Radikaler Erzbischof zeigt Grenzen auf

Früher war Logik Pflicht für Theologen, nicht nur für Scholastiker. Die Größen der Katholischen Weltanschauung, sie waren auch Größen der Logik. Noch heute erinnern die Bücher des Dominikaners Józef Maria Bocheński an diese große Tradition.

Erinnern ist das entscheidende Wort, denn heute sind Bischöfe, Erzbischöfe, nicht mehr in Sachen Logik, sondern in Sachen Politik unterwegs – leider.

Erzbischof Heiner Koch zum Beispiel. Er sagt:

Erzbischof kocht“Es kann auch ein Ausdruck von Barmherzigkeit sein, unmissverständlich und eindeutig zu reden und deutlich zu machen, wo Grenzen sind, die wir nicht überschreiten werden, etwa im Hinblick auf die Würde eines jeden Menschen, auch des Flüchtlings.”

Und weiter:

“Jeder in der Gesellschaft sei aufgefordert, „den Radikalen jeglicher Couleur die Grenzen ihres Redens und Handelns zu zeigen“ … „Das kann uns keiner abnehmen. Auch der Papst nicht.“

Der Radikale, er zeichnet sich nach Ansicht der Bundeszentrale für Politische Bildung durch “ein kompromissloses Beharren auf Grundpositionen, das sich gegenüber den Einstellungen und Werten anderer intolerant verhält und demokratische Grundwerte (insbesondere Gleichheit und Vielfalt) letztlich ablehnt”, aus.

Das Problem ist nun ein logisches, denn die Forderung, man müsse Grenzen ziehen, die “wir nicht überschreiten werden” und man müsse manchen “Grenzen ihres Denkens und Handelns zeigen”, sie sind unweigerlich radikale Forderungen, drücken sie doch ein “kompromissloses Beharren auf Grundpositionen, das sich gegenüber den Einstellungen und Werten anderer intolerant verhält und demokratische Grundwerte” (insbesondere Meinungsfreiheit) letztlich ablehnt, aus.

Daher wären die Forderungen von Erzbischof Koch als radikale Forderungen zu werten, er selbst entsprechend ein radikaler Erzbischof, der Grenzen nicht überschreiten will. Dabei ist er gerade der Vertreter einer Weltanschauung, die immer versucht hat, Grenzen zu überschreiten, selbst die Grenze zwischen der NSDAP und dem Vatikan, sie wurde per Konkordat überschritten.

Wäre Erzbischof Koch ein Logiker, er wüsste, dass es keinen Sinn macht, inhaltliche Auseinandersetzungen darüber zu führen, wie Flüchtlinge richtig zu behandeln sind. Der gute Hirte Koch, er hat seinen Wertekanon, die bösen Menschen von der Pegida, sie haben ihren Wertekanon. Dazwischen vermittelt nichts.

Bochenski LogikDeshalb hat es sich unter Demokraten herumgesprochen, dass man besser über formale Fragen diskutiert, darüber, welche Aufnahmekapazitäten Deutschland hat, darüber, ob man jeden Flüchtling nach Deutschland lassen kann oder ob man eine Auswahl treffen muss. Warum?

Nun, es ist weder denjenigen, die in Deutschland leben, noch den Flüchtlingen gegenüber fair, den Eindruck vom Schlaraffenland, in dem unbegrenzt Hartz-IV in die Massenunterkunft fließt, zu erwecken. Auch in Deutschland sind Ressourcen begrenzt, und weil Ressourcen begrenzt sind, muss man die Aufnahme von Flüchtlingen quotieren. Wo sind eigentlich die Freunde der Quote alle hinverschwunden?

Bei begrenzten Ressourcen muss man in erster Linie diejenigen aufnehmen, die eine Chance haben, sich eine eigenständige von Hilfe und Hilfeindustrie unabhängige Existenz aufzubauen. Wer etwas anderes fordert, wer die obergrenzenlose Aufnahme fordert, ist ein unverantwortliches Kind, das nicht nur mit dem sozialen Frieden in Deutschland spielt, sondern dieses Spiel auf dem Rücken von Flüchtlingen austrägt. Was hat wohl ein 25jähriger Flüchtling, der kein Wort Deutsch spricht und keine Ausbildung und keinen Schulabschluss vorzuweisen hat, in Deutschland für eine Zukunft?

Es mag dem Idealisten und dem guten Menschen, der vielleicht wirklich hinter naiven Forderungen wie denen, alle Flüchtlinge aufzunehmen, steht, nicht passen, aber es sind Fragen wie die eben gestellte, die öffentlich diskutiert werden müssen und nicht Fragen darüber, ob Pegida rechtsextrem oder böse ist.

Wer den Diskurs darüber verweigert, ob konkrete Flüchtlinge in Deutschland eine Zukunft unabhängig von denen haben, die an Flüchtlingshilfe verdienen, der verdient entweder an Flüchtlingshilfe oder er handelt unverantwortlich und ist über das Stadium des Kleinkindes, das noch an das Paradies glaubt, nie hinausgekommen.

Barmherzig wäre es entsprechend, Flüchtlinge nicht zum Anlass zu nehmen, um sich selbst zu feiern und seine katholische Bigotterie zur Schau zu stellen, barmherzig wäre es, den Flüchtlingen, die in Deutschland keinerlei Chance auf eine eigenständige Existenz haben, dort zu helfen, wo sie eine zumindest geringe Chance auf eine solche haben.

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