Na dann lasst uns munter diskriminieren: Neue Studie mit überraschenden Ergebnissen

In der Märzausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie ist ein “Was?”-Artikel, ein Beitrag, bei dem man nach wenigen Zeilen und dann regelmäßig, “Was?” fragt. Ein Beitrag, der uns zudem dazu motiviert hat, Brownie Points als Bewertungssystem für wissenschaftliche Beiträge einzuführen. Insgesamt gibt es fünf Brownie Points pro Beitrag zu erreichen. Der Beitrag, den wir hier besprechen, hat es auf 4 Brownie Points in unserer Bewertung gebracht (Inter-Koder-Reliabilität bei .99).

Kölner Zeitschrift für Soziologie und SozialpsychologieDer Beitrag trägt den Titel “Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregelungen sinnvoll sind” und wurde von Volker Müller-Benedict verfasst. Das Ziel des Beitrags ist es zu zeigen, “dass nicht-ökonomische Institutionen sich bei der Auswahl ihres Personal Diskriminierung leisten können, ohne den Erfolg ihrer Arbeit zu beeinträchtigen” (116).

Was?

Der Reihe nach.

Der Beitrag beginnt mit einer Definition von Meritokratie als Prinzip, das Bewerber nach Fähigkeiten und nicht mehr nach Stand auf Positionen zuordnet (Was? Meritokratie basiert auf Leistung, nicht auf Fähigkeit…). Diese Auswahl der Besten, so Müller-Benedict, sei jedoch nur notwendig, wenn “Kosten und Nutzen der Ausgewählten für den Erfolg der Institution wichtig sind” (116). Ein Beispiel für eine Auswahl, die nach seiner Ansicht nicht nach dem meritokratischen Prinzip funktioniert, ist die Immatrikulation an einer Universität, denn: “[s]olange die Zahl und Qualität der abgehenden Studierenden einer Universität nichts mit ihrer Ausstattung oder Reputation oder anderen Zielen zu tun hat, erübrigt sich eine Eingangsselektion” (116).

Was?

Wozu gibt es dann einen Numerus Clausus, wozu gibt es die Zentrale Studienvergabe? Alles unnötige Kosten? Und wozu ist es notwendig, ein Abitur als Hochschulreife zu erwerben? Alles Unfug. Und davon, dass Universitäten Reputation über die geleistete Forschung, die Forschungsleistung ihres wissenschaftlichen Personals generieren, hat Müller-Benedict offensichtlich auch noch nie etwas gehört.

sycophantAber weiter im Text, in dem wir nunmehr erfahren, dass Meritokratie nur bei Konkurrenz funktioniert und nur dann, wenn eine Steuerung über den Preis einer Leistung erfolgen kann. Dennoch gebe es Lohnunterschiede und unterschiedliche Auswahlkriterien für Männer und Frauen, die “sehr dauerhaft” seien, weiß Müller-Benedict und provoziert damit ein: “Was?”, schon weil er jeden Beleg für sein Wissen schuldig bleibt, ganz entgegen aller wissenschaftlichen Standards. Aber, er braucht diese unbelegte Behauptung ja auch nur, um seinen Beitrag an etwas anzuhängen, was zumindest ihm relevant vorkommt und was garantiert, dass er bei der Zielgruppe seines Beitrags auch einen Wohlgefallens-Bonus erhält.

Und das, will Müller-Benedict in seinem Beitrag zeigen: dass das meritokratische Prinzip ungeeignet ist, um “Diskriminierung auf lange Sicht verschwinden zu lassen (117)”.

Was? (musste jetzt sein)

Dazu lernen wir zunächst, dass “inbsesondere Bildungsinstitutionen” seit der “neoliberalen Öffnung von Bildungsmärkten unter einer Art Konkurrenz stehen” (120; eine Voraussetzung für das meritokratische Prinzip), aber das nutzt nichts, denn “funktional gesehen (Was?) simuliert das Bildungssystem für Ausbildung die Abläufe im Wirtschaftsystem nur” (121). Also: Das meritokratische Prinzip kann nach Ansicht von Müller-Benedict an Universitäten nicht funktionieren, weil es zu wenig neoliberale Öffnung gibt.

Deshalb werden Universitäten und andere Bildungsinstitutionen dann, wenn sie diskriminieren, d.h. für Müller-Benedict, dass sie weniger geeignete Bewerber einstellen, weil ihnen die weniger geeigneten aus welchen Gründen auch immer besser gefallen, nicht bestraft. Und das will er belegen, und zwar mit einem mathematischen Modell, das auf normalverteilten Abiturnoten basiert und somit auf der Annahme, dass alle Bewerber auf eine Stelle ein kleines normalverteiltes Abbild der Gesamtheit darstellen.

Hier nun führt Müller-Benedict seine Form der Diskriminierung ein. Sie besteht aus folgender Erkenntnis: “Frauen müssen besser sein als Männer” um eingestellt zu werden, die auf Seite 123 ganz ohne Beleg, quasi als phantasierte Diskriminierung daherkommt (also ein “Was?” provoziert). Aber, wir wollen nicht unfair sein, denn auf Seite 120 schreibt Müller-Benedict: “dass von Frauen wegen der Möglichkeit schwanger zu werden oder wegen unterstellter häufigerer familiärer Verpflichtungen implizit verlangt wird, dieselbe Leistung [wie Männer] in kürzerer Zeit zu erbringen” (abermals ein: “Was?). Woher stammt nun diese erstaunliche Erkenntnis? Sie stammt aus einer Publikation des Bundesministeriums für alle außer Männern. Müller-Benedict hat sich seine vier Brownie-Points redlich verdient (vielleicht darf er demnächst ja ein Gutachten für das Ministerium für alle außer Männern verfassen).

Um seine wilde These zu prüfen, führt Müller-Benedict die folgende Formel ein, die ausgereicht haben dürfte, um die Reviewer bei der KfZSS ins Bockshorn zu jagen. Wir haben die Formel gleich in den Kontext gestellt (die Abbildung darüber, um ein “Was?” zu sparen.)

Mueller-Benedict

Die Abbildung stellt die Verteilung der Abiturnoten dar, je besser die Abiturnoten, desto weiter oben die Bewerber. A steht für akzeptiert und R für zurückgewiesen (rejected), S beschreibt Bewerber, die erfolgreich sind in der Position, für die sie ausgewählt werden, F solche, die ein Reinfall für das Unternehmen sind. GB und GW sind Anteile von Schwarzen (black) und Weißen (white). Sie dienen Müller-Benedict als Maß der Diskriminierung. Sind GB und GW bezogen auf die jeweiligen Bewerber gleich, dann liegt keine Diskriminerung vor, ist es anders, dann liegt Diskriminierung entweder von Schwarzen oder Weißen vor.

Was? Richtig: Im Modell von Müller-Benedict sind keine individuellen Unterschiede vorgesehen. Müller-Benedict vergleich  Gruppen und nicht Indiduen, was zur Konsequenz hat, dass Meritokratie verschwindet, denn Meritokratie kann es nur mit Bezug auf ein Individuum, nicht in Bezug auf eine Gruppe geben.Wenn sich fünf dumme Ws und fünf schlaue Bs auf zwei Stellen bewerben und zwei schlaue Bs werden akzeptiert, dann ist dies für Müller-Benedict eine Diskrminierung der Ws als Gruppe. Wir erinnern uns an seine Normalverteilungsannahme: Sie dient dazu, individuelle Unterschiede zu beseitigen und kollektives Denken zu rechtfertigen.

Müller-Benedict vaiiert nun munter die Anteile von B und W und untersucht, wie sich die Manipulation bei angenommener Normalverteilung auf die Erfolgsquote auswirkt, und siehe da, oh Wunder, sie wirkt sich kaum bis gar nicht aus. Und deshalb folgert Müller-Benedict, dass ein Verstoß gegen das meritokratische Prinzip an nicht-ökonomischen Institutionen nicht geahndet wird, dass Diskriminierung also die Leistung der Institution als Ganze nicht beeinträchtigt. Und deshalb sei die Beseitigung von Diskriminierung eine normative Frage und Quoten seien das richtige Mittel dazu!

Was?

reductioZunächst die reductio ad absurdum: Müller-Benedict will gezeigt haben, dass sich Diskriminierung nicht auf die Erfolgsquote von Institutionen auswirkt. Wenn man also die Folgen einer Diskrminierung nicht messen kann, woher weiß man dann, dass überhaupt eine Diskriminierung vorliegt? Hätte Müller-Benedict mit seiner Analyse Recht, das Problem, das er gelöst haben will, hätte es nie gegeben.

Dann das “neoliberale” Argument. Wenn die Öffnung von Bildungsinstitutionen, der Wettbewerb zwischen ihnen aufgrund geringer Transparenz und z.B. deswegen, weil Studenten keine Studiengebühren zahlen, die Universitäten zwingen würden, um Studenten zu konkurrieren, nicht ausreicht, um die Durchsetzung des meritokratischen Prinzips zu garantieren, wie Müller-Benedict behauptet, dann folgt aus seiner Argumentation, dass die Ausrichtung von Universitäten an ökonomischen Indikatoren nicht weitreichend genug ist.

Es ist es für einen Sozialforscher vernichtend, wenn er das Phänomen, das er zu erforschen gedenkt, entweder aus seiner Phantasie nimmt oder aus der Phantasie anderer, in jedem Fall keine Anstalten macht, zu prüfen, ob z.B. die geringere Anzahl von weiblichen Professoren etwas mit Diskriminerung zu tun hat. Wenn Müller-Benedict demnächst in einem mathematischen Modell zeigt, dass die tatsächliche Diskriminierung von Männern, die er an die Stelle der phantasierten Diskriminerung von Frauen setzen will, von Gott gewollt ist, dann würde uns das nicht wundern.

Dass eine Ungleichverteilung kein Indiz für eine Diskriminierung ist, sollte einem Soziologen bekannt sein, wenn es ihm nicht bekannt ist, dann sollte er sich zu seinen Studenten im ersten Semester setzen und nachholen, was er offenkundig nicht weiß.

Fazit: Müller-Benedict phantasiert sich ein Modell zusammen, um ein Problem zu lösen, das es nicht gibt und folgert daraus, politisch für bestimmte Ideologen nützlich, dass Quoten gut sind, wenn man phantasierte Diskriminierung benutzen will, um selbst zu diskriminieren. Aber dass Müller-Benedict Legitimation liefert, die dazu genutzt werden kann, nunmehr Männer bewusst zu diskriminieren, um eine nicht belegte Diskriminierung, die es nach allen vorliegenden Ergebnissen, wie sie z.B. Catherine Hakim produziert hat, nicht gibt, zu beseitigen, macht nichts, denn die Bildungsinstitution leidet ihn ihrer Erfolgsquote nicht, wie Müller-Benedict gezeigt haben will.

Also lasst uns munter Männer diskriminieren, die Universitäten in Deutschland können kaum mehr schlechter werden. Was? Ja: Man denkt an Müller-Benedict und glaubt es.

Müller-Benedict, Volker (2014). Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregulierungen sinnvoll sind. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 66(1): 115-131.

Print Friendly, PDF & Email

About Michael Klein
... concerned with and about science

10 Responses to Na dann lasst uns munter diskriminieren: Neue Studie mit überraschenden Ergebnissen

  1. a.behrens says:

    Hnggg. Ist wieder einer von den Artikeln die viel Geld kosten… 🙁

    Mein Verständnis zum Paper ist nämlich ein ganz anderes: Das Papier kommt IMO im wesentlichen zu diesen vier Aussagen:

    1. Wenn eine Institution (Behörde, Schulen) keine Leistung erbringen muss, wird sie auch keine Leistung erbringen. Wenn ohnehin keine Leistungen erbracht werden müssen, ist es schnuppe ob man diskriminiert oder nicht. Es hat keine Auswirkung auf die Leistung die die Institution nicht bringt. Quoten sind in diesem Fall völlig ok.

    2. Wenn eine Institution Leistung erbringen muss ((Privat-)Universitäten oder Unternehmen), werden sich Männer durchsetzen.

    3. Woraus folgt, dass Leistung selbst diskriminierend ist.

    4. Woraus folgt, dass es ein erstrebenswertes Ziel ist, dass keinerlei Leistungen gegenüber irgendjemanden erbracht werden, da in diesem Fall keiner mehr diskriminiert wird.

    Die ersten drei Punkte würde ich so unterschreiben. (Punkt 3: Leistung = positive Diskriminierung). Bei vierten Punkt würde ich mitgehen. Wenn mir jemand keine Leistung bringt, bekommt er auch nichts von mir.

    Wenn es einen Fehler in dem Paper gibt, dann ist es die Konsequenz des ganzen: Entweder verhungern alle, oder es findet sich jemand der dumm genug ist, Leistung ohne Gegenleistung zu bringen. Woraus IMO folgt: Die Zielsetzung der “diskriminierungsfreien” Institutionen ist wahlweise Diskriminierung (nämlich von Dummen die sich ausbeuten lassen) oder aber Ausbeutung mit Gewalt (Leute die wissen, dass sie ausgebeutet werden, aber sich nicht wehren können). Kurz: Sozialismus.

    Ich bestelle jetzt mal ne Tasse. Kostet weniger als das dumme Paper und macht viel mehr Spaß… 😉

    • Irgendwie habe ich so meine Zweifel, dass V.M-B mit Ihrem Verständnis einverstanden ist, aber so richtig sehe ich auch nicht, was er dagegen vorbringen will. Man kann noch ganz andere Deutungen an das “Papier” herantragen, z.B. dass Bildungsinstitutionen per se keine Leistung erbringen müssen/sollen/dürfen, weil das neoliberal wäre … Auch ganz nett und von V. M-B vertreten. Was mich am meisten wundert, ist, wie so ein Text durch die Peer-Review kommen konnte. Aber scheinbar hat man bei der KfZSS mittlerweile Schwierigkeiten, Druckbares zu finden …
      Bestellung ist angekommen. Vielen Dank!

      • a.behrens says:

        Zitat “Was mich am meisten wundert, ist, wie so ein Text durch die Peer-Review kommen konnte”

        Das ist eine sehr negative Formulierung. Besser ist: Durch den Verzicht auf wissenschaftliche Leistung wird Diskriminierung verhindert.

    • a.behrens says:

      Edit zu Punkt 2: Die All-Aussage ist falsch. Männer werden sich nur _mehrheitlich_ durchsetzen. Es hat schon immer kluge und fleißige Frauen gegeben und ich kann nicht erkennen, warum sich das in Zukunft ändern sollte.

    • “Wenn es einen Fehler in dem Paper gibt, …”

      – das finde ich aber doch sehr (und unangemessen) schmeichelhaft für das Papier!

      Die Fehler beginnen schon dort, wo ein anständiges Simulationsmodell entweder auf theoretisch begründeten Annahmen und noch besser auf theoretisch begründeten Annahmen und empirisch bereits belegten Eingangswerten beruht oder gegen reale empirische Daten getestet wird oder beides.

      Ich finde ebenfalls die Botschaft, nach der wir ruhig durch Quoten diskriminieren können, weil die Meritokratie nicht “klappt” bzw. nicht konsequent nach dem meritokratischen Prinzip agiert wird, frei nach dem Motto: “wenn schon diskriminieren, dann so richtig” am unerträglichsten an dem Papier – diese Art von Fatalismus wäre vielleicht eines Philosophen wie Nietzsche würdig, den ich im übrigen durchaus schätze, aber nicht eines empirischen Sozialforschers -, aber rein “technisch” besehen gibt es ebenfalls jede Menge einzuwenden gegen das Modell bzw. das Papier. Simulationsmodelle haben bei vielen Wissenschaftlern und wahrscheinlich auch in der Öffentlichkeit ohnehin schon einen schweren Stand bzw. den Ruf, eine intelligent wirkende Form der Willkür bzw. des Ausdrucks der eigenen Präferenzen zu sein, und es ist wirklich bedauerlich, wenn Modelle geschätzt werden, die diesem Ruf Vorschub leisten; es muss nämlich nicht so sein. Aber gerade angesichts der Gefahren, die Simulationsmodelle bergen und angesichts ihres vgl.weise schlechten Rufs wäre besondere Sorgfalt bzw. weniger Naivität und eine klare, theoretische und empirische Begründung erforderlich gewesen.

      Und wenn es nicht um die möglichst saubere Spezifikation des Modells ging – worum dann? Um offene Diskriminierung im Zuge der so genannten Gleichstellung auf Teufel komm’ ‘raus mit irgendeiner seltsamen Form von Legitimität zu versehen?

      Nun ja, wenn der Herr M.-B. Recht hat, dann hat er Recht: dann kann man das Ganze nur normativ entscheiden, und m meine normative Entscheidung ist die:

      Wissenschaftler, du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider die empirisch beobachtbare Realität und dich nicht unkritisch in den Dienst derer stellen, die heute belieben, eine Sau durch’s Dorf zu treiben und morgen eine andere, je nachdem, welches ideologische Steckenpferd gerade geritten wird!

  2. Markus says:

    Ich denke, es liegt hier auch ein historisches Missverständnis zu Grunde, nämlich die Vorstellung eine “durchpädagogisierte Gesellschaft” sei eine egalitäre Gesellschaft.

    Das war das historische Versprechen der pädagogischen Klasse: Gebt uns die Macht, die Menschen aus ihren angestammten Standeszugehörigkeiten herauszulösen und “personenindifferent-institutionell” zu formen, dann gibt es keine angeborene Ungleichheit mehr, deshalb auch keine Ungerechtigkeit mehr.

    Es ist aber nur ein Differenzierungssystem (ererbte Standeszugehörigkeit) durch eine anderes (Intelligenz im weitesten Sinne) abgelöst worden, zweiteres produziert heute eben genau so soziale Ungleichheit wie ersteres anno dazumal – nur eben anders legitimiert undidealtypisch eine dynamischere Gesellschaft nach sich ziehend. Die Aussage “Ich bin reich, weil ich aus einer reichen Familie stamme” wird jeder heute als ungerecht empfinden, die Aussage “Ich bin reich, weil ich mich angestrengt habe und gut studiert habe” jedoch nicht – zur zweiten Aussage gehört aber als logisches Pendant ebenso “Ich bin arm, weil ich strunzdumm bin und ausserdem stinkfaul, lernen hat mich nie interessiert und ich habe kein Problem damit zu hartzen” (das allerdings werden einige Neoliberale als “problematisch” empfinden …).

    Im konkreten Frauenfall kommt dann noch hinzu, dass eben in der Intelligenznormalverteilung die Gausskurve bei Männern ganz leicht flacher ist, als die der Frauen, das scheint auf den ersten Blick unerheblich, ist es aber nicht: Es gibt mehr extrem dumme Männer als Frauen und es gibt mehr extrem kluge Männer als Frauen, es gibt etwas weniger durchschnittlich intelligente Männer als Frauen. Was bedeutet das ? Die Ratio im letzten Perzentil in der Intelligenzverteilung (bei 80 Millionen Deutschen also immerhin 800.000 Nasen !) ist 1:7 – auf sieben superkluge Männer kommt nur noch eine superkluge Frau (was im übrigen ziemlich genau meiner Alltagswahrnehmung entspricht, man trifft leider seltener erfreulich kluge Frauen als erfreulich kluge Männer … und das liegt eben nicht nur am typischen unangenehmen feministischen Auftreten akademischer Frauen, sondern an eben dieser beschriebenen Normalverteilung selbst). Helmuth Nyborg von der Universität Aarhus hat das vor einigen Jahren in einer peer-reviewten Zeitschrift (noch) unterbringen können – und ist daraufhin von seinem Dekan suspendiert worden mit der herrlichen Begründung, die von ihm verwendeten Daten seien nicht dazu erhoben worden, dieses Ergebnis hervorzubringen !!! Wirklich herrlich diese Begründung !!!

    Hier die Gauss´sche Kurve zur geschlechterabhängigen Intelligenzverteilung mitsamt Artikel:

    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S019188690400385X

    Man muss also Müller-Benedict zustimmen: strenge Meritokratie diskriminiert Frauen, nur: strenge Meritokratie diskriminiert (und viel stärker) auch Dumme, Faule, Katholiken, Muslime, Einwanderer, Arme, Alte etc. – und ein besseres System als Meritokratie ist bisher noch keinem eingefallen, um trotzdem eine Gesellschaft zu schaffen, die letztlich (da die Besten herrschen) allen zu Gute kommt. Gerechtigkeit spielt sich im Spannungsfeld von persönlicher Freiheit und sozialer (Rechts-)Gleichheit ab, Gerechtigkeit ist nicht Gleichheit !

    “Gerecht” ist Meritokratie in dem Sinne nicht, aber eben effizient – oder eben (wenn intellektuelle Schwachköpfe und feministische Arschkriecher wie Müller-Benedict weiter durch den peer-review gewinkt werden) ineffizient !

  3. Meier, Hans (Kempten) says:

    Irgendwann ist alles Gaga. In jedem System gibts Kampf um begrenzte Ressourcen, mithin, Menschen, die sich durchsetzen. Das System kann von sich aus Eigenschaften definieren, die so ein Sich-Durchsetzen legitimieren (je nach System können das sein Geburt, Intelligenz, Körperstärke, wie auch immer definierte Leistung, Rednergabe etc.).

    Niemand kann einem System verwehren, sich selbst als nicht-meritorisch zu definieren. Dann setzt sich legitim eben der Nicht-Verdiensvolle besser durch als der Verdienstvolle. Wer sich warum wirklich unterhalb der Oberfläche rhetorischer Behauptungen durchsetzt, ist davon jedoch unberührt. Die nicht-meritorische Behauptung führt nur zur Verschleierung der Kraft, die sich durchsetzt. Im Zweifelsfalle heißt diese: GIER.

    Egal ob meritorisch oder nicht-meritorisch.

  4. Ich bin ja ganz froh, dass mein Artikel emotionale Wellen schlägt, ich habe fast damit gerechnet. Aber ganz so textfern sollte man dann doch wissenschaftliche Artikel nicht in den Boden stampfen. Ich möchte nur 3 Beispiele bringen:
    a) Wieso ist das Problem, dass Gruppen bei der Einstellung oder sonstwo diskriminiert werden, „ein Problem, das es nicht gibt“? In den USA werden seit den 80er Jahren darum Prozesse geführt und dafür Gesetze – meist Quotenregulierungen – erlassen („affirmative action“). Ich verstehe nicht, das ich mir da ein Problem zusammenfantasiert haben soll.
    b) Falsches Verständnis von theoretischen Modellen (das ist besonders bitter, weil sich diese Webseite im Grundsatzprogramm mit Popper schmückt): „Wenn man also die Folgen einer Diskriminierung nicht messen kann, woher weiß man dann, dass überhaupt eine Diskriminierung vorliegt? Hätte Müller-Benedict mit seiner Analyse Recht, das Problem, das er gelöst haben will, hätte es nie gegeben.“ Natürlich ist es gerade eine privilegierte Aufgabe von Theorie, nicht prima facie sichtbare Phänomene als durchaus vorhanden und erklärbar zu erweisen.
    c) Alles, was dann auch in den Kommentaren zur Normalverteilung kommt, zeigt, dass der Artikel nicht bis zu Ende gelesen wurde: ich weise diese Phänomene im Modell auch für Gleichverteilungen nach.

    Schwerer wiegt, was den ganzen Tenor dieses Beitrags durchzieht, die Unterstellung durch Hinzufügung nicht vorhandener Aussagen: „Wenn die Öffnung von Bildungsinstitutionen, der Wettbewerb zwischen ihnen aufgrund geringer Transparenz und z.B. deswegen, weil Studenten keine Studiengebühren zahlen, die Universitäten zwingen würden, um Studenten zu konkurrieren, nicht ausreicht, um die Durchsetzung des meritokratischen Prinzips zu garantieren, wie Müller-Benedict behauptet, dann folgt aus seiner Argumentation, dass die Ausrichtung von Universitäten an ökonomischen Indikatoren nicht weitreichend genug ist.“ Das habe ich nirgendwo geschrieben. Im Gegenteil, Herr Klein und leider auch Frau Diefenbach – die ich ja kenne – haben meinen Argumentationsgang nicht komplett verstanden: Das Modell zeigt, dass die – neoliberal geforderte – Konkurrenz von Bildungsinstitutionen das Problem der Diskriminierung nicht mit den üblichen Marktmechanismen lösen kann und deshalb Quotenregulierungen zum Schutz der diskriminierten Gruppen sinnvoll sein können. Es ist also gerade ein Angriff auf die neoliberale Marktideologie.

    Die Aufgeregtheit und Fehlinterpretation von Herrn Klein und auch Frau Diefenbach kann ich mir nur wissenschafts-politisch erklären: der von der qualitativen Forschung praktisch gepachtete Begriff „Diskriminierung“ muss verteidigt werden dagegen, dass es nun auch mal ein theoretisches bzw. statistisches Argumente für eine Quotenregulierung gibt.

    Ich hoffe, dass ganz im Popperschen Wissenschaftsverständnis diese meine Replik vollständig wiedergegeben wird.

    • Hallo Herr Müller Benedikt,
      wir sind ja froh, dass Sie sich hier zu Wort melden, wenngleich wir uns einen etwas fundierteren und informierteren Umgang mit unserem Text, unserer Kritik, uns und unserem wissenschaftlichen Background gewünscht hätten. Zu Ihren Beispielen:

      a) Wieso ist das Problem, dass Gruppen bei der Einstellung oder sonstwo diskriminiert werden, „ein Problem, das es nicht gibt“? In den USA werden seit den 80er Jahren darum Prozesse geführt und dafür Gesetze – meist Quotenregulierungen – erlassen („affirmative action“). Ich verstehe nicht, das ich mir da ein Problem zusammenfantasiert haben soll.

      Wollen Sie tatsächlich behaupten, dass es einen sozialen Fakt im Sinne von Durkheim gibt, weil Prozesse geführt werden und Regelungen erlassen werden. Was ist mit den so gerne bemühten sozialen Konstruktionen. Denken Sie auch, dass es Kriminalität per se geben müsse, weil es ein Strafgesetzbuch gibt?

      b) Falsches Verständnis von theoretischen Modellen (das ist besonders bitter, weil sich diese Webseite im Grundsatzprogramm mit Popper schmückt): „Wenn man also die Folgen einer Diskriminierung nicht messen kann, woher weiß man dann, dass überhaupt eine Diskriminierung vorliegt? Hätte Müller-Benedict mit seiner Analyse Recht, das Problem, das er gelöst haben will, hätte es nie gegeben.“ Natürlich ist es gerade eine privilegierte Aufgabe von Theorie, nicht prima facie sichtbare Phänomene als durchaus vorhanden und erklärbar zu erweisen.

      Oh ha, hier tun sich aber Abgründe auf, wie ein Chemnitzer Professor der Soziologie, jetzt wohl aus seiner Emeritierung heraus sagen würde. Ich verweise nur ungerne darauf, aber hier darf ich mich einmal damit schmücken, einer der letzten Studenten von Hans Albert gewesen zu sein und Karl Popper im Original erlebt zu haben. Und ihr verqueres Verständnis von Popper ist wirklich eine Travestie auf den Falsifikationismus, der nicht sichtbare Phänomene als durchaus vorhanden und erklärbar erweisen will, sondern ausgehend von einer Theorie Aussagen über die Realität aufstellen und prüfen will. Wo findet noch einmal in ihrem Zirkelmodell die Prüfung der unabhängig von der Empirie aufgestellten Theorie statt? Vielleicht sollten Sie sich noch einmal mit Popper beschäftigen. Er sagt an keiner Stelle, dass man etwas aus der Empirie entnehmen soll, es allgemeiner formuliert in eine Theorie stopfen soll, um diese dann an der Empirie zu testen und zu bestätigen. Diese Form des naiven Falisifikationismus ist ungefähr so weit von Poppers Kritischem Rationalismus entfernt wie ihr Beitrag von der Realität. Phänomene werden nach empirischer Prüfung als vorhanden festgestellt nicht durch das zusammenfabulieren einer Theorie.

      c) Alles, was dann auch in den Kommentaren zur Normalverteilung kommt, zeigt, dass der Artikel nicht bis zu Ende gelesen wurde: ich weise diese Phänomene im Modell auch für Gleichverteilungen nach.

      Alles, was Sie hier schrieben, zeigt, dass Sie das Argument im Beitrag nicht verstanden haben, auch die Gleichverteilung ändert nichts an der Kritik.

      Schwerer wiegt, was den ganzen Tenor dieses Beitrags durchzieht, die Unterstellung durch Hinzufügung nicht vorhandener Aussagen: „Wenn die Öffnung von Bildungsinstitutionen, der Wettbewerb zwischen ihnen aufgrund geringer Transparenz und z.B. deswegen, weil Studenten keine Studiengebühren zahlen, die Universitäten zwingen würden, um Studenten zu konkurrieren, nicht ausreicht, um die Durchsetzung des meritokratischen Prinzips zu garantieren, wie Müller-Benedict behauptet, dann folgt aus seiner Argumentation, dass die Ausrichtung von Universitäten an ökonomischen Indikatoren nicht weitreichend genug ist.“ Das habe ich nirgendwo geschrieben.

      Das hat auch niemand behauptet, dass Sie das geschrieben haben, und es hätte uns auch massiv verwundert, wenn Sie so etwas in Ihrem Beitrag geschrieben hätten. Diese originelle Schlussfolgerung ist von uns, und jeder, der den Beitrag von vorne bis hinten gelesen hat, dem ist auch klar, dass das nicht von Ihnen stammen kann.

      Im Gegenteil, Herr Klein und leider auch Frau Diefenbach – die ich ja kenne – haben meinen Argumentationsgang nicht komplett verstanden: Das Modell zeigt, dass die – neoliberal geforderte – Konkurrenz von Bildungsinstitutionen das Problem der Diskriminierung nicht mit den üblichen Marktmechanismen lösen kann und deshalb Quotenregulierungen zum Schutz der diskriminierten Gruppen sinnvoll sein können. Es ist also gerade ein Angriff auf die neoliberale Marktideologie.

      Wenn Sie verstanden hätten, worin unsere Kritik besteht, dann hätten Sie das Argument, das Sie von sich weisen als falsifizierende Bedingung im Sinne von Karl Raimund Popper, den Sie ja so gut kennen (Logik der Forschung, Kapitel 4) verstanden und geprüft, ob nicht mehr Transparenz und mehr Wettbewerb zwischen Universitäten dazu führt, dass das meritokratische Prinzip funktioniert. Niemand hat Sie im Verdacht, neoliberalen Geistes zu sein, Herr Müller Benedict, auf diese Idee wären wir nicht einmal im Traum gekommen und ihre Reaktion hier zeigt eindeutig, dass ihr Anliegen ein ideologisches “sie wollen zeigen” und kein wissenschaftliches “sie wollen prüfen” ist. Sie erinnern sich an Popper?

      Die Aufgeregtheit und Fehlinterpretation von Herrn Klein und auch Frau Diefenbach kann ich mir nur wissenschafts-politisch erklären: der von der qualitativen Forschung praktisch gepachtete Begriff „Diskriminierung“ muss verteidigt werden dagegen, dass es nun auch mal ein theoretisches bzw. statistisches Argumente für eine Quotenregulierung gibt.

      Was bleibt nun von dieser in der Mittelschicht so gerne benutzen verbalen Floskel der Aufgeregtheit, die man anderen unterstellt, um sie mangels adäquater Argumente zu diskreditieren? Recht wenig, wenn Sie ehrlich sind. Und wenn Sie sich mit ScienceFiles beschäftigt hätten, wenn Sie Frau Dr. habil. Heike Diefenbach richtig kennen würden, dann wüssten Sie auch, dass Sie eine Pedigree der quantitativen Sozialforschung hat, von Esser über Nauck zu Opp. Und wenn Sie mich kennen würden, dann wüssten Sie, dass ich alte Mannheimer Schule bin, von Albert über Kaase zu Karlheinz Reif. Alles quantitative Schule. Ich schlage daher vor, Sie adjustieren ihre Lanze für den nächsten Angriff auf die Windmühle.

    • Sehr geehrter Herr Müller-Benedict,

      ich kann nachvollziehen, dass Sie froh darüber sind, dass Ihr Text rezipiert wird bzw. “Wellen schlägt”, aber wie Sie damit gerechnet haben sollten, ist mir ein Rätsel, denn wenn Sie den Zeitschriftenmarkt kennen, ist Ihnen sicherlich vollkommen klar, dass Ihr Text trotz seiner vielen Mängel deswegen gedruckt worden ist, weil er ins ideologische Fahrwasser passt, in das sich leider auch Institutionen einpassen, die mit dem label “wissenschaftlich” hantieren und es damit lächerlich machen. Und wenn ich Ihren Kommentar richtig verstanden habe, dann verstehen Sie Ihren Text ja auch als ideologischen Beitrag und nicht als wissenschaftlichen,denn Sie möchten ja kein Phänomen erklären, sondern ein Argument für Quoten basteln, das darüber hinaus aus einem Simulationsmodell herausgerechnet werden soll, das nicht auf empirischen Daten basiert und insofern eine reine Trockenübung ist, wie man so schön sagt.

      Sei’s drum – Herr Klein hat Sie über Ihre Missverständnisse mit Bezug auf Herrn Popper bzw. das Verhältnis von Theorie und Empirie ja schon aufgeklärt.

      Anfügen möchte ich aber noch das Folgende:

      1. Ich schätze rhetorische Übungen und Pleonasmen wie “emotionale Wellen schlagen” und Bezüge auf “Aufgeregtheit” überhaupt nicht. Sie sind albern und eines Wissenschaftlers nicht würdig.

      2. Dasselbe gilt für “in den Boden stampfen”; es mag in Ihrem Umfeld als unfairer feindlicher Akt gelten, Kritik zu üben, aber wir pflegen Kritik als unverzichtbares Mittel der wissenschaftlichen Diskussion. Wenn Sie damit ein Problem haben, tut es mir leid (aber sonst nichts). Und wenn Sie den Eindruck hatten, dass unsere Kritik Ihren Text regelrecht platt walzt, was Ihre Wortwahl erklären würde, dann spricht das doch dafür, dass Sie sie selbst als substantiiert empfunden haben und nur deswegen so (ich könnte jetzt ganz in Ihrem Stil sagen: emotional und aufgeregt) reagiert haben wie Sie reagiert haben,

      3. Ich sehe nicht, wo Sie die Existenz Ihres Problems der Diskriminierung von Frauen durch empirische Daten belegt hätten. Dass jemand versucht, ein legalistisches Konstrukt für sich auszunutzen und jemanden verklagt, um sich bestimmte Vorteile zu verschaffen, ist doch sicherlich kein Verhalten, das einem Soziologen unbekannt ist; unbekannt ist in der Soziologie aber m.W. die Praxis, alles, was von bestimmten politischen Gruppierungen oder Lobbyisten behauptet wird, für bare Münze zu nehmen. Wozu, meinen Sie, ist Soziologie da, wenn nicht dazu, bestimmte Behauptungen über soziale Tatsachen zu prüfen? Verstehen Sie sich in Ihrer Funktion als Soziologe tatsächlich lediglich in der Rolle des Heranschaffers von Legitimation für bestimmte politische Maßnahmen?

      Wenn Sie so überzeugt vom Vorhandensein Ihres Problems sind, sollte es Ihnen doch nicht schwerfallen, entsprechende empirische Belege zu bringen statt lediglich darauf zu verweisen, dass es in den USA Leute gibt, die behaupten, dass es das Problem gäbe.

      4. Wenn qualifizierte Rezipienten wie Herr Klein und meine Person Ihren Text nicht verstanden haben sollten, dann wären Sie vielleicht gut beraten, Ihren Text kritisch auf Stringenz und Dramaturgie (wenn nicht auf grundsätzliche Probleme) hin zu prüfen; offensichtlich gibt es Fachkollegen, denen Sie Ihr Anliegen nicht hinreichend überzeugend präsentieren konnten.

      5. Ihre Formulierung, es gäbe “nun auch mal ein theoretisches bzw. statistisches Argument für eine Quotenregulierung” hat mich einigermaßen erstaunt, weil ich bislang überhaupt kein Argument dafür kenne; was meinen Sie also mit “nun auch mal”?

      Und wie meinen Sie das “bzw.”, das Sie zwischen “theoretisches” und “statistisches” Argument eingefügt haben? Machen Sie denn nun ein theoretisches Argument oder ein statistisches? Sie wollen sicherlich nicht sagen, dass das dasselbe sei, oder!? Statistik ist ja außer zu deskriptiven Zwecken dafür da, Theorien zu prüfen …. Anscheinend sehen Sie das anders, aber wenn Sie mich kennen, dann wissen Sie, dass ich das praktiziere und es daher nicht nötig habe, mich mit irgendetwas “zu schmücken”. Immerhin kann ich bestätigen, dass Sie in Ihrem Text bar jeder Theorie und auch bar jeder Erkenntnistheorie daherkommen und insofern “schmucklos” bleiben.

      6. Überdenken Sie bitte, bevor Sie schreiben, ob Ihr Lagerdenken der Sache angemessen ist oder ob Sie da nicht einiges durcheinander bringen! Grundsätzlich gilt: Herrn Klein mögen Sie nicht kennen, aber mich in einen Zusammenhang zu qualitativer Forschung zu bringen, ist einigermaßen lächerlich. Das war es auch schon damals, als wir beide am soziologischen Institut der Uni Leipzig gearbeitet haben, so, und das sollten Sie doch eigentlich (noch) wissen. Und: Wenn die qualitative Forschung den Begriff “Diskriminierung” gepachtet hat, warum akzeptieren Sie als quantitativer Forscher diesen Begriff dann so bereitwillig? Oder anders gefragt: Haben Sie sich einmal überlegt, warum so viele quantitativ arbeitende Forscher dem Begriff und Konzept von Diskriminierung skeptisch gegenüberstehen? Vielleicht deshalb, weil sich Diskriminierung zumeist als Residualgröße erweist, die statistisch aufgeklärt werden kann, wenn man zusätzliche Variablen berücksichtigt (wie z.B. Überstunden und Nachtarbeit beim sog. “gender pay pap”)?

      7. Das Poppersche Wissenschaftsverständnis beinhaltet m.W. nicht, dass eine “Replik” wiedergegeben werden muss, die nicht sachlich abgefasst ist, sondern den Kritikern “Aufgeregtheit” oder Emotionalität vorhält, statt sich der vorgebrachten Kritik zu widmen. Herr Popper wäre wie alle Logiker vielmehr der Meinung, dass ein Angriff auf die Personen der Kritiker statt auf die Kritik selbst nicht akzeptabel ist.

      Aber mit Herrn Poppers Wissenschaftstheorie haben Sie es ja nun nachweislich nicht so. Das ist völlig in Ordnung; aber dann argumentieren Sie doch bitte aus der Perspektive Ihrer eigenen erkenntnistheoretischen Grundlagen heraus, und vor allem: klären Sie den geneigten Leser doch bitte – zumindest kurz – über diese Grundlagen auf. Das würde die Wahrscheinlichkeit von Fehlrezeptionen sicherlich verringern, vermutlich aber nicht die Wahrscheindlichkeit, mit der Kritik an Ihrem Text geübt wird.

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar