Gleichberechtigung braucht nur, wer vom Staat in Unfreiheit gehalten wird

  • Menschen sind frei geboren.

Bis hierhin gehen die meisten mit.

  • Weil Menschen frei geborgen sind, haben sie weitgehend dieselben Startbedingungen.

Hier gibt es schon die ersten Einwände von denen, die denken, das Schicksal in eine reiche Familie geboren zu werden, sei in jedem Fall der Arbeiterfamilie vorzuziehen.

  • Weil Menschen die gleichen Startbedingungen haben, deshalb unterliegen sie nur Naturgesetzen, die die Vernunft vorgibt bzw. der Verpflichtung, sich selbst zu erhalten.

Die Einwände dagegen sind offenkundig, denn der Staat, so wird behauptet, sei vor den Menschen dagewesen, jedenfalls vor den modernen Menschen, entsprechend müssten Menschen sich einordnen.

  • Weil Menschen frei geboren sind, gleiche Startbedingungen haben, nur an ihre Vernunft gebunden sind und an die Verpflichtung, sich selbst zu erhalten, kann ein Staat ihre Freiheit nur einschränken, wenn die Vernunft der jeweiligen Menschen den Vorteil der Unterordnung unter den Staat höher veranschlagt als den Vorteil, einer Nicht-Unterordnung.

Menschen, so lautet der Einwand, sind soziale Wesen, die die Gesellschaft anderer benötigen.

Menschen, so lautet der Gegen-Einwand, finden am Zusammenleben kein Vergnügen und leben nur deshalb in Gesellschaft, weil sie in Kooperation mehr als alleine erreichen können.

Die beiden skizzierten Positionen bezeichnen die Antipoden von Liberalismus und Sozialismus. Der Sozialismus predigt den in Abhängigkeit geborenen Menschen, der als soziales Wesen nur in der Gesellschaft und zu den Regeln der Gesellschaft glücklich werden kann. Der Liberalismus vertritt das Bild des freien Menschen, dessen Vernunft bestimmt, wann er sich gesellschaftlichen Regeln unterordnet und wann nicht.

Der Gegensatz im Menschenbild könnte nicht größer sein. Der liberale Mensch ist frei und entscheidet über sein Tun. Der sozialistische Mensch ist unfrei und lässt über sein Tun entscheiden. Der Liberalismus betont die Stärke des einzelnen Menschen und seine Handlungsautonomie. Der Sozialismus schwelgt in der Schwäche des Menschen und der Notwendigkeit, den schwachen Menschen zum richtigen Bewusstsein zu führen.

Der Sozialismus ist ein Schritt zurück ins Mittelalter der Scholastik, die den Menschen als von Gottes Willen determiniertes Wesen beschrieben hat.

Zur Erinnerung, die Befreiung des Menschen von den Fesseln, die ihm die Religion auferlegt hat und die ihm der Sozialismus wieder auferlegen will, sie beginnt spätestens 1651:

„Die Natur hat die Menschen hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten so gleich geschaffen, dass trotz der Tatsache, dass bisweilen der eine einen offensichtlich stärkeren Körper oder gewandteren Geist als der andere besitzt, der Unterschied zwischen den Menschen alles in allem doch nicht so beharrlich ist, als dass der eine auf Grund dessen einen Vorteil beanspruchen könnte, den ein anderer nicht ebensogut für sich verlangen dürfte. Denn was die Körperstärke betrifft, so ist der Schwächste stark genug, den Stärksten zu töten – entweder durch Hinterlist oder durch ein Bündnis mit anderen, die sich in derselben Gefahr wie er selbst befinden.

Und was die geistigen Fähigkeiten betrifft, so finde ich, dass die Gleichheit unter den Menschen noch größer ist als bei der Körperstärke – einmal abgesehen von den auf Wörtern beruhenden Künsten und besonders von der Fertigkeit nach allgemeinen und unfehlbaren Regeln vorzugehen, was man Wissenschaft nennt. Diese beherrschen nur wenige und nur in wenigen Dingen, da sie weder eine mit uns geborene, angeborene Fähigkeit ist, noch durch Beschäftigung mit irgendeinem anderen Gegenstand erworben wird wie die Klugheit. Denn Klugheit ist nur Erfahrung, die alle Menschen, die sich gleich lang mit den gleichen Dingen beschäftigen, gleichermaßen erwerben. Was diese Gleichheit vielleicht unglaubwürdig erscheinen lässt, ist nur eine selbstgefällige Eingenommenheit von der eigenen Weisheit, von der fast alle Menschen annehmen, sie besäßen sie in höherem Maße als das gewöhnliche Volk, das heißt, als jedermann außer ihnen selbst und einigen anderen, die sie wegen ihres Rufes oder weil sie mit ihnen übereinstimmen, anerkennen. Denn die Natur der Menschen ist so beschaffen, dass sie, wie sehr sie auch den größeren Witz, die größere Beredsamkeit oder Gelehrsamkeit anderen anerkennen, doch kaum annehmen, es gebe viele, die so weise sind wie sie, denn sie sehen ihren eigenen Verstand unmittelbar vor Augen und den anderer Menschen über eine Entfernung. Aber das beweist eher, dass Menschen in dieser Hinsicht gleich, als das sie ungleich sind. Denn es gibt gewöhnlich kein besseres Zeichen der gleichmäßigen Verteilung der Dinge, als dass jedermann mit seinem Anteil zufrieden ist“ (Thomas Hobbes, Der Leviathan, S.94).

Warum Sozialisten dieses Menschbild nicht mögen? Weil es nicht ermöglicht, der eigenen Klientel Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen, weil es Umverteilung, den zentralen Bestandteil aller sozialistischen Systeme, der auf der Annahme des hilfebedürftigen, schwachen und abhängigen, des nicht-freien Menschen basiert, verunmöglicht und es nicht erlaubt, Gleichberechtigung dabei als Vorwand zu benutzen.

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