Appell an Niedere Instinkte: Politik der Häme

Jean Piaget, einer dieser hoffnungslos optimistischen Entwicklungspsychologen, der sich vor allem mit Kindern und deren formativer Phase beschäftigt hat, hat ein Phasenmodell der moralischen Entwicklung im Kinde aufgestellt, dieses Phasenmodell:

Erste Phase [jünger als 7 Jahre]

  • Regeln sind unveränderbar,
  • Gerechtigkeit und Strafe wird von Autoritäten vorgegeben, die zudem die moralische Qualität von Handlungen bestimmen.

Zweite Phase [Übergang zwischen 7 und 10 Jahren]

  • Gruppen werden als Regelgeber erkannt;
  • Moral wird als Gerechtigkeit und unabhängig definiert;

Dritte Phase [autonome Moral, ab 11 Jahre]

  • Regeln sind soziale Produkte, Ergebnis sozialer Aushandlung, d.h. sie sind veränderbar;
  • Moral wird unabhängig definiert und bei der Bewertung der Handlungen anderer die Intention dieser anderen berücksichtigt.

Letztlich ist dieses Phasenmodell nichts anderes als die Vorstellung, dass ein Kind, das ein moralisches Urteilsvermögen entwickelt hat, mit 11 Jahren in der Lage ist, Handlungen anhand von festen Prinzipien als gerecht oder ungerecht zu beurteilen, und zwar nicht nur die Handlungen anderer, sondern auch die eigenen Handlungen.

Warum wir das vorausschicken?

Weil wir den Eindruck haben, manche Bürger in Deutschland und manche Polit-Darsteller sind nicht über die erste Phase der moralischen Entwicklung hinausgekommen und während die einen daraus die Konsequenz gezogen haben, sich in Fragen des richtigen Verhaltens grundsätzlich und immer bei der Mehrheit oder bei denen, die sie für Autoritäten halten, anzudienen, an der Mehrheit zu orientieren, haben die anderen daraus den Schluss gezogen, dass man so a-moralisch sein kann, wie man will, denn es wird immer Deppen geben, die das a-moralische, das man vorbringt, für sich übernehmen, weil sie sich an anderen als Autoritäten ausrichten, und zwar deshalb, weil sie, wir wiederholen uns, auf der ersten Stufe der moralischen Entwicklung stehen geblieben sind.

Ein Anwendungsfall für diese Ansicht ist die Aussage des grünen Wirtschaftsministers Robert Habeck: “Wer Putin schaden will, spart Energie”. Das ist auf der einen Seite eine Vorlage für moralische Analphabeten, deren Handeln zum einen von Vorgaben durch diejenigen, die sie für Autoritäten halten, abhängig ist und zudem von einem satten Anteil Boshaftigkeit getrieben wird. Es ist auf der anderen Seite blanke Häme, denn natürlich ist es Vladimir Putin in Moskau vollkommen egal ob irgend ein Eumel in Wanne Eickel sich den Arsch Hintern abfriert, weil er die Gasheizung herunterdreht, um Energie zu sparen, wie Onkel Robert vorgegeben hat und um Putin eins auszuwischen.

Dass der Appell an niedere Instinkte nicht auf dem Mist von Habeck alleine gewachsen ist, sondern eine Aktion zu sein scheint, die aus der Hochburg der a-Moral, der grünen Partei kommt, legt die Aussage von Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, nahe: ” Mit geringem Aufwand können wir Putin schaden, Kosten senken und unsere Unabhängigkeit stärken”.

Ein Vertreter nicht nur der Politik der Häme, dieser Janecek, sondern auch ein Aspirant für den Titel eines Denkbehinderten der Woche.

“Mehr als die Hälfte des in Deutschland genutzten Erdgases kommt aus Russland”, so steht es bei der ARD zu lesen. Wenn nun also besagter Eumel in Wanne Eickel seine mit Erdgas betriebene Heizung statt auf 22 Grad Celsius auf 20 Grad Celsius laufen lässt, wie besorgte Gutmenschen bereits vorschlagen, dieselben, die anderen “Komforteinschränkungen im nächsten Winter” verordnen wollen, dann könne man, so Janecek damit die Unabhängigkeit von russischem Erdgas stärken.

Daraus muss man den Schluss ziehen, dass Janecek der Ansicht ist, wenn statt mehr als 50% Erdgas, nach Einsparung in Wanne Eickel und sonstwo nur noch 40% des Erdgases, das in Deutschland verbraucht wird, aus Russland kommt, dann sei damit Unabhängigkeit gestärkt. Der Mann ist entweder so blöd oder er hält andere für so blöd, was letztlich beides auf dasselbe hinausläuft. Unabhängig ist man, wenn man, wie soll man es nur sagen, unabhängig ist, AUTARK in der Gasversorgen, nicht von den Lieferungen anderer abhängig. Schlechte Nachricht, denn wie die Dinge nun einmal so liegen, sind 40% Gaslieferung aus Russland nach Einsparung in Wanne Eickel und sonstwo immer noch Abhängigkeit. Im Gegensatz zu vorher gibt es nun aber ein paar Spinner, die eine “Komforteinschränkung” für sich durchgeführt haben, sich besonders gut fühlen, etwa so, wie die Göre, die im Kindergarten Klebstoff in die Schuhe des Intimfeindkindes geschüttet hat, sich gut fühlt, weil sie DEM eines ausgewischt hat. Nur ist die Göre klüger als diejenigen, die die Heizung herunterdrehen. Letztere schaden sich, nicht etwa Putin, fühlen sich überlegen, obschon sie dumm sind und Lügen aufsitzen, die Göre schadet nur ihrem Intemfeindkind, nicht sich selbst.

Indes Maochismus scheint etwas zu sein, was in Deutschland weit verbreitet ist, so dass man als Politiker der Häme darauf bauen kann, dass dann, wenn man mit moralisch gewichtiger Stimme einen Feind im Ausland durch harte Maßnahmen züchtigen will, Maßnahmen, die die eigene Bevölkerung treffen und den Feind im Ausland vermutlich herzlich amüsieren, immer eine große Zahl von willigen Gefolgsleuten bauen kann, von Leuten, bei denen der Appell an die njiederen Instinkte jede vielleicht vorhandene Vernunft überschreibt, so wie das für die erste Phase der moralischen Entwicklung von Piaget beschrieben wird, jedenfalls will uns das die ARD-tagesschau erzählen:

Die Bereitschaft, sich selbst für eine gute Sache zu bestrafen, eine Art Selbstkasteiung in guter katholischer Tradition, hat eine erstaunlich gleiche Ausprägung, 68%, die angeblich bereit sind, für die Ukraine im Dunkeln zu sitzen, 66%, die angeblich bereit sind, höhere Energie- und Lebenshaltungskosten zu tragen und 65%, die Nachteilen deutscher Firmen positiv gegenüberstehen. Erstaunlich und alarmierend, jedenfalls dann, wenn man Erfahrung mit empirischer Sozialforschung hat. Denn das sieht massiv nach einem Zustimmungs-bias [affirmation bias] aus: Befragte, die vom Infratest-Dimap Anrufer und seinen Fragen genervt sind, sagen zu allem “Ja” [und Amen], und die Befrager, die einen solchen Bias oft genug in ihren Fragenbatterien einplanen, sonst würden sie die Richtung der Antworten variieren, um ihn auszuschließen, sie haben das Ergebnis, das sie wollen.

Es besteht also Hoffnung, dass es in Deutschland weniger als 66% Masochisten, keine radikal auf Selbstschädigung ausgerichtete Mehrheit gibt, jedenfalls in Umfragen von Infratest Dimap nicht.

Die Politik der Häme sie hat noch einen anderen Aspekt.

Wer die 1970er und die 1980er Jahre und Teile der 1990er Jahre bewusst durchlebt hat, wird sich an die Aufregung erinnern, die sich regelmäßig um “soziale Ungleichheit” entfaltet hat. Aufregung darüber, dass Kinder aus Arbeiterfamilien viel seltener ein Abitur machen als Kinder aus Beamtenfamilien und noch seltener ein Studium absolvieren. Darüber, dass die Einkommensschere auseinanderklafft. Darüber, dass “einkommensschwache Familien”, wie es hieß, so sehr unter Teuerungsraten, man denke an den TEURO oder der Teuerungen, die Regierungspolitiken grundsätzlich mit sich bringen, Regierungspolitiken, die das Leben der Bürger erleichtern, billiger machen, gibt es nicht, auch das ist ein Aspekt der Politik der Häme, darüber, dass Familien mit niedrigem Einkommen, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und wie die Kategorien alle heißen, die für sie geschaffen wurden, zurückgelassen wurden, wie ungerecht, darüber haben sich ganze Legionen von Gutmenschen ereifert. Vermutlich dieselben, die ihre Gutheit nun in blau-gelb ausdrücken.

Und nun, das die Lebenshaltungskosten steigen und steigen und steigen, die politische und wirtschaftliche Entwicklung vor allem zu Lasten der “einkommensschwachen Familien” geht, nun ist funkstille. Niemand schert sich um die Opfer einer verfehlten Energiepolitik, denn natürlich ist die Abhängigkeit von russischem Gas hausgemacht, niemand kommt ihnen zur Hilfe. Dem Wirtschaftsminister, der dazu da ist, das wirtschaftliche Los der Deutschen zu verbessern, fällt zum Thema steigende Energiepreise ein, dass die Bürger Energie sparen können, dann sind die Kosten geringer. Dass er unsinnige Steuern, wie z.B. die CO2 Steuer senken könnte, Steuerentlastungen für diejenigen verkünden könnte, deren Einkommen mit den Preissteigerungen nicht mehr mithalten können, das kommt Habeck nicht in den Sinn.

Es herrscht Sozialdarwinismus. Wer sich nichts leisten kann, muss eben verzichten, was ihn indes nicht davon befreit, Steuern zu zahlen.

Von Jean Jacques Rousseau stammt eine Anekdote, die in der Folge eine ganz eigene Entwicklung genommen hat. Rousseau erinnert sich in seinen “Bekenntnissen”, in seiner Autobiographie an eine Episode in seinem Leben, die ihn vor das Problem stellte, dass er den Wein, den er gerade gestohlen hatte, gern mit Brot verzehren wollte, seine Kleidung aber nach seiner Einschätzung zu vornehm war, um eine ordinäre Bäckerei aufsuchen zu können. In dieser Situation erinnert sich Rousseau an die Aussage einer “großen Prinzessin”, die, nachdem ihr bekannt wurde, dass Bauern kein Brot zu essen haben, gesagt habe, “Lass’ Sie Kuchen essen”.

“Enfin, je me rappelai le pis-aller d’une grande princesse à qui l’on disait que les paysans n’avaient pas de pain, et qui répondit : Qu’ils mangent de la brioche”

Die Politik der Häme, die grüne Polit-Darsteller, und nicht nur sie, derzeit betreiben, sie ist offenkundig nicht erst gestern erfunden worden, wobei die “grande princesse” vermutlich durch Dummheit zumindest in Teilen entschuldigt ist [ein Eindruck den der Kontext, in dem Rousseau seine Anekdote vorbringt, nahelegt], während bei der Politik der Häme ein gerütteltes Maß an Boshaftigkeit im Spiel ist.



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