Umfrage: Wofür steht die CDU?

Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, hat gerade 10 Punkte veröffentlicht, die zeigen sollen, wo die CDU steht, nicht etwa wofür die CDU steht, sondern wo. Die 10 CDU-Gebote, die Tauber formuliert hat, stellen im Wesentlichen das dar, was Max Weber einen Idealtypus genannt hat: Den Idealtypus der CDU, wie ihn Peter Tauber gerne in den Köpfen der Deutschen fixiert haben möchte.

Nun triften Vorstellung und Wirklichkeit ja oftmals auseinander, ziemlich weit auseinander in vielen Fällen. Und so haben wir uns gefragt, wie weit stimmt das Bild, das Tauber von der CDU, bei der er sein Geld verdient, zeichnet, mit dem Bild überein, das Bürger, Wähler, ScienceFiles-Leser von der CDU haben.

Und um uns das nicht nur zu fragen, sondern auch eine Antwort auf diese Frage geben zu können, die fundiert ist, haben wir eine Befragung konzipiert, deren Ziel darin besteht, die Wahrnehmung der CDU, so wie sie sich den Bürgern, den Wählern, den ScienceFiles-Lesern darstellt, zu erfragen.

Wir bitten unsere Leser, an unserer Befragung zahlreich teilzunehmen, damit wir sagen können, wofür die CDU steht und mit unserer Antwort, die auf der Wahrnehmung hoffentlich sehr vieler ScienceFiles-Leser beruht, eventuelle Fehleinschätzungen bei Peter Tauber, die er auf seiner Suche nach dem Standort der CDU, dem Wo der CDU begangen hat, mit der Antwort nach dem Wofür zurechtrücken zu können.

Zur Teilnahme an unserer Befragung auf unserem Befragungshub: SurveyNET, bitte diesen Link zu „Wofür steht die CDU“ klicken.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen will EU loswerden

Nicht nur die Holländer sagen “Nein” wenn es darum geht, die Europäische Union und ihre Abkommen, Verträge und Tätigkeiten zu legitimieren, auch in Deutschland wächst die Anzahl derer, die Nein sagen, und hat schon ein beträchtliches Ausmaß erreicht. An unserer neuesten, derzeit noch laufenden Befragung haben bislang mehr als 1.500 Personen teilgenommen, die im Folgenden präsentierten Zwischenergebnisse basieren auf den Angaben von 1.453 Befragten.

Geht es um die EU, dann muss man feststellen, dass die Euphorie, mit der die Europäische Einigung einst betrachtet wurde, einer tiefen Skepsis und Ablehnung gewichen ist. Offensichtlich hat der bürokratische Moloch, der sich von Brüssel aus über die Mitgliedsstaaten ergießt, Zustimmung und Euphorie weigehend erstickt.

Ursprünglich war die EU ein Wirtschaftsbündnis und alle, die daran teilhatten, sie waren der Ansicht, dass der gemeinsame Markt den teilnehmenden Ländern einen wirtschaftlichen Vorteil bringt. Seit der gemeinsame Markt vor allem darin besteht, dass die EZB die Sparkonten der Europäer plündert und einen monumentalen Schuldenmarkt betreibt, auf dem Staatsobligationen, die private Investoren nicht kaufen wollen, verschoben werden, hat sich der Optimismus in einen Pessimismus verwandelt.

EU legitimation 1.jpg

Gut 57% der 1.453 Befragten stimmen der Aussage “Den Bürgern Deutschlands ginge es wirtschaftlich besser, wenn Deutschland aus der EU austreten würde” voll und ganz zu, weiter 25,3% stimmen der Aussage eher zu. Die Zweifel daran, dass sich eine Mitgliedschaft in der EU vorteilhaft auf die deutsche Wirtschaft auswirkt, sie haben somit 2/3 der Gesellschaft erreicht.

Gleiches gilt für die Frage der Souveränität, wenngleich in etwas abgeschwächter Form. Unter Politikwissenschaftlern, die sich mit der EU und Deutschlands Zugehörigkeit zur EU befassen, steht fest, dass Deutschland auch deshalb ein Motor der Europäischen Einigung war, weil es einerseits nach dem Zweiten Weltkrieg darum ging, die Zulassung zur Staatengemeinschaft wieder zu erlangen und andererseits darum, die Souveränität des zunächst besetzten Landes wiederzugewinnen. Die EWU, EG und dann EU haben sich angeboten, eventuell bestehende Zweifel daran, ob es eine gute Idee ist, Deutschland wieder als souveränen Staat auf dem Kontinent zuzulassen, zu zerstreuen. Ursprünglich war die EU also der Souveränität Deutschlands förderlich.

Das ist heute nicht mehr so, jedenfalls sind 47,4% der 1.453 Befragten dieser Ansicht. Sie stimmen der Aussage zu, dass Deutschland kein souveräner Staat ist, solange es in der EU bleibt. Weitere 26,4 % stimmen dieser Aussage eher zu.

Bis hier kann man bereits feststellen, dass die EU ein erhebliches Legitimationsproblem hat. Das ist nicht neu, denn die 1980er und 1990er Jahre haben eine Fülle wissenschaftlicher Literatur zum Thema “demokratisches Defizit” produziert, Literatur, in der meist Politikwissenschaftler darauf hingewiesen haben, dass der Umfang der Rechte und Eingriffsmöglichkeiten in das tägliche Leben der Europäer, den sich die EU-Kommission und die anderen EU-Institutionen zwischenzeitlich verschafft haben, in keinerlei Verhältnis zur Legitimation der entsprechenden Institutionen steht, denn eine solche Legitimation liegt schlicht nicht vor. Weder die Entscheideungen der Europäische Kommission noch die des Ministerrats sind demokratisch dafür legitimiert. Und dass viele Bürger nicht mit dem einverstanden sind, was in ihrem Namen in Brüssel entschieden wird, das zeigt das Nein der Holländern zum EU-Abkommen mit der Ukraine bzw. das zeigt sich häufig dann, wenn die Europäer tatsächlich zu Politiken der EU befragt werden.

Auch die Befragten, die bislang an unserer Befragung teilgenommen haben, sind der Ansicht, dass das, was aus Brüssel an Richtlinien und Regelungen kommt und in das tägliche Leben der Bürger eingreift, Entscheidungen sind, die von einer Polit-Oligarchie ohne Legitimation getroffen werden.

EU Legitimation 2.jpg

76,6% der 1.453 Befragten sind der Ansicht, die Aussage, “Die EU ist demokratisch legitimiert” treffe überhaupt nicht zu, weitere 18,9% sind der Ansicht, die Aussage treffe eher nicht zu. Kaum einer der Befragten ist der Ansicht, dass die EU über eine demokratische Legitimation verfügt. Deutlicher kann man die Entfremdung zwischen einem angeblich demokratischen System und seinen Bürgern nicht mehr zum Ausdruck bringen.

Als Konsequenz, die aus der fehlenden Legitimation und der Ansicht, weder Souveränität noch wirtschaftlicher Nutzen sei aus einer EU-Mitgliedschaft zu gewinnen, folgt, sind die meisten Befragten der Ansicht, Deutschland solle nicht nur die Eurozone, sondern auch die EU verlassen.

EU Legitimation 3

Rund 70% der 1.453 Befragten stimmen der Aussage “Deutschland soll aus der Eurozone austreten und die D-Mark wieder einführen” voll und ganz zu, 66,7% der Aussage, “Deutschland soll aus der EU austreten”. Das sind eindeutige Voten, die noch dadurch ergänzt werden, dass 18,3% bzw. 17,8% den beiden Aussagen “eher zustimmen”. Gut 4/5 der Deutschen stehen demnach einem Verlassen der EU bzw. der Eurozone positiv gegenüber und erwarten von einem solchen nicht nur einen Zugewinn an Souveränität, sondern vor allem eine Zugewinn an Wohlstand.

Somit muss man feststellen, dass die Deutschen EU-müde sind. Das Projekt “Europäische Union”, es ist rund 59 Jahre nach den Römischen Verträgen an einem Punkt angekommen, an dem sich die Frage stellt, wie die Regierenden weiter verfahren wollen: Wollen Sie in Opposition zu ihrer eigenen Bevölkerung verbleiben und die EU als Projekt der politischen Klasse gegen die Mehrheit der Bevölkerung weiter betreiben oder wollen sie die EU reformieren, die Bürokratie der EU und den Haushalt der EU zusammenstreichen und das Projekt in kleinerer Variante neu starten?

Wie auch immer die Antwort auf diese Frage ausfallen wird, über eines sind sich unsere Befragten sicher: die Bürger in Deutschland werden nicht gefragt werden: 76,2% der 1.453 Befragten halten es für sehr unwahrscheinlich, 17,8% für unwahrscheinlich, dass es in “Deutschland jemals eine Abstimmung über den Verbleib in der EU geben wird”.

Wer sich noch an der laufenden Befragung beteiligen will, die dem Thema Legitimation und Legitimität gewidmet ist, der kann dies über diesen Link tun.

 

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Umfrage: Schluss mit Parteienoligarchie und -selbstbedienung

Demokratie ja, aber ganz anders, so kann man das erste Zwischenergebnis aus unserer jüngsten Befragung zusammenfassen. Die von uns befragten Deutschen haben die Nase mit der Art und Weise, wie die vermeintliche Demokratie in Deutschland praktiziert wird, gestrichen voll. Sie wollen durchgreifende Änderungen und Reformen nicht nur in der Art und Weise, wie Parlamente bestückt werden, sondern auch in der Art und Weise, wie die Eignung des politischen Personals bestimmt und Parteien an Steuergelder gelangen können.

Der Selbstbedienungsladen und der Parteiennepotismus, den viele derzeit am Werk sehen er soll  ein Ende haben, wenn es nach den 971 Befragten geht, auf die wir unser Zwischenergebnis stützen.

Die im Folgenden berichteten durchgreifenden Änderungen, die sich Deutsche im Hinblick auf ihr politisches System wünschen, stehen im Rahmen einer weitgehenden Unzufriedenheit mit dem demokratischen System Deutschlands: Nur 6,5% der 971 Befragten geben an, dass sie eher zufrieden (5,9%) oder sehr zufrieden (0,6%) mit dem demokratischen System Deutschlands sind. Wäre Deutschland ein Unternehmen, die Insolvenz wäre wohl nicht mehr abzuwenden, denn: 26,9% der Befragten geben an, dass sie eher unzufrieden mit dem demokratischen System Deutschlands sind und 64,3% sind sehr unzufrieden (2,2% wissen nicht, ob sie zufrieden oder unzufrieden sind). Da Deutschland ein demokratisches System und kein Unternehmen ist, muss man feststellen, dass das demokratische System Deutschlands derzeit keine Legitimität unter denen besitzt, auf die es sich angeblich stützt: den Bürgern.

Die Frage, warum Deutsche mit ihrem demokratischen System so unzufrieden sind, wie sie es sind, haben wir bereits in einer früheren Befragung beantwortet. Damals haben rund 1.650 Befragte Angaben zu den Dienstleistungen gemacht, die politische Parteien und ihr Personal erbringen und hier war das Ergebnis eindeutig: Parteien werden als weitgehend als nepotistische Organisationen angesehen, denen es darum geht, die eigene Klientel zu versorgen. Das politische Personal der Parteien wird weitgehend als von minderer Qualität und Kompetenz bewertet, als Ladenhüter, die es auf dem freien Arbeitsmarkt nicht weit, vermutlich nur bis zum nächsten Jobcenter gebracht hätten.

In unserer neuen Umfrage haben wir eine Reihe von Reformvorschlägen zur Diskussion gestellt, und unsere Leser gefragt, wie sie die einzelnen Vorschläge bewerten. Im Folgenden stellen wir die Ergebnisse in drei Blöcken vor die

  • die Art der Auswahl von Abgeordneten,
  • die Qualifikation der Abgeordneten und
  • den Zugriff auf Steuermittel zum Gegenstand haben.

Die folgende Abbildung zeigt, wie unsere Befragten gerne Parlamente besetzen würden und wie lange sie Abgeordnete in Parlamenten sitzen lassen wollen. Die Ergebnisse sind eine eindeutige Absage an die Hegemonie politischer Parteien, denn Parteilisten sind, wenn es nach unseren Befragten geht, eine Erscheinung der Vergangenheit, und sie sind eine eindeutige Absage an den Berufspolitiker, jenes Wesen, das außer Politik nichts kann: Eine große Mehrheit unserer Befragten spricht sich dafür aus, Abgeordnete für Parlamente direkt zu wählen, Parteilisten nicht mehr zuzulassen und die Amtszeit von Abgeordneten auf acht Jahre zu begrenzen.

Legitimitaet 1

Die Unzufriedenheit mit dem politischen Personal, also denjenigen, die sich aufschwingen, Bürgern zu erklären und vorzugeben, was für sie richtig ist, und die für sich in Anspruch nehmen, besser informiert und kenntnisreicher zu sein als Bürger, die wir in einer unserer letzten Befragungen u.a. als erhebliche Zweifel an der intellektuellen Kompetenz und Befähigung der entsprechenden Politiker gemessen haben, sie findet in der neuerlichen Befragung ihren Niederschlag darin, dass die Befragten Vorkehrungen dafür fordern, dass keine Personen in politische Ämter gelangen, die dafür nicht geeignet sind. Im Wesentlichen sollen Personen, die in ein Parlament, einen Landtag oder den Bundestag gewählt werden wollen, über mindestens 5 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft verfügen und einen Nachweis ihrer intellektuellen Eignung – also z.B. einen Intelligenztest oder ein öffentliches Hearing, bei dem Wähler die Möglichkeit haben, die Kandidaten zu befragen – erbringen.

Legitimitaet 2

Schließlich zeigt auch die neuerliche Befragung, dass Parteien in erster Linie als nepotistische Organisationen wahrgenommen werden, deren Mitgliedern es vornehmlich darum geht, sich und ihrer Klientel ein üppiges Auskommen auf Kosten der Steuerzahler zu verschaffen. Wenn es darum geht, Steuerzahler zu schröpfen, haben sich Politiker immer als sehr erfinderisch erwiesen. Als das Bundesverfassungsgericht die Parteienfinanzierung für nicht verfassungsgemäß erklärt hat, haben Parteien flux politische Vereine gegründet, die aus Zwecken der Tarnung als politische Stiftungen bezeichnet werden, Steuerzahler-Stiftungen, um genau zu sein, denn die rund 700 Millionen Euro, die jährlich in den Unterhalt der angeblichen Stiftungen fließen, die vornehmlich der Versorgung von Parteisoldaten dienen, sie stammen ausschließlich aus Steuermitteln.

Wenn es nach den Deutschen geht, die an der ScienceFiles-Befragung bislang teilgenommen haben, dann hat es ein Ende mit der Selbstbedienung der Parteien, dem Nepotismus und den Versorgungs-Netzwerken auf Kosten von Steuerzahlern, denn eine große Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, sowohl die Finanzierung von Parteien als auch die Finanzierung von vermeintlichen politischen Stiftungen aus Steuermitteln, sie müsse beendet werden.

Legitimitaet 3

Es führt also kein Weg an der Feststellung vorbei, dass viele Deutsche nicht nur mit ihrem politischen System unzufrieden sind, sondern die Nase von politischen Parteien, den von ihnen installierten Netzwerken, deren Ziel darin besteht, Steuerzahler zu schröpfen, und dem politischen Personal, dessen intellektuelle Kapazität in der Regel hinter der eines durchschnittlichen Bürgers zurückbleibt, gestrichen voll haben. Deutsche wollen den Wandel und ein demokratisches System, das nicht zum Spielball und zur Versorgungsanstalt von Parteien, ihren Multiplikatoren und ihrer spezifischen Klientel geworden ist.

Hinter diesen Ergebnissen steht eine gesellschaftliche Einigkeit, wie man sie in Befragungen selten findet: Die Ablehnung von Parteienfinanzierung, Finanzierungs-Nepotismus, von Berufspolitikern und politischem Personal, sie geht durch alle Altersklassen, ist unabhängig von der formalen Bildung, vom Einkommen und vom Erwerbsstatus. Wenn es in Deutschland je eine Volksbewegung gegeben hat, die Ablehnung dessen, wozu ein System, das einst als demokratisch geplant war, geworden ist, sie ist eine Volksbewegung.

Unsere Befragung ist nach wie vor online. Wer will, der kann sich durch einen einfachen Klick auf den folgenden Link noch daran beteiligen:

Hier geht es zu Befragung “Legitimität und Legitimation”.

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Unruhe, Revolution, Aufstand: Nicht in Deutschland – oder?

Wenn man die Unzufriedenheit, die weite Teile der Bevölkerung in Deutschland ergriffen zu haben scheint, in Stichpunkten Revue passieren lässt, dann fragt man sich unwillkürlich und nach mehr oder weniger kurzer Zeit, warum es in Deutschland so ruhig ist: Warum gibt es keinen Aufstand, keine Unruhe, angesichts:

  • einer Flüchtlingskrise?
  • einer Enteignung durch die Geldpolitik der EZB?
  • des endemischen Nepotismus’, mit dem politische Spezl sich gegenseitig versorgen?
  • einer politischen Klasse, die mehr mit deviantem Verhalten als mit dem Alltagsleben der Bürger befasst ist?
  • eines Rentensystems, das nicht aufrechterhalten werden kann, in das die Bürger aber dennoch ihr Geld bezahlen müssen?
  • einer Ungleichheitsstruktur, die manche Frauen von der Arbeit, die vollerwerbstätige Männer und Frauen verrichten, in allen Lebenslagen bis ins hohe Alter profitieren lässt?
  • einer weitgehenden Pervertierung demokratischer Werte von individueller Freiheit, Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit?
  • einer Instrumentalisierung von Schulen als Kaderschmieden?
  • und
  • und
  • und

Für Max Weber ist die Legitimation einer politischen Ordnung in modernen Gesellschaften eng an die Legalität, “die Fügsamkeit gegenüber formal korrekt und in der üblichen Form zustande gekommenen Satzungen” gebunden (Weber, 1988: 581). Dabei ist er explizit der Ansicht, dass es nicht um die tatsächliche Legitimation einer politischen Ordnung geht, sondern um die “Vorstellung vom Bestehen einer legitimen Ordnung” (Weber, 1988: 573). Mit anderen Worten, für Weber ist eine politische Ordnung dann legitim und somit stabil, wenn die Bürger, die der entsprechenden Ordnung unterworfen sind, die Ordnung als legitim ansehen und dieses Ansehen auf ihre Vorstellung bauen, dass alles mit demokratischen und rechten Dingen zugeht, dass die Institutionen der demokratischen Ordnung, die Parlamente, die Gesetzgebung, die Gerichte, in einer legalen und den Regeln entsprechenden, keinen bevorzugenden oder benachteiligenden Weise funktionieren.

Die Vorstellung von der Legitimität oder der Glaube an die Legitimität der politischen Ordnung sind für Max Weber zentral, denn: “[s]oweit ‘Abstimmungen’ als Mittel zur Schaffung oder Änderung von Ordnungen legal sind, ist es sehr häufig, dass der Minderheitswille die formale Mehrheit erlangt und die Mehrheit sich fügt, also: die Majorisierung nur Schein ist” (Weber, 1988: .

Damit sind wir zurück bei der Eingangs gestellten Frage: Wenn es in demokratischen Systemen für organisierte Minderheiteninteressen ein Leichtes ist, eine Schein-Majorisierung zu erreichen, also für sich fälschlicherweise in Anspruch zu nehmen, den Willen der Mehrheit zu repräsentieren, dann folgt daraus zwangsläufig, dass die Anzahl derer, die sich politisch übervorteilt oder nicht repräsentiert sehen, immer größer, die Liste der Entscheidungen, die letztlich gegen den Willen der Mehrheit getroffen wurden, immer länger wird. Also stellt sich einerseits die Frage, wie viel Legitimität die geltende politische Ordnung noch hat, um andererseits die Frage zu beantworten, warum, trotz all der aufgezählten Fehlentwicklungen und Probleme der deutschen politischen Ordnung, es in Deutschland keinen Aufstand gibt.

Wir haben uns aufgemacht, diese Frage in unserer neuesten Befragung auf SurveyNET zu beantworten und hoffen, dass sich viele unserer Leser an der Befragung zu “Legitimität und Legitimation” beteiligen.

Zur Teilnahme bitte einfach hier klicken.

Weber, Max (1988). Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. Tübingen: Mohr Siebeck.

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Gehen CDU und CSU unter oder nieder?

Wir haben in der letzten Zeit eine Reihe von Beiträgen veröffentlicht, in denen wir im Wesentlichen argumentiert haben, dass der derzeitige Höhenflug der AfD nicht (nur) das Ergebnis der Flüchtlingsdebatte ist, wie das manche aus den etablierten Parteien gerne sehen wollen. Die Gewinne bei der AfD sind vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Partei eine Sammelbewegung für die mit dem Berliner Parteiengeklüngel Unzufriedenen in Deutschland geworden ist. Entsprechend lässt sich die AfD nicht auf das reduzieren, was die Grünen in ihren ersten Jahren waren und was man in der Politikwissenschaft eine “one-issue-Party” nennt.

Wer sich im Einzelnen für unsere Argumentation interessiert, der kann sie hier und hier nachlesen.

The Partys overEs gibt neben den von uns bereits dargelegten Argumenten eine Reihe von empirischen Indizien dafür, dass das Berliner Parteiensystem seinem Ende zu geht, ein Ende, das die SPD und die CDU/CSU als “mehr als 20%-Parteien” verschwinden sehen wird. Wer sich mit dem italienischen Parteiensystem auskennt, der wird sich an das Verschwinden der Democracia Christiana erinnern, jener Partei, an der von 1946 bis 1992 kaum ein Weg vorbeigeführt hat, wenn es darum ging, eine Regierung zu bilden. Die DC, sie ist sang- und klanglos verschwunden, erst in der Wählergunst und dann als Partei: Sie wurde 1994 aufgelöst.

Politikwissenschaftler sehen dann Zeichen für schweres Wahlwetter für eine Partei, wenn die Basis der Stammwähler bröckelt, d.h. wenn die Wähler, die man bislang als Fixposten in seiner Wählerbilanz verbuchen konnte, weniger werden. Die CDU/CSU sieht sich derzeit mit einer solchen Erosion von Stammwählern konfrontiert: Hochgebildete, Selbständige, Angestellte und Beamte, Wähler, die sich als religiös bezeichnen, sie kehren der CDU und der CSU zunehmend den Rücken und wenden sich der AfD zu – wie unsere Daten belegen.

Diese für die CDU und die CSU existenzbedrohenden Entwicklungen haben wir einmal für die Variable “Alter” und auf Grundlage der Wahlstatistik des Bundeswahlleiters für die Bundestagswahl 2013 sowie auf Grundlage unserer Daten zu visualisieren versucht.

Die folgende Abbildung zeigt in der oberen Hälfte den Anteil der Wähler von CDU und CSU für bestimmte Altersgruppen. Die ulkige und in Teilen unverständliche Benennung der Altersgruppen in den Daten des Bundeswahlleiters, die sich teilweise zu überschneiden scheinen, bitten wir zu ignorieren. Wahrscheinlich ist derjenige, der für die Eingabe verantwortlich ist, nicht in der Lage, die Benennung der Altersgruppen in der Eingabemaske zu ändern… Die untere Hälfte der Abbildung zeigt die Anteile von Wählern, die bei der Bundestagswahl 2013 CDU oder CSU gewählt haben und nunmehr die AfD wählen wollen.

SN_Fracksausen bei der CDU

Die größten Anteile von Wählern, die  CDU oder CSU in Richtung AfD den Rücken kehren, finden sich in den Altersgruppen von 36 bis 65 Jahren und somit in den Altersgruppen, in denen man die Kernwähler der CDU/CSU suchen wird. CDU und CSU sind seit Anbeginn der Bonner Republik Parteien, die anteilig eher von älteren oder alten Wählern gewählt werden, von Wählern, die mitten im Erwerbsleben stehen oder dem Ende desselben zugehen. Genau in diesen Altersgruppen finden sich die meisten, die der CDU oder der CSU nunmehr den Rücken kehren.

Das ist ein starkes Indiz dafür, dass die CDU/CSU Stammwähler verliert.

Dass Wähler ab 66 Jahre weniger von Abwanderungsgedanken getragen sind als andere Wähler kann man auf die alte Weisheit, “einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr” zurückführen. Tatsächlich ist der Anteil der Stammwähler, den die CDU oder die CSU unter Pensionären und Rentnern hat, der höchste von allen Altersgruppen. Indes macht es für Parteistrategen wenig Sinn, allein auf die Alten unter den Wählern zu setzen, denn die Alten, sie sterben weg, und mit ihnen die Stammwählerbasis der Unionsparteien. Und weil junge Wähler (vermutlich mangels Lebenserfahrung) eher links wählen als CDU oder CSU und unter den Altersgruppen der 36 bis 65jährigen erhebliche Abwanderungstendenzen vorhanden sind, deshalb reduziert sich der Pool, aus dem die CDU oder die CSU Wähler rekrutieren kann, ebenso wie der Anteil der fixen Wähler in der Wahlbilanz.

Die CDU (und die CSU), sie ist zum Auslaufmodell geworden, vornehmlich, wie unsere Daten zeigen, weil sie den Wählern, die sich ideologisch in der Mitte oder etwas rechts der Mitte angesiedelt haben, zu weit nach links gewandert ist.

Was wir für CDU und CSU geschrieben haben, ließe sich, mit einem anderen Schwerpunkt auch für die Partei schreiben, die immer noch von sich behauptet, sie würde die Interessen von Arbeitern vertreten (wohl vor allem dann, wenn sie Posten für Frauen in Aufsichtsräten fordert). Der Niedergang oder Untergang der SPD, er wird uns ein anderes Mal beschäftigen.

Daten uns Auswertungen der Befragungen, die wir auf SurveyNET durchführen, können gegen eine Gebühr bei uns angefordert werden.

 

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