Frauenfeindlichkeit

Es gibt Zeitgenossen, für die ist das schlimmste Wort, das sich derzeit in ihrem Wortschatz befindet und das sie immer dann ausgraben, wenn sie jemanden diskreditieren wollen: Frauenfeindlichkeit. Andreas Kemper ist ein solcher Zeitgenosse. Kemper, der einsame Kämpe oder Kämpfer für den Klassismus und den Feminismus. Klassismus ist eine eher abseitige sozialwissenschaftliche Sichtweise, die wie der obligatorische Wikipedia-Eintrag schreibt, eine “systematische Diskriminierung bzw. Unterdrückung einer Gruppe durch eine andere” bezeichnet. Kemper hat dazu nicht nur weitgehend den Wikipedia Eintrag, sondern auch eine Einführung verfasst. Feminismus ist für Kemper, das darf ich an dieser Stelle einmal als Sozialforscher, der ich nun einmal bin und aufgrund meiner eigenen Beobachtungen quasi als Ergebnis der Anwendung der Grounded Theory (Glaser & Strauss, 2006) feststellen, ein Instrument der eigenen Läuterung und der Ausgrenzung. Entsprechend hat es sich Kemper zum Lebensinhalt gemacht, Männerrechtler zu beobachten, als “rechts” zu identifzieren und ansonsten deren vermeintlichen “Hass auf Frauen” zu beklagen.

Andreas_KemperDazu bedient er sich der üblichen Muster, derer sich Männer, die den Feminismus für sich entdeckt haben, immer bedienen: Anbiederung auf der einen Seite und Degradierung auf der anderen Seite. Anbiederung besteht darin, sich dem Feminismus bedingungslos hinzugeben, eine quasi masochistische Variante der intellektuellen Unterwerfung durchzuführen, deren Ergebnis darin besteht, dass alles, was von Vertretern des Feminismus geäußert wird, begeistert und zustimmend und in jedem Fall ohne Kritik aufgenommen wird. Diese Anbiederung an den Feminismus stößt jedoch an die Grenze des biologischen Geschlechts, die hinter sich zu lassen, bislang nicht einmal Andreas Kemper geschafft hat. Entsprechend muss er sich läutern, ob seines Geschlechts, und wie uns Siegmund Freud und Alfred Adler aus Sicht von Psychiatern und eine Unzahl von Sozialpsychologen im Kontext ihrer Untersuchung von  Gruppenzugehörigkeit (genannt seien hier Short und Strodtbeck, 1965, oder Wolfgang und Feracuti, 1967) gelehrt haben, ist das beste Mittel dazu, sich von einer Gruppe zu differenzieren, zu der man nicht gehören will, die Ausgrenzung der Gruppenmitglieder der verhassten Gruppe. Demgemäß publiziert Andreas Kemper diverse “Werke” (unter anderem beim Unrat-Verlag), deren Ziel darin besteht, eine Assoziation zwischen Männerbewegung und Begriffen herzustellen, die Kemper für schlimm hält: rechts, antifeministisch, frauenfeindlich und so weiter.

Ich habe zwar schon davon gehört, dass es unter Aborigines eine Form der Wortmagie gibt, bei der der Adressat bestimmter Worte am Ende tot umfällt, aber ich bezweifle, dass Kemper entsprechende Fähigkeiten hat, da man die entsprechenden Fähigkeiten durch Übung und Arbeit erzielen muss. Somit kann ausgeschlossen werden, dass Kemper ein anderes als die oben beschrieben Ziele der Anbiederung und der Selbstentäußerung verfolgt.

Bislang hat mich die öffentliche Art und Weise, in der sich Kemper als guter Mensch inszenieren will, nicht interessiert. Doch nunmehr hat der Herr Student einen Rubikon überschritten, der mich dazu veranlasst, ihn in seine Grenzen zu verweisen und ihm ein paar Dinge deutlich zu machen, die er offensichtlich nicht weiß. Kemper schreibt, wie ich gerade erfahren habe, folgendes in seinem blog:

Aktuell überlegen die AktivistInnen von wgvdl.com, wie sie den Antifeministen Thomas L. unterstützen können. Thomas L. propagiert, dass Männer hierarchisch über den Frauen stehen und stachelt zum Hass gegen Frauen auf. Er wurde wegen Verstoß gegen das Landesmediengesetz zu einer Geldbuße von 1000 Euro verurteilt. Zu diesen Unterstützern im wgvdl.com-Forum zählt ein Michael, der auf eine antifeministische und sich wissenschaftlich gebende Seite von Michael Klein verlinkt, wo ein Kommentar zum Urteil mit einem Foto von einem Nazi-Gericht samt Hakenkreuzfahne illustriert ist. Meinungsfreiheit hat Grenzen[,] und zwar dann, wenn zu Hass und Mord aufgerufen oder ein Mordopfer verhöhnt wird”.

JeffersonAndreas Kemper hat also beschlossen, dass Meinungsfreiheit Grenzen hat. Schön für ihn. Ich habe beschlossen, dass Meinungsfreiheit keine Grenzen hat, und im Gegensatz zu Herrn Kemper, der beschließt wie Nero und erwartet, dass man seinem Diktum folgt, habe ich Gründe dafür benannt, warum ich der Ansicht bin, dass die Meinungsfreiheit das höchste Gut ist und deshalb von niemandem eingeschränkt werden darf, nicht einmal von Herrn Kemper. Meine Argumentation ist Herrn Kemper offensichtlich entgangen oder er kann damit nichts anfangen oder aber, er hat sie nicht verstanden.

Deshalb will ich ein wenig Nachhilfe geben: In der Wissenschaft, also in dem Bereich, zu dem auch die Universitäten gehören, an denen Sie, Herr Kemper, sich so gerne herumdrücken, muss man seine Aussagen begründen. Eine Begründung besteht regelmäßig aus einem allgemeinen Satz, aus dem das zu Begründende dann durch die Berücksichtigung von Antecedents-Bedingungen abgeleitet werden kann.

Meine Begründung dafür, dass Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt werden darf, besteht darin, dass die Gründe für die Einschränkung allesamt subjektiv sind und von der Mehrheit festgelegt werden müssen. Über kurz oder lang endet deshalb jede Einschränkung von Meinungsfreiheit bei einer Diktatur der Mehrheit und bei Personen, die nichts besseres zu tun haben, als sich der von ihnen als Mehrheitsmeinung wahrgenommenen Meinung anzubiedern und einen Pogrom gegen andere zu fordern, die man dann wahlweise als frauenfeindlich oder rechts bezeichnen kann. Eigentlich ist das nicht schwer zu verstehen, oder?

Aus diesem Grund habe ich auch einen Beitrag geschrieben, in dem ich Thomas Lentze verteidigt habe, nicht seine inhaltlichen Aussagen, wie jeder, der mein Argument verstanden hat, weiß, sondern sein Recht auf freie Meinungsäußerung, also genau das Recht, das Andreas K. Herrn Lentze nicht zugestehen will, und zwar deshalb nicht, weil Herr Lentze nach Ansicht von Andreas K. frauenfeindlich ist und zum Hass aufruft. So einfach ist das in der pseudo-faschistischen und obrigkeitshörigen Welt des Andreas K. Ein Gericht verurteilt einen Menschen. Das Urteil wird nicht hinterfragt, und unser Verurteilter wird nunmehr zum Frauenfeind stilisiert. Aus dem Frauenfeind wird dann jemand der zum Hass auffordert und vermutlich gibt es bald den nächsten Schritt, in dem behauptet wird, Äußerungen von Thomas Lentze hätten Hans Jürgen Wurst aus dem vierten Haus in der Einfamilienwohnhaussiedlung in Herne dazu veranlasst, seine Frau zu schlagen. So funktioniert offensichtlich die Phantasie von Herrn K., und so befriedigt er sein eigenes Bedürfnis, sich als guter Mensch darzustellen, auf Kosten von anderen. Lentze wurde übrigens verurteilt, weil er Aussagen auf seiner Web-Seite hat, die zum Hass aufstacheln können. Das zeigt die gesamte Armseligkeit dieser Rechtsprechung, denn die Verurteilung ist nicht davon abhängig, dass als Reaktion auf einen Text von Thomas Lentze jemand etwas getan hat, sondern davon, dass sich ein Richter einbildet, jemand könnte etwas tun.

In dieser Einbildung treffen sich Richter und Andreas Kemper.

Logik fuer DummiesUnd weil ich gerade bei der Nachhilfe bin. Herr Kemper, wenn Sie schreiben, “eine Seite, die sich wissenschaftlich gibt”, dann tun sie dies offensichtlich mit der Absicht, ScienceFiles zu diskreditieren. Nur, um dieses Ziel zu erreichen, müssen Sie sich etwas mehr ins Zeug legen. Dazu reicht es nicht, einen Satz mit noch dazu einem zur Diskreditierung ungeeigneten Inhalt unter das Leservolk zu werfen. Wenn Sie behaupten, dass ScienceFiles sich wissenschaftlich gibt, dann müssen Sie dies ja an irgend etwas festmachen, was Sie auf ScienceFiles gelesen haben. Wenn also auf ScienceFiles etwas steht, was in ihnen die Assoziation von Wissenschaft erweckt, dann muss dieses etwas, selbst nach Ihren fragwürdigen Maßstäben etwas mit Wissenschaft zu tun haben und konkret gegeben sein. ScienceFiles gibt sich entsprechend nicht wissenschaftlich, ScienceFiles ist wissenschaftlich, sonst hätten Sie ihren Satz nicht in der Weise formulieren können, wie Sie ihn formuliert haben. Nein…, nicht gleich widersprechen. Denken Sie darüber nach. Ich weiß, das ist angewendete Logik und Logik ist ja etwas, was geläuterte männliche Feministen wie Sie mit männlichen Attributen versehen. Da jedoch bei Feministen vor allem mit Blick auf das eigene Auskommen die Grundfunktionen der Mathematik doch einigermaßen ausgeprägt sind, habe ich vollstes Vertrauen, dass Sie meinen kleinen Ausflug in die Logik verstehen können, wenn Sie sich nur bemühen.

P.S. Da sich auf der nicht “antifeministischen”, sondern antistaatsfeministischen Seite “ScienceFiles” eine ganze Reihe von habilitierten und promovierten Wissenschaftler engagiert, fordere ich Herrn Kemper hiermit auf, eine Begründung für seine Behauptungen zu liefern, die ich dann an die entsprechenden Kollegen weiterleiten werde. Dies ist also seine Gelegenheit den entsprechenden Kollegen zu erklären, warum sie mit ihrer Meinung, ScienceFiles sei ein wissenschaftliches blog und ihrem Verständnis, was unter Wissenschaft zu verstehen ist, falsch liegen.

Ansonsten habe ich dazu nichts mehr zu sagen:

Literatur

Short, James F. & Strodtbeck, Fred L. (1965). Group Process and Gang Delinquency. Chicago: University of Chicago Press.

Wolfgang, Marvin E. & Ferracuti, Franco (1967). The Subculture of Violence. Toward an Integrated Theory in Criminology. London: Tavistock Publications.

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