Ahnungslose Journalisten: Manipulation so einfach wie nie!

In den  letzten Tagen konnte man bewundern, wie die Erfindung der unbezahlten Arbeit vorangetrieben wurde. Anlass ist u.a. eine Pressemeldung des Statistischen Bundesamts, die mit “Jeder dritte Vater wünscht sich mehr Zeit für seine Kinder” überschrieben ist.

Punkt 1 der Pressemeldung lautet:

  • Väter und Mütter leisten pro Woche knapp 10 Stunden mehr bezahlte und unbezahlte Arbeit als Personen ohne Kinder. Dies ist vor allem auf ein höheres Pensum an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.

DestatisDie Pressemitteilung ist Teil eines großen Presseauftriebs, bei dem man u.a. Roderich Egeler, den Präsidenten des Statistischen Bundesamts, hat viel über unbezahlte Arbeit erzählen hören. Seine wichtigsten Punkte sind die folgenden:

  • Frauen ab 18 Jahre arbeiten mit 45,5 Stunden in der Woche eine Stunde mehr als Männer. Das ist auf das größere Volumen an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.
  • Väter und Mütter leisten pro Woche 10 Stunden mehr Arbeit (also bezahlte und unbezahlte Arbeit) als Personen ohne Kinder.
  • Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Kinderbetreuung auf wie Väter.

Abermals ist die unbezahlte Arbeit an vorderster Front zu finden. Sie ist die Ursache allen Übels, sie soll offensichtlich zum neuen Gap aufgebaut werden, das z.B. von der Darstellerin, die derzeit Bundesminister für FSFJ mimt, aufgenommen wird, um die 32 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich für Eltern zu fordern, weil die so überlastet sind. Schließlich arbeiten sie 10 Stunden mehr unbezahlt (und bezahlt?) als Personen ohne Kinder.

Nur: Was ist diese unbezahlte Arbeit?

Von denen, die die unbezahlte Arbeit anführen, sagt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Von den Journalisten, die mit unbezahlter Arbeit konfrontiert werden, fragt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Die unbezahlte Arbeit, sie ist ein Mysterium, das der Erkundung durch ScienceFiles harrt.

Nehmen wir eine Grafik zum Ausgangspunkt, die Roderich Egeler unvorsichtiger Weise mit seiner Präsentation verteilt hat:

Roderich egeler prae

Wenn man der Abbildung auch nicht entnehmen kann, was die geheimnisvolle “unbezahlte Arbeit” sein soll, so weiß man doch, was es nicht ist:

  • Schlaf und Körperpflege sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Erwerbstätigkeit und Bildung sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Essen ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Sonstiges ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Freizeit ist keine unbezahlte Arbeit.

Immerhin.
Die Suche nach der unbezahlten Arbeit, sie ist damit bei Egeler ans Ende gelangt, denn Egeler erzählt nur von der unbezahlten Arbeit, er sagt nicht, was es ist, das hier gearbeitet wird und unbezahlt bleibt.

Unsere Suche führt uns daher weg von Egeler und hin zur Zeitverwendungserhebung, die “Aktivitäten in Stunden und Minuten für ausgewählte Personengruppen” umfasst. Sie bildet die Grundlage für die Aussagen Egelers und zeichnet sich dadurch aus, dass “unbezahlte Arbeit” in keiner Weise, weder als Begriff noch als Datum in der gesamten Ergebung, auf den gesamten 162 Seiten vorkommt.

Was also wurde hier als unbezahlte Arbeit zusammengeschustert?

Nun, die Daten in der Zeitverwendungserhebung, sie sind in Kategorien unterteilt, und zwar die folgenden:

  • Physiologische Regeneration (Schlafen, Essen und Trinken);
  • Erwerbstätigkeit;
  • Qualifikation, Bildung;
  • Haushaltsführung und Betreuung der Familie;
  • Ehrenamt, freilliges Engagement, Unterstützung anderer Haushalte, Versammlungen;
  • Soziales Leben und Unterhaltung;
  • Sport, Hobbys, Spiele;
  • Mediennutzung;

Halten wir Egeler zu Gute, dass er Mediennutzung, soziales Leben und Unterhaltung, ebenso wie Sport, Hobbys und Spiele und Ehrenämter, freiwilliges Engagement und Unterstützung anderer Haushalte sowie Versammlungen, nicht als unbezahlte Arbeit ansieht, dann bleibt für die unbezahlte Arbeit der Punkt “Haushaltsführung und Betreuung der Familie”.

Folglich umfasst die unbezahlte Arbeit:

  • Zubereitung von Mahlzeiten inkl. Geschirrspülen;
  • Instandhaltung von Haus und Wohnung, inkl. Wäschewaschen;
  • Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege;
  • Bauen und handwerkliche Tätigkeiten;
  • Einkaufen und Inanspruchnahme von Fremdleistungen;
  • Betreuung von Kindern im Haushalt;
  • Unterstützung, Pflege und Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern,
  • Andere Tätigkeiten im Bereich Haushaltsführung, darunter: Wegzeiten;

Wie so oft kommt man dann, wenn man nur einen kurzen Blick in die Daten wirft, auf denen der ideologische Popanz aufgesetzt ist, der Journalisten präsentiert wird, die nur darauf zu warten scheinen, die entsprechenden ideologischen Kröten roh und ungekaut zu schlucken, zu der Frage: Halten die ihre Mitmenschen wirklich für so dumm?

x fuer uDenkt Herr Egeler, wenn er behauptet, dass Väter und Mütter pro Woche 10 Stunden mehr arbeiten als Personen ohne Kinder, dann kommt niemand darauf, dass in die angebliche Mehrarbeit die Zeit für Kinderbetreuung, die bei Kinderfreien zwangsläufig 0 Stunden, 0 Minuten und 0 Sekunden einnimmt, mit eingerechnet wurde?

Welch’ billiger Versuch, die Öffentlichkeit hinter das Licht zu führen ist das denn? Ganz zu schweigen von den Wegzeiten, die anfallen, um Kinder von A nach B zu kutschieren und den Zubereitungszeiten für Mittagessen, die bei vollerwerbstätigen Kinderlosen durch Essen in der Kantine, das nicht als unbezahlte Arbeit, sondern als bezahlte Arbeit angerechnet wird, ersetzt wird.

Gibt es in Deutschland wirklich eine nennenswerte Anzahl von Leuten, die auf derart billige Tricks und grobe Versuche, andere hinters Licht zu führen, hereinfällt – außer Journalisten?

Es ist erschreckend.

So erschreckend, wie die Funktionsfähigkeit des alten Tricks der Auslassung. Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Betreuung von Kindern auf “als”, (steht so im Original) Väter, so verkündet Herr Egeler. Die Journalisten, die an seinem Speichel hängen, sie tragen es willig weiter. Und sie merken nicht einmal, dass hier etwas seltsam ist, dass etwas fehlt, etwas von Seite 3 der Egelerschen Präsentation.

Männer verbringen im Durchschnitt 25 Stunden und 13 Minuten pro Woche mit Erwerbsarbeit, Frauen 16,09 Stunden. Frauen verwenden 10,15 Stunden für Kinderbetreuung, wie man aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts entnehmen kann, Männer 7,075 Stunden. D.h. Männer arbeiten in der Woche 8 Stunden und 54 Minuten mehr als Frauen, verbringen aber nur 7,075 Stunden weniger mit Kinderbetreuung als Frauen.

Was bitte machen die Frauen in den verbliebenden 1,52 Stunden? Fernsehschauen?

Anyway, wozu ist es wichtig, die Zeitverwendung von Männern und Frauen zu kontrollieren? Ah, wir haben es vergessen, die Laiendarstellerin im BMFSFJ, die den Minister gibt, will wieder etwas fordern: 32 Stunden für Eltern maximale Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich… und wer darf es bezahlen: Die Kinderfreien, weil sie vollerwerbstätig sind und in der Kantine essen.

Es wird übrigens niemand dazu gezwungen, Kinder in die Welt zu setzen. Wer sich dafür entscheidet, von dem muss angenommen werden, dass er sich überlegt hat, was er tut und entsprechend die Verantwortung für seine Entscheidung übernimmt. Die Verantwortung umfasst auch die Arbeit, die Kinder verursachen. Dass sie Arbeit verursachen, ist eigentlich hinreichend bekannt, so dass es etwas seltsam, weil zu offen nutznießerisch wirkt, wenn nun gejammert wird, dass die Betreuung von Kindern unbezahlte Arbeit sei und Eltern ein Ausgleich gewährt werden müsse.

Die Arbeit am Kinde, sie ist übrigens keine unbezahlte Arbeit, sie wird mit allerlei Vergünstigungen bezahlt, vom Kindergeld über den Kinderfreibetrag, die Bereitstellung von Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten aus Steuergeldern, über Muttergeld und Barbeträge im Rahmen von Hartz IV bis zu all den anderen Vergünstigungen, die ausgelöst werden, weil die großartige Leistung menschlicher Fertilität erbracht wurde.

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24 Responses to Ahnungslose Journalisten: Manipulation so einfach wie nie!

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  2. Werner Runkel says:

    Warum “als” in Anführungszeichen ? Das “als” ist korrekt ! Wie lernten wir noch in der Schule : kleiner oder grösser “als”, genauso oder gleich “wie” ! Nix für ungut…:-D

  3. rote_pille says:

    Welcher Fremde soll einem denn bitte die Betreuung der eigenen Kinder bezahlen? So ein Schwachsinn. Die “Bezahlung” der Sorgearbeit geschieht in den Familien, ohne irgendwelche überflüssigen Formalitäten. Wer hat je einen Haushalt gesehen in dem Mutter und Vater einen unterschiedlichen Lebensstandard haben?
    Der Sozialismus nimmt langsam groteske Züge an. Wer wird Eltern überhaupt noch einstellen, wenn sie maximal 32 h arbeiten dürfen, bei vollem Lohnausgleich? Die Wirtschaftsbosse müssten diesen inkompetenten Darstellerinnen in der Regierung einmal ordentlich die Leviten lesen.

  4. albjaga says:

    Die veröffentlichte Statistik soll doh eh nur wieder dazu dienen in den Ablauf des Familienalltags einzugreifen.
    Die Familien die ich kenne würden sich am meisten weniger Einmischung und Bevormundung wünschen. und sie können sich ihren Alltag und die Aufteilung der Arbeit ganz gut selber organisieren. Ohne Anweisung aus dem Ministerium für alle ausser Männer.
    Natürlich sind Kinder Arbeit und Kosten. Aber auch viel Freude und Glück (zumindest gelegentlich :-))
    Ich möchte nicht mehr kinderlos sein.
    Es soll mal wieder was zum Wohle der Familien getan werden, wird aber sicher, wenn es überhaupt jemand was bringt, nur den Mamas im öffentlichen Dienst nutzen.
    In der privaten Wirtschaft wird es für junge Menschen, vor allem Frauen, sicher schwieriger. Wenn die 32 Stunden Woche käme. Aber dann hätte man ja wieder eine Diskriminierung und das müsste dann ja bekämpft werden…..

    • “Es soll mal wieder was zum Wohle der Familien getan werden”

      – warum das denn? Erstens ist es die freie Entscheidung jedes Individuums, sich fortzupflanzen oder nicht, und zweitens werden Arbeit und Kosten – wie Sie selbst und ich glaube, völlig zutreffend, schreiben – durch Freude aufgewogen. Das ist aber, glaube ich, normalerweise in allen Bereichen des Lebens so: Wenn man in etwas viel investiert, bekommt man normalerweise viel als Gewinn aus dieser Investition heraus.

      Und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann hat man entweder Pech gehabt oder fehlinvestiert. In jedem Fall kann man sich dagegen nicht versichern, und niemand ist verpflichtet, für Kosten aufzukommen, die durch eigene Entscheidungen oder einfach Pech verursacht wurden.

      Ich finde, es sollte mal wieder was zum Wohle der lebenslang vollzeit Erwerbstätigen getan werden, die (darüber hinaus) die Lebensqualität all der jetzt exisitierenden Kinder für den Rest ihres Lebens dadurch erhöhen, dass sie der Erde keine weiteren Kinder zumuten, die mit den schon existierenden Kindern um Lebensraum, Arbeit, Nahrung etc. konkurrieren.

      Aber für die Zahlmeister der Nation tut niemand etwas; die werden einfach als gegeben hingenommen.

      Obwohl mir niemand dafür dankt, dass ich niemandem auf der Tasche liege, mein Leben lang keinerlei “Zuwendungen” oder Vergünstigungen hatte, bin ich froh, kinderfrei zu sein. Ich wollte weder in der Vergangenheit noch jetzt Kinder haben.

      In jedem Fall stimme ich Ihnen darin zu, dass weitere Zuwendungen aus Steuergeldern für Eltern aller Voraussicht nach wieder nur Müttern und Angehörigen der prekären Mittelschicht zugute kommen würden.

      • albjaga says:

        Sehr geehrte Frau Dr. Diefenbach,
        “es soll mal wieder was zum Wohle der Familien getan werden” meinte ich sarkastisch. Meiner Meinung nach wäre es das Beste all die Fördermaßnahmen zu streichen. Und nicht nur die für die Familien. Dann klönnten alle mehr Geld zur Verfvügung haben.
        Nur, was machen wir dann mit all denen deren Aufgabe und Broterwerb es ist all die Milliarden erst einzusammeln und dann umzuverteilen. Nachdem sie sich selbst bedient haben.

  5. Maxim says:

    ALs Vater von SECHS Kinder bin ich natürlich froh über das Kiondergeld und alle Staatshilfen, – gleichzeitig jedoch völlig mit dem Artikel Einverstanden, denn bald wird das Kinderküssen und mit denen Spielen als “unbezahlte Arbeit” gezählt…. Feminismus halt, – die radfems kapieren gar nicht, dass man als Mutter und Vater gern und viel eigene Kinder pflegen und erziehen WILL. Sie vergleichen Eltern wohl mit Erzieherinnen von der Massenbabyhaltung- KiTa…. DIE werden bezahlt.

  6. Doris Schmidt says:

    Das Problem der heutigen Gesellschaft und offensichtlich auch des Autors dieses Berichtes ist, das Aufziehen von Kindern als Privatvergnuegen abzutun. Es ist aber eine sozialgesellschaftliche Leistung, die die Eltern hier erbringen. Schliesslich profitiert auch der Autor sowie andere Kinderlose (ich nehme mal an, der Autor ist kinderlos) davon, wenn Eheleute sich dazu entschliessen, Kinder in die Welt zu setzen. Leider ist die opferbereitschaft, die das Aufziehen von Kindern erfordert, bei den heutigen jungen Menschen weniger ausgepraegt, als es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Ich denke, dass genau dies auch die Ursache dafuer ist, dass viel zu wenig Kinder von ethnischen Deutschen geboren werden.
    Dass die Ministerin fuer Familie etc. Unsinn wie den beschriebenen fordert, ist ihrem Bemuehen geschuldet, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen.

    • Sie haben Recht, Kindererziehung ist heute kein Privatvergnügen, leider, denn wenn man eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen würde, käme mit Sicherheit dabei heraus, dass Kinderfreie weit mehr für die Kinder anderer Leute bezahlen als sie einen Nutzen von den Kindern anderer Leute haben. Menschen wie Sie, die den Altruismus von Eltern, die Fortpflanzung angeblich als Dienst an der Gesellschaft betreiben, vergessen in der Regel (vielleicht auch gerne), dass der vermeintliche Nutzen, den Kinder angeblich allen erbringen, teuer erkauft wird, so teuer, dass ich die Wette halte, dass es für Kinderfreie in Deutschland ein Verlustgeschäft ist, sie letzten Ende Opfer einer Umverteilung sind, die Kinderbesitzer auf ihre Kosten besser stellt.

      • Hosenmatz says:

        Eine ähnliche Diskussion gab es hier auch schon mal:
        http://sciencefiles.org/2015/07/11/was-vom-euro-bleibt-deutsche-arbeiten-vorwiegend-fur-ihren-staat-und-griechenland/ auch schon mal.

        Wenn das Statistische Bundesamt ausrechnet, dass eine Familie pro Kind bis zum 18. Lebensjahr etwa 120.000 € Mehrbelastung gegenüber dem kinderlosen Paar hat, dann sehe ich mich als “Kinderbesitzer” nicht unbedingt besser gestellt.
        (“Das Statistische Bundesamt hat jedoch einen durchschnittlichen Wert für ein Kind errechnet, wobei das Alter unberücksichtigt bleibt: Als Richtwert gelten von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr hochgerechnet etwa 550 Euro monatlich.” http://www.windeln.de/magazin/schwangerschaft/kinderwunsch/was-kostet-ein-kind-im-monat.html)

        Als Vater von vier Kindern muss ich also fast eine halbe Million Euro (verteilt auf 28 Jahre) irgendwie erwirtschaften, die werden nicht einfach zu mir umverteilt. Kein Wunder, dass sich viele gegen Kinder entscheiden.

        Und jeder, auch der Kinderlose, hofft, dass die nachfolgende Generation etwas in den Rententopf einzahlt. Das nennt sich Generationenvertrag, der leider, auf Grund geringer Geburtenrate, immer schwerer zu erfüllen ist.

        Darum müssen beide, der Kinderlose und der Kinderbesitzer, über Steuern und Abgaben ihren Teil zur Finanzierung beitragen. Dass es noch andere Bereiche gibt, aus denen man wenig oder keinen Nutzen ziehen kann (Bsp. Gender-Studies), die man mitfinanzieren muss, ist hier ja hinlänglich bekannt.

        • Nun, Sie als Kinderbesitzer haben sich entschieden, Kinder in die Welt zu setzen und die damit verbundenen Kosten zu tragen. Kinderlose bekommen die entsprechenden Kosten einfach aufgebürdet. Warum trennt man nicht die Kassen, lässt Kinderbesitzer vollständig für die Kosten von Kindern aufkommen und dafür bekommen Kinderlose nichts von dem Nutzen ab, den Kinder produzieren. Wäre das nicht demokratisch? Im Übrigen hat niemand bestritten, dass Kinder Geld kosten, und Sie werden ja sicher nicht behaupten, Sie hätten das nicht gewusst. Worüber beklagen Sie sich also? Wiegen Ihre Kinder die finanziellen Kosten nicht auf? Warum also beklagen Sie sich über eine angebliche Mehrbelastung durch Kinder? Fast, dass man den Eindruck hat, Kinder wären eine Commodity, die gegen Geldzahlungen des Staates getauscht werden…

        • @Hosenmatz

          “Und jeder, auch der Kinderlose, hofft, dass die nachfolgende Generation etwas in den Rententopf einzahlt.”

          Ja, mehr als Hoffnung können wir Kinderfreien diesbezüglich nicht haben – leider!

          Und glauben Sie mir, wir würden der Regierung auf Knien danken, die uns erlaubt, aus dem Umlagesystem, von dem die Rentenversicherung ein Teil ist, auszutreten und vollständig in unsere eigene Altersversorgung investieren zu dürfen, besonders, wenn wir dann während unserer Erwerbszeit davon freigestellt werden würden, die Unsummen aufzubringen, die in den Unterhalt von Familien und Kindern und die gesamte Infrastruktur, die fast nur ihnen zugutekommt, fließen. Wie, glauben, Sie, sähe es z.B. mir IHRER Rente aus, wenn wie Kinderfreien nicht wären, die die öffentlichen Kassen zu erheblich größeren Teilen finanzieren als Eltern?!

          Davon ganz abgesehen tut es mir leid, wenn Sie bei nachträglicher Berechnung der Kosten, die Ihnen Ihre Kinder verursachen, zu dem Schluss kommen, dass Sie fehlinvestiert haben. So etwas kommt im Leben vor. Man irrt sich halt manchmal, und es hat Sie niemand gezwungen, Kinder in die ohnehin schon überbevölkerte Welt zu setzen.

          Sie haben sich aus freien Stücken dazu entschlossen, und auch damals gab es schon eine Welt, die Sie umgeben hat, und haben Sie wirklich bei der Kinderproduktion darauf gehofft, dass Sie mit der Zeit immer mehr Vergünstigungen und sozusagen Schadensersatz für den Unbill, den Sie sich zugefügt haben, erhalten würden? Oder waren Sie damals bereit, die Verantwortung für Ihr Tun zu übernehmen?

          Ich vermute, Sie waren es, und ich würde mir wünschen, Sie wären es auch jetzt.

          Wir alle müssen die Verantwortung für unsere Wahlen übernehmen. Also sollten Eltern sich an Ihren Kindern freuen, so gut es geht, und Ihre Kinder aufziehen, ohne Kinderfreien auf der Tasche liegen zu wollen, und die aktuell kinderfreien Erwachsenen haben wissen müssen, dass sie die Zahlväter und -mütter der Nation sein würden, ohne selbst Kinder zu haben, und haben – zumindest zu größten Teil. so vermute ich – trotzdem diesen Lebensweg gewählt, weil er ihnen trotz allem angenehmer erschien.

          Was soll’s?! Jeder Lebensweg hat seine Vor- und Nachteile, seine Gefahren und seine Möglichkeiten, seine Leiden und Freuden. Und sie werden von jedem Individuum anders gesehen, bewertet, bewältigt. Ich sehe nicht, wie man begründen wollte, warum die einen den anderen Schadensersatz für die im Leben freiwillig vorgenommenen Wahlen zahlen müssten.

    • @Doris Schmidt

      ich vermute, dass Sie Mutter sind, denn Ihr Problem ist offensichtlich, dass Sie meinen, eine Leistung für andere Menschen zu erbringen, wenn Sie sich Ihrem Privatvergnügen widmen und Kinder in die Welt setzen und erziehen und Sie darüber hinaus meinen, das würde Sie mit einem Recht ausstatten, sozusagen Schmerzensgeld dafür einzufordern, dass Sie den Rest der Menschheit mit Ihren Kindern beglücken.

      Wenn Sie sich als Mutter als Opfer fühlen, sozusagen als Schmerzensfrau durch Fortpflanzung, dann müssen Sie irgendwie masochistisch veranlagt sein, denn dann ist es doch widersinnig, dass Sie ohne jeden Zwang, also gänzlich freiwillig, Mutter geworden sind! Und es hat Sie doch niemand gezwungen, Mutter zu werden, oder!? Also, wenn Sie dieses Leben freiwillig gewählt haben, dann stehen Sie doch dazu, und tragen Sie die Verantwortung dafür, statt sich zu beklagen und andere Leute zu beneiden und finanzielle Entschädigung (oder was weiß ich noch alles) zu verlangen.

      Und was Ihre kinderfreien Mitmenschen betrifft, so müssen Sie ihnen dankbar dafür sein, dass sie Ihnen die Aufzucht Ihrer Kinder, für die Sie sich so aufopfern, so viel leichter machen und die gesamte Infrastruktur, die Eltern und ihre Kinder nutzen, nicht nur mitfinanzieren, sondern überwiegend finanzieren, denn sie sind die Zahlmeister der Nation (wie ein Blick ins Steuerrecht schnell erkennbar macht).

      Und nicht nur das: sie tragen darüber hinaus dazu bei, dass Ihre Kinder bessere Lebenschancen und -bedingungen haben werden als sie es hätten, wenn die Kinderfreien auch noch Kinder in die übervolle Welt setzen würden: Ihre Kinder werden sich z.B. nicht um Aufnahme in einem überlasteten Studiengang mit anderen schlagen müssen, sie haben bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, verbringen einen kleineren Anteil ihrer Lebenszeit in Warteschlangen, in Staus auf der Autobahn etc., sie haben weniger Probleme auf dem Wohnungsmarkt, sie haben in jeder Hinsicht mehr Lebensraum zur Verfügung als sie es hätten, wenn andere Leute sich ebenso wie Sie in der Kinderproduktion aufopfern würden.

      Und falls jetzt der Unsinn mit der Rente kommen sollte:

      Rente ist etwas, was man sich ERWORBEN hat, kein freundliches Almosen, das die lieben Kinder anderer Leute einem netterweise bezahlen. Die Rente ist Teil des UMLAGEsystems, d.h. man hat während der Dekaden, in denen man arbeitet – wenn man arbeitet – einen ziemlich großen Anteil an Abzügen zu erleiden. Mit diesem Geld werden u.a. alle Leistungen an Familien bezahlt, damit deren Aufopferung keine solche darstellt, sondern zum Mittel des Einkommensbezugs wird. Und dann bekommt man im Alter eine Summe ausbezahlt (wenn man Glück hat), die in keinerlei vernünftigem Verhältnis zu den Unsummen steht, die man an Abzügen während seines Lebens erlitten hat. Kinderfreie würden sich weit besser stellen, wenn es Ihnen frei gestellt wäre, aus der Rentenkasse auszutreten und statt dessen private Vorsorge für ihr Alter zu leisten. Fairerweise müssten sie dafür dann eine Steuerentlastung erhalten…. Und dann würde sich sehr schnell zeigen, wer von wem pofitiert: Kinderfreie von Eltern und Kindern oder Eltern und Kinder von Kinderfreien.

  7. notarfuzzi says:

    Natürlich gibt es in unserem Lande jede Menge Leute, die auf so einen Käse und noch viel schlimmeren dazu hereinfallen, gar keine Frage! Das Bildungsniveau ist dazu angetan, leider.

  8. hgb says:

    “dass in die angebliche Mehrarbeit die Zeit für Kinderbetreuung, die bei Kinderfreien zwangsläufig 0 Stunden, 0 Minuten und 0 Sekunden einnimmt, mit eingerechnet wurde?”

    Kinderfreie wenden aber gleichviel Mehrarbeit auf für die Kinder(er)zeugung, die dann später (bei Erfolg) in die Kinderbetreuung umgewidmet wird.

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