Netzkultur? Feinbildpflege beim SWR (mit einem Gastauftritt von Ilse Lenz …)

… den wir nicht an uns vorbei ziehen lassen können.

Arne Hoffmann, von dem wir uns manchmal fragen, wie er es schafft außer deutschen Medien zu folgen noch etwas anderes zu tun, hat wieder einmal einen Beitrag aufgetan. „Feindbild Frau“ heißt der Beitrag. Der SWR hat die Verantwortung für diesen Beitrag übernommen, den Beitrag, den Sebastian Witte erstellt hat, somit zu einem von Gebührenzahlern zwangsfinanzierten Beitrag gemacht hat.

Der Beitrag ist unter der Rubrik „Netzkultur“ erschienen, was uns dazu veranlasst hat, die Netzkultur zu analysieren.

Woraus besteht die Netzkultur, die Sebastian Witte vermittelt.

Zunächst einmal besteht die Netzkultur aus Framing, also aus dem Versuch, die Leser auf die richtige Spur zu setzen, sie in eine bestimmte Richtung zu manipulieren.

SWR FeindbildBei Witte geht das durch den Verweis auf allerlei Spinner, die sich nach seiner Ansicht im Netz mit ihren Verschwörungstheorien finden, Chemtrailer, 9/11-Verschwörer, Geheimorganisations-Vermuter finden sich dort und, ja „manche Männer vermuten [sogar], dass Frauen in Wirklichkeit der Feind sind!“ Das Ausrufezeichen findet sich im Text von Witte. Es ist das einzige Ausrufezeichen außerhalb von Zitaten – es zeigt: Witte ist auf der richtigen Seite, und auf dieser richtigen Seite sollen auch alle Leser seines Beitrags sein, denn wer will schon als Irrer, der an idiotische Verschwörungstheorien glaubt, dastehen.

Das ist der Rahmen, den Sebastian Witte seinem Beitrag in der Rubrik „Netzkultur“ gibt. Es ist ein Musterbeispiel für schlechten, nein unterirdischen und offen manipulativen Journalismus.

Und nun, nachdem die Skala der Idiotien im Internet durchgespielt wurde, und die Bühne bereitet wurde, nun werden die vorgeführt, die Witte für die Insassen der Irrenanstalt hält, die er eingangs beschrieben hat. Detlef Bräunig ist einer von Ihnen, ein Aktivist, ein Antifeminist, einer derjenigen, die „vermuten, dass Frauen in Wirklichkeit der Feind“ sind – und, so muss man anfügen, einer von denjenigen, die sich vorführen lassen – gerne, wie es scheint.

„Bräunig hat 1300 Likes bei Facebook und 200 Follower bei Twitter“, so berichtet Sebastian Witte, und eigentlich ist sein Beitrag damit am Ende, wegen Irrelevanz, oder will sich Witte in Zukunft unter der Rubrik „Netzkultur“ um alle kümmern, die 200 Follower bei Twitter haben und 1300 Likes bei Facebook?

Was also ist an den 1300 Likes bei Facebook und den 200 Followern bei Twitter so bedeutsam? Man kann sie als Ausgangspunkt nutzen, um eine Mücke zum Elefanten aufzublasen und damit alle, die sich gegen Genderismus wenden, zu verunglimpfen und zu diffamieren.

Bräunig oder die Betreiber von „Wiki Mannia“, sind hier geeignete Stichwortgeber um diese Mücke aufzupumpen, und zwar per Fehlschluss, denn eine Schwalbe macht bekanntlich so wenig einen Sommer wie eine Mücke sich zum Elefanten eignet. Das jedoch, ist Witte egal, wenn es um seine Form der Netzkultur geht, dann ist der Fehlschluss geradezu Programm.

Logik f dummiesNicht nur vom Einzelfall auf die Allgemeinheit wird fehlgeschlossen, nein, die Nennung eines Begriffs, eine bösen Begriffs, des Begriffs „Pegida“ reicht dem von Gebührenzahlern Finanzierten, der sich als Journalist ausgibt, aus, um wilde Phantasiewelten zu erschließen.

Dazu erfindet er ganz eigene Fehlschlüsse, denn der Schluss von der Nennung eines Wortes darauf, dass der Benutzer (sofern er es nicht selbst ist oder gar einer seiner Vorgesetzten) ein ganz schlimmer Finger sein muss, der ist bislang einmalig. Nennen wir ihn fortan den Sebastian Witte Fehlschluss.

Die Betreiber von Wikimannia, die sich nicht von Witte interviewen lassen wollten, was sie ehrt, sie haben per eMail darauf hingewiesen, dass auf Wikimannia auch Beiträge zu Pegida, Montagsdemo, Demo für Alle usw. weiter zu finden sind. Kein Wunder eigentlich, denn Wikimannia will eine Enzyklopädie sein.

„‚Wir sind das Volk!‘ Pegida Demo“ ergänzt Witte und fragt: „Pegida und Antifeministen gehen also Hand in Hand?“

Wie gesagt, diese Art von Fehlschluss ist in der Logik nicht bekannt. Denn in der Logik geht man nicht davon aus, dass das Gegenüber bösartig ist (sondern nur dumm oder ungebildet), eine Annahme, die man bei Sebastian Witte bis zum Beweis des Gegenteils nunmehr machen muss, denn sein Versuch, Antifeminismus zu diskreditieren, basiert nur auf seiner fiesen Phantasie, auf sonst nichts.

Scheinbar hat Witte irgendwo aufgeschnappt, dass man eine wilde Behauptung dadurch, dass man auf einen verweist, der sie auch schon einmal aufgestellt hat, etwas weniger wild erscheinen lassen kann. Und wen zieht Witte als Verbündeten aus dem Hut? Ausgerechnet Hinrich Rosenbrock, den er zum Soziologen erklärt, was sich richtige Soziologen ein für alle Mal verbitten und aus dessen Magisterarbeit er zitiert: „Teile der antifeministischen Männerrechtsbewegung lesen rechtsextreme Seiten wie Politically Incorrect und Altermedia“, zitiert er.

Ja sowas aber auch. Da lesen Teile der antifiministischen Männerechtsbewegung etwas, was Herrn Rosenbrock nicht gefällt und was Herrn Witte auch nicht gefällt und doch: Teile der antifeministischen Männerrechtsbewegung lesen auch das, was Herr Witte schreibt: Macht Sie das nun zum Rechtsextremisten, Herr Witte oder zum Linksextremisten oder diejenigen, die lesen, was Sie schreiben, zu Linksextremisten? Nach ihrer eigenen Logik muss es das, und entsprechend müsste der Intendant des SWR sie nun eigentlich von ihrem Posten entfernen!

Weiter geht es mit den Fehlschüssen, nunmehr in Form unappetitlicher Zitate, die bei Witte offensichtlich etwas ausgelöst haben, sonst würde er sie nicht wiederholen, denn als Beleg dafür, dass alle Männerechtler Idioten oder Schweine sind und jeder, der gegen Genderismus ist, ein Rechter, taugen sie absolut nicht. Bleibt nur noch die intrinsische Befriedigung, die es Herrn Witte wohl bereitet haben muss, die entsprechenden Zitate ans Tageslicht zu ziehen.

Schließlich darf Ilse Lenz da, wo Hinrich Rosenbrock ist, nicht fehlen (was auch zeigt, wie klein die Welt der Anti-Antifeministen ist. Vermutlich bringt es Ilse Lenz nicht auf 200 Twitter Follower und 1.300 Facebook Likes, aber auf ein Zitat bei Witte). Immerhin war es Ilse Lenz, bei der Rosenbrock seine Magisterarbeit über die Männerbewegung (die außer ihm kaum jemand in Existenz wähnt) geschrieben hat. Schließlich war es Lenz, die dafür gesorgt hat, dass die Magisterarbeit von der Heinrich-Böll-Stiftung gekauft wurde. Ja, Magisterarbeiten kann man heutzutage kaufen. Sie wünschen, wir schreiben. Lehrstuhl Lenz, seit Jahren berühmt für Forschung ohne empirische Methodenkenntnisse.

Wie dem auch sei, Ilse Lenz wird zitiert, zitiert mit dem Folgenden:

„‚Diese affektive Abwehr dient der Vergemeinschaftung und der Gemeinschaftsbildung und durchaus auch des Einübens von Hass und Abkehr vom rationalen Dialog.‘ Ilse Lenz“

Nathanson MisandryDie affektive Abwehr, die sieht Lenz da, wo Genderismus kritisiert wird (aber seltsamerweise nicht bei sich selbst – trotz der affektiven Abwehr von Kritik, die in ihrem Zitat deutlich wird). Und wer Genderismus kritisiert, der tut dies nach ihrer Ansicht, um eine In-gruppe zu bilden, die die Genderisten als „outgroup“ sieht und sich von den Genderisten abgrenzt, durch Abwehr und Hass, mehr noch, er verweigert auch den rationalen Dialog mit der „outgroup“, mit den Genderisten, der von den Genderisten bekanntermaßen doch so dringlich gesucht wird.

Diese Stelle haben wir mehr als einmal gelesen – weil wir es nicht glauben konnten. Ilse Lenz sucht den rationalen Diskurs.

Ilse Lenz sucht den rationalen Diskurs!

Frau Lenz, Sie haben den rationalen Diskurs gefunden, und wir freuen uns, dass Sie sich, als rationaler Vertreter der Genderisten, offenkundig in der Lage wähnen, lange gestellte und nie beantwortete Fragen nach dem Erkenntnisinteresse, der Methode, der Methodologie, dem Erkenntnisgewinn, ja dem gesellschaftlichen Nutzen der Gender Studies endlich zu beantworten. Wir schicken Ihnen diese Frage gerne zu und versprechen, die Antworten auf ScienceFiles zu veröffentlichen (und einer rationalen Kritik zu unterziehen). Und natürlich werden wir unsere Leser über den Gang der Dinge auf dem Laufenden halten.

Wo sich andere Genderisten, die an Universitäten installiert sind, weigern, auch nur eine eMail zu beantworten, geschweige denn die Frage, nach der wissenschaftlichen Grundlage ihrer Tätigkeit, da will die emeritierte Ilse Lenz in die Bresche springen.

Die Gelegenheit, das Ilse Lenz zum rationalen Diskurs bereit ist, muss natürlich zu noch mehr Fragen genutzt werden:

Auf welche Daten gründen Sie die oben zitierten Aussagen über die Motivation von Kritikern der Gender Studies bzw. des Feminismus? Welche Form der Erhebung haben Sie durchgeführt? Wie haben Sie die Reliabilität und die Validität ihrer Daten geprüft – wie die Daten ausgewertet (mit welcher Methode?).

Wir sind gespannt.

Über Michael Klein
... concerned with and about science

8 Responses to Netzkultur? Feinbildpflege beim SWR (mit einem Gastauftritt von Ilse Lenz …)

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  2. Kruxdie26 says:

    Sie sind also auf die Antwort auf eine rhetorische Frage gespannt. Mehr als eine solche bleibt angesichts einer Ilse Lenz wohl nicht übrig zu stellen. 😉

  3. Striesen says:

    Bräunig (nicht Bräuning) hat das telefonisch geführte Interview samt einer Einleitung auf Video aufgezeichnet. Auf seiner Seite steht es zu oberst. Ansonsten sind die knapp 24 min auch hier zu finden:

  4. Peter E. says:

    Hier noch ein schönes Beispiel für eine sehr „straighte“ und feministische „Netzkultur“.
    http://www.stern.de/video/angela-merkel-spot-sorgt-fuer-aufsehen-6355260.html
    „Wenn sich nicht will machen wir sie….ein wenig willig.“

  5. Kaffee Kalle says:

    Ich kenne mich ja nicht so sehr aus in der Gedankenwelt von Maskulisten, Antifeministen, MGTOW, Männerrechtsaktivisten und so, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die alle Frauen nicht hassen, bzw. in Frauen den Feind sehen. Eher sehen sie im Feminismus eine feindselige Ideologie.

  6. rote_pille says:

    Der hier:
    „und eigentlich ist sein Beitrag damit am Ende, wegen Irrelevanz, oder will sich Witte in Zukunft unter der Rubrik “Netzkultur” um alle kümmern, die 200 Follower bei Twitter haben und 1300 Likes bei Facebook“
    made my day und war eigentlich schon der Knockout, der Rest des Artikels waren intellektuelle Kopftritte auf jemanden, der geistig schon regungslos am Boden liegt.

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