Hegemoniale Moral

Moralische Erwägungen sind in modernen Gesellschaften öffentlich. Öffentliche Agenten geben moralisch Wünschenswertes vor und versuchen, durch die Setzung des “moralisch Wünschenswerten” das Verhalten von Ihnen und mir zu beeinflussen, zu lenken, in die richtige Richtung versteht sich. Entsprechend ist der öffentliche Raum gefüllt mit moralisch wünschenswerten Darbietungen. Der Versuch, durch die Protegierung moralisch wünschenswerter Verhaltens im öffentlichen Raum, die gesellschaftliche Wirklichkeit zum (vermeintlich) Besseren zu verändern, kann jedoch nicht gelingen. Damit gibt es ein logisches und – wie eine neue Untersuchung von Mazar und Zhong (2012) zeigt, ein empirisches Problem.

Das logische Problem

In Kindergarten und Schule steht die Lehre emotionaler und sozialer Intelligenz auf dem Programm. Darunter ist nichts anderes zu verstehen als die Darbietung von Verhaltensweisen, die als gesellschaftlich wünschenswert betrachtet werden. Und daran scheint auf den ersten Blick ja auch nichts Verwerfliches zu sein. Wer würde sich schon hinstellen und behaupten, die Verurteilung delinquenten Verhaltens, die Aufrechterhaltung von Regeln des sozialen Umgangs und die Vermittlung von Respekt vor dem Eigentum anderer sei nicht wünschenswert? Bereits Thomas Hobbes hat im 17. Jahrhundert darauf hingewiesen, dass Gesellschaften nicht überleben können, wenn sie sich nicht auf einen Korpus von Regeln einigen, die die Mehrzahl der Mitglieder der Gesellschaft einhält und deren Nichteinhaltung mit negativen Sanktionen verbunden ist. Allerdings hat Hobbes die Einhaltung von Regeln in keiner Weise mit “Moral” oder moralisch Wünschenswertem verbunden. Für ihn war es eine Frage der Vernunft, denn nur die Einhaltung bestimmter Regeln und damit verbunden die Abgabe individueller Freiheiten gewährleistet die Stabilität einer Gesellschaft, die wiederum Mittel zum Zweck ist, der darin besteht, Individuen ein Leben in (relativer) Sicherheit zu ermöglichen und sie darüber hinaus in die Lage zu versetzen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten voll umfänglich zum eigenen und zum Nutzen anderer einzusetzen.

Diese Zusammenhänge, namentlich dass gesellschaftliche Regeln ein Mittel zum Zweck darstellen und dass dieser Zweck letztlich in der Gewährleistung einer weitgehend freien Entfaltung von Individuen besteht, sowie der Zusammenhang, dass mit jeder Regel ein Stück individueller Freiheit verloren geht, scheint in “modernen” Gesellschaften in Vergessenheit geraten zu sein. In “modernen” Gesellschaften dienen Regeln nicht nur nicht mehr dem Zweck, möglichst große individuelle Freiheit zu gewährleisten –   im Gegenteil – sie sind Ausdruck einer hegemonialen Moral, die nur einen richtigen Weg zum Leben kennt, den es durchzusetzen gilt.

In diesem Sinne fühlen sich  Regierungen berufen, ihre Bevölkerung mit der “moralisch wünschenswerten” Organspende zu penetrieren, sie proklamieren den richtigen Lebensstil, in dem sie Abweichungen stärker besteuern, sie geben das moralisch wünschenswerte Gesundheitsverhalten vor, und sie stellen Kriterien bereit, damit sich Konsumenten für  moralisch wünschenswerte Produkte entscheiden. Dem entsprechend differenziert sich die Bevölkerung “moderner” Gesellschaften entlang moralischer Kriterien. Organspender, die nicht verstehen können, warum man diesen Dienst an seinem Nächsten nicht auf sich nehmen will, grenzen sich von Nicht-Organspendern ab. Kinderbesitzer, die mit ihrem Nachwuchs nicht nur eigene Freude verbinden, sondern darüber hinaus gesellschaftliche Bedeutung beanspruchen, weil sie z.B. vermeintlich neue Beitragszahler für das Rentensystem produziert haben, können gar nicht verstehen, dass Kinderlose sich nicht an der “moralisch wünschenswerten” Fortpflanzung beteiligen. Nichtraucher sind entsetzt über Raucher, die obwohl Rauchen doch so schädlich ist, nicht davon ablassen wollen, und ein besonders intensiv beackertes Feld hegemonialer Moral ist das Thema Umweltschutz. Denn hier geht es um die “Sicherung der Schöpfung”, der Lebensgrundlagen der “nächsten Generationen”, um “Nachhaltigkeit” etwas konkreter um eine “umweltneutrale Lebensweise” und noch etwas konkreter darum, Verbraucher von nicht umweltfreundlichen Produkten abzuschrecken, sie zum Kauf von grünen Produkten zu bewegen.

Moralisch Wünschenswertes hat eine unglaubliche Sog-Wirkung auf eine Vielzahl von Personen, die bei der Durchsetzung von moralisch Wünschenswertem gerne beteiligt sein wollen, entweder, weil sie sich durch die Propagierung eines “grünen Marketings” oder den Verkauf von chemisch unbehandelten Miniaturäpfeln einen finanziellen Vorteil versprechen oder weil sie sich durch moralisch wünschenswertes Verhalten in einer moralischen Avantgarde in einer anderen überlegenen moralischen Position wähnen. Aber, wie immer, wenn die krude Realität des täglichen Lebens in die Welt der (moralischen) Vorstellungen einbricht, entpuppen sich die Dinge als komplexer als gedacht.

U.a. Soziologen und Sozialpsychologen haben darauf verwiesen, dass Handlungsentscheidungen immer unter mehr oder weniger großer Unsicherheit getroffen werden. Man weiß schlicht nicht, ob das mit der Entscheidung erhoffte Ergebnis eintrifft, und man weiß auch nicht, ob nur das erhoffte Ergebnis eintrifft. Letzteres beschreibt die unbeabsichtigten Folgen des eigenen Handelns, die man, weil sie vor der Handlungsentscheidung nicht bekannt sind, auch nicht ausschließen kann. Unbeabsichtigte Folgen durchziehen das menschliche Leben, und entsprechend kommen sie auch bei moralisch Wünschenswertem an und haben – wie unten anhand einer neuen Studie gezeigt werden wird – einen unerwartet negativen Effekt auf die hegemoniale Moral, einen perversen Effekt, wie Raimond Boudon dies genannt hat.

Das empirische Problem

Wir erwarten, dass moralisch wünschenswertes Verhalten sich positiv auf “die Gesellschaft” auswirkt oder doch zumindest für Teile der Gesellschaft einen (finanziellen) Nutzen hat. Es ist diese Erwartung, die moralisch Wünscheswertes legimiert. So wird erwartet, dass Menschen, die sich gesund ernähren, die Krankenversicherung nicht so stark belasten, ihrer Arbeit ununterbrochen nachgehen können, entsprechend höhere Steuern entrichten als kranke Steuerzahler und somit mehr Mittel bereitstellen, die von der Regierung an ihre Protegées umverteilt werden können, kurz: dass sie für “die Gesellschaft” nützlich sind. “Nachhaltiger” Konsum und der Kauf grüner Produkte soll die Umwelt entlasten, die Lebensgrundlagen der nächsten Generationen sichern usw. , und nachhaltiger Konsum führt bei manchen dazu, dass sie eine morlische Spitzenstellung für sich reklamieren, von der aus sie auf die anderen, moralisch nicht so Vorangeschrittenen herunterblicken können. Und, in Bestätigung der oben aufgestellten These von der Differenzierung durch moralische Exzellenz, findet SINUS in seinen Milieus bereits das Milieu der “Sozialökologischen” , die sich vornehmlich durch vermeintlich moralisch wünschenswertes Verhalten von anderen differenzieren wollen.  Vermeintlich deshalb, weil das Sonnen in moralischer Exzellenz sich mit einem perversen Effekt verbindet, den Mazar und Zhong (2010) beschrieben haben, und der in der internationalen Forschung unter dem Begriff “licensing effect” diskutiert wird [zum licensing effect siehe unten].

In einer Reihe von einfallsreichen und methodisch sauberen Experimenten [Wer sich für den Aufbau der wirklich einfallsreichen und sauber modellierten Experimente interessiert, dem sei die Lektüre des Beitrags von Mazar und Zhong empfohlen. Ich halte die Experimente von Mazar und Zhong für ein Musterbeispiel dafür, wie man reliable und valide Ergebnisse unter klar kontrollierten Bedingungen erreichen kann.] haben Mazar und Zhong gezeigt, dass Menschen, die gerade einen Punkt moralischer Exzellenz erreicht haben, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, daraus eine Rechtfertigung für moralisch weniger wünschenswertes Verhalten, wie krude Vorteilsnahme, Betrug und Diebstahl ableiten. Konkret haben die Autoren untersucht, wie sich der Kauf grüner Produkte auf das Verhalten der entsprechenden Käufer auswirkt. Das Ergebnis der Experimente von Mazar und Zhong lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Probanden, die gerade ein grünes oder grüne Produkte erworben hatten, dessen – wie Mazar und Zhong es formulieren “moral self” einen “boost from a good deed” erhalten hatte, zeigten im Vergleich zu Probanden, die ein konventionelles Produkt gekauft und den entsprechenden “moral boost” nicht erhalten haben, eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, andere zu übervorteilen, zu betrügen und zu stehlen. Entsprechend kommen die Autoren zu folgendem Ergebnis: “… purchasing green products may license indulgence in self-interest and unethical behavior” (Mazar & Zhong, 2010, S.497).

Dieses Ergebnis bringt die hegemoniale Moral “moderner” Gesellschaften in ein Dilemma. Werden Menschen dazu “bewegt”, sich in der als moralisch wünschenswert vorgegebenen Weise zu verhalten, dann kommt das dicke Ende in der Weise nach, dass einige sich zwar im vorgegeben  Feld nunmehr moralisch verhalten, daraus aber eine Rechtfertigung ableiten, sich in einem anderen Feld unmoralisch zu verhalten. Was tun? Grüne Produkte mit einer Aufschrift versehen: Der Kauf dieses Produkts kann eine Anklage wegen Betrugs oder Diebstahl mit sich bringen”? Oder: Aufklärungsarbeit leisten, z.B. in verpflichtenden Seminaren an Volkshochschulen für alle potentiellen Käufer grüner Produkte unter dem Titel: “grüne Produkte kaufen und doch ehrlich bleiben”? Und neben diesen präventiven  Maßnahmen muss natürlich auch eine Sorge um die stattfinden, die bereits – vielleicht sogar rückfällige grüne Produkte kaufende Betrüger sind, z.B. in Selbsthilfegruppen: “Anonyme Nachhaltige” oder so?

Zwar ist die beschriebene Vorgehensweise das beschriebene Dilemma zu lösen in einer Reihe von Feldern zu finden (man denke nur an delinquente Jugendlich und den lukrativen Resozialisierungsmarkt, der sie umgibt), doch ist diese Vorgehensweise offensichtlich nicht die Lösung des Problems. Offensichtlich kann hegemoniale Moral Menschen nur bedingt zum “Besseren” erziehen und hat da ihre Grenzen, wo sich Menschen nicht von sich aus zu moralischem Verhalten angehalten fühlen, sondern sich moralisch verhalten um einem Verhaltensanspruch gerecht zu werden, der von außen an sie heran getragen wird. Anders formuliert: Die beabsichtigte Manipulation durch hegemoniale Moral  ist ein Ding der Unmöglichkeit, da sich Menschen nur dauerhaft an Verhaltensmaßstäbe halten, die sie sich selbst gesetzt haben. Hegemoniale Moral  führt also in den meisten Fällen zu einem Verdrängungsprozess, bei dem moralisch Unerwünschtes Verhalten aus einem Bereich ausgeschlossen werden kann, nur um in einem anderen Bereich aufzutauchen.

Appendix

Licensing effect beschreibt das in der letzten Zeit häufiger untersuchte Phänomen, dass Menschen eine “moralische Bestätigung”, die sie z.B. durch eine als positiv moralisch bewertete  Tat erhalten haben, zum Anlass nehmen, um daraus die Berechtigung für eine moralisch als negativ bewertete Tat zu legitimieren. So haben Studien in diesem Feld gezeigt, dass Probanden, die für eine humanitäre Handlung gelobt wurden, weniger zu spenden bereit waren, als Probanden, die nicht gelobt wurden (Sachdeva, Iliev & Medin, 2009).

Experimente stellen den Königsweg der empirischen Forschung dar, denn sie erlauben es, Verhalten unter kontrollierten Bedingungen zu messen und das Verhalten einer Gruppe von Probanden, die einem Stimulus ausgesetzt sind, mit dem Verhalten einer anderen Gruppe von Probanden zu vergleichen, die dem entsprechenden Stimulus nicht ausgesetzt sind. So erhielten Probanden in einem Experiment von Mazar und Zhong  eine Aufgabe, durch deren wiederholtes richtiges Lösen sie Punkte erzielen konnten, die am Ende des Experiments in Geld umgerechnet wurden. Die entsprechende Summe des erzielten Gewinns konnten sich die Probanden dann selbst und ohne dabei beobachtet zu werden, aus einer Kasse entnehmen. Dabei zeigte sich, dass Probanden, die gerade einen “moral boost” erhalten hatten, häufiger mehr entnahmen als ihnen zustand (also stahlen) als Probanden, die diesen “moral boost” nicht erhalten hatten. Da die Probanden zufällig zu den beiden experimentellen Situationen (mit und ohne moral boost) zugeordnet wurden, kann ausgeschlossen werden, dass dieses Ergebnis ein Selektionseffekt ist.

Mazar, Nina & Zhong, Chen-Bo (2010). Do Green Products Make Us Better People? Psychological Science 21(4): 494-498.
Sachdeva, Sonya, Illiev, Rumen & Medin, Douglas L. (2009). Sinning Saints and Saintly Sinners: The Paradox of Moral Self-Regulation. Psychological Science 20(4): 523-528.

Bildnachweis:
the dalai llama

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10 Responses to Hegemoniale Moral

  1. Eike Scholz says:

    Mal wieder ein Kurzes Hit and Run posting von mir:

    In der Philosophie habe ich irgendwo (leider weiß ich wirklich nicht mehr woher, daher kein link)
    die sehr nützliche Unterscheidung von Ethik und Moral als reflektiertes Normensystem
    und Affektives Normensystem gelesen. Das klingt in deinem Artikel auch schön an, ohne
    dass du den Begriff der Ethik einführst.
    Das benennen von Moral als affektiv würde auch gut zu den Ergebnissen der von dir genannten Studie passen.

  2. Hans Meier says:

    Wiedermal ein klasse Beitrag, danke.

    Zu dem geschilderten Verhalten von Moralaposteln, ihrer Bereitschaft unfair zu sein, empfehle ich folgendes.
    novoargumente eingeben, Udo Pollmers Beitrag zum Fleichskonsum, und dann das, was sich in den Kommentaren abreagiert und zum Niedermachen schreitet, als ein empirisches Verhalten betrachten, so wie Forscher es auch in Versuchen feststellen können und wie hier im Beitrag, so dementsprechend beschrieben.

  3. Simon Neuer says:

    Ein interessanter Artikel. Ich möchte aber anzweifeln, ob diese Studien so auf die deutsche Bevölkerung übertragbar sind. Aus rein subjektiver Betrachtung möchte ich in einigen Argumenten widersprechen – es mangelt mir natürlich an Belegen, dies wäre jedoch Minimum und Indizien sind nicht ausreichend – deshalb hier keine Nennung.

    Aber die identische Forschungsreihe hierzulande durchzuführen wäre sicherlich spannend. Es würde nämlich auch klären, ob es diesbezüglich Unterschiede zwischen den Ländern gibt.

    Weiterhin möchte ich anmerken, dass in der Studie nur Studenten teilgenommen hatten. Dies ist eine Eingrenzuung der Validität. Dies verleitet mich natürlich zu der Frage, ob ältere Menschen andere moralische Verhalten beweisen würden – lernt der Mensch also die Moral?

    • Hallo Herr Neuer,

      zunächst einmal ist es natürlich kein Argument auf Grundlage subjektiver Beobachtung zu widersprechen. Das kann bestenfalls der Ausgangspunkt für eine systematische Beobachtung sein.

      Gleiches gilt für die Übertragbarkeit der Ergebnisse. Warum sollten sie nicht übertragbar sein. Sind Kanadier andere Menschen, die nach anderen Gesetzen funktionieren oder sind wir nicht alle homo sapiens? Wenn ja, was macht Kanadier so anders und setzt die conditio humana außer Kraft?

      Nein, eine Eingrenzung der Repräsentativität oder Übertragbarkeit, nicht der Validität liegt nur dann vor, wenn Sie berechtigte Gründe angeben können, warum die Versuchsanordnung und die Teilnahme von Studenten am Versuch, zu systematisch anderen Ergebnissen führen sollte, wenn nicht Studenten, sondern alte Menschen an den Experimenten teilgenommen hätten. Das ist somit eine empirische Frage, die man untersuchen müsste und für die man z.B. die Annahme bräuchte, dass alte Menschen moralischer sind als Studenten, was selbst wenn es sich zeigen würde, immer noch bedeuten würde, dass die Ergebnisse für Studenten valide sind. Entsprechend müsste man, ergäbe sich ein solches Ergebnis, wofür derzeit nichts spricht, die Ergebnisse modifizieren, an ihrer Validität würde sich aber nichts ändern: Validität bezieht sich IMMER auf die Studie, nie auf die Ergebnisse. Ob Ergebnisse übertragbar sind, ist eine Frage der Repräsentativität, nicht der Validität. Ergebnisse können völlig valide und dennoch nicht übertragbar sein.

      Ob ein Mensch Moral lernt, ist eine Frage, die Sie nach der Lektüre des Beitrags eigentlich beantworten können sollten – denn ich habe Moral als etwas eingeführt, dem zu folgen es einer individuellen Entscheidung bedarf. Das setzt voraus, dass Moral nichts Gott Gegebenes ist, sondern something man made.

      • Simon Neuer says:

        Natürlich haben Sie recht – ich meinte die Repräsentativität. Ich bin der Überzeugung, dass mit zunehmendem Alter die moralische Verantwortung der Menschen steigt. Dies ist aber – wie Sie richtig feststellten – sehr individuell. Ich bin ebenfalls der Überzeugung, dass es länderspezifische Eigenschaften gibt. Die Frage ist jedoch nach der Ausprägung, also der Signifikanz zu stellen. Insofern ist dei Studie sicherlich valide, und eine Eingrenzung der Repräsentativität ist neu zu untersuchen. Ich halte es jedoch für grundsätzlich sehr zweifelhaft, wenn durch die Studie von 160 Studenten die Repräsentativität für alle Menschen der Welt angenommen wird – nur weil keine andere Studie das Gegenteil beweist.
        Denn die Studie beweist genau dies NICHT – sondern nur die Validität bzgl der kanadischen Studenten – demnach kann die Studie auch nur auf diese repräsentativ sein.

        Und ja, es gibt immer das Recht, eine Studie anzuzweifeln, sofern man begründete Argumente vorweisen kann bzw. die Studie auf Charaktere übertragen wird, welche gar nicht untersucht wurden. Wer will mir dieses Recht absprechen? Bin ich nicht mündig und die Wissenschaft ist plötzlich ein Naturgesetz?
        Denn Sie können in keinem Fall aufgrund dieser Studie aussagen, dass zB Senioren sich genau so verhalten würden.

        Länderspezifika: Ich denke es ist jedem klar, dass es unterschiedliche Verhaltensweisen bei unterschiedlichen Gruppen gibt. Seien diese Gruppen nach Einkommen, Herkunft, Religion oder was auch immer eingestuft. Da ich über viel Auslandserfahrung (weltweit) verfüge, kann ich aus meinen persönlichen Erfahrungen berichten, dass zB die Wertvorstellungen enorm differenzieren. Dies ist sehr subjektiv und stellt kein Argument, ist aber ein erstes Indiz, welches eben diese Studie keinesfalls ausschliessen kann.

        Moral: Ja, das habe ich durchaus gelesen.Es war eben darauf bezogen, ob die in der Studie befragten Studenten in zB 10 Jahren die gleichen Antworten geben würden. Eben auf meine obigen Ausführungen bezogen.

        • Herr Neuer,

          sozialpsychologische Studien basieren auf der Annahme, dass wir – trotz aller Verschiedenheit in den heute so beliebten Kategoren von Geschlecht, Alter oder (eher antiquiert) Klasse etwas gemeinsam haben. Nenenn Sie dieses Gemeinsame eine Prädisposition auf bestimmte Stimuli gleich zu reagieren, z.B. auf den Anblick eines Braunbären zwei Meter vor uns, nennen Sie es gemeinsame Wahrnehmungs-Kategorien, wie Kant oder die conditio humana, wie sie Philosophen über Jahrtausende mittlerweile beschrieben haben. Diese Gemeinsamkeit – so denken Sozialpsychologen und nicht nur sie – kann man durch bestimmte Versuchsanordnungen zum Vorschein bringen und mit dieser Annahme geht einher, dass die Unterschiede nach Schuhgröße, Augenfarbe, Ausgeschlafenheit oder dem “wichtigsten” aller derzeit salienten Unterschiede, dem Geschlecht, vernachlässigbar sind. Und das sind sie doch auch oder denken Sie, ein Rentner, der in seinem Bett eine Tarantel findet, wird sich anders verhalten als ein Student in der selben Situation? Eben. Deswegen geht Ihre Kritik so lange ins Leere, wie Sie nicht belegen können, erst einmal argumentativ und dann empirisch, dass die Autoren in der zitierten Studie keine grundlegende Kategorie des menschlichen Daseins gemessen haben. Fragen der Repräsentativität sind bis dahin völlig irrelevant.

          Dann frage ich mich, wieso Sie eine Studie, die klare experimentelle Annahmen macht und offen legt, dadurch in Diskredit zu bringen können glauben, dass Sie sich auf nebulöse Konzepte wie “Charakter” zurückziehen. Wieso ist es für Sie so attraktiv, ein konkretes Ergebnis durch den Rückzug in eine abstrakte surreale Welt zu ersetzen?

          Länderspezifika: Sie denken also, Afrikaner dulden Taranteln im Bett?

          Und noch was zur Entwicklung in 10 Jahren: Möglicherweise geben manche Studenten in 10 Jahren andere Antworten, aber ich bezweifle es, denn wer heute eine Prädisposition zu Betrug und opportunistischem Verhalten hat, der wird sie nicht morgen ablegen. Man wird es vielleicht schaffen, demjenigen Kosten zu setzen, sein opportunistisches Verhalten zu reduzieren, aber man wird ihn kaum zu einem anderen Menschen machen.

        • Simon Neuer says:

          “..ein Rentner, der in seinem Bett eine Tarantel findet, wird sich anders verhalten als ein Student in der selben Situation”
          Sie verwechseln das mit dem Instinkt. Gleiches gilt für Ihren Braunbären. Wobei selbst Instikte unterschiedlicher Ausprägung sind – Vgl. zB Höhenangst. Ein Instinkt, welcher bei manchen mehr ausgeprägt ist, sich jedoch durchaus abtrainieren lässt.

          Ich she gar keinen Grund, weshalb ich eine Gegenstudie erstellen müsste, um die Behauptung zur Repräsentativität aufstellen dürfte. Es ist doch gegen jede Regel wissenschaftlicher Studien und Interpretation, Untersuchungsergebnisse beliebig zu transferieren. Faktisch wurden kanadische Studenten analysiert. Damit ist eben die Validität nur auf diese Gruppe gegeben. Wer eben nun die Behauptung aufstellt, dass genau diese ergebnisse auch auf deutsche Rentner zutrifft, so muss genau dieser einen Beweris hierfür erbringen. Und das sind in diesem Fall Sie – und nicht ich. Sie haben doch behauptet, dass es transferierbar ist – und Ihre Grundlage ist eine sozialpsychische Vermutung. Aber genau diese Vermutung kritisieren Sie in meiner Argumentation. Weshalb ist also ihr vermutung richtig und meine falsch (wobei sich meine eben auf die Ihrige bezieht und damit kausal dargestellt ist).

          Ich kritisiere NICHT die Studie, sondern ihre Interpretation und Repräsentativität, welche sie nicht statistisch untermauert haben – sondern vermuten.

          Es geht um diesen spezifischen Fall der Moral resp. des Verhaltens – und um nichts anderes. Sie werfen einige Aspekte in die Argumentation welche für sich durchaus korrekt sein mögen – aber keine dieser ist direkt auf den Transfer der Studie angewendet.

          meines Erachtens schulden Sie den Beweis für Ihre Ausführung – nicht ich (in diesem Fall).

          • Herr Neuer,

            es wäre für uns alle einfacher und unaufwändiger, wenn Sie einfach sagen, Sie glauben nicht, was in der Studie herausgekommen ist. Das spart eine Menge Zeit.

            Übrigens kritisieren Sie nicht, sondern Sie schreiben schlicht, dass Sie etwas nicht für richtig halten, ohne Angabe von Gründen. Das hat mit Kritisieren nichts zu tun. Wer kritisieren will, MUSS eine Begründung dafür angeben, warum man seine Kritik Ernst nehmen soll. Bislang habe ich von Ihnen noch nicht ein Argument gelesen, dem zu entnehmen wäre, warum Ihre Kritik in irgend einem Punkt relevant sein soll. Sich hinzustellen, und zu sagen, ich glaube nicht, dass die Ergebnisse übertragen werden können, ist keine Kritik, wie Sie schon daran sehen können, dass es reichen würde, wenn ich mich hinstelle und sage, ich glaube das schon. Und nun? Entsprechend habe ich eine ganze Reihe von Gründen angegeben, die für meine Interpretation sprechen, während Sie keinen einzigen Grund für Ihre Position angegeben haben, und ein Grund ist eine prüfbare Aussage, die eine alternative Interpretation begründet.

            Solange Sie keine begründeten Aussagen treffen wollen oder können, bitte ich Sie daher, mich nicht weiter mit “Kommentaren” zu “beglücken”, denn es ist (1) ermüdend, (2) zeiraubend und (3) nicht meine Aufgabe, Sie von etwas zu überzeugen.

            By the way, ich hoffe, Sie überdenken in den nächsten Tagen ihren Medikamentenkonsum, denn Medikamente, egal, worum es sich im einzelnen handelt, werden in “clinical trials”, die in der Mehrzahl der Fälle auf nur einer kleinen Gruppe von Personen basieren, getestet und in vielen Fällen in den USA (und mit Studenten oder Freiwilligen, die nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind) durchgeführt werden. Wie ich Ihren Kommentaren entnehme, sehen Sie keine Möglichkeit, Ergebnisse aus anderen Ländern und Ergebnisse für bestimmte Gruppen auf den Rest der Bevölkerung oder Deutschland zu übertragen, wenngleich Sie nicht angeben können, warum. Aber Sie sollten daraus die Konsequenzen ziehen und jegliche medikamentöse Behandlung, die nicht auf den idiosynkratischen Fall abgestimmt ist, den Sie darstellen, in Zukunft verweigern.

        • Simon Neuer says:

          Kommentar gelöscht:

          This commentary exceeds your daily allowance of nonsense.
          No nonsense

  4. Aventin says:

    a, jede Studie wird Schwächen haben! Wer wurde befragt?
    Welche Fragen? Warum diese Fragen? (Bestellte Studie? Von wehm bezahlt?
    Bei welchem „Ergebniss“ gibt es Folgestudien/Aufträge?)
    Genug Frauen? (wichtig) Genug Männer? (unwichtig/oder Ergebniss verfälscht)
    Studenten? (Wer diese für „schlauer“ hält, als „normale“ Menschen??????)

    Wer ist die „deutsche Bevölkerung“, auf die etwas „übertragbar“ sein soll?
    Nur die Staatsbürger? Auch die hier lebenden „Migranten“?
    Und überhaupt, warum wurde gerade ICH nicht befragt?

    „Aber die identische Forschungsreihe hierzulande durchzuführen wäre sicherlich spannend. Es würde nämlich auch klären, ob es diesbezüglich Unterschiede zwischen den Ländern gibt.“

    Damit geben Sie mir das Recht jegliche Studie anzuzweilfeln!
    Denn Bayern ist anders als Sachsen!
    Südsachsen erstrecht anders als Nordsachsen? ……

    Nur das Patriarchat gilt weltweit? Überall? Ohne Studien, die in Deutschland nicht
    durchgeführt wurden?

    Gibt es eigentlich auch einen Lehrstuhl für „Gender Studies“ auf den Osterinseln?

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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