Ein “Vater zweier Kinder” schreibt mir – Himmel hilf!

Beim letzten post hat es mich erwischt: Ein Kommentar von einem, der Vater ist, und offensichtlich nur Vater, denn er spricht “[a]ls Vater zweier Kinder”, jemand, der sich im Gegensatz zu “Nichteltern” sieht, weil er “[a]ls Vater” und nur “[a]ls Vater” unterwegs ist. Eigentlich ist er auch Pädagige, aber sprechen tut er nur “[a]ls Vater”. Also dieser hauptberufliche Vater und nebentätige Pädagoge hat mir einen sehr sehr langen Kommentar geschrieben, an dem man ein psychologisches Exempel statuieren könnte.

Es ist einer dieser “Ich habe nichts gegen Ausländer, aber”-Kommentare. In meinem Fall fängt der Kommentar an mit: “Hallo Michael[,] hier fliegst Du meiner Meinung nach zu weit übers Kuckucksnest, weil Du selbst starrsinnig polemisiert, in Deinem Kampf gegen feministischen Starrsinn. Einige dieser bisherigen Artikel habe ich trotz ihrer leicht arrogant wirkenden populärwissenschaftlichen Glossgkeit doch gerne gelesen und genossen”.

getting-your-work-life-balanceSelbst beim Tippen kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es ist schon lustig, wie einem per Ferndiagnose in einem Satz Starrsinnigkeit und Irrsinn attestiert wird (der über das Kuckucksnest flog, war bekanntlich im Irrenhaus). Eigentlich habe ich mir vorgenommen, Regel 1 dieses blogs, Kommentare, die mit einer Beleidigung beginnen, gleich zu löschen, aber dieser Kommentar von “Geschlechterrechtler” aus Berlin (Was um aller Götter willen ist ein Geschlechterrechtler”?) ist eine derat gute Charakterstudie, dass ich eine Aussnahme mache.

Aber ich bin natürlich sehr getroffen davon, dass ich die Gunst und Zuneigung von Geschlechterrechtler verloren habe, weil ich ihn “[a]ls Vater” verärgert habe, und ich werde eine Gedenkminute einlegen, ob der Tatsache, dass ich es Geschlechterrechtler zugemutet habe, die Texte, die er liest und “genießt” mit “arrogant wirkender populärwissenschaftlicher Glossigkeit” zu füllen. Wieso denken manche, Sie seien der Nabel der Welt und könnten andere durch die Aneinanderreihung von Worten einschüchtern, die sie selbst für furchtbar halten? Und welche Qualifikation rechtfertigt diese Einordnung? Ist es die Qualifikation “[a]ls Vater”?

Geschlechterrechtler ist, wie ich bereits Eingangs festgestellt habe, in erster Linie, wenn nicht ausschließlich “Vater” und “linker Vater” dazu, wie gleich zu sehen sein wird. “Als Vater” hat er Probleme mit dem letzten Post, womit weiß ich nicht so richtig, aber affektive Ausbrüche, wie der Kommentar von Geschlechterrechtler sind natürlich auch affektiv verursacht und insofern entziehen sie sich einer rationalen Erklärung. Das einzige, was man mit Ihnen machen kann, ist sie psychologisch zu analysieren.

“Als Vater zweier Kinder, die aller politischen Wahrscheinlichkeit nach auch Dich in Deinen schwächeren letzten Jahren miternähren und -pflegen werden, bekomme ich bei der Halbaussage [“Staaten kümmern sich darum, dass die private Entscheidung, ein Kind in die Welt zu setzen, von allen finanziert wird.”] doch einen Hals.”

Child free zoneJa, Geschlechterrechtler, das merke ich, aber der Hals, den Sie bekommen, ändert nichts an den Tatsachen. Und Sie, “[a]ls Vater zweier Kinder” werden sich mit der Tatsache anfreunden müssen, dass die Vergünstigungen, das Kindergeld, die unentgeltlichen schulischen Einrichtungen uvm. von allen, die arbeiten und Steuern bezahlen, finanziert werden. Da kann man jetzt einen Hals bekommen, ob dem eigenen anderen auf der Tasche liegen, aber “aller politischer Wahrschneinlichkeit nach”, kann man es nicht ändern. Es sei denn, man macht es wie ich, und macht sich unabhängig von staatlicher deutscher Rentenfinanzierung und wandert aus, entweder, (1) weil man nicht in einem Land leben will, in dem man die Kinder von Leuten finanzieren soll, die so in der Defensive und so wenig selbstwirksam sind, dass sie haarige Behauptungen aufstellen müssen wie: ihre Kinder würden irgendwann meine Rente bezahlen oder (2) weil man die “Nachhaltigkeit” des Rentensystems für nicht verlässlich einschätzt, insbesondere nicht mit Blick auf nachwachsende Steuerzahler.

Also mit der Feststellung, dass alle die Kinder derjenigen finanzieren, die sie haben, bin ich dem geschlechterrechtlichen Vater auf die Füße getreten, und zwar so sehr, dass er gleich ein Mehrheitsargument ob seiner eigenen Erschütterung und zur eigenen Selbstversicherung ins Feld führt. Eltern sind “immer noch die Mehrheit der Deutschen” so erklärt er uns, obwohl es niemand bestritten hat. Und dann folgt ein Lamento der “besondere[n] Bedarfe”, die Eltern haben. Warum schreibt der Geschlechterrechtler “[a]ls Vater”, von diesen Bedarfen, wenn nicht, um die Zahlungen aller Steuerzahler an Eltern zu rechtfertigen? Abermals zeigt sich, wie sehr er sich in der Defensive sieht.

Kinderfrei“Als Vater” ist Geschlechterrechtler offensichtlich ein Profiteur der größeren Flexibilisierung am Arbeitsplatz und sieht sich in Rechtfertigungszwang. Anders kann man seine nunmehr folgenden Tiraden darüber, dass Flexibilisierung von Arbeitszeit gut und wichtig ist, nicht mehr erklären. Übrigens kann ich mich nicht erinnern, in meinem Text die Flexibilisierung von Arbeitszeit in Frage gestellt zu haben, ich habe die ideologische Begründung derselben und den damit einhergehenden Zwang und Eingriff in die unternehmerische Freiheit in Frage gestellt. Das ist dem Geschlechterrechtler, der “[a]ls Vater” leider über die entscheidenden Sätze hinwegliest, weil er seine Affekte ausleben muss, entgangen. Es ist ihm vor allem deshalb entgangen, weil er “linker Vater” ist, der den Eingriff in die Freiheitsrechte anderer, so lange es ihm selbst nutzt, durchaus mitträgt.

Entsprechend erregt er sich auch über meine kleine Spitze, dass nur verzichtbare Mitarbeiter in “Work-Life-Balance”-Regelungen aufgenommen werden. Und wie es unter Linken und “[a]ls Vater” wohl üblich ist, wird das Problem, dass es nun einmal nicht die wichtigen Arbeitnehmer sein können, die Handarbeiter, die Müllfahrer, die Lkw-Fahrer, die Krankenwagenfahrer, die flexiblere Arbeitszeiten und Wickelplätze am Arbeitsplatz eingerichtet bekommen, sondern die Schicht von “Dienst”leistern, die sprachlich auf ihre Wichtigkeit hinweisen müssen, weil man sie tatsächlich nicht feststellen kann, behilft er sich ob fehlender Argumente mit blabla, wie QED wohl sagen würde:

“Wenn Dein Blick [also meiner] nicht von einer Wut auf die Leben-und-Arbeit-Ausgleicher vernebelt wäre. würdest Du erkennen, dass es mehr und weniger zeitlich festgelegte Tätigkeiten gibt, dass die zeit-strukturelle Koppelung der Arbeitenden unterschiedlichen Freiheitsgraden unterliegt”.

Das ist mein Leersatz des Monats. Einmal davon abgesehen, dass vor und nach dem Komma identische Dinge stehen, nämlich, dass es Tätigkeiten gibt, die verzichtbar sind, Tätigkeiten, bei denen es egal ist, ob sie am Morgen oder am Abend verrichtet werden, bestätigt dieser Schwall, was ich gesgat habe: Der Unfallarzt, der sich in Bereitschaft befindet, oder der Maurer am Bau haben eines gemeinsam: Sie sind von einer Work-Life-Balance ebenso ausgenommen, wie der Nachtwächter oder der Müllfahrer. Flexibilität hat etwas mit Wichtigkeit der Arbeit zu tun.

Die bisherigen Ausführungen beziehen sich auf die ersten beiden Seiten eines erregten und viel zu langen und vor allem ermündend redundanten Kommentars, und ich muss zugeben, ich habe den Kommentar nicht ganz gelesen, ich habe schlicht das Interesse verloren. Aber eine Schote will ich den Leser doch nicht vorenthalten. Sie findet sich in der Mitte dieses Traktats eines erregten Vaters

Logik f dummiesEr zitiert ([a]ls Vater?) die folgende Stelle: “Mit anderen Worten: Die Flexibilisierung von Arbeitszeit hat eine psychologische Wirkung auf die Mütter, die sich nach eigener Ansicht adäquater um ihre Kinder kümmern können, wobei die Betonung auf “können” liegt, denn sie tun es nicht.” Um den aus dem Zusammenhang gerissenen Satz einzuordnen, ist es notwendig, darauf zu verweisen, dass “sich adäquat um Kinder kümmern” ein quantitatives Maß ist, das sich auf die tatsächlich mit Kindern verbrachte Zeit bezieht. Und nun Geschlechterrechtler zum genießen:

“Das ist ein Fehlschluss!”

Was soll man angesichts einer solchen, wie soll ich sagen, Logik-Legastenie schreiben. Vielleicht fange ich vorne an: Der zitierte Satz enthält keinen Schluss, sondern er beschreibt Ergebnisse der Autoren. Das kann einem nicht passen. Man kann ob der Ergebnisse “einen Hals” bekommen, aber ändern kann man die Ergebnisse nicht. Ich versuchs mal so: Vor der Arbeitszeitflexibilisierung sagen Mütter: Sie haben zu wenig Zeit, um sich um ihre Kinder zu kümmern, und sie kümmern sich 4 Stunden pro Tag und im Durchschnitt um die Kinder. Nach der Arbeitszeitflexibilierung sagen Mütter: Sie haben nun ausrechend Zeit, um sich um ihre Kinder zu kümmern, und sie kümmern sich 4 Stunden pro Tag um ihre Kinder. Dieses Ergebnis, das die von mir zitierten Autoren in ihrem Daten gemessen haben, habe ich beschrieben – nicht mehr und nicht weniger. Wo man hier einen Fehlschluss finden will, weiß ich nicht, aber ich will diesen Text konstruktiv beenden und dem Vater etwas mit auf den Weg geben:

Zwei Sätze:

Frauenleben ohne KinderDie meisten Menschen, die sich affektiv von Texten angegriffen Fühlen, können nicht mehr rational argumentieren und behaupten z.B., etwas sei ein Fehlschluss, was gar kein Fehlschluss, nicht einmal ein Schluss ist, sondern eine empirische Beobachtung z.B. um sich mit logischen Begriffen zu schmücken und mehr vorzustellen als intellektuel vorhanden ist.

Geschlechterrechtler ist “[a]ls Vater” hat nach eigener Aussage “einen Hals”, wegen meines Textes. Geschlechterrechtler macht eine Reihe von logischen Fehlern und zeigt an mehreren Stellen, dass er nicht mehr rational denken kann.

Warum ergibt sich der Schluss, dass Geschlechterrechtler, wenn er “[a]ls Vater” schreibt, nicht mehr Herr seiner Sinne ist, quasi von selbst?

Ich habe den Kommentar von Väterrechtler nicht freigeschaltet. Er ist zu lang (wir sind ein blog, keine Therapieanstalt, in der man stundenlang labern kann) und bringt nicht wirklich einen Gewinn. Wer sich gerne durch den Kommentar kämpfen will, der kann den Kommentar hier herunterladen.

Und eines bin ich noch schuldig: Ich habe von Geschlechterrechtler als “linkem Vater” gesprochen. Dass dem so ist, ist offenkundig, denn er wendet sich massiv gegen meinen Gebrauch von Staatsfeminismus und führt seine Verteidigung der Work-Life-Balance aus einer egoistischen Perspektive, die bar jeglicher Empathie für diejenigen ist, die die Work-Life-Balance zu tragen bzw. zu ermöglichen haben: Arbeitgeber und in den Worten von Geschlechterrechtler: “Nichtväter”, die die Work-Life-Balance zu ermöglichen und zu finanzieren haben. Wer nur für seinen Vorteil argumentiert und keinerlei Bedenken der Gegenseite zulässt, wer darüber hinaus der Ansicht ist, sein eigener Lebensstil müsse über Rechte gegenüber Dritten abgesichert wrden, ist Linker, da halte ich jede Wette.

Generation KinderlosUnd noch eines zum Schluss: Ich und ich vermute sehr viele Kinderlose wollen sich nicht länger sagen lassen, der schlecht erzogene Sprößling hauptberuflicher Väter würde ihre Rente oder Pflege finanzieren. Deshalb mein Vorschlag: Wir streichen alle kinderbezogenen Vergünstigungen (außer der Bildung, denn wir Kinderlose sind bekanntlich großzügig, ganz im Gegensatz zu manchen Eltern), lösen die gesetzliche Rentenversicherung auf und lassen jeden, sein Alter selbst finanzieren. Dagegen kann Geschlechterrechtler ja nichts einzuwenden haben – oder?

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