Geburtenverbot in Industriestaaten?

Ethische Probleme zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen menschengemacht sind, zum anderen viel Stoff für Streit bieten, seltsamerweise, denn dass man anderen Lebewesen kein Leid zufügen darf, sollte eigentlich klar sein, dass man nicht lügen und betrügen kann und dennoch denken, man sei ein richtig toller Mensch, ebenfalls, dass man nicht auf Kosten anderer, sondern auf eigenen Beinen leben muss, um Selbstwert empfinden zu können – eine Binsenweisheit. Wie gesagt, es sollte eigentlich klar sein.

Ist es aber nicht.

Heute muss man über den Wert des Schmarotzens diskutieren, die Frage erörtern, ob es denkbar ist, dass sich ein Mörder bei genauerem Hinsehen als Heiliger entpuppt. Man muss darüber sinnieren, ob Gewalt ein berechtigtes politisches Mittel ist, argumentieren, dass Steine zwar schlagkräftig, aber eben kein schlagkräftiges Argument sind … Jede Normalität muss diskutiert werden. Prostituierte werden zu Würdenträgern, geistige Blindgänger zu Abgeordneten und Unbedarfte und Kinder zu Fachleuten erklärt.

Gemessen an willkürlichen Standards des richtigen Lebens gilt: Anything goes.

Einer dieser willkürlichen Standards hat die Rettung der Welt, wie wir sie kennen zum Gegenstand. Die Erzählung geht so: Die Erde ist überbevölkert, was stimmt, die viele Bevölkerung verpestet die Umwelt, was auch stimmt, die Ressourcen der Erde gehen zur Neige, was immer stimmt, selbst die Sonne brennt nur noch ein paar Milliarden Jahre, die Menschen sind der größte Umweltschädling der Erde, sie müllen Flüsse zu, ersetzen das Wasser in den Meeren mit Plastik, fressen alles, was säugetierisch ist, auf, erwärmen den Planeten, so dass sich bald nur noch Amphibien wohlfühlen, kurz: Menschen sind ein Ärgernis, ein viel zu häufiges Ärgernis.

Diesem Ärgernis wollen eine ganze Reihe von Rettern des Planeten auf die ein oder andere Weise am Zeug flicken. Was sie alle eint ist der Ansatz, nach dem die jetzt lebenden Menschen sich einschränken müssen, in ihrer Freiheit beschränkt werden müssen, besteuert und erzogen werden müssen, damit der Planet auch morgen noch, kraftvoll seine Umlaufbahn fliegen kann.

In die Reihe der Planetenretter hat sich nun auch der Bio-Ethiker Travis N. Rieder von der Johns Hopkins University in Baltimore eingereiht.

Er spricht sich für ein Zeugungsverbot, zumindest eine Einschränkung desselben, aus.

Wo?

Ja, Sie denken sicher an Afrika. Weil man bei Geburtenkontrolle immer an Afrika denkt, jedenfalls dann, wenn man in den 1970er und 1980er Jahren sozialisiert wurde, als Geburtenkontrolle noch ein Thema war, … in Afrika.

Aber weit gefehlt.

Ein Kind, das in einem westlichen Industriestaat geboren wird, verursacht viel mehr Schadstoffemissionen als ein afrikanisches Kind. Man denke nur an all die Gadgets, die heute zum Unterhalt eines Kindes notwendig sind, vom Rollgerät in früher Kindheit, bis zu all den Unterhaltungs- und Snack-Aufbewahrungsutensilien, vom Smartphone über die Designer-Klamotten und die Spielkonsole bis hin zu all dem Junk, der als Fast-Food bezeichnet wird. All das belastet die Umwelt, so argumentiert Rieder, all das belastet die Umwelt viel mehr, als es die Umwelt belastet, wenn in Afrika ein Kind geboren wird. Deshalb muss die Geburtenkontrolle in Europa, in Nordamerika, in Australien und Neuseeland ansetzen, nicht in Afrika oder Asien, so meint er.

Und was meinen Sie?

Ethische Fragen sind, wie schon gesagt, häufig Streitfragen, Fragen, die heftigen Streit auslösen, das schon deshalb, weil sie mit moralischen Grundüberzeugungen in Verbindung stehen. Wenn Sie bereits in die Luft gegangen sind, ob dieses unglaublichen Vorschlags, dann bitte kommen Sie auf den Stuhl zurück, treten Sie einen Schritt zurück und fragen Sie sich, ob der Vorschlag nicht im Rahmen des Glaubenssystems der Klimawandel-Apostel und Weltenretter verständlich ist. Und wenn Sie schon dabei sind, fragen Sie sich, wieso Menschen, die von sich behaupten, eine moralisch ausgezeichnete und wichtige Frage zu lösen, immer in die Unmoralität abgleiten und kein anderes Mittel finden, ihr Ziel zu erreichen, als andere zu bevormunden.

Und schon sind wir im Totalitarismus der Gutmenschen angekommen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es wäre schöner auf der Welt, wenn es weniger von uns gäbe, aber wie sagt schon Angela Merkel, „nun sind sie einmal da“, die Menschen und dummerweise alle mit den gleichen Rechten ausgestattet, gleichwertig, wie das bei der Linken heißt. Gleichwertigkeit und Bevormundung verträgt sich nicht, ist ein Widerspruch… oder ist es ein ethisches Problem?

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