Kapitalismushetzer in guter Nazi-Tradition

Bleiben wir doch bei dem Begriff des Kapitalismushetzers, denn Kommentare wie der folgende, lassen keine Abschwächung des Begriffs zu.

„[…] Efrischend aber zu beobachten dass inzwischen auch weite Teile des rechten Millieus eine kritische Haltung zum Kapitalismus einnehmen.

Es ist einfach zu offensichtlich geworden dass Kapitalismus eine mörderische, gesellschaftszersetzende und planetenzerstörende bösartige Ideologie ist! […]“

Wie wäre es mit ein wenig Geschichte, damit Kapitalismushetzer wie unser Kommentator, die ein mythologisches Weltbild zu haben scheinen, in dem dämonische Ideologien arme Menschen heimsuchen, wissen, in wessen Tradition sie, die sie sich als links im politischen Spektrum wähnen, befinden.

Struve Elites against democracyZunächst etwas Definitorisches, damit wir auch alle wissen, wovon wir sprechen, denn mit dem Begriff „Kapitalismus“ scheint sich zwar ein ganzer Rattenschwanz von aggressiver Ablehnung und emotionaler Empörung zu verbinden, aber sehr wenig Wissen, was Kapitalismus eigentlich meint.

Dabei reicht es, im Glossar ökonomischer Textbücher zu lesen, um zu erfahren, was Kapitalismus ist. So schreiben Baumol und Blinder: „Capitalism. Method of economic organisation in which private individuals own the means of production, either directly or indirectly through corporations“. Kapitalismus ist also eine Organisationsform der Wirtschaft, bei der die Produktionsmitteln in privater und nicht in staatlicher Hand sind.

Wer entsprechend gegen Kapitalismus ist, ist gegen privates Eigentum an Produktionsmitteln.

Mit Kapitalismus als Organisationsform verbinden sich eine Reihe von Institutionen, im Wesentlichen Märkte, auf denen freie Akteure miteinander tauschen (so wie sie Oliver Williamson 1985 beschrieben hat), Institutionen, die die Verwendung von Ressourcen und den Tausch auf Märkten organisieren (im Wesentlichen Unternehmen wie sie Ronald Coase 1937 beschrieben hat). Mit Kapitalismus als Organisationsform verbindet sich das Prinzip des Wettbewerbs als evolutionäres Prinzip, das Fortschritt und Wachstum bedingt, (so wie es Josef Schumpeter 1942 beschrieben hat) und mit Kapitalismus verbindet sich eine Ethik, die man als meritokratischen Tausch beschreiben kann, der für höhere und knappere Leistungen einen höheren Preis vorsieht.

Nun, nachdem wir Kapitalismus eindeutig bestimmt haben, müssen wir etwas gestehen, Kapitalismus und Liberalismus sind miteinander verwandt und beides sind Ideen, die in Deutschland seit Jahrhunderten als undeutsch beschrieben werden.

Damit kommen wir zur Tradition, in der sich die heutigen Kapitalismushetzer befinden, zur nationaler, zur national-sozialistischen Tradition.

Manche Kommentatoren haben immer einmal wieder darauf hingewiesen, dass Nationalsozialismus Sozialismus mit nationaler Färbung ist. Das ist nicht nur richtig, es ist auch lange bekannt. Friedrich August von Hayek hat es bereits 1944 in seiner Road to Serfdom im 12. Kapitel dargelegt, unter Bezug auf nationalsozialistische Heilige wie Moeller van den Bruck, der in seinen Schriften Liberalismus als undeutsch, als Feind alles Deutschen, Kapitalismus und Liberalismus als Ursache der Kapitulation Deutschlands im Jahre 1918 benannt hat.

Von ihm und vom Tat-Kreis hat sich dann eine spezifisch deutsche national-sozialistische Tradition entwickelt, die bis heute reicht.

Nehmen wir zum Beispiel die beliebte Kritik am Wachstum als Mittel, über das im Kapitalismus Fortschritt und Reichtum erwirtschaftet wird. Wachstum sei nicht nur umweltschädlich. Es sei auch nicht sozial, so liest man, es mache Bonzen reich und Arme ärmer, so lautet die Litanei und vor allem gehe es zu Lasten der nächsten Generationen. Die Wachtumsgesellschaft sei an ihre Grenzen gestoßen, so wie der Kapitalismus, jenes, wie unser oben zitierter Kommentator meint, bösartige System, das er so hasst, dass er die Errungenschaften des Kapitalismus jeden Tag ganz selbstverständlich benutzt.

Besagte Kritiker stehen in einer nationalsozialistischen Tradition, die mit dem Namen von Ferdinand Fried verbunden ist. Fried hat im Jahre 1931 in Leipzig sein Buch „Das Ende des Kapitalismus“ veröffentlicht. Darin verkündet er, dass die Wachstumsidee, die dem Kapitalismus über seinen Mechanismus von Markt und Wettbewerb innewohnt, nicht nur an ihre Grenzen gestoßen sei, sondern die nationale deutsche Wirtschaft zerstöre. Entsprechend votiert er für ein staatliches Alimentierungssystem, das Unternehmen, die insolvent sind, am Leben erhält, da sie Bestandteil der nationalen deutschen Volkswirtschaft sind, deren Verfassung so völlig verschieden von Liberalismus und Kapitalismus, beides undeutsche Ideen, sei.

Es ist schon erstaunlich, dass man die Ideen von Fried heute, 84 Jahre später, bei der politischen Linken und anderen Kapitalismushetzern findet, die von sich denken, sie seien in jeder Weise vom Nationalsozialismus verschieden. Zumindest im Hinblick auf ihre Einstellung zum und Hetze gegen den Kapitalismus sind sie es in keiner Weise.

Und so ist es an der Zeit, die Worte zu widerholen, die von Hayek zum Ende seines 12. Kapitels und im Hinblick auf „Edelnazis“ wie Fried, 1944 geschrieben hat:

Hayek Serfdom„Fight against liberalism in all its forms, liberalism that had defeated Germany, was the common idea which united socialists and conservatives in one common front. … In the later twenties and till the advent of power of Hitler a circle of young men gathered round the journal Die Tat and led by Ferdinand Fried became the chief exponent of this tradition in the intellectual sphere. Fried’s Ende des Kapitalismus is perhaps the most characteristic product of this group of Edelnazis, as they were known in Germany […] Conservative Socialism (and, in other circles ‚Religious Socialism‘) was the slogan under which a large number of writers prepared the atmosphere in which ‚National Socialism‘ succeeded.“ (Hayek, 2007 [1944]: 185)

Und allen Linken, die sich darin gefallen, gegen den Kapitalismus zu hetzen und an dem Ast zu sägen, auf dem sie sitzen, kann man nur sagen: Nice company you keep!

Literatur:

Baumol, William J. & Blinder, Alan S. (1988). Economics. Principles and Policy. San Diego: Harcourt Brace Jovanovich.

Coase, Ronald H. (1937). The Nature of the Firm. Economica 16 (4): 386-405.

Schumpeter, Joseph A. (1942). Capitalism, Socialism and Democracy. New York: Harper.

Williamson, Oliver E. (1985). The Economic Institutions of Capitalism. New York: Free Press.

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44 Responses to Kapitalismushetzer in guter Nazi-Tradition

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Kapitalismushetzer in guter Nazi-Tradition

  2. Roland sagt:

    Da frage ich mich. Kann man eigentlich gegen einen Ismus hetzen? Wenn es wieder tönt das kapitalistische System sei an allem Übel Schuld, wundere ich mich immer, was mit dem System nun eigentlich genau angesprochen ist? Eine Abstraktion die Schuld für etwas zu geben …. das ist doch im Grunde nur einen Schritt davor entfernt sich vor Gespenstern, Göttern und Dämonen zu fürchten.

    • Michi sagt:

      Natürlich kann man gegen Kapitalismus hetzen. Dieser besteht aus einer Reihe von Regeln. Werden diese auf eine Gesellschaft angewandt, wird sie sich in eine gewisse Richtung entwickeln. Das Ergebnis davon kann man dann kritisch betrachten und entscheiden, ob man das Ergebnis positiv oder negativ bewertet.

      Zu Beginn war Kapitalismus aus meiner Sicht „gut“. Der Wohlstand stieg, die Lebenserwartung auch, die Kindersterblichkeit sank … viele gute Effekte. Nun zeigen sich die Langzeitwirkungen: Erschöpfung der Ressourcen, Wohlstandskrankheiten, Wirtschaftskrisen, Ungleichgewicht der Verteilung des Vermögens etc. … viele schlechte Effekte.

      Ergebnis: Anscheinend taugt der Kapitalismus auf lange Sicht nicht dafür, einer Gesellschaft Stabilität und Wohlstand für alle zu bringen.

      Das konnten die „Erfinder“ damals nicht wissen. Das zeigt sich nun mal erst nach vielen Jahren.

      • rote_pille sagt:

        Beim Kapitalismus gibt’s keine Erfinder, denn es ist lediglich die Wirschftsform die auf dem privaten Eigentum an den Produktionsmitteln basiert. Da alle Produktionsmittel entweder natürlich oder von Privatleuten geschaffen sind braucht es keine Archiekten, man muss die Leute einfach nur in Frieden leben lassen und schon hat man Kapitalismus. Wenn die kapitalistische Wirtschaftsform an den heutigen Problemen Schuld wäre, müssten Sie noch mehr Eigentum verstaatlichen. Ich weiss nicht ob es schon zu Ihnen vorgedrungen ist aber wir haben jetzt schon den grössten Monsterstaat in der Geschichte. Wie wäre es wenn Sie mal dessen Einfluss auf die Wirtschaft untersuchen würden?

      • Roland sagt:

        Und genau diese singuläre Ursachensuche als Letztgrund an einem Ismus fest zu machen, ist nicht weit davon entfernt an einen Schöpfergott zu glauben. Insofern man nicht zugesteht, dass die „Regeln des Kapitalismus“ sich ändern können, sind es Himmelsmechaniken, die immer wieder Schlechtes produzieren. Ich glaube noch nicht einmal Platon würde so einen Unfug glauben. Ich glaube auch nicht dass Sie das ernstlich in Erwägung ziehen.

        Ich habe eher das Gefühl Kapitalismus wird als Lückenbüßer für die Folgeerscheinung der technologischen Entwicklung zweckentfremdet oder gleichgesetzt. Warum Kapitalismuskritiker nicht eingestehen wollen, dass Regeln zwar Anwendung finden, sie aber im Laufe der Zeit nicht abgeändert werden, bleibt mir schleierhaft. Die Geschichte kennt ja nun genug Beispiele, wie auf anfängliche Fehler reagiert wurde, WEIL man es im nachhinein besser wusste.

        Der Ganze Kern des Kapitalismus besteht darin sich ständig neu zu erfinden um unter immer wieder neuen Bedingungen einen Mehrwert produzieren zu können – und genau das wird ignoriert, um weiterhin „kritisch“ sein zu können. Was Kapitalismuskritik jedoch zu einer weiteren Ideologie macht. Insbesondere da es keine Alternativen „Regelangebote“ seitens der Kapitalismuskritiker gibt.

        Es ist ja fast so als wolle man Kapitalismus nicht begreifen, sonst hätte man nix mehr zu meckern O.o

  3. rote_pille sagt:

    Wieso ist da eine Verlinkung zum Buch „Elites against Democracy“? Demokratie hat absolut nichts mit Kapitalismus zu tun, es ist nur ein weiterer Versuch sich Rechtfertigungen zu verschaffen um die Erzeugnisse des Kapitalismus abzugreifen.

  4. Gernot Meyer sagt:

    Minimale Korrektur des obigen Zitats:

    Es ist einfach zu offensichtlich geworden dass der Kollektivismus eine mörderische, gesellschaftszersetzende und planetenzerstörende bösartige Ideologie ist!

    Wie man den Nachweis dafür findet? Man wende sich an die Demozid-/Genozidforschung.
    Allein der kommunistischen Herrschaft in China unter Mao werden bis 76 Mio Opfer zugeschrieben. Stalin’s Großem Terror bis zu 20 Mio und den Roten Khmer in Kambodscha bis zu einem Viertel der Bevölkerung. Vom derzeitigen Liebling unserer Eliten und Medien ganz zu schweigen.

  5. luisman sagt:

    Ich meine es ist etwas „lauwarm“ den Kapitalismus mit der Lexikon-Definition zu verteidigen. Es klingt eher wie Gegenhetze. Es ist so glaubwuerdig wie den real existierenden Feminismus, oder den (ehemals) real existierenden Sozialismus mit seiner Lexikon-Definition zu verteidigen. Der real existierende Kapitalismus ist eben keineswegs ideal. Da muss man auch mal selbstkritisch sein. Auf wirren Unsinn, wie den oben zitierten Kommentar muss man dabei nicht eingehen. Der hat keine Substanz.

  6. Paule sagt:

    Hallo Herr Klein,
    Sie erstaunen mich.
    Wo ist die von Ihnen gewohnte scharfe Analyse, die bestechende Logik beim Aufzeigen der Fehler?
    Werden Sie im neuen Jahr gefühlsbetont, oder Gott bewahre, unwissenschaftlich?
    (Meine besten Wünsche zu Neuen Jahr bei der Gelegenheit!)
    Statt dessen einige Zitate ihre eigen Götter oder Bücher oder doch Gottgleichen?
    Wie kommen Sie darauf dass die bei allem Recht haben? Das denken die M/L von Marx und Lenin auch! Sind Sie auch Sozialist?🙂
    Wissen Sie nicht, dass es durchaus Kritikwürdiges am Privatbesitz der PM und der unbedingten Konzentration des Kapitals gibt (Kapital ist der Namensgeber, oder nicht?) und das der Man unter bestimmten Umständen mit seiner Einschätzung nicht ganz falsch liegt?
    Nur wegen des Bezugs zu den bösen, bösen Rechten oder Nationalen oder den noch böser Deutschen und dann gleich Nazi? Ohwe, Owehe!
    Ich bin enttäuscht.

    Systeme gleich welcher Art funktionieren nur innerhalb bestimmter Parameter. Wenn diese nicht eingehalten werden, werden sie zerstört und noch schlimmer, sie zerstören ihre Umwelt gleich mit!

    Was ist denn daran Nazi? Doch nicht „Autobahn“, „Entartet“ oder „Mutter“? Aber bestimmt Weltkapital, New Economy und New World Government, TISA, TTIP usw. Oder nicht? Das Recht auf Selbstbestimmung der Völker oder Volkssouveränität und Demokratie? Aber halt, Sie sind ja Liberale wenn es um das Geld geht. Na dann!

    Freundliche Grüße Paule

    Ps: Mit der Abkehr von der Sprache des eigenen Volkes, dokumentiert die Elite steht’s auch gleichzeitig die Abkehr von eigenem Volk.
    P.

  7. Boris sagt:

    Frei nach Orwell heißt es ja, dass es seit Beginn der Geschichte drei Menschengattungen auf der Welt gibt, deren Ziele miteinander unvereinbar sind.
    Die Oberschicht, die sich da behaupten will wo sie ist.
    Die Mittelschicht die mit den Oberen den Platz tauschen will.
    Und zuletzt die Unterschicht deren Ziel es ist alle Unterschiede abzuschaffen, sodass eine Gesellschaft entsteht, in der alle Menschen gleich sind.
    Da man Kapitalismushetzer, Linke, Grüne, Nazis was auch immer durchaus einer zumindest geistigen Unterschicht zuordnen kann, macht ihr Verhalten durchaus Sinn.

  8. Aurelie sagt:

    Ich möchte darauf verweisen, dass Kapizalismuskritik und der Entwurf einer neuen (und auch alten) Form des Zusammenlebens in anderen europäischen Ländern bereits universitär betrieben und untersucht wird. Natürlich wird genau dies auf Grund der Struktur der deutschen Hochschullandschaft hier nicht sofort kopiert. Der deutsche, öffentliche Diskurs ist wirtschaftszentriert und due Wirtschaftsgläubigkeit dt. Politiker verhindert bisher diese Öffnung erfolgreich. Ihr Artikel ist das beste Beispiel.
    Ich kenne zugegebenermaßen auch kaum dt. Publikationen (bis auf die wenigen Publikationen zum Zusammenhang zwischen Ethik und Kapitalimus), deswegen kann ich nur auf die frz. Literatur verweisen.
    Bereits die ersten Absätze Ihres Artikel eröffnen mir, dass Sie auch mit frz. Politik nicht vertraut sind. Das erste Ministerium für Soziales Wirtschaften 2012 unter Ayerault sagt Ihnen wahrscheinlich nichts? Es ist derweil auch nicht verwunderlich, dass dies nicht öffentlich kommentiert wurde.
    Über 10,3% der Arbeitsplätze sind in Frankreich bereits in Kooperativen organisiert. Die Tendenz ist steigend und genau hier setzt, kurz gesagt, die Kapitalismuskritik und die neue-alte Form des Wirtschaftens an. Bereis Ihre Defintion im ersten Absatz zeigt, dass Sie selbst die Richtung, in die Kapitalismuskritiker gehen könnte, falsch deutschen. Es geht keineswegs um eine Verstaatlichung und Kritik am Eigentum ist, mit Verlaub, genauso alt wie der Begriff selbst. Schauen Sie um sich in der kooperativen Wirtschaft: der Begriff des Eigentums ist bereits einer Veränderung unterworfen. Populistischer formuliert: Oder was ist Uber für Sie?

    • Roland sagt:

      Kooperativen sind ein alter Hut. Das gabs schon vor 150 Jahren in Deutschland und Italien. Der Trend nannte sich dazumal Syndikalismus.

      Übrigens hat Mussolini, Ex-Syndikalist, aus dieser Idee seinen Faschismus konzipiert. Kurzum: Faschismus (fascio = bündeln) ist nichts weiter als eine auf Kooperation und Privateigentum entsagende Wirtschaftsform auf nationalstaatlichem Niveau.

      Interessant zu sehen wie diese ganzen Ideen trotz ihres praktischen Versagens sich immer noch große Beliebtheit erfreuen. Die klingen halt alle so gut. Wenn da nur diese blöde Realität nicht wäre – eine Idee ist dann leider leider doch nur so gut, wie sie sich in der Anwendung zeigt.

      Aber hey im kleinen Maßstab halten sich diese Manufakturkommunen sicherlich und bieten eine interessante Alternative für Wirtschaftshippies solange die infrastrukturellen Rahmenbedingungen durch gewaltige Kapitalinvestitionen von Privateigentümern den Weg dazu geebnet haben😉

      • Aurelie sagt:

        Es ist interessant, dass Demokratien scheitern konnten in der Vergangenheit (Weimarer Republik zum Beispiel) und dass deswegen das Modell der Demokratie nicht gleich über den Haufen geworfen sondern im Gegenzug sogar immer wieder neu versucht wurde. Und so ähnlich kann man es sich auch mit sozialem und solidarischem Kapitalismus vorstellen. Nein, es geht eben nicht um Faschismus versus Demokratie wie Sie es behaupten…
        Anders gesagt: dass wir nun bei einer um die polemische Debatte zu kopieren “ marktkonformen Pseudodemokratie“ zwischen Lobbisten, die Gesetze vorgeben und die „Bankenrettungen“ fordern… gelandet sind.. ist sicherlich auch kein endgültiges Scheitern der Demokratie oder des Kapitalismus sondern nur eine Zwischenstufe der Entwicklung. – Dem würden Sie doch immerhin zustimmen?
        Und wenn Sie nun meinen Kommentar noch einmal lesen: die frz Forschung ist sicherlich nicht auf die Suche nach einem neuen Faschismus – was für eine unnötige Polemik – sondern sie ist auf der Suche nach einer anderen, sozialen Demokratieform in der bestimmte ethisch relevante Dinge von allen gesteuert und nicht missachtet werden. Und eigentlich geht es fast nur um Kapitalismus und Unternehmertum.

        Und ich gebe Ihnen Recht: Kooperation ein alter Hut.
        Auch Affen kooperieren.
        Ist es deswegen schlecht?
        Nein, es ist die einzige Form des gemeinsamen Zusammenlebens, welche ein gemeines Überleben der Art ermöglicht. Und sozialen Frieden sollten wir alle – über Parteien hinweg – als gemeinsames Ziel verfolgen. Dafür müssen wir kämpfen. Leider sehe ich derweil in der öffentlichen Debatte keine parteiliche Lösung. Die Linke kann man grad knicken, die Rechten auch. Die Mitte ist wirtschaftsgläubig und hält sich geduckt. So wird es nichts.😦

        Und ich hoffe, es wird mal mehr als nur Wirtschaftshippiegetue.
        10,3% der Unternehmen sind Kooperative. Merken die Arbeitnehmer dass man dort wesentlich mehr verdient (!) und alles selbst mitbestimmt, haben die anderen Wirtschaftszweige irgendwann .. ein Rekrutierungsproblem!
        Fragen Sie mich nach meiner Hoffnung: der mündige Arbeitnehmer.

        • Sven Schillings sagt:

          Liebe Aurelie,
          es ist ja schön, daß Sie Frankreich mit seinen 10% Kooperativen als Beispiel für eine Alternative zur privatwirtschaftlichen Organisationsform anführen. Aber ausgerechnet Frankreich als Vorbild in wirtschaftlichen Fragen? In Frankreich steigen seit Jahren die Lohnstückkosten, Frankreich verliert zunehmend Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich, und Frankreich hat mittlerweile eine Staatsquote von ca. 57,5 % (2014). Wenn Sie also das vorhandene System verändern wollen, sollten Sie schon etwas vorschlagen, daß nachweislich besser ist.

          • Aurelie sagt:

            Ist denn ein Land wie Deutschland, in dem die Löhne mit am geringsten sind, das Beste? Und wenn ja, für wen? Und aus welcher Perspektive denke ich über Lohnstückkosten nach? Und auf wieviel Prozent der Bevölkerung trifft dann diese Sorge um Lohnstückkosten zu? Genau, Sie merken gerade was ich meine: deutsche Klientelpolitik – an der Wähler eigentlich, bei strengerem Nachdenken, kaum ein Interesse haben sollten.
            Kooperativen sind sicherlich auch nur ein Ansatz. Global gedacht führt das zu Konsequenzen, die man sogar mit Systhemtheorie nur schlecht modellieren kann. Deswegen ist wahrscheinlich erst die Methode des Brainstormings gefordert. Sammeln wir Ideen, was wir tun können. Ich habe bisher auch einige Dinge als populistisch abgetan. Die Idee des Grundeinkommens z.B. Könnte ich nie für voll nehmen, wenn ich das so umgangssprachlich sagen darf. In dem Moment, als ich hörte, es ginge um das Freisetzen von Kreativität und um eine kollektive Arbeit an einer anderen Gesellschaft mit humanistischen Idealen, habe ich sogar angefangen, das anzusehen. Brainstormingtypisch – ohne es zu bewerten😉 Es wird ein langer Weg zu einer besseren Gesellschaft. Aber einfach Status Quo und Stillstand erscheinen mir immer weniger als eine Lösung.🙂 Sagen Sie doch mal was sie überrascht hat und was Sie sich konstruktiv vorstellen könnten? Das ist doch interessant an der Debatte hier🙂

  9. Judith Mongo sagt:

    Gott! Wirf Hirn vom Himmel!

  10. Matthias sagt:

    Der Kapitalismus ist zwar das kleinste Übel, aber Übel ist er, trotz aller durch ihn bedingten Errungenschaften.

    Dass sich Menschen oft kaputt arbeiten (gerade Männer!) und nicht in erster Linie Arbeit, sondern der Besitz von Kapital belohnt wird, ist schlichtweg wahr.

    Es geht immer nur um Produktion und Konsum, und die immer weitere Steigerung von Konsum. (Mit „Produktion“ meine ich hierbei nicht nur die Herstellung von Waren, sondern auch Dienstleistungen.) Menschen profitieren davon teilweise, aber zahlen dafür auch einen teils hohen Preis. Die Umwelt wird dadurch ebenfalls stark belastet und auch zerstört, auch wenn sozialistische Systeme in diesen Hinsichten schlimmer waren.

    Auch in kapitalistischen Systemen gibt es keine Chancengleichheit, große Unterschiede im Lebensstandart und der sozialen Sicherheit sind vorprogrammiert und Gerechtigkeit gibt es auch keine. Entfernt erinnert mich Kapitalismus an das System der Natur, das von einem ewigen Kampf um Lebensraum, Nahrungsressourcen und Fortpflanzungsprivilegien geprägt ist, von einem „Jeder-gegen-jeden“.

    Kapitalismus ist das kleinste Übel, aber übel ist er. Man sollte ihn, so weit wie es geht, zähmen, ohne dabei eine neue Ideologie einzuführen.

    Vor allem sollten wir den Neoliberalismus überwinden, denn die „Ideologie vom schlanken Staat“ ist auch nur eine Ideologie.

    • Sie scheinen mir hier einer Reihe von Irrtümer aufzusitzen.
      Ein Beispiel:

      Auch in kapitalistischen Systemen gibt es keine Chancengleichheit, große Unterschiede im Lebensstandart und der sozialen Sicherheit sind vorprogrammiert…

      Sie schreiben von Chancengleichheit und bringen Beispiele für Ergebnisgleichheit, so wie die Genderisten das tun, wenn sie beide Begriffe verwirren. Das eine, Chancengleichheit, beschreibt eine gleiche Chance im Zugang, das andere, Ergebnisgleichheit, beschreibt gleiche Auszahlungen für unterschiedliche Leistungen. Beides hat nichts miteinander zu tun.

      • Michi sagt:

        Statt auf das Argument gehen Sie nur auf Fehler in den Begrifflichkeiten ein und lenken ab. Zurück zum Thema:

        Fakt ist, in Deutschland gibt es keine Chancengleichheit, bedingt durch das kapitalistische System. Stichwort: geringe soziale Mobilität

        Fehlende Chancengleichheit bedingt auch fehlende Ergebnisgleichheit.

        • Wenn das ein Fakt ist, dass der Kapitalismus und nicht das staatliche Bildungssystem für die fehlende Chancengleichheit verantwortlich ist, dann bringen Sie doch Belege für diese angeblichen Fakten. Ich bin schon sehr gespannt.
          Ein Fakt wird übrigens nicht dadurch zum Fakt, dass man behauptet, etwas sei ein Fakt, sondern dadurch, dass man belegt, dass etwas ein Fakt ist. Fakt ist, sie haben bislang nichts belegt, sondern nur behauptet.

          • Michi sagt:

            Niemand hat behauptet, dass das staatliche Bildungssystem keinen Einfluss auf Chancengleichheit hat. Also bitte kein neues Thema reinbringen. Aber nebenbei ein Beispiel: Ich konnte problemlos mein Diplom machen und hätte ich Interesse gehabt, dann auch meinen Dr., obwohl ich keiner Oberschicht angehöre. Insofern hat mich das Bildungssystem nicht gehindert die best mögliche Ausbildung zu erlangen.

            Zurück zum Thema: Ein Aspekt des Kapitalismus ist das Privateigentum. Wieder ein konkretes Beispiel: Würden Stefan Quandt und ich den Wunsch haben, ein eigenes Unternehmen zu gründen, dann besteht keine Chancengleichheit, da er ohne Risiko eine eigene Firma mit großen initialen Investitionskosten starten kann, indem er auf sein geerbtes Vermögen zurückgreift, während mir das nicht möglich ist. Würde ich eine Firma mit Fremdkapital starten, dann gehört sie danach nicht mir, sondern den Investoren.

            Bringen Sie doch Belege dafür, dass der Kapitalismus keinerlei Einfluss auf fehlende Chancengleichheit hat.

            • 1) Ich bin auch aus der Unterschicht. Ist das an sich ein Argument?
              2) Sie vergessen, dass man für ein Unternehmen ein Idee braucht. Und wenn Sie als nicht Stefan Quand eine Idee haben, dann gibt es eine Vielzahl von Institutionen des Kapitalismus, die man nutzen kann, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Zugegebenermaßen ist in Deutschland die venture capital und equity finance etwas unterentwickelt, weil der Staat seine Finger in z.B. die Rentenversicherung steckt, aber dennoch gibt es selbst in Deutschland die Möglichkeit, auch ohne das Vermögen von Stefan Quandt ein Unternehmen zu gründen. Man muss nur eine Idee haben, so wie wir sie vor einigen Jahren hatten.
              3) Mir scheint, Sie verwechseln Chancengleichheit mit dem Erbrecht und da haben Sie sicher insofern einen Punkt, als man Erben generell verbieten müsste, um Chancengleichheit herzustellen. Wiederum ist das nicht vorhandene Verbot nichts, was man dem Kapitalismus anlasten kann.

        • Aurelie sagt:

          Spätestens seit Piketty ist klar, dass eine heftige Erbschaftsteuer genau dieses Ergebnis der Ungleichheit politisch aufheben könnte – man müsste es politisch nur wollen. Und da nun die herrschende politische Elite mit der Wirtschaftelite so eng verbunden ist, wird dies nicht so schnell passieren.
          Ich habe keine Ahnung, welche Partei in Deutschland das sinnvoll durchsetzen – nicht nur im Wahlkampf versprechen – würde..

      • Matthias sagt:

        „Sie schreiben von Chancengleichheit und bringen Beispiele für Ergebnisgleichheit, so wie die Genderisten das tun, wenn sie beide Begriffe verwirren. Das eine, Chancengleichheit, beschreibt eine gleiche Chance im Zugang, das andere, Ergebnisgleichheit, beschreibt gleiche Auszahlungen für unterschiedliche Leistungen. Beides hat nichts miteinander zu tun.“

        Also den Unterschied zwischen Chancengleichheit und Ergebnisgleichheit kenne ich durch meine Beschäftigung mit dem Feminismus und der Genderideologie schon. Ich beschreibe ja mit meinem Satz nicht nur das Endergebnis in der Ergebnisungleichheit, sondern betone, dass sie vorpragrammiert ist. Ich habe also oben im Prinzip geschrieben, dass es im Kapitalismus sowohl keine Chancen-, als auch kein Ergebnisgleichheit gibt. So war mein Satz dazu jedenfalls gemeint.

        Natürlich kommt eine mangelnde Chancen- und Ergebnisgleichheit nicht nur durch den Kapitalismus zustande, sondern lediglich auch durch ihn. Der eine Geschäftsmann hat Glück, der andere nicht – Chancengleichheit haben beide meist nicht, außer – so sollte es jedenfalls sein – in den Rahmenbedingugen, die durch die Gesetzgebung bedingt sind.

        Ich sehe das halt so: Kapitalismus bringt nicht nur eine zu krasse Ergebnisungleichheit, sondern auch keine Chancengleichheit, auch wenn er diesbezüglich beileibe nicht die Ursache allen Übels ist und auch lange nicht das schlimmste System ist.

        • Wenn Sie das so sehen, dann sagen Sie uns doch, warum Sie das so sehen. Ich warte immer noch auf den Beleg der zeigt, dass der Kapitalismus und nicht das staatliche Bildungssystem sich negativ auf Chancengleichheit auswirken.

          • Matthias sagt:

            Sie können meine sachliche, keine Beleidigungen enthaltende Antwort auf Ihre Frage, warum ich das so sehe, ruhig freischalten!

          • rote_pille sagt:

            (Mein PC ist wieder mal abgestürzt, falls ich hier schon geantwortet habe, dann ist da wohl noch was durchgekommen.)

            Warum machen Sie es sich so schwer, Herr Klein? Es geht hier wieder mal darum, dass diese kommunistisch angehauchten Kritiker die Definition von Chancengleichheit nicht verstanden haben. Sie denken, Chancengleichheit wären gleiche Ausgangsbedingungen. Das ist jedoch katastrophal falsch. Chancengleichheit ist lediglich der gleiche Zugang zum Wettbewerb. Ein Beispiel: wenn ich in einen Club gehe und es das Ziel ist, mit Frauen ins Gespräch zu kommen, dann ist Chancengleichheit der Zugang zum Club, ob ich jedoch beim Ansprechen von Frauen Erfolg habe, liegt an Eigenschaften wie Attraktivität, Humor usw. – die alle ungleich verteilt sind. Genauso ist es auch auf dem Markt. Ungehinderter Zugang bedeutet, es gibt niemanden der eine Waffe au einen richtet und sagt: „du darfst deine Waren und Dienstleistungen nicht anbieten!“ Das Geld und die Leistungsfähigkeit sind ungleich verteilt, also gibt es ungleiche Ausgangsbedingungen um Erfolg auf dem Markt zu haben. Es gibt jedoch keinerlei Möglichkeit, dem jemals Abhilfe zu verschaffen, da man dann nicht nur das Geld umverteilen müsste, sondern auch Intelligenz, Fleiß und Attraktivität, die auch maßgeblich für den Erfolg im Wetbewerb sind. In der Praxis heißt das: lobotomiert die Intelligenten, verstümmelt die Attraktiven, und zwingt alle so lange im Bett zu bleiben, bis die Faulen sich zur Arbeit bequemen. Die Definition Chancengleichheit=“gleiche Ausgangsbedingungen“ führt also dazu, dass Chancengleichheit unerreichbar ist bzw. im krassen Gegensatz zu moralischen Grundsätzen steht wie „man darf niemanden verstümmeln“, womit es natürlich auch sinnlos wäre sie anzustreben. Und selbst wenn man das tun wollte, müsste man nicht das Privateigentum an den Produktionsmiteln, sondern zuallererst die menschliche Natur kritisieren, denn die ersten Unterschiede sind durch die menschlichen Eigenschafen und nicht durch Erbschaften entstanden. Daher bleibt nur noch die Definition Chancengleichheit=“gleicher Zugang zum Wettbewerb“, und das Privateigentum an den Produktionsmitteln steht diesem nicht im Weg. Im Gegenteil, wenn das gebot lautet, dass das Eigentum von jedem geschützt werden muss, dann kann niemand einen vom Markt aussperren, denn dazu müsste er anderen verbieten ihr Eigentum zu benutzen wie sie es für richtig halten, was bedeutet, dass das Eigentum de facto ausgehöhlt werden müsste. Somit gibt es keinen Widerspruch zwischen Kapitalismus und Chancengleichheit. q.e.d.

            • Michi sagt:

              Gegenbeispiel: Nehmen wir zwei Club-Besucher, eineiige Zwillinge, gleiche Attraktivität und gleicher Humor … und geben dem einen Unterschicht-Klamotten, einen Job als Kassierer, einen alten 2er Golf und eine Mietwohnung und dem anderen ein Millionenerbe, ein passendes Auto etc. … wer hat bessere Chancen?

              Die genetischen Vorbedingungen sind gegeben und (da zuerzeit technisch nicht veränderbar) nicht durch das Wirtschaftssystem beeinflusst, die wirtschaftlichen Vorbedinungen werden durch das vorherrschende Wirtschaftssystem bestimmt. Durch die kapitalistischen Spielregeln sind solche ungleichen Vorbedinungen möglich und verhindern (spätestens nach einigen Generationen Machtkonzentration) Chancengleichheit. q.e.d.

      • Aurelie sagt:

        Darf ich kurz einwerfen: Forschung geht bei Meritokratie von einem neuen Mythos aus. Gibt’s nicht, hast nie gegeben und wird es nie geben. Hätte auch Bourdieu schon sagen können. Chancengleichheit zu fördern sollte ein Ziel sein aber letzen Endes müssen wir vielleicht ehrlicher werden und uns nach neuen Zielen umsehen.

        • Wer hat je behauptet, dass es Meritokratie in realiter gegeben hat? Warum können Deutsche nicht zwischen einem Konzept und seiner Umsetzung differenzieren. Meritokratie ist ein Organisationsprinzip, das mehr oder weniger schlecht in der Realität umgesetzt wird, nur wenn man es fallen lässt, dann stellt sich die Frage, warum sich irgendjemand noch für irgendetwas anstrengen soll … das ist eher nicht wünschenswert – oder?

          • Aurelie sagt:

            Ich habe etwas von Ideal geschrieben – ach, neun, ich habe es gelöscht, denn ich hielt es für evident. Natürlich bin ich mit Ihnen einverstanden. Wenn Chancengleichheit = Meritokratie warum Anstrengungen? Gute Frage. Ich denke, Menschen werden immer streben. Ist das Suchen (und damit die Anstrengung) nicht die, ich nenne es mal anthropologisch „Grundbewegung des Menschen in der Zeit“? Ich würde nur für Ehrlichkeit plädieren: wenn wir wissen, dass es keine Chancengleichheit geben kann, wie gehen wir damit um? Oder wollen wir an Idealen festhalten, die wir für unrealistisch halten?
            Dass ist doch irgendwie seltsam – unpragmatisch, wenn ich es so nennen darf?

            • Wir reden von Gesellschaften, nicht von Individuen. In Gesellschaften gelten bestimmte Gesetze, z.B. die nicht-Ausschließbarkeit von Dritten, wenn man sich anstrengt. Diese ergibt sich bereits aus der Steuerlast, die man auferlegt bekommt. Entsprechend kann man „Strebsamkeit“ nur damit anreizen, dass man einen Aufstieg entsprechend Leistung (=Meritokratie) verspricht. Fällt das weg, geht mit Anstrengung kein Aufstieg und keine relativ höhere Auszahlung einher, dann wird ein rationaler Akteur aufhören, sich anzustrengen und von dem leben, was ihm sein Staat von denen umverteilt, die noch nicht gemerkt haben, wie der Hase läuft.

              • Aurelie sagt:

                Ja, Sie haben die bestehende Theorie gut zusammengefasst – das ist die Sicht des Juristen oder Steueberaters.🙂
                Ich komme aus den Oppositionswissenschaften, deswegen erlaube ich mir die Frage: Was ist denn mit Neuentwürfen? Nur weil wir bereits eine Theorie haben, müssen wir doch nicht mit ihr leben oder gar an ihr festhalten?
                Hier setzt mein ehrlicher Pragmatismus an.
                Und ich behaupte nicht, ich hätte eine Lösung. Dafür ist es zu früh. David Graeber hat in seinem Monumentalwerk irgendwo gesagt, gesellschaftliche Umwälzungen im Kapitalismus hätten meistens hunderte Jahre gedauert. Heute geht es vielleicht schneller – aber bisher fehlt eben die neue Theorie. Deswegen bin ich politisch offen und schaue neugierig auf alle Lösungsansätze. Ich habe gerade ein Buch zur Sebatte Inder Schwiez bestellt, wenn ich es morgen bekomme, kann ich es lesen und übermorgen hierher zurückkommen und Ihnen dazu eine erste Bewertung schreiben🙂

              • Aurelie sagt:

                Ich möchte auch noch kurz hinzufügen, dass der Mystizismus des „Aufstieg nach Leistung“ von der Defintion des Aufstiegs abhängt.
                Ist das finanzieller Erfolg?
                Intellektueller Erfolg als einflussreicher Autor oder Journalist, Meinungsmacher? Oder bedeutet es soziales Kapital; man trinkt mit den Mächtigen Wein und Bier?

                Ein Beispiel für den banalen, finanziellen Aufstieg, der in einer kollektiven Vorstellungewelt meistens mit Lohnarbeit verknüpft wird: Spekulation mit Immobilien ist z.B. gerade bei Berlinern gerade in Mode. Wer rechtzeitig angfangenhat, ist spätestens in 2015 Millionär geworden. Ich kenne persönlich einige davon. Mit Arbeit hatte das nichts zu tun. Es ist eben reine, legale Spekulation.
                Oder was ist mit Meritokratie, wenn es 300 Bewerber gibt, die alle ähnlich tolle Lebensläufe haben? Genau in solchen Momenten weiß man, dass es Meriktokratie nicht gibt – sondern nur ein vorgeschobenes Anreizsystem, bei dem viele gleich schnell laufen und hoch springen. Am Ende entscheidet dann der Zufall, wer aus diesem Pool der Kandidaten den Job bekommt. Und ja, ich kenne Personaler die die sprichwörtliche Münze tatsächlich werfen um schneller zu einem Resultat zu kommen, denn auch sie müssen schneller sein als andere Personaler.
                Das darf man den Jungen nur nicht erzählen.😉 Wir sind also tatsächlich bereits in einer Epoche, in der das Narrativ der Meritokratie brüchig wird. Wenn wir damit ehrlich umgehen, machen wir uns auf die Suche nach anderen Lösungen. Sie sagen es ja auch selbst: „diejenigen, die es noch nicht gemerkt haben“.

                • Roland sagt:

                  Wenn sich 300 Bewerber mit ähnlich guten Lebensläufen auf eine Stelle bewerben, dann macht der Personaler einen schlechten Job und stellt Stellenausschreiben aus, die viel zu allgemein formuliert sind, für die tatsächlichen Anforderungen. Möglichst viele Bewerbungen ergattern ist kein Zeichen guter Personalarbeit sondern den einen richtigen Kandidaten finden. Sagen sie das ihrem münzwerfenden Personaler, wenn sie ihn das nächste mal begegnen. Vlt. hilft es bereits wenn der münzwerfende Personaler nicht das blaue vom Himmel verspricht, sondern die Arbeitswelt des Unternehmens für das er wirbt, realer einschätzt und auch so nach außen hin repräsentiert.

                  Würden wir in eine Merititokratie leben, wären münzwerfende Personaler arbeitslos😉

    • rote_pille sagt:

      Mir scheint, dass Sie keinerlei moralische Prinzipien kennen und alles als Ideologie abstempeln, was konsequent zu Ende gedacht ist. Das ist so als würden Sie sagen, Menschen totzuschlagen ist schlecht, aber Leute nicht zu schlagen genauso, weil das „radikale Gewaltlosigkeit“ wäre. Also müssen wir dafür sorgen, dass die Leute sich gegenseitig nur die Zähne ausschlagen, weil das so in der Mitte liegt!

  11. Pingback: Kapitalismushetzer in guter Nazi-Tradition – fri.us.com

  12. Schloss sagt:

    Ich habe nur eine Frage: Wenn Kapitalismus so schlecht sein soll, warum zieht er wie ein Magnet Menschen aus aller Herren Länder an ?

  13. Ralle sagt:

    … naja, es ist wie üblich.

    Die Apologeten des K… ismus haben noch nicht mitbekommen ( begreifen tun sie es eh nicht), da sind ihre Finger zu kurz – die reichen nur zum Geld klauen beim kleinen Mann (Prolet genannt).
    Wir sind nach K.Marx ( auch der „Alte aus Trier“ o.s.ä. genannt, bereits in der nächsten bzw. übernächsten Phase des K…ismus angekommen. Und da können die Vordenker des modernen K… ismus nicht mehr weiterdenken – kommt nur noch [nach ihrer Denkart] der Kommunismus – NEIN – da gibbet noch den Imperialismus – und genau diese Phase des K… ismus haben wir gerade – alle tanzen nach einem transatlantisch geprägtem goldenen Kalb – welches die Menschheit und ihre Fortexistenz im Visier hat, wenn diese nicht mehr bereit sein sollte- ihren Profit allumfänglich zu sichern –>bail-in-bail-out – ja ihr könnt tun was ihr wollt, ihr zahlt für UNSER Casino, mit Eurem Blut, mit Eurem Geist unduch nicht mehr Geschichten von G. Knopp auftischen und Geschichtsklitterung via N24 oder N-TV auftischen lasst!
    Pfui Deibel diesem ganzen Betrügersystem mit QE, Inflationsziel oder was man sonst so in Peto hat um dem gemeinen Teutschen das Gehirn zu verkleistern! ;-((( vG Ralf

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