Mietengejammer in Deutschland – die nächste (orchestrierte?) Hysterie

Wie immer, so richtet sich auch dieses Mal der Ärger gegen die Falschen.

Man hat fast den Eindruck, die unterschiedlichen Wellen öffentlicher Erregung, die Deutschland erfassen, sie wären orchestriert. Ein Eindruck, der sich vor allem deshalb aufdrängt, weil egal, worum es geht, ob es um Fahrverbote geht, darum, den Individualverkehr der neuen Klimareligion zu opfern oder darum, große Wohnungsunternehmen wie die Deutsche Wohnen in Berlin zu enteignen, immer ist das Ziel eines, das Individualismus zerstört, Kollektivismus befördert, Kommunismus den Weg bereitet.

Die neueste Hysterie, die Deutschland ergriffen hat, ist eine Mietenhysterie. Schon seit einiger Zeit schreiben die Medien die an sich moderaten Mieten in Deutschland (dazu später) in die Höhe. Und Politiker sind natürlich schnell bei der Hand, diese Inszenierung angeblich hoher Mietpreise mitzuspielen und einmal mehr in den freien Markt einzugreifen.

Dabei kann man die ganze Problematik mit einfacher Ökonomie erklären.

Wenn die Schere zwischen der Belastung durch Abgaben und Steuern des Staates und dem, was Arbeitnehmer als Einkommen verbleibt, größer wird, dann reduziert sich nicht nur das Netto-Einkommen, das Arbeitnehmern zur Verfügung haben, dann reichen auch kleinste Preisveränderungen aus, um eine sowieso schon prekäre Existenz ins Schlingern zu bringen.

Dabei wirken staatliche Steuern und Abgaben gleich doppelt verheerend. Auf der einen Seite verteuern sie die Preise für Verbraucher. Bestes Beispiel: Die ultrahohen Strompreise in Deutschland, die der grünen Phantasie geschuldet sind. Auf der anderen Seite reduzieren hohe Steuern und Abgaben das verfügbare Einkommen der Bürger. Letztere haben immer weniger in der Tasche und müssen mit immer höhere Preise für Güter und Dienstleistungen bezahlen.

Probleme, die sich aus der beschriebenen Konstellation ergeben, Zahlungsprobleme, treten zuerst in Ballungsgebieten auf, in denen der Anteil der Bevölkerung, die in prekären Verhältnissen lebt, auf halben Stellen an Universitäten oder in von Steuerzahlern finanzierten Projektchen, besonders hoch ist. Berlin ist, wie wir gestern gezeigt haben, prädestiniert, um Ground Zero einer zunehmenden Verarmung ganzer Teile der Bevölkerung zu sein.

Ordnet man die angebliche deutsche Mietenmisere, die sich heute unter dem Twitter-Hashtag „Mietenwahnsinn“ entlädt, in einen internationalen Kontext ein, dann sieht man schnell, dass es zum einen kein Mietenwahnsinn, sondern eine Mieter-Hysterie ist, also eine neue Hysterie, die auf öffentlichen Plätzen zelebriert werden kann und zum anderen, dass die Wahrnehmung, mit steigenden Mieten nicht mithalten zu können, der staatlichen Politik geschuldet ist.

Zunächst ist die Tatsache, dass die Mietpreise in Berlin steigen, der hohen Nachfrage geschuldet, die nicht zuletzt diejenigen, die jetzt „Mietenwahnsinn“ schreien, durch ihre „Refugees-Welcome“ Mania aus den letzten Jahren selbst mit herbeigeführt haben. Zu den Flüchtlingen, die auf das untere Ende des Wohnungsmarktes drängen, kommen Arbeitsmigranten aus dem Osten der EU. Das Ergebnis ist eine steigende Nachfrage bei wenig verändertem Angebot, Preissteigerungen sind somit zwangsläufig. Die Preissteigerungen in Berlin fallen mit 6% recht moderat aus, wenn man sie vor dem Hintergrund des Nachfragedrucks, den es in der Weise in Madrid, Lissabon oder Prag oder in Dublin oder in Ankara nicht gibt, mit diesen Städten vergleicht, die im Vergleich der Jahre 2017 und 2018 Preissteigerungen von 10%, 19%, 12%, 9% bzw. 9% gesehen haben. Hinzukommt, dass die Mieten in Berlin auf einem Niveau dümpeln, das für eine Hauptstadt ungewöhnlich tief ist. Die folgende Grafik ist dem neuesten Booklet von Eurostat zu „Current Market Rents“ für 2018 entnommen. Das Niveau der Mieten in Berlin ist vergleichbar mit Wien oder Lissabon und bleibt deutlich hinter London, Dublin, Kopenhagen, Stockholm, Paris, Genf, New York oder Tokio zurück.

Auch ein Blick auf den Anteil des Einkommens, der für Mieten ausgegeben werden muss, zeigt, dass Deutschland eher ein billiger Ort für Mieter ist: Im Schnitt 24,8% des Einkommens müssen Deutsche für Miete entrichten. Holländer und Briten blicken neidisch nach Deutschland, müssen Sie doch durchschnittlich 39% ihres Einkommens für Mieten ausgeben.

Aber halt: Holländer und Briten haben natürlich auch mehr Nach-Steuer-Einkommen, so dass trotz der anteilig höheren Ausgaben für Mieten, mehr Einkommen verbleibt, ein Fakt, der sich deutlich in der Höhe des durchschnittlich Ersparten niederschlägt, das in Britannien und Holland rund 2,5 Mal so hoch ist, wie in Deutschland.

Der Druck auf die Einkommen, der durch hohe Steuern und Abgaben erzeugt wird, macht die Bürger anfällig für bereits geringe Preissteigerungen. Mietpreise, die sich von gering auf moderat verändern, wie in Berlin gerade der Fall, sind somit der Tropfen, der die prekäre Existenz Richtung Insolvenz befördert.

Aber Steuern und Abgaben machen nicht nur Bürger für kleine Preisveränderungen empfindlich, sie führen auch dazu, dass Investoren einen Bogen um Deutschland machen, weil man in Deutschland nicht die Rendite erwirtschaften kann, die man z.B. im Vereinigten Königreich erwirtschaften kann. In der Folge fehlt in Deutschland Geld, um neue Miethäuser zu bauen, was besonders misslich ist, ob der hohen Preise, die im Baugewerbe üblich sind, abermals eine Folge hoher Steuern und Abgaben und umfangreicher Regulationen, die natürlich die Bauleistung als solche verteuern.

Im Global Property Guide wird zwar noch nicht vor Investitionen in deutsche Immobilien gewarnt, aber irrsinnige Aktionen, wie der Versuch, die Deutsche Wohnen AG in Berlin zu enteignen, werden dazu führen, dass dies über kurz oder lang der Fall ist. Derzeit gilt Deutschland auf dem internationalen Immobilienmarkt als Markt für eine sichere Anlage, die keine hohe Rendite abwirft, die mit sehr hohen Steuern und durch die Gesetzeslage zugunsten von Mietern und zu Lasten von Vermietern mit hohen Transaktions- und Rechtskosten verbunden ist. Das sind nicht wirklich gute Investitionsbedingungen.

Man kann somit zusammenfassen:

Hohe Steuern und Abgaben machen die Bürger, die mit einem Bein in der prekären Existenz stehen, also z.B. die untere und mittlere Mittelschicht für Preissteigerungen empfindlich. Schon geringe Preissteigerungen sind mit Zahlungsproblemen verbunden. Gleichzeitig sorgen die hohen Steuern und Abgaben dafür, dass die Investorentätigkeit im deutschen Immobilienmarkt zurückhaltend ist. Dadurch fehlt notwendiges Kapital, um Miethäuser zu errichten. Die zurückhaltende Investorentätigkeit ist besonders problematisch, weil die Preise im Baugewerbe, abermals als eine Folge von staatlicher Regulation, von Steuern und Abgaben, sehr hoch sind.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Mieter nun auf die Straße gehen, um gegen Vermieter zu demonstrieren und deren Enteignung zu fordern. Angesichts der Randbedingungen in Deutschland sollten sie froh sein, dass es überhaupt noch jemanden gibt, der in den Immobilienmarkt investieren will.

Schließlich haben jahrelange Tiefmieten in Städten wie Berlin dazu geführt, dass sich ein Adel aus Billigmietenprofiteuren etabliert hat, der eine Wohnfläche bewohnt, die er sich dann, wenn reguläre Preise verlangt werden würden, nicht leisten könnte. Don Alphonso hat auf diesen Umstand aufmerksam gemacht.


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