Jens-Peter Marquardt (ARD): „Großmaul“, Lügner, inkompetent oder alles zusammen? 

Urteilen Sie selbst!

Zugegeben, wir haben uns geärgert, dass ausgerechnet Jens-Peter Marquardt, dem wir in seiner Berichterstattung für die ARD schon mehrfach Fehler nachgewiesen haben, meint, er könne es sich erlauben, Boris Johnson als „Großmaul“ zu bezeichnen. In welcher Welt leben wir eigentlich, wenn einer, der Journalist sein will, über keine anderen sprachlichen Mittel mehr verfügt, um seine Antipathie zum Ausdruck zu bringen, als Beleidigungen? Ein größeres Armutszeugnis für einen, der gerne ein Journalist wäre, gibt es kaum.

In welcher Welt leben wir, wenn Journalisten-Darsteller, die Plattform, die ihnen zum Beispiel bei der ARD geboten wird, dazu missbrauchen, ihre Antipathien auszuleben und sich in einer unflätigen und ekelhaften Weise über Andere auszulassen?

In welcher Welt leben wir, wenn das journalistische Format des Kommentars den Laienspielern, die es bedienen wollen, nur noch dazu dient, ihre persönlichen Befindlichkeiten, ihren Hass und ihre Hetze und, wie im Fall von Marquardt, ihre Lügen über andere zu verbreiten?

Wir haben in letzter Zeit für eines unserer Projekte Beiträge aus dem Völkischen Beobachter gelesen. Das Erschreckende: Man findet kaum Unterschiede im Niveau und in der weitgehenden Abwesenheit journalistischer Standards, wenn man Beiträge im Völkischen Beobachter mit Beiträgen auf tagesschau.de vergleicht.

Sicher, derjenige, der über keinerlei sprachliche, rhetorische und stilistische Mittel verfügt, hat schlechte Karten, wenn er versucht, ausgerechnet einen Job auszuüben, bei dem man sprachliche, rhetorische und stilistische Mittel benötigt. Sicher, es ist eine logische Konsequenz, dass ein Journalismus-Darsteller, dem die Kompetenzen fehlen, um Journalist zu sein, über kurz oder lang beim Einzigen ankommt, was seinem eindimensionalen Geist entspricht: Der emotionalen Bezichtigung, der Großspur-Bildzeitungs-Behauptung, der Fälschung, der Lüge.

Exzerpt aus dem Beitrag von JP Marquardt für tagesschau.de

Nur: Dass derart überforderte Zeitgenossen ausgerechnet von Gebührenzahlern durchgefüttert werden sollen, ausgerechnet Gebührenzahlen zugemutet werden, ist mit dem Streben nach Gleichstellung, das in Deutschland offenkundig auch die Gleichstellung der Dilettanten mit den Kompetenten umfasst, zwar vereinbar, geht aber dennoch zu weit.

So wie es zu weit geht, dass Marquardt seinen Leser falsche Behauptungen serviert, Lügen, wenn er weiß, was er tut, Ergebnisse schreiender Inkompetenz, wenn er es nicht weiß.

Marquardt schreibt:

„Johnson hat es mit der Wahrheit nie so genau genommen. Als junger Korrespondent der “Times” in Brüssel schüttete er regelmäßig Gift und Galle über der EU-Bürokratie aus. Die Zeitung schmiss ihn dann allerdings raus, weil viele Zitate, mit denen er seine Artikel aufpeppte, frei erfunden waren.“

Das ist falsch. Es ist entweder von Marquardt, der es ganz offenkundig mit der Wahrheit nicht so ernst nimmt, frei erfunden, oder eine absichtliche Lüge.

Denn:

  • Boris Johnson war nie Korrespondent der TIMES in Brüssel.
  • Er war Korrespondent für den Daily Telegraph in Brüssel.




Die Times hat Johnson tatsächlich entlassen. Aber nicht, weil er “viele Zitate”, in denen er “Gift und Galle über die EU-Bürokratie” ausgegossen hat, wie Marquardt behauptet, gefälscht hat, sondern weil er in einem Beitrag, den er als Volontär (graduate trainee) für die Times geschrieben hat, und in dem es um die Entdeckung des Palastes von Eduard II ging, ein Zitat erfunden und seinem Patenonkel, dem Historiker Colin Lukas, in den Mund gelegt hat.

  • Die Times-Episode stammt aus den Jahren 1987/88.
  • Als politischer Korrespondent für den Daily Telegraph war Boris Johnson von 1989 bis 1994 in Brüssel tätig.

Marquardt verbreitet – wohl im Bemühen, Johnson zu schädigen, Fake News.

Damit nicht genug:

„Vor dem Referendum versprach die Aufschrift auf dem roten Bus, mit dem Johnson durchs Land fuhr, man könne 350 Millionen Pfund pro Woche durch den Austritt aus der EU sparen und stattdessen in britische Krankenhäuser investieren. Die Zahl stimmte nicht.“

Auch diese Behauptung von Marquardt ist falsch. Sie ist entweder eine in derogativer Absicht in die Welt gesetzte Lüge oder eine wilde Erfindung. Wir haben gestern in einem Beitrag dargelegt, dass die Zahl von 350 Millionen Pfund durchaus zutrifft, wie man einem Schreiben von Sir Andrew Dilnot, dem Chair of the UK Statistics Authority an den Abgeordneten Bernard Jenkin entnehmen kann.

In zwei kurzen Passagen von Marquardt finden sich drei falsche Behauptungen:

  • Johnson war nicht für die Times in Brüssel tätig, wie Marquardt behauptet.
  • Johnson ist nicht für seine Tätigkeit in Brüssel von der Times entlassen worden, wie Marquardt behauptet.
  • Johnson hat keine falsche Zahl über die Höhe der wöchentlichen Überweisungen aus London nach Brüssel in die Welt gesetzt, wie Marquardt behauptet.

Marquardt schreibt weiter:

„Der im Elite-Internat Eton erzogene Sohn eines früheren konservativen Abgeordneten des EU-Parlaments und Weltbank-Mitarbeiters war bereits auf der Universität in Oxford als Großmaul aufgefallen.“

Nach dem, was wir hier belegt haben, trifft die Bezeichnung „Großmaul“ wohl eher auf Marquardt zu. Indes verharmlost die Bezeichnung, dass Marquardt seine Position nicht nur dazu missbraucht, um seine Antipathie gegen Johnson auszuleben, sondern auch dazu, Fake News zu verbreiten. Ob er absichtlich lügt oder aus Inkompetenz ist dabei unerheblich. Er ist in keinem Fall tragbar und sollte schleunigst entfernt werden, schon weil ihm jedes journalistische Ausdrucksmittel fehlt.

Denn: Ein Kommentar ist ein Format, in dem ein Journalist die Freiheit hat, seine eigene Meinung zu einem Sachverhalten zu argumentieren, während er in anderen Formaten bemüht sein muss, einen Sachverhalt so neutral wie nur möglich, zu berichten.

Ein Kommentar ist nicht der Ort, an dem ein Journalisten-Darsteller den Hass, der ihn innerlich zu zerfressen scheint, ausleben darf. Das war einer der Irrtümer von Julius Streicher, der doch tatsächlich der Ansicht war, der Stürmer sei ein journalistisches Erzeugnis.

Weil in einem Kommentar die eigene Meinung ARGUMENTIERT werden muss, kann einen Kommentar nur ein Journalist schreiben, der von dem Gegenstand, über den er einen Kommentar schreibt, viel und sehr eingehende Kenntnis hat. Denn ein Kommentar sieht vor, das Für und Wider der eigenen Position abzuwägen, Belege für die Richtigkeit der einen und die Falschheit der anderen Seite vorzutragen. Das kann nur, wer kompetent ist.

Offenkundig fehlt Marquardt jede Kompetenz, jedes Fachwissen, um einen Kommentar zu schreiben, um sich überhaupt, qualifiziert zu äußern, denn Beleidigungen (Großmaul), Fake News (Korrespondent der Times in Brüssel) oder Lügen (350 Millionen Pfund) sind ein Ausdruck von Hilflosigkeit, sie sind ein Beleg dafür, dass ein Schreiber seinem Job nicht gewachsen ist.

Daher unsere Bitte an die Chefredaktion der Tagesschau: Entlasst Marquardt schleunigst. Es wäre ein Akt des Mitleids und der Nächstenliebe – gegenüber ihm und vor allem denen, die mit seinen Fake News konfrontiert sind, dafür bezahlen müssen.

Wir haben zu Gunsten von Marquardt angenommen, dass sein Beitrag einen Kommentar darstellt.


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