Duo Irrationale: De Maiziere gibt den Maas

Es gibt in Deutschland Geheimbünde, geheime Gruppen, Gruppen, die geheime Dinge im Schilde führen, schlimme geheime Dinge, vielleicht auch weniger schlimme geheime Dinge, so genau können wir das nicht sagen, denn die Gruppen sind geheim. Sie schotten sich ab. Wie der Geheimdienst oder der nicht-öffentlich tagende Bundestagsausschuss lassen sie Dritte nicht wissen, worüber sie sich unterhalten. Alles ganz geheim.

nicht oeffentlich1Wer es wissen will, muss sich zum Geheimniswisser qualifizieren, als Politiker, im einfachsten Fall, als Geheimdienstmitarbeiter, wenn Ausbildung gefragt ist oder als Familienmitglied der Mafia.

Und wie so oft, wenn Geheimnisse gehandelt werden, wenn es um Geheimnisse geht, ist schon die Tatsache, dass etwas geheim gehalten werden soll, Anlass genug für die Vermutung, dass das Geheime etwas ganz Besonderes sein muss, etwas Monumentales, etwas so Großes oder Gefährliches oder Estaunliches, dass man es geheimhalten muss, so wie den Geheimbund, der eigentlich über die Welt herrscht, die Aliens, die seit Jahrhunderten unter uns wandeln … und so weiter.

Nun berichtet Heute heute, dass es einem Journalisten des Tagesspiegel gelungen ist, in eine dieser geheimen Gruppen einzudringen. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hat er sich Einlass in eine ganz geheime Facebook-Gruppe verschafft, von der normale Nutzer nichts wissen und für die sie sich auch nicht interessieren. Der Journalist, er hat sich interessiert, für “die Runde” und dort für ihn Erstaunliches gefunden: Menschen, die verbal über andere herziehen und das Posten von Hakenkreuzen zum Standard erheben. Das hat der Journalist des Tagesspiegel herausgefunden als Mitglied der geschlossenen Facebook-Gruppe, die Runde, die normalen Nutzern nicht zugänglich ist.

Wer nun denkt, was hinter geschlossenen Facebook-Türen gesprochen werde, sei die Sache derer, die sich um Mitgliedschaft in der geschlossen Gruppe bemühen und dort scheinbar wohlfühlen, der sieht sich getäuscht. Der Journalist des Tagesspiegels, von dem wir einmal hoffen wollen, dass er sich nicht volksverhetzend geäußert hat, um den Eingangstest in die schlimme Gruppe zu bestehen, er fordert, mit aller Härte des Strafgesetzes gegen die entsprechende Gruppe vorzugehen, die Volksverhetzung zu bestrafen. Denn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit „in geheimen Gruppen bei Facebook“ Geschriebenes, das niemand außer denen, die vermutlich die Einstellung dessen teilen, der die entsprechenden Aussagen macht, mitbekommt, muss an die Öffentlichkeit gezerrt und dort geächtet werden. Und in der Tat hätte niemand in der normalen Öffentlichkeit je davon erfahren, was in „geheimen Facebook-Gruppen“ ausgetauscht wird, gäbe es nicht so wagemutige Journalisten wie den des Tagesspiegels in Berlin, die ihre Aufgabe nicht darin erblicken, die Regierung und diejenigen zu kontrollieren, die in Positionen sitzen, in denen sie Entscheidungen über Wohl und Wehe von Teilen der Bevölkerung treffen können. Nein, der Journalist aus Berlin, er fühlt sich wohler, wenn er seine Mitbürger kontrolliert, wenn er sich auf die Seite der politisch Korrekten schlägt und sich als Maulwurf um Browniepunkte bemüht. Wer weiß, vielleicht hat Thomas de Maiziere ja irgendwann einmal Interesse an einem neuen Pressesprecher und dann ist es immer gut, auf entsprechende Anpassungs-Meriten verweisen zu können.

Denn: Thomas de Maiziere, das berichtet Heute heute, er ist nun auch von der Mobilmachung gegen Hate Speech betroffen und will gegen Hate Speech vorgehen: „Das muss anders werden“, sagt er. Und damit das anders wird, besucht er Facebook in Berlin. Sein Ziel: Hate Speech auch in geheimen Gruppen unterbinden.

Oder in den Worten von Heute heute:

“Sie leugnen den Holocaust und posten Nazi-Symbole: In geheimen Gruppen bei Facebook organisieren sich rechtsextreme Nutzer – ohne, dass es jemand merkt. Das muss anders werden, fordert Innenminister Thomas de Maizière, der heute das Berliner Facebook-Büro besucht. Nur wie?”

Brainwash StreatfieldJa, wie sorgt man dafür, dass Menschen, die nun einmal etwas denken, was de Maiziere und Maas und viele andere für falsch und das deutsche Strafrecht für strafbar hält, das, was sie denken, nicht denken? Im 19. und 20. Jahrhundert hat man versucht, Menschen, Straftäter, durch Eingriffe in ihr Gehirn von dem, was man als Leiden angesehen hat, z.B. Homosexualität, zu heilen. Der Erfolg war eher zweifelhaft. Ob sich mehr Erfolg einstellt, wenn man versucht, die Gedanken von Menschen zu beeinflussen, ist ebenfalls eine Frage, die schon seit Jahrzehnten von Geheimdiensten untersucht wird. Dominic Streatfield hat ein ganzes Buch „Brainwash“ über die vielen Versuche von FBI und CIA geschrieben, Brainwashing möglich zu machen. Alle Versuche haben eines gemeinsam: Sie sind gescheitert. Die Folge: Brainwashing ist nicht so einfach, wie man denkt und wie wollen De Maiziere und Maas erfolgreich sein, wo FBI und CIA und die von ihnen beauftragten Wissenschaftler gescheitert sind?

Wenn nun aber per Brainwashing nicht erreicht werden kann, dass Menschen nicht den Holocaust leugnen und keine Nazisymbole auf Facebook posten, was tun? Eine Frage, die schon Lenin bewegt hat und die Mao in den Fußstapfen von Lenin eindeutig beantwortet hat: Den Klassenfeind eliminieren oder wie die Varianten alle lauten, mit denen die Ermordnung von Andersdenkenden umschrieben wurde.

Nun rühmt sich Deutschland jedoch, bis auf weiteres eine Demokratie zu sein, was den Bau von Konzentrationslagern oder die Eliminierung von Anders- oder Falschdenkenden eher nicht zum Mittel der Wahl macht – zumindest nicht offiziell. Was also tun?

Die Lösung für das Problem, mit dem sich Maas und de Maiziere herumschlagen, und die in einer Demokratie naheliegen sollte, sie besteht darin, zu tolerieren und zu akzeptieren, dass es Menschen in Deutschland gibt, die tatsächlich Dinge denken und sagen, die falsch sind, die beleidigend sind und mit denen zuweilen auch geleugnet wird, dass Millionen Juden durch Deutsche und ihre Hilfstruppen ermordet wurden. Eine Demokratie sollte das aushalten, sollte in der Lage sein, abwegige Meinungen als solche offenzulegen, sollte in der Lage sein, den gemeinsamen Kanon demokratischer Werte gegen die zu verteidigen, die lieber in einem Terrorregime leben wollen. Eigentlich haben demokratische Systeme auch gar keine andere Wahl als mit verschrobenen, abwegigen und diffamatorischen Meinungen zu leben, denn tun sie es nicht, verbieten sie die entsprechenden Meinungen und verfolgen sie diejenigen, die die entsprechenden Meinungen haben, dann verlassen sie den Boden eines demokratischen Systems und betreten den, des Totalitarismus.

Ist das Ironie, wenn Minister gegen Hate Speech zu Felde ziehen, mit dem Argument, die Demokratie verteidigen zu wollen und im Zuge ihrer Verteidigung eben jene Demokratie zerstören? Ist es Absicht? Oder ist es Dummheit?


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9 Responses to Duo Irrationale: De Maiziere gibt den Maas

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  2. Werner Fütterer says:

    Ist das Ironie,ist das Absicht oder ist das Dummheit?
    Im Falle Thomas die Misere stellt sich diese Frage nicht wirklich!

  3. A.S. says:

    Bei den beiden bin ich mir sicher dass die tatsächlich glauben die Demokratie zu verteidigen. In deren Weltsicht ist Demokratie einfach immer genau dass, das sie gerade für richtig halten.
    Die Frage ob Dummheit oder Absicht stellt sich nicht.

  4. PeWi says:

    Kurze Zwischenfrage. Habe ich irgendetwas verpasst? Wurde dieses Land zwischenzeitlich in Deutsche Demokratische Republik 2 umbenannt? Fast möchte ich meinen – fast – dass diese Personen die Stasi im Überwachungswahn noch schlagen. Dann frage ich mich noch, warum ich 1989 überhaupt auf die Straße gegangen bin. Nur um Teil 2 der DDR miterleben zu müssen. Da hätte Teil 1 der DDR bis zum Rest meines Lebens gereicht. Eigentlich wollte ich nicht mehr in einem Überwachungsstaat leben. Eigentlich.

  5. rolandtluk says:

    Ich denke, dass ziemlich einfach ist, was hier passiert:

    Das Internet hat den größtenteils kontrollierten Monologmedien der Meinungshoheit entrissen. Das heißt, dass die selbsternannte “Elite” die Menschen im Lande schwerer lenken können.
    Also versuchen sie, die großen Dialogplattformen, wie Facebook, zu zensieren.

    Da die Kritik an der deutschen Berufspolitikerkaste grundgesetzlich gestattet ist, müssen die halt irgendein Quatsch als Begründung finden. “HateSpeech” ist der Versuch den Bürgern den Mund zu verbieten.

  6. Bernhard says:

    Gibt es einen Grund sich über diese Verhältnisse aufzuregen ? Ich denke nein,
    In den Geschichtsbüchern wird vieleicht mal stehen: Begonnen hat alles mit Masslos und die Misere…………. . Richtig “Lustig” wird es erst werden wenn alle Heimmedien mit Gesten- und Sprachsteuerung ausgestattet und nur über Internetanschluß verfügen.
    Nicht umsonst wird in Berlin eine neue BND Zentrale errichtet und Pullach wird nicht aufgegeben.Platz für Personal ist jedenfalls reichlich vorhanden,auch für die entsprechenden Speicher und Rechnerkapazitäten.
    Schöne neue Welt,die ich hoffentlich nicht mehr erlebe

  7. rjb says:

    Tja, was macht man da? Siehe hier:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article157010323/Hausdurchsuchungen-wegen-Hass-Postings-auf-Facebook.html
    Wurde viel darüber berichtet, der Umstand, daß die Gruppe “geheim” war im Sinne von
    https://de-de.facebook.com/help/220336891328465
    wurde zwar regelmäßig erwähnt, hat aber kein Schwein weiter interessiert. Mit ähnlicher Außenwirkung wie so eine “geheime Facebook-Gruppe” könnte man sich auch in irgendjemandes Wohnstube treffen und dummes Zeug quatschen. Das muß bekämpft werden. Wohnungsüberwachung jetzt!

  8. Welehamm says:

    Chapeau für den Mut auf vermintes Gelände zu gehen. Kann es sein, dass wir in der Nachkriegsgeneration nicht zum selbstständigen Denken ausgebildet wurden, sondern zum Glauben, dass alles nur so richtig ist, wie es uns gesagt wird? Denken überlässt man Pferden, die haben die größeren Köpfe – wurde uns gesagt.

  9. Livia says:

    Zum Einen ist es ziemlich blöde, bei Fratzenbuch u.ä. mitzumachen und zu glauben, dort könne man irgendetwas geheim halten! Der CIA pflegt da bestimmt keine Seite – es seie denn zur Mitgliederwerbung, und dann auch nur, um Ungeeignete schneller zu erkennen! … wenn Hacker sogar die NSA vorführen ….

    Ein Anderes ist die Geschichte, historische Tatsachen und daß man das besser den Historikern überlassen sollte. So leugnet z.B. Illig schlappe 3 Jahrhunderte weg – und wird deshalb auch nicht der Volksverhetzung bezichtigt.
    Solche staatlichen Eingriffe in die Historiee behindern letztendlich sogar ernsthaft forschende Historiker. Das ein Reenactment über diese Epoche in Deutschland nicht möglich ist, tut ein Übriges dazu bei, sodaß es dies für gewisse Leute besonders interessant macht, die sich ohne eine solche Einschränkung wahrscheinlich eher für die Epoche Tamerlans oder der karibischen Piraten interessiert hätten.
    Schließlich reitzt Verbotenes, oder mit Einschränkungen Behaftetes ganz besonders – da werden sogar ungenießbare Essigbirnen lecker, wenn sie nur geklaut sind!
    Niemand interessiert sich für Hakenkreuze, wenn sie erlaubt sind – und es ist dann auch keine “Mutprobe” mehr, welche zu malen.

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