vermeintlich Guten kommen die vermeintlichen Helfer der vermeintlichen Guten, jene, die im Fahrwasser der Kritik fahren, die die vermeintlich Guten ernten, und versuchen, dabei das Beste für sich herauszuschlagen, ein Unterfangen, das nicht jedermanns Sache ist: Wer eigene Ideen hat, ist ungeeignet. Wer nicht von Ideologien profitieren will, ist ungeeignet. Wer eine klare, argumentierbare und in Fakten basierte Position hat, ist ungeeignet. Kurz: als vermeintlicher Helfer vermeintlich Guter eignen sich nur Ideologen, die anders als mit vermeintlicher Gutheit, keinen Blumentopf gewinnen, die im Diskurs der Argumente untergehen, weil sie Emotionen verkaufen, und zwar in der Form von Bewertungen.

politische DenunziationVerkäufer von Emotionen, die keine Argumente, aber Mengen von Bewertungen feil bieten, sind in den letzten Jahren an sozialwissenschaftlichen Instituten von Universitäten leider häufig geworden. Als Günstlinge des Staatsfeminismus installiert oder als neo-marxisische oder neo-kommunistische Sprach-Phönixe aus der Asche des real existierenden Sozialismus wie ein Golem geformt, verbreiten sie ihre Bewertungen, weil sie zur Verbreitung von Argumenten nicht kompetent sind. Und nun ist ihnen etwas ungeheuerliches Widerfahren: Sie werden kritisiert. Sie werden aufgefordert, ihre Berechtigung an Universitäten ein Dasein zu fristen, zu begründen, zu zeigen, welche gesellschaftlichen Vorteile daraus erwachsen, dass sie von Steuerzahlern finanziert werden.  Das ist ungeheuerlich und fordert eine Reaktion. Welche? Die übliche: Bewertungen und Emotionen an Stelle von Wissen und Argumenten – schließlich kann man nun mal nichts anderes.

Da ist zum Beispiel Paula-Irene Villa, die nach Ansicht von Christian Jakob eine Münchner Soziologin ist. Vermutlich ist er deshalb dieser Ansicht, weil Frau Villa es geschafft hat, einen Lehrstuhl für, na raten Sie, richtig: “Soziologie/Gender Studies” zu besetzen. Man beachte vor allem den Trennstrich zwischen Soziologie und Gender Studies, denn der Trennstrich ist wichtig: er trennt das Unvereinbare: Soziologie hat mit Gender Studies so viel gemeinsam wie Wissenschaft mit Theologie – nichts.

Wie wenig Frau Villa in den Grundlagen einer Wissenschaft bewandert ist, für die sie einen Lehrstuhl besetzt, haben wir bereits in der Vergangenheit dargestellt. Aber selbst wenn wir es nicht bereits dargestellt hätten, ihre Originaltöne, die Jakob in seiner Dschungel-Welt verarbeitet, sind ausreichender Beleg, denn: Argumente sucht man vergebens. An ihrer Stelle findet man Klagen und Bewertungen: Von Leuten, die “antigenderistisch” unterwegs seien, weiß Villa, Leuten, die das “Feld der Gender Studies diffamieren” als “Feminazis, die auf Steuerkosten die eigene Karriere vorantreiben” ist die Rede. “Aggressive Gruppen” seien dies, die sich gegen gesellschaftliche Modernisierung wenden, wobei die gesellschaftliche Modernisierung offensichtlich darin besteht, Kinder und Jugendliche über Analverkehr zu unterrichten. Und so fragt sich Villa, sind das nun “Modernisierungsverlierer” oder “Modernisierungsverängstigte”, die als “aggressive Gruppen” die “Gender Studies diffamieren”.

Warum ist Villa kein Wissenschaftler?

Sie hat kein Erkenntnisproblem. Sie weiß genau, was gut und was richtig ist, sie kennt den Schlüssel zum Heil, in das, was wir als wissenschaftsfreie Nach-Moderne beschrieben haben. Seltsam nur, dass sie selbst in einem archaischen Bild von der Gesellschaft verharrt. Die Moderne und deren Verlierer sind Themen, die in der Soziologie seit Immanuel Wallerstein, also spätestens seit den 1970er Jahren gegessen und weitgehend verdaut sind. Dass Wilhelm Heitmeyer den Ladenhüter in den 1980er Jahren in die deutschen Versuche, Rechtsextremismus zu erforschen, eingeführt hat, macht ihn nicht “moderner”.

Modernity in 19ctAber selbst wenn man mit Frau Villa von der Existenz einer zeitlosen Moderne, die so zeitlos ist, dass man sich fragt, wann es eine Antike gegeben haben kann, ausgeht, so erfodert der Typus des Modernisierungsverlierers doch auch sein Gegenstück, den Modernisierungsgewinnler, den man sich dann wohl als jemanden vorstellen muss, der kein Problem mit Analverkehr hat und ansonsten versucht, als Günstling des Staatsfeminismus Karriere zu machen. Dass es Menschen geben könnte, denen ihre Integrität wichtig ist, die sich wegen ihrer Integrität nicht verkaufen, kommt Frau Villa nicht in den Sinn, aber sie ist ja auch der Ansicht, Kinder und Jugendliche müssten bereits über die Art und Weise, in der ein Bordell betrieben wird, Bescheid wissen.

Aber es geht Frau Villa ja auch nicht um eine Beschreibung sozialer Fakten, wie dies der Gegenstand der Soziologie ist, seit sie Emile Durkheim begründet hat, nein, es geht ihr um Bewertung, Abwertung um genauer zu sein. Sie glaubt offensichtlich an eine Art Wortmagie: Sie sagt: “aggressive Gruppen”, denn “aggressiv” ist schlecht im Weltbild der Frau Villa. Sie sagt: “Modernisierungsverlierer”, “Modernisierungsverängstigte” und meint, der so Bezeichnete rennt nun ins Bockshorn und wartet dort auf bessere Zeiten. Die einzigen, die derartiger Wortmagie zugänglich sind, sind die, die daran glauben, Leute wie Villa und Jakob, die immer noch denken, man könne Menschen mit Begriffen manipulieren, mit Emotionen, bräuchte keine Argumente.

Sie haben die Rechnung ohne die oben angesprochene Integrität gemacht, und wenn man auch nicht unbedingt erstaunt darüber sein muss, dass Villa Integrität nicht auf der Rechnung hat, immerhin ist Integrität ein Fremdwort, so muss man doch einmal mehr konstatieren, dass ausgerechnet diejenigen, die reflexiv sind und über alles, was andere betrifft, Reflexionen anstellen, nicht in der Lage sind, über ihre eigene Wirkung auf andere zu reflektieren. George Herbert Mead, der von diesen Möchtegern-Soziologen zuweilen vereinnahmt wird, der von der Fähigkeit, sich selbst und seine eigene Wirkung zu antizipieren als “Looking-Class-Self” geschrieben hat, würde – würde er noch leben – seine Theorie für zukünftige Generationen einfrieren, angesichts der Unfähigkeit derjenigen, die heute medienwirksam Soziologe oder Sozialwissenschaftler spielen.

Und natürlich, wenn es darum geht, Bewertung abzugeben, zu behaupten und nicht zu belegen, dann darf Thomas Viola Rieske von mittlerweile “Dissens” nicht fehlen. Rieske hat, seit er dafür bezahlt wurde, im Namen der GEW die Realität der Nachteile von Jungen im Bildungssystem in Abrede zu stellen, ein mehr als gestörtes Verhältnis zu eben dieser Realität und zu etwas, was er “Maskulismus” nennt. Und jenem Maskulismus, dessen imaginäres Stadium bei Rieske schon zur Phobie zu werden droht, widmet er den Versuch, die ganze Schlechtigkeit der Kritik, die neuerdings auf vermeintlich Gute, die Kinder und Jugendliche sozialtechnologischen Experimenten unterziehen wollen, ohne dass sie eine Idee davon, gar Untersuchungsergebnisse darüber hätten, wie die Experimente auf die 12 bis 15jährigen, die ihnen unterzogen werden, wirken, um deren ganze Schlechtigkeit deutlich zu machen:

“Pirinccis Kritik sei ‘extrem nah an dem, was Maskulismus mit Feminismus macht: Immer krass persönlich beleidigend, dabei wird dann mit Verschwörungstheorien gearbeitet, die Lesben übernehmen die Welt und der Feminismus den Staat”

Wissen Sie, was das Problem an den Pseudo-Intellektuellen aus der Mittelschicht ist, die versuchen, indirekt zu beleidigen und sich quasi auf eine “über-Ebene” der Beleidigung zu stellen: Sie gleichen der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt: Seine Not, Maskulismus und Feminismus zusammen mit Pirincci in die Welt der Bösen zu stellen, hat Rieske dazu veranlasst, eine klassische Verschwörungstheorie zu entwerfen, auf deren Basis er dann anderen eine Verschwörungstheorie vorwirft: Denn was anderes als eine klassische Verschwörungstheorie ist es, wenn man “dem Maskulismus” vorwirft, er verbreite eine Verschwörungstheorie über “den Feminismus”?

Wenn Sie also demnächst den Maskulismus treffen, wie er sich krass beleidigend gegen den Feminismus stellt, dann wissen Sie: Der Maskulismus ist eine Verschwörung, die die vermeintliche Verschwörung des Feminismus verhindern will. Rieske ist zwischenzeitlich bei Dissens angestellt, einem Netzwerk, das im Widerspruch zur “HERRschenden Männlichkeit” steht, und das schon seit 1989. Seit 1989 bildet man sich bei Dissens also ein, es gebe eine “HERRschende Männlichkeit”. Das kann nicht folgenlos bleiben, insbesondere dann nicht, wenn die eigenen Behauptungen und Bewertungen, die seit 1989 ungeprüfte Grundlage eigenen Nutznießens waren, plötzlich hinterfragt werden, ja kritisiert werden, wenn plötzlich Blogs wie ScienceFiles verlangen, dass Belege für die aufgestellten Behauptungen vorgetragen werden. Dass die damit ausgelöste Angst, zu Gegenwartsverlierern zu werden, dass eine entsprechend Gegenwartsängstlichkeit alle Nutznießer des Staatsfeminismus erfasst, sie wild, emotional bewertend, verbal um sich schlagen sieht, weil ihnen das Argumentieren nicht in die Wiege gelegt wurde (sonst würden sie z.B. Genderismus nicht mit Wissenschaft verwechseln, also Ideologie nicht mit Wissenschaft), ist daher nachgerade verständlich.

Was uns zum abschließenden Statement einer “Fachgesellschaft Gender Studies” bringt, bei der es jemanden gibt, der wohl nicht genannt werden will und sagt: Es gebe einen Versuch: “die Geschlechterforschung als ‘unwissenschaftlich’ zu denunzieren”.

junk scienceUnd wieder finden wir die Bewertung, wo man das Argument erwartet. Wenn die Geschlechterforschung wissenschaftlich ist, was ist leichter, als den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit zu entkräften? Die Studienergebnisse, die Forschung zur Verbesserung wissenschaftlicher Methoden all das, was eine Wissenschaft auszeichnet, es zu produzieren und als Beleg anzuführen, sollte eine Leichtigkeit sein. Aber Belege gibt es offensichtlich nicht. Es gibt Bewertungen, Aufgeregtheit, ja Empörung ob der Unglaublichkeit, dass nach einem Beleg für die behauptete Wissenschaftlichkeit der Geschlechterstudien gefragt wird. Nach Jahren des unbekümmerten Nutznießens ist dies in der Tat ein herber Schlag, und selbst die für Ideologen so wichtige Benutzung ironischer Anführungszeichen geht, angesichts dieser Unglaublichkeit in die Hose, da man sich nicht gleichzeitig von denen per ironischem Anführungszeichen differenzieren kann, die Geschlechterstudien für unwissenschaftlich halten und behaupten kann, sie würden eben jene Geschlechterstudien als unwissenschaftlich denunzieren. Das Ergebnis gleicht der doppelten Verneinung oder wie jeder aus dem Mathematikunterricht weiß: minus mal minus gibt plus.

Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass mit klaren Methoden nachvollziehbare und nachprüfbare Ergebnisse produziert werden, die einen Erkenntnisgewinn darstellen. So lange es aus der Geschlechterforschung und den Gender Studies nichts davon gibt, ist der Schluss klar: Gender Studies sind keine Wissenschaft. Und das wiederum ist ein Faktum. Kurz: Man kann etwas, das nicht wissenschaftlich ist, nicht als unwissenschaftlich denunzieren, denn das Adjektiv “unwissenschaftlich” ist in diesem Fall eine Beschreibung der Realität und keine Bewertung, und damit sind wir wieder bei den Problemen, die Ideologen mit Argumenten haben, den Problemen, die überhaupt erst ihre Vorliebe für Bewertungen begründen.

Bleiben noch fünf Feststellungen zum Ende:

(1) Toleranz gegen Andersdenkende ist bei den Villas und Tuiders, bei all denen, die so modern zu sein vorgeben, nur dann vorhanden, wenn die Andersdenkenden nicht wirklich anderer Meinung sind. Die Toleranz endet da, wo offene Kritik erfolgt, wo Belege und Begründungen eingefordert werden. Dann holen die selbst-erklärten Toleranten die Keule und bewerten Andersdenkende als Rechte oder als Vormoderne.

(2) Der beleidigende Stil, den Intolerante wie Villa und vor ihr viele Genderisten in den öffentlichen Diskurs eingeführt haben, bleibt nicht ohne Antwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es einem entgegen. Das ist eine vormoderne Weisheit, was erklärt, warum Genderisten wie Villa sie nicht kennen.

(3) Wären Genderisten Wissenschaftler, Kritik wäre ihr Lebenselixier. Zuwachs an Erkenntnis, Wachtsum von Wissen ist ohne Kritik, ohne die Beseitigung des veralteten, zuweilen falschen, durch das neue, bessere Wissen nicht möglich. Wer Kritik fürchtet, wie der Teufel das Weihwasser hat offensichtlich das Problem, dass er keine Verbesserung, keinen Wissenszuwachs will, weil Verbesserung und Wissenszuwachs das Ende jeder Ideologie sind.

(4) Wären Genderisten Wissenschaftler, sie würden sich fragen, was die heftigen Reaktionen auf das, was sie für harmlose, moderne Vorschläge halten, ausgelöst, ja verursacht hat. Sie würden sich fragen, warum so viele der Ansicht sind, Analverkehr habe nichts im schulischen Unterricht verloren. Aber statt Argumenten gibt es Denunziation: Wer kritisiert ist vor-modern, ein Verlierer der Modernisierung, eben falsch – anstelle von Erklärungsversuchen gibt es die Abkanzlung, die Einteilung der Welt in gut und böse, wie sie für Ideologen ein Markenzeichen ist.

(5)Schließlich: wären Genderisten Wissenschaftler, sie hätten von Anfang an Argumente und Begründungen an die Stelle von Bewertungen und Behauptungen gesetzt, hätten ihre Position mit empirischer Forschung zu untermauern gesucht. Dass sie es nie getan haben, ist der beste Beleg dafür, dass Genderisten nicht an Wissenschaft, sondern an Nutznießen, Brunnenvergiftung und Ideologie interessiert sind.

Und vielleicht liegt eben hier die Ursache für die heftige Ablehnung, die sie zu erfahren scheinen.

Überall Sex – aus den Erzählungen von Sex-Maniacs

Der 5. März 2015 ist Kulminationspunkt - auch noch der 6. März wird notwendig sein, um die Erregung der Teilnehmer, die sich zur Jahrestagung der Sektion “Frauen- und Geschlechterforschung in der DGfE” treffen,  abzubauen, Erregung über: “Erziehung, Gewalt und Sexualität”. Das klingt wie ein Workshop der sado-masochistischen Vereinigung von Eckernförde. Ist es aber nicht. Es ist: Wissenschaft oder doch zumindest das, was unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft als solche ausgegeben werden kann.

Was die Teilnehmer der Jahrestagung an Darbietung, Unterhaltung und Aufregung zu erwarten haben, ist in einem Call for Papers zusammengefasst, der eine Din-A4-Seite füllt.

DGfEDemnach beginnt die ganze Erregung bei der Macht, denn Macht ist “strukturell ungleich” verteilt (Seither rätseln wir, wie gleich verteilte Machtverhältnisse aussehen). Und weil Macht strukturell ungleich verteilt ist, zum Beispiel in Schulen, wo Schüler unter Aspekten der Macht dadurch dominiert werden, dass es Lehrer sind, die ihnen Noten geben und nicht umgekehrt, weil das so ist, tragen strukturell ungleiche Machtverteilungen “immer auch die Gefahr in sich, gewaltförmige Seiten und Strukturen hervorzubringen”.

Spätestens jetzt haben die Stammleser von ScienceFiles erkannt, dass wir mit dem Unsinn der Woche unterwegs sind, ein Unsinn aus willkürlich zusammengeworfenen Wortaneinanderreihungen, der in Sätzen kulminiert, von denen man nur sagen kann, dass den Schreibern offensichtlich nicht klar war, was sie da schreiben, denn: vermutlich ist ihre Erregung mit Ihnen durchgegangen (immerhin hat so ein Bleistift ja eine sexuelle Komponente, aber dazu später).

Strukturell ungleiche Machtverteilungen tragen also die Gefahr in sich, gewaltförmige Seiten und Strukturen hervorzubringen. Wenn Sie von einem Polizeibeamten festgenommen werden, weil er Sie dabei ertappt hat, wie Sie ihrem Nachbarn die Luft aus den Autoreifen lassen, dann sind sie Opfer einer strukturell ungleich verteilten Macht geworden, da der Polizeibeamte nicht nur die Staatsmacht auf seiner Seite hat und Sie nicht, sondern auch bewaffnet ist, und die Gefahr mit sich trägt, eine gewaltförmige Seite oder Struktur der Struktur der Machtverteilung hervorzubringen (Tatsächlich ist die Bewaffnung natürlich Ergebnis und nicht Gefahr der ungleichen Machtverteilung).

Aber es wird noch besser:

scully facepalm“Gewalt”, so heißt es, “hat aber immer auch einen Bezug zum Sexuellen – etwa in der Verbindung zu sexualisiertem Lustgewinn oder der Lust, die aus Dominanz und Überwältigung erwächst. … Zudem spielen in gewaltförmigen Konstellationen (auch zwischen Kindern und Jugendlichen) immer auch normative Konzepte von Heterosexualität von ‘männlich’ und ‘weiblich’ und von Angemessenheit in Bezug auf sexuelle Orientierungen, Verhalten und Selbstdarstellung eine wichtige Rolle”.

Hier treffen wir zum ersten Mal jene Macht, die die Welt, im Innersten zusammenhält, die Quelle aller Erregung und Gewalt: die Sexualität auch “das Sexuelle” genannt. Zwei Betrunkene, die sich auf dem Weinfest schlagen, befinden sich entsprechend im sexuellen Austausch. Der Auftragskiller, der gegen Bezahlung mordet, tut diese nicht wegen des Geldes, sondern wegen dem sexuellen Hoch, das ihm der “Kill shot” besorgt. Und, nicht zu vergessen, die Polizeibeamten, die gewalttätige Demostrationen auflösen, tuen dies nicht, weil sie Ordnung herstellen und das Eigentum von Bürgern beschützen wollen, sondern weil sich auch teilhaben wollen, an der Massenorgie, die gerade stattfindet.

Man hat das distinkte Gefühl, dass die Autoren des Call for Papers eine andere als die physisch vorhandene Welt teilen, eine Welt frei von “normativen Konzepten der Heterosexualität”, wie sie sich z.B. darin niederschlagen, dass gewöhnlich Männer die Wasserkästen tragen, die Frauen in der Regel nicht zu tragen im Stande sind. Und wieder finden wir eine strukturelle, quasi eine natur-strukturelle ungleiche Machtverteilung, die – wie die Autoren wissen – die Gefahr in sich trägt, gewaltförmige Seiten und Strukturen hervorzubringen, zum Beispiel als “Strukturelement von Sprache”, wie in der Wasserkasten.

Damit wir unsere Leser über all dem Unsinn nicht verlieren, auch auf die Gefahr, sie zu langweilen – zur Wiederholung: strukturell ungleiche Machtverteilungen tragen die Gefahr in sich, gewaltförmige Seiten und Strukturen  hervorzubrningen, wobei das Sexuelle sich über ein sexuelles Dominanzstreben nach “Macht-über-andere” in z.B. “Gewalt als Strukturelement von Sprache” übersetzt – oder so. Wir haben hier ganz massiv den Eindruck, dass ungleiche IQ-Verteilungen vor allem dann, wenn sie nicht mit strukturellen Positionen konkruent sind, dazu führen, dass Worte Gewalt über die Wortbenutzer ausüben, was über das Dominanzstreben der Worte dazu führt, dass die Wortbenutzer zu Opfern struktureller Sprachgewalt, die durch eine normative Heterosexualität bedingt ist, werden. Wer nicht dieser Meinung ist, kann uns gerne das Gegenteil beweisen.

Doch das Beste, das dieser Call for Papers zu bieten hat, das fehlt bislang. Der ganze Unsinn, den wir bislang dargestellt haben, verblasst hinter dem monumentalen Unsinn, der nun kommt und wieder geht alles natürlich vom “Sexuellen” aus:

Nuts in Bedlam“Aber das Sexuelle ist auch per se Bestandteil aller Erziehungskonstellationen. Der ‘Überschuss’ im pädagogischen Verhältnis … ließe sich kaum anders aufbringen und erklären. Liebe, Empathie, Nähe und Unterstützung haben immer eine sexuelle Dimension, auch wenn sie nicht im Vordergrund steht. Dies betrifft elterliche Zuwendungen ebenso wie die von Lehrkräften oder pädagogischen Fachkräften …”

Da alle Erziehungskonstellationen und alle menschlichen Interaktionen, wie man dem Call for Papers entnehmen kann, sexuell motiviert sind, muss man sich fragen, welche sexuelle Motivation, welche Form der sexuellen Dominanz die Autoren dieses Call for Papers getrieben hat, um ihre Erregung in derartigen Unsinn zu ergießen. Wir können nur vermuten, dass es sich dabei um eine Form der Dominanzpraktik handelt, mehr wollen wir darüber ehrlich gesagt nicht wissen.

Es reicht nämlich. Man kann ein gewisses Maß an Unsinn, ja selbst an Wahnsinn ertragen, aber irgendwann ist Schluss: Wenn jemand behauptet, dass Lehrer grundsätzlich sexuell motivierte, einer heterosexuellen Normativität verpflichtete, ja, was eigentlich: Spanner, Päderasten oder Pädophile sind, dann muss man in reiner Prosa feststellen: Der hat etwas an der Waffel. Wenn jemand behauptet, Liebe, Empathie, Nähe und Unterstützung seien immer durch “das Sexuelle” strukturiert, was immer “das Sexuelle” in der Phantasie der Autoren auch sein mag, dann kommt man nicht umhin, Pflegeberufe, von Krankenpflegern über Altenpfleger bis hin zu Zahnärzten und Hausärzten neu zu beurteilen.

Etwa: Das erotische Gefühl, das sich bei einem Zahnarzt einstellt, wenn er, von “dem Sexuellen” getrieben, seinen Bohrer in den Zahnschmelz des hilflos seiner normativen Heterosexualität ausgelieferten Opfers mit Mundgeruch senkt oder: die fast schon an Gruppensex erinnernenden Waschsessions in Altenheimen, bei denen alte Menschen gleich der Gewalt mehrerer Pfleger, vermutlich unterschiedlichen Geschlechts ausgeliefert sind. Ganz zu schweigen vom Gerichtsmediziner, der den Gegenstand seiner Obduktion, ein Mordopfer, mit nekrophiler Empathie und getrieben von “dem Sexuellen” betrachtet.

Nein, wir kommen nicht umhin festzustellen, dass die Autoren dieses Call for Papers nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben scheinen, in jedem Fall aber von “dem Sexuellen” in einer Weise besessen zu sein scheinen, die an absolute Dominanz grenzt und eines nicht ist: normal.

Ach ja: Die Autoren sind Barbara Rendtorff, Claudia Mahs, und – wenig überraschend – der oder die uns allen bekannte Thomas Viola Rieske

Wenn Sie sich jetzt erregt haben, dann doch sicher wegen der sexuellen Konnotation und nicht wegen des aus Steuergeldern finanzierten Unsinns – oder?

Freiwillige Selbstkontrolle (FSK): Pornographie ab 12 freigegeben

Gerade haben wir darüber berichtet, dass eine Kasseler Professorin für Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtung der Dimension Gender mit ihren 70 Vorschlägen zur Sexualerziehung in Schulen einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat, da muss sich Deutschland auf den nächsten Sturm vorbereiten: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat angekündigt, pornographische Filme, die bislang mit “FSK ab 18″ bewertet wurden, in Zukunft mit “FSK ab 12″ zu bewerten.

FSK18Unser Ziel, so der zuständige Sachbearbeiter der FSK, Hartmut Polanski, ist es, die entsprechenden Filme für den schulischen Unterricht verfügbar zu machen. Dabei, so Polanski, habe Elisabeth Tuider, die Kasseler Professorin für Diversität, eine wichtige Vorreiter-Rolle gespielt. Durch ihre Vorschläge zur Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren habe Tuider die FSK maßgeblich beeinflusst. Im Lebensverlauf so wichtige Themen wie Analverkehr und die Einrichtung eines Bordells unter besonderer Berücksichtigung der entsprechenden Vorlieben der jeweiligen Gäste, also letztlich Kenntnisse in Zielgruppenmarketing und Marktsegmentierung, hätten bei der FSK zu einem Umdenken geführt. Ein Konsens dahingehend, dass pornographische Filme nicht jugendgefährdende Filme seien, sondern im Gegenteil pädagogisch wertvolle Darstellungen, die im schulischen Unterricht zum Einsatz kommen sollten, habe sich nunmehr gebildet.

Deshalb habe man sich entschlossen, den Sexualkundeunterricht in Haupt, und Realschulen in Gymnasien und Sonderschulen dadurch zu fördern, dass pornographische Filme zukünftig mit “FSK ab 12 Jahren” freigegeben werden, vor allem dann, wenn sie Elemente enthalten, die im Lehrplan vorgesehen sind, Elemente wie z.B. Massensex mit Analverkehr.

Damit entfalle auch die Notwendigkeit, die entsprechenden Filme in eigens dafür vorgesehenen neutralen Verpackungen und unter dem Ladentisch zu verkaufen. Der Pornofilm solle nunmehr als das pädagogische Werk, das er nun einmal ist, seinen Platz finden, neben Cornelsens wichtigem Beitrag für Schüler “Lesen, Darstellen, Begreifen” und Büchern wie “Das Mathematikbuch als Instrument des Schülers”.

Da es sich bei den pädagogischen Inhalten, die in pornographischen Filmen verarbeitet werden, mehr um visuelle Inhalte handelt und man außerdem der spezifischen Zielgruppe der visuellen Lerner gerecht werden wolle, sei die Gleichstellung mit Büchern gerechtfertigt.

Auch Filmstellen wie Film und Schule LWL, eine gemeinsame Initiative des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW und des LWL-Medienzentrums für Westfalen, nehmen die bahnbrechende Arbeit von Elisabeth Tuider zum Anlass, um fortan pornographische Filme im Angebot zu führen:

FSK12“Die Vermittlung von Filmkompetenz im Schulunterricht setzt ein gewisses Maß dieser Kompetenz bei den unterrichtenden Lehrern voraus”, so LWL in einer Stellungnahme. Dank der Vorarbeiten von Frau Tuider, sei dieses gewisse Maß an Kompetenz nunmehr frei zugänglich, was die Bereitstellung von Pornographie für den schulischen Unterricht ermögliche”.

Abschließend  noch ein Hinweis von Hartmut Polanski: Die 70 Vorschläge zum Sexualkundeunterricht, die Elizabeth Tuider zugeschrieben werden, sind nicht alleine ihr Werk, vielmehr sind Mario Müller, Stefan Timmermanns, Petra Bruns-Bachmann und Carola Koppermann am Buch “Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit”, das bei Beltz in Weinheim bereits in der zweiten Auflage erschienen ist, beteiligt. Ihnen gebührt daher ein Anteil am Ruhm von Frau Tuider.

Die Nachrichtenflut, der man heute ausgesetzt ist und die Salonfähigkeit der Unnormalität, wie sie immer mehr um sich greift, lässt Leser von Nachrichten zuweilen unschlüssig darüber zurück, ob es sich bei der betreffenden Nachricht um Realität oder Satire handelt.

Deshalb fragen wir Sie, was meinen Sie: Ist diese Nachricht eine authentische Nachricht, handelt es sich um eine Satire oder ist die Nachricht noch keine authentische Nachricht?

Headbanging II: Soziologen und Akif Pirincci

Headbanging I: enge Kulturen

Headbanging III: Motörhead und Headbanging

Headbanging II

Die deutsche Gesellschaft für Soziologie unterhält ein eigenes Blog, in dem unterschiedliche Soziologen für einen langen Monat sich Themen aus den Fingern saugen müssen. Derzeit gibt es dort einen Appell von Heinz-Jürgen Voss, einen Appell zur Solidarität, zur Solidarität mit einer von ihm “sehr geschätzte[n] Kolleg_in”, die “Professor_in Tuider”. “Professor_in Elisabeth Tuider forscht für eine zeitgemäße und demokratische soziale Arbeit”, so heißt es in dem Aufruf, und davon abgesehen hat sich Elisabeth Tuider einen Namen damit gemacht, dass sie den Sexualkundunterricht in der Schule in einer Weise revolutionieren will, der die Porno-Filter in Web-Browsern in Zukunft unnötig macht, da die entsprechenden Seiten hinter dem zurückbleiben, was Kindern und Jugendlichen in Schulen gelehrt wird.

HeadbangingNicht nur offenbart Frau Professor_in Tuider in ihren Vorschlägen eine intime Sachkenntnis, die auf rege Frequentierung einschlägiger Angebote schließen lässt, auch ist sie mit ihren “70 praktischen Vorschlägen” auf massiven Widerstand gestoßen, Widerstand in Form von massiven und zum Teil auch sehr deutlichen Protestkommentaren auf den Seiten der Hannoverschen Allgemeinen (die Kommentare wurden zwischenzeitlich entfernt).

Und es geht weiter in den Worten von Heinz-Jürgen Voss:

“Ein Shitstorm, der am 3. Juli 2014 auf Facebook losgetreten wurde und nun bis hin zu Vergewaltigungs- und Mordaufrufen reicht, … geht von Akif Pirinçci aus, dem Autor des Buches „Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“. Pirinçci schreibt in der Art eines Thilo Sarrazin, nur vulgärer.”

Das ist eine strafrechtliche relevante Behauptung, bei der wir hoffen, Herr Voss kann sie auch belegen, sollte es notwendig werden. Der Solidaritätsaufruf geht in der Weise, wie er hier dargestellt ist, weiter und endet mit den folgenden salbungsvollen Worten:

“Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung schätzt ihre Expertise, die für konkrete sozial- und sexualwissenschaftliche Forschungsprojekte eingeholt wird. Professorin Tuider gehört zu den großen Wissenschaftler_innen, die man in einer demokratischen Gesellschaft schätzt. Dass sie damit Hetzern vom rechten Rand ein Dorn im Auge ist, ist klar. Genau deshalb ist Solidarität wichtig, damit rechte, ausgrenzende Positionen nicht die Oberhand gewinnen.”

Wir haben es also mit einem Kampf der Guten gegen die Bösen zu tun und damit in diesem Kampf von weiß und unbefleckt, gegen schwarz und dreckig nicht eine Graustufe eingeführt wird, hat man einen Kommentar, den Akif Pirincci im Soziologenblog veröffentilch hat, zwischenzeitlich gelöscht. Wenn es darum geht, solidarisch zu sein, sich gegen Rechts zu wenden und vor allem, sich seine Vorurteile nicht durch Realität und am Ende noch Wahrnehmung von oder gar Diskussion mit zum Feind erklärten Personen zerstören zu lassen, dann kennen selbst die offensten unter den offenen und progressiven Soziologen nur das Mittel der Zensur: Denn schon seit der Kontakthypothese ist bekannt, dass Vorurteile geringer werden, ja verschwinden, wenn man mit dem Subjekt, gegen das sich die Vorurteile richten, konfrontiert ist, selbst Soldaten im Krieg haben Probleme, Feinde zu erschießen, wenn sie sie kennen. Soweit lassen es Soziologen nicht kommen: Deshalb Zensur.

Aprospos Zensur – Hier der zensierte Kommentar:

Pirincci

Wenn man diese Aufgaben, die Frau Tuider Kindern und Jugendlichen stellen will, durchliest, fragt man sich zum einen was Tuider in ihren Arbeitszeiten macht, zum anderen muss man feststellen, dass die Zensur im Soziologenblog gar nicht Akif Pirincci trifft, sondern Elizabeth Tuider. Da der Kommentar von Pirincci ausschließlich aus Beispielen besteht, die auf Tuider zurückgehen und die abschließende Frage nicht als Beleidigung oder sonstiger Verstoß gegen die Netikette angesehen werden kann, bleibt nur der Schluss, dass der Einbruch der Realität in die heile Welt der soziologischen Solidarität die dortigen Leser schamrot und mit der Gewissheit zurück gelassen hat, dass Tuider im O-Ton den Lesern des Blogs nicht zumutbar sei.

Und als Soziologen sind wir auch dieser Meinung oder im O-Ton: “Wir sind Soziologen, wir sind nicht pervers!”

Noch ein guter Rat zum Schluss: Da das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Expertise von Frau Tuider schätzt, wie Herr Voss weiß, schlagen wir vor, die 70 praktischen Vorschläge an den Bediensteten des BMBF inklusive der Ministerin zu erproben. Wenn die Vorschläge so normal sind, wie Herr Voss glaubt, dann werden die Bediensteten beim Ministerium sicherlich kein Problem damit haben, beim nächsten Gruppentreffen, Analverkehr zu üben.

Headbanging I: Enge Kulturen

Wir üben uns heute in der Kunst des “headbangings”, eine Kunst, die unter Heavy Metall Fans weit verbreitet ist. Auf Betrachter wirkt Headbanging wie der kontinuierliche Versuch, allen Unsinn der Welt aus seinem Gehirn zu schütteln, und in dieser Variante rufen wir heute zum “headbanging” auf.

Headbanging I:

Soo Min Toh und Geoffrey Leonardelli berichten im Blog der Harvard Business Review von ihrer Arbeit.

Ihre Arbeit hat Strategien, um Frauen in Führungspositionen zu befördern, zum Gegenstand. Der Begriff “Strategie” wird neuerdings in der Bedeutung von Manipulation zuweilen auch in der Bedeutung von Zwang benutzt. Beide Bedeutungen finden sich bei Min Toh und Leonardelli.

HeadbangingMin Toh und Leonardelli haben nämlich Kulturen im Hinblick auf ihre kulturelle Enge (Tightness) untersucht, wobei sie mit kultureller Enge den Grad meinen, in dem geltende Normen klar sind und von den Autoritäten durchgesetzt werden. Enge Kulturen finden sich in Pakistan, China und in Deutschland, offene (loose) Kulturen in den USA, Kanada und Neuseeland.

Wenn man nun den Anteil von Frauen in Unternehmensleitungen erhöhen will, weil man beschlossen hat, dass man das will, dann gibt es, wie Min Tog und Leonardelli schreiben, zwei vermeintliche Strategien, die von der Kultur abhängig sind: In offenen Kulturen müsse man irgendwie weibliche Führervorbilder schaffen, um Frauen, die aufgrund ihres evolutionären Erbes nicht glaubten, zum Führer zu taugen, zu zeigen, dass es doch geht – oder so. In engen Kulturen wie Deutschland ist das nicht notwendig: Hier reiche staatlicher Zwang, denn: wenn die Autoritäten einen Frauenzwang in Unternehmensleitungen einführen, beeilen sich alle, dem neuen Zwang auch Rechnung zu tragen.

Nun zum Headbanging:

“Such strong policy is unlikely to be seriously considered or successful in looser societies. Authorities are more likely to put forth quotas with weak or no sanctions, and the citizenry maybe more resistant, preferring to let capable women rise through the ranks organically“.

Zwang ist also das Mittel der Wahl, wenn ohne Rücksicht auf Verluste und vor allem ohne Rücksicht auf die Fähigkeiten von Frauen, Letztere in Führungspositionen gehievt werden sollen. Das Mittel ist für enge Kulturen wie Deutschland geeignet. Dagegen sieht in offenen Kulturen wie den USA die Bevölkerung doch lieber fähige Personen an der Spitze von Unternehmen.

Eine bessere Beschreibung dessen, worum es bei der sogenannten Frauenförderung geht, haben wir bislang nicht gefunden!

 

Headbanging II: Soziologen und Akif Pirincci

Der Maskulismus

Kennen Sie den Maskulismus? Der Maskulismus ist ein neues Gespenst, das in Deutschland umgeht. Der Maskulismus steht im Bündnis mit dem Patriarchat, er ist wahlweise rechtsradikal, rechtsextrem, manchmal kommt er rassistisch oder migrantisch daher, zuweilen sammelt er Frauenhasser auf und in jedem Fall ist der Maskulismus ein einträgliches Zubrot für all diejenigen, die ihn erfinden, um über ihn schreiben zu können, angebliche Expertisen zum Beispiel.

ismUnd hier ist es gut, dass der Maskulismus ein “ismus” ist, wie der Rechtsextremismus, der Sozialismus, der Kommunismus, der Liberalismus, wie alle ismen, die man in der Realität nicht findet. Deshalb muss man über “ismen” schreiben, weil man “ismen” konkret nicht finden kann – oder haben Sie schon einmal einen Rechtsextremismus in Aktion gesehen? Vermutlich werden manche, die ihr Auskommen mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus erzielen, nun einwenden, dass es Fremdenhass gebe, dass Rechtsextreme entsprechende Meinungen in Wort und Schrift verbreiten, Meinungen, die wiederum diejenigen, die den Rechtsextremismus bekämpfen, erst als Rechtsextremismus etikettieren müssen. Das ist das Schöne am Rechtsextremismus, man schafft ihn erst durch Interpretation, um ihn dann bekämpfen zu können.

Ismen kommen nur in der Welt der Worte und Gedanken vor, sie bilden einen ideologischen oder weltanschaulichen Background, vor dem gehandelt wird. Und erst jetzt wird es interessant. Rechtsextremismus ist so harmlos wie Feminismus, so lange nicht auf Grundlage beider Externalitäten für Dritte produziert werden. Was den Rechtsextremismus gefährlich macht, ist – wenn jemand, der sich für rechtsextrem hält, weil er eine ihm vorgegebene Definition übernimmt, einen Menschen anderer Hautfarbe nur deshalb verletzt, weil er anderer Hautfarbe ist. Das ist dann wie im Feminismus, in dem Menschen nur deshalb diskriminiert und in ihren Berufschancen verletzt werden, weil sie das falsche Geschlecht haben, weil sie männlich sind. In ihren menschenverachtenden Auswirkungen geben sich Feminismus und Rechtsextremismus nichts. Wie alle Ideologien sind sie genau dann gefährlich, wenn sie gegen Dritte durchgesetzt werden sollen, die die Ideologie nicht teilen.

Deshalb ist der Liberalismus die einzige humane Ideologie, denn Liberale wollen Dritten nichts aufzwingen, sie achten und bewahren die Räume, in denen freie Entscheidung stattfindet, ganz im Gegensatz zu anderen Ideologien und ganz im Gegensatz zu denen, die sich liberale Paternalisten nennen und doch nur Sozialisten in Maske sind.

Im Grunde gibt es nur Menschen mit Interessen. Der Einfachheit halber kann man – wie wir vorschlagen – sie in offensive und defensive Interessen unterscheiden. Offensive Interessen richten sich auf den eigenen Vorteil, defensive Interessen haben den Versuch zum Gegenstand, Nachteile zu vermeiden. Interessen in institutionalisierter Form werden häufig zu “Ismen”, zu einem ideologischen Dachverband, in dem sich Vertreter bestimmter Interessen treffen. Zumeist handelt es sich dabei um offensive Interessen, deren Durchsetzung man im Verband mit anderen sucht. Der Versuch, seine Interessen durchzusetzen oder an gesellschaftliche Ressourcen zu gelangen, ist um einen ideologischen harten Kern angereichert, einer geteilten Mythe, die instrumentalisiert wird, um Vorteile zu erzielen. Feminismus ist entsprechend der Versuch, sich mit der Behauptung, Frauen seien Opfer oder benachteiligt, Vorteile zu verschaffen. Sozialismus ist der Versuch, mit der Behauptung, man kümmere sich um Arme und Deprivierte, Vorteile zu erlangen. Konservatismus ist um die Bewahrung nicht definierter, aber dennoch als bewahrenswert eingestufter überlieferter Werte angeordnet. Einzig Liberalismus schert wieder aus, denn Liberalismus hat einen formalen Kern. Liberale teilen die Überzeugung, dass es individuelle Freiheit zu verteidigen gilt.

SontheimerDer Streit um gesellschaftiche Ressourcen zwischen denen, die sich “ismen” zuordnen, ist ein Konkurrenzkampf, jedenfalls soll er das in Demokratien sein. Demokratien basieren auf der Idee des gleichen und uneingeschränkten Zugangs zum Wettbewerb um Ressourcen. Das ist die Theorie. Die Praxis sieht jedoch gerade oder ausgerechnet in modernen Demokratien etablierte Ismen versuchen, andere mit niedrigen Mitteln zu bekämpfen und damit den Boden, auf dem Demokratien eigentlich errichtet wurden, zerstören. Als besonders erfolgreich hat sich die Methode moralischer Panik oder kollektiver Hysterie erwiesen, bei der es darum geht, ein Schreckgespenst aufzubauen, nennen wir es Maskulismus, es mit so viel wie nur möglich negativ besetzten Konnotationen zu versehen, z.B:: “ökonomisch Prekarisierte, (Rechts-)Liberale, Vertreter… traditioneller Familienideale, Rechtsextremisten, Migranten … sowie Rassisten …” (Claus, 2014, 79) und auf diese Weise zu versuchen, legitime Interessen, die der eigenen Vorteilsnahme gefährlich werden können, aus dem demokratischen Wettbewerb auszuschließen.

Dass ausgerechent aus Steuermitteln finanzierte eingetragene Vereine, die sich aus Zwecken der Täuschung politische Stiftung nennen und als Anhängsel der Parteien dazu umfunktioniert wurden, nicht nur Steuergelder, die das Bundesverfassungsgericht den Parteien untersagt hat, an sich selbst zu zahlen, neu zu kanalisieren, sondern auch dazu, alte Recken, die sich im ideologischen Kampf bewährt haben, mit Pöstchen zu versorgen und junge Nachwuchs-Ideologen zur Erstellung vermeintlicher Expertisen, die im politischen Kampf um die eigenen Vorteile genutzt werden sollen, zu finanzieren, ist eine der Ironien der Geschichte, eine andere ist die, dass sich die SPD immer noch als Arbeiterpartei bezeichnet.

Und damit sind wir beim neuesten Versuch angelangt, legitime Interessen zu diskreditieren und aus dem politischen Diskurs auszuschließen. Man kann es auch als den neusten Versuch bezeichnen, antidemokratisches Denken in Deutschland noch salonfähiger zu machen, als es sowieso schon ist und die eigene Vorteilsnahme durch pre-emptive strikes, die alle treffen, die man als potentiell gefährlich für die eigene Nutznießung ansieht, auch in Zukunft zu sichern.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung, der Friedrich-Ebert, würde er noch leben, vermutlich den Namen entziehen würde, hat sich dieses Mal damit hervorgetan, einen furchtbaren Ismus zu schaffen, den es zu bekämpfen gilt: Maskulismus, der zwischen Antifeminismus und Frauenhass angesiedelt sein soll, ist der Feind, den die FESler auf Kosten der Steuerzahler erst aufbauen, um ihn dann zu bekämpfen. Handlanger dieses neuesten Anschlags auf die Fundamente einer demokratischen Ordnung ist ein gewisser Robert Claus, von dem man vorher nichts gehört hat und von dem man nach der Expertise mit Sicherheit nichts mehr hören wird. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und vielleicht wird ihm, wie dem letzten Naiven, der die Schmutzarbeit antidemokratischer Agitation übernommen hat, Hinrich Rosenbrock war sein Name, ein Unterschlupf bei Dissens gewährt, vielleicht.

Nebenbei bemerkt, der Titel “Maskulismus, Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass” ist natürlich völliger Unsinn und hat ungefähr die Aussagekraft von: Feminismus: Massenmord zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und offenem Kaffeekränzchen. Vermutlich ist der Sinn des Titels im Rahmen einer Diskursanalyse verloren gegangen.

Claus von Fes105 Seiten mit vielen Füllseiten hat Robert Claus über seinen Maskulismus zusammengetragen. Eine Expertise hat er verfasst, so meint er, wobei es ihm nicht ganz geläufig zu sein scheint, dass Expertise ein entsprechendes Expertentum voraussetzt, inhaltlich und methodisch. Expertisen waren frührer die Domäne alter Professoren (und im nicht-ideologischen Teil der Welt sind sie das bis heute), die einen Überblick über ein Forschungsfeld haben, weil sie sich seit Jahrzehnten damit beschäftigen. Die Schmutzarbeit antidemokratischer Agitation ist jedoch ein Feld, auf das sich ein Professor, der etwas auf sich hält, nicht begibt. Entsprechend finden wir hier genderstudierte europäische Ethnologen, die eines nicht mitbringen: Expertise.

Wir wollen uns gar nicht mit den Inhalten der falschen Expertise beschäftigen. Das wäre ermüdend. Es ist auch gar nicht notwendig, denn der Anspruch an eine Expertise beginnt bei der Methode, beginnt beim wissenschaftlichen Vorgehen. Ist es nicht vorhanden, ist die Exerptise keine Expertise, sondern belangloses Gewäsch. Und im Fall von Robert Claus, der nicht nur den Maskulismus, sondern auch den maskulistischen Diskurs erfunden hat, ist es prätentiöses und leeres Gewäsch, wie man leicht zeigen kann, wenn man das nachgeschobene Kapitel 9.3 das eine “methodische Annäherung” zum Gegenstand hat, betrachtet.

Bereits die Überschrift macht die methodische Kenntnislosigkeit des Herrn Claus deutlich, denn wer wissenschaftliche Methoden beherrscht, der muss sich ihnen nicht annähern. Wer weiss, wie er ein Interview führt, einen Leitfaden entwickelt, einen Fragebogen erstellt, der muss sich den entsprechenden Tätigkeiten nicht annähern, er geht hin, führt ein Interview, entwickelt einen Leitfaden oder erstellt einen Fragebogen. Annähern müssen sich in der Regel die Schwaller, die trunken von der eigenen Wortonanie regelmäßig Gefahr laufen, den Überblick über das eigene Gefasel zu verlieren.

Wortonanie ist die beste Beschreibung dessen, was der “Methodischen Annäherung” folgt, von der man wünschte, es hätte sie nie gegeben, werden doch hierarchische Strukturen im Denken des Herrn Claus deutlich, für die er sich schämen würde, wäre er mit einem Schamgefühl und der Fähigkeit, zu erkennen, was er schreibt, ausgestattet. So gibt es in seinem methodischen Zugang, von dem an keiner Stelle deutlich wird, worin er eigentlich besteht, die Unterscheidung von “diskursiven Eliten” und “nachrangigen Diskursteilnehmern”. Diskursive Eliten sind “Hauptakteure diskursiver Auseinandersetzungen”, was eine Definition hart an der Grenze zur Tautologie ist, “nachrangige Diskursteilnehmer” sind “Teilnehmer, … die über geringes soziales, politisches und kulturelles Kapital” verfügen. In Deutsch: Im Weltbild von Herrn Claus gibt es Führer und Verführte, ein ganz einfaches Weltbild, das man eigentlich mit dem Ende des Großdeutschen Reiches überwunden zu haben glaubte. Nicht so der anti-maskulistische Claus, für den die Welt in Deppen, die geführt werden müssen, und fiese Führer, die die Deppen führen, wohin sie gerade wollen (Missbrauch eingeschlossen), zerfällt. Das ist starker Tobak und ein klares Indiz dafür, dass Herr Claus mit faschistischen Lehren sympathisiert.

Ansonsten enthält die methodische Annäherung nichts, was man als Methode bezeichnet, nichts, was Wissenschaftler unter Methode verstehen, was auch nicht verwunderlich ist, denn bereits auf Seite 102 hat Claus verkündet, dass er nicht nach dem “Wahrheitsstatus eines Wissensbestands” sucht, sondern nach “Effekt und Form von Macht”. Abermals ins Deutsche übersetzt bedeutet dies: Claus versucht erst gar nicht eine Interpretation der Realität zu finden, die gültig ist. Es geht im darum, eine Interpretation der Welt zu finden, mit der er zufrieden ist, die seiner ideologischen Ausrichtung entspricht, und das ist eben keine Wissenschaft und es ist nicht Expertise, es ist ideologische Scharlatanerie.

Ein wissenschaftliches und methodisches Vorgehen erfordert, seine Forschung mit einer Fragestellung zu beginnen. Hat Herr Claus eine Fragestellung? Nein, denn eine Fragestellung ist eine Hypothese über die Wirklichkeit, die an der Wirklichkeit scheitern kann. Die Wirklichkeit wirkt hier als Korrektiv, was das Ende jeder Ideologie und der Grund dafür ist, dass Claus keine Fragestellung hat.

Schnell hill esserDer Fragestellung reiht sich die wissenschaftliche Vorgehensweise an, d.h. die Frage, wie die Hypothese, die man untersuchen will, untersucht werden soll. Das erfolgt in der Regel dadurch, dass man den Forschungsstand aufarbeitet und die eigene Fragestellung einordnet. Arbeitet Claus den Forschungsstand auf? Nein. Er hat ein Kapitel über “Männlichkeiten im Wandel”, von dem niemand weiß, was es an der Stelle, an der es sich findet, soll und in welcher Beziehung es zum Rest der dünnen, falschen Expertise steht.

Der Einordnung der eigenen Forschung in die bereits vorhandene Forschung folgt die Operationalisierung der Forschungsfrage, d.h. die theoretischen Konzepte müssen in messbare Variablen übersetzt werden. Hat Herr Claus eine Operationalisierung. Nein. Er hat keine theoretischen Konzepte und keine Operationalisierung. Forschung findet bei ihm nicht statt.

Die Operationalsierung wird vorgenommen, um empirisch zu messen, ob Behauptungen, die man in Form von Hypothesen aufgestellt hat, zutreffen. Je nach Erkenntnisinteresse wählt man dann die Stichprobe von Befragten oder Dokumenten aus, auf deren Grundlage man die eigene Forschungsfrage beantworten will. Dazu ist es notwendig, die Auswahl von Stichprobe oder Dokumenten zu begründen, schon um Willkür in der Auswahl von Befragten oder Dokumenten auszuschließen und zu vermeiden, dass man etwas misst, was man selbst an seine Forschung herangetragen hat. Herr Claus sammelt einfach in Foren und bei Manndat und Agens Informationen. Welcher Auswahlprozess, Zufall oder gezielte Suche auf Basis einer Forschungsfrage, hinter dem Datensammeln steht, das verrät er nicht. Wieso er ausgerechnet die Daten sammelt, die er sammelt, dürfte er dagegen ganz genau wissen: Um seine Vorurteile zu belegen, die er an seinen Forschungsgegenstand heranträgt, schließlich war dies sein Auftrag

MayringWenn Dozenten an Universitäten Anschauungsmaterial für willkürliche und ideologisch motivierte Legitimations-Pseudoforschung benötigen, Herr Claus sei ihnen wärmstens empfohlen. Man findet in seiner Arbeit nichts, was auch nur annähernd an einen wissenschaftlichen Standard erinnert, was er zusammenfabuliert ist in keiner Weise nachprüfbar, man kann es glauben oder auch nicht, aber das ist ja gerade der Zweck von ideologischen Pamphlete wie dem vorliegenden: Der eigenen Kongregation ein neues Elaborat des eigenen Glaubens zur Verfügung zu stellen, in dem das Feindbild deutlich angegeben ist. Nichts ist so gut, um Gemeinschaft zu stiften, wie die Abgrenzung gegenüber anderen, und zudem eignet sich das gepflegte Feindbild bestens, um Ressourcen zu besetzen, sich selbst ein Auskommen zu verschaffen, dass derart antidemokratische Pamphlete das Nutznießen auf Kosten demokratischer Grundlagen ermöglichen, ist dann wohl ein Kollateralschaden, der selbst dann nicht ins Gewicht fiele, wenn die Verursacher intelligent genug wären, ihn zu erkennen.

Es wäre langsam an der Zeit zu fordern, dass die politischen Vereine der Parteien, die vortäuschen, eine Stiftung zu sein, also die FES, die HBS, die KAS, die RLS und die HSS auf eigenen Beinen stehen und nicht mehr von Steuerzahlern finanziert werden. Es ist die dritte Ironie dieser Geschichte, dass Männer Steuern zahlen, um die FES und ihre bezahlten Vasallen zu finanzieren, damit sie eben diese Männer beschimpfen, diskreditiert und ihre Interessen als illegitim bezeichnet. Und was muss man wohl von einer Stiftung halten, die von denen Geld nimmt, die sie anschließend beschimpfen lässt?

Mit Robert Claus und dem Nachweis seiner nicht vorhandenen Expertise haben sich auch eine Reihe anderer Blogs beschäftigt:

Arne Hoffmann hat sich wie wir doch mit Robert Claus beschäftigt.

Lucas Schoppe schreibt von “Versteinerungen und der Angst, zu tanzen“, was ja nahe liegt.

Martin Domig bring Weinbergschnecken in Misskredit

Offene Flanke präsentiert hoffentlich keine solche.

Mein Senf gibt seinen Senf zum Claus-Werk

Die evolutionäre Perspektive auf stiftungsfinanzierten Unsinn kommt von Christian Schmidt

Elitemedium ist herabgestiegen in die Niederungen der Ideologie um Claussches zu berichten

Nichtfeminist bespricht eine “Hetzschrift” und lässt dem Clausschen Unsinn damit zuviel Ehre zukommen.

Andreas Krauser hat seine Stellungnahme als Vorsitzender von Manndat in das entsprechende Forum gestellt.

Und Hadmut Danisch sieht die SPD auf Männer losgehen.

 

 

 

Die Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien: Niemand will sie lesen

Was sich nicht alles im Spam-Ordner findet! Heute das Angebot, die Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien (fzg) im kostenlosen Abo für zwei Monate zu lesen. “Sehr gerne”, so steht im Anschreiben, “machen wir Sie auf die neue Ausgabe der Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien Bildung – Erziehung – Geschlecht aufmerksam. … Für Interessierte gibt es dieses Mal die Möglichkeit, die fzg im online Abo für zwei Monate kostenlos zu lesen.”

fzgFalls also irgend einer unserer Leser einen masochistischen Zug an sich beobachtet und seinen Intellekt foltern oder dessen Belastbarkeit testen will: Die fzg gibt es für zwei Monate umsonst, vermutlich, weil niemand dafür bezahlen mag, um das zu lesen, was Doppelnamen-Trägerinnen und andere ältliche Damen, die nicht über die schon früh bei Ihnen einsetzende Midlife-Crisis hinausgekommen sind und es Männern immer noch nachtragen, das Männer ihnen nichts nachtragen, von sich geben.

Wir haben alle unsere Resilienz zusammengenommen, alle unsere geistigen Reserven, die zum Abbau von Unsinn vorhanden sind, gebündelt, und für unsere Leser eine Art freiwillige Unsinnskontrolle durchgeführt, wir wollen ja nicht, dass jemand geistigen Schaden nimmt…

Sechs Artikel und ein Interview sind in der fzg, wie die Zeitschrift von ihren Herausgebern liebevoll abgekürzt wird, “versammelt”. Fangen wir mit dem Ende, dem Interview an, das geht am schnellsten: “Christine Riegel und Bianca Baßler im Gespräch mit Carol Hagemann-White: “Meine Forschunug ist durch und durch politisch”. Ja. Das kann man sich komplett sparen, sofern man an Wissenschaft interessiert ist. Wissenschaft ist a-politisch und Forschung, die “durch und durch politisch” ist, kann entsprechend keine Wissenschaft sein, eher, Betroffenheitsforschung oder Ideologie-Bestätigungs-Forschung oder Legitimations-Forschung, was auch immer: alles, nur keine Wissenschaft. Aufgrund vergangener Texte, die Hagemann-White veröffentlicht hat, muss man ein Lamento geschlechter-stereotyper Erziehung erwarten, das anti-liberal und pro-faschistisch daher kommt. Daher unsere Empfehlung: streichen. Lesen lohnt sich nicht.

Das Umsonst-Abo, das es online gibt, gibt es übrigens nur für registrierte Nutzer. Also haben wir ScienceFiles registriert. Allerdings hilft die Registrierung nichts. Das Umsonst-Online-Abo ändert nichts daran, dass man, um den vorhersehbaren Sermon von Hagemann-White zu lesen, noch 3 Euro zahlen soll. Wenn man 30 Euro bekäme, um Hagemann-White im Interview zu lesen, dann vielleicht, aber 3 Euro zahlen – perish the thought.

Weiter im Takt:

Der erste Artikel im Heft stammt von Christine Riegel und Elke Gramespacher, und zwar “Zur Relevanz einer geschlechterbezogenen Betrachtung von Bildung und Erziehung”. Ein solcher Titel würde, wäre man in einem wissenschaftlichen Kontext, erwarten lassen, dass argumentiert wird, warum eine geschlechterbezogene Betrachtung relevant ist, welchen Nutzen sie erbringt, welche Vorteile sich für diejenigen, die ihr unterzogen werden, ergeben. Nicht so im vorliegenden Fall:

“Soziale Geschlechterverhältnisse und Geschlechterkonstruktionen spielen im Kontext von Erziehung und Bildung eine bedeutsame Rolle”

Wir aber sagen Euch, wer Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf soziale Geschlechterverhältnisse und Geschlechterkonstruktionen durchführen will, der wird in der Hölle schmoren und dem wird der Platz an der Seite des Gendergottes verwehrt bleiben. Amen. Die apodiktische Formulierung des zitierten Satzes, lässt keinen anderen Schluss zu, als das hier Hohepriester einer Sekte zur Kongregation sprechen. Der zitierte Satz ist übrigens das komplette Abstract. Mehr gibt es offensichtlich nicht zusammenzufassen. Lesen muss man daher nicht mehr, die Heilsbotschaft ist klar.

Rosemarie Godel-Gaßner schreibt über die badische Mädchenschulpolitik im Kontext der ersten Koedukationsdebatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist dies ein “Beitrag zur Geschichte der Koedukation”. Wir sind Pfälzer. Entsprechend hätten wir gerne etwas über die rheinland-pfälzische Mädchenpolitik im Kontext der ersten Koedukationsdebatte erfahren. Der Text ist von wenig Interesse für uns.

midlife-crisisHannelore Faulstich-Wieland, die selbst Emeritierung und fortgeschrittenes Alter nicht daran hindern, für die Beseitigung der Nachteile von Mädchen zu kämpfen (Die Kenntnisse der Empirie frieren bei manchen zu einem bestimmten Zeitpunkt ein. Bei Faulstich-Wieland muss die Wahrnehmung der Empirie in den 50er Jahren eingefroren sein, denn dass Mädchen in der Schule seit spätestens den 1980er Jahren keine Nachteile mehr haben, sondern im Gegenteil Vorteile ist bei ihr nicht angekommen), berichtet den Stand der Forschung zum Thema “Schulische Berufsorientierung und Geschlecht”. Darin geht es um ein “geschlechterstereotyp eingeschränktes Berufswahlspektrum”, was übersetzt werden kann als Ärger darüber, dass Mädchen auch nach mehr als 30 Jahren Berieselung mit feministischen Lehren der richtigen Emanzipation seltener als Jungen gewillt sind, einen Beruf zu ergreifen, der Fähigkeiten und Kenntnisse in Mathematik oder Naturwissenschaft erfordert. Entsprechend schlägt Faulstich-Wieland vor, die Indoktrination in der Schule gezielter “insbesondere unter Berücksichtigung der Genderdimension” zu betreiben, denn Gender ist Heil für alle Übel dieser Welt.

Lena Eckert sorgt sich ebenfalls um die Wirkung der Indoktrination mit Gender, vor allem, so weiß sie, sei die Integration von Gender als “Struktur- und Analysekategorie” selbst für “interessierte Lehrende” ein Problem. Deshalb hat sie “diversity und gendersensible Lehreinheiten entworfen”, die in Geistes- und Sozialwissenschaften und Informatik eingesetzt werden sollen. Wie gut, dass die Zeiten von Pascal weitgehend vorbei sind, sonst müsste die Programmsprache nunmehr eingegenderte werden, z.B. in Hildegard oder Annalena.

Wolfram Schneider, der auch bei kontinuierlicher Geschlechtsbetrachtung wohl als männlich gelten muss und Susanne Ihsen berichten von einem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das die Vielfalt der Studierenden in der ingenieurwissenschaftlichen Lehre berücksichtigen will. Projekte des Ministeriums zur Beseitigung von Bildung und Verhinderung von Forschung machen uns immer neugierig, also haben wir uns angesehen, worum es in “LeWI – Lehre, Wirksamkeit und Intervention” geht:

“Im Projektverbund “LeWI” wird in zwei Phasen untersucht, welche Einstellungen Lehrende zur Lehre haben und wie diese Einstellung von persönlichen und strukturellen Rahmenbedingungen, von der Studienstrukturreform sowie von Gender- und Diversity-Aspekten beeinflusst wird. Ziel ist es, wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Tiefenstrukturen des universitären Lehralltags und ihre Einflussfaktoren zu ermitteln. In der ersten Untersuchungsphase werden Instrumente für die empirischen Erhebungen zur Erforschung der Lehrhaltungen entwickelt und eingesetzt, hierzu gehören eine bundesweite Online-Befragung von Lehrenden, leitfadengestützte Interviews mit Lehrenden und Dokumentenanalysen. Auf der Basis dieser Befunde sollen u.a. hochschuldidaktische Weiterbildungen für Lehrende konzipiert werden.

In kurz: Zuerst wird untersucht, ob Lehrende der Ingenieurswissenschaften das offenbaren, was unter Genderisten als traditionelle Rollenvorstellung bezeichnet wird, dann wird versucht, eine “hochschuldidaktische Weiterbildung” zu konzipieren, die dazu dienen soll, Lehrenden der Ingenieurswissenschaften ihre traditionellen Rollenvorstellungen auszutreiben und sie offen zu machen, für inter-, trans-, quer-, zwischen- und intra-Sexualität, damit man sie als Multiplikatoren der Gender-Ideologie missbrauchen kann. Es wäre auch wirklich verwunderlich gewesen, wenn das BMBF etwas finanziert hätte, was nicht dazu genutzt werden soll, die eigene Bevölkerung zu indoktrinieren und umzuerziehen.

Hildegard Macha und Hildrun Brendler sind im “quartären Sektor” unterwegs und wollen zum Abbau “hierarchischer Geschlechterverhältnisse in Wirtschaftsorganisationen beitragen”, und zwar auf “theoretischer Grundlage der Intersektionalitätsforschung” und der “pädagogischen Organisationsforschung”. Dazu haben sie ein “Interventions- und Evaluationsdesign” umgesetzt und “forschungsmethodisch” begleitet. Und so weiter. Der Unsinn ist spätestens ab hier nicht mehr zu ertragen. Die großspurig als Theorie bezeichnete Intersektionalität bezieht sich auf die Banalität, dass Menschen nicht nur ein, sondern viele Merkmale besitzen. Diese Banalität feiern Genderisten als besondere Erkenntnis, die es ihnen ermöglich, neben dem Geschlechtsteil (Gender) auch noch die Hautfarbe oder Nasenkrümmung (Migrant) wahrzunehmen. An Sozialtechnologen, die intervenieren wollen, weil ihnen ideologisch nicht passt, was sie vorfinden, hat man sich fast schon gewöhnt, das ändert aber nichts daran, dass “forschungsmethodisch” eine nette Aneinanderreihung von Adjektiven darstellt, aber dennoch Unsinn im Quadrat ist. Forschung ist entweder methodisch oder sie ist keine Forschung. Wer denkt, er müsse zwischen methodischer und nicht-methodischer Forschung unterscheiden, der zeigt damit, dass er von Forschung soviel Ahnung hat, wie von Tuten und Blasen.

PhysikerSave the best for last: Den Abschluss bildet Johanna Schmitz. “Feministische Mädchen_arbeit – Ein Raum für Trans*-Jugendliche?” In diesem für den Erkenntnisgewinn unverzichtbaren Beitrag geht es um ganz erhebliche Probleme, erhebliche und gigantomanische Probleme, die sich im Mädchen*treff der Alten Feuerwache in Köln eingestellt haben. Sie kennen die Alte Feuerwache in Köln und den dortigen Mädchentreff? Dort, im Kölner Feuerwachen Mädchentreff gibt es etwas, was bemerkenswert ist: eine Auseinandersetzung. Keine körperliche, nein, natürlich nicht, eine, …, nun, eine Auseinandersetung halt, deren Anlass darin besteht, dass zwei langjährige “Besucher_innen” sich selbst “neu definiert” haben, als Trans nämlich. Ja, derart weltbewegend sind die Probleme, die sich im Mädchentreff der Alten Feuerwache in Köln eingestellt haben. Zwei Mädchen spielen wohl Junge, spielen ist hier wörtlich zu nehmen, dann wäre ihnen irgendetwas über die Problematik von Transsexualität bekannt, sie würden sicher nicht damit spielen. Aber in jedem Fall empfehlen sich “queerfeministische Praktiken wie die Lady_feste”, als “Möglichkeit, diesen Grenzen und Ambivalenzen zu begegnen”. Die Zeiten, in denen Sprache einen Sinn transportiert hat, sind seit der queeren Dämmerung offensichtlich vorbei.

Dabei wollen wir es belassen. Unser Resilienz-Potential gegen Unsinn ist weitgehend aufgebraucht. Bleibt nur noch festzustellen, dass man langsam aber sicher an die Dürrenmattsche Lösung denken soll: Wenn die Irren frei herumlaufen, ist es das Beste, sich in den Schutz von Irrenhäusern zu begeben.

Die Sozialstruktur steht in Teilen auf dem Kopf

Nicht erst seit die OECD ihren Feldzug zur Erhöhung des Anteils von Hochschulabsolventen begonnen hat, gilt das Credo, dass ein höherer Bildungsabschluss mit einem höheren Status, einer höheren Bezahlung und vor allem einem höheren Platz in der Sozialstruktur einer Gesellschaft einhergeht. Unausgesprochen ist dabei die Prämisse, dass mit einem höheren Bildungsabschluss ein höheres Humankapital verbunden ist, das seinen Inhaber dazu in die Lage versetzt, höhere Produktivität zu entwickeln und somit einen höheren Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, als dies einem Inhaber eines geringeren Bildungsabschlusses, sagen wir, dem Inhaber eines Hauptschulabschlusses, der den Beruf des Klempners erlernt hat, möglich ist.

HUman CapitalDie Idee, Humankapital an Bildung zu koppeln, stammt nicht zuletzt vom kürzlich verstorbenen Gary S. Becker, wobei seine Idee eine distinktive qualitative Note beinhalten: Nicht der Bildungsabschluss als solcher ist für Becker das Relevante. Der Bildungsabschluss ist vielmehr die Operationalisierung, die er benutzt, um die höhere Produktivität, die mit mehr Humankapital einhergeht, zu messen.

Die Inflationierung höherer Bildung und die Zulassung immer neuer Studienfächer, deren Verbindung zu einem produktiven Beitrag für die Gesellschaft eher, sagen wir, nicht offensichtlich ist, führt dazu, dass die Annahmen, auf die Becker seine Humankapitaltheorie basiert hat, nur noch in eingeschränktem Maße zutreffen.

Wir behaupten, dass die Inflationierung höherer Bildungsabschlüsse, die Quantifizierung von Bildung anstelle der Qualifizierung über Bildung, wie sie vor allem durch die Überflutung der Universitäten mit weitgehend nutzlosen Studienfächern, die keinen erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen, erfolgt ist, dazu geführt hat, dass die Verbindung zwischen höherem Bildungsabschluss und höherer Produktivität im Aggregat geschwächt wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass es Bildungstitelinhaber gibt, die einen höheren Status, einen höheren Platz in der Sozialstruktur beanspruchen, der ihnen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen, den sie bereitstellen, nicht zukommt. Es führt häufig dazu, dass sie Gehälter in einer Höhe beziehen, die im gesamtgesellschatflichen Vergleich unangemessen und unfair sind.

Wir wollen unsere Hypothese zunächst dadurch prüfen, dass wir die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Absolvent eines Gender Studiums hat, mit den Fähigkeiten vergleichen, die ein Klempner-Geselle am Ende seiner Lehrzeit in einer Prüfung unter Beweis stellen muss.

Das Studium der Gender Studies als Zweitfach an der Humbold Universität Berlin umfasst 6 Module, also z.B. die im folgenden genannten Themen, die das derzeitige Angebot der Gender Studies der HU-Berlin bereithält. Das Wissen, das in Gender Studies vermittelt wird, entstammt damit ausschließlich den sechs der im folgenden genannten und von Studenten gewählten Gebieten. Die Ausbildung zum Klempner ist in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Klempner geregelt. Die im folgenden genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind der Mindesbestand an Kenntnissen, den ein Klempner-Geselle nach Abschluss seiner Ausbildung haben muss.
Hanna Arendt in feministischer Diskussion Manuelles und maschinelles Bearbeiten (u.a.: Werkstoffe und Halbzeuge nach Verwendungszweck unterscheiden und manuell wie maschinell bearbeiten können)
Vom Homo Oeconomicus zur Femina Oeconomica – Die Wirtschaftswissenschaften aus Gender-Perspektive Fügen von Werstücken und Bauteilen (u.a.: Fügwerkzeuge und -verfahren festlegen, Bauteile durch Kaltnieten fügen, Bleche durch Falzen manuell und maschinell fügen
Behinderung ist sexy. Gender und Dis_Ability im Film Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten und Maschinen (u.a.: Bauteile und Baugruppen mit und ohne Hilfsmittel ein- und ausbauen, Sicherheitsmaßnahmen für elektrische Maschinen und Geräte ergreifen.
Die Werke Martha Nussbaums Einbauen von elektrischen Komponenten (u.a.: elektrische Anschlüsse mittels Steckverbindung herstellen, Mängel feststellen, Maßnahmen zur Behebung der Mängel veranlassen
Wissensordnung in Missionszeitschriften: Religion, Natur, Kultur und Geschlechter (18. Jhdt) Entwerfen und Fertigen von Schablonen und Zuschnitten (u.a.: Schablonen aus metallischen und nicht-metallischen Werkstoffen herstellen)
Ambivalenz der Sichtbarkeit: repräsentationskritische Perspektiven Prüfen, Behandeln und Schützen von Oberflächen (u.a. Werkstücke und Halbzeuge auf Materialfehler, Oberflächenschutz und Oberflächengüte prüfen)
Befestigen von Bauteilen und Baugruppen in Mauerwerk, Beton und Holz (u.a. Wandschlitze, Decken- und Wanddurchbrüche herstellen)
Decken und Instandhalten von Dach- und Wandflächen am Bauwerk (u.a.: Verlegetechniken für Schichtenaufbauten bei Dachbegrünung unterscheiden und anwenden)
Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser (u.a.: Formteile für Dachrinnen, insbesondere Dehnungsausgleicher, Rinnenkästen und Rinnenwinkel anfertigen
Anfertigen und Montieren von lufttechnischen Anlagen (u.a.: Formstücke, insbesondere Bögen und Verzweigungen anfertigen und montieren
Transportieren von Bauteilen und Baugruppen (u.a.: Hebezeuge, insbesondere Seilzüge und Winden handhaben
Herstellen von Fugenabschlüssen sowie Durchführung von Wärmedämm- und Dichtungsmaßnahmen (u.a.: Maßnahmen zur Schalldämmung an Rohr- und Aggregatbefestigungen durchführen)
Einbauen von Energiesammlern, Energieumsetzern und nachhaltigen Energienutzungssystemen (u.a.: Energiesammler und Energieumsetzer, insbesondere Sonnenkollektoren und photovoltaische Elemente in Dach- und Wandflächen einbauen
Anbringen von Fangeinrichtungen und von Ableitungen für den äußeren Blitzschutz
Berufausbildung, Arbeits- und Tarifrecht, berufsspezifische Randbedingungen (u.a.: Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung)
Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs (u.a.: Beziehungen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung)
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (u.a.: berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwenden)
Umweltschutz (u.a.: für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes)
Betriebliche und technische Kommunikation (u.a.: technische Unterlagen, insbesondere Skizzen und Zeichnungen lesen, erstellen und anwenden, Aufmaße anfertigen)
Kundenorientierte Kommunikation (Kundenwünsche ermitteln, auf Umsetzbarkeit prüfen mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen, Kosten abschätzen
Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (u.a.: Zeitaufwand und personelle Unterstützung zur Durchführung von Arbeitsaufträgen abschätzen)
Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (u.a.: Normen und Richtlinien zur Sicherung der Qualität, Bauteile auf Maßhaltigkeit, Dichtigkeit und sichere Verbindung prüfen)

 

Es mag der eine oder andere einwenden wollen, dass die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Geselle am Ende seiner Klempnerlehre erworben haben muss, in der Ausbildungsverordnung und der Tabelle umfassender dargestellt sind als dies für die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Rahmen eines Gender Studiums erworben werden, der Fall ist. Darauf gibt es die folgenden Antwort:

“Das Zweitfach Geschlechterstudien/Gender Studies zielt auf die Vermittlung konkreter Kenntnisse, Methoden und Arbeitstechniken im Zusammenhang mit der Analyse der Kategorie Geschlecht… Konkretes Ziel ist, Fähigkeiten zur Analyse von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen sozialen, politischen, historischen und kulturellen Kontexten auszubilden…”

KlempnerSo wird die Zielsetzung im Studienfach Geschlechterstudien von der HU-Berlin selbst beschrieben. Das Studium der Geschlechterstudien hat Geschlechterstudien zum Gegenstand, die mit Methoden und Arbeitstechniken in einem Zusammenhang stehen und deren konkretes Ziel die Fähigkeit zur Analyse von Geschlechterverhältnissen ist. Trotz aller Betonung von Methoden und Arbeitstechniken ist es uns nicht gelungen, einen Einführungskurs in Statistik, Methoden der empirischen Sozialforschung, Logik oder auch nur die Kunst, richtig zu zitieren, zu finden. Kurz: Gegenstand, Nutzen und Ziel von Geschlechterstudien sind unbekannt. Was man mit einem studierten Geschlechterstudienbetreiber soll, ist ebenso unklar. Vermutlich müssen deshalb Ministerien wie das Ministerium für FSFJ ständig geschlechtsbezogene Programme auflegen, um den Absolventen ein Auskommen zu verschaffen, und zwar auf Kosten von Steuerzahlern, woraus der Schluss folgt: Geschlechterstudierte schaden dem Bruttoinlandsprodukt, sie verbrauchen Steuermittel und schaffen keinen erkennbaren Mehrwert.

Dagegen hat man keinerlei Probleme den Mehrwert zu benennen, den ein Klempner erwirtschaftet, ebenso wenig wie man Probleme hat, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu benennen, die ein Klempner nach Abschluss seiner Lehre hat.

Wie kommt es vor diesem Hintergrund, dass Genderstudierte, die doch in der Regel linkem Gedankengut anhängen, für sich in Anspruch nehmen, eine höhere soziale Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, als der Arbeiter Edwin aus der Siedlung? Man kann diese seltsame Erscheinug moderner Gesellschaften, in denen eine Klasse von Studierten, deren einziger Beitrag darin besteht, eine Perspektive auf etwas zu haben, deren Nutzen nicht erkennbar ist, eine höhere Bezahlung, einen höheren Platz in der Sozialstruktur reklamieren kann als ein Klempner, der jeden Arbeitstag aufs Neue die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller befördert, nur als eine Erscheinung gesellschaftlicher Degeneration ansehen und sich wundern, dass all die Bekenntnis-Linken damit so gar keine Probleme haben.

 

©ScienceFiles, 2014

Versteckte Prämissen oder wenn Frauenpower in die Hose geht

Es scheint, als gäbe es grundsätzliche Probleme mit Prämissen, vor allem mit versteckten Prämissen oder unausgesprochenen Prämissen. Unausgesprochene Prämissen durchziehen die öffentliche Diskussion, sie sind ein elementarer Bestandteil von Kommunikation und Manipulation.

Logik fuer DummiesIn der Kommunikation finden sie z.B. ihren Niederschlag in der fatischen Kommunikation, jenem Austausch von Floskeln, der erheblich gestört werden kann, wenn man sie ernst nimmt, wie Harold Garfinkel gezeigt hat, denn: Niemand erwartet auf die Frage, “Wie geht es Dir?”, einen 30minütigen Vortrag über den letzten Arztbesuch und die Ratschläge und Medikamente, die das Gegenüber mitgebracht hat.

Derart harmlosen, versteckten Prämissen wie denen, die fatischer Kommunikation zu Grunde liegen, stehen weniger harmlose versteckte Prämissen gegenüber, die weggelassen werden, um das Gegenüber zu täuschen.

Wer eine ungleiche Verteilung in Spitzenpositionen zwischen Männern und Frauen anprangert, tut dies auf der versteckten Prämisse, dass die ungleiche Verteilung durch Diskriminierung oder sonstige unfaire Mittel zu Stande gekommen ist. Nur so, macht seine Problematisierung einer ungleichen Verteilung Sinn.

Wer das Vorhandensein einer Homo-Heiler Szene anprangert, also des Angebots an Homosexuelle, eine Therapie zu besuchen, um dort vielleicht heterosexuell zu werden, tut dies auf Basis der versteckten Prämissen, dass es unter Homosexuellen niemanden gibt, der ein solches Angebot ernsthaft erwägen würde, dass Homosexualität eine biologische Disposition ist, die man nicht ändern kann und dass jeder, der sich für homosexuell hält, glücklich damit ist und nichts daran ändern will und nicht zu vergessen: das Homosexuelle dumm genug sind, auf derartige Angebote hereinzufallen. Nur auf Grundlage dieser Prämissen macht es Sinn, das Vorhandensein so genannter Homo-Heiler anzuprangern.

Wer nach versteckten Prämissen Ausschau hält, rekonstruiert damit unvollständige Argumente, Argumente, die unvollständig geblieben sind, weil sich jemand einen Vorteil damit verschaffen will, dass er seine Prämissen maskiert. Das Auslassen von Prämissen dient häufig der Manipulation, oder es dient der Täuschung, Zuhörer oder Leser sollen darüber getäuscht werden, dass die Behauptungen, die aufgestellt werden, wie z.B. bei der Diskriminierung von Frauen, die so gerne Vorstand bei Krauss Maffei Wegmann werden wollen, ohne empirischen Beleg ist. Wer gerne behauptet, aber keine Belege vorzuweisen hat, bei dem findet man entsprechend und in schöner Regelmäßigkeit versteckte oder ausgelassene Prämissen.

Folglich ist die Suche nach versteckten Prämissen etwas, was regelmäßig dazu führt, dass man sich diejenigen, die nichts auf der Hand haben, aber dennoch versuchen, andere über den Tisch zu ziehen, zum Feind macht, der zum Beispiel dadurch bekämpft werden soll, dass er in die rechte Ecke gestellt oder zum Homo-Hasser gestempelt wird.

Logik SalmonDie Suche nach versteckten Prämissen hat noch andere Vorteile und Effekte: Sie hilft dabei, Scheinheiligkeit und Heuchelei aufzudecken, z.B. dann, wenn Politiker und Gewerkschaftler sagen, was “Wir” brauchen. Die Prämisse dahinter ist eindeutig: Wenn Politiker und Gewerkschaftler UNS sagen, was WIR brauchen, dann sind wir offensichtlich nicht in der Lage zu erkennen oder zu wissen, was wir brauchen, benötigen daher Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre, die intelligenter sind als wir, so sehr, dass sie wissen, was wir nicht wissen, nämlich was gut für uns ist. Entsprechend entmündigen sie uns Dumme, um ihr überlegenes Wissen loszuwerden.

Wenn man nun die durchschnittliche Kontaminierung von Gewerkschaftlern und Politikern mit IQ in Rechnung stellt, dann wird vielleicht dem einen oder anderen deutlich, warum wir von ScienceFiles es überhaupt nicht tolerieren, wenn Gewerkschaftler, Politiker oder sonstige Funktionäre uns sagen wollen, was “wir brauchen”.

Aber, versteckte Prämissen und die Suche nach Ihnen haben auch etwas Amüsantes, dann nämlich, wenn der ideologische Dunst, der sich über manche herabgesenkt hat, dazu führt, dass sie nicht mehr wissen, was sie sagen oder schreiben – so geschehen in der Pressemeldung zum “Campus-Symposium”, die mit “Frauen-Power beim Campus Symposium” überschrieben ist. Drei Powerfrauen sollen die versammelte Weiblichkeit beim Symposium wohl durch ihre Power beeindrucken und vielleicht auch mit ein paar Leistungen erfreuen. “Starke Pionierinnen” verspricht die Pressemeldung, die bei der Suche nach den “Ursachen für psychische Erkrankungen” mithelfen sollen, die “künftig viel stärker die gesellschaftlichen Randbedingungen” in den Blick nehmen soll.

Wem diese Verbindung zwischen Powerfrauen und psychischen Erkrankungen etwas seltsam vorkommt, der wird seinen Spaß haben, wenn wir die versteckten Prämissen enthüllen, auf denen alles basiert. Dazu ist es nur notwendig, den ersten Satz dieser ungewollt lustigen Pressemeldung zu zitieren, wobei der erste Satz bereits ein Zitat ist, ein Zitat vn Käte Ahlmann, die wohl eine Heldin der Szene ist, und die gesagt haben soll:

“Ob mir ein Mann in der Straßenbahn seinen Platz anbietet, ist mir egal, er soll mir einen Sitz in seinem Aufsichtsrat anbieten.”

SquibDas ganze Elend der Frauenpower in einem Satz, ein wahrer Rohrkrepierer. Frauenpower besteht also darin, angeboten zu bekommen, was man gerne möchte, nicht darin, aus eigener Kraft etwas zu erreichen. Frauenpower ist nichts, was auf eigener Leistung basiert, sondern etwas, was von netten Männern gewährt oder angeboten wird. Frauenpower ist das Ergebnis von Paternalismus, der Zuweisung von Wohltaten durch Männer früher und den Staat heute. Entsprechend kann von Frauenpower keine Rede seien, denn die entsprechenden Powerfrauen sehen sich ganz offenkundig nicht dazu in der Lage, aus eigener Kraft etwas zu erreichen. Man sieht sich als Opfer der Randbedingungen und als Spielball in den Händen das Patriarchats.

Kein Wunder, dass die Emanzipation, die der Feminismus einst wollte, zwischenzeitlich zur freudigen Vorteilsnahme dessen geworden ist, was der nette Staat zum Beispiel im Rahmen des Professorinnenprogramms gerade anbietet. Feminismus im Allgemeinen und Powerfrauen im Besonderen sind ihren eigenen Prämissen zufolge, nichts anderes als hilflos im Fluss der Zeit schwimmende, von den Randbedingungen getriebene und gelenkte Objekte einer externen Einflussnahme. External Locus of Control hat das Julian Rotter genannt und damit letztlich den fehlgeschlagenen Versuch, eine Persönlichkeit auszubilden, beschrieben.

Wissenschafts-Prostitution lohnt sich nicht

- das weiß nun auch die Hochschulrektorenkonferenz

HRKNRW

sollte besser heißen: Die Stummen der Hochschulen

Wir könnten jetzt schreiben (und tatsächlich schreiben wir das auch): wir haben es Euch gesagt – oder: Was habt Ihr denn gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich und seine Wissenschaft an die Politik verkauft, sich prostituiert?

Wir haben in einer Vielzahl von Beiträgen darauf hingewiesen, dass eine Entprofessionalisierung und Infantilisierung von Wissenschaft in vollem Gange ist, dass Hochschulen von Ideologen unterwandert und zu Gender-Kaderschmieden umfunktioniert werden, dass Hochschulen für politische Zwecke instrumentalisiert werden und zu Legitimationsanstalten der Staats-Ideologie, des Staatsfeminismus degradiert werden sollen und vieles mehr.

Es kann demnach niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, was passiert, wenn man sich an Ideologen verkauft. Es kann niemand behaupten, er hätte nicht den perfiden Geist hinter einer Mittelkürzung für Universitäten auf der einen Seite und dem Lockstoff “Professorinnenprogramm“, das Hochschulen mit finanziellen Mittel dazu bringen will, ihre Integrität zu verkaufen, gesehen. Und es kann niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, dass vermeintliche Auszeichnungen wie die “familienfreundliche Hochschule“, die eine aberwitzige Verbindung zwischen Fortpflanzung, Familienstand und Wissenschaft herstellen, die analog zu der Verbindung zwischen Binge-Trinken, Depression und Parteizugehörigkeit ist, nur dazu da sind, Hochschulen auf Linie zu bringen, sie gleichzuschalten und für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Aber die Hochschulrektorenkonferenz tut es dennoch.

Honest politicianDie Hochschulrektorenkonferenz, jenes bundesländerübergreifende Kaffeekränzchen aus Wissenschaftler-Rektoren, das bislang immer brav den ideologischen Vorgaben des jeweiligen Kultusherren gefolgt ist und brav und artig, sowohl die Entprofessionalisierung von Hochschulen und deren Umwidmung in Kinderbetreuungsanstalten als auch aktive Eingriffe in die vermeintliche Freiheit von Lehre und Forschung, die Etablierung von weiblichen Kadern als von außen der Wissenschaft aufoktroyierte Gleichstellungstante und den Ausverkauf des Prinzips der Meritokratie, wie er mit dem Professorinnenprogramm betrieben wird, abgenickt hat – vermutlich mit Begeisterung, sofern Gemütsregungen zum Repertoire der Positionsinhaber gehören.

Die Hochschulrektorenkoferenz tut es dennoch.

Ausgerechnet die Hochschulrektorenkonferenz regt sich darüber auf, dass man von Politikern getäuscht worden sei.

Hochschulen quer durch Deutschland leiden unter Mittelknappheit, müssen Fachrichtungen und Institute schließen oder zusammenlegen, weil sie sich die entsprechenden Ausgaben nicht mehr leisten können. Die deutsche Hochschullandschaft ist eine reine Mangelverwaltung. Die ganze Hochschullandschaft? Nein. Der Bereich der Frauenförderung floriert ungeachtet der Mittelknappheit. Es werden vorhandene Professuren durch aus dem Professorinnenprogramm finanzierte Professuren gedoppelt und Professuren für “Gender” verbreiten sich wie Wasserpest. Ob jemand dahinter einen perfiden Plan erkennt: Nützliche Wissenschaft streichen und entsprechende Lehrstühle schließen, dafür Genderlehrstühle, von deren Inhaberinnen bis heute noch kein nützlicher, das gesellschaftliche Wohlergehen befördernder Beitrag gekommen ist, an ihre Stelle setzen, auf dass von Hochschulen und auf absehbare Zeit keine abweichende oder gar innovative Idee mehr komme?

Und das alles hat man bei der Hochschulrektorenkonferenz nicht gesehen? Die Damen und Herren, die sich dort zum Kaffeeklatsch treffen, scheien nicht zu sehen, was an ihren eigenen Hochschulen vorgeht, oder sie sehen  es sehr wohl, was bedeuten würde, ihre Aufregung ist blanke Heuchelei, ein bloßes Entsetzen über entgangene Finanzmittel, die man vermutlich für universitäte Mentorenprogramme zur Vorbereitung weiblicher Absolventen auf die Dissertation verbraten hätte.

Gegenstand der hochschul-rektoralen Aufregung ist eine politische Lüge, eine Täuschung wie sie Politiker ständig vornehmen, so dass jeder, der sich mit Politikern einlässt, eigentlich wissen muss, woran er ist. Nicht so die Hochschulrektoren. Sie haben in treuem Glauben die Übernahme der Finanzierung des Bafoeg durch den Bund begrüsst und den damit verbundenen Ankündigungen, die Bundesländer würden die freiwerdenden Mittel in voller Höhe den Hochschulen und der dortigen Lehre zufließen lassen, geglaubt. In ihrer ganzen Naivität haben sie tatsächlich gedacht, der politische Feind der wissenschaftlichen Erkenntnis, der seine Truppen u.a. in Kultusministerien der Länder versammelt hat, würde die gekürzten Mittel für Forschung und Lehre nun, da die Bafög-Verpflichtungen entfallen sind, den Hochschulen übergeben.

Besondere Verdienste im Kampf gegen Erkenntnis und im Versuch, Wissenschaft durch Ideologie zu ersetzen, haben sich SPD und Grüne erworben. Beide regieren in Hannover. Die Übernahme der Bafög-Finanzierung durch den Bund hat ihnen unverhofft rund 110 Millionen Euro in die Kasse gespült, 110 Millionen Euro, die die Hochschulrektoren in Niedersachsen schon auf ihren Konten verbucht haben.

NS_WissKultAber daraus wird nichts: Die Landesregierung will lieber Kita-Personal anstelle von Wissenschaftlern finanzieren. Kinder statt Wissenschaftler, so lautet das Motto in Niedersachsen. Man fühlt sich unwillkürlich an den Slogan “Kinder statt Inder” erinnert, mit dem Jürgen Rütgers im Jahre 2000 die Charts der Geschmacklosigkeit angeführt hat. Rot-grüne und christdemokratische Politiker scheinen eine Geringschätzung für die Wissenschaft zu teilen, vermutlich, weil sie nie einen Fuss in dieselbe bekommen haben – sofern sie überhaupt studiert haben. Wie dem auch sei: Die niedersächsische Landesregierung will also Kindertagesstätten finanzieren und Ringelreihen tanzen, während die landeseigenen Hochschulen finanziell aus dem letzten Loch pfeifen – Politiker haben eben ihre Prioritäten.

Offensichtlich ist man bei der Landesregierung der Ansicht, Erzieher in Kindertagesstätten seien produktiver und würden mehr zum Bruttoinlandsprodukt beitragen als Wissenschaftler. Seit Universitäten von Feministen und Sozialisten infiltriert werden, ist man fast gewillt, ihnen zuzustimmen, wenngleich es eine offene Frage ist, wer mehr Schaden an der Gesellschaft anrichtet, Erzieher in Kindertagesstätten, die von kleinauf indoktrinieren oder Feministen und Sozialisten an Universitäten, die sozusagen den Feinschliff im fortgeschrittenen Alter übernehmen und dafür sorgen, dass Wissenschaft und vor allem: Sozialwissenschaften in Deutschland zur Staatslegitimation dient.

Entsprechend kann man nur den Kopf schüttelnd zur Kenntnis nehmen, worüber sich Prof. Dr. Jürgen Hesselbach, Vorsitzender der Niedersächsischen Hochschulrektorenkonferenz, beklagt:

„Eine der wichtigsten Ankündigungen vor der Landtagswahl 2013 war die Abschaffung der Studienbeiträge und deren vollständige Kompensation. Den Studierenden und uns wurde damals versprochen, die Hochschulen nicht im Gegenzug an anderer Stelle zu belasten. Wir sehen jetzt, was von den Wahlkampfparolen übrig bleibt: Die für die Kompensation erforderlichen Mittel in Höhe von 130 Millionen Euro holt sich das Land nun de facto fast vollständig von den Hochschulen zurück.“

Herr Hesselbach: Was haben Sie gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich mit Ideologen einlässt, Prinzipien der Wissenschaft verrät und ansonsten zusieht, wie die eigene Hochschule zur Kaderschmiede und zur Abraumhalde für Akademiker-Ausschuss umfunktioniert wird?

Um diesen Post mit dem zu beenden, was Hans Albert nicht müde werdend als Forderung nach dem konstruktiven Teil, gerne auch als Frage: “Und wo ist der konstruktive Teil?” verpackt hat, schlagen wir den Hochschulrektoren vor, ScienceFiles zu abonnieren (rechts oben im Widget-Bereich): Damit sie in Zukunft informiert sind, was an ihren Hochschulen vorgeht und welcher politische Anschlag auf die Integrität von Hochschulen gerade en vogue oder in Vorbereitung ist.