Hate Speech: Die Gedanken sind nicht mehr frei

Der Berliner Tagesspiegel agiert heute als Marketingpartner für die Amadeu Antonio Stiftung und bewirbt deren Broschüre: “Geh[‘] sterben!“.

Nein, die Broschüre hat nichts mit Sterbehilfe oder der Aufforderung zum Suizid zu tun. Es geht um Hate Speech, d.h. um den “Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet”. Das zeigt bereits, die Amadeu Antonio Stiftung ist eine jener Stiftungen, die angetreten sind, um die deutsche Menschheit zu einer besseren deutschen Menschheit zu bekehren, zu einer gesitteten und verbal anständigen deutschen Menschheit, deren Kommunikationskultur das nicht enthält, was man bei der Amadeu Antonio Stiftung für Hate Speech hält.

Geh sterbenUnd was hält man dort für Hate Speech oder mit dem Anspruch einer umfassenden Deutungshoheit und von Anatol Stefanowitsch formuliert: “Was ist überhaupt Hate Speech?” Die Überschrift lässt keinen Zweifel: Anatol Stefanowitsch weiß, wovon er spricht, er weiß, was “überhaupt Hate Speech” ist, und nach dem Lesen von Stefanowitschs dreiseitigen Beitrag gibt es wirklich keine Zweifel mehr, Zweifel, die nach der Einleitung oder Ouvertüre zum Amadeu Antonio Opus in H-Moll noch vorhanden waren, denn: “Hate Speech ist in der Debattenkultur ein Problem dem begegnet werden muss”, so wird verkündet, obwohl: es notwendig und offensichtlich schwierig ist, Hate Speech in “ihren Facetten und Dimensionen überhaupt erst mal [zu] erkennen”.

Wie gut, dass der ungenannt gebliebene Komponist der Overtüre weiß, dass Hate Speech sich immer gegen “Juden, Linke (Queer-)Feministinnen, Schwarze, Muslime, Homosexuelle und Flüchtlinge richtet”, aber nie gegen Männer, Rechte, Alte, politisch Andersdenkene, Heterosexuelle, Christen, Weiße usw. Das macht die Welt etwas einfacher, und wir können die Ouvertüre mit der Feststellung schließen: Die Welt ist voller Engel und Teufel. Erstere sind Ziel, letztere sind Quelle von Hate Speech. Erstere sind reine Wesen linker Gesinnung, Letztere sind fiese Burschenschaftler, Pegida-Demonstranten oder sonstige vermeintlich Rechte (wobei die Linken, die Rechten zwischenzeitlich in der gesellschaflichen Mitte verorten), die die falsche Gesinnung, das falsche Bewusstein, wie Marx es genannt hat, haben, weshalb ihnen der Weg in das linke Paradies verwehrt ist.

Der Ouvertüre folgt gleich das Scherzo von Anatol Stefanowitsch, das Scherzo, das aufräumt mit den falschen Vorstellungen darüber, was Hate Speech “überhaupt” ist.

Los geht’s vom Largo zum Allegro

Hate Speech verletzt keine Individuen, sondern Gruppen und liegt dann vor, wenn “von einem wahrnehmbaren Teil der Sprachgemeinschaft” eine sprachliche Äußerung “als herabwürdigend und/oder verunglimpfend gegenüber einer Bevölkerungsgruppe verstanden wird”.

Wer nicht länger als Raubtierkapitalist oder gewissensloser Banker oder Börsen-Zocker verunglimpft werden will, sollte entsprechend die Sprachgemeinschaft bestimmen, zu der er gehört, seine Kumpel zusammentrommeln, sich vor die Zentrale des DGB in Berlin stellen, damit er ein wahrnehmbarer Teil der Sprachgemeinschaft wird und gegen diese Art gewerkschaftlicher Hate Speech demonstrieren.

hate_speech1Hate Speech erkennt man am Hate, also am Hass, was misslich ist, denn Hass ist eine Emotion und Sprache ist, ist eben Sprache. Wenn Hans zu Horst sagt: “Du Arschloch”, ist dann Hans ein Hate Speaker oder Horst ein Arschloch? Um das herauszufinden, müssen wir, wie Anatol Stefanowitsch erklärt, nicht etwa die Frage klären, nach welchen Kriterien jemand ein Arschloch ist, um dann zu fragen, ob Horst diesen Kriterien entspricht bzw. ob die subjektive  “Horst-ist-ein-Arschloch-Konstruktion” von Hans den Kriterien entspricht, was Horst dann unweigerlich zum Arschloch macht, nein, wir müssen entweder die Hass-Intention von Hans im Hanschen Hirn isolieren oder der Einfachheit halber, weil es schwierig ist, Emotionen in Hirnen dingfest zu machen, Horst fragen: “Du Horst, fühlst Du Dich durch die Bezeichnung “Arschloch” verunglimpft oder herabgesetzt?” und Horst wird sagen: “Ja, ey”. Und weil wir Mitgefühlt mit Horst haben, denn es ist ja nicht schön, öffentlich als Arschloch bezeichnet zu werden, deshalb sind wir schon zu zweit oder dritt und das reicht zum wahrnehmbaren Teil der Sprachgemeinschaft. Eh voilá: Hate Speech!

Das ist schick: Hate Speech liegt also immer vor, wenn sich ein paar einreden, sie würden, trotz aller Individualität, die sie doch trennt, gemeinsam und gleich empfinden, sich gemeinsam gleich verunglimpft empfinden. Das eröffenet ganz neue Möglichkeiten der therapeutischen Vergemeinschaftung, z.B. in gemeinsamen Gruppen-Verunglimpfungs-Empfindungs-Veranstaltungen, wie sie derzeit Trend sind, bei Friedrich-Eberts steuerzahlerfinanzierten Namensnehmern oder an Hochschulen, die Professuren eigens zur Verunglimpfungs-Empfindung eingerichtet haben.

Hate Speech kann auch indirekt sein, z.B. wenn man Hartz-4-ler oder Unterschichtler sagt, das liegt, wie Stefanowitsch erklärt, an der Endsilbe -ler, den -ler ist pejorativ, will abwerten, wie z.B. in Postler oder Radler oder Burschenschaftler. Gut zu wissen!

Hate Speech liegt auch dann vor, wenn systematisch gesellschaftliche Gruppen ausgeblendet werden, so weiß Stefanowitsch und zitiert Lann-Hornscheidt als Quelle dieser Erkenntnis, nicht dass er noch Konsequenzen wegen Nicht-Erwähnung zu tragen hat, denn Nicht-Erwähnung bedeutet, dass den Nicht-Erwähnten die Existenz abgesprochen wird.

Wenn also im Bundestag konsequent in allen Reden von Kollegen und Kolleginnen gesprochen wird, dann ist dies Hate Speech, schon weil systematisch die schwarzen Kollegen und die rheinland-pfälzischen Kollegen und die Berliner Kollegen und Lann-Hornscheidt und Stefanowitsch und Einfallspinsel aller Couleur unerwähnt bleiben, und dies seit Legislaturperioden, was nur den Schluss zulässt, dass der Bundestag die Hate Speech Bude der Nation ist.

Fassen wir zusammen, was Hate Speech nach der Meinung der Hate Speech Erfinder sein soll:

Hate Speech ist pejorativ, also abwertend, abschätzig.

Hate Speech kann nur über die Intention des Sprechers oder das empfundene Gefühl des Adressaten enttarnt werden.

Absurdity insanityHate Speech richtet sich angeblich nicht gegen Individuen, sondern gegen Gruppen, d.h. es müssen sich Empfindungsgemeinschaften professioneller Hate Speech Fühler zusammenfinden, die wissen, dass sie oder Dritte sich durch bestimmte Begriffe verunglimpft fühlen bzw. fühlen würden.

Hate Speech ist indirekt und lauert in der Ensilbe “-ler”.

Hate Speech wirkt auch durch Schweigen oder nicht-Erwähnen, auch der Hate Speaker, der nicht spricht, spricht Hass.

Diese geballte Erkenntnis verdanken wir dem Experten in Hate Speech, Anatol Stefanowitsch, der von der Amadeus Antonio Stiftung als Professor für Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin eingeführt wird, was er am Institut für Englische Philologie auch tatsächlich ist.

Erkenntnisse, wie die von Stefanowitsch, sind jedoch nichts wert, wenn man sie nicht anwendet. Nein, Erkenntnisse, wie die von Stefanowitsch, dienen einzig der Anwendung, dem Ausschluss von Hate Speech, sie sind praktsiche Sprachreinigung, die wir jetzt anwenden.

Unser Satz:

Genderisten versuchen sich als Wissenschaftler an Hochschulen festzusetzen, um sich einen finanziellen Vorteil zu verschaffen,

ist, Sie ahnen es schon, Hate Speech (Früher war das eine Annahme, die man empirisch prüfen konnte. Heute ist es Hate Speech, damit es niemand prüft).

“Genderisten” ist wie Wissenschaftler (Endsilbe: “-ler” !) pejorativ und indirekt abwertend, denn Genderisten sind keine Wissenschaftler oder sind sie Wissenschaftler, trotz abwertendem -ler, aber keine Genderisten, also ist Genderist pejorativ und außerdem suchen Genderisten als Wissenschaftler oder nicht, keinen finanziellen Vorteil, fühlen sich entsprechend, wenn man ihnen eine entsprechende Absicht unterstellt, verunglimpft, denn sie wollen nur das Beste, nicht für sich, nur für andere, und das wollen natürlich alle Genderisten – oder so. Genügend Grund also, um sich verunglimpft zu fühlen, schon weil im Satz der Hinweis auf die Unmengen schwarzer, gelber und brauner Genderisten fehlt, die inter-, trans- und sonstwie sexuell orientiert sind. Systematische Nichterwähnung ist Hate Speech!

Und Hate Speech ist hinterhältig, kommt oft ganz harmlos daher, so hat uns Stefanowitsch erklärt, weil ihm das Wort “Suggestion” nicht eingefallen ist. Das meint er eigentlich, wenn er als Beispiel gibt: “Er ist Grieche, aber total fleißig”. Die Suggestion dahinter: Griechen sind eigentlich nicht fleisig, “Er” eine Ausnahme. Warum Stefanowitsch hier ausgerechnet die Griechen und nicht die Preußen einfallen?

Wie auch immer, wir haben uns gefragt, wozu die akribische Identifikation von Hate Speech und die Subsumierung von nahezu allem, was manchen denkbar erscheint, unter Hate Speech sinnvoll ist. Unsere Antwort: So würgt man gesellschaftliche Diskurse ab, bestreitet bestimmten gesellschaftlichen Gruppen das Recht, ihre Meinung zu äußern, radikalisiert den Widerstand, drängt ihn in den Untergrund und macht sich selbst zum Herrscher über den Diskurs, in dem natürlich nur noch zugelassen ist, was von den Hate Speech Experten und professionellen fremd-Empfindern freigegeben ist.

Sätze wie der folgende, sind entsprechend Hate Speech und kommen nicht mehr durch die Zensur:

Obwohl ein Teil der privilegierten, universitären Einbildungselite denkt, er könne die Diskriminierung von Arbeiterkindern z.B. wenn sie auf Sonder- oder Hauptschulen abgeschoben werden, verstehen und sich in die Verzweiflung einfühlen, die Arbeiter fühlen, wenn sie zusehen müssen, wie die Steuergelder, die sie mit ihrer Hände Arbeit erwirtschaften, ein Umstand, den sie mit einer kürzeren Lebenserwartung als z.B. Anatol Stefanowitsch bezahlen, dazu verschwendet werden, universitäteren Hokuspokus zu finanzieren, hat dieser Teil der privilegierten, universitären Einbildungselite nicht aufgehört, die entsprechenden Steuergelder zu verschwenden.

Hate Speech hin oder her: Wir werden auch in Zukunft nicht aufhören, das gesellschafliche und besonders das universitäten Umfeld zu beobachten und unsere Beobachtungen in Aussagen, wie die oben, zu fassen. Im Gegenzug haben wir auch weiterhin nichts dagegen, wenn wir als Wissenschaftler bezeichnet werden.

©ScienceFiles,2015

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45 Responses to Hate Speech: Die Gedanken sind nicht mehr frei

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Hate Speech: Die Gedanken sind nicht mehr frei | netzlesen.de

  2. von Romberg says:

    Es ist ja nicht nur der Stefanowitsch, der an der Broschüre mitarbeitete.
    Dabei war auch Julia Schramm, ja, richtig, die #bombergate-Julia Schramm (“Bomber Harris Feuer frei!”), eine geübte “Du Wichser! Du Arschloch!” und sonstiges versprühende Twitter-Feministin. Schramm hat noch versucht, ihre alten hate-tweets zu löschen. Aber das Internet vergisst nichts.
    Sie hat als, kein Witz, offizielle Hate-Speech-Referentin der Amadeu Antonio-Stiftung, ihre Freundin Jasna Strick interviewed. Ja, die, “Männertränen sind mein Gummibärensaft”, #om13, “Not all men must be killed” – Jasna Strick, aka @tugendfurie. Diese hat im Interview das Hate-Speech-Opfer dargestellt.

    Yasmina Banaszczuk, berühmt aus #fappygate, hat übrigens ebenfalls an der Broschüre mitgewirkt.

    • lernender says:

      Wollte ich auch gerade schreiben…
      Die ganze Mischpoke, die sich in einem fanatischen Femiwahn durch die Blogs hatet, schreibt eine Broschüre über “Hate Speech”

      Das ist nicht mehr zu fassen..

      Völlig merkbefreit, frei von jeglicher Selbstreflektion und der unaufhaltsame Drang nach öffentlicher Wahrnehmung, Dramaqueens und Troublefrauen vom allerfeinsten und der Justizminister schreibt auch noch das Vorwort…

      Gebt den Frauen endlich einen “Bambi! und gut isses..

    • “Not all men must be killed”

      – but all women, oder was?!?!?!? Interessante Wendung, die Frau Strick da nimmt!

      Und damit argumentieren, dass das zu implizieren nicht ihre Intention gewesen sei, ist ja nach ihrer eigenen Auffassung nicht zulässig! Also ist entscheidend, dass ich mich, was meine Person betrifft, beleidigt fühle.

      Die Frage, was diese Aussage bzw. ihre Implikation für Frau Stricks eigene Person bedeutet bzw. für die Frage, wie mit ihr verfahren werden sollte, könnte ich aus meiner emotionalen Lage und subjektiven Wahrnehmung heraus ebenfalls beantworten, aber bestimmt gibt es da draußen jemand Böswilliges, der aus meiner Antwort auf diese Frage eine “hate speech” konstruieren würde ….

    • Martin says:

      Ich fühle immer dringender ein emotionales Bedürfnis meinem “Hate” nicht mehr durch “Speech” Ausdruck zu verleihen.
      Bashing, Kicking und Throttling scheint mir gegenüber diesen Gestalten en gros weitaus angemessener zu sein.

  3. Meier, Hans (Kempten says:

    Nichts ist brutaler, rücksichtsloser und egoistischer als zart empfindendes Empfinden eigener Empfindsamkeit. Der zarte Jüngling. Die Prinzessin auf der Erbse. Das edle junge Geschöpf in der Sänfte, das darunter leidet, wenn die schwarzenSklaven, die es tragenm, zu unregelmäßig gehen. Es sind überempfindsame Oberschichtskinder, die sich von HATE SPEECH verfolgt fühlen, wenn die derbe, brutale, arbeitende Unterschicht schwitzt und stöhnt und flucht. Wobei: ist das Wort “Unterschicht” nicht schon “political incorrect”? Und “Neger” darf man auch nicht mehr sagen – wie nennen sich die Schwarzen in der Bronx selbst? Wer je mit einem Polacken freundschaftlich derb getrunken, weiß, wie er sich selbst nennt. Wörter transportieren Hass, wenn sie hassvoll eingesetzt werden, und Freundschaft, wenn sie freundschaftlich eingesetzt werden. (Und ja: ein KRÄFTIGER Schulterschlag kann ein Zeichen von Freundschaft sein, ein WEICH entschwindender Händedruck ein Zeichen von Verachtung. Gleiches gilt für die Wortwahl.)

    Was diese solipsistisch-narzisstische Luxus-Empfindsamkeit verbieten will, ist die Benennbarkeit von Ausbeutungsverhältnissen. Mein Sklave wird nicht mehr Sklave genannt. Ich nenne ihn Bruder und duze ihn. Zu tun hat er trotzdem, was ich will. Sonst enttäuscht er mich. Wenn er mir widerspricht, ist das verfolgungswürdige HATE SPEECH.

  4. Pingback: Atila, ein Religionspolizist? | DiskursKorrekt im Tagesspiegel

  5. hgb says:

    “Wenn Hans zu Horst sagt: “Du Arschloch”, ist dann Hans ein Hate Speaker oder Horst ein Arschloch?”
    Das Arschloch ist Horst, da er immer anderen unterstellt, was er selbst ist.

    Hate speaker sind daher immer die, die anderen hate speech unterstellen.

    Man könnte auch sagen: wie es in den Wald hineinruft, so ruft es auch heraus. Aber da ist zu wenig hate drin.

    “…liegt, wie Stefanowitsch erklärt, an der Endsilbe -ler, den -ler ist pejorativ, will abwerten, wie z.B. in Postler oder Radler oder Burschenschaftler. Gut zu wissen!”
    Auch Wissenschaftler. Ist eine Verkleinerungsform. Ein richtiger hieße “Wissenschafter” und dann wäre auch klar, was er tut: er schafft Wissen. Aber wer hat daran Interesse? Wissen beschränkt die Entscheidungsfreiheit.

  6. Hat dies auf DiskursKorrekt im Tagesspiegel rebloggt und kommentierte:
    Der Tagesspiegel mausert sich vom Provinzblatt zu einem im Netz weltbekannten.

  7. markus says:

    Anatol Stefanowitsch hat die neuesten Regeln oeffentlich gemacht, nach denen die Gesinnungs-Stasi in Zukunft feindlich-negative Elemente dingfest machen wird.

  8. markus says:

    Das Internet WirD den Linken unheimlich, da sagen LeutE unverbluemt ihre Meinung so wie zu DDR-Zeiten in der Kirche, es muss etwas geschehen ! Zuerst einmal muss der Gegner als hater diffamiert werden, dann sehen wir weiter …

    • Und gleichzeitig entpuppen sich die Linken Hater-Hater als fragile Persönlichkeitchen, die ihr Heil (und ihre Bestimmung) nur in der faschistischen Ideologie finden und entsprechend alles hassen müssen, was ihre Surrogat-Identität bedroht: abweichende Meinungen, personale Identitäten, unabhängige Denker, leistungsfähige Individuen, Menschen ohne psychische Probleme und Abo beim Therapeuten …

  9. Also, ich habe meine eigenen Vorstellungen darüber, wer hier die Idioten sind – um mich hier so anständig wie möglich auszudrücken.

    Aber auch diese Ausdrucksform ist ja ein Soziolekt, wie der geneigte Sprachwissenschaftler zugestehen wird, und dafür ist in der Wissenschaft kein Platz. Daher formuliere ich wie folgt um:

    Wenn die Autoren dieser Broschüre zur Selbstreflexion fähig wären, dann hätten sie vielleicht bemerkt, dass sie durch ihren 3D-Test (auf S. 15 in der Broschüre) durchgefallen wären:

    Dämonisierung:
    Leute, die verbal Meinungen vertreten, die die Autoren der Broschüre nicht mögen, sind das größte Übel der Welt oder doch zumindest ein so großes Übel, dass ihnen, wenn es gerade jemandem passend erscheint, der Mund verboten werden muss. Wären sie nicht ein so großes Übel, dann müsste man nicht sogar noch ihre Worte bekämpfen!

    Doppelstandards:
    Als “Strategie der extremen Rechten” ist “hate speech” schlimm, wenn die extreme Linke ihre altbekannten Feindbilder, also Kapitalisten, Männer, Liberale, Christen etc. mit “hate speech” überzieht, dann ist es keine; dann mutiert “hate speech” anscheinend zur Wahrheit. Jedenfalls fehlt die Thematisierung von Stereotypen und Vorurteilen auf Seiten der extremen Linken gegen deren altbekannte Feindbilder in der Broschüre vollkommen.

    Delegitimierung:
    Leuten, die verbal Meinungen vertreten, die die Autoren der Broschüre nicht mögen, gehört der Mund verboten.

    Für mich ist das ein Anwärter auf die Peinlichkeit des Jahres!

    Merken die Verfasser dieser Broschüre einfach nicht, dass das, was sie als Widerstand gegen ihre frohen Botschaften interpretieren, einfach der Tatsache geschuldet ist, dass ein Bildungsgefälle oder ein Bewußtseinsgefälle oder beides besteht zwischen den Leuten, die ihre Irritation oder ihren Ärger im öffentlichen Diskurs verbal ausdrücken, und ihnen selbst, die anderen Leuten unterstellen, was bei ihnen selbst zwar vorhanden ist, es aber nicht als das, von dem sie sprechen, erkennen können. Offensichtlich fehlt es den Verfassern der Broschüre an fachlicher und menschlicher Bildung; sonst ist für mich schlichtweg unerklärlich, wie es möglich ist, dass sie nicht bemerken, dass sie mit dem Akt des Verfassens ihrer Broschüre durch ihren 3D-Test fallen.

    Für die fachliche Ahnungslosigkeit der Verfasser dieser Broschüre spricht auch, dass sie anscheinend nicht wissen, dass sie – wieder einmal – das Rad neu erfinden wollen und sie auf sehr unzureichende Weise eine Thematik behandeln wollen, die woanders und schon seit langer Zeit kompetenter und umfassender behandelt worden ist. Hätten sie dies zur Kenntnis genommen, hätten sie ihr mangelndes Verständnis ihrer eigenen Praxis vielleicht durch Lektüre der bestehenden Literatur erkennen können (und wären dem Unsinn mit dem unsäglichen 3D-Test nicht aufgesessen). Insbesondere über Herrn Stefanwitsch, der doch Sprachwissenschaftler sein möchte, muss man sich diesbezüglich sehr wundern.

    Beispielsweise schreibt Teun A. van Dijk in seinem Klassiker “Prejudice in Discourse” aus dem Jahr 1984 (!) (erschienen in Amsterdam bei John Benjamins) auf Seite 70:

    “The list of more specific, prejudiced topics include e.g. the following:
    (P1) They are dirty/cause dirtiness.
    (P2) They do not integrate or adapt themselves here.
    (P3) The town/neighborhood has changed (negatively) due to them.
    (P4) They are aggressive.
    (P5) They have a different `mentality’.
    (P6) They do not respect women.
    (P7) They have (too) many children.
    (P8) They abuse/profit from our social services.
    (P9) They get (our) houses (get houses more often than we).
    (P10) They are threatening, criminal.
    These are the most frequent opinions people formulate about minorities. They may indeed be called negative stereotypes, shared by many people in the Netherlands. Others include e.g. `They are noisy’, `They do not respect (our) property’, `They are more emotional’, ‘Their children bother us’, `They threaten our prosperity’, and so on.
    On the whole, these prejudiced topics cluster in different overall prejudice categories, such as:
    (PC1) THEY ARE DIFFERENT (CULTURE, MENTALITY) [z.B. sind sie Konservative, “Rechte”, haben eine Sozialisation erfahren, die sie zu Frauen- oder Ausländerhassern gemacht hat u.ä.m.].
    (PC2) THEY DO NOT ADAPT THEMSELVES [z.B. passen sie sich nicht an den derzeitigen Zeitgeist und seine politische Korrektheit an].
    (PC3) THEY ARE INVOLVED IN NEGATIVE ACTS (NUISANCE, CRIME [oder hate speech]).
    (PC4) THEY THREATEN OUR (SOCIAL, ECONOMIC) INTERESTS [z.B. indem sie nicht die derzeit propagierte Gleichstellungspolitik gut heißen, sondern für eine gerechte Verteilung gesellschaftlicher Güter eintreten].
    Both in their general opinions and in more concrete stories about events, the respondents stress instances of these general categories of prejudice”

    – genau, wie nicht nur die Leute dies tun mögen, die in der Broschüre als “hate speech-ler” gebrandmarkt werden sollen, sondern (auch?) die Verfasser der Broschüre selbst, wie meine Einschübe in eckigen Klammern in das Zitat von van Dijk deutlich gemacht haben sollten.

    Allerdings muss man fairerweise zugestehen, dass die an sich sehr umfangreiche und verdienstvolle Arbeit von van Dijk bedauerlicherweise selbst stark darunter leidet, dass der Autor ebenfalls zu den Leuten gehört, die die Analyse nachrangig behandeln, also nur Inhalte als der Analyse wert betrachten, denen sie emotional verbunden sind, und nicht umgekehrt das analytische Instrumentarium auf verschiedene Inhalte anwenden, also z.B. die diskursanalytischen Mittel nicht nur zur Beschreibung von Vorurteilen gegen ethnische Minderheiten, sondern auch z.B. gegen weiße Männer anzuwenden.

    Insofern kann man sagen, dass es sich um eine sehr ungute diskursanalytische Tradition handelt, die eigenen weltanschaulich begründeten Denkbeschränkungen nicht zu erkennen. Dies impliziert dann leider auch, dass es ein Teil dieser unguten Tradition ist, interessante Fragen systematisch außen vor zu lassen, z.B. die Fragen:

    – Stellt eine positiv generalisierende Aussage wie “Die Jungs vom TSV XXX haben alle supertolle Muskeln” eine Diskriminierung dar, weil sie die so ausnahmslos positiv Beschriebenen unangemessen homogenisiert?

    – Ist eine beschreibende und generalisierende Aussage wie “Die, die bei uns im Haus wohnen, machen alle keine Kehrwoche” als vorurteilsbeladen (oder gar als “hate speech”) einzuschätzen – sie könnte ja vielleicht übersetzt werden in: “Bei uns im Haus wohnen nur faule Säcke!” -, oder ist sie schlicht als das einzuschätzen, was sie formal darstellt, also eine beschreibende Aussage, die zu akzeptieren ist, wenn sie richtig ist bzw. empirisch geprüft werden kann – vielleicht erklärt jemand auf diese Weise einem Besucher im Haus, warum im Hausflur Staub lag und warum er selbst ihn – auch – nicht entfernt hat.

    – Ist meine Feststellung, dass X ein Idiot ist, als Ausdruck eines Vorurteils oder gar “hate speech” einzuschätzen? Ist die Aussage empirisch zutreffend, wenn man meine Kriterien zugrundelegt? Ist sie logisch korrekt abgeleitet aus angebbaren Kriterien? Ist sie als Ausdruck meiner (derzeitigen) Beziehung zu X zu werten? Ist es möglich, dass sie all das ist? Wenn sie etwas davon ist, dann ist sie schwerlich als Vorurteil oder “hate speech” einzuordnen.

    Last, but not least:
    – Warum und anhand welchen Kriteriums sollte eine Interpretation eines Zuhörers oder Lesers höher gewichtet werden als die Intention des Sprechers oder Schreibers? Ist ein Sprecher oder Schreiber nicht die erste und letzte Instanz über das, was er zum Ausdruck gebracht hat und bringen wollte?

    – Und – grundlegender: Für welche Fragestellung GENAU ist es relevant, wie GENAU eine einzelne Aussage einer einzelnen Person zu interpretieren ist?

    Für Wissenschaft-ler ist es ja wohl kaum interessant, das Verhalten von Menschen zu bewerten, außer nach rationalen Gesichtspunkten, was zurückverweist auf die obigen Fragen danach, ob Aussagen (subjektiv und objektiv) BEGRÜNDET und ZUTREFFEND sind oder nicht.

    Und DAS ALLEIN interessiert jemanden, der etwas über die Welt wissen möchte, also einen Wissenschaftler, während Ideolog-ler die Frage interessiert, welche Personen ins Töpfchen und welche ins Kröpfchen müssen. Damit ist der Stellenwert der Broschüre als ideologischer Schall und Rauch (mein Soziolekt würde hier das Wort “Quatsch” nahelegen) für mich hinreichend geklärt.

    • Alex says:

      “Last, but not least:
      – Warum und anhand welchen Kriteriums sollte eine Interpretation eines Zuhörers oder Lesers höher gewichtet werden als die Intention des Sprechers oder Schreibers?”

      Damit man die subjektive Empfindung zum Maßstab aller Dinge machen kann und dann per demokratischer (oder eben weniger demokratischer) Entscheidung über sanktionierende Massnahmen rechtfertigen kann.

      Diese Subjektivierung ist das Wesentliche hier.

      Auch unser Rechtssystem soll diesen Leuten gemäß dementsprechend angepasst werden, so daß dem Beklagten die Bringschuld der Beweislieferung zufällt.

      Die Subjektivierung geht also noch weiter und endet nicht bei blosser Wissenschaftsfeindlichkeit.

      • @Alex,

        ja, das könnte die strategische Absicht dahinter sein. Aber das würde bedeuten, dass die Frage auf meine Antwort lautet: “Weil es ein paar Leuten so gefällt”, und das ist nun wahrlich keine überzeugende Antwort für den Zweifler bzw. die Leute, denen es anders besser gefällt. Man wird sich etwas deutlich besseres einfallen lassen müssen, wenn man kritische Münder stopfen will …

    • hgb says:

      “Last, but not least:
      – Warum und anhand welchen Kriteriums sollte eine Interpretation eines Zuhörers oder Lesers höher gewichtet werden als die Intention des Sprechers oder Schreibers? Ist ein Sprecher oder Schreiber nicht die erste und letzte Instanz über das, was er zum Ausdruck gebracht hat und bringen wollte?”

      Nach dem Sender – Empfänger – Modell von Stuart Hall bestimmt der Empfänger über den Inhalt der verbalen Botschaft. Der Sender weiss (sollte er zumindest), was er zum Ausdruck bringen wollte. Um eine möglichst hohe Übereinstimmung zu erzielen, ist eine beidseitige Kommunikation notwendig, in der man sich des richtigen Empfangs versichert. Dies setzt Zuhören auf beiden Seiten voraus und den Willen, den Anderen möglichst in seinem Sinne zu verstehen, ihn nicht partout mißverstehen zu wollen.

      Nach dem Modell ist die einzigste Person, die mich nicht mißverstehen kann, ich selbst. Ich kann aber selbst nicht erkennen, daß meine Botschaft mißverstanden werden kann. Dies erfahre ich erst, wenn ich sie an eine andere Person schicke durch deren Reaktion.

      Mir nahestehende Personen (die mich kennen/erleben) werden meine Botschaften sinngemäßer erfassen (hoffentlich, da ähnlich codiert) als fernerstehende oder fremde Personen, die z.B. nicht Deutsch sprechen und demgemäß die Botschaft überhaupt nicht verstehen können.

      Interessanterweise würde es mir aber möglich sein, mich weltweit unter Menschen nonverbal zu verständigen, z.B. durch Gesten.

      “Für welche Fragestellung GENAU ist es relevant, wie GENAU eine einzelne Aussage einer einzelnen Person zu interpretieren ist?”

      Vorschlag für die Frage: Stimmt das (die einzelne Aussage)?

      “…während Ideolog-ler die Frage interessiert, welche Personen ins Töpfchen und welche ins Kröpfchen müssen.”

      Ich denke, Ideolog-ler-chen interessieren nur die Fragen, für die sie alle Antworten schon passend für ihr Weltbildchen haben.

      • “Nach dem Modell ist die einzigste Person, die mich nicht mißverstehen kann, ich selbst. Ich kann aber selbst nicht erkennen, daß meine Botschaft mißverstanden werden kann.”

        Doch, Sie können selbst erkennen, dass Ihre Botschaft mißverstanden werden kann! Und nicht nur das – offensichtlich haben Sie längst erkannt, dass Ihre Botschaft, und zwar JEDE Ihrer Botschaften, missverstanden werden kann, sonst hätten Sie eben dies in Ihrem Kommentar nicht formulieren können, oder!?

        Nun kann man aus dem Umstand, dass jede der eigenen Äußerungen missverstanden werden kann, die Konsequenz ziehen, zukünftig zu schweigen (und einige Leute haben das da ja auch bemerkenswerterweise getan, wie z.B. der wunderbare Nijinski), aber das würde unsere Kommunikationsmöglichkeiten auf die von Ihnen erwähnt Gestik und Mimik reduzieren bzw. die Aufgabe des Kommunikationsversuchs bedeuten.

        Wer an verbaler Kommunikation festhalten will, weil er sie NÜTZLICH findet, sollte sie möglichst so gestalten, dass sie auch nützlich sein kann. Weil nicht verhindert werden kann, dass mich jemand missversteht, muss ich versuchen, mich möglichst klar auszudrücken, vor allem aber bereit sein, auf Nachfragen und Einwände zu reagieren. Nur – ich muss Chance erhalten, auf Nachfragen und Einwände reagieren zu können, und das ist gleichbedeutend mit der Forderung, dass meine Zuhörer willens sind, mich als Autorität über das von mir Gesagte anzuerkennen und deshalb bereit sind, bei mir nachzufragen, ob ihre Interpretation des Gehörten dem entspricht, was ich sagen wollte, oder ob ich mir über die Prämissen dessen klar war, was ich gesagt habe und was von Anderen gehört wurde. Und deshalb sind m.E. die Interpretation eines Zuhörers oder Lesers zwar durchaus nicht unwichtig, aber sie können nicht höher gewichtet werden als die Intention des Sprechers oder Schreibers.

        Letztlich ist das, was ich sage, für Zuhörer ein Angebot, eine Information (gleich, welcher Art), mit der sie etwas anfangen können oder nicht, und ihre Reaktion auf das, was ich gesagt habe, ist für mich ein Angebot oder eine Information, mit der ich etwas anfangen kann oder nicht. Verständigung ist nicht nur von Semantik, Syntax und Pragmatik abhängig, sondern auch von gutem Willen, und wo kein guter Wille vorhanden ist, kann man jeden wegen allem, was er gesagt und angeblich gemeint oder bei jemand anderem an Reaktioenen erzeugt hat, verurteilen und zur Verantwortung ziehen – Sprechen an sich wird zum Risiko, stigmatisiert und ausgegrenzt zu werden.

        Daher möchte ich festhalten:
        Sprache ist ein Angebot an mögliche Zuhörer, und Reaktionen auf Gesprochenes sind ein Angebot an den Sprecher. Angebote kann Sprache nur machen, WEIL sie Deutungen ermöglicht, und die interessantesten Kommunikationen sind solche über verschiedene Deutungen.

        Wer seine eigenen Deutungen des von Anderen Gesprochenen zum Anlass nimmt, sprachliche Äußerungen (bestimmter Art) verhindern oder verunmöglichen zu wollen, statt nachzufragen und die Verständigung zu suchen, der lehnt das Kommunikationsangebot ab, das Sprache darstellt und will andere Menschen im wahren Sinn des Wortes MUNDTOT machen. Genau das tut man, wenn man als Zuhörer verlangt, dass die eigene Interpretation des Gehörten, Vorrang vor den Anliegen haben soll, die der Sprecher mit dem, was er gesagt hat, verbunden hat oder verbindet.

        Noch kurz zur Frage:

        “Für welche Fragestellung GENAU ist es relevant, wie GENAU eine einzelne Aussage einer einzelnen Person zu interpretieren ist?”

        Sie haben vorgeschlagen: “Stimmt das?”

        Diese Frage ist zweifellos diejenige, um die es geht, wenn wir wissen wollen, wir die Welt um uns herum funktioniert (auch die soziale Welt!, aber es ist eine Frage, die nur EMPIRISCH beantwotet werden kann, also von INTERPRETATIONEN durch einzelne Leute idealerweise unabhängig ist. Es wird hell, wenn ich den Lichtschalter betätige, oder es wird nicht hell!

        Jetzt kann natürlich der alte Hut von Einwand kommen, dass ja jedes Verfahren, eine Antwort auf eine Frage zu gewinnen, schon auf Interpretationen beruht, bla bla bla, aber das ist eine triviale Einsicht und aufgrund derselben sind INTERSUBJEKTIV NACHVOLLZIEHBARE Verfahren der empirischen Prüfung durch die Wissenschaft entwickelt worden. Z.B. können sich Leute normalerweise sehr schnell darauf verständigen, was als “hell” und was als “dunkel” zu gelten hat, um beim obigen Beispiel zu bleiben.

        Dummerweise verweist das aber letztlich doch zurück auf den guten Willen, den man haben muss, um sich mit anderen intersubjektiv zu verständigen – man muss es auch WOLLEN, und deshalb bedeutet die Aufkündigung der Akzeptanz solcher Verfahren wie durch den radikalen oder Tatsachenkonstruktivismus ebenfalls einen Abbruch der Kommunikation und ist daher rein destruktiv.

        Klar, ich kann immer sagen: “Ich habe aber ein anderes Verständnis von ‘hell’ und von ‘dunkel’, aber welchen Sinn hätte es, zu fragen: “Stimmt das?” Die Antwort hierauf könnte ja nur lauten: “Ja, wenn man “hell” und “dunkel” genauso definiert wie die Person, die den Einwand gebracht hat. Aber was würde uns das über die Realität sagen?

  10. Striesen says:

    Ich habe mir die Kommentare unter diesem unsäglichen Tagesspiegel-Artikel angeschaut. Was mir aufgefallen ist – diese Art von “Journalismus” und Foren”moderation” befördert Sklavensprache, Slave Speech sozusagen!

    Kommentatoren, welche die Hate Speech (“Breivikisten”)von – offensichtlich durch Moderation und Redaktion bevorzugten – Trollen nur zu gut kennen und unter ihr leiden, kleiden ihre Kritik in eine unterwürfige Sprache, die sich in Andeutungen ergeht. Das ist mir noch aus der DDR bekannt. Um überhaupt Gehör zu finden, wird zunächst die Politik der Partei- und Staatsführung grundsätzlich gelobt, um dann, nach einer Entschuldigung, es nicht böse zu meinen, ein Quentchen Kritik vorzubringen. Halten zu Gnaden.

    Ich hätte nie gedacht, mit einer einer Zeitung der Bundesrepublik aus dem 21. Jahrhundert wieder vor das Jahr 1990 und in die DDR zurückgedrängt zu werden.

  11. Wo ist Andreas Kemper? Den vermisse ich im Impressum der Broschüre richtig. 🙂

    Ich versuche zwar generell Texte nicht nach dem zu beurteilen, der sie schreibt, aber bei den Namen im Impressum grenzt es schon fast an Selbstkasteiung, sich sklavisch an diesen Grundsatz zu halten. Wenigstens tun einem die dort aufgeführten Urheber den Gefallen sich an ihr Programm zu halten, nicht doch einmal etwas gehaltvolles zu schreiben. Wieder einmal nur heiße Luft. Lediglich die Finanzierung dieses Unsinns lässt bei mir Verstimmung aufkommen, nämlich immer dann, wenn ich meine Lohnabrechnung sehe.

    • “Wenigstens tun einem die dort aufgeführten Urheber den Gefallen sich an ihr Programm zu halten, nicht doch einmal etwas gehaltvolles zu schreiben. ”

      Ich habe starke Zweifel daran, dass die Autoren etwas gehaltvolleres schreiben KÖNNTEN, selbst dann, wenn sie merken würden, dass das, was sie in der Broschüre geschrieben haben frei von jedem Gehalt – außer der Zurschaustellung der eigenen Unzulänglichkeiten – ist und dies als Mißstand erkennen könnten.

      Könnten sie es, so hätten sie es sicherlich schon vorher in ihrem Leben einmal versucht und hätten es (dementsprechend?!) nicht nötig, sich in ideologischen Pamphleten zu äußern.

      In der Pfalz sagt man in einem solchen Zusammenhang gewöhnlich (und ins Hochdeutsche übertragen): “Können vor Lachen!”

  12. Gerd says:

    Das Thema Hatespeech ist nicht neu und wurde auch nicht von diesen Leuten erfunden. Die kopieren einfach einen Trend aus den USA.

    Das Gefährliche daran: in der EU gibt es Bestrebungen “Hate speech” strafbar zu machen. Und zwar richtige Strafen, also Gefängnis. Was genau “Hate speech” ist, definieren die natürlich selber. Im Prinzip alles, was denen nicht gefällt.

    Und das ist die Wiedergeburt des Stalinismus. Es sind also nicht einfach wirre Spinner an irgendwelchen Universitäten, sondern knallharte Bestrebungen, die freie Meinungsäusserung abzuschaffen und ein System der Angst und des Spitzeltums zu erzeugen. Und das im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung. Für Leugnung des Holocaust kommt man schon jetzt für 5 Jahre hinter Gitter. In Zukunft wird es Leugnung der weltweiten Erwärmung oder Leugnung der Realität von Gender sein.

    • Philocodex says:

      5 Jahre? Ui. Da gibt es für Antigender-Hatespeech bestimmt schon 2.

    • @Gerd

      Vermutlich haben Sie mit dieser düsteren Prophezeiung Recht, aber nur dann, wenn wir alle das einfach so geschehen lassen. Und seien wir ehrlich: nennenswerten Widerstand – über ein paar Demonstrationen hinaus, die immerhin ein guter Anfang sind – haben wir alle ja noch kaum gezeigt.

      Wir haben also noch jede Menge Handlungsspielraum, von der Nicht-Zusammenarbeit (z.B. Boykott von Medien und Veranstaltungen, die lediglich Indoktrination betreiben, wozu leider auch Schulen in Deutschland gehören, Nicht-Zahlung von Steuern etc.) bis hin zu aktivem Widerstand, z.B. durch friedliche Demonstrationen. Und dann wäre natürlich noch zu klären, wie es sich mit den Aufrufen von Profx zur Begehung von Straftaten verhält. Wenn dies nämlich nicht als solcher verfolgt wird, wird es nicht begründbar sein, warum verfolgt werden sollte, wenn wir z.B. zum Übermalen von männerdiskriminierenden Bildern oder Slogans u.ä.m. aufrufen. Wenn Profx das für da eigene Anliegen tun darf, dann dürfen wir das natürlich auch für unsere Anliegen, oder!?! Alles andere wäre ja wohl eine deutliche Verletzung der Gleichberechtigung, um nicht zu sagen: Gleichstellung!

    • rote_pille says:

      5 jahre? das ist mehr als das was auf viele kriminelle handlungen steht. dann werden die kritiker in zukunft ja “billiger” davonkommen, wenn sie ihren gefühlen keinen zwang mehr antun und ihrer meinung mit “handfesten argumenten” nachdruck verleihen… ich kann nicht leugnen, dass sich meine mundwinkel bei dem gedanken nach oben bewegen…

  13. Pingback: Hate Speech oder auch: Kritik unerwünscht

  14. Loup says:

    Der Begriff Hatespeech ist die verklausolierte Form des Verbotes freier Gedanken. Es ist der Ausfluss aus faschistoiden Denkfabriken, die einer Ideologie zum Durchbruch verhelfen, die auf der Ebene der Argumente den kürzeren ziehen würden. Deshalb im Vorfeld dieser Angriff auf ein Menschenrecht, dem der freien Meinungsäußerung. Es geht hier nicht um Beleidigungen, sondern um Zensur, deren einzige Legitimation auf die einseitige Kompetenzerteilung an selbsternannte “moralische Experten” fußt. Da werden neue Ethiknormen aus dem Hut gezaubert, die nur einer Ideologie den Weg bahnt, die selbst keine Moral oder ethischen Werte besitzt.

  15. Alex says:

    Die Heuchelei der Sprachhygeniker ist atemberaubend…..

    zur Top-Feministin und Adorno-Preisträgerin Judith Butler:

    Abuse of Academic Freedom at Brooklyn College 2/2013

    ….

    On Thursday, February 7th, Brooklyn College’s Political Science Department sponsored a forum titled “BDS Movement against Israel,” where speakers advocated the boycott of products associated with the Jewish state. At this hostile event, pro-Israel students who tried to attend found themselves deleted from the registration list, while others were arbitrarily expelled from the event. Given the details of the event (described below), it seems reasonable to ask if those expelled were targeted because they were visibly observant Jews.

    Omar Barghouti and Judith Butler were the main draws at the forum. Barghouti is the founder and one of the main advocates of the Boycott, Divest and Sanctions (BDS) movement. He has stated time and time again that his goal is the end the state of Israel through BDS, and the establishment in its place of a greater Palestinian state.

    Butler, a professor who is vehemently hostile to Israel, uses her Jewish heritage to give some legitimacy to the cause. She has spoken in support of terrorist groups, stating at a 2006 teach in at UC Berkeley that “understanding Hamas, Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left, that are part of a global Left, is extremely important.”

    By sponsoring this event, Brooklyn University is promoting speakers who spew hateful rhetoric in praise of terrorists, espouse the end of Jewish sovereignty in the Middle East and compare the Jewish state to Nazis.
    …..
    Even anti-Israel extremists such as Norman Finkelstein have condemned the BDS movement, calling it a “cult” and “dishonest” about its true intentions to destroy the country, adding that he “wouldn’t trust those (BDS) people.”
    …..

    http://blog.camera.org/archives/2013/02/abuse_of_academic_freedom_at_b.html

  16. Endlich! Seite 19:
    “DON-Test für Sexismus:
    Degradierung: Männer sind besser als Frauen.”

    Das wäre also sexistisch?

    Dann muss auch umgekehrt gelten, dass jede Behauptung, die zum Inhalt hat, “Frauen sind besser als Männer.” eine ebensolche sexistische Degradierung enthält.

    Da die Frauenquote eben mit der Begründung engeführt wurde, “Frauen sind besser als Männer, mann lässt sie nur nicht ran”, ist der “degradierende Sexismus” des Feminismus bewiesen.

    Danke für den Link. Und danke an Julia Schramm für den – nicht beabsichtigten – Beweis ;-).

    • Alex says:

      “Dann muss auch umgekehrt gelten, dass jede Behauptung, die zum Inhalt hat, “Frauen sind besser als Männer.” eine ebensolche sexistische Degradierung enthält.”

      Stimmt. Das erscheint ganz logisch und folgerichtig. Jeder unvoreingenommene Leser müsste das so denken. Aber da hat er die Rechnung ohne die “Definitionsmacht” der “Sozialen Gerechtigkeit” gemacht:

      In der Realität nun wird dann von höherer Warte aus argumentiert, Männer seien die Begünstigten des “patriarchalen System” und könnten daher gar nicht Opfer des Sexismus sein! Denn der Sexismus sei eine Form der Unterdrückung durch dieses “Patriarchat”.

      Ebenso kann es prinzipiell kein Rassismus sein, wenn von “Weissen Männern” die Rede ist. Denn auch der Rassismus ist strukturell nur aus dem “Patriarchat” abzuleiten. Dabei wird freilich die historische Bedeutung des Begriffs “Rassismus” völlig untergraben, vor allem wie er aus der Eugenik herrührt.

      Das Problem mit dieser Ideologie ist, dass sie ganz und gar irrational und in ihren Inhalten sehr wandelbar ist. Die Konstante scheint zu sein, irgendeine überhöhte “Unterdrückung” zu postulieren, aus der jede Reaktion gerechtfertigt wird.
      Übrigens sind die Ähnlichkeiten zum modernen Antisemitismus extrem frappierend, so daß sich der Verdacht aufdrängt, das die Idee des “Patriarchats” zum Beispiel nur eine weitere, neue antisemitische Chiffre ist. Intereressanterweise wird der Antisemitismus aber ausdrücklich als unter “hate speech” fallend erwähnt, was dann natürlich zu besonders großen “kognitiven Dissonanzen” führen müsste….

      • “Stimmt. Das erscheint ganz logisch und folgerichtig. Jeder unvoreingenommene Leser müsste das so denken. Aber da hat er die Rechnung ohne die “Definitionsmacht” der “Sozialen Gerechtigkeit” gemacht: …”

        Wieso das? Ich bin ziemlich sicher, dass nicht jeder unvoreingenommene Leser so denken MÜSSTE, sondern jeder unvoreingenommene Leser TATSÄCHLICH so denkt – sonst wäre er nicht unvoreingenommen (oder unterdurchschnittlich intelligent), oder?!

        Und warum sollte ein unvoreingenommener oder nicht unterdurchschnittlich intelligenter Leser in seine Kalküls die abstrusen Glaubensinhalte irgendwelcher Ideologien oder Sekten einbeziehen? Sie helfen lediglich bei der Rekonstruktion der in Frage stehenden Ideologien. Ich lege bei meinen Interpretationen von Aussagen schließlich auch nicht die Überzeugungen der Holic-Gruppe oder von L. Ron Hubbard zugrunde.

        (Legitime)”Definitionsmacht” also Definitionsherrschaft haben Ideologen und Sekten nur für ihre Anhänger und Mitglieder, für sonst niemanden!
        George Orwell hat das sehr schön in “1984” in seiner Darstellung der Lebensweise der Mitglieder der Partei auf der einen Seite und der der “Proles”, die jenseits des Zauns und unbehelligt von der Partei leben und Handel treiben etc. auf der anderen Seite zum Ausdruck gebracht.

        Soll heißen: Bei allem Ärger über die Sprachemissionen, die uns derzeit zugemutet werden, sollte man dieselben doch nicht überschätzen, also als etwas anderes ansehen als sie sind: Sprachemissionen!

        • Alex says:

          @HD “Definitionsherrschaft haben Ideologen und Sekten nur für ihre Anhänger und Mitglieder, für sonst niemanden!”

          Stimmt eigentlich. Aber die Proles bleiben trotzdem ausgeschlossen, wenn das medial richtig gepusht wird und da kann man derzeit eindrückliche Beispiele zuhauf in der englischsprachigen Welt beobachten, die einem zur Warnung gereichen sollten. Und ja, das erinnert alles sehr an “1984”, mit einer Prise “Schöne Neue Welt”.

          • @Alex,

            dass die “Proles” in 1984 “ausgeschlossen” bleiben, ist m.E. eine ziemlich unangemessene Darstellung der Dinge. Dass sie ausgeschlossen seien, wird den Parteimitgliedern von der Partei, also anderen Parteimitgliedern, vorgegaukelt, so dass am Ende jeder in der Partei jedem anderen in der Partei diese Sichtweise bestätigt. Die “Proles” selbst kümmern sich nicht um die Konstruktionen der Partei und wissen anscheinend auch gar nichts davon, fühlen sich dementsprechend auch nicht ausgeschlossen, und prinzipiell hätten sie die Möglichkeit, Mitglieder der Partei zu werden, um “eingeschlossen” zu sein.

            Ich glaube, es würde die Situation der Proles schwerlich angemessen beschreiben, wenn man sie als “ausgeschlossen” von den Konstruktionen oder treffender: den Lügen, die die Partei ihren Mitgliedern erzählt, beispielsweise die über den andauernden Krieg, bezeichnen würde. Vielmehr könnte man doch sagen, dass ihnen diese Lügen erspart bleiben.

            Betrachtet man die real existierenden “Proles” von heute, also die aus dem ideologischen System “Ausgeschlossenen”, so steht es ihnen durchaus frei, bestimmte Medien zu konsumieren und andere nicht, und wenn sie sie konsumieren, dann vermutlich auf bestimmte Weise, die mit ihrem selbst gewählten Status als “Ausgeschlossene” zu tun hat. Insofern sehe ich diesbezüglich keine Schwierigkeit für meine Aussage:

            “Definitionsherrschaft haben Ideologen und Sekten nur für ihre Anhänger und Mitglieder, für sonst niemanden!”

    • Ja, völlig richtig!

      Das ist es eben: Man kann kein, aber auch wirklich kein, Texterzeugnis aus den Gefilden des modernen Feminismus oder Genderismus lesen, ohne dass man innerhalb kürzester Zeit auf Selbstwidersprüche trifft.

      Die Frage, woran das liegt, beschäftigt mich schon seit Jahren. Ist es etwa tatsächlich möglich, dass der zuverlässigste IQ-Test schlicht darin besteht, jemanden zu fragen, ob er dem modernen Feminismus/Genderismus oder den PC-Bemühungen nahesteht?Oder stehen hinter dem kognitiven Versagen entwicklungspsychologische Defizite, die zu entsprechenden Persönlichkeitsmerkmalen (u.a. autoritäre oder bipolare Persönlichkeit, Paranoia, Projektionen in extremem Ausmaß, gelernte Hilflosigkeit …) geführt haben?

      • Wolfgang R. says:

        Vielleicht ist meine Erfahrung aus Schulzeiten hilfreich: Wenn ich selbst vom gewünschten Ergebnis her diskutiert habe, also von einem Standpunkt aus, den ich eingenommen hatte, ohne von Anfang bis Ende logisch strukturiert darüber nachzudenken, dann habe ich mich oft in Widersprüchlichkeiten verheddert. Das war in den Diskussionen mit den “Emanzen” der damaligen Zeit an der Tagesordnung, weil man sich als sehr junger Mann ständig für alles zu entschuldigen hatte – für seine Hormone, seine anerzogenen Verhaltensweisen, für seine Triebe, Gelüste und Bedürfnisse ebenso wie für seine Ängste, Sorgen und Feigheiten…
        (Erinnert sei an “Der Tod des Märchenprinzen”, dieser Roman spiegelt m.E. die damaligen Zeitgeister treffend wieder)

        Als ich damals z.B. gegen dummdreist verallgemeinernden Frauen aufbegehrt habe, weil ich nicht als potentieller Vergewaltiger bezeichnet werden wollte, habe ich auch mal für das Recht auf kurze Röcke und ein anderes mal gegen die aufreizende Kleidung der Mädchen argumentiert. Einmal behauptet, Männer sind nun mal so und beim nächsten mal, unsere Mütter hätten uns erst zu dem gemacht, was wir sind. Mal habe ich versucht, mich zu rechtfertigen, mal habe ich zurückgebissen.

        Um es kurz zu machen: Oft behaupten die, die gar nicht wissen, wie man Wasser zum Kochen bringt, die anderen würden auch nur mit Wasser zu kochen. Wenn man keine Ahnung sondern nur Wünsche hat, redet man eben oft dummes Zeug, insbesondere dann, wenn man trotzdem mitreden und andere Leute zu einer bestimmen Handlungsweise bewegen will.

        Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, scheint jedes Argument brauchbar – und sei es noch so unlogisch oder widersprüchlich.

        • @Wolfgang R.

          Ihre Beschreibung der eigenen Erfahrung zeigt hinreichend, dass Sie die mentale Fähigkeiten haben, Ihr eigenes Handeln zu reflektieren und unemotional einer Bewertung nach seinen Voraussetzungen und Folgen zu unterziehen.

          Sie können das heute, in der Rückschau – Sie berichten ja von Ihrer Schulzeit -, aber ich vermute, dass diese Fähigkeit sich nicht erst gestern oder heute bei Ihnen entwickelt hat. Seit Ihrer Schulzeit haben Sie sich jedenfalls offensichtlich weiterentwickelt und können Ihre damaligen Verhaltensweisen als Erfahrungen mit sich selbst reflektieren.

          Dann stellt sich aber die Frage:
          Wieso konnten Sie das, andere aber nicht, bzw: warum können eine Menge Leute im Erwachsenenalter anscheinend nicht auf eine solche Entwicklungsgeschichte zurückschauen? Was ist mit ihnen los, dass Sie immer noch ihren nicht rational begründeten Standpunkt zum Ausgangspunkt all ihrer Sprachakte nehmen, statt durch Sprachakte und sprachlichen Austausch mit anderen Leuten klären zu wollen, ob ihr Standpunkt rational begründbar ist oder nicht?

          Ich vermute, dass ein entwicklungspsychologisches Defizit vorliegt, wenn man noch als Erwachsener an irgendwie sympathischen “Standpunkten” klebt, die Identität geben sollen, weil man über zu wenig Identität verfügt, um diese “Standpunkte” zur Diskussion zu stellen und sich dann rational begründet zu ihnen zu positionieren.

          Aber wenn das stimmt, dann führt das ja nur zu einer ganzen Reihe weiterer Fragen: Wie ist es zu diesem Defizit gekommen? Ist es im Erwachsenenalter noch behebbar? Falls ja, wie? etc. etc. Insofern bin ich mit meinen eigenen Antwortvorschlag nicht besonders zufrieden: er ist eben eher deskriptiv als erklärend.

  17. Pingback: Wie Linke und Opportunisten am Rechtsextremismus verdienen | ScienceFiles; Kritische Wissenschaft - Critical Science

  18. albert says:

    Was können wir aus Faschismus und Kommunismus lernen? Dass der Schoß noch sehr fruchtbar ist, aus dem das kroch. Nur welcher ist der Schoß? Was haben Faschismus und Kommunismus geschwisterliches? Wer ist ihre Mutter? Wer ihr Vater? Gemeinsam haben diese Ideologien, dass sie Massen (und nicht Völker oder Menschen) bewegen wollen. Um sie bewegen zu können, müssen sie sie gleichschalten. Für die Faschisten ist das Volk die Masse, für die Kommunisten die Menschheit. Die Gleichschaltung der Menschheit ist ungleich schwieriger, als die des Volkes. Der Weg zur Gleichschaltung der Menschheit führt über die Gleichschaltung der Völker. Der Stalinismus brauchte z.B. den “Sowjetmenschen”, um den Russen und die vielen anderen Völker Russlands zu beseitigen. Faschismus ist somit eigentlich die Vorstufe des Kommunismus auf dem Weg zur Weltherrschaft.

    Es gibt noch eine Gemeinsamkeit: Beide Systeme leben vom Schuldkult. Beide haben Märtyrer. Beide haben unfehlbare Führer. Wer noch? Richtig? Der Vatikan! Stalin war Jesuit, bevor er Führer wurde. Der erste zwangskollektivistische Massenstaat war der Jesuitenstaat Paragay. Heute ist der Papst ein Jesuit!

    Was hat das mit den GenderistInnen zu tun? Auch sie leben vom Schuldkult. DAS ist der Kern ihrer Ideologie! Ohne ihn würde sie gar nicht funktionieren. Ein wesentliches Element des Schuldkults ist die manipulierte Sprache. Hate-Speech ist seit Jahrtausenden eine Spezialität aller Buchreligionen, besonders der Abrahamitischen (Judentum, Christentum, Islam). Warum? Weil sie einen Gott anbeten, der ihnen Gebote gibt und wer diese übertritt, ist ein Sünder. Weil sie fordern zu glauben und verbieten zu wissen. Wenn Glauben da anfängt, wo Wissen aufhört, dann wissen diese Glaubensprediger offenbar nicht viel, denn sie glauben lediglich, dass sie wissen. Dabei haben sie nur ein Gedächtnis, das ihnen sagt, wo das steht, was sie wissen müssen, um keine Sünden zu begehen. Da haben wir wieder eine Gemeinsamkeit zwischen Faschismus, Kommunismus und den 3 Buchreligionen. Der Rabbiner weiß, es steht alles im Talmud, der die Thora erklärt. Der Pfaffe weiß, es steht alles in der Bibel, und der Imam weiß, es steht alles im Koran. Der Kommunist weiß, es steht im Kommunistischen Manifest des Rabbinersohnes Marx und der Faschist findet seine Weisheiten in den gesammelten Werken seiner merkwürdigerweise immer katholischen Führer. Das Genderistix findet seine Weisheiten in einem neuen Geschichtsbuch, dass es sich selbst schreibt und in dem geschrieben stehen soll, dass alle, die wie sie die Wahrheit gepachtet haben, immer von den pösen Leugnern verfolgt werden. Das stellt sie auf eine Stufe mit den im Faschismus verfolgten Juden, folglich ist eine Gesellschaft dann faschistisch, wenn sie die Genderistix kritisiert (sprich: verfolgt).

    Wenn man nun weiß, das die Antonio-Amadeu (Amadeus= der von Gott geliebte)-Stiftung von einer Anette Kahane gegründet wurde, einer Zionistin, welche sich ihre ersten ideologischen Sporen als SED-Funktionärin verdient hat, der kann sich kaum wundern, dass wir es hier nicht mit Wissenschaft, sondern mit Religionsfanatikern zu tun haben, die keinen anderen Glauben dulden als den ihren. Daher hat der obige Artikel auch etwas rührend Naives an sich, wenn er diese neue Schwarte der Kahane einer Betrachtung vom wissenschaftlichen Standpunkt aus unterzieht. In solchen Glaubenskriegen ist selbst Gallilei argumentativ nicht weiter gekommen mit den Priestern des Schuldkults, die sich durch seine und die Entdeckungen des Kopernikus aus dem Zentrum ihres Universums verdrängt sahen, in dem sie sich wähnten. Übrigens regieren ja auch die Zionisten die Juden weltweit mit dem Schuldkult. Waren die Juden nicht Mitschuld am Holocaust, weil sie wie die Schafe zur Schlachtbank trotteten? Braucht es nicht gerade deshalb einen Zionismus als Retter der Juden? Ist der Zionismus und sein Kampf um Jerusalem nicht die Vorbereitung für die Ankunft des Messias?

    Nein, es gibt keine “jüdische Weltverschwörung”. Es gibt immer nur eine Verschwörung von Buchreligionen-und Ideologien gegen das Wissen, das die Menschheit frei macht. Ihre schärfste Waffe ist “der Glaube zu wissen”, also die Theologie bzw. Metaphysik. Der Genderismus hat auch eine Metaphysik, nachlesbar beim französischen “Philosophen” und Existenzialisten Derrida.

    Allerdings gibt es auch einen wesentlichen Unterschied zwischen den Buchreligionen, Kommunismus und Faschismus (beides übrigens Formen des Messianismus) einerseit und Genderismus andererseits: Der Genderismus soll nicht staatbildend wirken, sondern staatszerstörend. Er ist also nur ein Instrument zur Vernichtung der Völker und ihrer Identitäten. Und genau mit so einem Vorgang haben wir es hier zu tun. Im Interesse der Jesuiten-EU (alle führende Funktionäre stehen diesem mächtigsten Orden der Katholischen Kirche nahe. Der Karlspreis zielt auf Karl den Großen, der sich als erster Kaiser dem Papst unterwarf und die abschlachtete, die das nicht wollten – die Sachsen) sollen die Nationalstaaten von Innen her zerstört werden und somit auch das Völkerrecht, dessen Ausdruck sie seit dem Westfälischen Frieden von 1648 sind (den der Vatikan bis heute nicht anerkannt hat). Die gegenwärtigen Masseneinwanderungen sind in diesem Zusammenhang ein Vernichtungsprogramm, das beim Gründer der Paneuropäischen Bewegung und der EU, Kallergi, nachgelesen werden kann, ein Rassist reinsten Wassers, der bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts forderte, die Völker Europas durch eine so wörtlich “negroide Mischrasse” ersetzen wollte, die von “den Juden” (sprich Zionisten) als “neue Adelsrasse” geführt werden soll. Er schrieb quasi die Verschwörungstheorie zur heutigen Verschwörungspraxis. Die Afrikaner waren ihm zu dumm und die Europäer zu klug. Die Mischung machte es für ihn. Das war und ist ein Hate-Speech gegen alle Völker und Nationen der Erde (aber gerade auch gegen das jüdische Volk, das er hier in seine verschwörerische Pflicht nimmt, so wie Hitler – unterstützt von Papst Pius XII. – einst die Deutschen zu Rassisten machte und in die völkermörderische Pflicht nahm).

    Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch, sagte Brecht zurecht. Er ist gegenwärtig sogar so fruchtbar wie noch nie! Denn wie sagte der Papst zum König: “Du hälst sie arm, ich halte sie dumm.” Und wie sagte Einstein: “Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mit allerdings nicht sicher.”

  19. Pingback: Deutschland – eine verendende Gesellschaft? | ScienceFiles; Kritische Wissenschaft - Critical Science

  20. Wahr-Sager says:

    An sich wieder ein guter Artikel, ABER:

    “Erstere sind reine Wesen linker Gesinnung, Letztere sind fiese Burschenschaftler, Pegida-Demonstranten oder sonstige vermeintlich Rechte (wobei die Linken, die Rechten zwischenzeitlich in der gesellschaflichen Mitte verorten), die die falsche Gesinnung, das falsche Bewusstein, wie Marx es genannt hat, haben, weshalb ihnen der Weg in das linke Paradies verwehrt ist.”

    Warum VERMEINTLICH Rechte? Was ist am Rechtssein so schlimm? Genau diese Distanzierung von rechts verschafft der linken Seite die Meinungs- und Deutungshoheit, mit der sie ihren politischen Gegner nach Belieben dämonisieren können.

    Die Meinungsforscherin Professor Dr. Elisabeth Noelle schrieb 2003 in einem FAZ-Artikel mit dem Titel “Der Linkstrend ist gestoppt” (womit sie leider unrecht hatte) u. a. folgendes:
    “Links steht für den Wert der Gleichheit, rechts für Differenzierung, Unterschiede individueller, sozialer und nationaler Art.
    Linke Werte sind Nähe, Wärme, Formlosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, Spontaneität. Rechte Werte sind Distanz, Disziplin und Umgangsformen. Im Deutschen gehört dazu die sprachliche Unterscheidung zwischen ‘du’ und ‘Sie’.
    Aus linker Sicht wird der Mensch vor allem durch sein Milieu geprägt, die Gesellschaft wird für das Schicksal des einzelnen verantwortlich gemacht. Aus rechter Sicht liegt die Verantwortung dagegen beim Individuum, der einzelne ist für sich selbst verantwortlich.”
    Und als Ergebnis einer Umfrage des Allensbacher Instituts im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ergab sich:
    “So sind für die Mehrheit der Bevölkerung Patriotismus, der Stolz auf das Vaterland ebenso als rechts einzustufen wie das Eintreten für eine entschiedene Bekämpfung der Kriminalität. Als links gilt dagegen das Streben nach sozialer Gerechtigkeit und nach der Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft.”
    Ich finde diese Einteilung auch heute noch ziemlich brauchbar, wenngleich es aber sicherlich auch Überschneidungen und Gemeinsamkeiten gibt. So wäre es paradoxerweise eine linke Sichtweise, wenn z. B. Rechte die Gesellschaft für das Schicksal des Einzelnen verantwortlich machen, weil sie sich einer politischen Ideologie unterwirft, die Andersdenkende ins gesellschaftliche Aus manövriert.

  21. Pingback: Grundrechte-Domino: Eines nach dem anderen fällt Grünen zum Opfer | ScienceFiles; Kritische Wissenschaft - Critical Science

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