Früchte des Neids in der ARD: Hetzjagd auf Reiche eröffnet

Vier Feststellungen zu Beginn:

(1)
paritaetischer-wohlfahrtsrentseekerWohlfahrtsverbände im Allgemeinen und der Paritätische Wohlfahrtsverband im Besonderen sind Verbände, in denen alle diejenigen organisiert sind, die ihr Geld damit verdienen, sich um diejenigen zu kümmern, die sie sozial unter sich selbst ansiedeln, vermeintlich Arme, Arbeitslose, einfache Arbeiter, Alleinerziehende usw., eben die Randständigen moderner Gesellschaften. Alle, die mit paritätischer Wohlfahrt beschäftigt sind, die Sozialarbeiter wie die Funktionäre, verdienen dadurch, dass sie sich z.B. um Arme kümmern, weit mehr, als diese Armen und haben entsprechend auch höhere Renten als diese Armen.
Einer dieser Besserverdienenden ist Rolf Rosenbrock, der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, dessen Einkommen ein Mehrfaches der Einkommen der Armen sein dürfte, um die sein Verband sich zu kümmern behauptet.

(2)
Wir haben uns gefragt, wer nach den Rechten, den Homophoben, den Hasskommentierern und den Antis (Antifeministen, Antigenderisten, Anti-Migranten usw.) als nächstes zum Public Enemy erklärt und zur Hetzjagd in Deutschland freigegeben wird. Die Antwort ist einfach: Reiche natürlich. Was wäre gerade in einem Wahljahr besser als die Hetzjagd auf Reiche zu eröffnen und zu versuchen, auf einer Neidwelle aus Wählerstimmen zu surfen?

(3) In Deutschland werden Menschen gezwungen, in eine gesetzliche Rentenversicherung 18,7% ihres monatilchen Bruttoeinkommens einzubezahlen. 

(4)
Über das Schindluder, das nicht nur in Deutschland mit der Berechnung der relativen Armut getrieben wird, haben wir schon ausführlich geschrieben. Nachzulesen hier.

Soweit so gut.
Nun ein paar Daten.

  • Lebenserwartung für Männer: 78,18 Jahre
  • Lebenserwartung für Frauen: 83,06 Jahre
  • Lebenserwartung für Männer mit einem Einkommen, das 60% des Nettoäquivalenzeinkommens oder weniger beträgt, die entsprechend einer Definition der EU somit als „relativ arm“ gelten: 70,1 Jahre
  • Lebenserwartung für als realtiv arm definierte Frauen: 76,9 Jahre
  • Lebenserwartung aller anderen Männer: 80,9 Jahre
  • Lebenserwartung aller anderen Frauen: 85,3 Jahre

Was ist wohl die Schlagzeile, die Ben Bolz und Tina Soliman auf der Grundlage dieser Daten zusammenschustern?

Reiche leben bis zu zehn Jahre länger“.

Nicht etwa, Frauen leben durchgängig länger als Männer, nein, Reiche leben länger als Arme. Die Ideologisierung der Republik ist im vollen Gange. Der Neidwahlkampf wird an allen Fronten vorbereitet und besonders nützlich sind dann, wenn es darum geht, gesellschaftlichen Neid zu schüren, Wohlfahrtsverbände und allen voran, Frontmann und paritätischer Spitzenverdiener Rolf Rosenbrock. Rosenbrock hat das Halali zur Hetzjagd auf Reiche nicht geblasen, sondern gesprochen:

“Die armen Menschen, die ihr Leben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und dann im Durchschnitt vielleicht noch vier oder fünf Jahre die Rente genießen können, finanzieren im Grunde genommen die Rente der Wohlhabenderen, länger Lebenden mit. Und das ist, wenn man genau hinguckt, natürlich ein sozialpolitischer Skandal erster Güte.”

Ob das den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt, wollen wir Staatsanwälte entscheiden lassen. Wer will, kann ja eine entsprechende Strafanzeige gegen Rosenbrock erstatten.

Warum?
Darum:
Die Gründe für die höhere Lebenserwartung der Reichen liegen, wie selbst die ARD Schreiber in ihrem Text anmerken, in unterschiedlichen Lebensstilen. Relativ arme Männer maximieren durch ihren Lebensstil, ihre Essgewohnheiten und die Berufe, die sie ausüben, die Chance, vorzeitig zu sterben. Sie sterben mit 70,1 Jahren um 10 Jahre früher als reiche Männer und um 15,3 Jahre früher als reiche Frauen, bei denen man in der Mehrzahl wohl von Frauen reicher Männer sprechen müsste.

Government helpRelativ arme Männer und reiche Männer bezahlen 18,7% ihres Nettoeinkommens in die Gesetzliche Rentenversicherung ein. Würden die relativ armen Männer diese 18.7% ihres Lohnes behalten, sie wären keine relativ armen Männer mehr. Sie werden erst zu relativ armen Männern, nachdem der Staat sich eines großen Teils ihres Einkommens bemächtigt hat, so dass sie unter die 60%-Schwelle des Nettoäquivalenzeinkommens sinken können.

Sagen wir, ein relativ armer Mann hat ein monatliches Einkommen von 1800 Euro. Entsprechend zahlt er monatlich 336,60 Euro in die Gesetzliche Rentenversicherung; 4.039,20 Euro im Jahr. Ein reicher Mann mit einem monatlichen Einkommen von, sagen wir, 10.000 Euro zahlt monatlich 1.870 Euro in die Gesetzliche Rentenversicherung, 22.440 Euro im Jahr.

Gehen beide in Rente, dann erhält der relativ arme Mann eine monatliche Rente von 1.347 Euro, während der reiche Mann eine Rente von monatlich 1.851 Euro erhält. Wir sind dabei von 45 Rentenpunkten ausgegangen, also von einem 45jährigen Erwerbsleben ohne Unterbrechung. Der reiche Mann wird zum Ende seiner Zahlverpflichtungen gegenüber der Gesetzlichen Rentenversicherung rund 650.000 Euro in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Die 650.000 Euro reichen aus, um ihm über 29 Jahre seine 1.851 Euro Rente auszubezahlen. Bei Renteneintritt mit 65 Jahren kann unser reicher Mann somit bis ins Alter von 94 Jahren aus den eigenen Beiträgen leben. Leider beträgt seine Lebenserwartung nur 80,9 Jahre, so dass er 14 Jahre verschenkt bzw. den reichen Frauen schenkt, die ihn überleben.

Der relativ arme Mann hat zum Ende seines Arbeitslebens rund 118.000 Euro in die Gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt. Damit kann er 7,25 Jahre seinen eigenen Rentenbezug finanzieren, also vom Eintritt im Alter von 65 Jahren bis zum Alter von 72,25 Jahren. Bis dahin ist er aber tot, denn seine durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 70,1 Jahre. 

Wer trotz dieser Zusammenhänge zur Hetzjagd auf Reiche bläst, der ist entweder ahnungslos oder boshaft oder einer, der daran verdient, dass “arme Menschen” von Steuerzahlern finanziert, paternalisiert werden.

Nachtrag

Einige Schlaumeier, die Argumente nur dann verstehen können, wenn sie keinen Transfer enthalten und entsprechend über dem Inhalt das Argument übersehen, haben darauf hingewiesen, dass es eine Beitragsbemessungsgrenze gibt. Umso besser. Unser Reicher ist somit nicht so reich wie in unserem Beispiel, sondern nur ein relativ Reicher, der entsprechend der Beitragsbemessungsgrenze 63.500 Euro im Jahr verdient. Die monatliche Rente, die er, um in den Worten von Rosenbrock zu sprechen, genießen kann, beträgt 1.851 Euro. In 45 Jahren hat er rund 490.000 Euro in die Rentenkasse einbezahlt und davon kann er 21,8 Jahre leben. Geht er mit 45 Jahren in Rente, dann hat er seine eigene Rente bis zum Alter von 86,8 Jahren finanziert. Gestorben ist er als durchschnittlicher Reicher aber schon im Alter von 78,18 Jahren. 

Dass ein “relativ Armer” kaum die Chance hat, wenn er ein Mann ist, 45 Rentenpunkte zu erzielen, ist uns auch klar. Gehen wir also von 35 Rentenpunkten aus. Unser relativ armer Mann erhält nun 1.101 Euro Rente, er hat rund 138.000 Euro Beitrag entrichtet und kann seine eigene Rente damit gut 10 Jahre finanzieren. Er geht mit 65 in Rente und stirbt im Durchschnitt mit 70,1 Jahren, macht einen Überhang von 5 Jahren. 

Die Aussage ist immer noch dieselbe: Reiche, die in die Gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, finanzieren damit ihre eigene Rente und nicht die der relativ armen Männer. 

 

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21 Responses to Früchte des Neids in der ARD: Hetzjagd auf Reiche eröffnet

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  2. Jürg Rückert says:

    Rechts, links. Reich, nicht reich. Böse, gut. Schwarz,weiß: die Maßstäbe der Bestimmer.
    Wer Jude ist bestimme ich, sagte ein Göring.
    Wer Reich ist bestimmt die Linke. Sozialistisch wertvolle Menschen unterliegen dabei anderen Regeln …
    Bisher hat die Linke noch nie das Auto als Kriterium für überzogenen Wohlstand herangezogen. Liegt das daran, dass auch relativ Arme so gern dicke Autos fahren? Ich fahre Dacia, kleinste Nummer, damit alle meine 4 Kinder ganz auf meine Rechnung studieren konnten. Jetzt wird wieder mal ein Rollladen repariert.

  3. Marcus Junge says:

    Es ist allgemein in der Medizin bekannt und Teil der Ausbildung in der Vorklinik, also den “theoretischen” 2 Jahren, daß alleine Rauchen die durchschnittliche Lebenserwartung um ~10 Jahre senkt. Weiterhin ist Rauchen besonders bei den ungebildeten Teilen der Gesellschaft (= die “Ärmsten”) verbreitet (ebenso wie der Suff), während die “Reichen” (= die “Klugen”) viel weniger Rauchen.

    Was auch nicht verwundert, da jeder 2. Raucher an einer nachweisbar durch das Rauchen begünstigten Krankheit stirbt (so eine Krankheit kann auch andere Ursachen haben, im Einzelfall, nicht bei der massiven Häufung bei allen Rauchern). Helmut Schmidt war die Ausnahme, nicht der Normalfall (und auch er hätte wohl noch länger leben können, wenn er nicht geraucht hätte).

    Weiterhin hat früher jeder Wehrpflichtige beobachten können, wie die “Intelligenz” das Rauchen verteilt. Viele Raucher bei denen ohne Abitur, deutlich weniger bei den Abiturienten unter den Wehrpflichtigen.

    Wer länger diente merkte dies insbesondere bei der Grundausbildung. Das “MMM-Quartal” (viele Maurer, Metzger, Mörder) im April, gegenüber den vielen folgenden Abiturienten im Sommerquartal ab Juli.

    Und das Ehefrauen (Hausdrachen) ihren Mann ins Grab treiben, diese daher früher sterben, ist natürlich völlig logisch und bedarf keiner weiteren Erklärung. (Für Schnellmerker, dieser letzte Satz war ein Witz, es ist genau umgekehrt, ungebundene Männer verhalten sich viel eher wie Charlie Harper aus “2 and a Half Men” und sterben daher früher)

    • Jürg Rückert says:

      In einer Untersuchung vor etwa 25 Jahren zeigte sich ein klarer Anstieg des Nikotinkonsums in einem Vergleich gleicher Klassenstufen vom Gymnasium über die Realschule zur Spitze, der Hauptschule.
      Aus dem Lehrermilieu weiß ich: Kinder, die kein Frühstück erhalten und kein Pausenbrot mitbekommen stammen gehäuft aus Hartz-IV-Haushalten. Die Eltern machen Nachtschicht am Fernseher und müssen sich morgens erholen.
      An all dem sind die Reichen schuld! Die zapfen Ergon-Energie (W. Reich) über Steckdosen aus den Körpern der Armen für sich ab, die Vampire!

      Könnte es sein, dass eine höhere Intelligenz, die Fähigkeit zum momentanen Triebbefriedigungsverzicht, Fleiß, Zielstrebigkeit usw., alles gutteils vererbte Eigenschaften für Erfolg im Leben verantwortlich sind?
      Wer glaubt denn, dass die “Totalschule” das Niveau der Leistungsfähigkeit anheben wird? Je sozialistischer das Bundesland desto schlechter die Bildung! Sozialismus zieht so ziemlich alles nach unten: Hunger für alle!

    • K. Maier says:

      Schon interessant, dass bei realistischen Betrachtungen das gewohnheitsmässige Trinken, das mindestens ebenso schädlich ist, völlig außen vor gelassen wird. Auch Trinker, ebenso wie stark Übergewichtige, Diabetiker und Hoch-Risiko-Sportler sterben, statistisch eindeutig erfasst, früher. Nach letzten Studienergebnissen ist Trinken gleichzusetzen mit Rauchen, also 10 Jahre. Das möchte aber offenbar keiner so gerne wissen, ganz zu schweigen vom Modifizieren der eigenen Gewohnheiten.
      Der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkohol und falsche Ernährung sowie falschen Lebensstil ist immens. Das sozialverträgliche Frühableben aber sicherlich dann doch gewünscht.
      Ich warte auf die Bilder auf jeder Bier-, Wein- und Schnapsflasche mit Dickdarmkrebs, Kehlkopfkrebs, Leberkrebs und -zirrhose, Kleinhirnschäden, etc.
      Was für eine kleine, isolierte Sichtweise immer alles an einer Gruppe abzuladen, während die größere Gruppe einen erheblich größeren Schaden hinterlässt, ganz mit Segen derer, die vermutlich ganz gerne mal einen kippen.

    • K. Maier says:

      Nachtrag:
      Die “falsche” Lebensweise wird ja letztlich auch deshalb “bekämpft”, damit der kleine Mann mal wieder eine Gruppe hat, auf die er drauf schlagen kann, und damit Sanktionen und weitere staatliche Abzocke und Repressionen möglich werden.
      Von den staatlich sanktionierten und weitgehend totgeschwiegenen Lebensverkürzern redet ja eh niemand: Feinstaub, Chemikalien, prozessierte Nahrung, die mit Nahrung nicht viel zu tun hat, Herbizide, Fungizide, Pestizide in Nahrungsmitteln, Boden und Grundwasser, genmanipulierte Nahrung, Diesel, Mobbing, Überstunden, Ausbeutung von “Humankapital” (worum es eigentlich geht).
      Sich da auf eine kleine Randgruppe zu kaprizieren spielt m.E. den eigentlich “Schuldigen” an der Misere bloss in die Hände.
      Ablenkungsmanöver, denke ich, wäre der passende Begriff hierzu.

  4. Rainer Wittmann says:

    In dem Artikel wird ein Vergleich gemacht zwischen dem Beitragsaufkommen “armer Männer” und “reicher Männer”, wobei der Verfasser als Beispiel für einen reichen Mann jemanden auswählt, der über ein Einkommen von 10000€ verfügt. Dieser Vergleich hinkt gewaltig: jemand, der 10000€ monatlich verdient, “verdient” es nicht, “reich” genannt zu werden. Und Leute, die 10000€ monatlich oder mehr verdienen, sind nicht so blöd, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Die Schlußfolgerungen aus einem solchen Vergleich sind also fragwürdig.

  5. merxdunix says:

    Es spricht für sich, dass der Paritätische dabei ist, den Begriff “Wohlfahrt” aus seinem Programm zu nehmen, wie es die schleichende Namensänderung aufzeigt. Folglich geht es ihm nicht mehr um Reichtum, sondern um Gleichmacherei unter der Käseglocke eines gerechten Landes. Damit passt er sehr gut ins Wahlkampfgebrüll von Sankt Martin, seines Zeichens Retter aller hart vor sich hin beschäftigten Armleuchter und hochrotes, von Ethanol auf Banknoten als Brennstoff umgestelltes Leuchtfeuer, der die Hälfte seines Deckmantels der sozialen Gerechtigkeit für sich behalten will, damit dem Bettler nicht zu warm wird.
    Tröstlich ist, dass der Paritätische den Reichtum nicht vernichten, sondern nur umverteilen will, so dass in Zukunft eben Andere reich sind. Weil es dabei gerecht zugehen soll, kriegt also der Reiche das weggenommen, was er nicht braucht, und der Arme nur so viel, dass er nicht eingeht, sondern arm bleibt. Die Differenz bleibt wie gewohnt beim Zuhälter äh Verteiler.

  6. Fröhlich says:

    Auch hier zeigt es sich weider einmal: Die Quelle des Sozialismus ist der Neid. Von ihm nährt er sich und ohne ihn kann er nicht leben!

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  8. Hosenmatz says:

    Der Katastrophenfall für Sozialisten ist, wenn das Geld der anderen verbraucht ist.

    • merxdunix says:

      @ Hosenmatz
      Ist das so? Geld kann man beliebig drucken. Die Staatspleite ist da, wenn es für Geld nichts mehr zu kaufen gibt, weil keiner mehr etwas arbeiten will.

      • Alfred says:

        Vielleicht sterben die “armen” Menschen ja auch früher, weil man ihnen von klein auf an gesagt hat, dass sie arm sind und dieses ein fürchterlicher unerstrebenswerter Zustand ist.
        Weil man Armut auf Geldarmut reduziert hat, und ensprechend umgekehrt.
        Was passierte wohl, wenn plötzlich eine Mehrheit ihnen sagen würde, dass sie eigentlich reich sind?
        Solche bisher absoluten Ausnahmen wie Jesus, Gandhi, Sri Ramana Maharshi lassen erahnen, was dann passiert: ein höheres, gesünderes Leben, eine unvergleichliche Vitalität und Unerschrockenheit – das passiert wohl!

        • merxdunix says:

          @ Alfred
          Hunger kann für die Spiritualität in der Tat sehr förderlich sein, weshalb die Geschichte gern mit asketischen Hungerleidern glänzt. Schließlich haben sie den Mächtigen oft genug aus der Patsche geholfen, indem sie ihnen die Armen vom Hals gehalten haben. Dafür wurden sie dann ja auch gehörig mit Ruhm bekleckert. Den Armen ihren Reichtum einzureden, wäre daher wohl auch heute noch die sauberste und friedlichste Lösung. Sie müssten sie allerdings so konsequent durchziehen können, bis die Armen freiwillig vor vollen Tellern verhungert sind. Viel Erfolg!
          Das Problem ist nur, dass Reichtum meist in der Armut Anderer besteht, weil die Relation zählt, und wie wollen Sie vergleichsweise reich bleiben, wenn Sie die Armen verhungern lassen? Vielleicht sind Sie dann ja als Nächster dran und schon haben wir wieder die heutige Situation.
          Die Menschheit war nie arm, hat sie gar nicht nötig. Sie hat nur ein Verteilungsproblem, weil die Armen lieber für die Reichen arbeiten als für sich selbst, nur um dabei zu sein.

          • Alfred says:

            Da haben Sie mich nicht ganz verstanden: Ich wollte mit meinem Text zum Ausdruck bringen, dass diese materielle Reduzierung des Phänomens “Leben” auf ein paar mehr oder weniger Jahre und das zumal in enger Verknüpfung mit Geldeinkommen bzw. Finanzkapital nur eine weitere Spielart des Materialismus ist, ergo: selbst Teil des Problems.
            Selbst schon eine Eintagsfliege bietet mehr interessante Facetten als die Dauer eines Tages eine ist. Und hat ihren Platz in dieser Welt. Ob mit oder ohne Bewusstsein, ob an unseren Geldkreislauf direkt angeschlossen oder nicht, soll unter diesem Aspekt erst einmal ohne weiteren Belang sein.
            Demgemäß wäre denn auch gemeint: den (kleinen) Leuten ihren inneren Reichtum als Wertbasis eröffnen, wenn sie noch kaum ihre Wiege verlassen haben, in der Schule, und wenn es sein muß noch darüber hinaus, im gesamtgesellschaftlichen Konsens. Den ganzen Kosmos von Schätzen, die ihm ursprünglich angehören, und dessen er nicht mehr beraubt werden kann, wenn er ihn einmal recht zur Enfaltung gebracht hat, meine ich, nicht das frühzeitige Setzen auf und Wecken von irreleitenden und
            irregeleiteten Anreizen aus goldenem Anstrich, mit dem heute üblichen Bestrafungs- und Belohnungssystem, die aus ihm eine rein auf Effektivität ausgerichtete Lern- und Arbeitsmaschine machen, aber eine, die sich in Ihrer grenzenlosen Gier nach ihr immer unerfüllbar bleiben müssenden, illusionären Sehnsuchtszielen “da draußen” selbst verzehrt-
            Der heutige Normalmensch kann niemals seine Ruhe auf Erden finden, weil er von der Inneren abgeschnitten ist. Deshalb wird er niemals Ruhe geben. Die sogenannten Reichen treibt eine eigene Form von Unruhe um, und, da sie im Schnitt ein paar insofern wirklich bedeutsame Lebensjahre auf denen der “Armen” aufschlagen, verlängert ein an sich verringertes Leiden sich im Schnitt vielleicht so zu einer vergleichbar miserablen Lebensqualität dieser beiden Gegensatzexistenzen.
            Der Mensch wird heute in der allgemeinen Vorstellung von seinem Wesen, sowie dem, was ihm am Besten entspricht, auf ganz wenige Scheiben zurechtgeschnitten, fast wie beim Metzger. Er ist schon ein gespaltenes Etwas, bevor er überhaupt erst halbwegs zu Sinnen gekommen ist.
            Ich weiß, das war hier so nicht zum Thema gemeint. Allerdings sehe ich auch nicht, inwieweit die hier eingeschlagene Richtung in dieser relativen Eindimensionalität zur Problemlösung beitragen soll – auch wenn es etwas arrogant herüberkommen mag!

            • merxdunix says:

              @ Alfred
              Ich weiß schon worauf Sie hinaus wollen und hatte deshalb die Spiritualität aufgegriffen. Sie könnte auch in Deutschland und Europa besser zur allgemeinen Bereicherung dienen. Bei objektiver Betrachtung tut sie es aber auch so schon, denn es sind weit mehr Menschen spirituell, als es nach außen hin scheint, weil diese wegen ihres Gleichmutes leicht übersehen werden.

              Mit Spiritualität kann man jedoch keinen Sozialstaat machen, da sich nur gierige, geltungsbedürftige, übersozialisierte, verdummte oder gedemütigte Menschen derart zur Ausbeutung eignen, dass sie genug Überschüsse erwirtschaften, um Prekariat, Politik, Verwaltung und Beamtentum, Justiz, Militär, Bildung, staatliche Wissenschaft usw. zu versorgen und dabei sogar über sich zu stellen. Der Staat ist existenziell darauf angewiesen, gerade die Leistungsfähigen unter seinen Bürgern von der Spiritualität fern zu halten, um sie ausputzen zu können. Es ist deshalb illusorisch, eine staatliche oder gesellschaftspolitische Förderung der Spiritualität zu erwarten.

              Eine tragfähige Lösung sehe ich im Bedingungslosen Grundeinkommen, nicht weil die Menschen dann alle plötzlich fleißig würden, sondern weil die vorhandenen Kapazitäten effektiver genutzt werden könnten, die Fähigen dann das Gewollte aus sich heraus tun könnten und zu Spiritualität finden dürften. Der Staat ist doch weitgehend mit sich selbst beschäftigt, schon um seine Dominanz zu wahren, und so verheizt er viele durchaus zu Mehrwert fähige Menschen in diversen Verwaltungsprozessen, in Scheinbeschäftigung und um Druck auf seine Bürger auszuüben. Das BGE würde einen großen Teil davon freisetzen, so dass die dann selbst echte Wertschöpfung betreiben könnten.

      • Hosenmatz says:

        Ich wollte damit nur deutlich machen, dass die Sozialisten sehr gut darin sind, das Geld anderer Leute umzuverteilen (ohne dabei ihre eigenen Pfründe anzutasten). Aber was ist, wenn nichts mehr zum Umverteilen da ist? Sei es, weil die Wohlhabenden das Land verlassen haben oder weil niemand mehr Interesse daran hat, etwas zu erwirtschaften.

        Ein schönes Experiment dazu:

        http://www.thecommentator.com/article/646/does_socialism_work_a_classroom_experiment

        • merxdunix says:

          @ Hosenmatz
          Wenn nichts mehr zu verteilen ist, holt man sich einen Hegemon, indem man einem Reichen die Schuld an der Armut anderer gibt und ihn einen Rassist nennt, weil er sich nur selbst bereichert hat, anstatt seine Fähigkeit zur Wertschöpfung allen anzudienen. Er wird vor die Wahl gestellt, entweder wir ziehen bei dir ein oder du baust uns ein Haus, größer und schöner als deins. Hat zuletzt Osteuropa mit der EU gemacht und davor die DDR mit der BRD.

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