Gehen CDU und CSU unter oder nieder?

Wir haben in der letzten Zeit eine Reihe von Beiträgen veröffentlicht, in denen wir im Wesentlichen argumentiert haben, dass der derzeitige Höhenflug der AfD nicht (nur) das Ergebnis der Flüchtlingsdebatte ist, wie das manche aus den etablierten Parteien gerne sehen wollen. Die Gewinne bei der AfD sind vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Partei eine Sammelbewegung für die mit dem Berliner Parteiengeklüngel Unzufriedenen in Deutschland geworden ist. Entsprechend lässt sich die AfD nicht auf das reduzieren, was die Grünen in ihren ersten Jahren waren und was man in der Politikwissenschaft eine „one-issue-Party“ nennt.

Wer sich im Einzelnen für unsere Argumentation interessiert, der kann sie hier und hier nachlesen.

The Partys overEs gibt neben den von uns bereits dargelegten Argumenten eine Reihe von empirischen Indizien dafür, dass das Berliner Parteiensystem seinem Ende zu geht, ein Ende, das die SPD und die CDU/CSU als „mehr als 20%-Parteien“ verschwinden sehen wird. Wer sich mit dem italienischen Parteiensystem auskennt, der wird sich an das Verschwinden der Democracia Christiana erinnern, jener Partei, an der von 1946 bis 1992 kaum ein Weg vorbeigeführt hat, wenn es darum ging, eine Regierung zu bilden. Die DC, sie ist sang- und klanglos verschwunden, erst in der Wählergunst und dann als Partei: Sie wurde 1994 aufgelöst.

Politikwissenschaftler sehen dann Zeichen für schweres Wahlwetter für eine Partei, wenn die Basis der Stammwähler bröckelt, d.h. wenn die Wähler, die man bislang als Fixposten in seiner Wählerbilanz verbuchen konnte, weniger werden. Die CDU/CSU sieht sich derzeit mit einer solchen Erosion von Stammwählern konfrontiert: Hochgebildete, Selbständige, Angestellte und Beamte, Wähler, die sich als religiös bezeichnen, sie kehren der CDU und der CSU zunehmend den Rücken und wenden sich der AfD zu – wie unsere Daten belegen.

Diese für die CDU und die CSU existenzbedrohenden Entwicklungen haben wir einmal für die Variable „Alter“ und auf Grundlage der Wahlstatistik des Bundeswahlleiters für die Bundestagswahl 2013 sowie auf Grundlage unserer Daten zu visualisieren versucht.

Die folgende Abbildung zeigt in der oberen Hälfte den Anteil der Wähler von CDU und CSU für bestimmte Altersgruppen. Die ulkige und in Teilen unverständliche Benennung der Altersgruppen in den Daten des Bundeswahlleiters, die sich teilweise zu überschneiden scheinen, bitten wir zu ignorieren. Wahrscheinlich ist derjenige, der für die Eingabe verantwortlich ist, nicht in der Lage, die Benennung der Altersgruppen in der Eingabemaske zu ändern… Die untere Hälfte der Abbildung zeigt die Anteile von Wählern, die bei der Bundestagswahl 2013 CDU oder CSU gewählt haben und nunmehr die AfD wählen wollen.

SN_Fracksausen bei der CDU

Die größten Anteile von Wählern, die  CDU oder CSU in Richtung AfD den Rücken kehren, finden sich in den Altersgruppen von 36 bis 65 Jahren und somit in den Altersgruppen, in denen man die Kernwähler der CDU/CSU suchen wird. CDU und CSU sind seit Anbeginn der Bonner Republik Parteien, die anteilig eher von älteren oder alten Wählern gewählt werden, von Wählern, die mitten im Erwerbsleben stehen oder dem Ende desselben zugehen. Genau in diesen Altersgruppen finden sich die meisten, die der CDU oder der CSU nunmehr den Rücken kehren.

Das ist ein starkes Indiz dafür, dass die CDU/CSU Stammwähler verliert.

Dass Wähler ab 66 Jahre weniger von Abwanderungsgedanken getragen sind als andere Wähler kann man auf die alte Weisheit, „einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr“ zurückführen. Tatsächlich ist der Anteil der Stammwähler, den die CDU oder die CSU unter Pensionären und Rentnern hat, der höchste von allen Altersgruppen. Indes macht es für Parteistrategen wenig Sinn, allein auf die Alten unter den Wählern zu setzen, denn die Alten, sie sterben weg, und mit ihnen die Stammwählerbasis der Unionsparteien. Und weil junge Wähler (vermutlich mangels Lebenserfahrung) eher links wählen als CDU oder CSU und unter den Altersgruppen der 36 bis 65jährigen erhebliche Abwanderungstendenzen vorhanden sind, deshalb reduziert sich der Pool, aus dem die CDU oder die CSU Wähler rekrutieren kann, ebenso wie der Anteil der fixen Wähler in der Wahlbilanz.

Die CDU (und die CSU), sie ist zum Auslaufmodell geworden, vornehmlich, wie unsere Daten zeigen, weil sie den Wählern, die sich ideologisch in der Mitte oder etwas rechts der Mitte angesiedelt haben, zu weit nach links gewandert ist.

Was wir für CDU und CSU geschrieben haben, ließe sich, mit einem anderen Schwerpunkt auch für die Partei schreiben, die immer noch von sich behauptet, sie würde die Interessen von Arbeitern vertreten (wohl vor allem dann, wenn sie Posten für Frauen in Aufsichtsräten fordert). Der Niedergang oder Untergang der SPD, er wird uns ein anderes Mal beschäftigen.

Daten uns Auswertungen der Befragungen, die wir auf SurveyNET durchführen, können gegen eine Gebühr bei uns angefordert werden.

 

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14 Responses to Gehen CDU und CSU unter oder nieder?

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Gehen CDU und CSU unter oder nieder?

  2. corvusalbusberlin sagt:

    „Dass Wähler ab 66 Jahre weniger von Abwanderungsgedanken getragen sind als andere Wähler kann man auf die alte Weisheit, “einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr”

    Das finde ich absolut nicht. Ich ziehe ja nicht von Deutschland in die Ukraine, sondern müsste nur ein bisschen nachdenken, was die Blödmänner seit Jahren treiben.

  3. Pingback: Gehen CDU und CSU unter oder nieder? | HeinTirol's Blog

  4. Die Verteilung der Wechselwähler besagt nichts über die Gesamtzahl der Wechselwähler. Die AfD nimmt der CDU zur Zeit zwar kräftig Wählerstimmen weg, das muss sich aber nicht zwangsläufig so fortsetzen, kann sich sogar wieder umkehren.

    Ich gehe zwar auch davon aus, dass die etablierten Parteien dauerhaft kräftig verlieren werden. Ich stelle aber nicht auf die aktuellen Wählerbewegungen ab, sondern auf die strukturellen Gegebenheiten.

    Erstens stehen die negativen Auswirkungen der desaströsen Politik der letzten Jahrzehnte noch aus. Zweitens erodiert die Mittelschicht, was von Seiten der Politik und Medien gar nicht wahrgenommen wird. Die Arbeitsmarktzahlen sind zwar auf dem ersten Blick gut. Aber der zweite Blick verrät schon, dass viele Arbeitsplätze nur bestehen, weil der Staat in irgendeiner Form diese begünstigt. Diese Erosion der Mittelschicht wird mit der nächsten Stufe der Robotisierung noch einmal kräftig zunehmen.

    Aus der Mittelschicht speisen sich jedoch die etablierten Parteien. Aufgrund der starken Umwälzungen bräuchte die Politik Spitzenpersonal. Sie haben aber nur mäßiges und tendenziell korruptes Personal. Die AfD kann als ApO-Partei noch davon profitieren. Sollte sie allerdings Regierungsverantwortung erhalten, dann würde sich diese Schwäche ebenfalls offenbaren. Von Pleitiers, abgedrehten Spinnern und Extremisten ist keine gute Regierungsarbeit zu erwarten.

    Die wirklich guten Leute haben sich 2015 aus den gleichen Gründen aus der aktiven Politik verabschiedet, wie sich die wirklich guten Leute aus den etablierten Parteien verabschiedet haben. Es setzen sich in Parteien vorrangig Blender, Egomanen, Opportunisten und rücksichtslose Psychopathen erfolgreich durch.

    Lucke, Starbatty oder Henkel standen exemplarisch für die fachlich guten Leute. Außer Meuthen sind aus der Liga keine Leute übrig geblieben.

    Der Neugründung ALFA fehlt hingegen der Unterbau und die „Straße“. Die Spaltung hat der AfD strukturell und dauerhaft geschadet. Die Abspaltung hat hingegen ihre Anziehungskraft, aber auch ihre eigenen politischen Fähigkeiten überschätzt und die Bedeutung der „Straßenbewegung“, aber auch die politischen Fähigkeiten der innerparteilichen Gegner unterschätzt.

    Hätte sich die AfD von den Extremen wie Höcke oder Poggenburg getrennt und sich zusammen gerauft, dann wären die Wählerbewegungen bei den nächsten Landtagswahlen ganz anderer Quantität, aber auch Qualität. ( Mal ehrlich, wer will denn eine Pleite-Petry, einen abgedrehten Höcke, einen Pleite-Pretzell oder einen Pleite- und Extremisten-Poggenburg als sein offizielles Aushängeschild ( ggf. sogar als offizieller Repräsentant ) sehen ?! Wohl die allerwenigsten.).

    • Wieviele Vorbestrafte gibt es denn in den etablierten Parteien? Da gibt’s auch hübsche Listen im Internet. Scheint so, als würde das die Wähler nur wenig interessieren.

      Wenn man mal nach „Vorbestrafte Politiker“ sucht, wird man sich wundern. Untreue, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Kinderpornographie, Drogen, fahrlässige Tötung, Falschaussage, Unterstützung krimineller Vereinigungen, Verrat von Dienstgeheimnissen, Titelmißbrauch, versuchter Mord, Bestechung und Bestechlichkeit … das ist kein Alleinstellungsmerkmal von AfD-Politikern. Das gibt’s in jeder Partei. Viele davon sind „White-Collar-Crimes“, die ja nicht so skandalträchtig sind. Und das ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs.

      Über die Verbindungen der Mafia mit deutschen Politikern ist auch schon viel geschrieben worden – auch von den Leitmedien. Da fällt dann auch mal der Name von Günter Öttinger und anderen, durchaus hochrangigen Politikern. Groß ermittelt wird da eher selten.

  5. corvusalbusberlin sagt:

    @ lawgunsandfreedoom – „Da fällt dann auch mal der Name von Günter Öttinger und anderen, durchaus hochrangigenPolitikern.“

    Ha – ha – ha – ha !!!!!

    Was wollen Sie? Bei der Mafia sind Günter Öttinger und seine „christlichen Genossen“ doch gut aufgehoben. Bleibt doch alles in der Familie! Öttinger…..

    Sie hätten also auch auf den Verwandtschaftsgrad zwischen Mafia und Vatikan hinweisen sollen.
    Ein großer Teil ist ja noch immer blauäugig, was diesen Verein angeht.

    Sogar Gauck der Gauckler fährt in regelmäßigen Abständen zum Papst, um ihm den Ring zu küssen. Wissen Sie, was der da treibt? aber er bezahlt ja Steuern dafür.

    Ich meine damit nicht die Kirchensteuer, sondern die Steuern, die von jedem erhoben werden, um diese Bischöfe auszubilden und Ihre Gehälter zu zahlen.
    Wussten Sie das? Nee? Dann machen Sie sich mal klug!

    Lesen Sie mal dazu das Buch “ Im Namen Gottes.“ ja, und“ Vatikan AG „wäre auch interessant.
    Auf welchem Planeten leben Sie ?

    Die beiden Spitzen-Verbrechervereine hatten denselben Finanzberater , der die goldenen Kügelchen hin und herschob. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert wenn auch die Personen gewechselt haben – trotz Franziskus.

    Vatikan bleibt Vatikan!

    Machen Sie sich also nicht lächerlich mit der Mafia!

    Ich z. B. würde die Mafia der katholischen Kirche vorziehen. Da weiß ich, wo dran ich bin.

    Traumtänzer!

    • Natürlich sind mir die angesprochenen Themen bestens bekannt. Es ging in der Antwort auf einen anderen Kommentator primär um das Thema vorbestrafte Politiker. Ich verstehe daher Ihren verbalen Ausbruch bezüglich meiner Person nicht.

      • corvusalbusberlin sagt:

        @lawgunsandfreedom Aber Sie haben die Mafia ins Spiel gebracht – und Mafia und katholische Kirche/Vatikan stehen bei mir auf der gleichen Stufe.
        Aber genau alles, was Sie den vorbestraften Politikern anlasten und mit recht, gilt ebenso für den Vatikan. Das hat mich wütend gemacht. Ich habe nur eine Verbindung geschaffen.
        Gegen Sie habe ich gar nichts. Wie könnte ich?

        • Nun ja, ich hatte z.B. das Wort „Traumtänzer“, aus dem Kontext des Textes heraus, auf mich bezogen. Das hat mich ziemlich irritiert. Das alte Problem mit Kommunikation jeder Art.

          • corvusalbusberlin sagt:

            „Traumtänzer „habe ich schon ein wenig auf Sie bezogen, weil ich annahm, dass Ihnen die schwesterliche und brüderliche Verbindung von Mafia und katholischer Kirche doch nicht so „geläufig “ war.
            Da gibt es mehr Menschen,als man glaubt, die bis heute sehr blauäugig sind.

            Selbst eine aktive politische CDU Mitarbeiterin war über die „Steuerabkassierung für die Kirche – bei der evgl. Kirche ist es ebenso – nicht informiert.

            Aber darum hatte ich „nichts gegen Sie als Person.“
            Wer kann sich erlauben, gegen einen anderen Menschen „etwas zu haben?“
            Ich hätte vielleicht ein ? setzen sollen.
            Meine emotionale Reaktion bitte ich darum zu entschuldigen.

  6. FDominicus sagt:

    Nieder hoffentlich und anscheinend schon; unter, das bezweifele ich.

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