Ambushologie: Verbaler Hinterhalt als pseudo-wissenschaftliche Disziplin

In letzter Zeit lesen wir immer wieder von der offenen Gesellschaft. Von der offenen Gesellschaft kann man eigentlich nicht reden, ohne Karl Raimund Popper mitzudenken. Insofern ist es mehr als ironisch, wenn ausgerechnet Linke von der offenen Gesellschaft sprechen zu können meinen.

Aber dazu kommen wir in einem anderen Post.

Wissenschaft ist eigentlich ein Modell der offenen Gesellschaft. Nun ja, Wissenschaft soll ein Modell für eine offene Gesellschaft sein. Die offene Gesellschaft ist die Norm, die Idealvorstellung, von der man aber dennoch annehmen muss, dass ihr die Wissenschaft am nächsten kommt.

Offene GesellschaftOffene Gesellschaft meint nämlich: Freien Wettbewerb von Ideen und Meinungen. Keine Idee, keine Meinung wird ausgeschlossen, keine Idee, keine Meinung wird privilegiert. Es herrscht Meinungsgleichheit.

Allerdings ist nicht alles Meinung, was als Meinung daherkommt.

Behauptungen, die unbelegt bleiben, sind keine Meinung.

Aussagen, die über das emotionale Befinden des Aussagenden Auskunft geben, sind keine Meinung.

Eine Meinung ist eine Aussage zu einem konkreten Gegenstand, in der etwas empirisch Prüfbares ausgesagt wird.

Wir sind zum Beispiel der Meinung, dass die inflationäre Verwendung des Begriffs „Diskriminierung“ ein Indiz dafür ist, dass viele den Begriff verwenden, aber nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet. An die Stelle der Bedeutung tritt bei Ihnen die Bewertung. Bezichtigen sie andere der Diskriminierung, dann sagen sie damit eigentlich: Diese anderen sind böse. Und zu etwas anderem als dieser Verwendung sind die meisten nicht in der Lage. Schon gar nicht sind sie dazu in der Lage, Diskriminierung in positive und negative Diskriminierung zu unterteilen. Diskriminierung ist nämlich auch positiv, dann nämlich, wenn Straftäter von der nicht-delinquenten Bevölkerung diskriminiert werden, indem man sie in ein Gefängnis steckt. Diskriminierung ist also ein Begriff, der immer vor einer normativen Basis benutzt werden muss, und diese normative Basis ist je nach Zeit und je nach Kontext verschieden. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Diskriminierung nur als negativ ansehen kann, der kann den Begriff nicht verwenden.

Das war eine lange, aber notwendige Ausführung, um deutlich zu machen, dass Meinung nicht das ist, was einem in den Kopf kommt, sondern das, was man begründen und argumentieren kann. Denn Sprache wurde im Wesentlichen dazu ersonnen, Information auszutauschen – eine Funktion, die heute allzu oft in Vergessenheit gerät.

Wissenschaftliche Sprache geht im Vergleich zur Alltagssprache noch einen Schritt weiter: Sprache wird formalisiert, wird mit Spezialbegriffen zur Bezeichnung bestimmter Sachverhalten angefüllt, um die Verständigung, die Diskussion, den wissenschaftlichen Austausch und vor allem den Erkenntnisprozess voranzutreiben. Entsprechend sollte man denken, dass Wissenschaftler oder solche, die sich dafür halten, darauf wertlegen, die Gründe ihrer Meinung darzulegen.

Deshalb kann man ein KO-Kriterium formulieren und feststellen, dass Personen, die Aussagen dennoch treffen, obwohl sie sie nicht begründen können, Personen, die Aussagen treffen, um Dritte zu diffamieren, herabzuwürdigen oder in sonst einer Weise negativ zu diskriminieren, also Personen, mit denen ihren Emotionen durchgehen und entsprechend der Verstand auf der Strecke bleibt, dass diese Personen keine Wissenschaftler sind.

Es dürfte wohl Konsens geben, dass Aussagen wie:

“„Das ist die Sprache eines ethnozentrisch verrohten demagogischen Gemüts. Er denunziert Geflüchtete und die zu Hunderttausenden gegenwärtig Helfenden …“.

Oder:

eine Feststellung dahingehend, “dass der „vergleichende Politikwissenschaftler“ um „schiefe Vergleiche nicht verlegen zu sein scheint“, die um eine „polemische Verzerrungsabsicht“ ergänzt wird“

nur dann als Meinung gelten können, wenn sie begründet werden und nur dann als Teil eines wissenschaftlichen Austausches und als Äußerung eines Wissenschaftlers angesehen werden können, wenn die Begründung empirisch prüfbar ist.

Werner patzeltDie beiden Aussagen stammen von Hajo Funke, emeritierter Professor der Politikwissenschaft und Karl-Siegbert Rehberg, (hoffentlich) bald emeritierter Professor der Soziologie. Beide haben die entsprechenden Aussagen einfach so und ohne Begründung, quasi als Dogma verkündet, wie Gott seine 10 Gebote, und zwar über Werner Patzelt, denn Patzelt ist der Gegenstand beider Aussagen.

Und dieser Werner Patzelt hat sich nun bemüht, die Begründung beider Aussagen von Funke und Rehberg zu erfahren, eine unglaubliche Geste, die man nur bewundern kann (Wir sind mehr Vertreter altestamentarischer Verhaltensweisen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und hätten wohl entsprechend gehandelt). Patzelt hat also seine beiden „Kollegen“, wie er sagt, angeschrieben und um eine Begründung für beider Aussagen gebeten.

„Kollege“ Rehberg hat die Lieferung einer Begründung aufgrund seiner Arbeitsbelastung derzeit ausgeschlossen, was nur den Schluss zulässt, dass Arbeitsbelastung konstruktiven, überlegten und begründeten Aussagen im Weg steht, nicht jedoch emotionalen und in niederer Absicht gemachten Aussagen, denn um solche muss es sich bei Rehberg handeln, denn sonst hätte er seine Begründung natürlich parat. „Kollege“ Funke ist vollkommen untergetaucht und hat keinerlei Lebenszeichen von sich gegeben, jedenfalls gegenüber Werner Patzelt. Beide „Kollegen“ bevorzugen offensichtlich eher eine Form der Ambushologie, deren Vorgehensweise man in drei Schritte unterteilen kann:

1. Eine große Klappe riskieren und verbal um sich schlagen.
2. Wegrennen und verstecken.
3. Bei Entdeckung: Keine große Klappe mehr riskieren und versuchen, sich zu wegzudrücken.

Personen wie Funke und Rehberg haben anscheinend die Agenda, die offene Gesellschaft der Wissenschaft in einen Partisanenkrieg zu verwickeln, in dem sie Wissenschaftler, deren begründete Meinung sie nicht mögen, diskreditieren und jede Begründung ihrer Behauptungen verweigern, in der Hoffnung, dass die Diskreditierung länger in Erinnerung bleibt als die eigene Feigheit und Unfähigkeit der Begründung.

Nicht nur Werner Pazelt ist zum Opfer von Ambushologen geworden. Andere haben ähnliche Probleme, das zum Trost:

Collegial Advice: Burn Up Like a Fire.


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„Wie in einen Gottesdienst“: Joseph Goebbels schlägt Wellen bis 2016

Pawlow hatte u.a. einen Hund. Diesen Hund hat er konditioniert, und zwar so, dass immer dann, wenn die Türglocke ertönt, dem Hund der Speichel läuft. Das Besondere an Pawlows Hund: Man musste ihn konditionieren, die Türglocke mit Hundefutter in Verbindung bringen, damit bei dem Hund der Speichel läuft.

watson-behaviorismusBei manchen Menschen ist das anders. Manche Menschen brauchen keinen Anreiz, damit ihnen der Speichel läuft, sie sind so zusagen Selbstspeichler, die jede Gelegenheit nutzen, um abzusondern. Selbstverständlich ist Selbstspeicheln keine Tätigkeit, die nutzlos ist, jedenfalls in den Augen derer, die reizlos loslegen, nicht. Sie speicheln um sich als gute Menschen zu erweisen, als Mahner in der Wüste, als verbale Kämpfer gegen den Ansturm von Worten und als medial präsente Selbstproduzenten auf der Suche nach den Fördermitteln, die Ministerien so gerne ausloben, um den Speichelfluss am Laufen zu halten.

Wir müssen den rationalen Widerstand um ein weiteres Prinzip erweitern: Wenn man etwas betont, dann betont man es, dann weist man diesem Etwas Prominenz zu, macht es relevant und nicht etwa bedeutungslos.

Gestern haben wir von den Atticussen berichtet, einem 10-Mann-Verein aus Dresden, der sich eine Finte überlegt hat, um groß rauszukommen. Anfeindung ist ihr Mittel. Auf der Suche nach einem Gegenstand zur Anfeindung, sind sie auf Werner Patzelt gestoßen, und Patzelt hat Speichelauslösendes gesagt: „Wie in einen Gottesdienst“, so hat er gesagt und „so einst Joseph Goebbels“ angefügt. Ein wohlkalkuliertes Stöckchen, wie Patzelt heute sagt, der wohl damit gerechnet hat, dass Selbstspeichler seinen Reiz nur zu willig aufnehmen und eine vorhersehbare Reaktion zeitigen: Entrüstung. Entrüstung scheint eine der wenigen emotionalen Fähigkeiten zu sein, die Selbstspeichler ihr eigenen nennen, und Entrüstung ist es, die sie nun zeigen.

Gestern Abend hat Werner Patzelt darauf hingewiesen, dass die ganze Aufregung an der Sache vorbeigeht, in jedem Fall an dem, was er tatsächlich gesagt hat, vorbeigeht, denn seine Intention war es, die Tatsache hervorzuheben, dass ein Abfall vom Glauben, wie ihn die Bundesregierung vorgibt, also ein Zweifel daran, dass wir das schaffen, in Deutschland religiöser Häresie gleichkommt und mit der Ausgrenzung der Häretiker bestraft wird, von denen, die an das „wir schaffen das“, in einer Art und Weise glauben, die „wie in einem Gottesdienst“ ist (so einst Joseph Goebbels).

Hätte Patzelt gesagt, „so einst Josef Stalin“ oder „so einst Harold Garfinkel“ oder „so einst Pius der XXIII“ oder „so einst Karl Kraus“ nichts wäre passiert. Denn keiner der Genannten hat auch nur ansatzweise die Erregung zur Folge, die der Name Joseph Goebbels auf Selbstspeichler ausübt. Wenn Sie Goebbels hören, dann fallen sie automatisch in den Entrüstungsmodus und empören sich, empören sich über Goebbels, über Patzelt, den Vergleich, die Welt, das Universum und everything, denn Empörung zeigt ihnen, dass sie noch lebendig sind, ein Gefühl, das sich nur selten einstellt.

Und heute gibt es schon einen Beitrag im Deutschlandfunk darüber, dass Patzelt wegen des Goebbels Zitat in der Kritik ist, in der Kritik eines 10-Mann-Vereins der noch nicht ins Vereinsregister eingetragen ist und derzeit versucht, Profil zu gewinnen. In erster Reihe, wenn es um den Versuch geht, sich zu profilieren, steht dann Eric Hattke und gibt Unsinn wie den folgenden von sich:

lynch-mob1„Ich glaube es birgt die große Gefahr, dass wenn ein Professor Joseph Goebbels zitiert und absurde Vergleiche zum Dritten Reich zieht, dass das die Legitimation ist für viele Leute, das gleiche zu tun und es vielleicht noch überspitzter zu tun, dass das so etwas wie ein Dammbruch ist. Ich glaube viele rechte Gruppierungen versuchen gerade, immer mehr Grenzen zu überschreiten, immer weiter auszureizen, um zu gucken, wie weit kann man gehen. Und wenn ein Uniprofessor eine Führungsperson des Dritten Reiches zitiert, und sie so zitiert, dass sie die jetzige Willkommenskultur herabwürdigt, dann ist das schon ein Signal für viele Gruppen, dem nachzuziehen.“

Albert Speer hat nach dem Krieg von den magischen Augen des Adolf Hitler fabuliert, mit deren Blick er seine Umgebung in seinen Bann schlagen und jedem Erblickten seinen Willen aufzwingen konnte. Es scheint, Hattke hat zu viel Speer gelesen oder wie sonst sollte man seine Ansicht interpretieren, dass ein magischer Führer Patzelt, dem wir weder seine Öffentlichkeitswirksamkeit noch sein Charisma streitig machen wollen, Rechte in seinen Bann schlägt, zum Dammbrecher für Rechte wird, die ausloten, was geht, um dann Grenzen zu überschreiten, indem sie Goebbels zitieren mit „Wie in einem Gottesdienst“ oder vielleicht auch: „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ und alle schreien … aber lassen wir das.

Die Welt, in der die Hattkes dieser Zeit leben, sie ist dem Normalbürger nicht nachvollziehbar. Sie ist bevölkert von mystischen Vorgängen und Menschen mit diabolischen Fähigkeiten, die es schaffen, die Masse in ihren Bann zu schlagen und so abzurichten, dass die Nennung eines einzigen Wortes Speichelfluss auslöst: Goebbels zum Beispiel …


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“Glaubensbrünstige Eiferer”: In Dresden kocht es unter den Flüchtlingshelfern

Atticus ist ein gerade gegründeter Verein, dessen Mitglieder sich „hier in Kürze vorstellen“ werden. Und ebenfalls in Kürze wird die Eintragung in das Vereinsregister vollzogen werden. Bis die Weihen von Finanzamt und Registergericht eingetroffen sind, machen die 10 Gründungsmitglieder von Atticus auf andere Weise auf sich aufmerksam: Sie suchen sich ein Feindbild.

Werner patzeltGefunden haben Sie Werner J. Patzelt, einen der wenigen Sozialwissenschaftler, der den Mut hat, Fehlentwicklungen anzusprechen und offenzulegen. So hat er etwa darauf hingewiesen, dass die Ausgrenzung Andersdenkender, die heute mit Blick auf die Gesprächsverweigerung bzw. das Kommunikationsembargo, das gegenüber der AfD von denen betrieben wird, die sich für bessere, für Obermenschen halten, 1:1 der Ausgrenzung entspricht, die im Dritten Reich betrieben wurde.

Recht hat er, der Herr Patzelt, und Feinde hat er sich damit gemacht, bei den 10-Freuden von Atticus, die in die Fussstapfen eines US-amerikanischen Anwalts treten wollen, der eine Romanfigur ist: Atticus Finch, ein Anwalt, der 1935 einen Schwarzen in einem Gerichtssaal im Süden der USA vertritt. Vermutlich ist es bezeichnend für die heutige Zeit, dass gute Menschen in die Fußstapfen von Romanhelden und nicht in die Fußstapfen real existierender Menschen treten wollen. Wie auch immer, die Fußstapfen sind zu groß, für die neuen Atticuse.

Die Anklageschrift:

„In der vergangenen Freitagsausgabe (16.09.) der Sächsischen Zeitung stellte Herr Prof. Dr. Patzelt von der TU Dresden in der Kolumne „Besorgte Bürger“ bedenkliche Vergleiche der Weltkriegsjahre ab 1914 und 1939 und unserer heutigen Zeit an. Damals wie heute würden Andersdenkende ausgegrenzt. Darin sieht Herr Patzelt eine Parallele zwischen den Gegnern des Nationalsozialismus und den heutigen Rechtspopulisten und betont im Umgang mit beiden gar eine Art „kulturelle Kontinuität“.

Das Plädoyer des Vertreters der Anklage:

„’Das ist grober Unfug und eines Professors für Politikwissenschaft nicht würdig. Diejenigen, die sich gegen das Hitler-Regime gestellt haben wurden brutal ermordet. Dagegen ist die Meinungsfreiheit heute ein verfassungsmäßiges Grundrecht, das durch heutige Asylkritiker bis hin zu Rechtspopulisten auch gern in Anspruch genommen wird‘, so Eric Hattke, Vorsitzender des Vereins Atticus“.

Die Würdigung der Anklagebegründung durch das ScienceFiles-Gericht:

Die Anklage trägt vor, dass ein Vergleich der Ausgrenzung, wie sie heute stattfindet, mit der, die im Dritten Reich stattgefunden hat, nicht statthaft ist. Das Argument der Anklage kann wie folgt zusammengefasst werden:

Was wollt Ihr eigentlich, Ihr Andersdenkenden, im Gegensatz zum Hitler-Regime, werdet ihr heute nicht umgebracht. Heute habt Ihr Meinungsfreiheit, dürft sagen was Ihr wollt, wenn Euch auch die Möglichkeiten, öffentlich-rechtlicher Kommunikation abgeschnitten werden und versucht wird, Eure Aussagen zu kriminalisieren, als HateSpeech zu diskreditieren und Eure Äußerungen zum Monolog zu verdammen, denn mit Euch redet niemand.

not-guiltyAus logischer Sicht geht dieses Argument am Punkt vorbei, denn die beanstandete Aussage des Angeklagten Patzelt richtet sich nicht auf die Konsequenzen, die daraus entstehen, dass eine Ausgrenzung erfolgt, sondern darauf, dass eine Ausgrenzung erfolgt. Der Vertreter der Anklage Hattke stellt nun die Ausgrenzung überhaupt nicht in Frage, verweist statt dessen darauf, dass die Folgen der Ausgrenzung heute (noch) nicht dieselben seien, die ein Ausgegrenzter im Dritten Reich zu tragen hatte.

Insofern geht die Argumentation der Anklage an der Sache vorbei und muss zurückgewiesen werden.

Im Übrigen ist die Atticus-Kampagne in einer Weise selbstreferentiell, die belegt, was eigentlich bestritten werden soll: Dass Andersdenkende heute mit allen Mitteln ausgegrenzt werden. Dies wird daran deutlich, dass es Atticus zu keinem Zeitpunkt darum geht, das Gespräch mit Werner Patzelt zu suchen, sondern darum, ihn zu diskreditieren.

Die Diskreditierung des Kollegen Patzelt ist das einzige Motiv, das Siegbert Rehberg, der seit Jahren an der TU-Dresden als Soziologielehrer festsitzt, dazu bewegt haben kann, seinem Kollegen Patzelt von der selben Universität, eine „polemische Verzerrungsabsicht“ zu unterstellen und ansonsten festzustellen, dass der „vergleichende Politikwissenschaftler“ um „schiefe Vergleiche nicht verlegen zu sein scheint“. Diese Unterstellung ist nun ihrerseits schwer von polemischer Absicht freizusprechen, weshalb Herr Rehberg als befangen in seiner eigenen Polemik abgelehnt werden muss. Der Versuch, den Charakter von Werner Patzelt durch Verweis auf die Äußerungen des Soziologieprofessors Rehberg zu schwärzen, ist somit misslungen.

Gleiches gilt für den Versuch, Patzelt durch den Berliner Professor für Beleidigung, nein, den emeritierten Professor Hajo Funke, diskreditieren zu wollen. Insofern sich der Charakterzeuge Funke wie folgt auslässt, untergräbt er jede Form von wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit und macht es dem ScienceFiles-Gericht unmöglich, in als lauteren Wissenschaftler, der etwas Relevantes zu sagen hat, ernst zu nehmen:

Hajo Funke: „Das ist die Sprache eines ethnozentrisch verrohten demagogischen Gemüts. Er denunziert Geflüchtete und die zu Hunderttausenden gegenwärtig Helfenden …“.

Es kann nach Ansicht des ScienceFiles-Gerichts offen bleiben, ob diese Aussage von Hajo Funke in der Sprache eines links-ideologisch verrohten demagogischen Gemüts abgefasst wurde, deren Ziel darin besteht, einen Wissenschaftler zu denunzieren, der weit mehr öffentliche Relevanz und Aufmerksamkeit genießt als das bei Herrn Funke der Fall ist.

Dem ScienceFiles-Gericht ist bewusst, dass der Stein des Anstoßes in einer Äußerung von Patzelt zu finden ist, die pointiert darstellt, dass die Helfer von Flüchtlingen bar jeder Erwägung für die Folgen ihrer Aktionen sich in die Flüchtlingshilfe stürzen, wie in einen Gottesdienst. Indes teilt das Gericht nicht die Aufregung, nach der die Relevanz der Aussage in dem Zusatz „wie in einen Gottesdienst“ bestehe, der ein Zitat ist, das von Joseph Goebbels stammt. Vielmehr ist das ScienceFiles-Gericht der Ansicht, dass die Aussagen von Patzelt, nach denen bei vielen Flüchtlingshelfern, die eigene Transformation zum guten Menschen und der Gebrauch von Flüchtlingen zu diesem Zwecke ebenso wie seine Aussage, dass die entsprechende Selbst-Erhöhung ohne Rücksicht auf Verluste, d.h. ohne Rücksicht auf die Konsequenzen, die z.B. die so gerne bemühten nächsten Generationen durch die starke Einwanderung nach Deutschland zu tragen haben werden, erfolgt, beides empirische Aussagen sind, die entsprechend leicht an der Empirie geprüft werden können.

Unintended-Consequences.2Es wäre somit eine Aufgabe der Anklage gewesen, die Belege dafür zu bringen, dass Flüchtlingshelfer in altruistischer und sich selbstaufgebender Weise und nur um Flüchtlingen zu helfen, tätig sind, keine sonstigen Motive verfolgen, wie z.B. soziale Wertschätzung und sozialen Status zu gewinnen und dass sie eine minutiöse Aufstellung darüber vorlegen können, wie die Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, in die Lage versetzt werden können, ein eigenständiges und nicht von Steuerzahlern subventioniertes Leben zu führen.

Dies hat die Anklage nicht getan, so dass das ScienceFiles-Gericht den Schluss daraus ziehen muss, dass es der Anklage nicht darum ging, ein Unrecht zu ahnden, sondern darum, ein Unrecht zu begehen, in dem die Person von Werner Patzelt denunziert und ausgegrenzt werden soll. Teile der Soziologie, das weiß der Kollege Rehberg sicher, beschäftigen sich mit den unbeabsichtigten Folgen intentionaler Handlungen. Die unbeabsichtigte Folge der intentionalen Handlung „Patzelt diskreditieren“, die Atticus und Rehberg einen erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust beschert hat (Funke hat nach Ansicht des ScienceFiles-Gericht keien Glaubwürdigkeit, die er verlieren könnte), besteht darin, dass die Aktion gegen Patzelt genau das belegt hat, was Patzelt formuliert: Die Ausgrenzung Andersdenkender, in diesem Fall von Werner Patzelt ist in Deutschland in vollem Gange. Organisationen wie Atticus sind dafür verantwortlich.

In der Zwischenzeit hat Werner Patzelt auch auf den Atticus-Anwurf reagiert.


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Die Sachsen versuchen, die Demokratie zu retten

Am Tag 2 nach dem kollektiven Erschrecken, das Politiker aus etablierten Parteien landauf und landab erfasst hat, weil für sie – so tun sie jedenfalls – völlig unvorhergesehen die AfD bei den Kommunalwahlen in Hessen sehr gut abgeschnitten hat, wollen wir die Gelegenheit nutzen, um auf ein paar grundlegende Dinge hinzuweisen, die mit Demokratie zu tun haben.

Ad 1:

Hier (vielen Dank an einen Leser für den Hinweis), sagt eine Andrea Wacker-Hempel von den Grünen wohl irgendwo in Hessen, dass die Demokratie verloren habe, weil die AfD gewählt wurde. Angesichts solcher Äußerungen, die aus dem Lager der Grünen und nicht nur von Personen mit Doppelnamen kommen, muss man jede Stimme, die Grüne in Hessen nicht bekommen haben, als Gewinn der Demokratie ansehen. Zur Erinnerung: Demokratische Systeme, das sind die Systeme, in denen man die Regierung abwählen kann. Deshalb sind Wahlen zentral. Man kann nun Wahlergebnisse dann, wenn sie einem nicht passen, nicht als Niederlage der Demokratie bewerten, denn das Wahlergebnis ist gerade ein Ausdruck gelebter Demokratie. Wer es nicht akzeptiert oder meint, den Wählerwillen, der sich in Prozentanteilen manifestiert, diskreditieren zu müssen, der zeigt sich damit als Feind der Demokratie, als Antidemokrat durch und durch.

Ad 2:

Wir haben mehrfach darauf hingewiesen und tun dies abermals, dass die Flüchtlingsfrage ebenso wie die AfD nicht die Ursachen dafür sind, dass Wähler von etablierten Parteien abrücken und AfD wählen (Wir haben einen Berg von Daten, Angaben von mehr als 7000 Befragten, die dies bestätigen). Die meisten dieser Wähler würden auch einen Zahnputzbecher wählen, wenn man ihn wählen könnte, denn den meisten geht es darum, die etablierten Parteien, die Bevormundung durch etablierte Parteien, die Lektionen, die unqualifizierte Politiker Bürgern erteilen wollen, die in den meisten Fällen besser ausgebildet sind, loszuwerden.

Das Berliner Parteiensystem hat weitgehend abgewirtschaftet. Das politische Personal der Berliner Parteien gilt als weitgehend dekadent, korrupt und unqualifiziert. Die von Parteien etablierten Strukturen des Nepotismus, die Parteien und ihren Kostgängern seit Jahrzehnten ein gutes Leben auf Kosten von Steuerzahlern ermöglicht haben, sind vielen ein Dorn im Auge. Kurz: Viele in der Bevölkerung haben es satt. Sie können weder das Gerede inkompetenter Politiker noch deren Claqueure in der ersten Reihe weiter ertragen und wollen die etablierten Parteien, von denen viele denken, sie seien Schmarotzersysteme, die an organisierte Kriminalität erinnern, nur noch loswerden.

Dass sich der Widerstand an den Flüchtlingen entzündet, ist mehr oder weniger eine Laune der Geschichte. Wären es nicht die Flüchtlinge, dann wäre es etwas anderes. Wichtig ist nur, dass es ein Thema ist, das eine breite Aufmerksamkeit nach sich zieht.

Ad 3:

Weil dem so ist, zündeln politische Aktivisten, die partout die Mitte der Gesellschaft zu Rechtsextremen erklären wollen oder sich darin gefallen, alle Wähler der AfD oder Teilnehmer der Pegida oder alle Sachsen zu verunglimpfen, mit Dynamit. Wie reagiert wohl jemand, der Widerspruch zum politischen System zum Ausdruck bringen will und nicht Verständnis, sondern Anfeindung und Diffamierung erntet? Deshalb tragen alle diejenigen, die versuchen, die AfD zu kriminalisieren und alle, die nicht der vorgegebenen politischen Linie folgen wollen, auszugrenzen, die Verantwortung dafür, dass die Zahl der Wähler, die eine Alternative zu den etablierten Parteien und ihrem oligarchischen System wählen, wächst.

Tatsächlich werden diejenigen, die sich gegen Bevormundung durch eine politische Klasse wenden, die nicht einmal die rudimentärste Qualifikation mitbringt, um überhaupt bevormunden zu können, diejenigen, die genug davon haben, ein System von Parteigängern zu finanzieren, das in weiten Teilen dazu dient, die eigenen Vasallen in der Gender-, der Rechtsextremismusbekämpfungs- oder der Flüchtlingsindustrie zu versorgen, ganz zu schweigen von den vielen Parteisoldaten, die in politischen Stiftungen, den Anhängseln von Ministerien oder in eigens gegründeten eingetragenen Vereinen versorgt werden müssen, immer mehr – die Verteilungskämpfe nehmen zu.

Die Aufmüpfigsten unter denen, die die Nase von etablierten Parteien, ihrem Personal und ihren Methoden, die eigene Klientel zu versorgen und an das Geld der Steuerzahler zu gelangen, voll haben, finden sich in Sachsen. Entsprechend ist es kein Wunder, wenn Sachsen regelmäßig an den Pranger öffentlich-rechtlicher Medien gestellt werden/wird.

Einer, der eine Lanze für die Sachsen gebrochen hat und wie wir der Ansicht ist, dass gerade in Sachsen die Demokratie lebt, dass sie sich dort von ihrer lebendigen Seite zeigt, ist Werner J. Patzelt. In einem neuen Beitrag schreibt er u.a. Folgendes:

Patzelt politische Ordnung„… Gerade in Einwanderungsfragen hat Sachsen viel mehr mit Polen, Tschechien und Ungarn gemein als mit den Hansestädten oder dem Rheinland. Was aus westeuropäischer Warte als fragwürdig-rechtspopulistisch anmutet, wirkt in Ostmitteleuropa politisch ganz normal – und in Sachsen eben auch. Dort hat man außerdem nicht die Demütigungen durch „landfremde Vögte“ vergessen, als welche viele der seit 1990 ins Land strömenden West-Eliten wirkten. Und heute stört man sich sehr an jenen Denk-, Sprech- und Verhaltensgeboten, die – auf ihre politische Korrektheit so stolze – Wessis gerade in Einwanderungsfragen über „Dunkeldeutschland“ verhängen.

Man freute sich über das Ende der schweren Umbruchjahre seit 1990. Also empfand man es als Zumutung, im „gerade wieder schön gewordenen Sachsen“ jetzt den Ausländeranteil „auf westdeutsches Niveau“ bringen zu sollen, also aufs Maß aller Dinge. Weil viele Sachsen – gut gebildet in einem Hochschulland, auch nicht ohne Erfolg mit ihren Handwerksbetrieben und mittelständischen Unternehmen – nun einmal kein gutes Ende der seit 2015 betriebenen Einwanderungspolitik erwarten und außerdem empfinden, ihre Kritik werde „arrogant abgebügelt“, empören sie sich. Sie tun das umso mehr, als sie nie gefragt wurden, ob sie eine solche Veränderung ihrer Kultur und Heimat wirklich wollten. Solche „Politik von oben herab“ fühlt sich dann an „wie zu DDR-Zeiten“.

Die Demokratie, sie lebt in Sachsen!

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Feindbild weg: Pegida-Demonstranten sind keine Nazis

Was haben sich Medien, Politiker, Gewerkschaftler und die ideologisch der Linken zuordenbaren Organisationen und ihre Vertreter nicht bemüht, die Pegida-Demonstranten samt und sonders als Nazis abzuqualifizieren. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Gestalt, die es irgendwie auf einen Lehrstuhl geschafft hat, von Verbitterung als Motiv bei denen phantasiert, die mit der Zuwanderung von Flüchtlingen Probleme haben, oder an dem nicht alle ab der Mitte der Gesellschaft umfassend und ausnahmslos als Rechtsextremisten oder rechtsextremistisch Orientierte oder rechtsextremistisch Eingestellte diffamiert werden.

framingMit viel Liebe wurde ein Feindbild aufgebaut, das integrierend wirkt. Es schließt die Reihen derer, die sich für besser halten. Es gibt der eigenen Existenz einen Sinn, weil man nun zumindest weiß, was man nicht ist. Und es macht die Welt so strukturiert und einfach – wie alle Feindbilder.

Nur dumm, dass das aufwändig inszenierte und medial aufbereitete Feindbild von den Nazis, aus denen sich die Pegida zusammensetzt, nicht mit der Realität übereinstimmt, wie in der Regel kaum etwas, was in linken Ideologien (und in rechten) verbreitet wird, mit der Realität übereinstimmt (deshalb spricht man von Ideologie und nicht von Wirklichkeit oder Beschreibung der Wirklichkeit).

Dass wir wissen, aus welchen Personen sich die Pegida zusammensetzt, das verdanken wir nicht Journalisten, die vor Ort gefragt haben, sondern Wissenschaftlern, Professoren und Studenten, die Befragungen unter Pegida-Demonstranten durchgeführt haben. Hans Vorländer und Werner J. Patzelt von der TU-Dresden sind hier an erster Stelle zu nennen, wenn die Meriten dafür verteilt werden sollen, dass ein realistsisches Bild von denen, die an Pegida-Demonstrationen teilnehmen, gezeichnet wird.

Demnach sind die typischen Pegida-Demonstranten wie folgt zu beschreiben:

  • Sie entstammen des bürgerlichen Mittelstands;
  • Sie sind berufstätig;
  • Sie sind gut gebildet;
  • Sie sind gut situiert und haben entsprechend keine sozio-ökonomischen Abstiegsängste;
  • Sie sind keine politische Randgruppe;
  • Sie üben fundamentale Kritik an Politik und Medien, dabei dienen Flüchtlings- und Asylpolitik als zentrale Policies;
  • Die Einstellung von Pegida-Demonstranten zu Flüchtlingen und Asylbewerbern unterscheidet sich nicht von der Einstellung der Bevölkerung;
  • Pegida-Demonstranten zeichnen sich nicht durch autoritäre oder antidemokratische Orientierungen aus;
  • Im Gegenteil: Die zentrale Forderung von Pegida-Demonstranten lautet gerade: „Mehr Demokratie“ (eine Forderung, die nach Willy Brandt niemand mehr aus der politischen Klasse „wagen“ will);
  • Pegida-Demonstranten sehen sich mit einer „kulturellen Enteignung“ konfrontiert;
  • Die kulturelle Enteignung besteht im Wesentlichen aus einem gefühlten Verlust von Tradition und Identität
  • Pegdia-Demonstranten sehen, dass über ihre Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen werden, die ihr Leben betreffen.
  • Pegida-Demonstrationen sind ein Mittel, die eigene Sprachlosigkeit in Medien, die Nichtberücksichtigung der eigenen Interessen in Medien und durch Politiker zu überwinden und sowohl Politiker als auch Medien zu zwingen, die Themen, die Pegida-Demonstranten bewegen, ernst zu nehmen.

PegidaDas Bild von Pegida-Teilnehmern, das eine Reihe empirischer Untersuchungen gezeichnet hat, jenes „Bild der Wirklichkeit„, wie Werner Patzelt schreibt, es weicht erheblich von dem Bild ab, das als identitätsstiftendes Feinbild unter Linken kursiert und in Medien, u.a. von Lehrstuhlbesetzern transportiert wird. Entsprechend stellt sich die Frage, warum angebliche Wissenschaftler und angeblich neutrale Vertreter von Medien einen falschen Eindruck von Pegida verbreiten.

Eine Antwort auf diese Frage verweist auf die psychologische Not von Gutmenschen, die zur Inszenierung der eigenen Überlegenheit eben Unter-Menschen brauchen.

Eine andere Antwort verweist auf die gerade in deutschen Medien und zunehmend an deutschen Universitäten auffindbaren prekären Mittelschichts-Existenzen, deren einziges sprachliches Mittel, mit dem sie die eigene Überlegenheit auszudrücken vermögen, in der Diskreditierung anderer besteht.

Schließlich verweist eine weitere Antwort auf die Gutmenschenindustrie, die davon lebt, Interessen zu delegitimieren, zum sozialen Problem aufzublasen und zur Gefährdung der demokratischen Reinheit zu hyperventilieren, um dann auf diesem Popanz aufbauend, Steuermittel kassieren zu können und das eigene Dasein zu finanzieren.

Angesichts der Ergebnisse, die Vorländer und Patzelt zusammengetragen haben, angesichts der Ergebnisse, die zeigen, dass Pegida aus ganz normalen Bürgern und nicht aus Nazis besteht, aus Bürgern mit legitimen Interessen, die z.B. in Fragen der Zuwanderung gehört werden und mitreden wollen (eigentlich ein ganz normaler Prozess in einer Demokratie) werden Politiker und Medienvertreter sich dazu bequemen müssen, die Interessen von Pegida-Demonstranten aufzunehmen und im politischen Prozess als legitime Interessen zu transportieren, so wie sie die Interessen der kleinen Gruppe von Homosexuellen ganz selbstverständlich im politischen Prozess transportieren.

Und Linke, die auf Pegida gerne ihre Identität aufbauen, die Identität des „gegen Nazis“ oder „gegen Rassismus“, die den warm glow verleiht, sie werden sich mit der Idee anfreunden müssen, dass in Demokratien ein Wettbewerb von Interessen stattfindet. Auf dem Markt der Interessen in einer Demokratie gibt es keine richtigen und falschen und keine guten und bösen Interessen, sondern ausschließlich Interessen, über die diskutiert und für oder gegen die argumentiert wird. Es ist nachgerade antidemokratisch, bestimmte Interessen, die einem nicht in den Kram passen, vom Wettbewerb ausschließen, sie diskreditieren zu wollen.

Aber es passt zum Intellekt, der sich häufig unter Linken findet, dass sie nicht verstehen können, dass die Diskreditierung von Interessen und die Verweigerung über Interessen anderer zu diskutieren und für oder gegen sie zu argumentieren, gerade das ist, was Faschisten und Antidemokraten immer ausgezeichnet hat: Der Glaube an die eigene Sendung, ob Gott oder Marx die Sendung auf den Weg gebracht hat, ob es das heilige Buch des Sozialismus oder Mein Kampf ist, das spielt letztlich keine Rolle, da ein entsprechendes Sendungsbewusstsein in keinem Fall mit demokratischen Grundsätzen zu vereinbaren ist.

Diskussions-Mobilmachung in Leipzig

Gerade hat uns der folgende Text erreicht, der vom Studentenrat der HTWK in Leipzig an alle Studenten der HTWK verschickt wurde und in dem es darum geht, gegen Werner J. Patzelt, der im Rahmen einer Ringvorlesung einen Vortrag mit dem Titel „Patriotismus in der Einwanderungsgesellschaft“ halten will, mobil zu machen.

Hier die eMail im O-Ton. Die erfolglosen Kämpfe mit der deutschen Sprache haben wir im Text belassen, um unseren Lesern food for thought zu geben, z.B. wenn wir fragen: Was heißt es, wenn die „wir als Stura“ die „Haltung Herrn Werner Patzelts zu seinem heutigen Vortrag“ kritisieren?

„Liebe Studierende,

am heutigen Tag wird die Ringvorlesung zum Thema „Patriotismus in der Einwanderungsgesellschaft“ von Herr Werner Patzelt stattfinden.

Wir als StuRa kritisieren sehr die Haltung Herrn Werner Patzelts zu PEGIDA und zu seinem heutigen Vortrag.

Stura HTWKEinerseits werden die Gegendemonstrant_innen von Herrn Werner Patzelt stigmatisiert, dass erst die Kritik an PEGIDAs Islamfeindlichkeit gefährliche Situationen, wie die terroristischen Drohungen an PEGIDA zum 19.01.2015, hervorgerufen hätte [1], und andererseits erklärt Herr Werner Patzelt auch die PEGIDA-Demonstrant_innen für nicht fremdenfeindlich [2], was rein durch die Ausrufe während der PEGIDA-Märsche schon widerlegt werden kann. Im Hinblick darauf wäre es Aufgabe der PEGIDA-Verantwortlichen gewesen diese fremdenfeindlich eingestellten Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es einen vermeintlichen Interessenkonflikt zwischen den Verantwortlichen und den Demonstrant_innen gibt. Da dies nicht der Fall war und ist, und PEGIDA dies stillschweigend akzeptiert, halten wir die Aussage von Herrn Werner Patzelt, bezüglich der Fremdenfeindlichkeit PEGIDAs, für grundlegend falsch.

Die Kritik an Herr Werner Patzelt lässt sich noch vielfältig ausweiten, dennoch empfinden wir es als wichtig, dass die Studierenden auch eine kritische Haltung gegenüber den Referent_innen hier haben und dies auch kundtun.

Gerade im Rahmen der Ringvorlesungen zum aktuellen und auch sehr sensiblen Thema „Migrationziel Deutschland – Hoffnung, Furcht, Populismus“ möchten wir euch zur kritischen Teilnahme an der heutigen Veranstaltung aufrufen. Wir empfinden die Hochschule als einen Ort der regen Diskussion und nicht als Ort der einseitigen Darbietung. Wir verbieten auch niemandem der Redner_innen die Meinungsfreiheit, sondern empfinden es vielmehr als Pflicht bei in der Öffentlichkeit in Kritik geratene Referent_innen auch kritische Stimmen der Studierendenschaft dabei zu haben.

Deswegen hoffen wir, dass ihr heute Abend zahlreich erscheint und zeigt, dass wir für eine vielfältige Hochschule stehen.“

Die eMail an alle Studenten der HTWK in Leipzig spricht eigentlich für sich, dennoch wollen wir, schon weil in unserer Redaktion mit u.a. Dr. habil. Heike Diefenbach ehemalige Universitätsdozenten sitzen, denen sich die Haare zu Berge gestellt haben, den Studenten einige Lernhinweise geben.

1) Zum ersten Absatz, der mit „Einerseits“ beginnt. Es fehlt das „andererseits“ und ohne „andererseits“, sieht ein „einerseits“, so verloren aus, dass man sich fragt, ob diejenigen, die nur einerseits benutzen, ohne ein andererseits folgen zu lassen einerseits in der Verwendung mehrgliedriger Konjunktionen nicht firm sind, andererseits besser daran getan hätten, das einerseits auch zu unterlassen.

2) Es gibt in der Wissenschaft, der Sozialwissenschaft insbesondere, eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die empirisch forschen, d.h. die nicht behaupten, sondern prüfen. Werner J. Patzelt ist ein solcher. Seine Aussagen über die Pegida basieren auf Umfragen unter denen, die an Pegida teilgenommen haben, sind somit fundiert – im Gegensatz zu den Aussagen der „wir als Stura“, die auf einer singulären Beobachtung basieren, die nicht verallgemeinerbar ist, da eine entsprechende Verallgemeinerung einen Fehlschluss darstellt.

Warum?

Wenn ein Student in einem Seminar durchgefallen ist, weil er debil ist, kann man dann darauf schließen, dass alle Studenten in dem Seminar debil sind?

Nein.
Warum nicht?

Aus dem selben Grund, aus dem man von einem fremdenfeindlichen Rufer bei Pegida nicht darauf schließen kann, dass alle Teilnehmer an Pegida fremdenfeindlich sind. Um herauszufinden, ob alle Teilnehmer fremdenfeindlich sind, muss man alle oder eine repräsentative Gruppe der Pegida Teilnehmer befragen. Das haben Werner Patzelt und seine Studenten getan. Ergebnis: Die Pegida Teilnehmer sind in ihrer Mehrzahl nicht fremdenfeindlich.

Der nächste Fehlschluss (immer noch im ersten Absatz) folgt auf dem Fuß.

Wenn der Dozent eines Seminars in seinem Seminar Studenten duldet, von denen er weiß, dass sie die kognitiven Fähigkeiten nicht mitbringen, um das Seminar mit Erfolg zu bestehen, hat der Dozent dann selbst mangelnde kognitive Fähigkeiten?

Abermals wäre ein bejahender Schluss ein Fehlschluss, nämlich der der Bejahung des Konsequens, und abermals verhält es sich mit der Duldung fremdenfeindlicher Schreier durch die Organisatoren der Pegida analog (= genauso).

Zum nächsten Absatz:

„Die Kritik an Werner Patzelt lässt sich noch vielfältig ausweiten, dennoch empfinden wir es als wichtig, dass die Studierenden auch eine kritische Haltung gegenüber den Referent_innen hier haben und dies auch kundtun.“

1) Man kann den Nebensatz doch nicht mit „dennoch“ anschließen. Dennoch schafft einen Gegensatz. Was die „wir als Stura“ meinen, ist jedoch kein Gegensatz, sondern eine begründende Verbindung: deshalb muss ein „deshalb“ anstelle des „dennoch“ stehen.

2) Werner J. Patzelt war, als wir ihn das letzte Mal gesehen haben, eine Person und ein Referent. Entsprechend ist es mehr als Unsinn, von „den Referent_innen hier“ zu schreiben.

Zum vorletzten Absatz:

1) Ob eine Hochschule ein Ort der regen Diskussion ist, ist keine Frage der Empfindung, sondern eine empirische Frage, die man einfach beantworten kann: Wird diskutiert, dann ist die Antwort ein „ja“, wird nicht diskutiert, dann ist die Antwort ein „nein“. Offensichtlich ist für die „wir als Stura“ das Empfinden wichtiger als das, was ist, was erklärt, warum sie gegen Werner J. Patzelt Stimmung machen ohne sich mit dem, was er zur Pegida geforscht hat, auseinanderzusetzen. Letzteres wäre eine kognitive Anstrengung, Empfinden ist da schon einfacher.

2) Angesichts der Vorgänge an der Humboldt-Universität ist man schon fast erleichtert, dass die „wir als Stura“ großzügiger Weise „niemandem … die Meinungsfreiheit“ verbieten wollen. Natürlich ist es, um diese Erleichterung zu empfinden, notwendig, eine Reihe von Interpolationen und Interpretationen vorzunehmen, um die Sätze des „wir als Stura“ in verständliches Deutsch zu transferieren.

Meinungsfreiheit z.B. ist eine abstrakte Größe, ein Prinzip, um genau zu sein. Entsprechend kann man es nicht verbieten, selbst wenn man wollte. Verbieten kann man die Ausübung von Meinungsfreiheit, die sich dann in der Äußerung unerwünschter Inhalte durch z.B. Werner Patzelt ausdrücken würde. Aber selbst dann kann man nur per Drohung das Verbot durchsetzen und ist darauf angewiesen, dass diejenigen, denen etwas verboten werden soll, sich dem Verbot auch fügen.

3) methoden_der_empirischen_sozialforschungSchließlich empfinden die „wir vom Stura“, die sich als wahre Empfindungs- oder Gefühls-Monster entpuppen, so dass man sich fragt, ob bei derartig viel Empfindung noch Platz für die Ratio geblieben ist, schließlich „empfinden“ sie, „es … als Pflicht bei der Öffentlichkeit in Kritik geratene Referent_innen auch kritische Stimmen der Studierendenschaft dabei zu haben“ [den Rumpfsatz nehmen wir jetzt einfach so hin]. Entsprechend sind alle „wir als Stura“ in der Pflicht, denn nur für sich selbst können sie die entsprechende Pflicht empfinden. Für andere geht das nicht. Anderen kann man etwas zur Pflicht machen, aber sicherlich kann man für andere keine Pflicht empfinden.

Soviel zur Weiterbildung der „wir als Stura“.

Ein letztes sei den „wir als Stura“ noch mit auf den Weg gegeben. Werner J. Patzelt blickt im Gegensatz zu den „wirs als Stura“ auf eine Lebensleistung zurück und hat im Verlauf seines Lebens eine Reihe von Titeln erworben, darunter den des Dr. und den des Dr. habil. Mit anderen Worten, er ist, was die Qualifikation angeht, auf einer anderen Etage beheimatet als die „wir vom Stura“, die erst am Anfang einer Karriere stehen, die sie vielleicht, in ein paar Jahrzehnten einmal in die Nähe dessen bringt, was Werner Patzelt als Kompetenzen und Fähigkeiten und Wissensbestände inkorporiert hat.

Diesem weiten Abstand entsprechend, wäre es dem „wir als Stura“ angemessen, die intellektuelle Überlegenheit von Werner Patzelt durch den entsprechenden Respekt und Anstand zu goutieren, der z.B. darin bestanden hätte, wie an Hochschulen üblich, nicht mit spitzen Fingern von Herrn Werner Patzelt zu schreiben, sondern von Prof. Dr. Werner Patzelt.

Logik f dummiesInsgesamt kann man den „wir vom Stura“ nur empfehlen, ihre Gedanken zu ordnen und sich in Zukunft sortiert und mehr rational als empfunden an die studentische Öffentlichkeit zu wenden, denn: einerseits hat man, wenn man die eMail der „wir als Stura“ liest, die Blindschleiche vor Augen, die versucht, den Elefanten zu Fall zu bringen, andererseits (!sic) fragt man sich, wo die „wir als Stura“ die Chuzpe hernehmen, derart großspurig aufzutreten.

Wir fragen nicht nur, wir antworten auch: Vor uns hat den „wir als Stura“ noch niemand die Begrenztheit ihrer kognitiven Kompetenzen aufgezeigt. Jetzt ist die Welt eine andere, und wenn wir „wir als Stura“ wären, dann würden wir uns verschämt im letzten Zimmer hinten rechts verstecken, und lernen: Deutsch und Logik vor allem.

So. Und nun sind wir gespannt auf die Berichte, die uns aus Leipzig und vom Vortrag erreichen.

Gotteskrieger von linksunten: Heute geht es in Leipzig um die Demokratie

Heute, am 27. Mai 2015, zwischen 17:15 Uhr und 18:45 Uhr, wird der Dresdener Politikwissenschaftsprofessor Dr. Werner J. Patzelt einen Vortrag an der HTWK-Leipzig halten, in Raum G119.

Reden wird er darüber:

Werner patzelt„Eine Einwanderungsgesellschaft muss weltoffen sein, ja „nach Buntheit streben“. Patriotismus hingegen – so eine weit verbreitete Wahrnehmung – schließt ab und engt ein.

Tatsächlich zeigen Untersuchungen unter Dresdens PEGIDA-Demonstranten, dass ein Selbstverständnis als „deutscher Patriot“ eng mit Xenophobie verschwistert ist. Muss also den Deutschen ihre Restbestände an Patriotismus austreiben, wer ihr in eine demographische Krise geratenes Land durch Immigration stark halten möchte?

Vermutlich wird anders herum anzusetzen sein. Gerade eine multikulturelle Gesellschaft braucht nämlich viel Kitt, um nicht auseinanderzufallen.
Verfassungspatriotismus steht zwar als solcher Kitt bereit, erreicht aber schwerlich jene emotionalen Tiefenschichten, denen allein sich belastbarer gesellschaftlicher Zusammenhalt verdankt. Doch „nationalem Patriotismus“ steht in Deutschland eine traumatisierende Geschichte im Weg.

Was also tun?

Es wird wohl am besten sein, Inhalte und Ausdrucksformen eines aufgeklärten Patriotismus zu bestimmen und von ihm her auf ein positives Selbstbild einer Gesellschaft auszugehen, die mehr als friedliche Lebensumstände und materielles Wohlergehen in Aussicht zu stellen vermag: nämlich eine auch kulturelle Beheimatung für alle, die – erzwungen oder freiwillig – ihre frühere Heimat verlassen haben.“

Früher hätte man das, was Werner J. Patzelt in seinem Vortrag vorhat, als Suche nach der nationalen Identität bezeichnet, jener nationalen Identität, die Deutschen nach Ansicht von Beobachtern schon seit Jahrhunderten fehlt – schon deshalb war es den Nazis möglich, das vorhandene Vakuum des, „Was ist eigentlich Deutsch?“, durch ihren mythologischen Germanen-Schwulst zu füllen.

Dem Germanen-Schwulst sind verschiedene Gemeinschafts-Schwulst-Versuche gefolgt, die in der Bonner Republik einem Verfassungspatriotismus gewichen sind, den Dolf Sternberger wohl wie kein anderer verkörpert hat und dessen Kern der Stolz auf die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung war. War ist das operative Wort hier, denn beim Umzug nach Berlin blieb der Verfassungspatriotismus zurück, wurde abermals in einen Gemeinschafts-Schwulst investiert.

LinksuntenIn anderen Ländern, z.B. in angelsächsischen Ländern, gibt es einen grundlegenden Unterschied zu Deutschland, denn in diesen Ländern sind die meisten Menschen stolz auf ihre Gesellschaft (und nicht etwa die Gemeinschaft), auf deren Verfassung, auf die rationalen, liberalen und rechtlichen Grundlagen, auf denen ihre Gesellschaft baut. Sich dieser Gesellschaft zuzuordnen, ist eine rationale Entscheidung, die auf der Unterstützung der Prinzipien basiert, auf denen die entsprechende Gesellschaft baut, Prinzipien wie Freiheit, Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Liberalität und Rechtssicherheit, die einen gemeinsamen Konsens bilden. Und jeder, der diesen Konsens akzeptiert, für den ist Platz in diesen Gesellschaften.

Ein solcher Konsens schwebt wohl auch Patzelt vor, wenn er heute in Leipzig von einem aufgeklärten Patriotismus spricht. Aber, er ist Patzelt, der „Pegida-Versteher“, und deshalb wird ihm von denjenigen nicht zugehört, die man wohl als die größte Gefahr für Demokratie und Liberalismus ansehen muss, die derzeit in Deutschland vorhanden ist.

So macht derzeit die Seite Linksunten.indymedia.org gegen den Vortrag von „Pegida-Versteher“ Patzelt mobil. Warum?

Nun, Patzelt hat dazu aufgerufen, einen Dialog mit den Menschen von Pegida zu führen. Ein ganz normaler Vorgang in einer demokratischen Gesellschaft, nicht jedoch für die, die sich linksunten wähnen. Für sie ist der Aufruf, mit den Menschen von Pegida zu sprechen, eine „Forderung zum Dialog mit Vertretern offener Hetze“ und somit keine Option, was nur den Schluss zulässt, dass linksunten eine offene Hetze gegen einen demokratischen Dialog betrieben wird.

Linksunten ist also da, wo die Demokratie nicht mehr vorkommt. Vermutilch schwebt denen, die linksunten sind, eher eine Form der stalinistischen Herrschaft vor, in der Andersdenkende, also Hetzer in der Terminologie, die linksunten genutzt wird, vom Geheimdienst abgeholt und interniert werden oder schlicht verschwinden.

Diese Deutung wird durch Formulierungen, die sich im Text über den „Pegida-Versteher“ Patzelt finden, verstärkt. „Diese Person“, so heißt es, und gemeint ist Werner J. Patzelt, diese Person „diffamiere“ Proteste gegen die Pegida als „kunstvolle Feindbildpflege“, womit abermals deutlich wird, dass die eigene Position, also die linksunten als sakrosankt angesehen wird. Alle, die Kritik an dem, was linksunten geglaubt wird, üben, sind Feinde, eine Verständigung ist nicht möglich, kurz: linksunten ist man demokratieunfähig, kann man mit Kritikern nicht umgehen, schon weil linksunten auch im Hinblick auf die Normalverteilung der Intelligenz zu verstehen ist. Und da man mit Kritikern nicht umgehen kann, muss man sie mundtot machen oder zuerst mundtot und dann tot, so wie das in sozialistischen Regimen immer gang und gäbe war.

Opfer stalinismusAuch die letzte furchtbare Verfehlung, die Patzelt linksunten vorgehalten wird, ist für die linksunten erheblich, für jeden mit normalem Verstand Begabten dagegen nicht nachvollziehbar. Patzelt habe „im neurechten Zentralorgan ‚Junge Freiheit'“ ein Interview gegeben. Schrecklich, denn: Linksunten, da redet man nicht mit Feinden, und linksunten erkennt man die Feinde daran, dass Sie mit anderen reden, vor allem mit denen, mit denen man linksunten nicht redet.

Linksunten ist man nicht demokratiefähig, sondern mit einer Mission unterwegs, so wie die Gottestkrieger des IS, so wie manche Kämpfer von al-Kaida, so wie dies die Sowjets waren, wenn sie über die Leichen der Bauern geschritten sind, die der Neuordnung der Landwirtschaft durch Stalin zum Opfer gefallen sind. Nur wer so von seinem Glauben beseelt ist und so viel Angst davor hat, auf Widerspruch zu treffen, wie die Gotteskrieger von IS oder von linksunten, der verweigert den Dialog.

Linksunten ist eine Gefahr für die Demokratie.

Habermas pervertiert: Das Syndrom der Einweg-Kommunikation

Die Zeichen dafür, dass wir Zeitzeugen eines Kulturkampfes sind, mehren sich.

Nein, wir reden nicht von den kindischen Gören, die feieren, dass sie es geschafft haben, Unternehmen eine Frauenquote zu zumuten. Unternehmen, denen die Kosten für diesen Unsinn zu groß werden, werden einfach ihren Hauptsitz verlegen und den Aufsichtsrat gleich mit, am besten in die USA oder ins Vereinigte Königreich oder nach Katar, denn dort wird der Zoo noch von den Wärtern regiert.

Nein, wir reden von der Wissenschaft, von Hochschulen in Deutschland, Hochschulen, die vermehrt zum Gegenstand ideologischer Unterwanderung gemacht worden sind, was vor allem in den Sozialwissenschaften dazu geführt hat, dass der Konsens darüber, was Wissenschaft ist, welche Methode sie begründet, welche Anforderungen an Wissenschaftlichkeit gestellt sind und welche Kriterien Aussagen erfüllen müssen, damit sie als wissenschaftlich gelten können, zerstört wurde.
Popper Grundprobleme
Ideologen haben sich auf die Stellen von Wissenschaftlern geschmuggelt und versuchen von dort aus, ihre Heilslehren an den Mann zu bringen.

Bislang haben sie das weitgehend ungestört tun können.

Doch langsam regt sich Widerstand.

Warum? Weil es selbst nach 20 Jahren Genderismus in Deutschland noch Wissenschaftler gibt, die ihre Tätigkeit ernst nehmen, die Argumente austauschen und Erkenntnis gewinnen wollen, die etwas über die Realität lernen wollen und ein Wissen über die Realität aufbauen wollen, was den Austausch mit derselben voraussetzt.

Es ist anhand weniger Kriterien, die wir als Syndrom der Einweg-Kommunikation gefasst haben, leicht, Ideologen von Wissenschaftlern zu unterscheiden.

Syndrom der Einweg-Kommunikation das Ideologen auszeichnet Wissenschaftliche Methode
Es werden Behauptungen aufgestellt, aber es wird nicht begründet, warum die Behauptungen zutreffen sollen. Die Behauptungen, die aufgestellt werden, werden mit einer Begründung versehen, die die Richtigkeit der Behauptungen belegen sollen.
Es werden keinerlei Bezüge zur Realität hergestellt, um die Begründungen von Behauptungen zu verankern. Veilmehr sollen Behauptungen mit neuen Behauptungen belegt werden. Die Begründungen von Behauptungen haben einen Bezug zur Realität, stellen eine Aussage über die Realität auf.
Behauptungen werden mit dem Anspruch auf Wahrheit aufgestellt. Behauptungen werden aufgestellt, um Probleme zu lösen.
Die behaupteten Wahrheiten sind nicht prüfbar. Die Aussagen, die Behauptungen stützen sollen, können überprüft werden.
Die behaupteten Wahrheiten muss man glauben, denn Gründe, warum man sie glauben kann, werden nicht genannt. Die Aussagen, die Behauptungen stützen, können nachvollzogen und geprüft werden.
Die behaupteten Wahrheiten können sich nicht als falsch erweisen. Die Aussagen, die Behauptungen stützen sollen, können sich jederzeit als falsch erweisen.
Es kann nicht gelernt werden, weil die Wahrheit schon bekannt ist. Es wird ständig gelernt, weil Aussagen, die sich bei Prüfung als falsch erweisen, neue Probleme aufwerfen, die abermals durch Konfrontation mit der Realität gelöst werden müssen.
Eine Verständigung mit Personen, die die behauptete Wahrheit nicht teilen, ist nicht möglich. Eine Verständigung mit Kritikern begründeter Behauptungen ist jederzeit möglich. Kritik kann sich jederzeit als richtig oder falsch erweisen, je nachdem, zu welchem Ergebnis die Prüfung von Aussagen, die Behauptungen begründen sollen, führt.
Erkenntnis ist nicht das Ziel, sondern Offenbarung, Offenbarung der Wahrheit, in deren Besitz man sich wähnt. Erkenntnis ist das Ziel, was voraussetzt, dass man sein Wissen ständig überprüft und es der Gefahr, sich als falsch zu erweisen, aussetzt.

Vergleicht man die wissenschaftliche Methode in der rechten Spalte der Tabelle mit dem Syndrom der Einweg-Kommunikation in der linken Spalte der Tabelle, dann wird klar, warum wir das Syndrom „Syndrom der Einweg-Kommunikation“ genannt haben, denn Ideologen, die sich an Universitäten eingenistet haben, bleibt keine andere Möglichkeit, als den Mund zunächst weit aufzureißen und zu hoffen, dass sie mit lautem Geschrei alle vermeintlichen Kritiker verschrecken können, um auf diese Weise Nachfragen aus dem Weg zu gehen.

science-and-ideologyNachfragen müssen sie aus dem Weg gehen, denn sie haben keine Antworten. Sind sie z.B. mit Warum-Fragen konfrontiert, mit der Notwendigkeit eine nachvollziehbare Begründung für ihre Behauptungen zu geben, dann zeigt sich sehr schnell, dass sie das nicht können. Alles, was sie können, erschöpft sich in dem Versuch, Kritiker abzuschrecken und Kritik, kommt sie dennoch, zu verunglimpfen oder, wenn sie sich das nicht trauen, zu ignorieren.

Die Methode, Kritiker abzuschrecken, ist immer dieselbe, schon weil es nicht so viele Möglichkeiten gibt, zu versuchen, Kritiker mundtot zu machen: Ideologen versuchen immer, sich und ihre Position als moralisch überlegen darzustellen, um auf diese Weise Kritiker in eine Ecke der Verderbtheit stellen zu können. Modern ist zur Zeit die Ecke des Rechtsextremismus. Früher war die Ecke der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung die Verderbtheit der Wahl.

Zuweilen klappt dieser Versuch, moralische Überlegenheit für sich vorauszusetzen, nicht. Dann gibt es im Arsenal der Ideologen nur zwei mögliche Reaktionen: eine (abermalige) Diffamierung dessen, der es wagt, die heilige Lehre zu kritisieren. Diese Methode bringt das Risiko mit sich, dass man sich abermals als der outet, der keinerlei Vorstellung davon hat, was eine Begründung ist, wie man sich sachlich und gesittet auseinandersetzt usw. Kurz: Die Gefahr als Ideologe dazustehen, ist sehr groß.

Die zweite Methode ist die Methode des Aussitzens, des Schweigens und Hoffens, dass die Kritik von alleine verschwindet und man nicht preisgeben muss, dass man als Ideologe auf einer Position sitzt, die Wissenschaftlern vorbehalten ist.

Allein die Tatsache, dass Ideologen sich mittlerweile in der Klemme sehen, zwischen den beiden genannten Methoden wählen zu müssen, ist ein Erfolg der Kritiker, derjenigen, die wie wir auf ScienceFiles nicht müde werden, Begründungen einzufordern und die Ideologen bloß zu stellen.

Entsprechend ist das Schweigen der Ideologen nicht nur ein Beleg dafür, dass wir es mit Ideologen zu tun haben, die sich auf wissenschaftliche Positionen geschlichen haben, es ist auch ein Beleg dafür, dass die entsprechenden Ideologen sich in der Defensive befinden.

Ideologen in diese Defensive zu bringen, ist der erste Schritt auf dem Weg, sie aus der Wissenschaft zu vertreiben.

Der zweite Schritt besteht darin, den Druck aufrecht zu halten und die Ideologen bei jeder Gelegenheit als Ideologen erkennbar zu machen.

Weil dieser zweite Schritt so wichtig ist, freuen wir uns, dass Prof. Dr. Werner Patzelt ihn auch gegangen ist. Leser von ScienceFiles werden sich erinnern, dass Prof. Dr. Patzelt von Lehrstuhlbesetzern, Dozenten und Studentenvertretern aus seinem Fachbereich angefeindet wurde, weil er versucht hat, in der Öffentlichkeit ein korrektes Bild der PEGIDA-Teilnehmer zu präsentieren, ein Bild, wie er es aus seinen Forschungsergebnissen (die nachprüfbar und falsifizierbar sind) entnommen hat.

Werner patzeltPatzelt hat versucht, mit denjenigen, die ihn angefeindet haben, einen Dialog zu führen. Sie haben sich geweigert. Sie haben auch keinerlei Anstalten gemacht, ihre eigenen Behauptungen zu belegen oder gar die von ihnen für falsch gehaltenen Aussagen von Patzelt zu überprüfen. Sie haben, wie dies in der linken Spalte der Tabelle oben dargestellt ist, behauptet und Behauptungen mit weiteren Behauptungen begründet und dann, wenn sie aufgefordert wurden, eine nachvollziehbare und prüfbare Begründung für ihre Behauptungen zu liefern, gekniffen. Seitdem sind sie auf Tauchstation und schweigen. Und Patzelt ist, wie gesagt, den zweiten Schritt gegangen und hat die Sprachlosigkeit derjenigen, die ihn anfeinden wollten, dokumentiert.

Hervorragend!

Und wir nutzen die Gelegenheit, um auf eine Reihe anderer Sprachloser hinzuweisen.

Sabine Hark und Paula Irene Villa, die beide Lehrstühle für GenderXY besetzen, schweigen immer noch. Sie haben offensichtlich keinerlei Antworten auf Fragen, die die wissenschaftliche Fundierung ihrer von Steuerzahlern finanzierten Tätigkeit betreffen. 

Der gesamte Vorstand der DGS schweigt noch immer. Die darin Versammelten haben ganz offensichtlich keinerlei Problem damit, dass nachgewiesen wurde, wie männliche Bewerber auf Professuren im Fach Soziologie gegenüber weiblichen Bewerbern diskriminiert werden.

©ScienceFiles

Bürgerliches Engagement von ScienceFiles-Lesern

In den letzten Jahren haben verschiedene Ministerien sich dazu aufgemacht, bürgerliches Engagement zu wecken und vor allem für ihre Zwecke zu nutzen. Denn: natürlich wird von Ministerien nichts unterstützt, was sich kritisch mit z.B. der Regierungspolitik oder den Folgen von Politiken beschäftigt. Der engagierte Bürger, wie er den Ministerien vorschwebt, hat sich in erster Linie für politische korrekte Zwecke instrumentalisieren zu lassen und die Lücke zu füllen, die durch den Wegfall der billigen Kriegsdienstverweigerer entstanden ist.

SPD-Variante: Bürgerliches Engagement als infantiler Ringelreihen-Tanz

SPD-Variante: Bürgerliches Engagement als infantiler Ringelreihen-Tanz

Und so obliegt es Lesern von ScienceFiles ein Role Model für tatsächliches bürgerliches Engagement abzugeben, denn bürgerliches Engagement ist kein Engagement, das von oben vorgegeben und kanalisiert wird, es ist Engagement, das von Individuen gezeigt wird, ohne dass sie dazu angeleitet oder aufgefordert worden wären – intrinsisch motiviertes Engagement.

Ein Leser von ScienceFiles, der sich in den letzten Wochen besonders bürgerlich engagiert hat, ist Enrico. Er hat eine Reihe von ScienceFiles-Beiträgen zum Anlass genommen, um nachzufragen.

So haben wir vor einiger Zeit darüber berichtet, dass politische Wissenschaftler, also Ideologen, die an der TU-Dresden eine Möglichkeit gefunden haben, sich ein Auskommen zu verschaffen, Werner J. Patzelt dafür anfeinden, dass er sich auf Fakten beruft und nicht in den Chor der öffentlich-rechtlich Entrüsteten, die in Pegida-Teilnehmern nichts anderes als Rechtsextreme erkennen können, einstimmt. Dass er das nicht tut, hat seine Ursache in Patzelt’s Integrität, was wiederum eine Folge der Fakten ist, die Patzelt über die Teilnehmer der Pegida gesammelt hat.

AnonymityEnrico hat unseren Beitrag zum Anlass genommen, um an die politischen Wissenschaftler der TU-Dresden zu schreiben, die Patzelt anfeinden. Sofern er eine Antwort auf seine eMail erhält, werden wir diese publizieren, wenn nicht, nehmen wir die Dresdner Ideologen in unsere Liste der Wissenschaftler auf, die sich im Poor Coward’s Cycle (PCC) befinden.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin auf Ihre Stellungnahme zu den Äußerungen von Prof. Werner Patzelt aufmerksam geworden. Da ich seit 25 Jahren in Dresden lebe und an der TUD studiert habe interessiert mich dieses Thema. Nach der Lektüre stellen sich mir jedoch einige Fragen. Da Sie die Stellungnahme ausdrücklich in Ihrer Rolle als Politikwissenschaftler verfasst haben bitte ich Sie, mir diese Fragen von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus zu beantworten.

Sie schreiben: „Wer für Weltoffenheit und Toleranz auf die Straße geht, betreibt keine Feindbildpflege, ist mitnichten „hysterisch“ und sieht nicht reflexhaft nur Rechtsextremisten und Faschisten bei Pegida mitlaufen.“

  • Woher wissen Sie, dass die Teilnehmer der Demonstrationen gegen Pegida (nur) für Weltoffenheit und Toleranz eintreten? Sind die Teilnehmer zu ihren Zielen und Einstellungen befragt worden? Können Sie Belege angeben?

Sie schreiben: „Was die Demonstrant_innen am meisten treibt, ist das Bedürfnis, auch denen eine Stimme zu geben, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Aussehens oder ihrer Kleidung montags nicht mehr auf die Straße trauen und damit kaum Gehör verschaffen können.“

  • Sind die Demonstranten, in deren Namen sie zu sprechen vorgeben, auf irgend eine Art legitimiert worden? Von wem genau sprechen Sie, wenn Sie nur Hautfarbe, Aussehen oder Kleidung erwähnen? Woher wissen Sie, dass sich diese Menschen (alle?) nicht mehr auf die Strasse trauen?

Sie schreiben: „Im Vergleich dazu erscheint uns die Rede von der „Ausgrenzung“ derer, die mit großem medialen Echo wöchentlich für eine Vielzahl an teils rechtspopulistischen Forderungen auf die Straße gehen, wie blanker Hohn.“

  • Können Sie die Vielzahl der Forderungen belegen, die Sie hier angeben? Weiter oben in Ihrem Text weisen Sie hysterisches und reflexhaftes Verhalten Ihrerseits zurück, nutzen jedoch an dieser Stelle das Attribut „rechtspopulistisch“. Stellt nicht gerade die Verwendung des Attributs „rechtspopulistisch“ einen Versuch der Ausgrenzung von Pegida dar?

Sie schreiben: „Ebenso entschieden wenden wir uns gegen den Vorwurf, dass Pegida-kritische Demonstrationen für eine Zuspitzung der politischen Atmosphäre in Dresden verantwortlich seien. Wahr ist, dass das gesellschaftliche Klima in Dresden rauer geworden ist.“

  • Wenn nicht die Pegida-kritischen Demonstrationen für eine Zuspitzung sorgen, wer oder was ist es dann?

Sie schreiben: „ Neueste empirische Untersuchungen bestätigen eine deutliche Zunahme an Übergriffen auf Migrant_innen und Flüchtlinge. “

  • Auf welche Untersuchungen beziehen Sie sich hier? Eine Angabe von Quellen würde mir helfen.

Sie schreiben: „Als Politikwissenschaftler_innen sehen wir uns täglich in der Pflicht, Diskriminierungen auch in Form des bürgerlichen Engagements entgegenzutreten.“

  • Ich war bisher der Meinung, dass es die Aufgabe von Politikwissenschaftlern ist, politische Prozesse zu erforschen und nicht, Politik zu machen. Können Sie noch objektiv auf Ihrem Gebiet forschen, wenn Sie sich als Wissenschaftler politisch positionieren? Sehen sie in den Pegida-Demonstrationen eine Diskriminierung? Wenn ja, wer wird wie diskriminiert? Wie stehen sie generell zur Meinungs-, Rede-, und Demonstrationsfreiheit?

Ich hoffe, Sie können mir wenigstens auf einige meiner Fragen eine Antwort zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen,

Die eMail ging an die folgenden Adressaten:

  • Oliviero.Angeli@tu-dresden.de
  • mark.arenhoevel@tu-dresden.de
  • rico.behrens@tu-dresden.de
  • peter.birkenhauer@mailbox.tu-dresden.de
  • kerstin.budde@tu-dresden.de
  • brigitte.fuhrmann@tu-dresden.de
  • anna_lena.hemmer@tu-dresden.de
  • Jan-Philipp.Kruse@tu-dresden.de
  • phillip.roth@tu-dresden.de
  • peter.lange@mailbox.tu-dresden.de
  • julia.schulze_wessel@tu-dresden.de
  • christian.woehst@tu-dresden.de

Da man als Wissenschaftler nur dann Behauptungen aufstellt, wenn man die entsprechenden Behauptungen auch belegen kann, sind die Fragen von Enrico ein Lackmustest, der blau wird, wenn die Angefragten antworten und ihre Behauptungen belegen können, rot, wenn sie es nicht können und nicht antworten.

Eine weitere eMail von Enrico, dieses Mal an Prof. Dr. Beck, der für eine Ausschreibung der Hochschule Mannheim verantwortlich zeichnet, in der männliche Bewerber klar diskriminiert werden, wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten.

„Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Beck,

ich bin auf die Stellenausschreibung zur Professur „Mathematik und Physik“ Bes. Gr. W2 (Stellen-Nr. 731) an der Hochschule Mannheim aufmerksam geworden. Darin heißt es „Die Besetzung der Professur steht unter dem Vorbehalt der Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II.“. Mit andere Worten: die Stelle wird entweder mit einer Frau oder gar nicht besetzt. Andererseits werden im Text ausdrücklich Bewerber, also Männer, angesprochen. Diese hätten jedoch keine Chance, selbst wenn sie besser geeignet wären. Können Sie mir bitte erklären, warum Männer zur Bewerbung aufgefordert werden?

Mit freundlichen Grüßen,“

Die eMail ging an: k.beck@hs-mannheim.de

Es wäre wünschenswert, dass viele Leser von ScienceFiles dem Vorbild von Enrico folgen und sich von sich aus einmischen, denn eine Demokratie kann nur überleben, wenn sich Bürger einmischen, und zwar in einer Weise, die nicht von oben als der Oligarchie genehmes bürgerliches Engagement vorgegeben ist.

Doch Lügenpresse? Oder ist die gezielte Manipulation von Medienrezipienten erlaubt?

Derzeit ist ein Teil der deutschen Journalisten, vor allem öffentlich-rechtliche Journalisten, mit Selbstmitleid beschäftigt, hat man sie doch als Lügenpresse bezeichnet. Solcher „Hetze“, wie es bei der Tagesschau heißt, muss mit moralischer Aufgeregtheit begegnet werden.

Das Ziel ist einfach zu benennen: Den Begriff der Lügenpresse als rechten Begriff brandmarken, und alles zerstören, was den Begriff z.B. zu einer vielleicht pointierten, aber dennoch legitimen Kritik an der Praxis der Berichterstattung vor allem in öffentlich-rechtlichen Medien macht.

Und hier entlarven sich die empörten Journalisten dann von selbst, denn: Ginge es ihnen nicht einfach nur darum, den Begriff der Lügenpresse zu instrumentalisieren, um Kritik an ihrer eigenen Praxis der Berichterstattung im Keim zu ersticken, sie würden sich sicher dafür interessieren, welche Ursache der Benutzung des Begriffs vorausgeht, welche Beobachtungen und Einschätzungen, diejenigen, die den Begriff benutzen, auf Grundlage welcher Medienberichterstattung gemacht und gebildet haben.

ManipulationstechnikenEin derartiges Vorgehen würde man von reifen Vertretern entsprechender Medien erwarten. Statt dieses Vorgehens findet man durch die Bank das infantile Aufstampfen mit dem Fuss, bei dem man sich den roten Kopf des Kleinkindes, das seinen Willen durchsetzen will, dazudenken muss.

Dabei gäbe es genügend Anlass für Vertreter der Medien, Selbstkritik zu üben und sich mit den eigenen Praktiken zu befassen. Wir haben auf ScienceFiles bereits eine Vielzahl entsprechender Beispiele dokumentiert und wollen an dieser Stelle nur zwei herausgreifen:

Die Geilheit, man kann es nicht anders bezeichnen, mit der sich Journalisten auf einen dpa-Text gestürzt haben, der von einer Studie berichtet hat, die angeblich zeigt, dass alle Männer Idioten sind, verweist darauf, dass es bei den entsprechenden Journalisten bei mehr als nur der Intelligenz im Argen liegt.

Dieselbe Geilheit haben wir im Zusammenhang mit dem Werdegang einer Pressemeldung der GEW, die von Fällen des sexuellen Missbrauchs an 40% der deutschen Schulen berichtet, eine krude Falschmeldung (oder Lüge?), dargestellt.

In allen Fällen zeichnet sich die Berichterstattung durch eine Voreingenommenheit (bis hin zu Gehässigkeit) aus, die in Auslassungen von Fakten, tendenziösen Darstellungen und suggestiven Formulierungen ihren Niederschlag findet.

Dass es sich bei den von uns dokumentierten Fällen nicht um Einzelfälle handelt, zeigt sich an Erfahrungen mit der Medienberichterstattung, von denen Werner J. Patzelt, seines Zeichens Professor für Politikwissenschaft in Dresden berichtet.

Es geht um PEGIDA.

PEGIDA ist schlecht, von islamophoben und xenophoben Rechtsextremisten getragen, so das Bild, das die Medien vermitteln wollen. Patzelt hat in einer Befragung von PEGIDA-Teilnehmern eine ganz andere Realität gefunden und darüber die Presse informiert.

Wir dokumentieren hier einen Teil seiner Beschäftigung damit, was die Medienvertreter aus seiner Forschung gemacht haben. Es ist dies eine Beschäftigung mit Manipulation, Auslassung, tendenziöser und suggestiver Darstellung, die zumindest ein Indiz dafür liefert, dass der Begriff der Lügenpresse so falsch nicht ist.

Werner patzeltWerner J. Patzelt: „Am Medienecho unserer Studie zu PEGIDA fällt einiges auf.

1) Man hätte die zentrale Aussage so formulieren können: „Zwei Drittel der Demonstranten sind ‚gutwillige Bürger'“. Mitbekommen hat man: „Ein Drittel der Demonstranten sind rechtsnationale Ausländerfeinde“.

2) Man hätte das von mir für diese dritte Gruppe gewählte Wort „Xenophobie“ zutreffender übersetzen können. Xenophobie heißt nämlich nichts anderes als „Fremdenfürchtigkeit“ oder „Furcht vor dem Fremden“. Gewählt aber wurde meist die – mit einem nun wirklich sehr besonderen Akzent versehene – Verdeutschung „Ausländerfeindlichkeit“. (Ich freilich hätte das voraussehen und gleich von „rechtsnationaler Fremdenfürchtigkeit“ schreiben sollen).

3) Als ein zentraler Befund hätte sich vermitteln lassen: „Die meisten Pegida-Demonstranten sind keine Ausländerfeinde, sondern wollen, dass Deutschland weiterhin Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber aufnimmt“.

4) Man hätte herausstellen können, dass in den Augen von Pegida-Demonst[r]anten nicht die Bürgerkriegsflüchtlinge Anlass von Zorn über so manche Politik unseres Landes sind, sondern dass der Kristallisationspunkt von Empörung der Eindruck ist, aus dem Asylrecht sei eine Art Autobahn zum selbstbestimmten Einwandern nach Deutschland geworden.

5) Angesichts der fast regelmäßigen Verbindung des Wortes „Pegida“ mit der Eigenschaftsbezeichnung „islamfeindlich“ (oder wenigstens „islamkritisch“) hätte sich mitteilen lassen, dass zwar über die Hälfte der Befragten nicht einmal einen Islam, welcher so friedlich wie das heutige Christentum wäre, als zu Deutschland passend ansieht, dass fast ein Drittel der Demonstranten das aber sehr wohl tut. Davon ausgehend, hätte sich wiederum erklären lassen, wie unterschiedlich die Pegida-Demonstranten dieses Thema angehen, das für die Zukunft unserer Gesellschaft doch überaus wichtig ist.

6) Nur sehr wenige Berichte kamen ohne den Hinweis aus, unsere Studie sei „nicht repräsentativ“. Oft klang das danach, so richtig dürfe man sich auf ihre Befunde nicht verlassen. Dabei kommt unsere Untersuchung dem anzustrebenden Ideal der Repräsentativität näher als jede der anderen vorliegenden Untersuchungen.“

Wie nennt man eine Presse, die tendenziös berichtet, suggestiv berichtet und versucht, die Meinung, die sich Leser auf Grundlage der Berichterstattung bilden, gezielt zu beeinflussen?

Repräsentativität fällt Medienvertretern immer dann als Totschläger ein, wenn sie Ergebnisse delegitimieren wollen, die ihnen nicht in den Kram passen. Da ein zufällig gewählter deutscher Jorunalist eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, zwar den Begriff der Repräsentativität schon mindestens einmal benutzt zu haben, aber keinerlei Ahnung zu besitzen, was das Konzept der Repräsentativität eigentlich besagt, ist die Verwendung des Begriff in derogativer Form, die delegitimieren soll, quasi zwangsläufig.

Zwangsläufig deshalb, weil bei Themen, die in der politisch korrekten Welt der Medien gerne gesehen werden, gewöhnlich niemand auf die Idee kommt, nach Repräsentativität zu fragen. So hat kein Journalist, die sexuellen Missbrauchsfälle an 40% deutscher Schulen, die die GEW hochgerechnet hat, auf Repräsentativität geprüft, und niemand kommt auch nur ansatzweise auf die Idee, Forschung, die sich mit Homosexuellen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften befasst, auf Repräsentativität zu prüfen, obwohl es hier mehr als angebracht wäre.