Essentieller Quatsch oder: Dein SWR-Kollege – ein Idiot?

Das Blog Fisch und Fleisch berichtet heute von einer SWR-internen Information „Zum Umgang mit Fremdenfeindlichkeit am Arbeitsplatz“, die den Titel trägt: „Dein Kollege – ein Rassist?“. Verantwortlich für diesen Beitrag sind nach Recherchen von Fisch und Fleisch die „Stuttgarter Personalräte des Südwestrundfunks, Peter Beck und Stefan Tiyavorabun gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten Anna Koktsidou.

SWR1Offensichtlich, erstrecken sich die Integrationsbemühungen der Integrationsbeauftragten und der Personalräte nicht auf Personen, die aus ihrer Sicht Falsches denken. Vielmehr liefern sie eine Steilvorlage zur Bespitzelung und Ausgrenzung der entsprechenden verdächtigen Mitarbeiter beim SWR, sofern es sie überhaupt gibt.

Der Ablauf der Gesinnungssäuberungen beim SWR ist auf Fisch und Fleisch beschrieben. Dass die Ähnlichkeiten mit der Handreichung zu Gesinnungssäuberungen, die ver.di geliefert hat, nicht zufällig sind, ist ebenfalls nachzulesen.

Uns geht es weniger darum, dass mit dem internen Dokument des SWR abermals einen Beleg dafür gibt, dass Meinungsfreiheit in Deutschland längst nicht mehr vorhanden ist, dass sie vielmehr aktiv bekämpft und ein Klima der Bespitzelung der Kollegen gefördert wird, auf das Erich Mielke sicher stolz gewesen wäre, nein, uns geht es darum, dass diejenigen, die sich als Retter der politischen Korrektheit und Ausgrenzer der Falschdenker aufspielen wollen, dies aus einer intellektuellen Position heraus tun, die für Fehlschlüsse, Verkürzungen, Denkfehler und Dummheiten aller Art anfällig ist, so dass man im Hinblick auf die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ mit der Frage antworten muss: „Dein Kollege – ein Idiot?“

Zwei Beispiele unterirdischer kognitiver Leistung mögen als Demonstration genügen.

Die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist“ wehren sich dagegen, dass Merkmale Einzelner aufgrund eines gemeinsamen Merkmals auf eine Gruppe übertragen werden. Ein syrischer Flüchtling begeht Straftaten. Alle syrischen Flüchtlinge sind Straftäter. Die zwei Sätze beschreiben einen solchen Fehlschluss, denn natürlich kann von einer Beobachtung nicht auf viele Beobachtungen geschlossen werden. Das ist in der Logik als induktiver Fehlschluss bekannt.

SWR2Diese scheinbare Einsicht in logische Zusammenhänge, hindert die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ aber nicht daran, denselben Fehlschluss nun ihrerseits zu begehen, wenn Sie schreiben: „Auch und trotz der Vorfälle von Köln: Wer nach dem Profil der Täter fragt, kann sehen, dass es keine Hinweise darauf gibt, wonach Flüchtlinge öfter straffällig werden als andere Menschen. Auch nicht, dass Menschen nichtdeutscher Herkunft krimineller sind als die Durchschnittsbevölkerung“.

Man muss sich gar nicht inhaltlich mit der Frage beschäftigen, ob richtig ist, was hier behauptet wird, denn es ist logischer Unsinn in Gestalt eines induktiven Fehlschlusses, gewürzt mit einem gehörigen Schuss romantischen Orientalismus‘.

Denn:

(1) Man kann Flüchtlinge nicht mit der Menge „anderer Menschen“ vergleichen und Menschen nichtdeutscher Herkunft nicht mit der Durchschnittsbevölkerung. Flüchtlinge sind eine selegierte Gruppe von Menschen. Der Opa aus Aleppo flieht nicht nach Deutschland. Aber sein Enkel. Alle Berichterstattung zeigt, dass es vornehmlich junge Männer sind, die nach Deutschland fliehen. Nur ein kriminologisch Kenntnisloser nimmt an, junge Männer zeigten dieselben Neigung zu Straftaten wie die Durchschnittsbevölkerung. Wenn eines in Jahrzehnten kriminologischer Forschung klar geworden ist und in jeder Polizeilichen Kriminalstatistik nachgelesen werden kann, dann dass junge Männer die höchste Wahrscheinlichkeit haben, Opfer wie Täter zu sein.

(2) Der Zweck eines Vergleichs einer selegierten Gruppe wie der der Flüchtlinge mit der Durchschnittsbevölkerung besteht darin, Abweichungen vom Durchschnitt sichtbar zu machen. Ansonsten wäre ein solcher Vergleich blanker Unsinn.

Logik f dummies(3) Er wäre nicht nur blanker Unsinn, er wäre auch Ausdruck einer ganz besondere Art von Rassismus, nämlich des romantischen Orientalismus, der in der Figur des edlen Wilden gipfelt. Die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ sind also offensichtlich nicht über ihre Winnetou-Periode hinausgekommen und denken immer noch, Menschen aus anderen Kulturen seien die besseren Menschen. Wenn man es Angehörigen anderer Gruppen verweigert, dieselben Eigenschaften zu haben zu dürfen, wie sie die Angehörigen der eigenen Gruppe zugeschrieben werden, dann erfüllt dies alle Kriterien von Rassismus. Insofern muss man schließen, dass die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ selbst Rassisten sind, Rassisten, die an essentielle Wahrheiten glauben, die Flüchtlinge zu besseren Menschen machen.

Ein Schmankerl haben wir noch zum Schluss, eines, der besonderen Art:

Die Macher vom SWR-Rassismus Test schreiben:
„Sollte es sich wiederholen oder wenn Beschäftigte gar unaufgefordert derartige fremdenfeindliche Perspektiven am Arbeitsplatz verbreiten, kann das ein Kündigungsgrund sein. Denn mit einer solchen Hetze wird der Betriebsfrieden insbesondere auch in der Zusammenarbeit mit den … Kollegen anderer Herkunft nachhaltig gestört“.

Diese Formulierung setzt logisch voraus, dass fremdenfeindliche Perspektiven beim SWR verbreitet werden dürfen, und zwar dann, wenn man dazu – von wem auch immer – aufgefordert wird.

Wir kommen also zu dem Schluss, dass die Macher des SWR-Rassismus Tests (1) Essentialisten sind, die einem romantischen Orientalismus huldigen, (2) selbst Rassismus verbreiten, (3) alle Kollegen unter Generalverdacht stellen, denn gäbe es keinen Generalverdacht gegen alle SWR-Mitarbeiter, es bedürfte des SWR-Rassismustests nicht. Alle Kollegen unter Generalverdacht zu stellen, ist eine Form von Hetze, die den Betriebsfrieden in erheblichem Umfang stört. Darunter leiden alle Kollegen in gleicher Weise, also unabhängig von ihrer Herkunft. Entsprechend sollten die Macher beim Wort genommen und ihnen gekündigt werden.

Angesichts von essentiellem Quatsch wie diesem SWR-Test „Dein Kollege – ein Rassist?“ muss man sich über die Qualität der Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, belegt, was den SWR betrifft, nicht wundern. Es hat vielmehr den Anschein, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den letzten Jahren zu einem Market for Lemons entwickelt hat, auf dem sich nur die einfinden, die nichts Besseres finden konnten, nicht einmal in Bremen.

P.S.

Die Unfähigkeit zum logischen Denken zeigt sich auch in der folgenden Formulierung, die in den entsprechenden Netzwerken wohl so penetrant transportiert wird, dass sie Hinz und Kunz nachplappern:

„Solche Äußerungen verletzten die Menschenwürde von Minderheiten. Sie sind daher nicht vom außerordentlich wichtigen Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt“.

Scheinbar denken die Macher des Rassismus-Tests, wenn man das Recht auf Meinungsfreiheit als „außerordentlich wichtig“ bezeichnet, dann fällt es nicht auf, wenn man es de facto abschaffen will. Das Recht, jede Meinung zu äußern, die er äußern will, kann man keinem Menschen absprechen. Insofern muss man damit leben, dass auch „Äußerungen, die die Menschenwürde verletzten“ durch Meinungsfreiheit gedeckt sind. Wer seine Meinungsfreiheit in Anspruch nimmt, um die Menschenwürde anderer zu verletzten, tut dies in dem Bewusstsein, dass er sich damit einer juristischen Verfolgung aussetzen kann, die wiederum strafrechtliche Folgen zeitigen kann. Das hat mit dem Recht auf Meinungsfreiheit überhaupt nichts zu tun. Schließlich haben Minderheiten keine Menschenwürde, denn Menschenwürde ist ein individuelles Merkmal, das nur Individuen, nicht aber Gruppen haben können. Jeder Satz von „Dein Kollege – ein Rassist“ stellt ein weiteres Indiz zur Beantwortung der Frage, „Dein Kollege .- ein Idiot?“ bereit.

Was tut man eigentlich als harmloser Mitarbeiter des SWR, wenn man mit Idioten als Kollegen konfrontiert ist, die sich penetrant in die Abläufe des täglichen SWR-Daseins einmischen? Zeit für eine Handreichung.

Über Michael Klein
... concerned with and about science

7 Responses to Essentieller Quatsch oder: Dein SWR-Kollege – ein Idiot?

  1. Gereon says:

    Ja, natürlich sind die Verfasser solcher Machwerke Rassisten.
    Wenns gegen Deutsche geht, scheint aber alles erlaubt.

    Und was der Artikel nicht beleuchtet, ist, was alles als ‚fremdenfeindlich‘ gilt.
    Jede wie auch immer geartete Kritik ist von den Verfassern mitgemeint.

    Wenn ich z.B. sage ‚Es kommen immer erstmal die, denen zuhause der Boden zu heiss ist und prägen unser Bild von der jeweiligen Landesbevölkerung aufgrunddessen negativ‘, dann ist das in meinen Augen Kritik. (Man möge mich verbessern, falls ich irre.)

    In den Augen der Verfasser der Handreichung bin ich damit ein rassistischer Fremdenfeind.

    Nungut, es kann zur Ehre gelangen, von der Richtigen Seite beschimpft zu werden. Nennt mich Hippie-Nazi. Und als solcher sage ich:

    Erst wenn der letzte Deutsche von seinem Arbeitsplatz vertrieben wurde,
    werdet ihr feststellen, dass die Migranten Euch weder GEZ noch Pensionen bezahlen
    und der Laden nicht mehr läuft.

    (Und dann haben wir großes Kino, wetten?)

  2. Joachim Ochmann says:

    Die sollten sich RTL in diesem Moment anschauen, da wird Spanien mit seinem Sozialproblem behandelt. Eine Katastrophe.

  3. Jakob Sparrov says:

    Mit dem „Kollegen“ fängt es ja schon an!
    Wer kennt den Ursprung und die wirkliche Bedeutung des Wortes?
    Ich gebe einmal meine Version zum Besten, da ich im Gymnasium vor vielen Jahrzehnten lateinisiert wurde und mehr über die alten Griechen und Römer lernte, aber erfahren musste, dass die Weltgeschichte von 1914 bis 1945 ein mordsmässiges Loch hat, über das niemand Auskunft geben konnte/wollte, wohl auch deshalb weil er/sie selbst dabei war und ……, nun ja!
    Also zum „Kollegen“!
    Ich habe gelernt, dass ein „Kollege“ im alten Rom (Stadt!) Mitglied in einem „Kollegium“ war! Daher der Name – no naa!
    Und ein „Kollegium“?
    „Kollegien“ waren mafia-ähnliche, hochkriminelle Verbrecherbanden, die mit Duldung des Kaisers durch Tributzahlungen aus ihrer Beute (hauptsächlich Schutzgelderpressung), von Selbigem toleriert wurden. Die Stadt Rom wurde vom Kaiser unter den „Kollegien“, bestehend aus „Kollegen“ – die auch nicht vor Mord zurückschreckten, da sie den Kaiser hinter sich wussten – aufgeteilt!
    Und wie schaut das heute aus? Mit den Kollegen?
    Wir können uns noch auf einiges gefasst machen!

  4. Pingback: Essentieller Quatsch oder: Dein SWR-Kollege – ein Idiot? – MoshPit's Corner

  5. myplatincoin says:

    Wenn jeder nur Mensch bleibt hätten wir nicht das Problem mit einem ,,Kollegen,,

  6. Ich war lange Jahre in einem Software-Unternehmen beschäftigt. Unter den Kollegen waren viele Inder und Chinesen, mit denen wir bestens zurecht kamen: Freundlich, höflich, hilfsbereit, zurückhaltend und fleißig. Allerdings neckten sich die Gruppen untereinander: Die Inder bezeichneten die Chinesen als „Hundefresser“ und die Chinesen revanchierten sich damit, daß sie den Indern vorhielten, Rindviecher als Götter zu verehren. War das nun Rassismus? Fremdenfeindlichkeit?

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