Unsinn der Woche: Die Wahrscheinlichkeit, im Statistischen Bundesamt an Gehirn-Krebs zu sterben

Das Statistische Bundesamt hat am 31. Mai eine Pressmeldung  veröffentlicht, die die gewöhnliche, unhinterfragte Verbreitung in deutschen Medien, wie z.B. der Rheinischen Post und der Berliner Zeitung gefunden hat. Dem genderistisch, politisch-korrekten Betroffenheitskanon entsprechend, ist die Meldung des Statistischen Bundesamts mit “Immer mehr Frauen sterben an den Folgen des Rauchens” überschrieben. Aus Mangel an Manpower und Zeit hat man bei der Rheinischen Post den ersten Absatz der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes weitgehend komplett übernommen (mit einer interessanten Nuance, die ich der aufmerksamen Lektüre der Leser überlasse), während die Eigenleistung der Berliner Zeitungsjournalisten in der Feststellung besteht: “Besonders betroffen sind Frauen”. Die nun folgende Analyse wird zeigen, dass die ursprüngliche Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes hart an einer Verfälschung von Daten entlangschrammt, dass die politisch korrekte Erweiterung der Berliner Zeitung “besonders betroffen sind Frauen” ein ausgemachter Unsinn ist und dass das Fälschen von Statistiken doch nicht so einfach ist, wie manche gerne behaupten.

Hier der erste Absatz der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes:

“Im Jahr 2010 starben 13 815 Frauen an Krebserkrankungen, die in einem engen Zusammenhang mit dem Konsum von Tabakprodukten gebracht werden können. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2012 mitteilt, waren dies rund 36% mehr als zehn Jahre zuvor. Der Frauenanteil an den insgesamt durch Erkrankungen wie Lungen-, Bronchial-, Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs verursachten Todesfällen (44 457) des Jahres 2010 betrug rund 31%. Im Jahr 2001 lag der Anteil noch bei 25% von insgesamt 40 053 Gestorbenen. Im Vergleich zu Männern verlieren Frauen durch die genannten Krebsarten mehr Lebensjahre: Während Männer im Durchschnitt 2,9 Jahre früher starben, verkürzte sich das Leben der Frauen im Durchschnitt sogar um 10,5 Jahre.

Vorab ist festzustellen, dass das Leben von Frauen offensichtlich höher zu gewichten ist, als das Leben von Männern, denn Frauen verlieren sogar 10,5 Jahre an Lebenszeit, während Männer, wie man schließen muss: nur 2,9 Jahre verlieren. Allerdings muss man diese verkürzte Lebenszeit, die auf Aggregatebene berechnet wurde, mit ihrer Ausgangsbasis in Verbindung bringen: der durchschnittlichen Lebenserwartung. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt im Jahre 2010 77,51 Jahre für Männer und 82,59 Jahre für Frauen. Zieht man von beiden die verlorenen Lebensjahre ab, dann werden männliche Raucher durchschnittlich 74,61 Jahre und weibliche Raucher durchschnittlich 72,09 Jahre alt. Die Differenz beträgt entsprechend 2,52 Jahre und nicht 7,6 Jahre wie vom Statistischen Bundesamt suggieriert. Diese Differenz ist jedoch nur dann aussagekräftig, wenn man bereit ist, den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, den das Statistische Bundesamt in seiner Pressemeldung macht, mitzugehen. Zu Beginn der Pressemeldung ist sich der Verfasser der Meldung noch darüber im Klaren, dass die von ihm genannten Krebsarten nur in einem Zusammenhang mit Rauchen gebracht werden können, im Verlauf der Pressemeldung vergisst er dies und behauptet, einen direkten und kausalen Zusammenhang zwischen z.B. Lungenkrebs und dem Rauchen. Da es aber Patienten gibt, die an Lungenkrebs versterben ohne jemals eine Zigarette geraucht zu haben (aber dafür z.B. unter Tage gearbeitet haben) besteht die behauptete Äquivalenz zwischen Rauchen und Lungenkrebs nicht: Nicht jeder, der an Lungenkrebs verstorben ist, war ein Raucher.

Nun zu dem Zahlenwerk. Die Angaben des Statistischen Bundesamts sind recht bruchstückhaft. Der Pressemeldung kann man entnehmen, dass 2010 13 815 Frauen an Krebserkrankungen verstorben sind, die vom Statistischen Bundesamt mit Rauchen in Zusammenhang gebracht werden, dass 2010 insgesamt 44 457 Todesfälle durch die entsprechenden Krebserkrankungen zu verzeichnen waren, während es in 2001 noch 40 053 Todesfälle durch die entsprechenden Krebserkrankungen  waren. Die Anteile von Frauen an den Verstorbenen betrugen im Jahre 2010 31% und 2001 25%. In der folgenden Tabelle habe ich auf Grundlage dieser Angaben, die fehlenden Werte ergänzt und ein paar kleine Berechnungen durchgeführt, um die berichteten Zahlen in einen Zusammenhang zu stellen und natürlich um der z.B. im Gleichstellungsgesetz für Bundesverwaltungen geforderten Gleichbehandlung der Geschlechter zum Durchbruch zu verhelfen und gegen die Diskriminierung von Männern in Pressemitteilungen des Statistischen Bundesamtes vorzugehen. Die fettgesetzten Werte sind die Werte, die in der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes angegeben wurden, den Rest habe ich auf der Basis der genannten Zahlen berechnet.

2001 2010 2010-2001
N % N % N %
Krebstote 40053 44457  4404  11
Männer 30040 75 30642 69 602 2
Frauen 10013 25 13815 31 3802 38

Vor dem Hintergrund der in der Tabelle zusammengestellten Daten müsste die Pressemeldung, wäre sie nicht durch eine Fixierung auf weibliche Geschlechtsteile und Lungen beeinträchtigt, lauten: Im Vergleich der Jahre 2010 und 2001 (warum eigentlich 2010 und 2001, warum nicht 2010 und 2005 oder 2009? Wäre beim entsprechenden Vergleich die “Opferrolle” von Frauen nicht in gleicher Weise herausmanipulierbar gewesen?), im Vergleich also der Jahre 2010 und 2001 ist die Anzahl der Krebstoten, deren Ableben mit “Rauchen” in Zusammenhang stehen könnte, um 11% (4.404) gestiegen. Die Steigerung bei weiblichen Krebstoten ist dabei mit 38% (3.802) höher ausgefallen als die Steigerung bei männlichen Krebstoten mit 2% (602). Nach wie vor ist die Anzahl der Männer, für die eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie aufgrund ihres Zigarettenkonsums vorzeitig sterben mit 30.642 Toten um das 2,2fache höher als die entsprechende Anzahl wahrscheinlich krebsbedingter Sterbefälle bei Frauen (13.815).

Nun zurück zur Pressemeldung und dem, was in der der Berliner Zeitung daraus geworden ist: “Noch immer greift knapp jeder dritte Erwachsene regelmäßig zur Zigarette. Besonders betroffen sind Frauen, seit 2001 steigt die Zahl der Todesfälle um 36% an”. Wie man der Tabelle entnehmen kann, ist es blanker Unsinn zu behaupten, Frauen seien besonders vom rauchenden Krebstod betroffen. Dies ist nicht der Fall, zum einen deshalb nicht, weil 30.642 tote Männer mehr sind als 13.815 tote Frauen, zum anderen weil es nach wie vor ein Fehlschluss ist, zu denken, dass jeder an z.B. Lungenkrebs Verstorbene ein Opfer seiner glimmenden Sargnägel geworden ist (,die er im übrigen freiwillig konsumiert). Zudem sind Frauen nicht “besonders betroffen”, weil die Krebsarten, die das Statistischen Bundesamt berücksichtigt hat, mit nichten die häufigsten Krebsarten darstellen, an denen Männer oder Frauen versterben, wie die folgende Abbildung zeigt.

Robert Koch Institut (2012), S.13

Wie man der Abbildung entnehmen kann, sind von Lungenkrebs, Kehlkopf- oder Luftröhrenkrebs nicht “vor allem” Frauen, sondern “vor allem” Männer betroffen. Nur bei Männern spielt Lungenkrebs, im Vergleich zu den anderen Varianten, an Krebs zu versterben, die herausragende Rolle, die in der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes behauptet wird. Wichtiger als Kehlkopfkrebs oder Krebs der Luft-/Speiseröhre sind indes Darmkrebs, Prostatakrebs, Krebs an der Bauchspeicheldrüse, Magenkrebs, Leberkrebs und Leukämien bei Männern. Für Frauen gilt, dass die häufigste Todesform durch Krebserkrankung Krebs der Brustdrüse ist, gefolgt von Darmkrebs und Lungenkrebs. Und nahezu alle sonstigen Krebserkrankungen sind als Todesursache für Frauen relevanter als Kehlkopfkrebs oder Krebs der Luft-/Speichelröhre.

Das Beispiel zeigt deutlich, was dabei herauskommt, wenn man anlässlich des Weltnichtrauchertages (wer erfindet eigentlich einen solchen Unsinn und wer profitiert davon finanziell?) eine politisch korrekte Pressemeldung veröffentlichen will, die an der richtigen Stelle den Zeigefinger hebt und zudem dem genderistisch, politisch-korrekten Betroffenheitskanon entspricht: Blanker Unsinn auf der einen Seite, und eine Verharmlosung der Krebsarten, die für Männer wie für Frauen mit erheblichen Mortalitäten verbunden sind, auf der anderen Seite. Wieder einmal zeigt sich, dass politische Korrektheit mit der Realität nicht viel zu tun hat, wieder zeigt sich, dass von politischer Korrektheit ein konkreter Schaden ausgeht, wieder zeigt sich, dass politische Korrektheit nur durchzuhalten ist, wenn man gewillt ist, logische Fehler zu machen, wieder zeigt sich, dass entgegen allen anders lautenden Überzeugungen, das Fälschen von Statistiken doch nicht so einfach ist, wie von manchen angenommen, und leider zeigt sich auch einmal mehr, dass Journalisten ihre Hauptaufgabe darin zu sehen scheinen, Pressemeldungen entweder unkritisch zu übernehmen oder durch eine politisch-korrekte Eigen”leistung” noch weiter von der Realität zu entfernen als sie es eh schon ist.

Robert Koch Institut (2012). Krebs in Deutschland 2007/2008. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch Institut.

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6 Responses to Unsinn der Woche: Die Wahrscheinlichkeit, im Statistischen Bundesamt an Gehirn-Krebs zu sterben

  1. Andreas Rheinhardt says:

    “Zu Beginn der Pressemeldung ist sich der Verfasser der Meldung noch darüber im Klaren, dass die von ihm genannten Krebsarten nur in einem Zusammenhang mit Rauchen gebracht werden können, im Verlauf der Pressemeldung vergisst er dies und behauptet, einen direkten und kausalen Zusammenhang zwischen z.B. Lungenkrebs und dem Rauchen”: Das ist nicht richtig. In der Pressemitteilung wird nur einmal ein direkter, kausaler Zusammenhang zwischen Rauchen und dem früheren Ableben hergestellt: In der Überschrift. Selbst bei dem von dir beanstandeten Abschnitt mit den 2,9 und 10,5 Jahren geht aus dem vorhergehenden Satz eindeutig hervor, dass auf Erkrankungen an den genannten Krebsarten Bezug genommen wird — unabhängig davon, ob es sich bei den Erkrankten um Raucher oder nicht handelt (und auch unabhängig davon, ob bei Rauchern das Rauchen nun ursächlich für den Krebs verantwortlich ist). Auch die Berliner Zeitung hat das in den letzten beiden Sätzen korrekt wiedergegeben; die Zwischenüberschrift “Immer mehr Frauen sterben an den Folgen des Rauchens” ist vom stat. Bundesamt kopiert und stellt wie es einen kausalen Zusammenhang her.
    Deine Einschätzung bzgl. der u.a. sprachlichen Diskriminierung von Männern in den Pressemitteilungen des Stat. Bundesamtes teile ich.

  2. Daß nicht jeder Lungenkrebstote Raucher war, ändert nichts an der Tatsache, daß Rauchen vermutlich zu 80, 90 oder mehr Prozent als ursächlich anzusehen ist.

    MK: Im Artikel geht es darum, die behauptete Äquivalenz zwischen Lungenkrebs und Rauchen zu beanstanden. Im Übrigen kenne ich keine Studien, denen zu entnehmen ist, dass 80% oder 90% der Lungenkrebstoten an Lungenkrebs erkrant sind weil sie geraucht haben. Aber Sie haben offensichtlich Daten. Ich bitte Sie daher, die Quelle Ihrer Erkenntnis mit uns zu teilen.

    Die Meldung über die verlorene Lebenszeit ist ebenfalls nicht zu beanstanden.

    MK: Doch – I just did it.

    Denn das Rauchen ist für Frauen tatsächlich deutlich schädlicher, egal wie alt sie werden.

    MK: Aha. Also das Nikotin ist auch geschlechtersensibel unterwegs und macht die Gesundheit von Frauen kaputter als die Gesundheit von Männern. Abermals eine starke Behauptung, abermals ohne Beleg. Aber den werden Sie sicher nachliefern. Wenn es egal ist, wie alt sie werden, woran merken Sie dann noch, dass Rauchen schädlich ist, ich meine, so ab 99 wird es schwierig, die Verkürzung der Lebenszeit durch Nikotin zu argumentieren.

    Vermutlich liegt das an der geringeren weiblichen Rustikalität.

    MK: Aha, Krebs befällt die weniger rustikalen… Warum nur, so frage ich mich, erkranken dann mehr Männer an Krebs als Frauen:2008: 246.700 Männer und 223.100 Frauen (Robert Koch Institut, 2012). Müssen wir die Rustikalität vielleicht innerhalb der Geschlechter differenzieren und wenn ja, was heißt das dann für ihre Rustikalitätsthese?

    Sie sollten nicht mit der Pinzette nach vermeintlichen Verfehlungen suchen.

    MK: In der Regel reicht es, hinzuschauen.

    Außerdem wäre eine weniger hyperintellektuelle Sprache ratsam. Da können Leute wie ich nicht mehr so leicht folgen. Es wirkt auch ein bißchen weltfremd:

    Diese Differenz ist jedoch nur dann aussagekräftig, wenn man bereit ist, den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, den das Statistische Bundesamt in seiner Pressemeldung macht, mitzugehen.

    MK: De gustibus non est disputandum – Was Ihnen wie eine hyperintellektuelle Sprache vorkommt, muss nicht jedem, wie eine hyperinterllektuelle Sprache vorkommen. Um ehrlich zu sein höre ich von Ihnen zum ersten Mal, dass ich eine hyperintellektuelle Sprache “habe”. Übrigens wird im Text erklärt, was ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens ist. Man kann es also wissen, wenn man gelesen hat… und verstanden natürlich.

  3. @Andreas Reinhardt

    Die Überschrift der Pressemitteilung setzt einen ganz klaren Rahmen, unter dem das Folgende gelesen werden soll und darf im übrigen als Formel verstanden werden, die die Presse zur Publikation motivieren soll; dass angeblich “[i]mmer mehr Frauen […] an den Folgen des Rauchens [sterben]” ist also unzweifelhaft die Nachricht, die das Stat. BA durch die Presse verbreiten lassen möchte.

    Ginge es in der Pressmitteilung nicht um die Suggestion eines kausalem Zusammenhangs zwischen Tod durch Krebserkrankungen und Rauchen, so würde es auch wohl kaum Sinn machen, in zwei von drei Absätzen über Tabakkonsum durch Rauchen zu berichten. Offensichtlich ist dies im Zusammenhang mit Tod durch Krebserkrankungen nur dann interessant, wenn ein kausaler Zusammenhang konstruiert werden soll.

    Dass man einen Satz in dieser Pressemitteilung für sich genommen, also, wenn man ihn aus dem Gesamtzusammenhang herauslöst, als inhaltlich korrekt und ideologisch “unschuldig” präsentieren kann, ändert nichts an der “Botschaft”, die das Stat. BA hier zu verbreiten versucht, und auch nichts daran, dass sich in der Presse genug “Multiplikatoren” (früher kannte man weniger freundliche Worte für diese Art von Betätigung) finden, die das ungeprüft übernehmen.

    @James Kirk

    Während ich sofort weiß, was gemeint ist, wenn ich jemanden einen Fehlschluss der Bejahung der Konsequens konstatieren höre, habe ich einige Schwierigkeiten, Ihren Kommentar zu verstehen – nur zwei Beispiele:

    Wie kann Rauchen besonders schädlich für Frauen sein, wenn “egal” ist, wie alt sie werden? Wenn es nicht zur Verkürzung ihrer Lebenszeit beiträgt, worin besteht denn dann Ihrer Meinung nach der Schaden? Wenn man z..B. an finanziellen Schaden denkt, dann ist die Argumentation ja insofern falsch als der finanzielle Schaden, der durch Rauchen entsteht, für Männer und für Frauen der gleiche ist….

    Was meinen Sie damit, wenn Sie schreiben:
    “Außerdem wäre eine weniger hyperintellektuelle Sprache ratsam. Da können Leute wie ich nicht mehr so leicht folgen.”
    Ich hätte vermutet, dass “Leute wie Sie” leichter folgen könnten, wenn keine “hyperintellektuelle Sprache” verwendet wird; dass Sie meinen, Sie könnten nicht mehr so leicht folgen, wenn eine einfachere Sprache verwendet wird, wie Sie es “ratsam” finden, erstaunt mich doch ziemlich. Oder haben Sie nur nicht in Worte fassen können, was Sie meinen, und sozusagen “falsch herum” formuliert?

    Im übrigen ist, wie Sie wissen sollten, dieser blog einer, der sich in der Welt der kritischen Wissenschaft verortet, und in einer solchen ist es durchaus nicht “hyperintellektuell”, wenn man die wichtigsten Fehlschlüsse und ihre Bezeichnungen kennt. Ich bin ohnehin der Auffassung, dass das zur Allgemeinbildung gehört – auch der aufmerksame Konsument von Populärkultur wird in Sachen Logik ja nicht völlig unbedarft sein: Egal, ob man die x-files oder StarTrek schaut, die Qualität von Schlussfolgerungen ist dort durchgängig ein Thema. Es ist halt immer die Frage, worauf man in solchen Sendungen schaut und mit welchen Charakteren man sich identifiziert….

    Last, but not least:

    Die “Verfehlungen” des Stat. BA ebenso wie der deutschen Presse sind anhand der Pressemitteilung nachvollziehbar bzw. belegbar (s. den ersten Teil meines Kommentars an Andreas Reinhardt) und bestehen nicht “vermeintlich”. Sie sind, glaube ich, für jeden mit kritischem Verstand mehr oder weniger offensichtlich, und von daher besteht überhaupt keine Notwendigkeit, sie “mit der Pinzette” zu suchen. Wer den eigentlich offensichtlichen Manipulationsversuch in dieser Pressemitteilung nicht (von allein oder nach Lektüre von Michael Kleins Artikel) nicht erkennen kann oder will, zeigt damit nur, wie unkritisch und damit manipulierbar man sein kann – da hilft dann keine Pinzette mehr, sondern (vielleicht) nur noch der Holzhammer.

  4. @Diefenbach und Klein

    Frauen verlieren durch’s Rauchen mehr Lebenszeit, also ist Rauchen für Frauen offenkundig schädlicher, unabhängig davon, wie hoch ihr Durchschnittsalter ist.

    Frauen werden auch leichter betrunken. Es ist durchaus naheliegend, daß Frauen allgemein körperlich empfindlicher reagieren.

    Hier von gendersensiblem Nikotin oder dergleichen zu sprechen zeigt, daß Sie offenbar gar nicht gewillt sind, Kritik als solche ernst zu nehmen.

    Sie sollten bei einem wissenschaftskritischen Blog Kritik auch ernstnehmen und nicht trivialisieren oder entstellen.

    • “Sie sollten bei einem wissenschaftskritischen Blog Kritik auch ernstnehmen und nicht trivialisieren oder entstellen.”

      James T. Kirk,
      ich nehme Kritik ernst, wenn sie vorgetragen wird. Aber Sie haben bislang keine Kritik vorgetragen. Kritik ist nicht, wenn ich sage, dass mir etwas nicht passt oder mein Missfallen kund tue. Das ist eine affektive Äußerung, die die Außenwelt in der Regel nicht interessiert. Kritik bedarf einer Argumentation. Etwas ist falsch, weil… Also wenn Sie kritisieren wollen, dann nennen Sie Argumente, und geben Sie mir einen Grund, Ihre Aussagen als Kritik ernst zu nehmen.

      Da bislang niemand weiß, in welchem Zusammenhang Rauchen mit dem Versterben an Lungenkrebs steht, (sie selbst schulden uns immer noch die Studien, denen zu entnehmen ist, dass 70%, 80% oder 90% der Lungenkrebstoten ursächlich auf Rauchen zurückzuführen sind), kann man auch keine Aussage zur verlorenen Lebenszeit machen, während man nach den Erfahrungen mit Ihren Kommentaren durchaus schließen kann, dass Sie sich berufen fühlen, Ihre Stirn in tiefe Falten der Sorge und des Missfallens zu legen, wenn sie einen (weiblichen) Raucher erblicken müssen.

    • @Kirk

      Was meinen Sie mit “unabhängig davon, wie hoch ihr Durchschnittsalter ist”? Wer hat wo von Durchschnittsalter (und gemessen zu welchem Zeitpunkt?) gesprochen? Wenn eine Frau heute 35 oder 55 oder 19 ist, woher wissen Sie dann, wieviel Lebenszeit sie verliert? Ich verstehe nicht, was Sie meinen; es tut mir leid.

      Aber egal – was hat es mit dem vermuteten Zusammenhang zwischen Rauchen und Versterben an Krebs zu tun, wenn Frauen leichter betrunken werden? Was soll es im diesem Zusammenhang bedeuten, wenn Frauen “allgemein körperlich empfindlicher reagieren”? Was soll man sich denn hierunter vorstellen? Wenn Frauen z.B. sensibler als Männer auf Alkohol reagieren (was im Durchschnitt(!) richtig ist) und daher leichter betrunken werden, worin besteht dann der Schaden? Ja, sicher, sie machen sich lächerlich, aber das machen betrunkene Männer auch, und dann bestünde der “Schaden” einfach nur darin, dass Frauen aufgrund desselben Alkoholkonsums eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, sich lächerlich zu machen. Ich denke nicht, dass das eine Pressemitteilung des Stat. BA oder gar staatliche Eingriffe in die Selbstbestimmung von Menschen rechtfertigen würde.

      Und wie würde die entsprechende Argumentation mit Bezug auf das Rauchen lauten?

      Übrigens ist es falsch, dass Frauen “allgemein körperlich empfindlicher reagieren”. So können Frauen deutlich länger niedrige Temperaturen aushalten als Männer, ohne vergleichbaren Schaden zu nehmen (wegen der Fettzellen, die ihr Gewebe in größerer Menge enthält als das von Männern.

      Nun zu Ihren Vorwürfen:

      Ich bin mir nicht bewusst, an irgendeiner Stelle von “gendersensiblem Nikotin” gesprochen zu haben. Wenn Sie Vorwürfe in einem Kommentar an mich und an Herrn Klein erheben, dann stellen Sie bitte sicher, dass Sie niemandem von uns beiden etwas unterstellen, was er/sie nicht gesagt hat. Die Tatsache, dass Sie das nicht tun, zeigt mir, dass Sie gar nicht gewillt sind, sich differenziert mit dem auseinanderzusetzen, was verschiedene Personen gegen Ihre Einwände vorbringen.

      Sie sollten Einwände gegen Ihre Einwände ernstnehmen und nicht trivialisieren oder entstellen, was Leute gegen Ihre Einwände eingewendet haben oder eben nicht eingewendet haben. Wenn Sie das nicht tun, haben Sie selbst kein Recht, eben das anderen vorzuwerfen (Das nennt man in der Logik den “tu quoque-Fehlschluss”.) Das gilt m.E. übrigens überall und nicht nur für einen “wissenschaftskritischen blog”.

      Und noch etwas anderes haben Sie falsch verstanden: Dieser blog ist nicht “wissenschaftskritisch”, sondern er versucht – ganz im Gegenteil – mit den Mitteln der Wissenschaft und des vernünftigen Argumentierens gegen MISSBRAUCH der Wissenschaft und PSEUDO-Wissenschaft vorzugehen. Weder Herr Klein noch ich sind Kritiker der Wissenschaft, sondern Kritiker ihres Missbrauchs.

      Schließlich frage ich mich, wann Sie der Meinung wären, dass Ihre Einwände ernstgenommen werden. Da Sie, wenn man auf Ihre Einwände mit Nachfragen oder Gegenargumenten reagiert, meinen, nicht ernstgenommen zu werden, muss ich vermuten, dass Sie sich nur dann ernstgenommen fühlen würde, wenn man Ihre Einwände kritiklos akzeptieren würde, auch, wenn man der Auffassung ist, dass sie nicht haltbar sind oder keinen Sinn machen.

      Sich gegenseitig so etwas vorzuwerfen, ist völlig unproduktiv, und es lenkt nur von der Auseinandersetzung um die Sachfragen ab. Die Sachfragen lassen sich nur auf der Basis von logisch korrekten Argumenten und in Kenntnis bestehender Tatsachen lösen. Alles andere ist irrelevant. (Ich bin sicher, das würde auch Mr. Spock sagen, dem Captain Kirk so vorbehaltlos vertraut.)

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