700 Kartoffelschäler demonstrieren in Dresden

Im Lexikon der Soziologie steht geschrieben:

Sekte lat. Befolgte Lehre, religiöse oder politische Gruppe, die sich von einer größeren (Kirche, Partei) in Opposition zu dieser abgespalten hat; sozialpsychologisch charakterisiert durch ein verstärktes Wir-Gefühl, hohe Emotionalität, Kultivierung eines aktiven (weltverbesserischen) oder passiven (Leiden, Armut) Ethos unter den Mitgliedern. Da die ideologischen bzw. weltanschaulichen Zielsetzungen und binnenstrukturellen Beziehungen der Mitglieder sich von den allgemeinen kulturellen Werthaltungen und Verhaltensmustern abheben, ist mit Sektenzugehörigkeit eine soziale Statusdiskriminierung verbunden (die durch höhren Binnenstatus und Gemeinschaftsgefühle ausgeglichen wird). Sekten bringen gesellschaftliche Anomie in religiöser ‘Verkleidung’ zum Ausdruck. […] Zentrale Lebensziele der Sektenmitglieder sind Protest und Überzeugungsarbeit gegen bestehende Ordnungen nach Maßgabe absoluter Wahrheiten und utopischer Heilslehren.

Die meisten Sekten sind Treffpunkt von Personen, die in der Gesellschaft sozial isoliert sind, keine Einbindung in Ausbildung, Arbeit und Beruf gefunden haben und hinter den Zielen, die ihre Gesellschaft als erstrebenswert ansieht, weit zurückbleiben. Sie füllen die Leere, die durch ihre soziale Isolation und Randständigkeit entstanden ist, durch einen Glauben an eine absolute Wahrheit oder Heilslehre, den sie gegen die Mehrheitsgesellschaft, deren Teil sie gerne wären, aber nicht sein dürfen, in Ansatz bringen. Sekten, vor allem politische Sekten sind Zuwendungsgruppen sozial Gescheiterter, die oftmals eine eigene Sprache entwickeln und sich immer weiter von der Normalität der Gesellschaft entfernen.

Das war die Theorie. Nun kommt die Praxis.

Derzeit laufen 700 Kartofellschäler durch Dresden.
Wem der Kult der Kartoffelschäler bekannt ist, wer weiß, was es mit dem Kartoffelschälen auf sich hat, der möge sich bei uns melden.

Die 700 Kartoffelschäler behaupten, dass sie gegen Staaten, Kapital und Patriarchat kämpfen.

Sie kämpfen also gegen Gebilde, die es de facto nicht gibt, die nur über ihre Verwaltungen und Institutionen eine Existenz erreichen (Staaten). Sie kämpfen gegen etwas (Kapital), das man sich aneignen muss, durch Arbreit in der Regel, finanzielles Kapital oder Humankapital. Und sie demonstrieren gegen ein Patriarchat, das es zu keinem Zeitpunkt der Geschichte der Menschheit gegeben hat.

Die Elemente, die eine Sekte ausmachen, die sich von der Realität weit, sehr weit entfernt hat, sie sind alle da: 700 Kartoffelschäler, die gegen Begriffe demonstrieren, was zum einen bedeutet, Begriffe zu beleidigen:

Zum anderen besteht das Ziel der Sekte der Kartoffelschäler wohl darin, kindische Reime mit infantiler Freude zu skandieren.

Für Kulturwissenschaftler, Religionsethnologen und Psychiater sollte die Feldforschung in Dresden und die Beobachtung der Kratoffelschäler Sekte Pflicht sein. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, den Forschungsgegenstand in freier Wildbahn zu studieren?

Das Besondere an der Sekte der Kartoffelschäler besteht auch darin, dass die grenzenlose Solidarität, die sie fordern, nicht von ihnen, sondern von allen anderen finanziert werden muss.

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4 Responses to 700 Kartoffelschäler demonstrieren in Dresden

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] 700 Kartoffelschäler demonstrieren in Dresden

  2. deutsch Kartoffel says:

    Vor ein paar Jahren war ich als IT-Mitarbeiter in ein Projekt mit u.a. dem hiesigen Jobcenter eingebunden. Kunden waren ALG II Bezieher, Ziel war die Unterstützung bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen und im gütigsten Fall der Wiedereintritt ins Berufsleben. Es war damals ein ‘Running-Gag’ unter muslimischen Teilnehmern, meist Türken oder Libanesen, in google das Bild einer Kartoffel aufzurufen und uns zu präsentieren, wenn wir uns zwecks Unterstützung zu ihnen setzten.
    Das Plakat mit Kartoffelschäler und Blutspur, präsentiert auf Feierlichkeiten zum 3. Oktober, macht Sorge.

  3. Striesen says:

    Wie Abba Kovner am 7. Mai geschrieben hat

    “Top Ausbildung. Ein Team aus professionellen und kampferfahrenen Antifaschisten bereitet einen optimal auf den Konflikt vor! Meine Lieblingskurse waren “Pflügen mit dem Merkava”, “Kartoffeln schälen mit bloßen Händen in 700 Arten”, und “Pöbeln können trotz Emma”.
    Auch spannend empfand ich die Unterweisung “Aerodynamik und Härtegrad der geläufigsten deutschen Pflastersteine”
    Leider fiel die Exkursion nach Tröglitz aus, was aber nicht so schlimm war, denn wir bekamen handsignierte Shirts vom legendären P. Flasterstein.”

    https://de-de.facebook.com/antifakampfausbildung/reviews/

    Darum also genau 700 Hand-Schäler in Dresden. Jeder auf seine spezielle Art. Mit bloßen Händen! Das Transparent ist deshalb nur typisch dümmster Bauer mit den größten Übertreibungen. 700 Handschälarten stehen außerdem für geschälte Vielfalt.

  4. J.F.K: Ich bin eine Kartoffel says:

    Komisch nur, dass die linken Kinder alias “Kartoffelschäler” fleißig die Produkte des Kapitalismus nutzen: Banner, Flyer, Plakate und nicht zuletzt Twitter, Facebook und Smartphones, Android und Google. Dinge, die Menschen entwickelt haben, die für Ihren Lebensunterhalt eine harte Ausbildung durchlaufen haben, von meist männlichen Menschen entwickelt und produziert wurden, die noch dazu neben der eigenen Familie auch noch diese infantilen Sektierer finanzieren müssen, denen diese Irren dann zum Dank das Familienauto abfackeln, da deutscher Marke.

    Sie unterstützen also mit dem Kauf professionell gefertigter Werbemittel durch das eigens dazu eingesetzte KAPITAL den so verhassten Kapitalisten (Druckerei) und durch Nutzung der Produkte aus meist männlicher Entwicklung und Produktion das PATRARCHAT und den Kapitalismus.

    Nun ja, wer einer Sekte angehören will, benötigt als Mitgliedsvoraussetzung eben oft den Nachweis, so hinderlichen Dingen wie Logik und Verstand abgeschworen zu haben…

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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Haben Sie Lust auf Auseinandersetzung oder steht bei Ihnen eher der Frust durch Auseinandersetzungen im Vordergrund? Der individuelle Umgang mit Konfliktsituationen ist ein Feld, das in Deutschland nicht beforscht wird. Dr. habil. Heike Diefenbach ändert dies zur Zeit. Sie haben die einmalige Gelegenheit, daran mitzuwirken. Nehmen Sie an unserer Primärforschung teil. Wirken Sie mit an der Erstellung einer Skala zur Messung von Konfliktorientierung.   Zur Teilnahme geht es hier.
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