Den Demokraten den Rücken kehren: Wie geht’s der „#Walkaway“-Kampagne?

Dr. habil. Heike Diefenbach

Im September 2019 hatten wir über die U.S.-amerikanische „#Walkaway Campaign“ berichtet, eine „grassroots“-Bewegung von Menschen, die sich politisch oder ideologisch als Linksliberale oder Linke verstehen oder in der Vergangenheit verstanden haben und bei der Demokratischen Partei aufgehoben gefühlt haben, aber nunmehr der Demokratischen Partei den Rücken kehren und öffentlich, d.h. auf verschiedenen sozialen Medien, insbesondere YouTube, erklären, dass sie es tun und warum sie es tun.

Wir hatten auch berichtet, dass diese Kampagne am 29 Juni 2018, anläßlich der U.S.-amerikanischen Kongresswahl, von Brandon Straka gegründet wurde, der auf YouTube ein Video einstellte, in dem er seinen eigenen Abschied von der Demokratischen Partei erklärte, weil er sich von dieser Partei nicht mehr repräsentiert fühle, und Menschen, die ebenso fühlen, dazu aufrief, es ihm gleichzutun.

Nun, da die U.S.-amerikanische Präsidentschaftswahl ansteht, mag sich dem einen oder anderen die Frage stellen, was aus der Kampagne geworden ist. Immerhin ist nicht zu erwarten, dass die mainstream-Medien in Deutschland, die nicht müde werden, über die anstehende Wahl in den USA zu spekulieren und Stimmung gegen den Präsidenten Donald Trump zu machen, als ob die U.S.-amerikanische Präsidentschaftswahl in Deutschland entschieden würde, über die „#Walkaway“-Kampagne berichten würden, wenn es sie noch gäbe.



Und tatsächlich: es gibt die Kampagne noch. Und sie ist das, was man im Englischen „alive and kicking“ nennt, wenn man nicht nur auf Gesundheit einer Person oder einer Unternehmung, sondern auch auf ein hohes Energie- oder Aktivitätsniveau bei derselben verweisen will.

Vor fast einem Jahr, am 18. August, hat der Begründer der Kampagne, Brendon Straka, den neu geschaffenen „Game Changer Award“ der American Freedom Alliance erhalten für „seinen Mut, und seine innovative und kreative Begründung und Leitung des hashtags #walkaway movement“.

Im Januar diesen Jahres hat die „#walkaway“-Kampagne eine Demonstration für den 3. Oktober 2020 unter dem Titel „The #Unsilent Majority March von Washington“ geplant und angekündigt.

Hierzu sagte der Begründer von #Walkaway“, Brandon Straka:

“In addition to encouraging liberals to recognize the lies and manipulations from the liberal media and the Democrat Party, WalkAway has also had a primary mission to shatter the concept of the silent majority. Identity politics, authoritarian political correctness, liberal media falsehoods, and leftists indoctrination in our culture have been allowed to thrive because of the silence of common sense Americans”

Was der Marsch der „nicht-stillen Mehrheit“ also zeigen soll, ist dass es eine Mehrheit von Menschen gibt, die die Identitätspolitik, politische Korrektheit, „fake news“ der Medien und Indoktrination mit „linkem“ Gedankengut ablehnt, aber bislang als Mehrheit weitgehend unsichtbar geblieben ist, während sich eine Minderheit von politisch korrekten oder links-identitären Personen oder linken Gruppen verschiedener Art regelmäßig in Szene setzt, worüber die mainstream-Medien dann ausführlich und gewöhnlich positiv berichten. Auf diese Weise wird suggeriert, es handle sich bei diesen Gruppen und ihren Anhängern um eine Mehrheit bzw. den mainstream. Dagegen will die „#Walkaway“-Kampagne durch ihre Demonstration im Oktober ein Signal setzen.

Für Deutschland wäre ein solches Signal zweifellos ebenfalls sehr wichtig, aber es scheint – zumindest bislang – dass in Deutschland mehr Menschen bereit sind, gegen Einschränkungen im Zuge des Kampfes gegen Covid-19 zu demonstrieren als gegen die totalitären Tendenzen, denen Deutschland zunehmend zu erliegen droht, wie an der zunehmenden Unterdrückung bestimmter Meinungen, z.B. durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, am inzwischen öffentlich gefeierten Denunziantentum u.v.a.m. erkennbar wird.



Wie gesagt wurde der „#UnsilentMajority‘-Marsch schon im Januar 2020 geplant. Angesichts des Vandalismus, der Brandstiftungen, der Plünderungen und der Morde im Zuge der sogenannten „Black Lives Matter“-Demonstrationen in der zweiten Hälfte des Juli 2020, die von Mitgliedern der Demokratischen Partei der USA und sogar von ihrem Präsidentschaftskandidaten Joe Biden verharmlost, geduldet und sogar legitimiert wurden und werden, und der Forderung nach Reduktion oder Abschaffung der Polizei, für die sich Mitglieder der Demokratischen Partei ebenfalls ausgesprochen haben und die sie teilweise in ihren Zuständigkeitsbereichen schon umgesetzt haben – mit entsprechenden Folgen wie z.B. der massiven Steigerung der Häufigkeit von Schießereien und Morden im Vergleich zum Vorjahr ebenso wie im Vergleich zum Vorquartal und zum Vormonat in Chicago – würde man erwarten, dass „#Walkaway“ weitere Aktivitäten entfaltet hat.

Diese Erwartung wird nicht enttäuscht: Vor zwei Tagen, d.h. am vergangenen Sonntag, hat „#Walkaway“ die zweite einer Reihe von Kundgebungen zur „Rettung Amerikas“ („Rescue America Rally“) in Sacramento abgehalten. Weitere Kundgebungen sollen folgen, u.a. in Los Angeles, Miami und Atlanta. Die erste der „Rescue America“-Rallies war am 25. Juli 2020 in Balitmore abgehalten worden

Zu dieser Kundgebung haben sich anscheinend nur etwa 100 Menschen eingefunden, was vermutlich damit zu tun hat, dass die Kundgebung sehr kurzfristig angekündigt war, dass man sich zur Teilnahme an der Kundgebung zuvor registrieren lassen musste und dass es in Baltimore einigermaßen unsicher ist und war, sich auf der Straße zu versammeln, sofern man nicht „Black Lives Matter“ zu repräsentieren vorgibt, sondern sich – im Gegenteil, wie die „Rescue America“-Kundgebung – gegen „Black Lives Matter“ wendet.

Was die Teilnehmerzahl an der Kundgebung in Baltimore jedenfalls nicht widerspiegelt, ist der enorme Zulauf, den die „#Walkaway“-Kampagne in den vergangenen Wochen hatte. Im Zeitraum von 60 Tagen, so berichtet Brendon Straka, haben 85.000 Menschen den Demokraten den Rücken gekehrt und sich der „#Walkaway“-Kampagne angeschlossen.

Wie wir bereits im ersten Bericht über die “#Walkaway”-Kampagne berichtet hatten, muss jeder, der den Demokraten den Rücken kehrt und sich der Kampagne anschließt, ein Video drehen, in dem er sich kurz vorstellt und seine Entscheidung begründet. Die Mehrheit der Videos der 85.000 Neuzugänge ist noch nicht eingestellt, so dass man sich über die Gründe, die diese Neuzugänge bewegt haben, noch kein Bild machen kann (selbst dann, wenn man die Zeit aufbringen könnte und wollte, 85.000, sagen wir: im Durchschnitt zehn Minuten lange Videos anzusehen).

Einige der entsprechenden Videos aus den vergangenen Wochen habe ich aber angesehen, und ich habe dabei festgestellt, dass anscheinend die Ereignisse im Zusammenhang mit „Black Lives Matter“ nicht die Rolle bei der Entscheidung, den Demokraten den Rücken zukehren, gespielt haben, die ich vermutet habe. In den Videos, die ich angesehen habe, werden unterschiedliche Gründe vorgebracht, aber sie alle sind tiefergehende Gründe als die Ereignisse im Zusammenhang mit „Black Lives Matter“.

Das mag umso erstaunlicher sein als es in diesen Videos ausnahmslos junge Menschen (verschiedener Hautfarben bzw. ethnischer Hintergründe) sind, die ihr „walking away“ begründen. Das Hauptmotiv, das in diesen Interviews erkennbar wird, ist schlicht zunehmende Bildung, Offenheit oder Lebenserfahrung, die dazu geführt hat, dass die einfache Formel, nach der Demokraten „für die Menschen“ sind, die „Guten“ sind, und die Republikaner die „Bösen“ sind, die ihnen in der Schule und in den mainstream-Medien vermittelt wurde, aufgebrochen wurde. Es ist auffällig, dass in fast allen Videos dieser jungen Leute von „indoctrination“, von „brainwashing“ und von „misinformation“ in der Schule gesprochen wird. Auffällig ist auch, dass in den Videos dieser jungen Menschen tendenziell „linke“ bzw. von der politischen „Linken“ okkupierte Werte und Ziele vorkommen wie Nachhaltigkeit, Wohlstand für alle Menschen auf der Welt und Tierschutz, die diese jungen Menschen aber durch die politische „Rechte“ und eben nicht durch die politische „Linke“ verwirklicht sehen oder für verwirklichbar halten. Und schließlich ist bemerkenswert, dass in diesen Videos (und vielen anderen, die ich aktuell und schon vor zwei Jahren angesehen habe,) eine Irritation angesichts der überzogen hasserfüllten Reaktionen von „Linken“ auf Andersmeinende erkennbar ist, die auf einen der jungen Männer, dessen Video unten verlinkt ist, schlicht „unhinged“ wirkt, was man in diesem Zusammenhang vielleicht am besten mit „durchgeknallt“ ins Deutsche übersetzt.

Eine schwarze, junge Frau sagt von sich „I’m a free thinker now“, nachdem sie das „brainwashing“ und die Indoktrination in der Schule überwunden hat und anläßlich ihres Studiums der Ökonomie festgestellt hat, dass viele der Vorstellungen von Wirtschaftspolitik der Demokraten „honestly didn’t make all that much sense“. Sie hat entdeckt, dass die Demokraten „literally like they’re all communists and marxists …“, sie selbst sieht den Kapitalismus aber als „the best way to, like, for world prosperity, like, it’s the best system that’s been created“. Sie ist auf „so much hate“ auf seiten von Anhängern der Demokraten gestoßen, seit sie angefangen hat, einige Aspekte republikanischer Politik auch nur zu erwägen.

In einer Begründung einer weißen, jungen Frau wird ebenfalls deutlich, dass sie sich durch ihre Schulbildung manipuliert fühlt, dass sie „misinformation and lack of education … in the political arena“ hatte. Erst auf dem College wurde ihr „the importance of research“ mit Bezug auf das, was man selbst glaubt und was andere glauben, klar. In diesem Interview wird auch deutlich, wie wichtig das Gespräch mit Personen ist, die eine andere politische Orientierung oder Weltanschauung haben: sie berichtet, dass ihr erst klar wurde, dass Republikaner bzw. Unterstützer von Donald Trump keine Rassisten, Sexisten etc. seien, als sie angefangen hat, mit ihnen zu sprechen. Sie berichtet, dass sie erst im Gespräch mit ihnen oder durch eigene Recherchen von Politiken erfuhr, die ihr wichtig waren und die Trump durchgesetzt hatte, wie die rechtliche Einstufung von Grausamkeit gegen Tiere als Verbrechen, und bemerkt, dass sie von all dem niemals etwas in den mainstream-Medien gehört hat, und nennt damit einen weiteren Aspekt der Manipulation.

Ebenso berichtet ein junger, weißer Mann, dass ihm klar wurde, dass „the entire narrative that I heard through all my life was only one half of the story“. Auch er berichtet, immer nur gehört zu haben, dass Republikaner “racist, sexist war mongers“ seien, „who did not care about the poor and the Democrats cared about minorities”. Er hat sich seinem Großvater gegenüber als “socialist” identifiziert, der daran Anstoß genommen hat und viel mit ihm diskutiert hat, aber damals, so berichtet der junge Mann, hatte er „only a lot of emotion. And I remember getting so angry that I stormed out and for weeks my grandparents were afraid to mention politics around me, and I remember I felt incredibly ugly … When Donald Trump won the 2016 election I wasn’t a Trump supporter, but I remember feeling secretly amused watching a lot of my vicious left-wing friends become unhinged …”. Er hat anschließend viel gelesen – er nennt u.a. Ben Shapiro, Milton Friedman und Thomas Sowell –, „… anything I could get my hands on because I wanted to understand it better, mostly for the purpose of arguing against it better“. Aber er fand, dass “.. actually a lot of it started to make sense to me …”, dass es diesen Autoren darum gegangen sei, Antworten auf die Frage zu geben, wie eine Gesellschaft, ihre Politik, ihre Wirtschaft etc., nachhaltig gestaltet werden könne. Bei den Demokraten fand er lediglich „unsustainable policies“, wie z.B. die Besteuerung von Unternehmen mit 90 Prozent, die Erhöhung des Mindestlohns u.ä.m. Nachhaltigkeit, so der junge Mann, kann nur durch vernünftiges Handeln erreicht werden – „we need a voice of reason“ –, und er bezieht sich dabei auch auf die derzeitige weltpolitische Lage.

Ein anderer junger, weißer Mann neigte sich in seiner Schulzeit den Demokraten zu, weil er „anti-government“ eingestellt gewesen sei und er dachte, und er wundert sich an dieser Stelle deutlich erkennbar über sich selbst (0:22-0:24) – „… that for some reason the Democratic party was the anti-government party and I guess I never did enough political research to understand that it’s actually the political right that wants to impose smaller government“. Bis zur Wahl Obamas hielt er an den Demokraten fest, weil er glaubte, sie wollten die „coporate kleptocracy“ zerbrechen, aber als er sah, dass Obama sich in den Dienst derselben stellte, „.. you can bet I lost a little bit of faith in the political left“. Was ihn in der letzten Zeit bewegt, ist die Inszenierung von „hate speech“ und „micro aggressions“, und ihn stört, dass dabei völlig vergessen wird, dass „people … have personal responsibility“, dass es an ihnen selbst ist, zu entscheiden, ob sie sich von etwas angegriffen oder beleidigt fühlen (wollen) oder nicht. Außerdem hält er nichts davon, Meinungen zu unterdrücken bzw. unhörbar machen zu wollen, wenn man genauso gut ein vernünftiges Argument gegen jemanden vorbringen kann, der „hate speech“ verbreitet. „These days, the left doesn’t seem to stand for what I used to think the left have stood for. And being the flagrantly anti-government person that I’ve always been, I rediscovered the power of the political right”.

Am meisten hat mich das Video eines jungen Mannes beeindruckt, der mit seinen Eltern aus Hong Kong nach America gekommen ist und der angesichts dessen einen großen Wissens- und Erfahrungsvorsprung gegenüber dem durchschnittlichen Amerikaner darüber hat, was Kommunismus in der Realität bedeutet. Vor diesem Hintergrund hat er keinerlei Verständnis für „fake promises“ oder Verharmlosungen der Zerstörung und der Morde in Seattle als „just give me a break, summer of love“. Er ist offensichtlich fast verzweifelt darüber, dass es in Amerika Leute geben kann, die meinen, Kommunismus oder Sozialismus seien erstrebenswert. Für ihn hat das eine besondere Tragik: „I did not come here for more communism“. Er empfiehlt jedem, sich über die chinesische Kulturrevolution kundig zu machen. Die Kenntnis von ihr sollte hinreichend deutlich machen, was Kommunismus in der Realität bedeutet.

Gerade dieses Video sieht man am besten selbst in seiner ganzen Länge an.



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