Stellen Sie sich vor sie sind auf Kreta.
Nicht zum Urlaub.
Nein: Wir sind im späten 13. Jahrhundert v. Chr.
Paläste von Knossos und Phaistos sind längst von mykenischen Herren übernommen, doch das minoische Erbe lebt weiter. Kreter steigen morgens zur großen Zisterne hinauf – einem kunstvoll gemauerten Speicher mit sandigen Filtern, der den Winterregen sammelt. Sie treiben die Ziegen auf die terrassierten Hänge, pflegen Olivenbäume und Rebstöcke. Getreidefelder, Feigen und der Hafenhandel mit Kupfer und Stoffen halten das Leben im Gleichgewicht.
Kupferschlacke auf Zypern; Stadtviertel 1 in Hala Sultan Tekke. Foto: T. Bürge; Quelle
Die Minoer beherrschen ausgeklügelte Wassertechnik: Zisternen, Brunnen, kleine Aquädukte, Kanäle, Dämme und Entwässerungssysteme, die das knappe Wasser lenken und reinigen. Paläste fordern ihren Anteil an Öl und Getreide, doch es bleibt genug.
Über Generationen vollzieht sich eine schleichende Entwicklung: Der Himmel wird unerbittlicher. Die Winterregen versagen, Quellen versiegen, die Zisternen leeren sich früher. Die Terrassen erodieren, Oliven fallen vor der Reife, das Getreide bleibt kümmerlich. Brunnen müssen tiefer in den Fels getrieben werden. Das Vieh verdurstet, die Speicher leeren sich. Der Fernhandel bricht zusammen, weil überall im östlichen Mittelmeer dieselbe Dürre herrscht.
Abgaben können nicht mehr entrichtet werden; Unruhen und Abwanderungen folgen.
Was als schleichende Aridifizierung begann, treibt die Gesellschaft über die kritische Schwelle. Die raffinierten Wasserkünste und die trockene Landwirtschaft halten lange stand – doch am Ende reichen sie nicht. Die Paläste werden aufgegeben, die Dörfer schrumpfen, die feine Kultur verblasst. Der Kollaps kommt leise: im Schweigen leerer Zisternen und verdorrter Olivenhaine.
Das Ende einer Kultur.
Hätten Sie, die Minoer oder die Hethiter oder die Mykener eine Abgabe für CO2 entrichtet und ihre Verhüttung von Kupfer und Zinn zu Bronze rechtzeitig mit der Emissionsschutz-Regulation der Mittelmeer-Anreihner-Organisationen MAO, herunter reglementiert, die Katastrophe wäre vermieden worden. Die lange Dürre, die trockenen Brunnen und die Unmöglichkeit von Landwirtschaft wäre nicht eingetreten.
Power & Zhang (2026).
Aber vermutlich wären die Minor, Mykener und Hethiter von den sogenannten Seevölkern, eine in den Inschriften Ramses‘ III beschriebene Koalition von Gruppen, die von Land und von Wasser vorhandene Siedlungen überfallen haben, eine Art Wikinger des Mittelmeers, bestehend aus den Peleset, aus Tjeker / Sikeler, Shekelesh, den Lukka (aus Südwestanatolien) oder Sherden überrannt worden.
Wer weiß.
Wie auch immer, die beschriebenen Kulturen des östlichen Mittelmeerraumes auf einer Fläche, die sich vom Balkan über Anatolien bis in die Levante zieht, sie sind verschwunden, wurden das Opfer von Dürre, ausbleibendem Regen, von KLIMAWANDEL.
Soweit die Geschichte.
Nun zur Erklärung.
Die Erklärung findet sich in der folgenden Arbeit:
Die Arbeit von Power und Zhang gehört zu den Arbeiten, in denen lapidar zu lesen steht, man habe Variabilitäten, natürliche und orbitale in eine Simulation gestopft, die Daten von EC-Earth3-Tr8K für erstere benutzt und die bekannten natürlichen Schwankungen in regionale Niederschlagsmengen (Niederschlagsanomalien (PR)), Evapotranspiration im östlichen Mittelmeer (inkl. Balkan, Levante, Türkei), Vegetationsindikatoren (Leaf Area Index/LAI, Grasflächenanteil), die Stärke der Atlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC), die Atlantic Multidecadal Variability (AMV), die North Atlantic Oscillation (NAO), Lage und Ausprägung des Jet-Stream und die ITCZ-Position (Intertropical Convergence Zone), die Oberflächentemperaturen und thermodynamische Kopplung zwischen Nordatlantik und Mittelmeer genutzt, um zu untersuchen, wie langfristige orbitale Veränderungen und natürliche Atlantik-Variabilität das Hydroklima des östlichen Mittelmeerraums im Holozän prägten – insbesondere die schweren Dürren um ca. 3200 Jahre vor heute, die mit dem Zusammenbruch der spätbronzezeitlichen Zivilisationen (Mykener, Minoer, Hethiter u. a., ca. 1300–900 v. Chr.) zusammenfallen.
Viel Datum und viele Daten, auf deren Grundlage die Autoren die Entwicklung des Hydroklimas für das östliche Mittelmeer, den Balkan, die Türkei und die Levante darstellen können, in einer Weise, die mit den Berichten der Dürre und Not, die zum Kollaps der oben beschriebenen Kulturen zwischen 1300 und 900 vor Christus in der späten Bronzezeit geführt hat, nachzeichnet.
Quelle: Power & Zhang (2026).
Und wenn man ein solches Ereignis mit seinen Daten rekonstruieren kann, dann will man es natürlich erklären, und das führt uns zurück zu EC-Earth3-Tr8K und den oben genannten natürlichen Variabilitäten. EC-Earth3-Tr8K stellt im Wesentlichen das zusammen, was als Milanković-Zyklen bekannt ist [Wenn Sie nicht wissen, was es damit auf sich hat, dann können Sie es hier nachlesen]:
Exzentrizität – Abweichung von der Kreisbahn (Periodizität von 100.000 und 450.000 Jahren)
Obliquität – Neigung der Erdachse (Periodizität von 41.000 Jahren)
Länge des Periphel (= Punkt auf der Umlaufbahn an dem die Erde der Sonne am nächsten ist, Periodizität: 19.000 bis 23.000 Jahre)
Diese langfristigen Prozesse bilden den Hintergrund, vor dem sich die kürzeren Variabilitäten von AMOC oder NAO vor allem dann, wenn sie sich in ihrer Wirkung verbünden, auf das regionale Klima auswirken: Mit anderen Worten: Power und Zhang (2026) erklären die Niedergang der genannten Kulturen durch die anhaltende Dürre der späten Bronzezeit, die wiederum Ergebnis natürlicher Variabilitäten vor dem Hintergrund orbitaler Prozesse, wie sie die Milanković-Zyklen beschreiben, ist. Die gesamte Erklärung basiert auf natürlichen und orbitalen Prozessen, die von Menschen nicht beeinflussbar sind. Vielleicht ist diese Einsicht, etwas nicht beeinflussen zu können, das, was Absurditäten wie CO2-Bepreisung oder Nut Zero so attraktiv für manche macht.
Und weil man mit Geschichten mehr Eindruck erreichen kann als mit dem unpolierten Ergebnis mathematischer Operationen, haben wir die Ergebnisse von Power und Zhang vertextet in unsere die Sonne macht das Klima-Erzählung – vielleicht wäre Opus die bessere Beschreibung:
Die Milanković-Zyklen (Exzentrizität, Obliquität und Präzession) liefern über Jahrtausende hinweg die langsame, orbitale „Hintergrundmusik“: Sie verändern systematisch Menge und vor allem die saisonale und latitudinale Verteilung der Sonnenstrahlung.
Im Holozän führt das zu einem graduellen, orbital forcierten Austrocknungstrend im östlichen Mittelmeer.
Darauf spielen die kürzerfristigen, internen ozeanisch-atmosphärischen Prozesse – vor allem AMOC-Schwankungen, Atlantic Multidecadal Variability (AMV) und NAO [North Atlantic Oscillation]-ähnliche Muster – ihren „Rhythmus: Diese multi-dekadalen bis multi-zentennialen Fluktuationen modulieren Niederschlag, Temperatur und hydroklimatische Extreme im Mittelmeerraum.
Die entscheidenden, besonders schweren Dürren (wie jene um 1400–900 v. Chr., die mit dem spätbronzezeitlichen Kollaps zusammenfällt) entstehen genau dann, wenn die langsam veränderliche orbitale Hintergrundmusik und die kürzeren Atlantik-Zyklen der „Atlantik-Beat“ in Phase geraten und sich gegenseitig verstärken.
Die orbitale Partitur setzt also den Grundton und den langfristigen Trend; AMOC und NAO liefern die variablen, manchmal dramatischen Soli und Akkorde, die das System über kritische Schwellen stoßen können.
Die Studie betont damit nicht, dass AMOC oder NAO „von den Milanković-Zyklen dirigiert“ würden, sondern dass die orbitale Langzeitentwicklung den hydroklimatischen Rahmen schafft, in dem die atlantische Variabilität ihre volle Wirkung entfalten – und Extreme erzeugen – kann.
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