Extremismus: Gewaltorientierung ist nicht gleich Gewalt

Das Bundesamt für Verfassungsschutz spricht in seinen Publikationen regelmäßig von Gewaltorientierung und weist dazu eine Zahl von links- oder rechtsextremen Personen aus, die die entsprechende Gewaltorientierung haben sollen.

Dies hat sich in der bereits dargestellten Abbildung der Tagesschau wie folgt niedergeschlagen:

Extremistisches Personenpotenzial

Was die Tagesschau hier gewaltbereit nennt, wird beim Bundesamt für Verfassungsschutz als “gewaltorientiert” bezeichnet. Was das genau bedeutet, ist unklar, aber soviel steht fest, Gewaltorientierung entspricht nicht Gewaltbereitschaft, ist irgendwie weniger handlungsrelevant.

Dass die Gewaltbereitschaft der Tagesschau oder die Gewaltorientierung des Verfassungsschutzes nichts mit tatsächlich verübter Gewalt zu tun hat, wird klar, wenn man die Daten des Verfassungsschutzes zur Hand nimmt, die die Anzahl der Gewalttaten, die auf links- bzw. rechtsextreme Gewalttäter zurückgehen, abbilden.

Auf die 7.600 gewaltorientierten Linksextremisten, die für 2014 vom Verfassungsschutz gezählt wurden, gehen 995 Gewalttaten zurück, die 10.500 gewaltorientierten Rechtsextremisten haben es auf 990 Gewalttaten gebracht. Das bedeutet, dass Gewalttäter unter gewaltorientierten Linksextremen häufiger sind als unter gewaltworientierten Rechtsextremen. Die folgende Abbildung zeigt die tatsächlichen Gewalttaten, nicht die Gewaltorientierung, die auf Links- bzw. Rechtsesxtremisten zurückgehen.

Extremistische Gewaltaten

Rechnet man die tatsächlich verübten Gewaltaten auf die Gewaltorientierten aus beiden Lagern des Extremismus um, dann ergibt sich ein Anteil von 13% tatsächlicher Gewalttäter unter den Linksextremen mit Gewaltorientierung und von 9,4% tatsächlicher Gewalttäter unter den Rechtsextremen, die vom Verfassungsschutz als gewaltorientiert eingestuft werden.

Man tut also gut daran, sich zu fragen, was in Grafiken oder Statistiken eigentlich abgebildet wird. Gewaltbereit in der Wertung der ARD oder Gewaltorientierung in der Diktion des Verfassungsschutzes heißt eben nicht, dass damit auch etwas über tatsächlich verübte Gewalttaten ausgesagt wird, sondern in der Regel, dass etwas suggeriert werden soll, nämlich im vorliegenden Fall, dass Rechtsextremisten mehr Gewalttaten verüben als Linksextremisten, was falsch ist, wie die Abbildung, die wir auf Basis der Daten des Bundesamts für Verfassungsschutz erstellt haben, zeigt.

Angesichts der Verteilung der Gewalttaten zwischen Links- und Rechtsextremisten wäre es an der Zeit, der Unmenge von Forschungsarbeiten, Publikationen, kleinen Anfragen im Bundestag, die sich mit Rechtsextremismus beschäftigen, also der großen Aufmerksamkeit, die dem Rechtsextremismus gewidmet wird, nunmehr eine ebenso große Aufmerksamkeit, die dem Linksextremismus gewidmet wird, gegenüber zu stellen. Gewalt ist für deren Opfer immer ein Problem unabhängig davon, ob der Täter links- oder rechtsextremistische Motive mit der Gewalt verfolgt.

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