Ignoranz in Deutschland 2012: Der neue Bildungsbericht

“Mit dem Bildungsbericht 2012 legt eine unabhängige Gruppe von … Wissenschaftlern zum vierten Mal eine umfassende und fundierte Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens vor. Zu der Autorengruppe gehören neben dem federführenden Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) das Deutsche Jugendinstitut (DJI), die Hochschul-Informations-System GmBH (HIS), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie die statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Destatis und StLÄ). Die Erarbeitung des Berichts, ‘Bildung in Deutschland 2012’ wurde von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert”.

Die zitierte Passage stammt nicht aus Grimms Märchen. Die zitierte Passage steht am Anfang der Presse-Hintergrundinformationen zum Bildungsbericht 2012. Die Autoren dieser Presse-Hintergrundinformationen wollen ihren Lesern tatsächlich weismachen, dass am Bildungsbericht 2012 eine “unabhängige Gruppe von … Wissenschaftlern” gearbeitet habe, unabhängig von jeglicher Einflussnahme von außen. Unabhängig, obwohl die Kosten des Bildungsberichts von der Kultusministerkonferenz und dem BMBF und somit von zwei Institutionen getragen wurden, von denen bekannt ist, wie wenig sie auf Transparenz halten, oder sind die PISA-E-Daten, denen man die Unterschiede im Bildungsniveau und somit das Versagen bzw. den Erfolg der jeweiligen Landeskultusministerien entnehmen kann, zwischenzeitlich veröffentlicht worden? Nein, was für ein Gedanke. Selbstverständlich ist es der entsprechende PISA-E-Datensatz nicht öffentlich zugänglich. Und das DJI, ein Institut, dessen Grundfinanzierung vom BMFSFJ gesichert wird, als unabhängig zu bezeichnen, nun ja, in gewisser Weise führt auch eine Marionette ein unabhängiges Leben, man muss die Definition von unabhängig nur weit genug fassen, dann werden auch Wissenschaftler an staatlichen Universitäten, deren Gehalt von eben den Kultusministerien angewiesen wird, die auch die Finanzierung des Bildungsberichts gesichert haben, zu unabhängigen Geistern.

Diese Ansammlung von unabhängigen Wissenschaftlern hat also die unabhängigen Mittel von KMK und BMBF in unabhängiger Weise und unter unabhängiger Breitsstellung von Daten durch die unabhängigen Statistischen Landesämter und das besonders unabhängige Statistische Bundesamt dazu genutzt, um ein Dokument der Unabhängigkeit zu schaffen, das deutlich zeigt, wo es im deutschen Bildungssystem im Argen liegt. Es ist dies ein schockierendes Dokument des Scheiterns öffentlicher Institutionen, in dem die Bildungsinstitutionen in die Pflicht genommen werden und das Versagen einer Bildungspolitik angeprangert wird, die nun schon im siebzigsten Jahrzehnt seit Schaffung des verheerenden Bildungsföderalismus und im zweiten Jahrzehnt seit der Dokumentation der erheblichen Nachteile von Jungen im Bildungssystem es nicht geschafft hat, ihre Selektionskriterien in einer Weise anzupassen, die gewährleistet, dass die Leistung von Schülern der Gegenstand der Beurteilung ist, nicht die sozialen Attribute, die ihnen z.B. von Lehrern angeheftet werden.

Der eingerückte Absatz ist natürlich eine Phantasie meinerseits, die schon deshalb nicht zutreffen kann, weil man Mut braucht, um die Hand zu beißen, die einem füttert und mit dem Füttern den Zweck verbindet, einem den Mund zu stopfen. Und so unabhängig sind “unabhängige Wissenschaftler” dann doch nicht. Entsprechend ist der neue Bildungsbericht 2012 nichts anderes als das periodisch wiederkehrende Manifest der Ignoranz, das er die drei Male zuvor auch gewesen ist. Dass dem so ist, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass den “unabhängigen Wissenschaftlern” durch ihre Geldgeber ganz klar gemacht wurde, was in dem Bericht zu stehen hat und was nicht. Derartige Anweisungen zum richtigen Unabhängigsein, gehen mittlerweile so weit, dass den “unabhängigen Wissenschaftlern” klare Vorgaben zum Inhalt ihrer “unabhängigen” Berichte gemacht werden. Eine entsprechende Erfahrung hat Dr. habil. Heike Diefenbach, die von der Antidiskriminierungsstelle gebeten wurde, sich an einer Ausschreibung zur Erstellung eines Berichts zur Situation von Migranten zu beteiligen, gemacht, denn mit der Bitte um Beteiligung kam auch gleich die Gliederung und damit der festgelegte Inhalt, der dann im Bericht zu stehen hat und viel wichtiger noch: was nicht im Bericht zu stehen hat. Dass sich Dr. habil. Heike Diefenbach nicht bereit gefunden hat, eine  derartige Ausschreibung durch ihre Teilnahme zu legitimieren ist ein Beleg für ihre Integrität, wobei Integrität scheinbar eine Qualität ist, die man im Wissenschaftsbetrieb nicht mehr so häufig findet.

Doch zurück zum Ignoranzbericht 2012 und dort zum Kapitel “Chancengleichheit”, in dem man einen Hinweis und vielleicht auch eine Erklärung dafür erwarten würde, warum Jungen im deutschen Bildungssystem so viel schlechter abschneiden als Mädchen. Doch was man hier erfährt, ist folgendes: “Die Entwicklung des Bildungssystems der letzten Jahrzehnte geht mit einer Erfolgsgeschichte für die Frauen einher … In der Altersgruppe der 30- bis unter 35jährigen besitzen mit 42% mehr als doppelt so viele Frauen einen Hochschulabschluss als in der Altersgruppe der 60- bis unter 65jährigen. … Im Verlauf der schulischen Entwicklung können Mädchen ihren Vorteil im Bereich der Lesekompetenz weiter ausbauen. … Mädchen bzw. junge Frauen verlassen seltener die Schule ohne Schulabschluss … oder mit einem Hauptschulabschluss …, auch erlangen sie etwas häufiger einen Mittleren Schulabschluss und erwerben vor allem zu größeren Anteilen das Abitur [wenn Sie das Wort “Jungen” vermissen, also die Vergleichsbasis, die Autoren können sich nur in Klammern, nicht im Satz durchringen, das Wort “Jungen” zu gebrauchen] … Allerdings entscheiden sich Frauen seltener als Männer für ein Studium … In der Weiterbildung sind Frauen aktiver als Männer. Im Vergleich zu den Männern weisen Frauen in allen Qualifikationsgruppen niedrigere Beschäftigungsquoten auf, und sie sind im Vergleich zu Männern deutlich seltener vollzeitbeschäftigt” (210-211).

Ein bemerkenswertes Dokument psychologischer Störung. Männer oder Jungen werden nur dann im Satz aufgeführt, wenn es darum geht, einen vermeintlichen Nachteil von Frauen oder Mädchen in Relation zu setzen. Müsste man einen Nachteil von Jungen oder Männern den Jungen oder den Männern zuschreiben, wird dagegen auf deren Nennung verzichtet. Bestand eine der Vorgaben der Geldgeber des Bildungsberichts (des Ignoranzberichts) darin, dass die Begriffe Männer und Jungen nur dann gebraucht werden dürfen, wenn es darum geht, vermeintliche Nachteile von Mädchen oder Frauen zu beschreiben? Oder sind die Autoren eigenständig zu dieser Vermeidungs-Pschose fähig? Wie dem auch sei, “die Erfolgsgeschichte” macht es den Autoren sehr schwer, überhaupt noch einen Nachteil für Mädchen und Frauen aus den Daten quetschen zu können. Da aber kein politisch korrekter Bericht ohne die Beschreibung von Nachteilen auskommt, die Mädchen und Frauen angeblich – trotz der Erfolgsgeschichte – haben, muss ein Nachteil her. Und siehe da: Frauen entscheiden sich seltener als Männer für ein Studium. Und sie weisen niedrigere Beschäftigungsquoten auf, sind seltener vollzeitbeschäftigt.

Zum ersten Nachteil: Frauen entscheiden sich seltener für ein Studium; hier reicht ein Blick auf die Belegtabelle F1, um den Aberwitz dieser Behauptung zu sehen. Das “seltener” bezieht sich auf Prozentwerte. Maximal 84% der männlichen und 75% der weiblichen Abiturienten nehmen ein Studium auf (Daten aus dem Anhang des Bildungsberichts). Ich habe das schon einmal erklärt, aber ich erkläre es gerne noch einmal, insbesondere “unabhängigen” Wissenschaftlern erkläre ich es gerne noch einmal. Zunächst, wenn man eine solche Aussage tätigt, dann sollte man zumindest etwas überrascht darüber sein, dass an Universitäten mehr weibliche als männliche Studenten eingeschrieben sind. Wenn man diese Überraschung zu erklären versuchen sollte, dann könnte es passieren, dass man bei den Prozentwerten, die man gerade als Beleg für die Nachteile von weiblichen Abiturienten angeführt hat, ankommt. Sollte diese dramatische Erkenntnisfähigkeit gegeben sein, dann könnte der Schluss, dass Prozentwerte von der Basis, auf der sie gebildet werden, abhängig sind, die nächste Ebene der Erleuchtung einläuten, die Ebene auf der man dann folgende Verbindung zwischen dem im Vergleich zu männlichen Studenten “Mehr” weiblicher Studenten und dem im Vergleich zu männlichen Abiturienten “prozentualen Weniger” weiblicher Abiturienten herstellen kann. Nehmen wir doch einfach die Zahlen aus dem Bildungsbericht 2012, die sich auf der selben Seite wie der angebliche Nachteil zu finden sind. 29,4% der Jungen eines Schuljahrgangs machen ein Abitur, 37,8% der Mädchen desselben Schuljahrgangs machen ein Abitur. Um die “unabhängigen” Wissenschaftler nicht zu überfordern, gehen wir davon aus, dass in einem Jahr 294 Jungen und 378 Mädchen ein Abitur gemacht haben. Von den 294 Jungen nehmen 84% ein Studium auf, also 247 Jungen. Von den 378 Mädchen nehmen 75% ein Studium auf, also 284 Mädchen. Und schon ist der angeblich Nachteil verschwunden. Wäre ich einer dieser “unabhängigen” Wissenschaftler und für diesen Unsinn verantwortlich, ich würde einen Kurs in Prozentrechnen an der VHS besuchen.

Die beiden anderen Nachteile, niedrigere Beschäftigungsquoten und seltener vollzeitbeschäftigt, sind Ergebnis staatlicher Alimentierung durch Kindergeld, Elterngeld und alle sonstigen Finanzierungen zur Freistellung von Arbeit und entsprechender persönlicher Präferenzen, denn wer vollzeitbeschäftigt sein will, nachdem er z.B. ein Studium absolviert hat, der kann vollzeitbeschäftigt sein, und wenn er sich dafür selbständig machen muss.

Dies mag genügen, um die Qualität des “unabhängigen” vom BMBF und der KMK finanzierten Ignoranzberichts zu bewerten. Aber, damit bin ich noch nicht am Ende, denn der eklatanteste Beleg dafür, dass der Bericht weder unabhängig ist noch ohne Vorgaben erstellt wurde, findet sich im vollständigen Fehlen jeglicher Kritik an staatlichen Institutionen. Hätten Wissenschaftler an diesem Bericht gearbeitet, irgend wann wären ihnen die folgenden Fragen eingefallen: Welchen Beitrag leisten eigentlich Schulen und sonstige Bildungseinrichtungen dazu, dass die “Entwicklung des Bildungssystems der letzten Jahrzehnte  … eine Erfolgsgeschichte für die Frauen” ist? Welchen Beitrag leisten die Schulen und die anderen staatlichen Bildungsinstitutionen dazu, dass die Entwicklung des Bildungssystems der letzten Jahrzehnte eine Geschichte des Misserfolgs für Männer ist? Das sind Fragen, die man von unabhängigen Wissenschaftlern erwartet. Aber es sind natürlich auch Fragen, die weder KMK noch BMBF in von ihnen finanzierten Berichten aufgeworfen und noch viel weniger beantwortet sehen wollen. Entsprechend gab es vermutlich die Vorgabe, nicht nur die Nachteile von Jungen im Bildungssystem zu unterschlagen bzw. zu verschweigen, sondern auch die Vorgabe, staatliche Institutionen und ihre Rolle bei der Schaffung von Bildungsungleichheit  nicht zu berücksichtigen. Unsere unabhängigen Wissenschaftler haben sich an die Weisung gehalten, und so harrt die Korrelation zwischen dem schlechten Abschneiden von Jungen in der Schule und dem Anteil weiblicher Grundschullehrer (je mehr weibliche Grundschullehrer, desto schlechter schneiden Jungen ab), die Dr. habil. Heike Diefenbach und ich vor mehr als 10 Jahren gezeigt haben, immer noch einer Erklärung, ebenso wie die vielfältigen Belege institutioneller Diskriminierung, also der Schaffung von Bildungsungleichheit durch staatliche Institutionen immer noch der Verarbeitung harren.

Statt dessen wird die Schuldfrage im Bildungsbericht wie dies für staatliche Opportunisten am genehmsten ist, auf die von der Benachteiligung Betroffenen verlagert. Blaming the victim war noch immer erfolgreich, und auch im “Bildungsbericht” scheint diese Strategie erfolgreich angewendet zu werden. Und so lernen wir, dass Bildunsgaktivitäten in der Familie dazu führen, dass Kinder in der Schule besser sind, und weil Mädchen mehr vorgelesen bekommen und mehr musizieren, sind sie in der Schule besser als Jungen. Dieses dahingeworfene, willkürliche Ergebnis ist offensichtlich so überzeugend, dass es selbst von Manndat in der Stellungnahme des Vereins zum Bildungsbericht aufgenommen und als Bestätigung der eigenen Bemühungen, die Leseleistung von Jungen durch eine Leseliste zu verbessern, genommen wird. Niemand kommt auf die folgenden Fragen: Wenn Lesen, Schreiben und Rechnen in Eigenleistung zuhause erlernt werden soll, warum brauchen wir dann noch Schulen bzw. wozu brauchen wir dann Schulen? Ist es nicht die Aufgabe von Schulen, Leselust oder auch Spass an Mathematik zu wecken, auch bei Kindern aus “bildungsfernen Schichten” und bei Jungen? Und sicher wirken sich Unterstützungsleistungen in der Familie auf die schulische Leistung aus, aber ist es nicht die Aufgabe von Schulen gerade bei Kindern, die nicht auf die Unterstützungsleistungen ihrer Familie zählen können, kompensierend zu wirken? Sollte nicht Schule die Unterschiede wie sie zwischen den so gerne bemühten “bildungsfernen” und “bildungsnahen” Schichten bestehen, einebnen? Statt dessen wird Schule zum Verstärker des Lebensstils der Mittelschicht, zur Institution der Mittelschicht, in der der Lebensentwurf prämiert wird, den die Mittelschicht lebt. Und Manndat findet es opportun, sich in die Reihe derer einzureihen, die die Schuld für den Bildungsmisserfolg von z.B. Jungen, aber auch von Migranten in deren Familien suchen. Und wieder einmal ist es staatlichen Institutionen gelungen, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wieder einmal wird am Ende auf die bildungsfernen Schichten und die familiären Defizite gezeigt, und wieder einmal hat die Ignoranz scheinbar gesiegt. Und wieder einmal hat sich gezeigt, dass Berichte, die von “unabhängigen” Wissenschaftlern erstellt worden sein sollen, deshalb nicht für sich in Anspruch nehmen können, wissenschaftlich zu sein.

Bildnachweis:
Marionette

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16 Responses to Ignoranz in Deutschland 2012: Der neue Bildungsbericht

  1. Dummerjan says:

    Sehr schön auch die frühzeitigen Bildungsabgänger (“Frühzeitige Schulabgängerinnen und -abgänger
    In der Europäischen Union bezeichnet man als frühzeitige
    Schulabgängerinnen und -abgänger alle Personen
    im Alter von 18 bis unter 25 Jahren, die nicht über
    einen Abschluss des Sekundarbereichs II verfügen und
    derzeit nicht an Aus- und Weiterbildungen teilnehmen”) auf S.41. Die Grafik gibt die Unterschiede nach Geschlecht (zu Ungunsten der Männer) diskutiert wird jedoch über den Migrationshintergrund und Weiterbildungsangebote (“die Frauen häufiger wahrnehmen”).
    Ist das Absicht oder schlichte Ignoranz?

  2. Dummerjan says:

    Auf S. 42 wir ebenso argumentiert: “Erstmals haben in der Altersgruppe der 30- bis unter
    35-Jährigen mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss (23 bzw. 22%).”
    Der Blick zu destatis: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Bildungsstand/BildungsstandBevoelkerung5210002117004.pdf?__blob=publicationFile
    liefert indes dass in absoluten Zahlen unter den bis zu 40jährigen mehr Frauen als Männer tummeln. Das ist übrigens derselbe Mikrozensus aus dem im Bericht auf S.43 Abb B5-1 konstruiert wurde.
    Hier wurden die %-Werte mal wieder mit absoluten Werten verglichenn. Immerhin wurde festgestellt: “Anteil junger Männer ohne beruflichen Abschluss steigt weiter”.

    Naja, interessant, wie man mit der Beschreibung univariater Verteilungen von einschlägig publizierten Statistiken Geld verdienen kann. Warum habe ich Depp micht auf Multivariate Statistik jemals eingelassen?

  3. In dem Artikel wird über den Verein MANNdat, bei dem ich Mitglied bin, folgendes behauptet:

    Zitat:
    Und so lernen wir, dass Bildunsgaktivitäten in der Familie dazu führen, dass Kinder in der Schule besser sind, und weil Mädchen mehr vorgelesen bekommen und mehr musizieren, sind sie in der Schule besser als Jungen. Dieses dahingeworfene, willkürliche Ergebnis ist offensichtlich so überzeugend, dass es selbst von Manndat in der Stellungnahme des Vereins zum Bildungsbericht aufgenommen und als Bestätigung der eigenen Bemühungen, die Leseleistung von Jungen durch eine Leseliste zu verbessern, genommen wird.
    Zitat Ende.

    Leider wird diese Behauptung mit keiner Quelle belegt. Ich vermute, dass sich auf folgende Aussage bezogen wird;

    Zitat:
    Es ist aber auch wichtig, Eltern Unterstützung bei der frühkindlichen Bildung an die Hand zu geben. MANNdat geht hier mit guten Beispiel voran: Mit einer Seite zur Jungenleseförderung.
    Zitat Ende.

    aus: http://manndat.de/geschlechterpolitik/bildungsbericht-2012-stellungnahme-von-manndat.html

    Im selben Absatz der MANNdat-Stellungnahme befindet sich auch ein Aufruf an die Politik, sich der Aufklärung der Ursachen zu stellen. Dass MANNdat auch Hilfe zur Selbsthilfe anbietet, ist kein “blaming the victim”.

    Grüßle, der Radfahrer vom Forum Männerrechte

    • Sorry, falsch gelesen. Die von mir genannte Stellungnahme von MANNdat ist im Original-Artikel verlinkt. Meine Aussage, dass die Behauptung, MANNDat “blame the victim”, mit keiner Quelle belegt sei, ist damit ein Irrtum. Bei meiner Kritik in der Sache bleibe ich.

      Grüßle, Radfahrer

    • Hallo Radfahrer,

      Ich habe auf die Stellungnahme von Manndat verlinkt. Ich denke, das genügt als Beleg – oder?

      Meine Kritik richtet sich darauf, dass Manndat die Lesart, nach der Schüler bzw. deren Eltern/Familien durch nicht vorlesen bzw. nicht musizieren oder was auch immer, die notwendigen Voraussetzungen für schulischen Erfolg herstellen, unterschreibt. Anders ist diese Stelle kaum zu verstehen:

      “Die Bildungsmisere der Jungen beginnt demnach bereits in der Familie, indem Eltern „geschlechtsspezifischen Akzentsetzungen“ zum Nachteil ihrer eigenen Jungen folgen.”

      Die Bildungsmisere beginnt nicht bereits in der Familie, denn sie ist institutionell hergestellt. Anders formuliert: Nicht die Jungen, denen nicht vorgelesen wird, sind zu blöd und darin besteht die Misere, die Misere besteht darin, dass es in der Bewertung schulischer Leistung einen Unterschied zu machen scheint, ob Kindern vorgelesen wird oder nicht. Wenn Dir der Zusammenhang zwischen Vorlesen und schulischer Leistung plausibel ist, dann erkläre mir doch bitte einfach wie das geht, wie aus dem Vorlesen von Geschichten die gute Deutschnote wird. Besteht die Korrelation beider Variablen, Vorlesen und Deutschnote darin, dass es in beiden Fällen um Text geht oder besteht die Korrelation darin, dass in beiden Fällen positiv bewertet und eingeübt wird, wenn Kinder devote und zuhörende Positionen einnehmen.

      • Hallo Michael,

        über die Korrelation zwischen “vorgelesen bekommen” und “eine gute Deutschnote haben” kann ich nur mutmaßen. Meiner nichtrepresäntativen Erfahrung nach entwickeln Kinder, denen vorgelesen wird, ein besseres Sprachgefühl (ich selbst spreche z.B. ein breites Lokalkolorit, beim Vorlesen spreche ich aber Hochdeutsch) und eine erhöhte Lesemotivation (es ist gerade so spannend, und wenn Papa keine Zeit hat, dann lese ich eben selbst weiter) entwickeln (oder umgekehrt, zugegeben. Kinder mit erhöhter Affinität zu Texten und damit einer potentiell erhöhten “Sprachbegabung” werden von den Eltern vielleicht eher das Vorlesen fordern als andere).

        Vorlesen, Musizieren oder auch die Motiviation zu körperlicher Betätigung in der Familie sind freilich genauso wenig “notwendige Voraussetzungen für schulischen Erfolg” wie weibliche Genitalien. Beides ist aber – aus unterschiedlichen Gründen – eine begünstigende Rahmenbedingung.

        Die Kritik von MANNdat richtet sich nicht an die Jungs und deren Familien, sondern an eine Gesellschaft, welche Geschlechterklischees pflegt, wie z.B. Männer seien Frauen kommunikativ unterlegen. Diese Klischees könnten Eltern entmutigen, die kommunikative Fähigkeiten ihrer Söhne fördern möchten.

        Grüßle, Radfahrer

        • Und wie sieht es mit der Korrelation zwischen eingeübtem devoten Verhalten und guter Deutschnote aus. Wir kommen, wie plausibel der Zusammenhang auch gestaltet werden kann, nicht daran vorbei, dass es scheinbar nicht (nur) die schulischen Leistungen sind, die in der Schule bewertet werden… Wäre dem nicht so, warum sollte dann das Vorlesen, das Musizieren und all die anderen Dinge, die man in einem Mittelschichtshaushalt, in dem zumeist die Mama vom Steuerzahler freigestellt wird, während im Arbeiterhaushalt zumeist beide Elternteile arbeiten, einen Unterschied machen? In der ersten Klasse fangen alle, was den Schulstoff angeht, bei “0” an, manche mögen Vorteile von zuhause mitbringen, aber die sollten eigentlich nicht ins Gewicht fallen – oder? Und selbst wenn eine erhöhte Lesemotivation dabei herauskommt, wie kommst Du dann an der Klippe vorbei, dass trotz gleicher Leistung Jungen schlechtere Grundschulempfehlungen erhalten als Mädchen. Warum überhaupt sich auf diese seltsamen Korrelationen einlassen, von denen niemand weiß, was sie bedeuten? Wetten, Du erhälst eine entsprechende Korrelation, wenn Du nach der Anzahl der Stoffpuppen bzw. Spielautos oder was derzeit so “in” ist unter Kindern, kontrollierst (denn “Bildungsferne” haben weniger Stoffpuppen und Spielautos)? Und was um aller Götter Willen bedeutet das dann?

          Hat man Dir eigentlich vorgelesen, als Du klein warst? Mir nicht.

        • Haselnuss says:

          “Wäre dem nicht so, warum sollte dann das Vorlesen, das Musizieren und all die anderen Dinge, die man in einem Mittelschichtshaushalt, in dem zumeist die Mama vom Steuerzahler freigestellt wird, während im Arbeiterhaushalt zumeist beide Elternteile arbeiten, einen Unterschied machen?”
          Ich frage mich manchmal, welche idealisiert-romantische Vorstellungen manche Menschen vom Mittelschichthaushalt haben. (Damit sind nicht Sie gemeint, Herr Klein.) Man präsentiert diesen Leuten einen unangenehmen Fakt, Mittelschichtkinder werden in der Schule bevorzugt, und sie suchen, ich kann es nicht anders ausdrücken, hanebüchene Ausreden, warum das keine Diskriminierung sein soll. Klar, Mami und Papi musizieren im Mittelschichthaushalt ständig mit der Nachkommenschaft, führen außerdem regelmäßig kritisch-dialektische Gespräche über die Historie und aktuelles Geschehen und lesen all die Bücher vor, die im “Bücherregaltest” so gerne angeführt werden; darunter Platon, Sokrates und Aristoteles – selbstverständlich auf Altgriechisch.

        • Hallo Michael,

          ** Und wie sieht es mit der Korrelation zwischen eingeübtem devoten Verhalten und guter Deutschnote aus?

          Weiß ich nicht. Ich glaube, dass es diese gibt. Bei einem Teil der mir bekannten Deutschlehrer kam devotes (besser: angepasstes) Verhalten besser an als gute Orthografie oder sauberes Argumentieren.

          ** manche mögen Vorteile von zuhause mitbringen, aber die sollten eigentlich nicht ins Gewicht fallen – oder?

          Was meinst Du mit “sollten”? Sie fallen faktisch ins Gewicht, und sei es nur indirekt über “Leistung”, für die eine Förderung seitens des Elternhauses einen gewissen Nährboden darstellt.

          ** wie kommst Du dann an der Klippe vorbei, dass trotz gleicher Leistung Jungen schlechtere Grundschulempfehlungen erhalten als Mädchen?

          Daran komme ich gar nicht vorbei. Das ist eine klare Diskriminierung, und mich gegen diese einzusetzen ist eine Motivation, bei MANNdat mitzumachen. Ich bin übrigens Vater einer Tochter und sehe mit Sorge, wie den Mädchen die Partner auf Augenhöhe weggenommen werden, genau wie die potentiellen Leistungsträger einer zukünftigen Gesellschaft. Ich sehe meine Tochter schon über Gebühr für meine Rente schuften, weil unser Bildungssystem die Ressourcen männlichen Nachwuchses liegen lässt.

          ** Warum überhaupt sich auf diese seltsamen Korrelationen einlassen, von denen niemand weiß, was sie bedeuten?

          Dies liegt vielleicht an der geringen Kinderzahl in unserer Gesellschaft. Wenn man, wie ich, ein Einzelkind hat, macht man sich eben Gedanken, wie man dem einzigen “Schuss”, den man hat, einen möglichst guten Start ermöglicht. Das ist freilich ein Fischen im Trüben, und am Ende experimentiert man herum in der Hoffnung, dass es dem eigenen Nachwuchs etwas bringen möge.

          ** Hat man Dir eigentlich vorgelesen, als Du klein warst?

          Ich habe, als ich klein (ca. 4-8 Jahre) war, meine Mama bis zur Verzweiflung genervt, sie möge mir Geschichten erzählen oder allerlei Denksportaufgaben mit mir machen. Sie hat sich, müde vom Job, manchmal breitschlagen lassen. Dies meinte ich mit der möglicherweise umgekehrten Kausalität. Mein Wissensdurst hat meine Eltern ein Stück weit gezwungen, mich entsprechend zu füttern. Dass sie gelegentlich mitgemacht haben, hat mir sicherlich gut getan. Vor dem Deutschleherer, der mir eine 4 wegen meiner kleinen Schrift (oder wegen der falschen Genitalien) gegeben hat, schützte mich das alles nicht.

          Grüßle, Radfahrer

  4. Alexander Roslin says:

    *Ist das Absicht oder schlichte Ignoranz?*

    Da das Muster so flächendeckend gleichbleibend ist, glaube ich nicht mehr an Zufall oder Ignoranz.

    Es ist Absicht.

    Das Treppauf-Fördern der Mädchen und das Treppab-Fördern der Jungen soll zur lang ersehnten Gleichstellung beitragen.

    Das Treppab-Fördern der Jungen muss aber so unsichtbar wie möglich bleiben, um keinen Widerstand, etwa von Jungeneltern, zu wecken.

    Die Gendermainstreamer setzen ihr Gleichstellungsprogramm topdown durch.

    Geräuschlos ist das leichter möglich.

    Bloß keine schlafenden Hunde wecken.

    Eine ideologisch nahestehende Journaille erleichtert ihnen das Geschäft.

    Die “Aufklärungsarbeit” der Presse und der Vainstreammedien besteht in der Bebilderung der Erfolge der herrschenden Frauenförderideologie.

    Über den großen Rest herrscht Schweigen.

    Zur Not, wenn doch ein Zipfel Realität unter’m Frauenförderteppich hervorlugt, sind die Jungen/Männer eben selber schuld – unreformierte Männlichkeit, noch nicht feminismuskompatibel umerzogen, noch nicht feminismusdienlich assimiliert von der herschenden, nach Totalität strebenden ideologie.

    Ich habe auch einmal an Zufall und Ignoranz geglaubt.

    Aber das Muster ist zu eintönig, zu pervasiv, zu hartnäckig, um nicht erwünscht zu sein.

    Das ist kein zufälliger Fehler, keine Dummheit, die korrigiert würde, wenn man sie nur einsähe.

    Das ist die Absicht von IdeologInnen.

    • Hallo Alexander,

      ich glaube auch nicht mehr an Zufall und Ignoranz muss ja nicht Zufall bedeuten. Man kann auch ganz absichtlich ignorant sein oder durch entsprechende Vorgaben an “unabhängige” Wissenschaftler dafür sorgen, dass die entsprechenden “Wissenschaftler” bestimmten Sachverhalten ignorant gegenüberstehen. Nicht umsonst wird ja “igorieren” als “absichtlich übersehen” oder “nicht wissen wollen” übersetzt.

  5. S. Neuer says:

    “Dass dem so ist, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass den “unabhängigen Wissenschaftlern” durch ihre Geldgeber ganz klar gemacht wurde, was in dem Bericht zu stehen hat und was nicht. ”

    Können Sie das belegen? Würde mich persönlich interessieren, da ich ebenfalls schon solche Vorgaben gesehen hatte (nein, waren nicht an mich gerichtet). Man wollte faktisch nur den Namen des Wissenschaftlers zur Legitimation. Ist aber auch schon einige Jahre her und es war auch nicht in Deutschland.

  6. Hans Meier says:

    Mal halblang, werte Diskutanten. Aus Erfahrung habe ich mir als Vater von Töchtern nichts von dem System „von wegen Bildung“ vorgemacht. Meine kleinen „Prinzessinnen“ protestierten, wenn ich ihre Gute-Nacht-Geschichten variierte, um zu schauen, ob sie „schon Gedächtnis hatten“. Spielerisch lernten sie so aus eigenem Antrieb bevor sie in die Schule kamen zu lesen und zu rechnen und zu denken und gaben diesen Vorsprung in ihrer Schulzeit nicht mehr ab. Entwickelten den Anspruch „immer gut zu sein“, also sich erfolgreich fühlen zu wollen und dementsprechend zu engagieren. Ich bin zwar ganz und gar anders gestartet und denke, dass die Anzahl von „Körnern im Kopf“ die so im genetischen Genpool mitmischen das Salz in der Suppe sind.
    Denn da wo nix geht, weil nix vorhanden ist, da ist Bildungsbemühen nur bezahlter Selbstzweck.
    Wichtiger erscheint mir, nicht nur die Verschiedenheit zu akzeptieren, sondern damit konstruktiv umzugehen, damit Menschen den Arbeitsplatz finden können, der zu ihren Fähigkeiten und ihrer Selbständigkeit, als Teil unserer Gesellschaft auch dazu gehört.

    • anonym says:

      Nun dann auch Mal halblang, Herr Meier.

      Ich Vater von drei Kindern, zwei Jungen und ein Mädchen, habe es selbst erlebt. Allen Kindern wurde von uns vorgelesen, haben rechnen und schreiben schon vor der Schule gelernt, natürlich auch lesen. Aber nur meine Tochter hat eine Empfehlung fürs Gym bekommen. Ist schon Komisch nicht?

      • Hans Meier says:

        @ anonym

        Ich habe andere Erfahrungen und halte insbesondere nicht viel von einem Schulwesen, in dem sich unglaublich viele „Lückenbüßer- und -Innen“ tummeln, die auf Kinder losgelassen worden sind.
        Als Insider habe ich ein Bild von den mental überforderten Lehrerinnen und Lehrern, die mit den Stürmischeren nicht klarkommen, die die angepassteren Mädchen stets bevorzugen und fördern aber die Jungs büßen lassen.
        Die typisch männlichen Eigenschaften werden doch im „Bildungswesen“ eher als störend abgehandelt, statt dieser Realität Rechnung zu tragen.
        Darum entdeckt man dann immer wieder junge Männer, deren Potenzial zumindest die Industrie und die Wirtschaft entdeckte, nicht weil sie „mädchenhafte höhere Schulabschlüsse“ im Bildungsbetrieb erwerben konnten, sondern weil sie praktisch angewandte, reale Intelligenz genug entwickeln, in der Form, hochtechnisierte Maschinen und Anlagen steuern, warten und konstruieren zu können.
        Diese Realitäten, unseres digitalen und hoch technologischen Zeitalters, kommt doch im Bildungswesen kaum vor. Da wir doch ein „Hokuspokus“ gepflegt, da jagt doch eine Reform die nächste, da lavieren die 16 Kultusministerien was das Zeug hält und sitzen mehr Böcke als Gärtner den verwirrten Lehrerinnen und Lehrern vor, die als politische „Hanswurste“ herumexperimentieren. Da werden unsägliche Zeitgeistigkeiten indoktriniert, denen Schüler ausgesetzt sind statt unvorein- genommen die Realität und Rationalität nicht aus dem Blickwinkel zu verlieren.
        Die Bildung, bzw. das Schulwesen führt doch eine abgehobene, mit sich selbst beschäftigte Existenz in der die spätere Berufsrealität der Schüler, denen das wirkliche Leben offensteht, viel zu weit aus der Zielperspektive entkommen ist. An der Beschaffenheit, ob durch Geschlecht oder Verhalten, an der Ausstattung mit Talenten, waren die Schüler schon immer verschieden aber sie brauchen fairen Wettbewerb und faire sowie fähige Lehrkräfte, die nicht selbst an Ideologien, bzw. am Leben leiden, sondern mit Zuversicht Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.

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