Soziale Gerechtigkeit: Ein linker Etikettenschwindel von Meinungsforschern entlarvt

Soziale Gerechtigkeit ist ein Plastikwort oder ein Platzhalter. Von „sozialer Gerechtigkeit“ ist bekannt, dass es ein positiv besetzter Begriff ist. Man kann sich als Individuum gut fühlen, wenn man von sich sagt, man sei für „soziale Gerechtigkeit“, schon weil natürlich niemand gegen „soziale Gerechtigkeit“ ist. Manche denken, sie könnten die besonders Naiven unter den Wählern fangen, wenn sie von sich behaupteten, sie stünden für soziale Gerechtigkeit.

Soziale Gerechtigkeit kann man sich am besten als sprachlichen Platzhalter vorstellen, über den viele sprechen, ohne dass sie über das selbe sprechen. Jeder kann den Platzhalterbegriff benutzen und man kann über den affektiven Gehalt, der mit dem Begriff „sozialer Gerechtigkeit“ mitgeliefert wird, eine Brücke zu denen herstellen, die auch gerne gut sind oder „gut“ erscheinen wollen. Man kann Diskussionen in Talkshows mit dem Begriff „soziale Gerechtigkeit“ bestreiten, ihn in Parteiprogrammen an den unterschiedlichsten Stellen verteilen oder sich in Reden besonders ausgiebig seiner bedienen, ohne dass offenkundig wird, dass die, die den Begriff hören oder ihn lesen, (zuweilen völlig) unterschiedliche Bedeutungen an den Begriff herantragen.

YOUGOV kommt das Verdienst zu, untersucht zu haben, mit welchen Inhalten Deutsche den Begriff „soziale Gerechtigkeit“ füllen. Das Ergebnis ist für linke Parteien vernichtend:

22% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit eine Variante des Leistungsprinzips („, [d]ass jeder Bürger bekommt, was seiner Leistung entspricht. Wer mehr leistet, sollte mehr verdienen“).

22% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit Chancengleichheit („[d]ass für alle Bürger gleiche Startbedingungen und Chancen geschaffen werden“).

21% verstehen darunter eine Variante des Bedürfnisprinzips („,[dass jeder Bürger bekommt, was er benötigt. Es sollte für jeden gesorgt sein“).

15% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit Mildtätigkeit gegenüber sozial oder geistig Minderbemittelten („,[d]ass insbesondere den Schwächsten geholfen wird).

Nur 12% verstehen unter sozialer Gerechtigkeit die Ergebnisgleichheit, die Linke gerne unter das Etikett „soziale Gerechtigkeit“ verpacken („,[d]ass für alle Bürger die gleichen Lebensbedingungen geschaffen werden“).

Die Umverteilung linker Regierungen, die Ergebnisgleichheit, die in staatlichen Programmen der Frauenhilfe und –bevorzugung angestrebt wird, sie wird demnach von 12% als sozial gerechte Politik angesehen. Nach der Verabschiedung der Ehe für alle ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass in Deutschland vornehmlich Politik für Minderheiten und gegen die Mehrheitsmeinung gemacht wird – oder, in den Worten von public choice, dass es in Deutschland bestimmten Interessengruppen gelungen ist, Entscheidungspositionen zu besetzen und hemmungslos für ihre Zwecke auszunutzen.

Der Begriff „soziale Gerechtigkeit“ ermöglicht es linken Parteien, ihre Politik der Umverteilung auch denen unterzuschieben, die sie gar nicht mittragen. Der Platzhalterbegriff erlaubt es Lobbyisten, die Politik für ihre politischen Ziele zu kapern. Es ist Zeit, den Begriff, von dem schon Friedrich Hayek der Ansicht war, dass er sinnlos ist, aus dem Sprachgebrauch zu streichen.

“Mehr als zehn Jahre lang, habe ich mich intensiv damit befasst, den Sinn des Begriffs ‘soziale Gerechtigkeit’ herauszufinden. Der Versuch ist gescheitert; oder besser gesagt, ich bin zu dem Schluss gelangt, dass für eine Gesellschaft freier Menschen dieses Wort überhaupt keinen Sinn hat” (Hayek, 1977).

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Mitläufereffekt: Plötzlich ist eine Mehrheit für Zensur

Schon 1975 hat Kurt Holm in seinem Standardwerk über die Befragung den Mitläufereffekt als Mittel der Meinungsmanipulation in Umfragen beschrieben. Den Befragten wird suggeriert, dass zu einer bestimmten Frage bereits eine Mehrheit oder eine Obrigkeit oder eine Autorität zu einem bestimmten Urteil gekommen ist und dann werden die Befragten gefragt, zu welchem Urteil sie denn kommen: „Dieser Appell an den Mitläufereffekt“, so schreibt Holm, hat „natürlich nur einen Sinn, wenn der Befragte auch tatsächlich unter dem Eindruck steht, dass so wie er denkt und handelt, auch viele andere denken und handeln, ohne offen darüber zu sprechen“ (Holm, 1983: 63).

Holm_Entsprechend kann der Mitläufereffekt auch als Variante sozialer Erwünschtheit angesehen werden, soziale Erwünschtheit, die darin besteht, mit seiner Meinung die Mehrheitsmeinung zu repräsentieren, sich als Mitglied der Mehrheit, der In-Group darzustellen, nicht als Außenseiter mit abweichender Meinung.

In jedem Fall führen Mitläufereffekt und soziale Erwünschtheit dazu, dass Befragte den Befragern nach dem Mund reden, was Letztere leidlich ausnutzen, wenn es darum geht, eine bestimmte Verteilung von Antworten in angeblich repräsentativen Befragungen herbei zu manipulieren.

YouGov leistet dies seit neuestem sogar in besonders innovativer Weise und in eigenen Worten dadurch, dass „1036 Personen ab 18 Jahren im Zeitraum vom 7. bis 11. April repräsentativ befragt“ wurden. Wie man repräsentativ befragt, ist eine Frage, die mit Sicherheit niemand bei YouGov beantworten kann, einfach deshalb nicht, weil die Formulierung vollkommener Unsinn ist.

Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, mit dem Wörtchen „repräsentativ“ jenen Köder zu legen, den Journalisten gerne fressen, so dass die Ergebnisse von YouGov ihren Weg in die Medien Deutschlands finden, sich dort in Schlagzeilen wie: „Mehrheit der Deutschen finden Gesetzentwurf gegen Hasskommentare sinnvoll“ niederschlagen.

Die Mehrheit der Deutschen hat mit Sicherheit keine Ahnung, was in dem Gesetzentwurf, den sie nach den Ergebnissen, die YouGov verkaufen will, „sinnvoll finden“, steht. Entsprechend muss diese Mehrheit, nicht der Deutschen, sondern der 1036 Befragten, die YouGOV zusammenbekommen hat, auf das Vertrauen, was YouGOV an Informationen über den Gesetzentwurf bereitstellt.

YouGov Stellt diese Informationen bereit:

You Gov Hasskomentare Grafik 1„Die Bundesregierung will stärker gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorgehen. Sie stimmte dem Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas zu. Dieser sieht vor, dass Betreiber sozialer Netzwerke innerhalb von 24 Stunden strafbare Inhalte löschen müssen. Sonst drohen im Extremfall bis zu 50 Millionen Euro Bußgeld. Sind Sie der Meinung, dass dieses Vorgehen sinnvoll ist, um gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorzugehen?“

Die Mehrheit der Befragten, die nicht wissen, was im Gesetzentwurf steht, erfährt von YouGov, dass das, was sie nicht kennen, von der Bundesregierung bereits abgesegnet wurde, dass Betreiber sozialer Netzwerke strafbare Inhalte löschen müssen, die zwar wenig mit Hasskommentaren und gar nichts mit FakeNews zu tun haben, aber dennoch mit beidem in Verbindung gebracht werden. Sie werden dann gebeten, anzugeben, ob das Gesetz, mit dem gegen strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken vorgegangen werden soll, ein Vorgehen, von dem sie zwar nicht wissen, wie es aussieht, so dass sie es auch nicht beurteilen können, von dem ihnen aber gesagt wurde, dass es gegen strafbare Inhalte gerichtet sei, also gegen Kriminalität und dass es die Bundesregierung bereits abgesegnet habe, auf jeden Fall sinnvoll ist, eher sinnvoll ist, eher nicht sinnvoll ist oder auf keinen Fall sinnvoll ist.

Und als wäre der Aberwitz nicht bereits auf die Spitze getrieben, geben nunmehr die Befragten, zu dem, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, weil es noch niemand weiß, nicht einmal Heiko Maas weiß es, eine Beurteilung darüber ab, ob das, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, sinnvoll ist.

Letztlich misst die Frage von YouGov, die man nicht anders als als vollkommenen Blödsinn bezeichnen kann, Blödsinn, der mit Manipulationsabsicht in die Welt gesetzt wird, nichts, gar nichts.

Das hindert YouGov natürlich nicht daran, reißerische Schlagzeilen zu formulieren und das Ergebnis den Pressevertretern anzudienen, die gerne auf solche Ergebnisse zurückgreifen, um ihre eigene Ideologie bestätigt zu finden.

Fragt man nun, wie es dazu kommt, dass Meinungsforscher ihre Aufgabe vor allem darin sehen, Zustimmung zu dem herbei zu manipulieren, was als politisch Korrekt angesehen wird, dann bieten sich eine Reihe von Erklärungen an:

Die Erklärung durch Opportunismus: Meinungsforscher finden, was der, der die Meinungsforscher bezahlt, gerne erfunden hätte.

Die Erklärung durch Inkompetenz: Mit dem Advent des Genderismus an Hochschulen sind Methoden der empirischen Sozialforschung und die dazu gehörigen Kenntnisse weitgehend verschwunden. Die meisten Absolventen haben keine Ahnung mehr von Reliabilität und Validität und kennen auch die Kunst des Frageformulierens nicht einmal mehr vom Hörensagen.

Die Erklärung durch Isomorphie: Meinungsforscher rekrutieren sich alle aus dem selben Meinungssumpf, zeichnen sich alle durch die selbe Unkenntnis im Hinblick auf die Methoden empirischer Sozialforschung aus und sind entsprechend darauf angewiesen, Fragen zu kopieren und zu verwenden, die andere Meinungsforscher, die genauso inkompetent sind, aber nicht so zögerlich, bereits formuliert haben.

Welche Erklärung zutrifft, ist anyones guess.


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FakeNews, FakeUmfragen, FakeVerstand: dpa verbreitet Datenjunk

Ein große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist überzeugt, durch Fake News könnten Wahlen beeinflusst werden“.

YouGov hat es angeblich ermittelt.

dpa verbreitet es.

Wir fragen: Was wäre wohl herausgekommen, wenn man die Frage anders gestellt hätte?

Nicht:

Survey ResearchWie sehr stimmen Sie der Aussage zu, „dass Populisten aufgrund von FakeNews an Zustimmung gewinnen“?

sondern:

Wie sehr stimmen Sie der Aussage nicht zu, „dass Populisten aufgrund von FakeNews an Zustimmung gewinnen“?

Dass Befragte gerne zustimmen, ist ein bekanntes Phänomen. Dass man sie durch positive Formulierungen zur Zustimmung bewegen kann, ist noch bekannter, hat gar einen eigenen Namen: „affirmation bias“. Und dass dieser „affirmation bias“ besonders bei Fragen zu Themen, deren richtige Bewertung die Medien Tag und Nacht in die Hirne ihrer Konsumenten zu trommeln versuchen, vorhanden ist, ist noch bekannter.

Kennt man diese Möglichkeit, Umfragen zu manipulieren, bei YouGov nicht oder setzt man sie bewusst ein?

Wie auch immer, dass die Ergebnisse Unsinn sind, kann man auch anders argumentieren, nämlich mit Bezug auf diejenigen, die die Antworten gegeben haben:

84% der 1017 Befragten sind der Ansicht, dass Populisten aufgrund von FakeNews an Zustimmung gewinnen können. Natürlich sind diese 84% der Ansicht, dass der Versuch, mit FakeNews Zustimmung zu erheischen, bei ihnen erfolglos wäre, denn anfällig sind immer die anderen, nie man selbst. Entsprechend bleiben 16%, die nach Ansicht von 84% der 1017 YouGov-Befragten für FakeNews anfällig sind. Indes, 14% sind der Ansicht, dass FakeNews eher oder ganz und gar nicht zu Gunsten von Populisten wirken. Bleiben noch 2% die vielleicht anfällig sind, aber die fallen unter den statistischen Fehler. Die Frage, die man bei YouGov gestellt hat, ist schlichter Blödsinn, produziert kein verwertbares Ergebnis, sondern Datenjunk. Das hindert dpa natürlich nicht daran, den Datenjunk zu verbreiten.

Das gleiche trifft auf die Feststellung zu, dass 90% der 1017 YouGov-Befragten voll und ganz oder eher der Ansicht sind, FakeNews könnten zur Diskriminierung einzelner Personen führen.

Ein Tag ohne dpa und YouGov könnte dazu führen, dass sich der Verstand einzelner Personen wieder aus dem Wahnsinn in die Normalität rettet.

Nun, wer stimmt dieser Aussage zu? Voll und ganz oder eher?

Kann im Konjunktiv als „könnte, macht die You-Gov Frage zunichte, denn könnte kann viel. Z.B:

Könnte das Treffen zwischen Merkel und Trump dazu führen, dass Ralf Stegner einen seiner Beleidigungstweets absetzt.

Der Neumond von heute, könnte dazu führen, dass in Wanne Eickel ein Mensch nicht diskriminiert wird, der bei Vollmond noch diskriminiert worden wäre.

Und die Befragung von 1017 Deutschen durch YouGov könnte dazu führen, dass die Bereitschaft, sich von YouGov in Zukunft befragen zu lassen, erheblich sinkt.

Zustimmung?
Voll und ganz?
Oder eher eher?

Mehrheit findet Gutmensch und Lügenpresse akzeptabel

“Was meinen Sie: Sind diese Begriffe generell in öffentlichen Debatten und politischen Diskussionen akzeptabel?”. Diese Frage hat YouGov im Rahmen des YouGov-Omnibus gestellt, 1049 Teilnehmer am Omnibus haben die Frage beantwortet.

Demnach sind Gutmensch und Lügenpresse Begriffe, die von einer Mehrheit der Befragten als im öffentlichen Diskurs akzeptabel angesehen werden. Dagegen sind die Begriffe “Pack” und “Arschloch”, die Sigmar Gabriel oder Joschka Fischer im öffentlichen Diskurs genutzt haben, für die Mehrheit der Befragten nicht akzeptabel.

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Das ist ein eindeutiges Votum und eines, mit dem Moritz Wichmann von YouGov ringt, zeigt es doch nach seiner Ansicht, dass “problematische Begriffe” der “politischen Rechte[n]”, dass “rechtes Vokabular” für viele Deutsche akzeptabel sind. Die problematischen Begriffe “Gutmensch” und “Lügenpresse” grenzt Wichmann gegen “‘normale’ abwertende Beschimpfungen wie Luder und Arschloch” ab, was einmal mehr zeigt, wie problematisch die Begriffe “Lügenpresse” und “Gutmensch” für Angehörige des Mainstream doch sind und wie normal für sie die Benutzung von Begriffen wie Arschloch, oder Pack doch zu sein scheint. Aber das ist ihr Problem.

Fangen wir zunächst mit der Feststellung an, dass Begriffe Begriffe sind. Ihre Bedeutung ist ihnen nicht immanent. Die Bedeutung von Begriffen ist der Gegenstand von Konvention und Übereinkunft. Irgendwie hat sich der Begriff Berg zur Bezeichnung von Erhebungen durchgesetzt, während der Begriff „grumph“ keine Mehrheit für seine Verwendung zur Bezeichnung von Erhebungen in der Landschaft erhalten hat. Also reden wir von Bergen, obwohl wir auch von Grumpf reden könnten.

Als Konsequenz ergibt sich, dass Begriffe keine Essenz haben, sie sind nicht irgendwie. Es gibt keine linken und keine rechten Begriffe. Die Bezeichnung „rechter Begriff“ oder „rechtes Vokabular“ ist eine Zuschreibung, die wertend gemeint ist. Wenn also von „rechten Begriffen“ die Rede ist, dann hat dies nichts mit den Begriffen als solchen zu tun. Es ist vielmehr der Ausdruck eines Interesses bei demjenigen, der einen Begriff wie „Gutmensch“ oder „Lügenpresse“ als rechten Begriff bezeichnet. Da mit dem Zusatz „rechts“ eine Abwertung vorgenommen werden soll, ist klar, dass die Bezeichnung „rechter Begriff“ oder „rechtes Vokabular“ von demjenigen, der sie vornimmt, genutzt wird, um die Verwendung des Begriffs, hier Gutmensch bzw. Lügenpresse in Frage zu stellen. Darin besteht offensichtlich sein Interesse.

Nun sind Gutmensch und Lügenpresse empirische Begriffe, die eine Behauptung über Individuen oder Organisationen aufstellen, eine Behauptung, die in beiden Fällen prüfbar ist. Wir haben z.B. den Begriff des Gutmenschen definiert, als – in aller Kürze – Person, die von missionarischem Eifer besessen ist und die andere mit ihrer Überzeugung, besser als diese anderen zu wissen, was gut für diese anderen ist, verfolgt und sich das Recht einräumt, durch Zwang, diese anderen zum Gutmenschenheil zu bekehren“. Auf Basis dieser Definition ist es problemlos möglich zu prüfen, ob eine bestimmte Person ein Gutmensch ist oder nicht.

Dasselbe gilt für den Begriff “Lügenpresse”. Die Behauptung hinter dem Begriff lautet: Die Presse oder Teile der Presse verbreiten Lügen und behaupten, die Lügen seien Fakten. Auch hier ist es einfach, den Vorwurf zu prüfen. So hat Markus Gärtner ein Buch mit dem Titel „Lügenpresse“ geschrieben, in dem er eine Fülle von Beispielen anführt, die nach seiner Ansicht deutlich machen, dass in Printmedien Lügen verbreitet werden. Es steht all denen, die den Begriff „Lügenpresse“ nicht mögen, offen, die Beispiele zu widerlegen und zu zeigen, dass die Behauptung, in der Presse würden Unwahrheiten verbreitet und es würde versucht, die Leser zu manipulieren, falsch ist. Gleiches ist auch für die Beiträge möglich, in denen wir gezeigt haben, wie falsche Meldungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitet werden. Jeder kann versuchen zu zeigen, dass unsere Argumentation falsch ist.

Seltsamerweise hat bislang noch niemand versucht, den Kern, der hinter „Gutmensch“ oder „Lügenpresse“ steckt zu entkräften und z.B. zu zeigen, dass alle Beispiele, die falsche oder bewusst falsche Berichterstattung in Medien auflisten, falsch sind und der Begriff der Lügenpresse somit nicht gerechtfertigt ist.

Stattdessen wird versucht, Begriffe wie Gutmensch oder Lügenpresse als rechte Begriffe zu diskreditieren. Und wer hat wohl ein Interesse daran, die Verwendung von Begriffen wie “Gutmensch” oder “Lügenpresse” zu unterbinden?

In jedem Fall ist der entsprechende Versuch, wie die Umfrage von YouGov zeigt, in die Hose gegangen. Die meisten Befragten sind der Ansicht, beide Begriffe seien in der öffentlichen Diskussion akzeptabel. Die selben Befragten sind mehrheitlich der Ansicht, dass Begriffe wie „Arschloch“ und „Pack“, die regelmäßig als Beschimpfung und eben nicht als empirischer Begriff gebraucht werden, nicht akzeptabel sind.

Wäre die SPD eine Volkspartei, die, wie dies unter Helmut Schmitt der Fall war, bei Bundestagswahlen in der Gegend von 40% der Stimmen zu finden ist, es sollte die Parteistrategen (sofern es sie gibt) nicht kalt lassen, dass die Begriffswahl von Sigmar Gabriel von 72% der Befragten als nicht akzeptabel bezeichnet wird. Nun ist die SPD keine Volkspartei mehr, sondern eine Partei, die auf dem Weg zur Bedeutungslosigkeit ist und dann, wenn Parteien unter 20% fallen, weicht in der Regel der Versuch, eine konstruktive Sprache zu sprechen dem Versuch, in ideologischer Apodiktik die eigene Position als unverrückbare Wahrheit darzustellen. Und wenn man selbst im Besitz der Wahrheit ist, dann müssen all die anderen, die diese Wahrheit nicht einsehen wollen, wohl uneinsichtiges Pack (oder rechtes Gesindel) sein.

 

Steinmeier als Bundespräsident: So geht Meinungsmanipulation

Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem längeren Urlaub nach Hause und sind hungrig. Im Kühlschrank findet sich, der längeren Abwesenheit geschuldet, ein ranziges Stück Butter, ein Camembert, der über das Verfallsdatum ist, aber noch keine Verfallserscheinungen aufweist, Sie haben ein Stück Brot, das jeden Ziegelstein weich aussehen lässt und zudem finden Sie noch ein Glas Marmelade mit einer großartigen Schimmelpilzzucht „on top“. Wofür entscheiden Sie sich, wenn Sie sich entscheiden müssen?

Wetten, Sie essen den Camembert?

So geht suggestive Meinungsforschung. Trick 20 auf dem untersten Arsenal der Meinungsbeeinflussung funktioniert über die Unterdrückung von Alternativen oder sagen wir es mehr in Meinungsforschungsslang: Durch die unvollständige Vorgabe von Antwortalternativen.

Fragen wir also anders:
Wen können Sie sich am ehesten als Bundespräsidenten vorstellen?

  • schimmelpilzWolfgang Schäuble
  • Norbert Lammert
  • Winfried Kretschmann
  • Frank-Walter Steinmeier
  • Ursula von der Leyen
  • Margot Käßmann

Wem also trauen Sie am ehesten zu, das Amt des Bundespräsidenten auszufüllen, so hat TNS Emnid nach übereinstimmenden Meldungen, identischen Meldungen in ZEIT; FAZ und Spiegel gefragt? Und damit die Illusion, Sie hätten eine Wahl auch wirklich vorhanden ist, sind Mehrfachnennungen möglich, was natürlich völliger Blödsinn ist, wenn man danach fragt, wem ein Befragter am ehesten zutrauen würde, das Amt des Bundepräsidenten zu füllen (wohl mit seiner Persönlichkeit, nicht mit seiner Körperfülle). Und weil es völliger Blödsinn ist, Mehrfachnennungen zuzulassen, kann dahinter nur ein suggestiver Trick stehen: Wahltäuschung.

Die Wahl gleicht der, vor die Sie Ihr Kühlschrank nach Ihrer Rückkehr von einer längeren Abwesenheit gestellt hat und abermals wählen sie den Camembert, im übertragenen Sinne natürlich: „Mehrheit wünscht sich Steinmeier als Präsidenten“, lauten dann die entsprechenden Überschriften über dem entsprechenden Text, und bei der SPD frohlockt man: Der stellvertretende Vorsitzende der SPD, Olaf Scholz, meint: „Steinmeier ist der Politiker, den sich die meisten Deutschen als Staatsoberhaupt wünschen. Wer diesen Wunsch aus reiner Parteipolitik missachtet, schadet dem Ansehen der Demokratie“.

Ja, ja, mit dem Ansehen der Demokratie sind Politiker immer schnell bei der Hand, wenn Ihnen die Ergebnisse passen. Aber stellen wir uns nur einen Augenblick vor, ein Ministerpräsident ist so demokratisch gesinnt und fragt seine Bevölkerung, ob sie in der Europäischen Union bleiben will, und die Mehrheit der Bevölkerung sagt „nein“, ob der Demokratieachter Olaf Scholz aus Berlin dann immer noch der Ansicht wäre, man müsse den Willen der Mehrheit achten, weil alles andere der Demokratie schaden würde?

Wir alle kennen die Antwort. Der Opportunistenzirkus, der in Deutschland als Politik durchgehen soll, macht die Antwort jeden Tag aufs Neue deutlich.

Doch zurück zur manipulierten Camembert-Umfragen von TNS Emnid, bei der angeblich herausgekommen ist, dass die „Mehrheit der Deutschen“ Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsidenten sehen will.

Dorroch MeinungsmacherDie Manipulation hinter der Umfrage von TNS Emnid kann man anhand einer Umfrage von YouGOV deutlich machen. Die YouGOVer sind noch nicht so firm im deutschen Manipulationswesen und haben entsprechend gefragt, wen die Befragten am ehesten als Bundespräsidenten unterstützen würden. Die Frage trägt der Tatsache Rechnung, dass die Wahl des Bundespräsidenten über die Bundesversammlung erfolgt, deren Zusammensetzung wiederum Ergebnis eines Geschachers zwischen den Parteien ist, dass Bürger mit anderen Worten keinerlei Mitsprache bei der Wahl des Bundespräsidenten haben.

[Nebenbei an Herrn Scholz: 70% der Deutschen wollen den Bundespräsidenten direkt wählen. Den Willen der Deutschen zu ignorieren, würde der Demokratie Schaden zufügen, nicht wahr Herr Scholz? Wir haben extra eine entsprechende Umfrage von TNS Emnid gesucht, weil Herr Scholz ja den Umfragen von TNS Emnid vertraut.]

Zudem haben die YouGOVer ihre Befragten nicht gezwungen, sich für einen der Vorgeschlagenen zu entscheiden und das Ergebnis einer manipulationsfreien Befragung von 1040 Deutschen lautet:

  • 46% können sich keinen der Genannten als Bundespräsident vorstellen.
    Genannt wurden:
  • Frank-Walter Steinmeier (er kommt auf 13%);
  • Gregor Gysi (schafft 10%);
  • Norbert Lammert (müde 7%);
  • Winfried Kretzschmann (schlappe 4%);
  • Wolfgang Schäuble (gleich schlappe 4%);
  • Margot Käßmann (ebenso schlappe 4%);
  • Der Rest der Vorschläge verschwindet im Statistischen Fehler von 2%.

Die Umfrage von YouGOV legt somit den Schluss nahe, dass 87% der Deutschen, um in der hochtrabenden Sprache zu bleiben, mit der die Ergebnisse auf Basis von in der Regel 1000 Befragten in Deutschland immer hochstilisiert werden, Frank-Walter Steinmeier nicht als Bundespräsident sehen wollen. Die meisten Deutschen wollen gar keinen der Vorgeschlagenen als Bundespräsidenten sehen.

Sich dieser Meinung der meisten Deutsche zu widersetzen, würde der Demokratie Schaden zufügen – oder?

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