Schachverbot: Männlich, hegemonial, gewaltverherrlichend – Schach soll an der UNI Hannover verboten werden

Der folgende Antrag, der vom AStA der Leibniz (!Sic) Universität Hannover genehmigt und auf der studentischen Vollversammlung am 16. November behandelt wurde, hat gestern Abend seinen Weg in unsere Mailbox gefunden (Danke an den Leser von ScienceFiles).

Gegenstand des Antrags: „Die studentische Vollversammlung möge beschließen: Das Schachspiel ist auf dem gesamten Gelände der Leibniz Universität Hannover ausnahmslos zu verbieten“. Wir geben den Antrag in Gänze hier wieder:

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Stuvo Hannover.pngÜber diesen Antrag hatte die studentische Vollversammlung der Universität Hannover am 16. November zu befinden. Sie hat aber nicht darüber befunden, und zwar deshalb nicht, weil der Antrag, obwohl er vom AStA der Universität geprüft und zugelassen worden ist, gegen § 2 Abs. 2 Punkt g der Satzung der verfassten Studierendenschaft (SVS) verstößt, in dem eine „Förderung des freiwilligen Studierendensports” verankert ist. Außerdem sah die Redeleitung der studentischen Vollversammlung einen Verstoß gegen § 2 Abs. 2 Punkt f, in dem die Unterstützung der musischen und kulturellen Interessen der Studenten verankert ist. Weiter heißt es im Protokoll der studentischen Vollversammlung:

“Basis der Entscheidung einen Antrag nicht aufzurufen, welcher im Gesamten als rechtswidrig erkannt wird, ziehen wir aus dem Beschluss des Ältestenrates vom 28.11.2007. Diese Maßnahme wurde durch die anwesenden Mitglieder des Ältestenrats bestätigt. Gegen diese Maßnahme der Sitzungsleitung ist aufgrund § 5 Abs. 9 Satz 1 und 2 (GO-StuRa vom 26.10.2016) kein Widerspruch einzulegen.“

Wäre es nicht so todernst, man müsste sich kugeln vor Lachen. Andererseits muss man dankbar sein, dass die Redeleitung der studentischen Vollversammlung den Beschluss des Ältestenrats vom 28.11.2007 gefunden hat und eine Abstimmung über das Schachverbot verhindert hat. Bei den Knallköpfen, die die studentische Vollversammlung zu bevölkern scheinen, steht zu befürchten, dass die Forderung, das Schachspielen an der Universität Hannover zu verbieten, durch die studentische Vollversammlung unterstützt worden wäre.

Wie wir auf Knallköpfe kommen?
Unter anderem wegen Tagesordnungspunkt 2.4 „Ablehnung der Extremismustheorie“.

Die Ablehnung der Extremismustheorie – warum auch nicht, uns gefällt z.B. die Spin-Theorie nicht, lehnen wir sie also ab – ist im Antrag wie folgt begründet:

“Antrag des Fachrats Politik zur studentischen Vollversammlung Mittwoch 16.November 2016 Ablehnung der Extremismustheorie

Die studentische Vollversammlung möge beschließen: Die Studierendenschaft der Uni Hannover lehnt die Extremismustheorie ab. Außerdem fordert die Vollversammlung alle Studierenden auf, sich innerhalb ihrer Argumentationen nicht den wissenschaftlichen Kategorien der Extremismustheorie zu bedienen. Begründung: erfolgt mündlich.”

Sind Sie auch darauf gespannt, wie dieser No-Brainer begründet wird, wie Studenten, deren Existenz an Universitäten durch Steuerzahler finanziert wird, damit sie etwas lernen, begründen, dass sie das Lernen verweigern, sofern es nicht ihren persönlichen Vorlieben entspricht?

Die Begründung, wie sie aus dem Protokoll der studentischen Vollversammlung hervorgeht, ist die folgende:

Patriarchat_coverFrage: Meint das auch Rechtsextremismus?
Antwort: Ja.
Anmerkung: Ersti-PoWi findet es kritisch eine Theorie abzulehnen und zu empfehlen sie abzulehnen. Deutschland wird in Frage gestellt und das ist für ihn als Anhänger des GG schlecht.
Frage: Wissenschaftliche Diskussionen über Theorie sind sinnvoll. VV soll als demokratisches System nicht über Sinnhaftigkeit dieser Theorie entscheiden.
Anmerkung: Dies ist keine Theorie sondern ein politisches Instrument
Anmerkung: Dieser Antrag dient nicht gegen Instrumentalisierung der Theorie. Anmerkung: Die Wissenschaft ist nicht frei, sondern wird durch hegemoniale Männlichkeit bestimmt
Anmerkung: Es geht dem Antrag darum, dass sich nicht dieser Instrumentalisierung bedient wird.
Anmerkung: Es handelt sich um eine Ideologie
Anmerkung: Es handelt sich um ein Lehrmittel, deswegen solle es am IPW behandelt werden …
Anmerkung: Die Wissenschaften werden durch Ablehnung einer Theorie nicht freier. Frage: Ist Hufeisen gleich Extremismustheorie?
Antwort: Dient als Modell zur Bestätigung der Extremismustheorie.
Änderungsantrag HSG DS: „Vermeintliche“ Theorien. → übernommen Änderungsantrag MaPhy/NaWi: „Ablehnung Evolutionstheorie und Mittelwertsatz“

Abstimmung über Änderungsantrag: 89 Nein, 31 Ja, 6 Enthaltungen → abgelehnt.

Abstimmung über Gesamtantrag mit aufgenommener Änderung:  43 Nein, 8 Enthaltungen, 75 Ja-Stimmen → Antrag angenommen

leibniz-universitat_hannoverWenn wir einen Tag König der Universität Hannover wären, die 75, die diesem Antrag zugestimmt haben, würden von der Uni fliegen, und zwar im hohen Bogen und am besten an einen Ort, wo sie etwas Sinnvolles tun können, auf eine Baustelle zum Beispiel, wo sie dem Polier zur Hand gehen können oder in eine Putzkolonne, wo man sie hoffentlich entsprechend anlernen kann. An einer Universität, noch dazu an einer Universität, die den Namen Leibniz’ trägt, haben derartige Knallköpfe wirklich nichts verloren.

Wenn das, was z.B. in dieser Vollversammlungen zu beobachten ist, der politische Nachwuchs ist, dann können wir allen Deutschen, die mit normaler Denkfähigkeit begabt oder intelligent sind nur raten auszuwandern, denn die Vorstellung, Steuern erst dafür zu vergeuden, solchen Pseudo-Studenten einen entsprechenden Lenz an Universitäten zu finanzieren und sie dann durch den Rest ihres Lebens Transfer zu füttern, ist eine Vorstellung, die wir unerträglich finden.

In jedem Fall macht diese Posse zu Antrag 2.4 deutlich, dass es genug Knallköpfe in der studentischen Vollversammlung gibt, die nichts dabei finden, eine Theorie abzulehnen, die es als solche gar nicht gibt, denn es gibt eine Vielzahl von Extremismustheorien, nicht die Extremismustheorie, die also Dinge ablehnen zu können glauben, die sie nicht kennen, weshalb man eigentlich von Faschisten reden müsste, und weil es diese Knallköpfe gibt, deshalb haben wir keinen Zweifel, dass der Antrag, das Schachspiels möge verboten werden, angenommen worden wäre.

Nun gibt es zu diesem Antrag etwas zu sagen, was den im AStA Versammelten Selbstwichtigkeiten und den in der Vollversammlung versammelten Knallköpfen entgangen zu sein scheint: Der Antrag ist ein Scherz. Zu dieser Überzeugung sind wir durch die einfache Lektüre dieses Antrages gelangt, der schon in der dritten Zeile das * beinhaltet. Das * gilt vielen Ideologen als Platzhalter für eine ganze Menge von sexuellen Orientierungen oder Abweichungen von dem, was nach wie vor die heterosexuelle Norm(alität) ist, und entsprechend würdigen sie das * keines weiteren Blickes.

Nun ist das * ein hochgestelltes Sternchen, wie man es in der Wissenschaft oftmals zur Indizierung benutzt, um auf eine Fußnote hinzuweisen, was auch die vollversammelten Studenten wissen könnten, wären sie an Wissenschaft interessiert. In der Tat ist das * als Fußnotenzeichen gemeint, denn es gibt eine Fußnote, die da lautet: „* alle Personengruppen, die so sind, sich so fühlen wollen oder so gesehen werden wollen/können oder so“.

GarfinkelHier hat sich jemand einen sehr treffenden, sehr guten und sehr wirkungsvollen Scherz erlaubt. Harold Garfinkel wäre stolz auf die Urheber dieses Scherzes, die sich schon im dritten Satz so weit aus dem Fenster gelehnt haben, dass ein normaler Mensch eigentlich den Braten riechen muss: „Alle Studierenden* sind dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass Zuwiderhandelnde* weinend das Gelände verlassen“.

Wie es der ideologische Wahnsinn nun einmal so will, haben es weder die AStAner noch die vollversammelten Knallköpfe bemerkt, die über diesen Antrag zu befinden hatten. Wer Lust hat, sich einen Eindruck über die versammelte und eingebildete Wichtigkeit der anwesenden studentischen Vollversammelten zu verschaffen, dem empfehlen wir die Lektüre des Protokolls der Vollversammlung. Wenn man nicht wüsste, es stammt von einer Universität, man müsste denken, es stammt aus einem Irrenhaus. Tut es aber nicht, es stammt von einer Universität und ist beredtes Zeugnis der geistigen Verheerungen, die linke Ideologien und Genderismus unter Menschen, die bis sie mit beidem in Berührung kamen, weitgehend normal waren und auch normal denken konnten, anrichten.

Bleibt nachzutragen, dass der Antrag von Markus Erhardt (Pflanzenbiotechnologie) und Oliver Till (Master Lehramt Ma/Ch) eingebracht wurde. Klasse! Sehr gut gemacht. Wenn die beiden hier mitlesen: Meldet Euch doch bei uns, schon weil wir diesen Einsatz für die Rationalität, diese Form des rationalen Widerstands mit einer entsprechenden Mug belohnen wollen.

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