Das hat noch gefehlt: Terror ist virtueller Spillover von Computerspielen sagt Kriminologe

Er ist wieder da.

Christian Pfeiffer, ehemaliger Professor für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzugsrecht, ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Hannover und ehemaliger Justizminister des Landes Niedersachsen, hat sich wieder zu Wort gemeldet.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland hat er ein Interview gegeben. Die Teile des Interviews, die bislang bekannt sind, lassen Übles ahnen.

Christian Pfeiffer ist manchen Lesern vielleicht noch durch seine denkwürdige Kausalverbindung zwischen auf dem Topf sitzen von 12, 13, 14 Monate alten Kindern und Rechtsradikalismus in der DDR bekannt:

“Ein Buch – ‘Kinder-Erziehung in der DDR’ und das schlug ich zu Hause auf und sah ein Bild, was mich irritierte: lauter kleine Kinder im Alter von 12 Monaten sichtlich, 13, 14, 15 Monate, die alle gleichzeitig auf ihren Töpfen saßen unten drunter stand ‘Topfzeit’ und dann wurde erläutert: ‘Erst die Pflicht und dann das Vergnügen’ und dann wurde detailliert beschrieben für die Eltern, wie man Kinder dazu erziehen kann, daß sie im Alter von 12 Monaten so eine Leistung bringen.”

Diese Irritation hat Pfeiffer dazu gebracht, die Topf-Gleichschaltung und den damit verbundenen Gruppenzwang im Kinderhort als Ursache für Fremdenhass und Rechtsradikalismus in der DDR zu sehen.

Das sind vergangene Ursachen, die er gesehen hat. Neue Ursachen haben den Terror in Paris zum Gegenstand, Terror, dessen Ursachen er wie folgt mutmaßt:

“Die Terroristen könnten sich als virtuelle Figuren in Onlinespielen wie ‘World of Warcraft’ an einem bestimmten Ort als Gruppe getroffen und die Anschläge in Paris geplant haben. […] Das Spielen von gewaltverherrlichenden Computerspielen im Internet und auf Konsolen trage laut dem Kriminologen “zur Radikalisierung junger Muslime” bei und führe zur Enthemmung beim Töten. Pfeiffer: “Es ist durchaus denkbar, dass die Attentäter von Paris vor den Anschlägen virtuell das Töten trainierten und sich daran berauscht haben.”

Wir wissen nicht, mit welchen Mitteln sich Christian Pfeiffer berauscht, was ihn so enthemmt, dass er Unsinn verherrlichende Anschläge auf den Intellekt von Zeitungslesern verübt. Fest steht jedoch, dass Pfeiffers Kausalkette auch dieses Mal ein Ausmaß von Unkenntnis seiner eigenen Zunft offenbart, das erschreckend ist.

diabloEs gibt kaum einen Kriminologen, der ernstgenommen werden will und der der Ansicht ist, das Spielen von Computerspielen erhöhe das Risiko von Gewalttaten oder sonstigen strafbaren Handlungen. Wie absurd die Vorstellung ist, man könne, die Tatsache, dass man gerade Diablo besiegt hat, zum Anlass nehmen, um seine magische Waffe aus dem Spiel in die Realität zu übertragen und nunmehr andere Teufel zu bekämpfen, zeigt sich schon daran, dass die Bedienung einer automatischen Waffe etwas anderes ist als die Bedienung der Knöpfe der Playstation 4. (Und überhaupt, wird Pfeiffer von Microsoft bezahlt? Schließlich gibt er explizit die Playstation als Übel an, unterschlägt die XBox.)

So wie sich die virtuelle Phantasiewelt, in der mit virtuellen Charakteren gekämpft wird, von der wirklichen Welt unterscheidet, so unterscheidet sich auch ein Christian Pfeiffer von einem wirklichen Kriminologen. Kriminologen geht es um die Erklärung von Phänomenen, Pfeiffer darum, Phänomene zu verharmlosen und Angst zu schüren. Letzteres wird daran deutlich, dass er die radikalisierende Wirkung auf Muslime beschränken will, ersteres daran, dass er allen Ernstes behauptet, man könne einen koordinierten Anschlag wie den in Paris mit dem Spielen von Computerspielen vergleichen.

Wir können daher nur feststellen, dass Christian Pfeiffer weder von Computerspielen noch von Kriminologie eine Ahnung zu haben scheint und dies kausal darauf zurückführen, dass er im Alter von 12 Monaten in keinem Kinderhort auf den Topf gesetzt wurde.

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19 Responses to Das hat noch gefehlt: Terror ist virtueller Spillover von Computerspielen sagt Kriminologe

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  2. ritterfräulein says:

    Christian Pfeiffer, den ich persönlich erlebt habe, ist eine selbstverliebte Pfeife. Seinen Erfolg verdankt er vielleicht der Tatsache das er ein guter Redner ist. Schade, das sich die Menschen davon immer so leicht blenden lassen.

  3. rote_pille says:

    Zeitungsleser und Intellekt in einem Satz? Made my day.

  4. Guy Brunner says:

    Ich würde nicht so streng sein. Was Pfeiffer sagt, sind tiefenpsychologische Thesen. Auch die Töpfchen-Geschichte. Die Tiefenpsychologie ist rational denkenden Menschen oft fremd. Solche Aussagen sind in der Regel nicht beweisbar – sie stellen lediglich Annahmen in der Vielfalt dar. Möglicherweise wurden sie am falschen Ort publiziert.

  5. Marc says:

    World of Warcraft genauso wie alle Diablo Titel werden hauptsächlich auf einem PC gespielt. Soweit ich weiß, gibt es WoW gar nicht für eine Konsole. Das wirkt auf mich sehr schlampig recherchiert von dem Herrn Pfeiffer.

    Wenn er doch bloß Games wie Hatred aufzählen würde.

    In den meisten Kriegsspielen sieht man noch nicht mal Blut. Die Generationen von Eltern die selbst nicht mit Kriegscomputerspielen groß geworden sind, sehen eine Gewaltverharmlosung in Computerspielen als den richtigen Weg an.

    Was jedoch vollkommen falsch ist!

    Ein Kriegsspiel müsste so realistisch wie möglich programmiert werden um jungen Leuten nicht einen falsch Eindruck von Krieg zu vermitteln.

    Kein normaler Mensch würde aufgrund der realistischen Programmierung eines Spiels eher Amok laufen.

    Ich frage mich ob Herr Pfeiffer auch Schach verboten hätte, wäre er im Mittelalter geboren.

  6. Gasthörer says:

    Die Kriminilogie ist so Mitte des 18.Jahrhunderts von einem gelangweilten Sohn aus der bürgerlichen Schicht enstanden. Es haben sich viele Leute aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft damit beschäftigt, dem Verhältniss der Kriminalität in der Gesellschaft und deren Wechselbeziehungen die im laufe der Zeit entstanden sind.
    Es waren u.a. Psychater, Soziologen, Richter, Sozialstatistiker und andere von den geistig Tätigen dabei. Daher die unterschiedlichsten Formen der Betrachtung der Kriminalität, deren Bekämpfung und der Resozialisierung der Täter. Nach meiner Ansicht ist die Kriminoligie wie die Philosophie eine geistige Verwirrtheit die zur Wissenschaft erklährt wurde. Genaueres verkneife ich mir, da ich meine Mitschriften erst entziffern müsste, es war Abenteuerliches zu hören. Also nichts Verwunderliches was der Pfeifer da so von sich gibt.

  7. Marcus Junge says:

    Puh, na ein Glück, die bösen Spiele sind es gewesen, mal wieder. Welche Computerspiele haben dann eigentlich die Typen von 9/11 gespielt, damals, 3 Jahre vor WoW (oder waren es 4? – ich spiel den Dreck halt nicht), jedenfalls Jahre vor dem großen Durchbruch der Spiele über das Netz. Und was spielten / spielen die Taliban oder der IS, wenn es da nicht mal Strom gibt oder sie gar keine Computer haben?

    Pfeifer, mit 3 “F” – ein Paradebeispiel für dialektische Wissenschaft, in der es nicht um Wissenschaft oder Fakten geht, sondern darum das sozialistische Weltbild zu bestätigen.

  8. Plan B says:

    Mal abgesehen davon, dass Pfeiffer in diesem aktuellen Interview sein Lieblingssteckenpferd reitet (Verrohung durch Ballerspiele), könnte er einem Missverständnis aufgesessen sein.

    Es gab verschiedene Meldungen (ob spekulativ oder real), dass die Terroristen die Internetvernetzung über Videospiele (implizit die Playstation als Hardware) als Kommunikationssystem genutzt haben sollen. Eine für die Internetüberwachung durch die Geheimdienste “unterschwellige” Methode; also nicht direkt identifizierbar. Es geht also nicht ums Spielen, sondern um Botschaften zur Koordinierung der Anschläge.

    Ob das nun wirklich so war, ist offiziell nirgends bisher bestätigt worden. Aber eine Meldung, die Pfeiffer in den falschen Hals bekommen haben könnte.

  9. Ein Teufelskreis says:

    Wobei natürlich die zwingende Frage aufkommt, weswegen solche Spiele ausgerechnet dort die größte Wirkung entfalten, wo sie am WENIGSTEN gespielt werden?

    Denn in der Folge von dessen Schwachsinn hätte dann doch der IS / Islamische Staat nicht etwa im Irak oder Syrien, sondern grotesker Weise in einer BRD oder gar einer USA auferstehen müssen?

    So gesehen könnte man im Umkehrschluß auch behaupten: Spiele, wie World of Warcraft VERHINDERN geradezu eine Islamisierung / Radikalisierung 🙂

  10. hgb says:

    Das sind berauschende Erkenntnisse. Natürlich gab es vor den Videospielen nur friedliebende Menschen, von Liebe oder dem Töpfchenergebnis berauscht. Lässt sich gut nachlesen zum Beispiel im Simplicius Simplicissimus.

    Leider waren Menschen schon immer sehr innovativ, wenn es darum geht, anderen Menschen Schaden und Schmerzen zuzufügen.

    Ob der Herr die fäkale Phase nicht durchleben durfte? Er scheint ja nicht alleine zu sein, da inzwischen die Einweihung und Beschriftung öffentlicher Toiletten zum Staatsakt wurde.

    https://www.berlin.de/sen/aif/ueber-uns/presse/2015/pressemitteilung.403954.php

    Allerdings waren da die alten Römer schon weiter gewesen als heute die Berliner:

    http://www.kinderzeitmaschine.de/antike/lucys-wissensbox/kategorie/alltag-das-leben-im-alten-rom-von-bulla-astragalen-und-wagenrennen/frage/gemeinsam-aufs-klo.html?ht=3&ut1=8

    Pecunia non olet.

  11. Odins Wölfe says:

    Obelix hätte jetzt gesagt:”Der spinnt der Pfeifer” Der Pfeifer ist eine Flachpfeife.

  12. Heiner says:

    Als nächstes wird man behaupten, daß die IS-Terroristen “Opfer der Schund-und Schmutzliteratur” sind. Möglich ist aber auch der Schluß, daß sie radikal geworden sind, weil sie ohne Playstation aufwachsen mussten. Bei Herrn Pfeiffer kann ich mir auch vorstellen, daß die fehlende Topfreihe nun auf einmal Schuld ist.

    Wie auch immer: Es werden hunderte Gründe gefunden werden, aber es hat NIE etwas mit dem Islam zu tun. *seufz*

  13. Querdenker says:

    Ich vermute mal stark: Herr Pfeiffer hätte besser als Kleinkind auf dem Topf beizeiten gelernt sauber zu sein, und nicht wie die Kinder der 68 er mit ruhigem Gewissen bis zum 5. Lebensjahr in die Pampers kacken zu können. Da wäre er seine Kakophonie bestimmt losgeworden!!

  14. stefan T. says:

    Ich muss dazu sagen, ich habe mich bei Pfeiffer immer gewundert, ob er nicht in irgendeiner Form eine Sockenpuppe ist, sowas wie Susanne Baer, die ja auch nicht wegen ihrer Qualifikationen sondern eher wegen ihrer Gesinnung “installiert” wurde.
    Anders kann ich mir zumindest nicht erklären, wie jemand 13 Jahre nach Studium auf den Gedanken kommt, zu promovieren und direkt einen Posten als stellvertretender Direktor des KFN ein Jahr nach Promotion bekommt.

    Seine bestenfalls auf Populärwissenschaftsniveau befindlichen Studien rechtfertigen in keiner Weise das Niveau eines angeblich promovierten Kriminologen.

  15. ich says:

    Hätte Pfeifer mal die EULA von Blizzards Titel “WoW” gelesen wüsste er, das die Ingame-Chatnachrichten mitgeschnitten, gespeichert und ausgewertet werden…. ist schließlich ein US-Produkt und fällt unter deren Rechtsbereich was Datenübermittlung angeht. Also nix mit “Terroristen unterhalten sich in Chatrooms” ^^

    Im Übrigen gilt das für alle Onlinespiele. Weil jede Kommunikation nach aktueller Gesetzeslage aufgezeichnet wird.

    Hier soll nur wieder die übliche Diskussion um “Ballerspiele bilden Terroristen aus” vom Zaun gebrochen werden… tumber Aktionismus eben…

    Eine Maus auf dem Tisch hin- und herzuschieben ist was anderes als ein mehrere Kilo schweres Gewehr in der Realität zu benutzen… jeder der schonmal eine echte Waffe benutzen durfte, egal ob Jäger, Sportschütze, Polizist oder auch Soldat weis das

    • gedient Mitte der 60iger says:

      Richtig, Schießgeile gab es schon immer. Soldaten die des Nachts auf Wache auf wilde Tiere schossen weil sie “dachten es währe ein Angreifer”,weil die die Parole nicht erwiderten und damals gab es noch keine Ballerspiele.

  16. Dr. Longbore says:

    Pfeiffer und seine Schwester Regine führen schon seit Jahren einen hasserfüllten Kreuzzug gegen Computerspiele und gegen Gamer.
    Beide sind weder richtige Wissenschaftler, noch objektiv und schon gar nicht ernstzunehmen!

  17. Thomas says:

    Prozentual zur Bevölkerung werden am meisten in Südkorea Computerspiele gespielt:

    _________

    Südkorea

    Die Krieger des Internets

    Südkorea ist das Paradies der Computerspiele. Jeder dritte Südkoreaner spielt. Manche leben davon wie Ma Jae-yoon, der „Savior“, ein Popstar der Szene, der vor großem Publikum immer wieder das Universum retten muss. Anne Schneppen berichtet aus Seoul.

    _________

    Mehr:

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/suedkorea-die-krieger-des-internets-1407531.html

    Aber von südkoreanischen Terroristen hat man bisher noch nichts gehört.

    Merkwürdig, oder?

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