Hochglanz-Unsinn: Credit Suisse versucht sich in Research

Ein Leser aus Basel, bei dem wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken, hat uns auf einen Bericht in der Schweizer Tageswoche aufmerksam gemacht, der wiederum eine Studie von Credit Suisse Research zum Gegenstand hat – eine Hochglanzstudie mit viel Bild und wenig Text.

Credit suisseTitel der Studie: The CS Gender 3000: Women in Senior Management. Titel des Beitrags in der Tageswoche: “Nur 1,7 Prozent: Frauen sind rar in Schweizer Chefetagen”.

Nachdem wir uns von diesem Schock erholt haben und uns ein Blick aus dem Fenster bestätigt hat, dass die Brecon Beacons immer noch da sind, obwohl Frauen in Schweizer Chefetagen rar sind, haben wir uns – widerstrebend und mit wenig Lust, der Studie gewidmet – im notwendigen Ausmaß.

Man schafft es bis Seite 5, um dort einen Widerspruch zu finden, der die ganze Studie für den Papierkorb reif macht. Der Widerspruch steht in zwei “Bulletpoints”, die direkt aufeinander folgen und – nun ja – man kann ihn nicht übersehen, wenn man alle fünf Sinne beisammen hat und über ein Gehirn verfügt, das zumindest die von den Augen kommenden Informationen richtig prozessiert:

“The participation of women in top management tends to be skewed towards areas of less influence and with lower promotion opportunities”.

Also: böse maskuline Kräfte verschieben die meisten Frauen im “Top Management” auf Positionen, auf denen sie wenig Einfluss haben (oder auf denen sie wenig Schaden anrichten können – je nach Interpretation). Soweit das Lamento. Gehen wir einen Punkt weiter:

“Companies displaying greater board gender diversity excess stockmarket returns adjusted for sector bias. Companies with more than one women on the board have returned a compound 3,7% a year over those that have none since 2005″.

Also: Unternehmen, bei denen mehr als eine Frau im Aufsichtsrat sitzt, machen einen höheren Umsatz als Unternehmen, bei denen keine Frau im Aufsichtsrat sitzt.

It’s magic! Es ist der Einfluss des Weiblichen auf den Umsatz von Unternehmen.

Aber, eine Seite zuvor liest man:

“… we acknowledge that we are not able to answer the causality question and this is an important caveat to the observations below in the report. Do better companies hire more women, do women choose to work for more successful companies, or do women themselves help improve companies’ performance. The most likely answer is a combination of the three.”

Wir haben also folgende Situation:

  • Üble maskuline Kräfte verschieben die meisten Frauen auf Vorstandspositionen mit wenig Einfluss.
  • Unternehmen mit mehr als einer Frau auf Vorstandsposten mit wenig Einfluss machen (etwas) mehr Umsatz als Unternehmen keiner Frau auf einem Vorstandsposten.
  • Frauen werden von den erfolgreicheren Unternehmen eher auf Vorstandsposten befördert und Frauen suchen sich lieber einen Vorstandsposten in einem erfolgreichen Unternehmen, auch einen mit wenig Einfluss und die wenigen Frauen im Vorstand, die sich dort auf zumeist unwichtigen Posten finden, helfen dabei, den Umsatz von Unternehmen zu steigern.

It’s simply magic.

Female magic: Zwei Frauen auf unwichtigen Posten in Unternehmen erhöhen den Umsatz, einfach nur durch ihre Anwesenheit, so steht zu vermuten. Die reine Gegenwart reiner Weiblichkeit erhöht den Umsatz um durchschnittlich 3,7%. Auf welchen verschlungenen Pfaden dieser Effekt sich Bahn bricht, wir wissen es nicht: It is magic.

Vielleicht sind die Götter Unternehmen mit mehr als zwei Frauen im Vorstand, auf eher unwichtigen Posten des Vorstands, um 3,7%Umsatz mehr geneigt. Vielleicht sind die Frauen auf den eher unwichtigen Posten im Vorstand kleine Einsteininnen, die durch ihre Genialität selbst vom unwichtigen Posten aus den Umsatz auf ein höheres, ein 3,7% höheres Niveau zu transzendieren im Stande sind.

Was auch immer es ist, wir werden nicht erfahren, was es ist, das den 3,7%weiblichen Einfluss auf den Umsatz transportiert und möglich macht, denn Credit Suisse hat es nicht untersucht.

magic moneyHaben Sie übrigens ein Konto bei Credit Suisse?
Das würden wir uns überlegen.
Die glauben dort an Magie.
Eher beunruhigend.

Bleibt noch anzufügen, dass bei Credit Suisse nicht nur Magier, sondern auch Seher unterwegs sind:

“We see three main obstacles to achieving greater diversity: cultural biases, workplace-related biases; and structural/policy issues.”

Wer diese Hindernisse auch sieht, diese kulturellen, mit dem Arbeitsplatz verbundenen und strukturellen und politischen Hindernisse, der sollte sich im Lottospielen versuchen, denn er sieht offensichtlich wie die Autoren der Credit Suisse Studie etwas, was man nicht mit Daten belegen kann, was man nur dadurch verdichten kann, dass man auf jemanden verweist, der es auch schon gesehen hat… ein richtiges Seher-Netzwerk, aber eben keine Wissenschaft, nicht einmal ansatzweise etwas wie Wissenschaft.

Aber etwas, worüber die Schweizer Tageswoche berichten muss, unter der Überschrift, die oben genannt wurde. Seit der Veröffentlichung des Artikels am 23.9.2014, um 16:19 Uhr sind einige Tage und Stunden vergangen. Die Erde dreht sich immer noch um die Sonne. Die Brecon Beacons stehen auch jetzt noch, wo wir sie erwarten und die mehr als eine Frau im Vorstand von Unternehmen üben weiterhin ihre 3,7%Umsatz-Magie.

Schön!

Es männert: von emanzipatorischer Männlichkeit

Man kann sich kaum noch vor Männlichkeiten retten. Überall “männert” es. Man eilt vom Männerkongress zur Männertagung, zur internationalen Männerkonferenz und man kann sich vor Männerforen kaum mehr retten. Fast, dass man denken könnte, es herrscht ein wahre Mannes-Phobie, eine eher irritierende Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Männlichkeit noch vor kurzem in der Krise war und die Angry White Men zu den Prügelknaben des Jahrhunderts stilisisert werden sollen (Nebenbei bemerkt, wer angesichts des Gleichstellungs-Unsinns, der täglich auf uns einprasselt, kein angry white (or black) men ist, der hat aufgehört zu leben).

Die Entdeckung des Mannes durch politische Vereine und Regierungen lässt nichts Gutes vermuten, hat noch bevor man sich näher damit befasst hat den Stallgeruch der Manipulation und des Versuchs, die so vielfältigen Männlichkeiten, die es angeblich gibt, auf eine einzige Männlichkeit, eine staatsdienliche Männlichkeit, wie man sie nennen könnte, zu reduzieren. Kurz: Das Rollenangebot “Männlichkeit”, wie man mit Ralf Dahrendorf sagen könnte, umfasst vielleicht eine Reihe von Kann-Rollen, aber unter diesen Kann-Rollen gibt es genau eine, die zur Muss-Rolle bestimmt werden soll.

Den Anfang dabei macht das Gunda-Werner-Institut, das sich seit Jahren bemüht hat,  Steuergelder einem eigennützigen Verwendungszweck zuzuführen.

Dieses Gunda-Werner-Institut veranstaltet gemeinsam mit dem Forum Männer, einem vom Gunda-Werner-Institut finanzierten Satelliten, die Tagung: “Männlichkeiten zwischen Hegemonie und Vielfalt – Welche? Für wen? Wozu?“.

Dabei geht es offensichtlich um mehrere Männlichkeiten, die zwischen Hegemonie und Vielfalt lavieren, wobei es schwierig ist, sich die entsprechenden Männlichkeiten dabei vorzustellen, wie sie hegemoniale Männlichkeiten und vielfältige Männlichkeiten sind bzw. irgend etwas dazwischen, von dem man wiederum nicht weiß, was es sein könnte, denn: Hegemonie und Vielfalt sind keine Pole desselben Kontinuums. Das Gegenteil von Hegemonie wäre wohl Schwäche oder Hilflosigkeit, während das Gegenteil von Vielfalt in der Homogenität oder Gleichheit zu suchen wäre. Kurz: der Tagungstitel ist Unsinn.

Und weil selten etwas Besseres nachkommt, geht es mit Unsinn weiter:

“Die Tagung «Männlichkeiten zwischen Hegemonie und Vielfalt» nimmt die Fülle männlicher Lebensentwürfe in den Blick, die sich im Spannungsfeld zwischen hegemonialer männlicher Monokultur und parallelkulturellen Konstruktionen von Männlichkeiten entwickelt hat. Gefragt wird, wo und wie welche Bilder von Männlichkeiten (re)konstruiert werden, welche Männlichkeiten für wen und wozu Sinn machen und wo Potenzial für Veränderung und emanzipatorische Entwürfe von Männlichkeiten liegen.”

Es gibt also ein Spannungsfeld zwischen “hegemonialer männlicher Monokultur” und “parallelkulturellen Konstruktionen von Männlichkeit”. Da die Eigenschaft von Parallelen darin besteht, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt schneiden, fragt man sich unwillkürlich, wo, wenn hegemoniale männliche Monokulturen und prarallelkulturelle Konstruktionen von Männlichkeit sich nie treffen, die Spannungen herkommen? Die Antwort ist eine Wiederholung und lautet einmal mehr: Unsinn (Der Unsinn erinnert an eine studentische Klausur, die die Aufgabe enthielt, eine Gerade in ein Koordinatenkreuz einzuzeichnen. Aus der Geraden, in der entsprechenden Klausur, wurde eine Kurve, dieser Irrtum ist vermutlich demselben Unverständnis der eigenen Sprache geschuldet).

Und dem Unsinn folgen die Fragen: Wir haben eine Vielzahl von Männlichkeiten und dennoch keine Emanzipation, denn trotz der vielen Männlichkeiten muss erst ausgelotet, ja gefragt werden, wo das Potential für emanzipatorische Entwürfe liegt. Unter emanzipatorischen Entwürfen ist vermutlich das zu verstehen, was man beim Gunda-Werner-Institut und beim Mitveranstalter, dem vom Gunda-Werner-Institut ausgehaltenen Forum Männer als emanzipatorische Männlichkeit ansieht.

Machen wir uns auf die Suche nach der richtigen, emanzipatorischen Männlichkeit.

Das Forum Männer, also der Satellit des Gunda-Werner-Instituts ist ein Gründungsmitglied des Bundesforums “Männer”, jenes Vereins, der die Befreiung der Männer dadurch anstrebt, dass er Männer auf 32 Arbeitsstunden pro Woche festlegen und ihnen Windeln wickeln für die freigewordene Zeit verordnen will. Dieses instrumentelle Bundesforum Männer, dass die Rolle der Nichtregierungs-Organisation spielt, obwohl per Anschubfinanzierung vom Bundesministerium für FSFJ ausgehalten, weist auf seiner Webpage auf die internationale Männerkonferenz zum Thema “Männerpolitik – Beiträge zur Gleichstellung der Geschlechter” hin, die am 6. und 7. Oktober in Wien stattfindet und vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz Österreichs und dem Bundesministerium für FSFJ finanziert wird.

Und wenn sich die Männlichkeiten-Vielfalt, die auf der Tagung beim Gunda-Werner-Institut bereits zur richtigen Männlichkeit verdichtet wurde, mit der Männerpolitik trifft, dann kommt Folgendes dabei heraus:

“Erwerbsarbeit war und ist für viele Männer immer noch der zentrale identitätsstiftende Bezugspunkt. Männeremanzipation führt heraus aus diesem einengenden Männlichkeitsverständnis. Ein zeitgemäßes Rollenbild ermöglicht es Männern, neue Lebensfelder für ein ganzheitlicheres Leben zu entdecken und zu erleben. Das Interesse an den Lebensfeldern Familie und Eigenwelt kommt von den Männern selbst. Kommen Männer dadurch in Balance, dient das dem Wohle aller, insbesondere auch dem partnerschaftlichen Rollenverständnis.”

Das emanzipatorische Potential der Vielfalt der Männlichkeiten, das auf der Tagung des Gunda-Werner-Instituts gesucht werden soll, das Programm der internationalen Männerkonferenz hat es bereits gefunden: Es besteht darin, zunächst einmal die Identitätsstiftung über Arbeit als Männlichkeitsentwurf auszuschließen. Hat man diese Ausprägung der Vielfalt von Männlichkeit, die nicht-moderne und von zu wenig Interesse am Lebensfeld Familie geprägte Version, aus der Vielfalt der Männlichkeiten ausgeschlossen, dann ist der Weg frei für ein ganzheitliches Leben, das Männer in Balance bringt (mit was auch immer), dem Wohle aller dient, insbesondere dem partnerschaftlichen Rollenverständnis und vor allem, und ganz wichtig, das ganzheitlich ist.

Amen.

Die Vielfalt, vor die sich der moderne Mann und die moderne Frau gestellt sehen, das emanzipatorische Potential neuer Männlichkeit und vermutlich auch neuer Weiblichkeit besteht darin, geboren zu werden, zu arbeiten, sich fortzupflanzen, dem Staat als Füller der Sozialkassen dienlich zu sein und wenn es möglich ist, nicht als Pflegefall zu sterben. Es ist schon erstaunlich, was heutzutage als Emanzipation durchgeht.

Zur Erinnerung:

“Emanzipation (lat.) ‘aus der Hand herauswachsen’, Freilassung, Verselbständigung, Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit … Ausgehend von dem berühmten, von I. Kant geprägten Begriff von Aufklärung als ‘Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit’ (‘Unmündigkeit’ ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen), meint Emanzipation die Befreiung des Menschen von sozialen Strukturverhältnissen, die, weil vom Menschen noch unbegriffen, Unmündigkeit erhalten” (Hillmann, 1994: 178).

Die emanzipatorische Männlichkeit, die uns das BMFSFJ und sein Satellit das Bundesforum Männer in trauter Eintracht mit dem Gunda-Werner-Institut und seinem Satelliten dem Forum Männer verkaufen wollen, hat mit einer Befreiung des Menschen von sozialen Strukturverhältnissen überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil: Der männliche Mensch der propagiert werden soll, begibt sich freiwillig in die Abhängigkeit sozialer Strukturverhältnisse. Er geht eine Beziehung ein, in welcher Form auch immer, sucht nach der legalen Weihe dieser Beziehung auf dem Standesamt, geht weiter Verpflichtungen ein, indem er Kinder in die Welt setzt und ist am Ende so sehr im Netz sozialer Strukturen verwoben, dass ihm eine emanzipatorische Männlichkeit nur als Vorstellung in der Midlife-Crisis bleibt.

Denn: eine emanzipatorische Männlichkeit macht sich frei vom Zustand der Abhängigkeit, und zwar dadurch, dass sich die entsprechenden männlichen Menschen ihres Verstandes ohne Leitung durch einen Dritten bedienen. Kurz: Sie entscheiden selbst, welche Form von Männlichkeit sie leben wollen, welche Form von Leben sie leben wollen und welche Verantwortung sie in ihrem Leben übernehmen wollen. Emanzipation setzt Freiheit vom Gunda-Werner-Institut und vom BMFSFJ voraus, denn beiden und ihren foralen-Vasallen geht es darum, Wahlfreiheit für Männer einzuschränken und die “Befreiung aus dem Zustand der Abhängigkeit” zu verhindern.

Das nämlich ist der Horror dieser Institute: Männer, die tatsächlich ihre Männlichkeit leben und sich nicht auf staatlich und kulturell vorgegebene Lebensweisen einlassen. Die als Wanderburschen durch die Welt ziehen, ohne sich zu binden, und die ihr Leben nach ihrer Fasson leben, voll emanzipiert und ohne sich in familiäre oder gesellschaftliche Abhängigkeiten zu begeben.

Wie so oft zeigt sich, dass Begriffe, hier emanzipatorische Männlichkeit, von Seelenanglern als Köder ausgelegt werden, in der Hoffnung, dass möglichst viele anbeißen und ihrem selbstbestimmten Leben damit ein Ende bereiten.

Und zum Abschluss: Anschauungsmaterial, Anschauungsmaterial zur Vielfalt der Männlichkeiten, wie sie beim Forum Männer herrscht (alle Bilder stammen von der Webpage des Forums Männer). Wem dies ein attraktives Angebot ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die neue Männlichkeit:

Forum Maenner IForum Maenner IIForum Maenner III

Heute schon gelacht, z.B. über Christine Lüders?

scully facepalmWir werden jetzt gnadenlose und gendergerechte zudem geschlechtssensible, weil von einem männlichen und einem weiblichen Redaktionsmitglied geprüfte Logik zur Anwendung bringen, um uns über Christine Lüders nicht lustig zu machen, nein, um Nachhilfe zu geben, immer in der Hoffnung, dass auch Leiter von Bundesbehörden, in diesem Fall die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, lernfähig sind. Dass Lüders lernfähig ist, muss man zu ihren Gunsten annehmen, auch wenn es Bestrebungen gibt, die Unschuldsvermutung aufzugeben und durch den Unschuldsnachweis zu ersetzen (das ist jetzt eine heftige Übertragungsleistung, die hier gefordert wird, aber sie zu erbringen, ist möglich). Jedoch wäre das Konzept des lebenslangen Lernens, das Bundesregierung und Politiker ihrer Bevölkerung überstülpen wollen, als defizitär ausgewiesen, träfe es ausgerechnet auf Politiker und Mitglieder der Bundesregierung nicht zu.

Nun zur Nachhilfe.

Christine Lüders stellt heute den Ersten und den Zweiten Bericht der Antidiskrminierungsstelle vor und hat vorab schon einmal ein paar Empfehlungen unter das Politikervolk gebracht. Wir zitieren:

“Nach Ansicht Lüders´ schützt das AGG nicht ausreichend vor sogenannten mehrdimensionalen Benachteiligungen und vor Diskriminierungen im Bildungsbereich. Das AGG verbiete zwar Benachteiligungen wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität, aber in der juristischen Praxis würden meist nur Diskriminierungen aus einem Grund anerkannt. In der Realität seien Menschen aber immer wieder Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen. Lüders nannte das Beispiel von Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen. Gut die Hälfte aller deutschen Betriebe würden keine Kopftuchträgerinnen einstellen wollen. Lüders sprach sich vor dem Ausschuss dafür aus, den Aspekt der mehrfachen Diskriminierung explizit im AGG zu verankern. Nur so könnten beispielsweise höhere Schadensersatzansprüche wegen mehrfacher Diskriminierungen geltend gemacht werden.”

abgezocktEinerseits sind wir als Mehrfachdiskriminierte zwar der Ansicht, dass mehr, anstelle von weniger Schadensersatz immer gut ist, sofern man nicht mit ethischen und moralischen Problemen geschlagen ist, was wir dummerweise sind, so dass wir das unseriöse Angebot von Frau Lüders, doch mehrfach zu profitieren, wo bislang nur ein einmaliges Handaufhalten möglich ist, mit aller Bestimmtheit zurückweisen.

Andererseits wird in der zitierten Passage eine Denk-Unfähigkeit deutlich, die man nicht ungestraft vorbeiziehen lassen kann, schon deshalb nicht, weil die logischen Bestandteile der deutschen Sprache regelrecht um Hilfe schreien.

Nehmen wir das, was Lüders vorträgt, auseinander.

  • Das AGG verbietet Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität.
  • In der Realität sind Menschen Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen.
  • Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen = dreifache Diskriminierung, denn: ethnische Herkunft, Geschlecht und Religion.
  • Deshalb muss Mehrfachdiskriminierung im AGG verankert werden.

Implizit sagt Lüders damit:

  • Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann wird er nicht diskriminiert, da das AGG eine Mehrfachdiskriminierung nicht vorsieht.
  • Hilfsweise: Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann ist das schlimmer als wenn jemand einfach diskriminiert wird.
  • Und warum ist es schlimmer: Weil man nur für eine Diskriminierung Schadensersatz einklagen kann und nicht für mehrere.
  • Bevor wir überhaupt zur Berechnung des Schadensersatzes gelangen, muss die Menge der möglichen Mehrfachdiskriminierungen aus (1) ethnischer Herkunft, (2) Geschlecht, (3) Religion, (4) Weltanschauung, (5) Behinderung, (6) Alter und (7) sexueller Orientierung bestimmt werden. Nach aller Kombinatorik ergeben sich hier 119 zusätzliche Diskriminierungsmöglichkeiten, zu den sieben bereits vorhandenen, die als 119 zusätzliche Seiten an das AGG anzufügen sind.
  • Dumm nur, dass niemand sagen kann, warum z.B. ein homosexueller evangelischer Rollstuhlfahrer nicht als Erzieher in einem katholischen Kindergarten eingestellt wird. Entsprechend müsste man, nähme man Lüders mit ihrer Mehrfachdiskriminierung ernst, erst Horden von Juristen damit beschäftigen, die wahre Ursache der Diskriminierung herauszufinden, um dann eine Diskriminierungshierarchie zu erstellen: Also die Ablehnung des homosexuellen evangelischen Rollstuhlfahrers ist zu 75% auf das Evangelische, zu 15% auf den Rollstuhl und zu 5% auf die Homosexualität zurückzuführen. Alles, was jetzt noch notwendig ist, ist die Bestimmung der Entschädigungssummen und deren prozentuale Verrechnung.
  • Dazu müsste bestimmt werden, was schlimmer ist, also mehr Schadensersatz wert ist: Ist eine weibliche Migrantin mit religiösem Kopftuch mehr wert als ein männlicher homosexueller Rollstuhlfahrer, oder gibt es für einen linksextremen Alten, der denkt, er sei ein Trans und deshalb ein Kopftuch trägt, aus religiösen Gründen versteht sich, mehr als für eine geistig behinderte, lesbische Asiatin, die der AfD nahe steht?

Ob Frau Lüders auch nur die Spur einer Vorstellung davon hat, wovon sie redet?

Und der verwertbare Teil dessen, was Frau Lüders von sich gibt, zum Ende:

“Zu Diskriminierungen komme es bereits im Kindergarten und dies ziehe sich bis an die Hochschulen fort. So würde Migrantenkindern in der Grundschule trotz gleicher Eignung oftmals keine Empfehlung für das Gymnasium ausgestellt.”

Wenn es für Migrantenkinder eine Diskriminierung darstellt, dass bei gleichen Leistungen wie nicht-Migrantenkinder keine gleiche Grundschulempfehlung ausgestellt wird, dann muss festgestellt werden, dass Jungen in deutschen Grundschulen auch diskriminiert werden, denn wie die LAU und die ELEMENT Studie gezeigt haben, erhalten Jungen auch bei gleicher Leistung wie Mädchen seltener eine Grundschulempfehlung für ein Gymnasium als Mädchen.

Wir hoffen, es hagelt entsprechende Beschwerden von Eltern bei der Antidiskriminierungsstelle, wobei: “Das AGG gelte aber leider nicht für das öffentliche Bildungswesen, dies müsse verändert werden”, heißt es weiter. Praktisch – oder? Da, wo am meisten diskriminiert wird, gilt das AGG nicht. Deshalb: Unterstützen wir Christine Lüders doch dabei, diesen nachgewiesenen öffentlichen Hort der Einfach- und Mehrfachdiskriminierung, die Schulen, im HInblick auf Migranten und im Hinblick auf Jungen an den für den Rest der Republik geltenden Standards zu messen.

Betrachtungen eines Mehrfachdiskriminierten

Heute ist es mir so richtig klar geworden: Ich werde diskriminiert!

Nicht einmal, nein x-Mal; diskriminiert in Wort und Tat und das täglich, 24/7 – eine Ende ist nicht absehbar.

Wie lebt man, wenn man gleich mehrfach diskriminiert wird?

Eigentlich ganz gut, nur das Wissen um die Diskriminierung, das Wissen um diese tägliche Ungerechtigkeit, das nagt und nagt und so.

Es muss etwas getan werden – eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme.

Diskriminierung ist, wenn man wegen seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner Herkunft oder seiner Rasse oder sonstiger Merkmale, die man nicht los wird, schlechter gestellt oder gar beleidigt oder beschimpft wird.

Da geht es schon los:

Ich werde beschimpft.

discrimination2Ich sei bildungsfern, weil ich aus der Arbeiterschicht komme. Und die Arbeiterschicht, das weiß man offensichtlich und vor allem, wenn man aus der Mittelschicht kommt, die ist bildungsfern.

Mittelschicht, das sind übrigens diejenigen, die sich geschmacklose Kleckse an die Wand hängen, um damit zu zeigen, wie modern und gebildet sie sind. Natürlich keine Originalkleckse, das können sie sich nicht leisten. Dazu ist ihr Lebensstandard zu prekär. Nein, Reproduktionen, Drucke, Drucke, die 1000fach produziert werden – damit man als Bildungsferner sofort sieht, dass man eine Mittelschichtswohnung betritt.

Außerdem, das muss jetzt gesagt werden, gelte ich rechts. Wir bei ScienceFiles gelten alle als rechts, denn wir fragen Genderisten danach, was sie an Universitäten verloren haben. Das reicht um als Rechter bezeichnet zu werden. Wer kritisiert, dass sich bestimmte Leute auf Kosten anderer bereichern, der gilt heute als rechts.

Was zur Konsequenz hat, dass jeder rechts ist, der ein selbstbestimmtes Leben führt. Und wer ein selbstbestimmtes Leben führt, der wird konsequent diskriminiert, der wird ausgeschlossen aus dem Transfer der Mittel, Beihilfen, Zuwendungen und sonstigen Vergünstigungen, die das staatstreue Leben so mit sich bringt.

Die multiple Diskriminierung nimmt ihren Lauf.

Ich bin männlich. Bad luck: Kein Anspruch auf Mutterschaftsurlaub, kein Geld für Fertilität, so genanntes Mutterschaftsgeld, eine Prämie für vermeintlich erfolgreich ausgeführten Geschlechtsverkehr – Geld für das, was man früher die eheliche Pflicht genannt hat: Nachwuchsproduktion. Eigentlich ein Schlag ins Gesicht für alle emanzipierten Frauen. Aber kennen sie eine, die sich nicht von ihrem Staat für den Einsatz ihrer Geschlechtsteile bezahlen lässt? Mutterschaft als Prostitution. Wie auch immer, ich werde diskriminiert.

Schon weil die Produktion von Nachwuchs die Eintrittskarte in die Förderkarriere ist. Elterngeld winkt, Elterngeld plus für all diejenigen, die kein oder wenig Humankapital haben, das man als Fähigkeit im Beruf und gegen gutes Geld verkaufen kann. Kindergeld für die Sprößlinge ab Tag 1, Kinderzuschlag für Geringverdiener, Wohngeld, die Möglichkeit, familienunterstützende Leistungen von der Steuer abzusetzen, Familienurlaub in Familienferienstätten. Und wäre ich alleinerziehend, ein wahres Hilfe-Paradies wäre meins. Aber statt Einlass ins Hilfe-Paradies gibt es für mich Diskriminierung.

All die Geschenke, die das BMFSFJ im Tausch gegen Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Würde verteilt, ich bekomme sie nicht. Ich werde diskriminiert.

Und Bauer bin ich auch nicht.

Kein Geld von der EU, kein Geld vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Geld dafür, dass ich meinem Erwerb nachgehe. Ich gehe meinen Erwerb unsubventioniert, aber voll besteuert nach. Steuerliche Vorteile für mich? Pustekuchen. Ich bin kein Bauer, kein Schiffsbauer, kein Elternteil. Ich bin bildungsfern und rechts! – und männlich, fast hätte ich es vergessen.

Und arbeitslos war ich auch nie. Ich bin selbstständig: Arbeit ohne Ausgleichszahlung, kein Anspruch auf Urlaubsgeld, Übergangsgeld, Trennungsgeld oder 13. Monatsgehalt. Nichts. Nicht einmal Insolvenzgeld. Ich werde diskriminiert.

Das macht fast depressiv, und fast hätte ich es in die nicht diskriminierende Öffentlichkeit des Behandlungszimmers in der Klink für psychisch Kranke geschafft. Aber eben nur fast. Und das heißt: Kein Geld von der Krankenkasse und weiter diskriminiert.

Not macht bekanntlich erfinderisch – naja, nicht erfinderisch, aber doch zumindest nachdenklich.

Nachdenken über Subventionen führt zuweilen zu in Vitro Fertilisation. 50% trägt die Krankenkasse. Eine Chance zumindest zum nur noch halb Diskriminierten zu werden. Man gehe einfach zum Arzt, lasse sich Sperma abzapfen, hoffe auf die ärztliche Kunst und darauf, dass kein Blindgänger eingepflanzt wird. Schon steht einem die diskriminierungsfreie Welt der Abhängigkeit von staatlichen Leistungen offen.

Aber im Tauch gegen Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Würde? Ja, Würde: Wer will schon zum Samenspender werden, zum spasslosen Erzeuger steriler Empfängnis?

discriminationBleibt noch ein letzter verzweiflter Akt, bei 100prozentiger Kostenübernahme durch die Krankenkasse und anschließender garantierter Transferexistenz: Werde doch Trans, also nicht Trans, sondern das, was nach der Operation herauskommt! Ausgangspunkt: Spannungsverhältnis zwischen Geschlechtsidentität und tatsächlichem Geschlecht – etwas Einbildung reicht vermutlich. Voraussetzung: Zwei Jahre gescheiterte Psychotherapie – kein Problem – und keine Linderung meiner Qual. Resultat: Fast wie beim Geheimdienst – Neuer Name, neue Identität, neuer Mensch. Ein sagenhaftes Angebot. Und die Nachsorgebehandlung garantiert ein Leben in Abhängigkeit.

Aber…

wenn ich es mir so recht überlege – vielleicht ist es gar nicht so schlecht mehrfachdiskriminiert zu sein, selbstbestimmt, selbstwirksam, selbstbewusst und in Würde zu leben; in jedem Fall besser als sich an einen Staat zu verkaufen, der nur darauf wartet, Selbstbestimmung durch Vor- oder Nachsorge zu beenden, Selbstwirksamkeit durch Zugehörigkeit zur Gruppe der Transferempfänger zu zerstören, Selbstbewusstsein durch Bezahlung für Prostitution zumindest zu erschweren und Würde zu einem Begriff zu machen, der demnächst aus dem Duden gestrichen wird.

Ich werde diskriminiert! Und Klein heiß’ ich auch noch.

Aber es gibt noch Solidarität, zumindest in der ScienceFiles-Redaktion. Wir sitzen zusammen und sinnieren, sinnieren über die Diskriminerung, über das Leben, das Universum und darüber, dass Heike Diefenbach auch diskriminiert wird, Bach ist walisisch und heißt: klein … und aus der Arbeiterschicht ist sie auch – per definitionem die erste promovierte und habilitierte Bildungsferne.

Feminisierung der Urologie und Hausbesuche

DGUDie “Feminisierung in der Medizin erreicht die Urologie“. Das ist der Titel einer Pressemeldung, die die Deustche Gesellschaft für Urologie und hier: Bettina-Cathrin Wahlers zu verantworten haben. Nachdem wir gestern schon festgestellt haben, dass unser Begriff des Genderismus ein zwischenzeitlich etablierter Begriff ist, können wir heute feststellen, dass der Begriff der Feminisierung, der z.B. im Zusammenhang mit Lehrern und dem deutschen Bildungssystem, das ja zu gut 2/3 mit weiblichen Lehrern bestückt ist, von Genderisten negativ konnotiert wird, weil das Bildungssystem voller Probleme, voller erheblicher Probleme ist, die auf dem Rücken von u.a. Jungen ausgetragen werden und an denen niemand schuld sein will, ist der Begriff im Zusammenhang mit Urologie, einem männlich dominierten Feld (for obvious reasons, wie man sagen könnte) positiv konnotiert. Hier wird Feminisierung plötzlich zu etwas, was man unbedingt herbeiführen muss, zum Notnagel.

Denn: demographischer Wandel, steigender Versorgungsbedarf (immer mehr ältere Männer) und eine “überalterte Fachärzteschaft” lassen die Alarmglocken so laut klingeln, dass man sich bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie alles vorstellen kann, um sie abzustellen: auch Frauen als Urologen

Aber: Die Urologie hat Probleme:

“Dass die Urologie durch ihren operativen Schwerpunkt eine langwierige Ausbildung verlangt, die zum Beispiel von jungen Müttern nur mit Mühe und viel Organisation zu realisieren ist, erschwert angehenden Ärztinnen den Weg in das Fachgebiet. Überdies ist die Ausbildung noch immer stark von Männern dominiert, was dazu führt, dass frauenspezifische [!sic] Ausbildungsanforderungen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und geregelte Arbeitszeiten nicht immer gegeben sind.”

Es grüßt der krudeste aller Biologismen, der nicht nur Mütter mit Frauen verwechselt, sondern entgegen aller Versuche der Genderisten, die Aufzucht von Nachwuchs nicht nur zum Hauptzweck eines Daseins beider Partner zu machen, diese Aufzucht zum frauenspezifischen Problem macht, das die entsprechenden Frauen an der Aufnahme einer Ausbildung zum Urologen hindert. Das macht schon irgendwie Sinn, denn dass in der Vergangenheit vorwiegend Männer Urologie praktiziert haben, und zwar trotz der “langwierigen Ausbildung”, lässt vermuten, dass es keine männerspezifischen Probleme der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt, nur frauenspezifische. Und die müssen gelöst werden:

“„Wir brauchen sowohl in der Ausbildung als auch in der Berufsausübung in Klinik und Praxis veränderte Strukturen und differenzierte Arbeitszeitmodelle, die eine ausgeglichene Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen – und zwar genderübergreifend, denn die gesamte Generation Y, und damit auch viele junge Ärzte, fordert bessere Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und mehr Freizeit“, betont Prof. Kliesch”.

oestrogenSabine Kliesch, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie, gehört zu denen, die immer wissen, was “wir” brauchen, aber nicht in der Lage sind anzugeben, was genau es ist, das “wir” brauchen und warum wir es brauchen sollten. Statt eines konkreten Bedarfs gibt es wolkige Wortonanie: “veränderte Strukturen und differenzierte Arbeitszeitmodelle”, “Work-Life-Balance”. Wir wären ja schon froh, wenn es eine Word-Meaning-Balance gäbe, so dass klar ist, was mit den wolkigen Begriffen gemeint ist.

Nun, wir nehmen an, dass Sabine Kliesch und die Mannen der Deutschen Gesellschaft für Urologie das alte Instrument der Hausbesuche neu beleben wollen, um den angehenden Urologinnnen die Work-Life-Balance zu ermöglichen und sicherzustellen, dass es synchron möglich ist, Hodenkrebs zu diagnostizierten und den eigenen Nachwuchs zu wickeln. Die “differenzierten Arbeitszeitmodelle”, die dazu notwendig sind, basieren auf Heimarbeit und einer “veränderten Struktur” bei Hausbesuchen: Nicht mehr die Ärzte kommen zu den Patienten nach Hause, nein, die Patienten kommen zu den Urologinnen. Die Behandlung findet der Einfachheit halber im Kinderzimmer statt. Wartende Patienten können den Abwasch der Urologin erledigen oder die Wohnung putzen, um der überarbeiteten Urologin die “Work-Life-Balance” zu verbessern, ganz zu schweigen von den Vorteilen, die eine derartige “Kinderbetreuung vor Ort” hat. Kleinere Eingriffe können in leicht baulich angepassten Badezimmern bei Urologinnen zu Hause ausgeführt werden. Der Ausbau ist steuerlich zu fördern.

Der Unsinn, der täglich auf uns einprasselt, kennt keine Grenzen mehr. Früher gab es die Spiele ohne Grenzen, heute gibt es den Unsinn ohne Grenzen. Früher gab es Pressemeldungen, heute gibt es Wortsammlungen, die den Eindruck vermitteln, ein Wahnsinniger habe sie im Delirium gebrabbelt. Und, nicht zu vergessen, früher gab es Frauen und sie waren von Müttern unterschieden. Heute gibt es nur noch Mütter. Früher gab es Individuen, die Lebensentscheidungen getroffen haben. Heute gibt es Gruppen, für die entschieden werden muss, was gut und richtig und ihren Bedürfnissen entsprechend ist. Und, ganz wichtig, das bestimmende Merkmal dieser Gruppen, das ihre gruppenspezifischen Bedürfnisse determiniert, es ist aus der Biologie entnommen, eine Konstante, die keinen Platz mehr lässt für Individuen.

 

Wie die frauenspezifischen Bedürfnisse, die man bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie kennt, sich z.B. mit dem Anreizprogramm zur Zerstörung von Humankapital “Elterngeld Plus”, des Bundesminsterium für FSFJ, verhält, das einen Bezug von Elterngeld für 28 Monate vorsieht, wenn beide Eltern 14 Monate davon in Teilzeit zubringen, ist derzeit vermutlich noch offen. Möglicherweise können Probleme, die durch Interessenkonflikte entstehen, so genannte cross-cutting cleavages zwischen Partnern und Patienten im Dreieck: frauenspezifische Bedürfnisse, geteilte Teilzeit und Probleme beim Pinkeln von Herbert W,  dadurch gelöst werden, dass Herbert W. seine Gesundheitsprobleme zurückstellt, bis die frauenspezifischen Bedürfnisse nach geteilter Teilzeit und abgeschlossenem Bezug von Elterngeld plus wieder direkt angegangen werden können.

(Anti-)Genderismus bald im Duden?

ein ScienceFiles-Begriff setzt sich durch

 

Knapp ein Jahr ist es her, dass Dr. habil. Heike Diefenbach den Begriff des Genderismus auf ScienceFiles definiert hat, und zwar wie folgt:

Petitionslogo“Genderist” soll dementsprechend einfach eine Bezeichnung für Personen sein, für die gilt, dass sie (1) die soziale Konstruktion von Geschlecht bzw. Geschlechtszugehörigkeit zum Ausgangspunkt aller sozialwissenschaftlich oder gesellschaftlich relevanten Beschreibungen und Erklärungen machen wollen und die Arbeit von Personen, die dies nicht tun wollen und andere Eigenschaften von Menschen (seien sie als sozial konstruiert aufgefasst oder nicht) als ebenso wichtig oder wichtiger für die Erklärung und das Verständnis sozialer Realität einschätzen, von vornherein als defizitär beurteilen, oder die (2) Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit in eine Hierarchie bringen, wobei alles, was weiblich konnotiert ist, präferiert wird, und darüber hinaus bestimmte Konstruktionen von Weiblichkeit (z.B. Hausfrau, “Karriere”frau ohne Kinder) und Männlichkeit (z.B. “Macho”-Mann) sowie bestimmte Lebensentwürfe (z.B. “Doppelverdiener”) weniger akzeptabel gefunden werden als die so genannte “Vereinbarkeitsweiblichkeit und -männlichkeit” (oder gar nicht akzeptabel).

Genderisten sind demnach mono-orientierte oder auch fixierte Personen, die die Welt nur als Bühne der Geschlechtlichkeit betrachten können. Ob sie dies tun, weil sie sich davon einen finanziellen Nutzen versprechen oder ob sie das tun, weil sie eine gewisse Gender-Noia haben, sei einmal dahingestellt.

In jedem Fall ist es an der Zeit festzustellen, dass es gelungen ist, den Begriff des “Genderismus” in die öffentliche Diskussion zu tragen und dort so fest zu verankern, dass sich Genderisten mittlerweile gezwungen sehen, einen Anti-Genderismus zu konstatieren. Mit anderen Worten, sie haben unsere Terminologie bereits übernommen.

Welch’ farbenfrohes, ja diverses Leben der Begriff des Genderismus zwischenzeitlich angenommen hat, zeigt eine entsprechende Suche mit Google. Wie plank die Nerven bei denjenigen liegen, die sich ein Auskommen mit Genderismus geschaffen haben oder erst noch schaffen wollen, zeigt eine ad-hoc-Gruppe, die von 14.15 Uhr bis 16.45 Uhr am 9. Oktober auf dem diesjährigen Soziologentag in Trier dem ausschließlichen Lamento über Genderismus oder besser: Anti-Genderismus gewidmet ist. Unter dem Titel “Genderismus – Der Umbau der Gesellschaft. Soziologische Annäherungen an einen aktuellen Krisendiskurs” gibt es ein Kaffeekränzchen, an dem ausschließlich weibliche, ja, was eigentlich, nennen wir sie Personen, die im Dunstkreis von oder an Hochschulen ihr Dasein fristen (wollen), miteinander darüber klagen werden, dass ihnen der Wind ins Gesicht weht. Vorträge wie “Verschiebung vom Anti-Feminismus zum Anti-Genderismus” machen dies mehr als deutlich.

Das freut uns.

Und weil es wichtig ist, dass die Vortragenden und die Zuhörenden über die Argumente und offenen Fragen informiert sind, haben wir ein kleines Dossier zusammengestellt, das die wichtigsten Beiträge von ScienceFiles, die sich mit dem Genderismus befassen, umfasst:

  • Schließlich noch eine Erinnerung an die Teilnehmer am ad-hoc Kaffeekränzchen in Trier: Die Fragen, die im folgenden Beitrag gestellt werden und sich ausnahmslos auf den wissenschaftlichen Wert und die wissenschaftliche Begründung des Genderismus richten, sind nach wie vor und in Gänze unbeantwortet. Und dabei haben wir uns sogar bemüht, die Sprachgepflogenheiten von Genderisten zu berücksichtigen, damit sie die Fragen auch verstehen: Feministsiche “Kackscheisse”

Angesichts dieses Beitrags zur Etablierung des Anti-Genderismus nicht nur als Forschungsgebiet, sondern auch als Bewegung, sind wir stolz darauf, den Begriff populär gemacht zu haben. Vielen Dank auch all den Lesern, die durch ihr unermüdliches Verlinken der Beiträge dazu beigetragen haben, dass sich Genderismus als Begriff und in unserer Definition durchgesetzt hat.

Join the Anti-Genderism-Movement

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Männerkongress: Männer sind gefälligst auch Opfer!

Manchmal, wenn der RSS-Feed am Samstag blinkt, sollte man ihn blinken lassen. Dummerweise haben wir ihn nicht blinken lassen. Deshalb haben wir die druckfrische Pressemeldung des Dritten wissenschaftlichen Männerkongresses zum Thema “Angstbeißer, Trauerkloß, Zappelphilipp – Seelische Gesundheit bei Männern und Jungen” nicht nur gesehen, sondern auch gelesen.

Oh, Graus!

Jetzt ist es amtlich: Nicht nur Frauen sind Opfer. Nein, Männer sind auch Opfer.

Das scheint alles zu sein, was den wissenschaftlichen Vertretern von Männern, die sich zu einem Männerkongress zusammenfinden, zum Thema “Männer” einfällt. Männer haben auch seelische Probleme und vor allem sind Sie depressiv, trauen sich aber nicht, ihre Depressivität einzugestehen. Das ist eines der Ergebnisse eines Männerkongresses, der sich mit “Rollenstereotypen” befasst haben will. Das Ergebnis hat in einer von elf Thesen zum Abschluss des Kongresses seinen Niederschlag gefunden.

Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll.

In jedem Fall muss man feststellen, dass die Beschäftigung mit Rollenstereotypen bestenfalls bei den Teilnehmern vorhandene Stereotype verfestigt hat. Von Beseitigung keine Spur. Wozu auch, schließlich werden Männer gerade als Zielgruppe für Psychotherapie und Psychoanalyse entdeckt, alles angebliche Heilverfahren, die an Handauflegen erinnern und für die es keinerlei wissenschaftliche Fundierung gibt, also keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die eine Wirksamkeit der psychoanalytischen oder psychotherapeutischen Ansätze belegen würden.

psychiatryAber, wie wir der Pressemeldung entnehmen, ist die “männliche Identitätsentwicklung … aus psychoanalytischer, entwicklungspsychologischer und psychohistorischer Sicht strukturell komplex und konflikthaft”. Die Behauptung kommt im Gewand einer Aussage daher, die zirkuläre Geltung beansprucht, denn aus Sicht von psycho-XY ist eine “männliche Identitätsentwicklung” “strukturell komplex und konflikthaft”. Na dann. Aus unserer Sicht ist sie das nicht. Deshalb verdienen wir auch nichts mit unseren Behauptungen, deshalb können wir auch keine Forderungen aufstellen, wie die folgende:

  • “Männer brauchen zur Prävention der Folgen von Arbeitsstress mehr niedrigschwellige Hilfsangebote wie Stresspräventionsgruppen oder die psychosomatische Sprechstunde im Betrieb.”

Das genau hat Männern gefehlt: Die psychosomatische Sprechstunde im Betrieb und das Stresspräventionsprogramm. Letzteres fehlt vor allem dann, wenn Schicht und Akkord gearbeitet wird und eine Zielvereinbarung eingehalten werden muss. Man kann sich den Stressberater am Laufband von VW richtig vorstellen, wie er hektisch und fast schon in Stress verfällt, während er die Monteure davon abhalten will, hektisch zu werden und in Stress zu verfallen.

Damit nicht genug:

  • “Wichtig ist eine Priorisierung von Maßnahmen der Stressprävention bei Beschäftigtengruppen mit überdurchschnittlich hoher psychosozialer Arbeitsbelastung.”

Ab sofort werden Deadlines und Liefertermine verboten, aus Gründen der Stressprävention.

Wie leicht es doch ist, unbelegte Dinge als Fakten darzustellen. Ob es eine psychosoziale Arbeitsbelastung gibt, die zu nennenswerten Beeinträchtigungen für Arbeitnehmer oder Unternehmen führt, wäre erst noch zu zeigen, bevor man versucht, daran zu verdienen. Aber, wenn wir psychosoziale Arbeitsbelastung einmal als eine Belastung definieren, die sich daraus ergibt, dass die eigene Tätigkeit gesellschaftlich nicht gut angesehen ist oder einen niedrigen soziale Status hat, dann freut es uns zu hören, dass Stressberater nun Hilfsarbeiter dabei unterstützen, wie sie Toiletten putzen oder Abfall-Facharbeiter dabei, wie sie den Inhalt aus dem Gelben Sack sortieren.

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Schnelle Depressions-Eingreiftruppe – Mehr Information durch Klick!

Und natürlich kann es auch nicht weiter so sein, dass Frauen Depressionen für sich monopolisieren. Männer haben auch ein Recht auf ihre Depression und müssen entsprechend und zum Wohl all der Depressions-Behandler gleichgestellt werden.

  • “Zwei wesentliche Gründe für die Unterdiagnostizierung von Depression bei Männern sind die Angst vor Stigmatisierung bei den Betroffenen und ein geschlechterbezogener Verzerrungseffekt in der Depressionsdiagnostik zugunsten weiblicher Symptome. Depressivität kann sich bei Männern jedoch auch unter der Tarnkappe von Aggressivität, Suchtmittelmissbrauch, Hyperaktivität oder Risikoverhalten manifestieren.”

Das nennt man Kaffeesatzleserei. Niemand weiß, wie viele Männer tatsächlich depressiv sind. Aber die Männerkongressler wissen, dass zu wenige Männer als depressiv diagnostiziert werden, weil die depressiven Männer zu ängstlich sind, sich als Depressive zu erkennen zu geben oder diagnostizieren zu lassen. Das Bemühen um Gleichstellung wird nun auch von männlicher Seite zu einem Bemühen um rent seeking, um steuerzahlerfinanzierte Einnahmequellen.

Und – um es noch einmal zu sagen – der Männerkongress hat sich mit Rollenstereotypen beschäftigt. Das darf man nicht vergessen, vor allem deshalb nicht, weil die elf Thesen, die die 200 Männerkongressler verabschiedet haben, nicht nur ein Musterbeispiel in rent seeking sind, sondern auch ein Musterbeispiel in Framing. Framing beschreibt die Wahrnehmung der Welt auf Grundlage seiner eigenen Vorstellung der Welt, seiner eigenen Rollenstereotypen, die aber nichts damit zu tun haben, was anderen denken oder tun. Und so finden sich depressive Männer unter der Tarnkappe von “Aggressivität, Suchtmittelmissbrauch, Hyperaktivität oder Risikoverhalten”. Jungen haben einen “typische[n] Drang zu motorischer Bewegung und Expansivität”, und zwar von Natur aus, was die Frage aufwirft, wie die Generationen vor uns es geschafft haben, Jungen an eine Schulbank zu bringen und dort zu halten.

Aber, Bewegung hat eben “besonders bei Jungen” eine große Bedeutung für die gesundheitliche Entwicklung und frühzeitig angebotene “Elterntrainings wie ‘wir2′ können eine präventive Wirkung entfalten” (für was auch immer). Am besten ist jedoch These elf, das highlight des Männerkongresses:

“Gerade bei AD(H)S sollte statt ideologischer Vereinfachung die Komplexität des Themas reflektiert werden. Beschleunigte Jungen (z.B. mit AD(H)S) und verlangsamte Mütter (z.B. mit Depressionen oder schweren Traumatisierungen) verweisen auf einen transgenerativen Zusammenhang.”

Nicht nur Feministen, nein, auch Männerkongressler können verbal onanieren, was natürlich der Komplexität des Themas geschuldet ist, dem die Jungen davonrennen, während die Mütter nicht aus den Startklötzen kommen, weil sie depressiv sind. Deshalb stören die davonrennenden Jungen den transgenerativen Zusammenhang und die Mütter sind noch depressiver als zuvor – oder so.

Hinder

Unsere Selbsthilfegruppe gegen Depression. Mehr Infos durch Klick!

Wer bislang geglaubt hat, nur Feministen hätten es auf den Geldbeutel von Steuerzahlern abgesehen, der muss sich durch den Dritten Männerkongress eines Besseren belehren lassen: Männer treten zum Sturm auf die feministische Opferbastion an. Nicht nur durch die Forderung nach einem “gendersensiblen Umgang mit dem Thema partnerschaftliche Gewalt”, sondern vor allem durch die Psychologisierung von Männern, deren Zwangseinweisung in die Welt des Traumas und der Depression, deren Verhorizontalisierung auf der Couch der Psychoanalytiker und Psychotherapeuten, die mit gewichtigem Gesicht aus der sprichwörtlichen Mücke, den psychotischen Alptraum konstruieren.

Es lebe der neue Mann, der gemeinsam mit seiner Partnerin heult, während die Probleme ungelöst bleiben und die Zeit ohne Rücksicht auf die Heulenden verstreicht.

Übrigens haben Jungen und Männer tatsächlich Probleme:

Jungen finden sich häufiger als Mädchen auf Sonderschulen, werden häufiger mit sozial-emotionalen Störungen, die man jedem andichten kann, der nicht passt, auf eben dieselben abgeschoben oder erst gar nicht eingeschult.

Jungen machen seltener ein Abitur, bleiben dagegen häufiger ohne Schulabschluss als Mädchen.

Männer arbeiten härter als Frauen und sterben deshalb im Durchschnitt früher.

Männer tragen die Hauptlast der gesetzlichen Rentenversicherung und entnehmen der Rentenversicherung dennoch deutlich weniger als Frauen.

Männer sind häufiger arbeitslos als Frauen.

Männer begehen häufiger Selbstmord als Frauen.

Und und und …, aber der Männerkongress hat nichts Besseres zu tun, als Männer zu Couch-Gemüse beim Psycho-Analytischen-Therapeuten zu reduzieren.

Weit haben wir es gebracht!

Wir streiten übrigens nicht ab, dass Männer auch psychische Probleme haben (können). Aber wir vertrauen auf die Fähigkeit auch von Männern, sich dann, wenn sie entspechende Probleme haben, geeignete Hilfe zu suchen.

 

Und zum Schluss die volle Ladung maskuliner Selbstfindung, especially dedicated to men (like us) from Dr. habil. Heike Diefenbach:

Wikipedia zum Gender Pay Gap: Ahnungslosigkeit trifft Ignoranz

Was fürchten Sozialwissenschaftler? de.Wikipedia. Warum fürchten Sozialwissenschaftler de.Wikipedia? Weil dort zuweilen ein Unsinn steht, der an Halbwissen und an assoziativ imaginierten Kenntnissen kaum zu überbieten ist. Nicht zuletzt deshalb reagieren die meisten Sozialwissenschaftler, die das “Wissenschaftler” und nicht das “Sozial” betonen, sehr gereizt darauf, wenn ihre Studenten de.Wikipedia zitieren, und nicht zuletzt deshalb steht in den meisten Merkblättern unterschiedlichster Hochschulen zur Art und Weise, in der eine studentische Seminar-, Bachelor- oder Magisterarbeit erstellt werden soll, in Variation immer derselbe Satz: Wikipedia ist keine wissenschaftliche Quelle!

WischopediaUnd wer für die Berechtigung der Warnung vor Wikipedia eine Begründung braucht, ein Anschauungsbeispiel, der sollte sich ansehen, was die deutsche Ausgabe der Online-Enzyklopädie, die mit einer richtigen Enzyklopädie vor allem im Bereich der Sozialwissenschaften so viel zu tun hat, wie ein Kaufladen für Kinder mit der Auslage von Edeka, zum Thema Gender Pay Gap zu sagen weiß.

Das Gender Pay Gap oder besser: das Gender Wage Gap, dazu gleich mehr, ist bekanntlich der prozentuale Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostudenlohn aller männlichen und aller weiblichen Erwerbstätigen. Anders formuliert: Man wirft alle Bruttostundenlöhne der Männer in einen Topf, und zwar ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Art und Weise, in der der jeweilige Bruttostundenlohn zu Stande kommt, tut dasselbe für die Bruttostundenlöhne der Frauen und dividiert die sich jeweils ergebende Summe durch die jeweilige Anzahl der Erwerbstätigen. Die resultierenden Werte kann man dann voneinander abziehen, um die nominale Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen zu erhalten, und man kann die Differenz auf den durschnittlichen Bruttostundenlohn der Männer prozentuieren, um den bekannten Prozentwert, der durch die Medien als unbereinigtes Gender Pay Gap geistert, zu erhalten.

Die Ausagekraft des unbereinigten Gender Pay Gaps ist gleich null, denn man vergleicht Äpfel mit Birnen, Vollzeiterwerbstätige mit Halbtagserwerbstätigen, Hochgebildete mit Niedriggebildeten und so weiter. Wer entsprechend das unbereinigte Gender Pay Gap, also die öminösen 22% für Deutschland, zitiert, der hat sich schon als Dilettant, der keine Ahnung hat, disqualifiziert. Um überhaupt etwas über ein Gender Wage Gap aussagen zu können, muss man seine Theoriengeschichte kennen und berücksichtigen, und hier beginnt die Geschichte der Ahnungslosigkeit und der Ignoranz, die sich zu einem Unsinnsartikel zum Gender Pay Gap bei Wikipedia verschworen haben.

rubbish“Die in der Analyse des Gender Wage Gap vorrangig zur Anwendung kommenden Verfahren sind die Regressionsanalyse und die Oaxaca-Blinder Zerlegung.

Bei der multiplen linearen Regressionsanalyse wird die geschlechtliche Zugehörigkeit als eine Variable unter vielen in die Analyse einbezogen und so der Beitrag einzelner Faktorengruppen zur Erklärung der Lohndifferenz untersucht.

Bei der (nach Ronald Oaxaca und Alan Blinder benannten) Oaxaca-Blinder Komponenten-Zerlegung werden empirische Untersuchungen zur Frage, welcher Anteil des Gender Wage Gap auf Diskriminierung zurückzuführen ist, vorrangig mit Hilfe dieses Verfahrens durchgeführt. Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass sich der Entgeltunterschied additiv aus zwei Komponenten zusammensetze, von denen eine ausschließlich auf Unterschieden in bestimmten „erklärenden“ Variablen wie etwa Qualifikation und Branche (dem sogenannten Ausstattungseffekt) beruhe, die zweite hingegen ausschließlich auf einer unterschiedlichen Behandlung von Beschäftigtengruppen mit ansonsten gleichen Eigenschaften (den sogenannten Gruppeneffekt).”

Um sich zum Gender Wage Gap sinnvoll äußern zu können, muss man zunächst einmal wissen, was das Gender Wage Gap eigentlich ist. Wir haben hier die Bezeichnung Gender Wage Gap benutzt, weil es eine gute Möglichkeit darstellt, die Scharlatane unter den Gapern von den Ernsthaften zu unterscheiden. Und wenn wir bei den Ernsthaften, den Wage-Gapern, bleiben, dann müssen wir feststellen, dass zunächst ein paar theoretische Annahmen notwendig sind, um überhaupt zum Gender Wage Gap zu kommen und die theoretischen Annahmen entstammen der Humankapitaltheorie von Gary S. Becker. Das ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Feministen und andere Sozialisten, die nicht müde werden, das in ihrem Fall: Gender Pay Gap zu beschwören, auf der Humankapitaltheorie aufsetzen, denn ohne Beckers Arbeiten hätten sie nie von einem Gap erfahren, was man im Nachhinein als unglückliche Fügung der Geschichte ansehen muss.

Wie dem auch sei, Becker ist Neoklassischer Ökonom, d.h. er geht davon aus, dass man Fakten zu Darstellungszwecken vollständig im ökonomischen Modell erklären kann. Nehmen wir den Fakt der Höhe des Lohnes von Person X, dann kann dieses Gehalt nach Ansicht von Becker vollständig durch das Humankapital und die Produktivität von X erklärt werden. Person X investiert in Humankapital und kann seiner Investition entsprechend Humankapital an einen Arbeitgeber verkaufen, der wiederum das Humankapital in Produktivität umrechnet und entsprechend entlohnt, wobei mehr Humankapital mit mehr Produktivität und entsprechend höhererm Lohn einhergeht.

Diese Idee hat Jakob Mincer (1974) zu seiner berühmten Mincergleichung inspiriert, in der versucht wird, Humankapital, das man nicht direkt messen kann, in messbare Bestandteile zu zerlegen. Wenn man davon ausgeht, dass zwischen Humankapital und Gehalt eine je desto Beziehung besteht, je höher das Humankapital, desto höher das Gehalt, dann legt diese Annahme eine lineare Beziehung zwischen Humankapital und Gehalt nahe, und die einfachste Form eine solche Beziehung darzustellen, ist die Regressionsgleichung:

Gender Wage Gap

Im Fall der Mincergleichung wird das (logarithmierte – logarithmiert, um Ausreißerwerte einzuebnen) Gehalt als Funktion formaler Bildung (x1) und Arbeitserfahrung (x2) angenommen. Die Betas (ß) geben an, wie stark sich formale Bildung oder Arbeitserfahrung auf den Lohn auswirkt und z gibt an, wie groß der Anteil des Gehalts ist, der nicht über Arbeitserfahrung und formale Bildung erklärt werden kann. Entsprechend kann man auf Grundlage der Mincer-Gleichung erwarten, dass ein älterer Arbeitnehmer für eine vergleichbare Tätigkeit besser entlohnt wird, als ein jüngerer Arbeitnehmer, eben weil er über mehr Arbeitserfahrung verfügt und für ihn die Wahrscheinlichkeit, dass er Fehler macht, geringer ist als für einen jüngeren Arbeitnehmer. Dieses Alters-Gap hat bislang keinen medialen Aufruhr verursacht, im Gegensatz zum Gender-Gap, denn hier sind andere Interessen im Spiel.

Man kann die Mincergleichung nach Geschlecht zerlegen (siehe Abbildung), wobei das S hier angibt, dass mehrere persönliche Charakteristika (also Arbeitserfahrung und formale Bildung) in die Berechnung eingegangen sind. Diese Gleichung ist die Grundlage der Dekomposition, die Oaxaca vorgeschlagen hat. Oaxacas Vorschlag zerlegt die Regressionsgleichung in einen erklärten Teil, der sich in der Abbildung außerhalb der eckigen Klammern findet und einen unerklärten Teil (innerhalb der eckigen Klammern). Wer sich ein wenig mit den Gleichungen befasst, sieht, dass der ganze Zauber der Dekomposition darin besteht, für alle Charakteristika die Effektstärken (ß) für die Berechnung der Gehälter von Männern von denen der Berechnung von Frauen zu subtrahieren. Zudem subtrahiert Oaxaca die Konstanten (a) voneinander, was interessant ist, da “a” den y-Achsenabschnitt angibt, an dem die Regressionsgerade die y-Achse schneidet. Den y-Achsenabschnitt kann man als eigenschaftsfreies Anfangsgehalt interpretieren, was zu dem Schluss führt, dass Oaxaca implizit anzunehmen scheint, dass ein unterschiedliches Anfangsgehalt bei Kontrolle der Charakteristika auf Diskriminierung zurückzuführen ist.

Wie man den Ausführungen entnehmen kann, basiert das Gender Wage Gap in seiner dekompostierten zerlegten Form auf einer linearen Regression und somit auf den idealen Annahmen, die bereits Becker in seinem Modell hat, d.h. dass es möglich ist, das Gehalt, das ein Mensch für seine Arbeit erhält, vollständig als Funktion seines Humankapitals, also seiner Bildung und seiner Arbeitserfahrung in Mincers Operationalisierung zu erklären. Die ideale Modellwelt und vor allem die Fähigkeit, sie empirisch zu finden, hängt nun davon ab, nach Möglichkeit alle relevanten Charakteristika zu erfassen, die Humankapital, d.h. Arbeitserfahrung und Bildung abbilden und Gehalt erklären. Und hier trennen sich die Pfade der Wisseschaftler:

linear regressionOaxaca (1973) nimmt an, dass Humankapital durch die folgenden Variablen abgebildet wird: Bildungsstand, Arbeitserfahrung, Beruf, Wirtschaftszweig, Gesundheitsprobleme, Teilzeitarbeit, Familienstand, Region, städtisches Wohngebiet. Blinder (1973), der unabhängig von Oaxaca zu einer ähnlichen Methode der Dekomposition gekommen ist, denkt, dass die folgenden Variablen zur Operationalisierung von Humankapital taugen: Alter, Region, Bildungsstand, Ausbildungsstand, Beruf, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Gesundheit, lokaler Arbeitsmarkt, Mobilität, Verbleib auf dem derzeitigen Arbeitsplatz (Blinder, 1973). Die erheblichen Unterschiede in den Variablen, die man in die Analyse steckt, haben entsprechende Unterschiede in den Ergebnissen zur Folge.

Das ist misslich, denn die Validität der Idee von Oaxaca und von Blinder, die Unterschiede der linearen Erklärung des Gehalts von Frauen bzw. von Männern als Diskriminierung zu interpretieren, hängt natürlich massiv davon ab, wie vollständig die Variablen erfasst sind, die Humankapital und damit Produktivität und über Produktivität Gehalt erklären. Deshalb sind sich Ökonomen, die ernsthaft mit der Erklärung von Gehaltsunterschieden befasst sind, der Relativität der Erklärung bewusst und zudem zurückhaltend, ihr Ergebnis als Diskriminierung zu interpretieren. Dass die Höhe des Gender Wage Gaps von den Variablen, die im Modell berücksichtigt wurden, abhängig ist, hat Oaxaca selbst thematisiert:

„It is clear that the magnitude of the estimated effects of discrimination crucially depends upon the choice of control variables for the wage regression. A researcher’s choice of control variables implicitly reveals his … attitudes towards what constitutes discrimination in the labour market”(Oaxaca, 1973: 699).

Das ist eine sehr nette Umschreibung dafür, dass die von Oaxaca erdachte Methode für ideologischen Missbrauch sehr anfällig ist, denn die “attitude towards discrimination” kann den einen vermeintlichen Forscher davon abhalten, eine Variable zu berücksichtigen, die ein anderer Forscher berücksichtigt hat. Wie dem auch sei: Die Werte, die am Ende der Dekomposition stehen, können nicht als nominale Werte interpretiert werden und schon gar nicht eignen sie sich, um Mythen über das Ausmaß des Gender Wage Gaps zu spinnen – es sei denn, man will die Gender Wage Forschung als Gender Pay Mythos für seine Zwecke missbrauchen.

Das bringt uns zurück zum Beitrag auf Wikipedia.

Wie die oben zitierte Passage aus Wikipedia vor dem Hintergrund der zugegebener Maßen ausführlichen Darstellung zeigt, sind die Autoren des Wikipedia Artikels weitgehend mit Ignoranz und Ahnungslosigkeit geschlagen.

Sie sind der Meinung, die Oaxaca Komponenten Zerlegung müsse von einer multiplen Regression unterschieden werden, obwohl die Methode von Oaxaca gerade auf den Ergebnissen einer multiplen Regression aufbaut.

Sowohl die Methode von Blinder als auch die Methode von Oaxaca beruhen, wie das Zitat von Oaxaca deutlich macht, nicht auf der simplen Zerlegung in erklärten Gehaltsunterschied und Diskriminierung, sondern auf einer Vielzahl von Annahmen, von denen die Annahme, es sei möglich, die Variablen, die einen Einfluss auf Humankapital und Produktivität haben, im Modell alle zu berücksichtigen, mitnichten die einfachste ist.

Darüber hinaus werden nicht Entgeltunterschiede “erklärt”, es wird Entgelt erklärt und in der Dekomposition werden die Effektstärken der jeweiligen Erklärung für Männer und Frauen voneinander substrahiert.

Die Ahnungslosigkeit darüber, was bei der Analyse des Gender Wage Gaps eigentlich geschieht, schlägt sich in einer Vielzahl von Fehlern im Beitrag zum Gender Pay Gap nieder, von denen hier nur einige angsprochen werden sollen:

  • nonsense2de.Wikipedia: “Die Arbeitsmarktsegregation, d.h. Frauen und Männer arbeiten tendenziell in verschiedenen Wirtschaftssektoren oder Branchen, und die Unterbewertung der Arbeit von Frauen werden von der Europäischen Kommission als wichtige Gründe für den Gender Pay Gap angegeben. Untersuchungen zeigen, dass Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, im Durchschnitt schlechter bezahlt sind als von Männern dominierte Berufe.”
  • Tatsächlich: Die Berechnung des Gender Wage Gaps basiert auf dem theoretischen Gerüst der Humankapitaltheorie. Was hier auf Wikipedia wie eine Diskriminierung durch Strukturen, das Patriarchat oder einen sonstigen Bösewicht daherkommt, ist in der Humankapitaltheorie das Ergebnis individueller Entscheidungen: Weil die meisten Frauen damit rechnen, ihre berufliche Karriere an irgend einem Punkt zu unterbrechen, um der Pflege des Nachwuchses willen, investieren sie nicht im gleichen Ausmaß in ihre Karriere wie Männer. Sie wählen Berufe, für die allgemeines Humankapital, das leicht transferierbar ist, ausreicht und meiden Berufe, in denen spezielles Humankapital, das mit Arbeitserfahrung und Commitment erreicht wird, benötigt wird. Spezielles Humankapital ist für Unternehmen wertvoller als allgemeines Humankapital, da man einen BA für soziale Arbeit leicht mit einem anderen BA für soziale Arbeit ersetzen kann, es jedoch mit hohen Kosten verbunden ist, den Spezialisten im Unternehmen, der die Programmierung von CNC-Geräten beherrscht, zu ersetzen. Entsprechend wird spezielles Humankapital besser bezahlt als allgemeines Humankapital. Das ist nicht verwerflich und schon gar keine Diskriminierung, ergibt sich vielmehr daraus, dass spezifisches Humankapital einfach wertvoller ist. Spezifisches Humankapital findet sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Investitionsentscheidungen öfter bei Männern als bei Frauen.
  • de.Wikipedia: “Die unterschiedliche Bildungs- und Berufswahl von Frauen und Männern wird durch geschlechtsspezifische Stereotypen beeinflusst.”
  • In Deutsch: Frauen treffen Lebensentscheidungen, die manchen Autoren bei de.Wikipedia nicht passen. Mit Diskriminierung hat das überhaupt nichts zu tun, und die Stereotypisierung, so sie vorhanden ist, mag man beklagen, aber man wird akzeptieren müssen, dass manche Frauen, wie Catherine Hakim (2000) gezeigt hat, rund 20% der weiblichen Bevölkerung, es vorziehen, in Familie und nicht in Karriere zu investieren.
  • de.Wikipedia: “Der Einfluss des privaten Engagements für die Familie auf Leistung einerseits und auf berufliche Karriere und Einkommen andererseits ist Gegenstand zahlreicher Studien. Die Europäische Kommission führt als einen der wichtigsten Gründe für den Gender Wage Gap die ungleiche Verteilung der Aufgaben in der Familie und Pflege, die weitgehend von Frauen getragen werden, an. [...] US-Forscher bezeichnen die durchschnittlichen, mit Kindern verbundenen Einkommensverluste als „Mutterschaftsstrafe“ („motherhood penalty“). Diese Einkommenverluste sind auch nach der statistischen Kontrolle anderer relevanter Faktoren wie z. B. Bildung, Erfahrung, Voll- oder Teilzeitarbeit und Ethnizität vorhanden”
  • Wenn die Europäische Kommission auf den Einfluss “des privaten Engagements” für Kinder hinweist und US Forscher auf einen Einkommensverlust von Müttern, wenn sie denn wieder arbeiten, hinweisen, dann muss festgestellt werden, dass niemand gezwungen wird, Kinder in die Welt zu setzen. Wenn eine Entscheidung zur Mutterschaft getroffen wird, dann geht damit ein Verlust von Humankapital einher (U.a. Wikipedia gebührt das Verdienst darauf hingewiesen zu haben und Frauen darin zu ermutigen, nicht in spezielles Humankapital zu investieren), denn die Zeit außerhalb des Arbeitsmarktes ist eine Zeit, in der man sein Humankapital nicht erhöhen kann, insbesondere nicht das spezifische Humankapital, das Gehaltsvorteile verschafft und in das Mütter ohnehin nicht investieren. D.h. die arbeistlose Zeit, in der sich Mütter um den Nachwuchs kümmern, ist eine Zeit, in der sie relativ zurückfallen, denn ihr ohnehin nur allgemeines Humankapital verliert weiter an Wert, da Männer, die in der Zeit, in der Frauen Mutter sind, arbeiten, ihren Abstand zu den Müttern mit Blick auf das Gehalt vergrößern. Auch das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern damit, dass man nicht alles gleichzeitig machen kann und entsprechend zu den Entscheidungen und den Konsequenzen, die damit einhergehen, stehen muss.

Nonsense on stiltsDer Beitrag zum Gender Pay Gap auf de.Wikipedia zeichnet sich also durch ein munteres Durcheinander aus, das mit einer Darstellung der Diskussion zum Gender Pay Gap nichts zu tun hat und nicht einmal dann, wenn man verquere Ansätze wie den Devaluations-Ansatz oder die feministische Geschlechtsrollentheorie berücksichtigt, die von nicht-Ökonomen ersonnen wurden, um eine ökonomische Variable zu erklären, dem Stand der Forschung enstprechen. Der Beitrag vermittelt vielmehr den Eindruck von nicht-Können, von Ahnungslosigkeit gepaart mit Ignoranz, ein Eindruck, der durch das zwanghafte zitierten von OECD, Europäischer Kommission und sonstiger offizieller Quellen, von denen man nicht gerade objektive und schon gar keine korrekten Darstellungen zu ideologischen Themen erwarten kann, noch verstärkt wird.

Das Bild des ideologischen Durcheinanders, das nicht nur der ökonomischen, sondern auch der soziologischen Forschung zum Thema Gender Wage Gap Gewalt antut, wird dadurch abgerundet, dass sich unter den Bearbeitern bezahlte Aktivisten wie Fiona B. (aka Fiona Baine, aka Fiona) finden, die ihre nicht vorhandenen Kenntnisse von Fakten (wir wissen ja seit einer in Mannheim preisgekrönten Publikation, dass Frauen genetisch an der Kenntnis von Fakten ge-, be- oder verhindert sind) durch ideologische Agitation auszugleichen versuchen. Was dabei herauskommt, ist ein Unsinn, der den Schluss nahe legt, dass das Projekt Wikipedia zumindest in Deutschland gescheitert ist.

Schließlich geht es um Aggregate, wenn von Männern und Frauen die Rede ist. Aggregate haben in der Regel die Angewohnheit sich innerhalb der Gruppen, die verglichen werden, stärker zu unterscheiden als zwischen den Gruppen. Mit anderen Worten: Der Gehalts-Gap zwischen einer Mausschubserin, die tagelang verzweifelt versucht, von einer Maske in die nächste zu kommen und der Putzfrau, die in der Zwischenzeit das Büro der Mausschubserin erkennbar reinigt, ist vermutilch höher als das Gap zwischen Männern und Frauen, nur thematisiert es niemand, weil Putzfrauen nicht einmal unter Staatsfeministen eine Lobby haben, die kennen nämlich nur sich und ihre eigenen Vorteile.

Literatur

Becker, Gary S. (1996). The Economics of Life. From Baseball to Affirmative Action, to Immigration. How Real-World Issues Affect our Everyday Life. New York: McGraw-Hill.

Becker, Gary S. (1976). The Economic Approach to Human Behavior. Chicago: University of Chicago Press.

Blinder, Alan S. (1973). Wage Discrimination: Reduced Form and Structural Estimates. Journal of Human Resources 8(4): 436-455.

Hakim, Catherine (2000). Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Oxford: Oxford University Press.

Mincer, Jacob (1974). Schooling, Experiences and Earnings. Cambridge: National Bureau of Economic Research.

Oaxaca, Ronald L. (1973). Male-female Wage Differentials in Urban Labour Markets. International Economic Review 14(3): 693-709.

Frauen sind nicht weniger politisch interessiert, nur anders …

Das Rektorat “Kommunikation und Fundraising” der Universität Mannheim hat eine Presseinformation veröffentlicht, eine Presseinformation über eine preisgekrönte Publikation. Das kling sehr gut. Preisgekrönt wurde eine Publikation, an der Sebastian Adrian Popa, vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung beteiligt war, das klingt auch noch gut. Die ausgezeichnete Publikation trägt den Titel “Theorizing Sex Differences in Political Knowledge: Insights from a Twin Study”, das klingt schon weniger gut. Und verliehen hat den Preis die “Senatskommission Gleichstellung der Univeristät Mannheim”, das klingt eher nach einem Geschenk der Danaer als nach Preis (timeo danaos et dona ferentes).

Universitaet MannheimAber wir wollen vorurteilsfrei und außerdem ohne (Geschlechts-)Stereotype an die Sache herangehen, auch wenn dies angesichts dessen, was Eva Martha Eckkrammer, Prorektorin für Infrastruktur, Chancengleichheit und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Mannheim von sich gibt, schwierig ist:

„Noch immer bestehen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und anderen sozialen Gruppen. Eine wissenschaftliche Erforschung dieser Ungleichheiten schafft die Grundlage für deren langfristigen Ausgleich.“

Frauen, die Zeit, in der ihr ein Monopol auf Frauenparkplätze hattet, ist vorbei. Und Männer: Euer Monopol auf Prostata-Krebs wackelt: Maria Martha Eckkrammer will Euch ausgeglichen sehen.

Aber wir wollten ganz unbelastet von unseren vergangenen Erfahrungen mit Frauengleichstellern an die Sache herangehen. Nun denn:

Frauen, das zeigen mittlerweile eine Vielzahl von Untersuchungen, deren Autoren der Ansicht waren, es sei relevant, haben geringere politische Kenntnisse als Männer. Sie wissen seltener, (1) wer die letzte Instanz ist, um darüber zu entscheiden, ob ein Gesetz verfasungskonform ist oder nicht, können seltener angeben, wer (2) das Recht hat, die Richter des Bundesverfassungsgerichts zu nominieren, wissen seltener, (3) welche Partei konservativer ist, SPD oder CDU oder welche (4) Hauptaufgaben der Deutsche Bundestag zu erfüllen hat als Männer. Fragen wie die vier genannten, werden regelmäßig genutzt, um politische Kenntnisse abzufragen. Entsprechende Fragen bilden auch den Ausgangspunkt der preisgekrönten Publikation, an der Popa beteiligt war.

Die drei Autoren (inklusive Popa) untersuchen anhand von Zwillingsstudien, wo die Gründe dafür zu suchen sind, dass Frauen auf so wichtigen Gebieten, wie politischen Kenntnissen, hinter Männern zurückbleiben, dass auf dem Feld der politischen Kenntnisse also eine dieser unsäglichen Ungleichheiten, die gleichgestellt werden müssen, besteht. Und sie suchen die Gründe in den Genen. Warum auch nicht:

Now what“Aus der Grundannahme gleicher Umweltfaktoren für beide Geschlechter schlossen die Wissenschaftler, dass über das soziale Geschlecht hinausgehende Faktoren ausschlaggebend sind. Denn: „Frauen wissen nicht weniger, sie wissen anderes als Männer“, erklärt Sebastian Popa. Die Wissenschaftler argumentieren, dass die Tests zur Messung des politischen Wissens zu stark auf Fakten abzielen. „Bislang fragen solche Tests vor allem wettbewerbs-, macht- und hierarchieorientierte Wissensbestände ab“, so Popa. Wer hat welches Ministeramt inne? Und wie viele gibt es überhaupt? Darauf hätten Frauen weniger oft eine Antwort als Männer. Als Konsequenz fordern die Autoren eine Anpassung der Tests zur Erhebung politischen Wissens. So sollten die Fragenkataloge um die für Frauen relevanten Aspekte von Politik erweitert werden. Diese Aspekte seien, so Popa, mehr zusammenhangs- und beziehungsorientierte Themen wie Lokalpolitik sowie familienbezogene Politik und Leistungen. Popa zeigt sich zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass so nachgewiesen werden kann, dass Frauen und Männer in gleicher Weise politisch interessiert sind.“

Da! Das ist des Rätsels Lösung, auch für alle Probleme im Bereich der Mathematik. Mathematik ist faktenorientiert, fragt nach dem Ergebnis von 17/4 oder so krummen Dingen wie der Lösung für a = 2bx + c. Deshalb bleiben Frauen hinter Männern zurück. Entsprechend ändern wir einfach den Gegenstand in Mathematik, machen mehr die für “Frauen relevanten Aspekte von Mathematik” zum Gegenstand, also z.B. familienbezogene Aspekte von Mathematik, etwa: Pro Kind gibt es 500 Euro Kindergeld im Monat. Wie lange dauert es und wie viele Kinder muss Eva Martha Eckkrammer in die Welt setzen, ehe der Gehaltsunterschied zwischen ihr und ihrem Mann, der 2.200 Euro im Monat mit Arbeit verdient, ausgeglichen oder gleichgestellt ist (MitgliederInnen der ScienceFiles-Redaktion haben zudem den Vorschlag gemacht, mathematische Skalen zur Beantwortung der Frage: “Wie geil ist mein Mathematiklehrer?” als frauenspezifische Frage zum Gegenstand zu machen. Der entsprechende Vorschlag muss jedoch noch auf seine Gleichstellungsrelevanz und gentechnische Eignung abgeklopft werden.)

Aber, wir wollten ja offen und gleichstellungsfreundlich sein.

Deshalb haben wir uns die ausgezeichnete Publikation, die von Rebecca J. Hannagan, Northern Illinois University, Levente Littvay, Central European University und Sebastian Adrian Popa, Central European University and University of Mannheim erstellt wurde, genauer betrachtet. Die Publikation basiert auf 1.349 Zwillingspaaren, die aus dem Minnesota Twin Pair Register gezogen wurden. Den Zwillingspaaren wurden fünf Fragen, mit denen ihre politischen Kenntnisse getestet wurden, vorgelegt. Die Fragen entsprechen weitgehend den Fragen, die wir oben zusammengestellt haben, übertragen auf die USA, so dass Gegenstand z.B. nicht das Bundesverfassungsgericht, sondern der Supreme Court ist bzw. nicht der Bundestag, sondern der U.S. Congress. Zwischen 6,5% und 13,2% der männlichen Befragten geben auf die fünf Fragen falsche Antworten, zwischen 12,7% und 29,5% der weiblichen Befragten liegen mit ihren Antworten falsch.

Diese Unterschiede bilden die abhängige Variable “politische Kenntnisse”, die in eine ACE Analyse geworfen wird. Eine ACE Analyse macht nichts anderes als die Varianz über die abhängige Variable in drei Teile, die zur Verwirrung der Betrachter als latente Variablen bezeichnet werden, zu zerlegen und diese drei nunmehr als latente Variablen benannten Teile als Common (A), Environmental (C) und Unique (E) Environmental Effekt zu bennen. Das ganze Rechenwerk basiert zudem auf Annahmen über Unterschiede zwischen normalen Zwillingespaaren und z.B. eineiigen Zwillingen, die die Autoren, so kann man ihrem Beitrag entnehmen, auch nicht genau kennen, weshalb sie den Leser auf andere verweisen, die es vermutlich auch nicht besser wissen. Jedenfalls steht am Ende der ACE-Analyse ein Ergebnis, das Zahlen ausweist, die man nunmehr heftig interpretieren kann, immer mit dem Wissen, dass das, was interpretiert wird, die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Befragten und im Hinblick auf die fünf Fragen zu politischen Kenntnissen sind.

Structural_ACE_modelUnd siehe da, dabei zeigt sich, dass “the environment is not the sole source driving the differences (also die rund 16% mehr falschen Antworten der weiblichen Befragten), but rather that the differences stem from variation driven by heritable factors (das E der ACE Analyse). Kurz: Wenn Frauen weniger richtige Antworten auf Fragen z.B. danach geben, wie der deutsche Bundespräsident gewählt wird, dann liegt das daran, dass sie anders genetisch veranlagt sind und mit solchen Fragen nach Fakten nichts anfangen können, nicht etwa daran, dass sie weniger Interesse für Politik insgesamt haben. Das darf nämlich nicht sein. Frauen haben auch im Hinblick auf “politisches Interesse” und “politische Kenntnisse” Männern gleichgestellt zu sein, und wenn wir dafür einen Stuss (eine andere Qualifikation für dieses Forschungsergebnis fällt uns leider nicht ein) berechnen und argumentieren müssen, der sich gewaschen hat, wichtig ist, wie Popa sagt, dass “nachgewiesen werden kann, dass Frauen und Männer in gleicher Weise politisch interessiert sind” (Und was man vorne herein tut, kommt natürlich hinten heraus, man muss es nur entsprechend interpretieren).

Warum sollte man das übrigens nachweisen wollen? Welcher Klon ist eigentlich der Phänotyp, der – von der Mannheimer Senatskommission “Gleichstellung” preisgekrönten – angeblichen Wissenschaftlern wie Popa vorschwebt? Wie auch immer man die Fragen beantwortet, eines ist sicher: Nie haben vermeintliche Forscher heftiger daran gearbeitet, Männer und Frauen voneinander zu entfremden, wie heute und nie war Forschung, preisgekrönte Forschung, dümmer (wenn auch politisch korrekter) als heute.

Nachtrag:
Wir haben oben behauptet, dass die drei Zwillingsforscher keine Ahnung haben, was bei einer ACE Analyse passiert. Hier ist der Beleg:

To decompose the variance in political knowledge we use a structural equation ACE model. Due to space restrictions, we offer only a brief summary of the model. For a more extensive discussion please see Medland and Hatemi (2009).

Derartige Floskeln schreibt man, wenn man wirklich keine Ahnung hat.

Hannagan, Rebecca J., Littvay, Levente & Popa, Sebastian Adrian (2014). Theorizing Sex Differences in Political Knowledge: Insights Form a Twin Study. Politics & Gender 10(1): 89-114.