BREXIT-Blödsinn und kein Ende: Jetzt machen sich Wissenschaftler lächerlich

Es reicht! Schluss! Die Briten haben dafür gestimmt, die EU zu verlassen. Man kann die Entscheidung bedauern, man kann sie falsch finden, aber man kann sie nicht umkehren. Man muss sie, Vorsicht, jetzt kommt ein Wort, das viele Deutsche gerne ins Feld führen, aber sehr ungerne auf sich anwenden: AKZEPTIEREN.

facepalm-GodzillaJa. Akzeptieren. Hallo ihr überzeugten Europäer, die ihr die Zukunft in der EU seht, jener EU, die Euch nicht einmal über das Freihandelsabkommen mit Kanada abstimmen lassen will, jener EU, die ihr immer als bürokratisches Monster bekämpft, wenn sie Glyphosat zulässt oder TTIP im stillen Kämmerlein verhandelt: Die großartige Zukunft der blühenden europäischen Felder mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5% muss ohne die Briten erreicht werden. Wir bauen unsere eigenen blühenden Landschaften.

Und weil dem so ist, deshalb bitten wir darum, von Ergüssen, wie den folgenden in Zukunft verschont zu bleiben. Auch wir haben das Recht auf eine müllfreie Mailbox!

Dass man sich bei institutionalisierten Wissenschaftlern des Öfteren fragen muss, ob die Schränke noch das komplette Sortiment an Tassen aufweisen, das haben wir in der Vergangenheit vornehmlich im Zusammenhang mit den akademisierten Beleidigungen, „Wut- oder Problembürger“ und regelmäßig mit Staunen zur Kenntnis nehmen müssen. Aber alles hat seine Grenze.

Jetzt scheint der Virus der Unzurechnungsfähigkeit auch auf bislang robuste und eher der sinnvollen Forschung zugetane Wissenschaftler überzugreifen. Z.B. auf Bernhard Weßels. Weßels schreibt im Blog des Wissenschaftszentrums Berlin (Berlin scheint an sich ein Umfeld zu sein, dem man seinen Verstand nicht ungestraft aussetzen kann), dass die Wahl zum BREXIT gar nicht in Ordnung sei, denn es haben sich nur 91,6% der Briten registriert, um überhaupt am Referendum teilzunehmen. Entsprechend habe nicht die Mehrheit der Bevölkerung, sondern nur 37,4% der Briten für den BREXIT gestimmt. Deshalb empfiehlt Weßels dem britischen Parlament, ein Verhältniswahlrecht zu nutzen und den BREXIT niederzustimmen.

Wie war das mit dem Schrank und den Tassen? Oder der Demokratiefähigkeit von Wissenschaftlern oder mit der Akzeptanz?

Aber gut. Gehen wir davon aus, dass 91,6% Wahlbeteiligung nicht genug ist. Die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl betrug 71,5% , bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg betrug die Wahlbeteiligung 70,4%, an der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben ebenfalls nur 70,4% der Wahlberechtigten teilgenommen. Wenn Ihnen, Herr Weßels, 91,6% der Wahlberechtigten als Wahlbeteiligung zu wenig erscheinen, dann warten wir schon auf Ihren Beitrag, in dem Sie die Auflösung von Bundes- und Landtagen fordert, weil die entsprechenden Parlamente nicht demokratisch legitimiert sind.

Und als würde das nicht reichen, haben wir eine email aus Frankreich in der Mailbox, von der Toulouse Business School, die das Motto „Think & Create“ hat. Wir legen mehr Wert auf den ersten Teil des Mottos und deshalb nehmen wir den Text von Francesco Massara, „Professor für Marketing und internationales Business“ übel, den Text, in dem er behauptet, die Rede vom BREXIT habe das Abstimmungsergebnis beeinflusst, und zwar unterbewusst. Deshalb haben viele wie in Trance „Leave“ gewählt und wissen hinterher gar nichts mehr davon. Worte, so weiß Massara, könnten eine enorme psychologische Kraft entwickeln und man könne Menschen über die Wahl der Worte zu Zustimmung oder Ablehnung führen. Deshalb wäre bei Verwendung des Begriffs „BrEntrance“ anstelle BREXIT ein anderes Ergebnis im Vereinigten Königreich herausgekommen.

Prof FacepalmDa hat er Recht, der Herr Professor. Wäre in Britannien das Wort „BrEntrance“ verwendet worden, der Verwender wäre in die geschlossene Anstalt überwiesen worden, denn die Abstimmung, das scheint dem Herrn Professor entgangen zu sein, hatte zum Gegenstand, ob Britannien in der EU verbleiben soll oder nicht. Die Frage, ob Britannien der EU beitreten soll oder nicht, wurde in Britannien auch schon gestellt, aber das war im Jahre 1975. Der Herr Professor ist also 41 Jahre zu spät mit seinem Beitrag.

Angesichts der intellektuellen Schmerzgrenzen, die durch Beiträge wie den von Weßels oder von Massala verletzt werden, wäre es an der Zeit, alle, die die britische Entscheidung schlicht nichts angeht, halten den Mund und widmen sich Dingen, von denen sie etwas verstehen, sofern es diese Dinge gibt.


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