Philosophieprofessor: Vernünftige Menschen gendern nicht und sprechen wie Erwachsene

Arne Hoffmann, dem Unermüdlichen, sei Dank für den Hinweis darauf, dass sich wissenschaftlicher Widerstand gegen den Genderismus auch in Österreich regt.

Robert Pfaller, Professor für Philosophie und Kultur-Theorie an der Universität Linz, hat in einem Interview mit der Zeitung “Der Standard” über “den Verlust der Erwachsenensprache in Politik und Kultur, die nur noch sprachliche Sozialpolitik der “Pseudolinken” und die bloß symbolische “Volksnähe” der neuen Rechten” gesprochen.

STANDARD: Haben Sie Ihre Sprache im Lauf der jüngeren Zeit verändert? Gendern Sie? Schreiben Sie das Binnen-I? Gibt es Wörter, die Sie nicht mehr sagen, weil “man” sie heute nicht mehr sagt?

Pfaller: Natürlich versuche ich andere Menschen beim Sprechen nicht ungewollt zu kränken oder zu beleidigen. Das Beste, was man meiner Ansicht nach dazu tun kann, ist, wie ein vernünftiger Mensch zu ihnen zu sprechen. Eine Kunstsprache zu verwenden, also zu “gendern” oder ein Binnen-I einzufügen, scheint mir dabei eher hinderlich. Man klingt dabei schnell nicht mehr wie ein vernünftiger Mensch. Und man wirkt auf ungute Weise bemüht oder sogar ein wenig aggressiv – so, als ob man Peinlichkeit vermeiden müsste oder den anderen belehren wollte. Diese Sprachtricks dienen ja nicht so sehr dazu, Dritte zartfühlend zu benennen. Sie haben in erster Linie die Funktion, die Zweiten, also die, zu denen man spricht, sozial zu überbieten und sie pädagogisch zu unterwerfen.

Schlechte Nachrichten also für die Genderisten und ihren Versuch, Herrschaft über Sprache, ausgerechnet über Sprache, auszuüben. Nichts war’s. Nichts war’s nicht nur mit dem Gendersprech, auch die dazugehörende Infantilisierung durch eine politisch-korrekte Sprache, die zu den Themen gehört, die wir regelmäßig auf ScienceFiles behandeln, sie kommt im Interview mit Pfaller zur Sprache:

STANDARD: “Sie kritisieren die politisch korrekte Sprache als Symptom einer zunehmenden Infantilisierung der Gesellschaft. Warum?”

Pfaller: “Das Zartsprechen ist das kulturelle Symptom eines ökonomischen Politikversagens. Man hat Probleme, die in der Ökonomie zu erledigen gewesen wären, in die Kultur verlagert und sie dort zu behandeln versucht. Wenn man das aber tut, dann löst man die Probleme nicht nur nicht, sondern man produziert sogar neue. Nun werden die Menschen nämlich von ihren Interessen abgelenkt auf ihre Empfindlichkeiten. So werden sie unfähig, ihre wichtigsten Interessen wahrzunehmen und sich dafür mit anderen, ungeachtet von deren Identitäten oder Empfindlichkeiten, zusammenzuschließen. Die Propaganda der Empfindlichkeit entsolidarisiert. Und sie zerstört den öffentlichen Raum. Denn wo sie herrscht, kann niemand mehr mit anderen unter Absehung von der jeweiligen Person sprechen.”

Erwachsenensprache kommt für Pfaller übrigens in der Fähigkeit zum Ausdruck, unabhängig von eigenem Empfinden und Befindlichkeiten über Dinge zu sprechen und sich kompetent zu Sachfragen zu äußern, also darin, über Aussagen wie “das finde ich”, “das verletzt mich”, “das mag ich”, hinauszukommen. Noch ein Grund, warum Genderismus keine Zukunft hat, denn bislang ist es noch keinem Genderisten gelungen, von der Ebene persönlicher Empfindlichkeit auf die Ebene einer kompetenten und sachbezogenen Sprache, also auf das Niveau von Erwachsenen vorzudringen, die sich über etwas austauschen können, ohne dieses Etwas ständig wie kleine Kinder zu bewerten.

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