Meinungsterror und gesteuerte Medien? Umfrage: Deutsche haben Angst, ihre Meinung zu sagen

In unserer Befragung zu Parteien, Demokratie und Freiheitsrechten, die wir derzeit online haben, erfragen wir u.a. die Einschätzung von Freiheitsrechten. Treffen die folgenden Aussagen voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht zu, so fragen wir u.a. für die Aussagen,

  • dass Deutschland freie und unabhängige Medien hat;
  • dass man in Deutschland ohne Angst in der Öffentlichkeit seine Meinung kundtun kann;
  • dass man in Deutschland vor Gericht gleichbehandelt wird;
  • dass in Deutschland die Erziehungsrechte von Eltern respektiert werden.

Die Ergebnisse, die wir hier als Zwischenstand nach 600 Befragten präsentieren, sind ernüchternd um nicht zu sagen: erschreckend. Die Mehrzahl unserer Befragten ist der Ansicht,

  • dass es in Deutschland keine freien und unabhängigen Medien gibt,
  • dass man in Deutschland nicht ohne Angst in der Öffentlichkeit seine Meinung äußern kann;
  • dass man in Deutschland vor Gericht nicht gleichbehandelt wird;
  • dass in Deutschland das Erziehungsrecht der Eltern nicht respektiert wird;

Die entsprechenden Einschätzungen sind nicht etwa etwas häufiger, sie sind viel häufiger als die Einschätzungen, die man in einer Demokratie als Einschätzungen der Mehrheit erwarten würde. Die folgenden beiden Abbildungen machen dies sehr deutlich.

SN_Freiheitsrechte_1

Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist also der Ansicht, dass es in Deutschland, rudimentäre Freiheitsrechte, die in Demokratien gewährleistet sein müssen, damit sich die entsprechenden Regierungssysteme auch Demokratie nennen können, nicht gewährleistet sind. Folglich muss man konstatieren, dass die deutsche Demokratie zumindest in einer Glaubwürdigkeitskrise steckt, so richtig, glaubt niemand mehr, dass Deutschland durch ein demokratisches Regierungssystem ausgezeichnet ist.

Dies wird auch deutlich, wenn man analysiert, wer insbesondere der Ansicht ist, dass die entsprechenden Freiheitsrechte nicht gewährleistet sind. Wir stellen dies für diejenigen dar, die der Meinung sind, man könne in Deutschland nicht öffentlich seine Meinung sagen, ohne Angst zu haben.

Die entsprechende Einschätzung findet sich häufiger unter:

  • Wählern von SPD, AfD, FDP und Bündnis90/Grüne;
  • unter Personen, die ihre politische Orientierung mit rechts der Mitte angeben oder sich in der politischen Mitte verorten;

Und das war es im Wesentlichen, denn die Angst, sie zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten: In welcher sozialen Schicht sich die Befragten verorten, macht keinen Unterschied. Wie alt sie sind, macht keinen Unterschied. Wie hoch ihr Einkommen ist, macht keinen Unterschied. Welchen Bildungsabschluss ein Befragter erreicht hat, macht keinen Unterschied.

Angst Munch.jpgDie Angst, in der Öffentlichkeit eine Meinung zu äußern, sie geht durch nahezu alle politischen Lager (auch wenn sie ab der Mitte des politischen Spektrums nach rechts zunimmt), sie durchzieht alle Bevölkerungsschichten, scheint allgegenwärtig zu sein.

Und dies, obwohl es in Deutschland angeblich keine Repressionen dafür gibt, seine Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern. Angeblich ist hier wohl das operative Wort, wenngleich sich natürlich die Frage stellt, ob die Einschätzung auf der Befürchtung von Konsequenzen oder der Erfahrung von Konsequenzen basiert. Unabhängig davon kann man jedoch feststellen, dass bei allen, denen die Demokratie in Deutschland am Herzen liegt, die Alarmglocken läuten müssten, denn wenn die Meinungsfreiheit verloren ist oder aus Angst nicht mehr genutzt wird, ob diese Angst nun begründet ist oder nicht, dann ist die Demokratie tot.

In jedem Fall ist eine in der Bevölkerung verbreitete Angst, die eigene Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern, ein Zeichen für einen massiven Vertrauensverlust gegenüber den demokratischen Institutionen in Deutschland, von denen offensichtlich nicht erwartet wird, dass sie die Möglichkeit garantieren, die eigene Meinung ohne Konsequenzen und letztlich angstfrei in der Öffentlichkeit auszusprechen. Auch ein solcher Vertrauensverlust hat ein Verenden demokratischer Institutionen und damit den Tod der Demokratie zur Folge. Denn in einer Gesellschaft, in der Grundvertrauen nicht vorhanden ist, einer Gesellschaft, in der aus Angst niemand mehr mit dem anderen spricht, findet kein öffentlicher Diskurs statt und deshalb kann auch keine Konsensbildung stattfinden.

Bleibt abschließend noch die Frage: Warum ist die Angst vor den Konsequenzen einer öffentlichen Meinungsäußerung in Deutschland so verbreitet? Aus sozialpsychologischer Sicht wird man diese Angst wohl als Ergebnis der Jagd auf die Meinungsfreiheit bewerten, jene Jagd, die unter dem Stichwort „Hasskommentare“ geführt wird und mit der besonders Korrekte die Meinungsfreiheit korrekt erdrosseln und dabei sind, sie zu beseitigen.

Die Befragung zu Parteien, Demokratie und Freiheitsrechten läuft weiterhin. Wer sich noch nicht beteiligt hat, der möge dies bitte hier nachholen.

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21 Responses to Meinungsterror und gesteuerte Medien? Umfrage: Deutsche haben Angst, ihre Meinung zu sagen

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  2. Hosenmatz sagt:

    Und damit der „mündige Bürger“ schon gar nicht in Versuchung kommt, sich eine unliebsame Meinung zu bilden, werden diese von der Meinungsbildung ausgeschlossen.

    http://www.metropolico.org/2016/01/19/afd-aus-elefantenrunde-ausgeschlossen/

    Während die Bürger Angst davor haben, ihre Meinung zu äußern, haben die etablierten Parteien Angst davor, dass, ihren Idealen entgegen stehende, Meinungen überhaupt geäußert werden.

  3. naja sagt:

    Jeder darf seine freie Meinung äußern und danach Harz 4 beantragen. Naja es sei den man ist AFD Politiker. Dann sollte Ersatzwagen zu verfügung stehen falls die Antifa-Demokraten mal mit Feuer Spielen. Als Afd Mitglied sollte man auch auf Eigenheim verzichten. Staatlich unterstützte Antifanten machen auch „Hausbesuche“.

  4. Warum ist die Angst vor den Konsequenzen einer öffentlichen Meinungsäußerung in Deutschland so verbreitet?

    Nun, diese Frage läßt jetzt eine Bildungslücke vermuten. Und, diskutieren können wir das natürlich nicht.

    Carsten

    »Als ich 5 Jahre alt war, sagte meine Mutter immer zu mir, daß Fröhlichkeit das Wichtigste im Leben sei. Als ich in die Schule kam, wurde ich gefragt, was ich sein will, wenn ich groß bin. Ich schrieb: ›fröhlich‹. Sie sagten mir, ich hätte die Aufgabe nicht verstanden. Und ich sagte ihnen, sie hätten das Leben nicht verstanden.«
    John Lennon

  5. Else sagt:

    Nö, hab ich nicht! Wer will mir denn was? Die dicke Stasi-Kuh, der BND, das BKA?
    Und ich scheiß auch auf die Dumpfbacken von der Antifa, die merken ja noch nicht einmal für was sie terror machen. Selbst die rechten Holzköpf jucken mich nicht
    Aber was mir Angst macht, ist wenn Mitbürger im Anzug anfangen jüdische Mitbürger in der Kneipe anpöbeln, weil ich dann schlimme Gedanke kriege und so doofe Arschlöcher…..
    Egal, wir lassen uns ausspielen, merkt das keiner? Seid ihr so blind?

  6. magi sagt:

    Ich bin ja net auf de worschtsupp hergeritte. Wer sich zu frei artikuliert, ist schnell seine Existenz los. Auf Facebook like ich nicht mal die CSU, zu gefährlich. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nachtrag_zum_minister_mit_dem_festen_klassenstandpunkt_heiko_maas

  7. Henk sagt:

    Vielen Dank für die Arbeit mit der Umfrage, Herr Klein. Die Ergebnisse hätte ich in etwa so erwartet, aber es ist gut, sie nun auch belegt zu wissen.

    • Danke für den netten Kommentar, aber ich bin hier nicht alleine tätig, ohne Dr. habil. Heike Diefenbach wären ScienceFiles und Befragungen, wie die, auf die Sie sich beziehen, nicht möglich, und daher gebe ich Ihren Dank gerne weiter.

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  11. FDominicus sagt:

    Nun äußern kann man sich schon, wenn man die Konsequenzen (v)erträgt. Das es viele nicht mehr so sehen, könnte durchaus an der Verpolitisierung aller Lebensbereiche liegen. Leider ergibt sich das nicht aus der Umfrage ist daher nur eine Vermutung und mit sehr großer Vorsicht zu genießen.

  12. Chris sagt:

    Guten Tag! Tatsächlich habe ich persönlich beigebracht bekommen, meinen Kopf immer in Deckung zu halten und ja nicht öffentlich irgendwelche Äusserungen zu tätigen, die nicht im Umfang des massenmedial geduldeten Meinungsfeldes liegen. Weder hänge ich nationalen noch sozialistischen, sondern humanistischen Zielen nach. Dies auf einem der Thematik angemessenen Level in der Öffentlichkeit zu äussern, ist in der Tat eine gute Möglichkeit, sich unbeliebt zu machen.

  13. BeFree sagt:

    Kann es sein, dass die Ergebnisse anders ausgefallen wären, wenn die Umfrage sich nicht an die Leserschaft von sciencefiles gerichtet hätte, sondern an BILD-ungsferne, FAZ-Verschworene, SZ-Glaubensordensbrüder, SPON-tanmüllkonsumenten oder ganz zu schweigen von den vorratsradikalisierten taz-Isten? Reichen da 600, um repräsentativ zu sein?

    Wenn ja, dann sollte sciencefiles diese erschütternden Einschätzungen einmal dem sich ja immer so redlich und demokratophil gebenden Norbert Lammert (BTP) als Denkaufgabe zur Zukunft unserer Demokratie zukommen lassen.

    Es Merkel, Kauder, Gabriel & Co. zu schicken wäre ohnehin vergebliche Liebesmüh, denn sie sind ja selbst die vorsätzlichen Demokratie-, Rechtsstaatszerstörer und Meinungsdiktatoren der PolCor.
    Sie würden es ebenso in die Tonne treten, wie es die amtierend dilentierende und in ausschließlich sog. schutzsuchende Männer(80%) vernarrte Kanzlerin mit den 3 Mio Unterschriften gegen TTIP gemacht hat mitsamt dem Flüchtlingsbus aus Bayern.

    Früher, im Feudalismus, nannten die Herrscher ihr Volk gerne gönnerhaft Landeskinder. Die Herrscher des heutigen noch BRD genannten NEO-Feudalismus im Jahre 11 unter der Merkelglucke haben ihre eigenen Landeskinder bereits abgeschrieben und bebrüten nur noch immigressorische und vermeintlich bequemer handhabbare, analphabetische Kuckuckskinder, von denen sie mit den o.g. Fragen bestimmt nie belästigt werden. Weshalb sie sich eben dieser enormen Beliebtheit erfreuen.

  14. Pingback: Parteien, Demokratie und Freiheitsrechten – topperspective

  15. Mariele sagt:

    Natürlich haben die Menschen Angst, denn JEDER, der z.B. etwas gegen Flüchtlinge/ILLEGAL durch Frau Merkel durch Rechtsbruch Hereingelassene sagt, ist plötzlich ein Nazi oder Rassist.
    Neger darf man nicht mehr sagen oder Eskimo aber Rassist und Nazi zu Deutschen schon und Herr Gabriel tituliert Deutsche PACK.

    DER Rechtsstaat wurde außer Kraft gesetzt durch die aktuelle Regierung und es gibt Europaweit KEIN einziges Kontrollorgan, das die wiederholte kriminelle Rechtsbeugung zur Anklage bringt – also Diktatur pur und da fragen Sie ob die Menschen Angst haben ihre Meinung zu äußern?!

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  17. Fontanefan sagt:

    Wieso hat eine Meinungsumfrage zu dem Ergebnis geführt, dass „die Deutschen“ mehrheitlich Angst haben, ihre Meinung zu sagen? Und was sollte man aus diesem Ergebnis folgern? (http://fontanefan.blogspot.de/2016/02/fragen-und-antworten.html)

  18. Pingback: Perfide Frage | Apanat - Notizen zur Meinungsbildung

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