Enteignung im Armenhaus: In Berlin wird Kommunismus wieder salonfähig

Berlin: Die Stadt der Superlative.

Durch Zuwanderung nach Berlin, aus dem Osten der EU, aus China, Syrien und Brasilien, wuchs die Bevölkerung Berlins in den letzten Jahren von 3,3 Millionen im Jahr 2011 auf rund 3,6 Millionen 2017.

Wirtschaftlich betrachtet, ist Berlin ein Armenhaus in Deutschland. Die Wertschöpfung der Berliner liegt mit 31.000 Euro hinter der pro-Kopf-Wertschöpfung von Pirmasens, Jena und Neumünster, dafür ist die Arbeitslosenquote mit 9% dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Bei der Kaufkraft sieht es nicht besser aus: Mit 21.033 Euro pro Kopf und Jahr bleibt Berlin deutlich hinter München (30.998 Euro), Frankfurt a.M. (26.265 Euro), Hamburg (25.242 Euro), Köln (24.498 Euro) und Nürnberg (23.881 Euro) zurück und findet sich auf einer Ebene mit Dortmund (21.090 Euro) und Dresden (20.948 Euro).

Dafür lässt es sich in Berlin billig wohnen. Mit 11,19 Euro Durchschnitts-Kaltmiete pro Quadratmeter zum Zeitpunkt der Erstellung der Abbildung (2018) und aktuell 10,32 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete liegt Berlin noch hinter Tübingen, Würzburg und Freiburg.

Im internationalen Vergleich sieht es nicht besser aus: Berlin ist die einzige Hauptstadt weit und breit, die auf Kosten ihres Umlands lebt. London, Paris, Warschau, Prag, in ihnen wird so viel Wertschöpfung betrieben, dass der Rest von Großbritannien, Frankreich, Polen oder der Tschechei davon profitieren kann. Nicht so in Berlin. Berlin lebt auf Kosten der verbleibenden Deutschen und vor allem auf Kosten der Bayern, Baden-Württemberger, Hessen und Hamburger, die 2018 4,4 Milliarden Euro nach Berlin überwiesen haben, damit der Berliner Senat sie verprassen kann.

Aber: In Berlin gibt es diese explosive Mischung aus (linken) Habenichtsen und Neid, die Kommunismus möglich macht. Und in Berlin blüht der Kommunismus. Ein Verein mit dem Namen „Deutsche Wohnen enteignen e.V.“, der wiederum vom Verein „Mietenvolksentscheid e.V.“ getragen wird, will „die Enteignung gewinnorientierter Immobilienkonzerne, die jeweils mehr als 3000 Wohnungen“ im Eigentum haben, vorantreiben. Erstes Ziel: Die Deutsche Wohnen AG, der in Berlin rund 116.000 Wohnungen gehören.

Sie soll, wenn es nach dem Willen der beiden Vereine geht und in einem Volksbegehren eine Mehrheit der Berliner diesem Ansinnen zustimmt, enteignet werden. Dieser bisherige Höhepunkt kommunistischer Agitation in Deutschland, der den Paragraphen 14 des Grundgesetzes, in dem privates Eigentum „gewährleistet“ wird, in Gegensatz zum Paragraphen 15 des Grundgesetzes, in dem die Enteignung von „Grund und Boden, Naturschätzen und Produktionsmittel“ zum „Zweck der Vergesellschaftung“ erlaubt wird, bringt, ist in keiner Weise mit den Grundsätzen einer liberalen Marktwirtschaft zu vereinbaren, aber natürlich mit den Grundsätzen des Kommunismus.

Wie sehr der Kommunismus in Deutschland wieder marktfähig geworden ist, zeigt zum einen daran, dass die ARD Tagesschau, die doch nach Aussage von Chefredakteur Gniffke nur Themen von nationalem oder internationalem Interesse aufgreift, dem Berliner Rückfall in die sozialistische Planwirtschaft einen langen und ausführlichen und erstaunlich wohlwollenden Artikel widmet. Es zeigt sich zum anderen darin, dass es an deutschen Universitäten, namentlich an der Bauhaus-Universität in Weimar wieder Personen gibt, die Positionen besetzen wie Barbara Schönig und die Enteignungen für ein „adäquates Mittel für eine soziale Wohnraumversorgung“ halten. Um den Irrsinn, der aus Weimar kommt, noch weiterzutreiben, meint Schönig „gewinnorientierte Immobilienkonzerne wollten durch Wohnraum maximale Rendite an den Aktienmärkten erzielen. Die Unternehmen hätten kein Interesse an der Qualität des Wohnumfelds, der Quartierentwicklung und Fragen der Nachbarschaft“. Dieser Unsinn ergänzt sich mit der Behauptung „gewinnorientierte Unternehmen“ würden „Modernisierungsmaßnahmen“ vorantreiben und „Wohnungen nicht ausreichend Instand halten“.

Am Beispiel von Schönig lässt sich das ganze Elend der systematischen Durchsetzung von Hochschulen mit bestenfalls halbprofessionellen Personen darstellen. Bar jeder Kenntnis über die Funktionsweise von Märkten und bar jeder Vorstellung davon, was Gegenstand eines Unternehmens ist, laden sie ihre sozialen Vorstellungen, ihre Wünsche und vor-industriellen Träume, die wohl direkt aus der Urhorde von Friedrich Engels stammen, auf den Rücken von Unternehmen. Wie soll man die Forderung nennen, nach der Unternehmen nicht nur Wohnungen bereitstellen, natürlich billig bereitstellen sollen, nicht modernisieren sollen, aber das Quartier entwickeln sollen und dafür sorgen sollen, dass in der Nachbarschaft gute Beziehungen herrschen?

Uns fällt nur idiotisch ein.

Wie weit kommunistisches Gedankengut in die Gesellschaft vorgedrungen ist, das zeigt sich daran, dass man „profitorientiertes Unternehmen“ wieder als eine Art Beleidigung benutzen kann, dass Profitorientierung eine Art Schimpfwort geworden ist. Dabei ist Frau Schönig mindestes so profitorientiert wie die Berliner Wohnen AG oder arbeitet Frau Schönig nur für Subsistenz und spendet jeden Cent ihres Einkommens, der über ihren Bedarf hinausgeht an die Nachbarschaft, um die Quartierentwicklung voranzutreiben und die Qualität von Nachbarschaft und Wohnumfeld zu verbessern?

Und welches Spiel wird bei der Tagesschau gespielt? Lena Klimpel, die für den Beitrag verantwortlich zeichnet, ist offenkundig in der Lage, den operativen Gewinn der Deutsche Wohnen AG im Geschäftsbericht des Jahres 2018 zu finden. Warum nur verschweigt sie, dass der durchschnittliche Mietpreis, den die Deutsche Wohnen AG in Berlin zu realisieren im Stande ist, mit 6,71 Euro pro Quadratmeter, weit unter dem durchschnittlichen Mietpreis in Berlin (10,32 Euro pro Quadratmeter) liegt?

Man wird den Eindruck nicht los, dass es in Deutschland wieder einmal darum geht, Dummheit, Neid und Missgunst zu bündeln und gegen Unternehmen zu richten, die gewinnorientiert sind. Wie sonst, wenn nicht über Gewinn sollen Unternehmen Investitionen finanzieren?

Aber es geht nicht nur um die Gewinnorientierung. Aktionäre machen bei der Deutsche Wohnen AG großen Profit, jedenfalls will Klimpel diesen Blödsinn suggerieren, wenn sie den 2018 um 11% gesteigerten operativen Gewinn von 480 Millionen Euro mit der angekündigten Erhöhung der Rendite für Aktionäre in Verbindung bringt – offenkundig bar jeder Idee, wer diese Aktionäre, diese renditefressenden Bestien eigentlich sind.

An der Deutschen Wohnen AG sind die folgenden Großaktionäre beteiligt:

  • Black Rock Inc.: 10,2%
  • Massachusetts Financial Services Co.: 9,94%
  • Norges Bank (Zentralbank Norwegens): 6,93%
  • State Street Corporation: 3,1%

Die restlichen 69,83% des Aktienbesitzes gehen entweder direkt an Kleinaktionäre oder über Immobilienfonds an Kleinaktionäre, denn Aktienbesitz ist eine der letzten Möglichkeiten für Kleinsparer in Deutschland, der schleichenden Enteignung ihres Ersparten durch die Europäische Zentralbank und die Inflation zumindest ansatzweise zu entgehen. Diese Möglichkeit zerstören die Berliner Kommunisten, Journalisten wie Kimpel und akademische Fehlbesetzungen wie Schönig, die einzig von ihrer Abneigung gegenüber dem, was sie „gewinnorientierte Unternehmen“ nennen, getrieben sind. Wer hinter diesen Unternehmen steht, ist ihnen egal und unbekannt.

Die kommunistische Bonanza in Berlin und die Berichterstattung in der Tagesschau haben dazu geführt, dass die Aktie der Deutsche Wohnen AG, die übrigens nicht nur in Berlin Wohnungen besitzt, sondern auch im Rhein-Main-Gebiet, in Braunschweig, in Hannover, in Mannheim, in Ludwigshafen usw., rund 43.000 insgesamt, knapp 3% an Wert verloren hat: Bei einer Marktkapitalisierung von 15,3 Milliarden Euro sind das immerhin 459.000.000 Euro.

Spielen wir etwas weiter.

Angenommen die Initiative ist erfolgreich und die Deutsche Wohnen AG wird enteignet.

Was dann?

Es ist aus vielen Untersuchungen bekannt, dass Eigentum in den Händen des Staates, gewöhnlich als Gemeineigentum verklärt, verfällt, und zwar an Wert und Substanz. Bei James Bartholomew kann man die entsprechenden Prozesse sehr gut nachlesen.

Es ist zudem bekannt, dass in kommunistischen Staaten die Investitionsquote insbesondere für Gemeineigentum sinkt, d.h. neue Wohnungen wird es nicht viele geben und Investoren werden, wenn erst die Deutsche Wohnen AG enteignet wurde, einen weiten Bogen um Berlin machen, einen noch weiteren als sie es bereits derzeit tun.

Im Ende wird, wie immer im Sozialismus, die Bevölkerung in Armut vereint sein, in baufälligen Häusern und nicht Instand gehaltenen Wohnungen.

Und die Deutsche Wohnen AG?

Die vier Großaktionäre, zwei Banken und zwei Asset-Management Unternehmen, werden ihre Anteile einfach abstoßen, denn 93,45% der Aktien flottieren. Kommt es also zum Volksbegehren, werden 30% der Aktionäre ihre Anteile auf den Markt werfen. Als Folge wird der Aktienpreis sinken und die Deutsche Wohnen AG in Schieflage kommen. Der sinkende Aktienpreis wird Verluste generieren für diejenigen, die versucht haben, ihr Erspartes in Immobilienfonds zumindest im Nominalwert zu erhalten, und er wird die Kleinaktionäre treffen, die dasselbe Ziel verfolgen. Wie immer im Kommunismus geht der Neid derer, die noch nie auf die Idee gekommen sind, ihre soziale Lage aus eigener Kraft zu verbessern, auf Kosten derer, die ihr Leben mit Erwerbsarbeit zugebracht und ein paar Ersparnisse gesammelt haben.

Das ist so im Kommunismus, in Berlin und in Venezuela (aber nicht mehr in China, dort blüht der Kapitalismus).

Featured Image aus Dreck, Müll und vollgepinkelte Ecken


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