Staatsrechtslehrer spricht von „Sprachmüll des Feminismus“

Ute Sacksofsky verdanken wir einen Hinweis auf Josef Isensee.

Josef Isensee ist nicht irgendwer. Isensee ist ein Schwergewicht unter den Staatsrechtlern und Staatsphilosophen, einer der großen alten Männer der Juristerei. Gemeinsam mit Paul Kirchhoff gibt Isensee das Handbuch des Staats Rechts heraus und tut sich ansonsten u.a. im Bereich der Demokratieforschung um – wildert also im politikwissenschaftlichen Gebüsch.

Isensee ist einer derjenigen, den man auf Fachkongressen gerne als Redner begrüßt.

So hat er – wie Ute Sacksofsky schreibt – „auf einer (einige Jahre zurückliegenden) Staatsrechtslehrertagung“ Folgendes gesagt:

„Das Wort ‚Bürgerversammlung‘ hat zum Glück bei keinem der Referenten den Reflex ausgelöst, von ‚Bürgerinnen und Bürgern‘ zu reden, also eine Ausgrenzung zu dementieren, die kein ernsthafter Mensch versucht, Sprachmüll des Feminismus zu produzieren und unser Recht auf Zeit zu verbrauchen.“

Zwar besetzt Ute Sacksofsky einen Lehrstuhl, aber sie ist kein Wissenschaftler, was im konkreten Fall bedeutet, dass das direkte Zitat, das wir in ihrem Text gefunden haben, ohne Beleg geblieben ist.

Juwel der RechtswissenschaftWir haben die Quelle recherchiert. Die Stelle findet sich im von Detlef Merten, Walter Borka und Otto Depenheuer herausgegebenen Buch: „Bürgerverantwortung im demokratischen Verfassungsstaat“ und dort auf den Seiten 139-140. Das Buch fasst Berichte und Diskussionen der Tagung der Vereinigung deutscher Staatsrechtslehrer zusammen, die vom 4. bis 7. Oktober 1995 in Wien stattgefunden hat.

Die Aussage von Isensee ist demnach schon etwas älter und datiert auf die Zeit vor seiner Emeritierung. Sie ist dennoch ein Juwel der institutionalisierten Wissenschaft, zeigt sie doch, dass selbst Professoren, die noch nicht emeritiert sind, den Mund aufmachen können. Eine Beobachtung, die denjenigen, die derzeit dem genderistischen Treiben mit der deutschen Hochschullehrern eigenen Mischung aus Arroganz und Angst wortlos zusehen, vielleicht etwas sagt.

Vielleicht auch nicht.

Wahrscheinlich nicht.

Wie dem auch sei, Isensee macht in seiner Äußerung einen weiteren wichtigen Punkt: Wir alle haben ein Recht auf Zeit, und entsprechend haben wir alle das Recht, uns Übergriffe auf dieses Recht auf Zeit zu verbieten, Übergriffe wie sie durch den „feministischen Sprachmüll“ entstehen.

Wer also noch Rückgrat im Hemd und einen Hintern in der Hose hat, der steht beim nächsten Vortrag, bei dem ein Redner anfängt von _Innen oder Xen oder *chen zu sprechen, auf und verlässt den Saal … um sein Recht auf Zeit zu verteidigen und sich nicht von einem Vortrag Zeit stehlen zu lassen, der nach aller Wahrscheinlichkeit sowieso keinen relevanten Inhalt umfasst, denn hätte er einen relevanten Inhalt, der Redner hätte keine Zeit und keine Motivation, den relevanten Inhalt in feministischem Sprachmüll zu verschütten.

Über Michael Klein
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20 Responses to Staatsrechtslehrer spricht von „Sprachmüll des Feminismus“

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  2. emaslan says:

    Ich verteidige mein Recht auf Zeit, indem ich diese Website verlasse…..

    • A.S. says:

      Da hindert Sie niemand dran, gute Reise.
      Und falls es nicht aufgefallen ist, genau das ist der Unterschied zwischen dieser Webseite und dem Sprachmüll. Letzteren kann man i.d.R. nicht so ohne Konsequenzen „verlassen“.

    • Florian Geyer says:

      Hart, wenn an der Einkommensquelle gesägt wird, nicht?
      Soweit man an heißer Luft und Verdauungsendprodukten überhaupt sägen kann.

  3. A.S. says:

    Der Ärger über diesen Sprachmüll scheint weit verbreitet. Nahezu überall wo ich hinkomme beschweren sich Leute über diesen Unsinn. Trotzdem setzt sich der Müll immer weiter durch. Eigentlich unvorstellbar.

    • rote_pille says:

      Weil es von ganz oben (UN und „Hintermänner“) angeordnet ist.

      • Antares says:

        Es ist umgekehrt. Die Oberen greifen die Vorurteile und Diskriminierungen in der Bevölkerung immer auf und machen damit Politik. Das kann man auch sehr genau am Feminismus nachvollziehen.

  4. Sprachmüll beginnt mit einer kaputten Rechtschreibung und die beginnt damit, sich diese diktieren zu lassen. Das eine Diktat ist nicht besser als das andere.

    Carsten

    „Aber die große Masse der Menschen will Brot und Spiele und das auf unkompliziertem Weg. Mehr nicht. Beim Umsturz in der DDR haben die Menschen das Volkseigentum weggeworfen wie Dreck und nach Cola und Fanta gegrölt.“
    Hasso

    • Frau Elster says:

      Deshalb benutze ich schon aus Protest die alte Rechtschreibung.
      Außerdem flimmert es mit bei Wörtern wie „Schifffahrt“ vor den Augen….. 🙂

    • Florian Geyer says:

      In der DDR gab es so wenig „Volkseigentum“ wie in anderen marxistischen Systemen auch.
      Es gab Staatseigentum. Und das Volk war ein Teil davon. Deshalb hat man es auch eingezäunt, wie das übrige Nutzvieh auch.

  5. Anthea says:

    Ob er HEUTE das noch sagen würde ? Dafür braucht er MEHR Mut als vor 5 J….Die meisten Akademiker machen d. Trauerspiel mit:-(((

  6. Sven H. Schillings says:

    In der Wirtschaft scheint sich das Gender-Gefasel nicht durchsetzen – Gottseidank. Bei uns im Konzern bekam ich in der Vergangenheit gelegentlich Mails mit -Innen, die ich dann mit Hinweis auf die korrekte Schreibweise zurücksendete. Dies ist wohl eher ein Problem der Hochschulen und im gesamten Sozialbereich. Schlimm wäre, wenn unsere Kinder bereits in den Schulen damit malträtiert würden.

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  8. Matthewprayer says:

    Der Feminismus war seinerzeit eine der damals noch harmlosen Vorstufen des heutigen Genderismus. Im Rückblick auf diese Entwicklung können wir heute ablesen wie aus dem „Sprachmüll des Feminismus“ die „geistige Diarrhoe“ des heutigen Genderismus entstanden ist. Eine echte Devolution also.

  9. Kommunale Haushaltspläne weisen schon länger aus, wie hoch der Frauenanteil an irgendeiner städtischen Wohltat ist. Inzwischen wird neben Personen bis zum 25. Lebensjahr auch der partizipierende Männeranteil ausgewiesen.
    In den Münchner Haushaltsplänen liest sich das dann so: „Anteil männlich an allen KundInnen“. Könnte fast von der Grünen Jugend implementiert worden sein, die in ihrem Mitgliedsformular unter Geschlecht „weiblich“ und „nicht weiblich“ zur Auswahl anbietet.
    Hier zu den Haushaltsplänen der Stadt München.

  10. Antares says:

    Gender und Feminismus in dieser Form sind eine relativ kurze Erscheinung. Das Gesetz, welches die Agitation angeschoben hat, heißt: Antidiskriminierungsgesetz. Das ist von der EU enwickelt und unter der SPD-Regierung eingerichtet worden. Das Antidiskriminierungsgesetz ist genau das Gegenteil von dem, was es behauptet, und untergräbt Artikel 3 der Verfassung. Die Artikel 1 bis 20 sind „unaufhebbar“ und dürfen im Wesensgehalt nicht verändert werden! Das Antidiskriminierungsgesetz berührt damit das Völkerstrafrecht.
    Die Tyrannei findet ihre Ursachen immer darin, daß die Grenzen des Rechts übertreten und aus Unrecht Recht gemacht wird.

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