Früchte des Zorns: Der Pegida-Effekt

Die deutschen Medien feiern heute den Pegida-Effekt:

„Erstmals nach sechs Jahren Wachstum sind die Touristenzahlen für die Stadt rückläufig. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr die Übernachtungen um 3 Prozent auf 4,3 Millionen zurück, bei den Ankünften gab es ein Minus von 2,3 Prozent. Der Grund: Gäste aus dem Inland sind zurückhaltender. Ihre Zahl sank 2015 um 5,1 Prozent auf rund 3,4 Millionen.

Bei Touristen aus dem Ausland konnte Dresden dagegen zulegen. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 6,1 Prozent auf insgesamt rund 879.000. Zu den wichtigsten Auslandsmärkten zählen demnach die USA, Schweiz und Österreich. Die Übernachtungen aus Russland brachen dagegen wegen des Rubelverfalls und der Wirtschaftskrise um knapp 28 Prozent ein.“

Dieser Text findet sich mehr oder weniger identisch, in allen deutschen Tageszeitungen von der WELT über den Merkur, die Berliner Morgenpost, die Frankfurter Rundschau bis Spiegel Online.

Dresden Marketing.pngDie Welt der Gutmenschen und Mainstream Medien, sie ist wieder in Ordnung. Endlich gibt es etwas Negatives, das man Pegida anlasten kann! Und damit es auch klar ist, hier noch einmal, damit es auch der Letzte versteht:

„Menschen haben sich in dem Zeitraum bewusst gegen einen Dresden-Besuch entschieden und ihre Privat- oder Geschäftsreise abgesagt, wie wir von Veranstaltern und Branchenvertretern wissen“, sagte DMG-Geschäftsführerin Bettina Bunge.

Nun ist die Befragung, aus der Frau Bunge diese Weisheit entnommen haben kann, bereits von Mai bis August 2015 durchgeführt worden. Und die Ergebnisse der Studie, sie wurden bereits vor einiger Zeit veröffentlich, und zwar in folgendem Tenor:

„Der Studie zufolge genießt die Markt Dresden im Vergleich zu 2010 eine stabile Attraktivität. […] Nach der Studie haben die aktuellen gesellschaftlichen Ereignisse und Strömungen das Potenzial, das Image der Stadt negativ zu beeinträchtigen. Nicht zuletzt unter anderem auch durch die Berichterstattung über die Pegida-Bewegung und ihre sogenannten ‚Montagsdemonstrationen‘ hat das öffentliche Bild von Dresden – so das Ergebnis der Befragung – innerhalb Deutschlands Schaden genommen.“

Wem sich beim Lesen von „Nicht zuletzt unter anderem auch“, die Fußnägel geringelt haben, der kann sie nun wieder ausklappen und weiterlesen. Abgesehen davon, dass man sich des heftigen Eindruck nicht erwehren kann, dass man bei „Dresden Marketing“ eher mit der deutschen Sprache ringt, als dass man die deutsche Sprache beherrscht, ist an dieser Stelle Folgendes wichtig:

  • Nicht auf die Pegida, sondern auf die Berichterstattung über die Montagsdemonstrationen wird das Potenzial zurückgeführt, das Image der Stadt Dresden negativ zu beeinflussen.
  • Die Berichterstattung hat zwar in der Regel Pegida zum Gegenstand, ist aber meist nicht umhin gekommen, auch die Gegendemonstrationen und die Gewalttätigkeiten am Rande der  Gegendemonstrationen anzumerken.
  • Das Potenzial, sich negativ auf das Image von Dresden auszuwirken, es geht somit nicht ausschließlich, wenn überhaupt von Pegida aus.

Der zitierte Text stammt aus dem Januar 2016. Im Februar 2016, nach Clausnitz und Bautzen, ist die Interpretation derselben Daten, die Frau Bunge vornimmt, eine andere. Warum dies der Fall ist, ist eine offene Frage. Ob man bestimmte Interpretationen bei Dresden Marketing in Auftrag geben kann, ob dpa, von denen der Text, den alle deutsche Zeitungen brav und gierig abgedruckt haben, stammt, entsprechend angefragt hat oder ob man bei Dresden Marketing von sich aus tätig geworden ist, das wissen wir nicht. Wir wissen nur, es ist unappetitlich.

Und es wird noch unappetitlicher:

Der Rückgang der Übernachtungszahlen, der der Pegida angelastet wird, er wird überall mit „Erstmals nach sechs Jahren Wachstum“ eingeleitet. Das ist eine Formulierung, die stutzig machen muss. Deshalb haben wir uns bei der Stadt Dresden die Übernachtungszahlen seit 2009 besorgt. Das Ergebnis findet sich in der folgenden Abbildung:

Übernachtungen in Dresden

Nun erklärt sich auch die merkwürdige Formulierung: „Erstmals nach sechs Jahren Wachstum“: Zwar ist die Anzahl der Übernachtungen zurückgegangen, doch ist die Zahl der Übernachtungen im Jahr 2015 immer noch deutlich höher als in allen Jahren vor 2014. Überhaupt war das Jahr 2014 ein eher außergewöhnliches Jahr für Dresden, in dem die Anzahl der Übernachtungen im Vergleich zu 2013 um 7,5% angestiegen ist.

Der Rückgang in den Übernachtungen, ob er in irgend einem Zusammenhang zur Pegida steht, das ist eine Frage, auf die man nicht nur derzeit keine Antwort geben kann. Auch Frau Bunge kann das nicht, schon gar nicht auf Grundlage von Daten, die noch im Januar ganz anders interpretiert wurden. Im übrigen ist es schon seltsam, dass die Pegida inländische Gäste davon abschrecken soll Dresden zu reisen, während sie ausländische Touristen geradezu anzuziehen scheint: Ein Wachstum von 6.1% bei ausländische Gästen lässt dann, wenn man die absurde Argumentation von Frau Bunge einen Moment lang gelten lässt, nur den Schluss zu, dass die Pegida das Image Dresdens im Ausland so sehr verbessert, dass die Zahlen ausländischer Touristen, die Dresden sehen wollen, deutlich gestiegen sind (und das trotz des eingebrochenen Rubels!).

Der Pegida-Effekt, er wäre entsprechend positiv – Pegida eine Form Image-Botschafter für Dresden.

Warum es den deutschen Mainstream-Medien und der Frau Bunge plötzlich eine Herzensangelegenheit ist, den Pegida-Effekt auf Deutschland zu begrenzen, wo die internationale Presse doch genauso über Pegida berichtet wie die nationale Presse, ist eine Frage, die man wohl nur dahingehend beantworten kann, dass derzeit mit allen Mitteln daran gearbeitet wird, alle Meinungsabweicher mundtot zu machen. Offensichtlich ist dazu kein Mittel mickrig oder mies genug.

 
 

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Radikaler Erzbischof zeigt Grenzen auf

Früher war Logik Pflicht für Theologen, nicht nur für Scholastiker. Die Größen der Katholischen Weltanschauung, sie waren auch Größen der Logik. Noch heute erinnern die Bücher des Dominikaners Józef Maria Bocheński an diese große Tradition.

Erinnern ist das entscheidende Wort, denn heute sind Bischöfe, Erzbischöfe, nicht mehr in Sachen Logik, sondern in Sachen Politik unterwegs – leider.

Erzbischof Heiner Koch zum Beispiel. Er sagt:

Erzbischof kocht„Es kann auch ein Ausdruck von Barmherzigkeit sein, unmissverständlich und eindeutig zu reden und deutlich zu machen, wo Grenzen sind, die wir nicht überschreiten werden, etwa im Hinblick auf die Würde eines jeden Menschen, auch des Flüchtlings.“

Und weiter:

„Jeder in der Gesellschaft sei aufgefordert, „den Radikalen jeglicher Couleur die Grenzen ihres Redens und Handelns zu zeigen“ … „Das kann uns keiner abnehmen. Auch der Papst nicht.“

Der Radikale, er zeichnet sich nach Ansicht der Bundeszentrale für Politische Bildung durch „ein kompromissloses Beharren auf Grundpositionen, das sich gegenüber den Einstellungen und Werten anderer intolerant verhält und demokratische Grundwerte (insbesondere Gleichheit und Vielfalt) letztlich ablehnt“, aus.

Das Problem ist nun ein logisches, denn die Forderung, man müsse Grenzen ziehen, die „wir nicht überschreiten werden“ und man müsse manchen „Grenzen ihres Denkens und Handelns zeigen“, sie sind unweigerlich radikale Forderungen, drücken sie doch ein „kompromissloses Beharren auf Grundpositionen, das sich gegenüber den Einstellungen und Werten anderer intolerant verhält und demokratische Grundwerte“ (insbesondere Meinungsfreiheit) letztlich ablehnt, aus.

Daher wären die Forderungen von Erzbischof Koch als radikale Forderungen zu werten, er selbst entsprechend ein radikaler Erzbischof, der Grenzen nicht überschreiten will. Dabei ist er gerade der Vertreter einer Weltanschauung, die immer versucht hat, Grenzen zu überschreiten, selbst die Grenze zwischen der NSDAP und dem Vatikan, sie wurde per Konkordat überschritten.

Wäre Erzbischof Koch ein Logiker, er wüsste, dass es keinen Sinn macht, inhaltliche Auseinandersetzungen darüber zu führen, wie Flüchtlinge richtig zu behandeln sind. Der gute Hirte Koch, er hat seinen Wertekanon, die bösen Menschen von der Pegida, sie haben ihren Wertekanon. Dazwischen vermittelt nichts.

Bochenski LogikDeshalb hat es sich unter Demokraten herumgesprochen, dass man besser über formale Fragen diskutiert, darüber, welche Aufnahmekapazitäten Deutschland hat, darüber, ob man jeden Flüchtling nach Deutschland lassen kann oder ob man eine Auswahl treffen muss. Warum?

Nun, es ist weder denjenigen, die in Deutschland leben, noch den Flüchtlingen gegenüber fair, den Eindruck vom Schlaraffenland, in dem unbegrenzt Hartz-IV in die Massenunterkunft fließt, zu erwecken. Auch in Deutschland sind Ressourcen begrenzt, und weil Ressourcen begrenzt sind, muss man die Aufnahme von Flüchtlingen quotieren. Wo sind eigentlich die Freunde der Quote alle hinverschwunden?

Bei begrenzten Ressourcen muss man in erster Linie diejenigen aufnehmen, die eine Chance haben, sich eine eigenständige von Hilfe und Hilfeindustrie unabhängige Existenz aufzubauen. Wer etwas anderes fordert, wer die obergrenzenlose Aufnahme fordert, ist ein unverantwortliches Kind, das nicht nur mit dem sozialen Frieden in Deutschland spielt, sondern dieses Spiel auf dem Rücken von Flüchtlingen austrägt. Was hat wohl ein 25jähriger Flüchtling, der kein Wort Deutsch spricht und keine Ausbildung und keinen Schulabschluss vorzuweisen hat, in Deutschland für eine Zukunft?

Es mag dem Idealisten und dem guten Menschen, der vielleicht wirklich hinter naiven Forderungen wie denen, alle Flüchtlinge aufzunehmen, steht, nicht passen, aber es sind Fragen wie die eben gestellte, die öffentlich diskutiert werden müssen und nicht Fragen darüber, ob Pegida rechtsextrem oder böse ist.

Wer den Diskurs darüber verweigert, ob konkrete Flüchtlinge in Deutschland eine Zukunft unabhängig von denen haben, die an Flüchtlingshilfe verdienen, der verdient entweder an Flüchtlingshilfe oder er handelt unverantwortlich und ist über das Stadium des Kleinkindes, das noch an das Paradies glaubt, nie hinausgekommen.

Barmherzig wäre es entsprechend, Flüchtlinge nicht zum Anlass zu nehmen, um sich selbst zu feiern und seine katholische Bigotterie zur Schau zu stellen, barmherzig wäre es, den Flüchtlingen, die in Deutschland keinerlei Chance auf eine eigenständige Existenz haben, dort zu helfen, wo sie eine zumindest geringe Chance auf eine solche haben.

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Boshaftigkeit oder Dummheit: ZDF-heute macht katholische Politik

Fangen wir mit einer Befragung an, die vornehmlich studentische Hilfskräfte der Universität Göttingen wohl unter Anleitung ihres Professors Franz Walter und eines seiner Mitarbeiter am Rande einer Pegida Demonstration, die am 30. Dezember 2015 in Dresden stattgefunden hat, durchgeführt haben. 1.800 Fragebögen haben die Studenten nebst frankiertem Couvert für die Zusendung des ausgefüllten Fragebogens an Teilnehmer der Demonstration verteilt. 610 davon haben sie zurück bekommen.

Auf Grundlage dieser 610 Antworten, die sie erhalten haben, haben die studentischen Hilfskräfte dann u.a. die folgende Abbildung erstellt:

Pegida_2016_Vertrauen

Bitte nicht an der Darstellung stören. Es sind Studenten, die den Möglichkeiten, die Excel bietet, noch mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind. Wer genau hinsieht, der sieht, dass u.a. das Vertrauen in Banken, die Bundeskanzlerin, den Bundespräsidenten, die Bundesregierung, den Bundestag, die Europäische Union, Großkonzerne, das Justizsystem im Allgemeinen, Kirchen, die NATO, öffentlich-rechtliche Medien, Parteien, private Medien bzw. Stadt- und Lokalpolitiker unter den 610 befragten Teilnehmern der Pegida-Demonstration am 30. Dezember 2015 in Dresden nicht sonderlich verbreitet ist. Man kann fast sagen, ein entsprechendes Vertrauen ist nicht vorhanden.

Das an sich ist ein Ergebnis, das man als Delegitimierung eines politischen Systems beschreiben könnte. Das tut aber niemand. Stattdessen fabriziert eine Paula Konersmann von kna, wie es wenig sagend am Ende des Artikels steht, einen Beitrag, der auf heute.de unter der Schlagzeile:

Kreuz ist für Pegida nur Mittel zum Zweck

veröffentlicht wird.

Auf diese Schlagzeile angesichts der Ergebnisse oben, muss man erst einmal kommen. kna, steht übrigens für Katholische Presseagentur. Die Katholische Presseagentur hat offensichtlich einen direkten Zugriff auf die heute-Redaktion beim ZDF, wie man daran sehen kann, dass die heute Redaktion den Unsinn von Konersmann veröffentlicht hat.

heute kreuzDer Unsinn wurde von Konersmann vermutlich geschrieben, um die Aussage des katholischen Erzbischofs Ludwig Schick, der Christen vor einer Teilnahme bei Pegida-Demonstrationen gewarnt hat, empirisch zu stützen und zu belegen, dass „Wer einem Kreuz in Nationalfarben folge, ‚hat nicht verstanden, aus welcher Geschichte und Kultur er selber kommt'“. Wie gut, dass es der Erzbischof nach eigener Behauptung verstanden hat, und wie gut, dass er mit dem Katholischen Pressedienst und mit Paula Konersmann willfährige Instrumente zu haben scheint, die wenn es darum geht, den richtigen Glauben zu befördern, auch einmal im empirischer Sozialforschung dilettieren, und zwar so:

„Nun zeigt sich, dass Geschichte und Kultur den Pegida-Anhängern ohnehin eher Mittel zum Zweck sind. Eine Mehrheit bringt den Kirchen nämlich kaum Vertrauen entgegen. Das geht aus einer Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung hervor. Knapp zwei Drittel der Befragten (65,2 Prozent) gaben demnach an, wenig oder gar kein Vertrauen in die Kirchen zu haben; nur 6,6 Prozent sprachen von vollstem oder viel Vertrauen.“

Was in diesem Absatz mit Frau Konersmann durchgegangen ist, ob es Boshaftigkeit, Dummheit oder was auch immer war, wir wissen es nicht, aber wir wissen Folgendes:

  • Ob „Geschichte und Kultur“ für die Pegida-Anhänger nur Mittel zum Zweck ist, weiß niemand, auch die Studenten um Franz Walter, auf deren Befragung sich Frau Konersmann beruft nicht, denn sie haben nicht danach gefragt. Man muss Frau Konersmann also viel Phantasie attestieren, und zwar keine wohlwollende Phantasie.
  • Dass eine Mehrheit der 610 befragten Pegida-Teilnehmer Kirchen kein Vertrauen entgegenbringt, hat nun mit Geschichte und Kultur überhaupt nichts zu tun.
  • Das nicht vorhandene Vertrauen in Kirchen hat nicht einmal etwas mit Religiosität zu tun, denn Religiosität ist eine Eigenschaft von Individuen und nicht von Kirchen. Kirchen als Institution mögen den ein oder anderen religiösen Menschen enthalten, sie sind aber mit Sicherheit nicht religiös.
  • Damit ist die Behauptung, dass Pegida-Anhänger Kreuze mitführen, als Mittel zum Zweck, um sich also in der Vorstellung von Frau Konersmann religiös zu geben, mit institutionellen Symbolen der christlichen Kirchen zu umgeben und leichtgläubige Christen, die es nach Ansicht von Frau Konersmann offensichtlich zu Haufe gibt, zur Pegida zu verführen, hinfällig.

Was man aus dem zitierten Absatz entnehmen kann, ist neben der Intention des katholischen Pressedienstes boshafte Interpretation mit Befragungen zu belegen, die diese Interpretationen in keiner Weise stützen, dass Frau Konersmann offensichtlich der impliziten Prämisse anhängt, dass nur wer der Kirche Vertrauen entgegenbringt, ein Träger eines Kreuzes sein kann. Und so begegnen wir wieder einem alten Bekannten, nämlich dem Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, der in Deutschland endemisch ist, ebenso endemisch wie die Versuche, Pegida-Teilnehmer und AfD-Wähler als fiese Opportunisten, die nur Unheil und Unglück bringen, zu stigmatisieren. Eine Tätigkeit, bei der man nicht unbedingt erwartet hätte, die katholische Kirche und ihren Pressedienst mit Paula Konersmann in der ersten Reihe öffentlich-rechtlicher Anstalten zu finden.

Was ist nur aus der christlichen Nächstenliebe geworden? Gilt die Nächstenliebe nur noch für Flüchtlinge, derer man sich bedienen kann, aber nicht mehr für Andersdenkende, aus denen man keinerlei Nutzen ziehen kann? Ist Nächstenliebe etwa ein Mittel zum Zweck geworden, das Katholiken wie Konersmann denen angedeihen lassen, die sie instrumentalisieren können?

Pegida und Nächstenliebe, das gibt es für Katholiken nicht. Entsprechend ist jedes Mittel geeignet, um die Pegida-Teilnehmer und ihre Anliegen zu diskreditieren, selbst das Mittel einer „nicht im strengen Sinne repräsentativ(en)“ Befragung von Studenten der Universität Göttingen, die vom Bundesministerium für Familie und alle anderen außer Männern finanziert wurde.

Goettinger pegidaGeht es um die gute Sache, andere als böse darstellen zu können, dann ist offensichtlich jedes Mittel recht, auch die „nicht im strengen Sinne repräsentative“ Befragung, die Konersmann natürlich zu keinem Zeitpunkt in ihrem Beitrag daran hindert, All-Aussagen aufzustellen, die auf alle Pegida-Teilnehmer und nicht nur die 610 nicht im strengen Sinne repräsentativen Teilnehmer zutreffen.

Es scheint: Wo ein Wille ist, wo eine boshafte Absicht ist, wo es darum geht, mit dem flammenden Schwert der eigenen Unkenntnis Dritte zu diskreditieren, ist jedes Mittel ein geeignetes Mittel. Sie haben es weit gebracht, die christlichen Kirchen. Sie verbrennen derzeit niemanden mehr am Pfahl! Was nicht heißt, dass manche es nicht gerne würden …

Tatsächlich stammt der Unsinn der „nicht im strengen Sinne repräsentativen“ Befragung von den Göttinger studentischen Hilfskräften, die die Ergebnisse ihrer Befragung wohl unter Anleitung im eigenen Blog präsentieren.

„Nach wie vor gilt: Die Studie ist nicht im strengen Sinne repräsentativ. Unsere Ergebnisse sagen nur etwas über die tatsächlich Befragten aus. Daher sind die Erkenntnisse dieser quantitativen Erhebung nur ein Baustein unseres Projektes, indem noch weitere Methoden wie teilnehmende Beobachtung der Demonstrationen oder die Analyse der PEGIDA-Facebookgruppe eingesetzt werden, um das Phänomen PEGIDA zu erforschen.“

Scheinbar sitzt man in Göttingen der irrigen Annahme auf, dass man Repräsentativität im strengen Sinne durch die Akkumulation von nicht-repräsentativen Erhebungen erreichen könne, der Fehlschluss der Induktion, er kommt offensichtlich wieder in Mode. Dessen ungeachtet, interessiert es uns natürlich, was eine nicht „nicht im strengen Sinne repräsentative“ Befragung, die „nicht im strengen Sinne repräsentative“ Ergebnisse hervorbringt, eigentlich ist.

Deshalb haben wir den Göttingern eine eMail geschrieben und um Erklärung dieses bislang unbekannten Phänomens der empirischen Sozialforschung gebeten.

Unabhängig von der Antwort kann man feststellen, dass es die Pegida-Teilnehmer geschafft haben, in Deutschland eine Wirkung zu entfalten, die aus Gutmenschen das Schlechteste zum Vorschein bringt, zu dem sie fähig zu sein scheinen. Es wird gelogen, es wird erfunden, es wird wild interpretiert und alles in der Absicht, die bösen Pegida-Teilnehmer als ebensolche zu entlarven – oder welchen Zweck hat dieser Beitrag aus dem katholischen Pressedienst sonst?

Wer solche Gutmenschen hat, der braucht eigentlich keine bösen Menschen mehr, denn selbst wenn unter Pegida-Teilnehmer 90% Rassisten sind, die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen haben und Sympathie für Nationalismus, wo wären die Pegida-Teilnehmer boshafter als diejenigen, die ihrem Rassismus nach innen wenden und nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen Demonstranten dieselbe Boshaftigkeit in Stellung bringen, die sie eben diesen unterstellen?

Studien wie die aus Göttingen und deren Missbrauch durch den Katholischen Pressedienst richten erheblichen Schaden an der empirischen Sozialforschung an. Sie bringen durch einen nicht mit ethischen Grundsätzen zu vereinbarenden Umgang mit in gutem Glauben überlassenen Antworten, Letztere in Misskredit und sorgen dafür, dass die Bereitschaft von Bürgern an einer Befragung teilzunehmen, weiter sinkt. Wer will sich schon als Befragter von christlichen und sonstigen Ideologen als angeblicher Beleg für die Berechtigung von deren jeweiligem Kreuzzug aufbauen und missbrauchen lassen?

Beim „oder“ in der Überschrift handelt es sich übrigens um eine nicht-ausschließende Disjunktion.

 
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Angeblicher Mainzer Politikwissenschaftler über „ostdeutsches Pack“

Akademisierte Beleidigung – diesen Begriff haben wir geprägt, um Denunziation, Beleidigung, zuweilen auch Diffamierung, die von angeblichen Wissenschaftlern vorgetragen und im Zusammenhang mit einer angeblich wissenschaftlichen Argumentation vorgebracht werden, zu bezeichnen.

Mielke nicht stasiGerd Mielke, von dem der SWR behauptet, er sei Politikwissenschaftler, ist einer derjenigen, der sich in akademisierter Beleidigung übt. Er scheint die neue Forschungsrichtung der „Packologie – angewandte akademisierte Beleidigung“ begründen zu wollen. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man sein Interview mit dem SWR liest.

Wie fast immer kommt die akademisierte Beleidigung auf Basis einer doch sehr einfachen und insofern (nur?) primitiv zu nennenden Weltsicht daher.

Die Weltsicht von Gerd Mielke, sie ist wie folgt:

  • Es gibt in Deutschland ein Schmuddel- und Packlager, also Existenzen, die keinerlei Berechtigung haben, in Deutschland überhaupt zu existieren, wie man formulieren könnte.
  • Dieses Schmuddel- und Packlager, es besteht aus Rechten.
  • Die Rechten aus dem Schmuddel- und Packlager, sie haben in der Vergangenheit DVU und Republikaner gewählt.
  • Die AfD ist eine honorige und eine schmuddelige Partei. Honorig sind Professoren wie Bernd Lucke, schmuddelig sind fast alle, die nach Austritt der Lucke-Garde noch in der AfD verblieben sind.
  • Pegida, das ist „Pack“, ganz großes und vor allem „ostdeutsche Pack“. Man kann davon ausgehen, dass der angebliche Politikwissenschaftler Mielke, die Formulierung „Pack“ mit Bedacht gleich mehrfach gewählt hat, und auch dazu steht, was die generelle Bezeichung aller Pegida-Teilnehmer als „ostdeutsches Pack“ justiziabel macht, sofern jemand den Packologen aus Mainz vor Gericht herausfordern will.
  • Die AfD überlappt zu sehr mit der Pegida, deshalb ist auch die AfD Pack.

Nun, da wir das Feindbild dieses „Mainzer Politikwissenschaftlers“ zusammengetragen haben, stellt sich die Frage, wie man mit dem ostdeutschen Pack und der zugehörigen Packpartei umgehen soll. Auch hier weiß der Mielke Rat:

„Im Gegenteil, man sollte auf eine konsequente Einschüchterung des „Packs“ durch eine konsequente Kriminalisierung setzen, eine Strategie, die zumindest die AfD und die Pegida von ihren autoritären Mitläufermassen trennen würde. These: Wenn sich die Mengen von rechtsaffinen Kleinbürgern in Dresden in einem dreistündigen Polizeikessel erst alle mal in die Hose gepinkelt haben und abschließend mit Wasserwerfern traktiert wurden, dann haben sie für eine geraume Weile genug vom Demonstrieren.“

Nun ihr rechtsaffinen Kleinbürger aus Dresden, ihr ostdeutsches Pack, wie fühlt ihr Euch nach dieser Analyse eines angeblichen Politikwissenschaftlers, der an der Universität Mainz Honorarprofessor spielen darf?

Eingeschüchert?
Verärgert?
Entrüstet?
Voller Mitleid?
Geschockt?

Wir haben die Passage mehrmals gelesen, um sicherzustellen, dass Gerd Mielke auch gesagt hat, was wir glauben, dass er gesagt hat: Gerd Mielke schlägt also vor, dass man das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit dann, wenn es von denen genutzt wird, die er als Rechte ansieht, aussetzt und durch das ersetzt, was man Polizeirecht nennen kann, Polizeirecht, wie es z.B. aus dem Chile des General Pinochet, aus China unter Mao, dem Russland Stalins oder dem Kuba von Fidel Castro bekannt ist: Wer dem System nicht genehm ist, der wird vom System gedemütigt, einkassiert und so traktiert, dass er sich nicht mehr traut, seine vermeintlichen Grundrechte wahrzunehmen – sofern er mit dem Leben davongekommen ist.

Man kann nur hoffen, dass Gerd Mielke dann, wenn er auf diese Passage angesprochen wird, mildernde Umstände für sich geltend machen kann, z.B. wegen zeitweise kompletter Vernebelung des Geistes (zum Beispiel als Folge von zu viel Alkohol).

Was jedoch nicht geht, ist jemanden, der sich so offensichtlich als Feind der offenen Gesellschaft erweist, jemanden, der nicht in der Lage ist zu begreifen, dass die Freiheit, die er anderen gerade aberkennen will, die Freiheit ist, von der er erwartet, dass man sie ihm zugesteht, dass ein solcher anti-liberaler und anti-demokratischer Geist als Politikwissenschaftler bezeichnet wird.

Gerd Mielke ist kein Politikwissenschaftler. Er hat Geschichte und Anglistik studiert. Er hat über zwölf Jahre seines Lebens als politischer Beamter in der Staatskanzlei in Mainz gewirkt, wie, das kann man sich nach diesen Ausführungen lebhaft vorstellen. Als er 2004, im Alter von nunmehr 57 Jahren aufs Altenteil geschickt wurde, wurde er postwendend zum Honorarprofessor an der Universität Mainz ernannt.

Zufälle gibt es.

Ein Honorarprofessor, das ist kein ordentlicher, sondern ein ernannter Professor. Wie es der Zufall so will, kann der Dienstherr von Gerd Mielke, der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Honorarprofessoren bestellen.

Zufälle gibt es:

Paragraph 62 des Hochschulgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz lautet:
(1) … der Ministerpräsident kann Personen, die an der Hochschule lehren, ohne dort in der Lehre hauptberuflich tätig zu sein, und aufgrund ihrer wissenschaftlichen oder künstlerischen Leistungen die Voraussetzungen für die Einstellung … Professoren erfüllen (§ 49), auf Vorschlag der Hochschule zu … Honorarprofessoren bestellen. § 61 Abs. 1 gilt entsprechend.

Das also ist der Werdegang des „Politikwissenschaftlers“ Mielke, der nach seiner politischen Karriere das Altenteil an der Universität Mainz bezogen hat. Und von dort aus predigt er nun seine neue Lehre, seine Packologie, eine neue Form des antidemokratischen Denkens, die in einer verbalen Gewalttätigkeit daherkommt, die es allemal mit den Rechten, die Mielke angeblich bekämpfen will, aufnehmen kann.

Es ist sehr traurig zu sehen, wer heute alles als Politikwissenschaftler bezeichnet wird. Der Niedergang einer Profession in der öffentlichen Wahrnehmung, ausgelöst durch Personen wie Mielke, ist bedrückend, vor allem wenn man weiß, dass die deutsche Politikwissenschaft auf dem Weg zu einer empirischen Wissenschaft war, in der u.a. aus Theorien des politischen Handelns, Hypothesen abgeleitet und geprüft wurden.

Die Zeiten der Klingemanns, Kaases und Niedermayers, der Mintzels, von Beymes und Gabriels, sie scheinen vorbei zu sein. Die heutige Politikwissenschaft wird in der Außenwahrnehmung von Personen bestimmt, die auf Grundlage von keinerlei Erkenntnis wilde Behauptungen aufstellen und akademisierte Beleidigungen, die der eigentliche Inhalt sind, den sie transportieren wollen, in pseudo-wissenschaftliches Geschwätz verpacken. So wie dies auch Gerd Mielke tut, der die Forschung von Wilhelm Heitmeyer dazu missbraucht, seine wilden und falschen Thesen darüber, wie Stress dazu führt, dass deprivierte Menschen zu ostdeutschem Pack werden, zu verbreiten.

Erich Mielke StasiDass Pegida gerade und überwiegend aus wohlsituierten und fern jeder ökonomischen Deprivation lebenden Personen besteht, interessiert ihn dabei nicht. Er will das „ostdeutsche Pack“ beleidigen, das Pegida ist und die AfD damit verbandeln. Das hindert ihn indes nicht daran, gerade dieses „ostdeutsche Pack“ für seine politische Agenda zu benutzen, wenn er wohlfahrtsstaatliche „Stress-Milderung“ und einen Ausbau des „zurückgebauten Staates“ fordert, um die Deprivierten, die es nach seiner Ansicht bei Pegida gibt, zu entstressen und daran zu hindern, als „ostdeutsches Pack“ durch die Straßen Dresdens zu ziehen.

Wer solche angeblichen Politikwissenschaftler auf Studenten loslässt, der muss sich nicht wundern, wenn ganze Fachbereiche vor die Hunde gehen.

In der Stasi-Mediathek findet sich ein interessantes Schreiben eines anderen Mielkes, eines Erich Mielkes, dem Mielke, der das Ministerium für Staatssicherheit in der DDR geführt hat. Darin begrüßt Erich Mielke das entschlossene Eingreifen der chinesischen Sicherheitskräfte gegen die Studenten auf dem Tiananmen Platz in Peking. Vermutlich ist es diese Art des Vorgehens ist, die Gerd Mielke vorschwebt, wenn er dafür plädiert, das ostdeutsche Pack dazu zu bringen, sich in die Hosen zu machen.

Werner Patzelt hat sich mit der „eher verkürzten Sicht auf Pegida“ des „Mainzer Kollegen Mielke“ beschäftigt.

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Das Pöbeln ist des Politikers Lust, das Pöbeln ist des Politikers Lust,

das Pö.ö.beln…

Wie man sich nach den überlegenen Staatsmännern früherer Tage zurücksehnt. Dem Kettenraucher-Kanzler mit seiner unterkühlten Ruhe, dem Aussitz-Birnen-Kanzler mit seiner, „ich-weiß-nicht-was-ihr-wollt“ Einstellung, dem feinen Herrn Genscher, dem man den Politiker nie abgenommen hat (er konnte einfach nicht so tief sinken), ja selbst der Kanzler mit dem ewig ungefäbrten Haaren, er hatte eine fast staatsmännische „Ihr-könnt-mich-mal“-Attitüde.

Und was haben wir heute: Pöbler. Pöbler, deren einziger Ausweis geistiger Aktivität eine Form affektiver Regress ist, der nur ein einziges Reaktionsschema kennt: aufgeregte Hysterie.

Man stelle sich vor, jemand hätte über Helmut Schmidt gesagt, er sei schlimmer als Adolf Hitler, und zwar wegen des Radikalenerlasses, den Schmidt zu verantworten hat oder man stelle sich vor, jemand hätte über Kohl gesagt, er sei dementer als Hindenburg, wegen der Kohlschen Strategie, Dinge einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen. Was wäre wohl passiert?

So etwas sicher nicht:

//platform.twitter.com/widgets.js 

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Das sagt Ralf Stegner, stellvertretender Parteivorsitzender der SPD, und regt sich damit über Lutz Bachmann auf, den Pegida-Frontmann, der über Heiko Maas gesagt haben soll, er sei einer der „schlimmsten geistigen Brandstifter seit Goebbels und Karl-Eduard von Schnitzler“.

Offensichtlich ist Lutz Bachmann darüber verägert, dass Heiko Maas zum einen nicht müde wird, seine Theorie der geistigen Brandstiftung in Zeitungen zu verbreiten, die einen Zusammenhang zwischen Pegida und Brandanschlägen konstruiert, den man ebensogut zwischen dem Widerstand gegen Pegida und Brandanschlägen konstruieren kann.

In diesen Beiträgen hält Maas auch regelmäßig Angebote bereit, für alle, die Lust darauf haben, Anhänger der Pegida oder diejenigen, die er auf Facebook als die „Feinde der Freiheit“ identifziert hat, zu diskreditieren, etwa als:

  • „faschistoide Frührenter mit zu viel Tagesfreizeit“,
  • „Neonazi-Nerds ohne Freundin, aber mit Frust“,
  • „Biedermänner, die sich nach Außen angepasst geben, aber im Schutz der Anonymität mal so richtig die Sau rauslassen?“

poebelnDas sind nicht unbedingt Erklärungsangebote, die man von einem Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz erwartet, aber es sind Aussagen, die Einblick in die Psyche von Heiko Maas gewähren, in das Portfolio seiner Feindbilder, das er gerne nutzt, um Keile in die deutsche Bevölkerung zu treiben und die Guten von den Bösen, die richtigen Deutschen von den falschen Deutschen, die Deutschen mit legitimen Interessen von denen mit illegitimen Interessen zu trennen.

Manche würden es geistige Brandstiftung nennen, wenn versucht wird, eine Gesellschaft in mehr oder weniger legitime Gruppen zu zersäbeln und manche würden denken, dass der Keil, den u.a. Goebbels zwischen Deutsche getrieben hat, weil sie unterschiedlichen Religionen angehört haben, durchaus vergleichbar ist.

Aber das ist natürlich ein rationales Argument, eines das man prüfen kann, in dem man Kriterien zur Hand nimmt und analysiert, ob die Differenzierung der Bevölkerung in Gruppen mit unterschiedlicher Legitimität, die u.a. Goebbels vorgenommen hat, mit der zu vergleichen ist, die Heiko Maas heute vornimmt.

Rationale Argumente haben in der Welt der deutschen Politik nichts verloren. Es herrscht das eingebildete Gefühl: Die Aufregung, die Wut, die Rage und alles, was von dieser einzigen Gefühlsregung, zu der deutsche Politiker in der Lage zu sein scheinen, getragen wird: Pöbeln zum Beispiel oder justitiable Beleidigungen wie:

„Pegidiot“ Bachmann

oder

„elender PEGIDA-Hetzer“ Bachmann

Mindestens der Pegidiot ist justiziabel, und es bleibt zu hoffen, dass nicht nur gegen Lutz Bachmann Ermittlungen aufgenommen werden, wie die SPD das fordert (warum auch immer, denn Vergleiche sind bislang nicht unter Strafe gestellt), sondern auch gegen Ralf Stegner, den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD, der die politische Kultur Deutschlands um so emotional erregte und wenig überlegte und mit keinerlei Abstand vorgetragene Auswürfe wie die oben zitierten bereichert.

Früher hat man gesagt, wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen. Heute gilt mehr: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.

Diese Devise gepaart mit der weitgehenden Unfähigkeit von Politikern, mit Besonnenheit, Abstand, mit Anstand, Überlegung und Überlegenheit zu reagieren, beschreibt, was sich derzeit als Politiker geriert: Ein Haufen Fühlender, affektive Ad-Hoc-Protestanten, die ihre unverdauten Ergebnisse pur emotionaler Gesteuertheit ohne einen Gedanken zu verschwenden in die Welt posaunen und ihrer Umgebung zumuten.

PolitainmentDas Pöbeln ist des Politikers Lust, das Pöbeln. Und die etablierten Politiker, die erkennt man daran, dass sie, wie Ralf Stegner dies tut, denken, ihre Pöbeleien seien in irgend einer Weise von denen, über die sie sich aufregen, verschieden.

Vor einigen Jahren war in den Politikwissenschaften die Idee des Politainment, der politischen Unterhaltung bzw. der unterhaltenden Vermarktung von Politik prominent. Dass daraus, Politpöbeln werden würde, hätte man damals nur vorhersehen können, wenn man die kognitiven Fähigkeiten moderner Politiker in Rechnung gestellt und sich vergegenwärtig hätte, dass eine vollkommene Vernunftlosigkeit viele dazu zwingt, Affekt an die Stelle von Ratio zu setzen: Sie haben und können nichts anderes als sich aufregen und pöbeln.

Ein Hinweis eines unserer Leser, der uns zwischenzeitlich erreicht hat: Nicht Heiko Maas ist der demnach größte geistige Brandstifter seit Joseph Goebbels, sondern Heiner Geißler:

„Zwar schien Brandt die Fassung zu verlieren, als er den Kanzler bezichtigte, die Unwahrheit zu sagen. Doch trotz aller Erregung brachte er unter, was er hatte loswerden wollen. In gezielter Verwechslung sprach er Kohl als Reagan an. Und er hieb auf Geißler ein: „Ein Hetzer ist er, seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land.“

Auch diese Formulierung war wohl überlegt: Sie insinuiert den Vergleich, ohne ihn zu ziehen. Brandt: „Soll mir doch mal einer sagen, wann es bei uns seit Goebbels einen so begabten Demagogen wie Geißler gegeben hat.“

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Lügenpresse und Meinungsmacher: Was für eine Koalition!

Die Meinungsforscher sind wieder unterwegs. Und dieses Mal ist die Grenze zwischen Meinungsforscher und Meinungsmacher so verschwommen, dass man sie vollkommen aus dem Blick verloren hat.

Doch der Reihe nach: „44 Prozent der Deutschen teilen den ‚Lügenpresse‘-Vorwurf von Pegida„, so titel der Stern seit 13.30 Uhr.

44% der Deutschen wurden natürlich nicht befragt, sondern nur 1.002 Personen, von denen Forsa behauptet, sie seien repräsentativ für Deutschland. 441 teilen entsprechen und angeblich den Lügenpresse-Vorwurf von Pegida. Ob der Lügenpresse Vorwurf von Pegida stammt, das wollen wir einmal dahingestellt lassen.

Forsa, das Institut, das u.a. mit diesem Ergebnis glänzt, beschreibt sich selbst als ein Institut das

„sich aller Methoden der empirischen Sozialforschung – sowohl im Bereich der Politik-, Meinungs- und Wahlforschung als auch bei der Markt-, Sozial- und Medienforschung sowie bei Studien über die Zufriedenheit mit Produkten, Unternehmen und Marken und bei Kommunikations- und Medienanalysen“ bedient.

Bedienen ist hier wohl das operative Wort.

Angeblich arbeiten bei Forsa

„wissenschaftliche Mitarbeiter mit akademischer Ausbildung in sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern (Soziologen, Psychologen, Ökonomen und Statistiker). forsa beschäftigt zur Zeit ca. 80 Mitarbeiter (darunter ca. 40 Wissenschaftler).“

Wenn sich Forsa „aller Methoden der empirischen Sozialforschung“ bedient und dort 40 Wissenschaftler arbeiten, dann sollte zumindest einer davon schon einmal etwas von suggestiven Fragen gehört haben.

Holm_„Bei einer suggestiven Frage wird den Befragten die Antwort ‚in den Mund gelegt‘, d.h. die Frageformulierung beeinflusst die Anwtort in einer bestimmten Richtung.“

Suggestive Fragen werden bei Kurt Holm, einem derjenigen, die sich akribisch um die empirische Sozialforschung bemüht haben, unter manipulativen Befragungstechniken geführt.

Warum?

Weil man bereits vor der Befragung weiß, was dabei herauskommt.

  1. „Die Flüchtlinge sollen sich untereinander bekämpfen und totschlagen. Dann haben wir hier Ruhe vor dem Pack.“
  2. „Die von Merkel gerufenen Flüchtlinge wollen unsere Geschäfte plündern, unsere Frauen und Töchter vergewaltigen und unsere Wohnungen demolieren, ohne dass sie bestraft werden.“
  3. „Thomas de Maiziere soll der Teufel holen.“
  4. „Der einzige Weg unser Land noch zu retten, ist die Schließung der Grenzen und die Einführung eines Schießbefehls“.
  5. „Dieses Rattenpack bringt nur Unruhe, Gewalt, Ignoranz und Krankheiten in unser Land. Deutsche müssen deshalb um ihr Land kämpfen“.

Forsa SternDas sind Aussagen, die die Telefonisten von Forsa den Befragten, derer sie telefonisch habhaft werden konnten, vorlesen mussten.

Wundert es jemanden, dass auf jede der fünf Aussagen regelmäßig 90% und mehr sagen, sie stimmen nicht zu? Es ist vorherzusehen, dass die Ablehnung dieser Aussagen überwältigend ausfällt, da die Aussagen, die einmal als „Original-Pegida Aussagen“ bezeichnet werden und einmal als „aus dem Pegida-Umfeld“ stammend, was auch immer das Pegida-Umfeld sein soll, so formuliert sind, dass ein normaler Mensch ihnen nicht zustimmen wird.

Die überwältigende Ablehnung dieser Aussagen ist also vorherzusehen, die Formulierung der Aussagen sorgt für das Ergebnis. Insofern Forsa hier angeblich Aussagen verwendet, die aus dem „Umfeld“ von Pegida stammen, muss sich das Institut fragen lassen, was mit der Auswahl von Extremaussagen bezweckt wurde. Es gibt aus dem „Pegida-Umfeld“ sicher auch gemäßigtere Ansichten. Die entsprechenden Aussagen sucht man in der Liste von Forsa jedoch vergeblich.

Die ausschließliche Auswahl von Extremaussagen stellt eine weitere Methode der Manipulation dar, denn wenn man die Zustimmung bzw. Ablehnung zu Aussagen erfragen will, um z.B. die Legitimation einer Organisation zu bestimmen und nur Extremaussagen bereitstellt, die wiederum geeignet sind, breite Ablehung hervorzurufen, dann hat man damit nicht nur die Antworten manipuliert, sondern gleichzeitig eine manipulierte Grundlage geschaffen, um verkünden zu können: Seht Ihr, diese Organisation, im vorliegenden Fall Pegida, ist gar nicht legitimiert, die Deutschen lehnen Pegida bzw. ihre Aussagen ab bzw. nur ein Zehntel der Bundesbürger stimmt ihnen zu.

Mission accomplished.

Ganz davon abgesehen, kann man auch bei Forsa mit Sicherheit nicht wissen, welchem Stimuli, von den vielen, die in den Aussagen vorhanden sind, Befragte nun zustimmen bzw. welche sie ablehnen. Sind sie der Ansicht, Flüchtlinge seien Rattenpack, das nur Unruhe bringe oder nicht oder bringen Flüchtlinge, die als Rattenpack bezeichnet werden, Gewalt oder bringen sie Krankheiten oder Ignoranz? Als empirischer Sozialforscher kann man sich für eine derartige Umfrage, wie die von Forsa nur als nicht zuständig erklären und feststellen: Das hat nichts mit seriöser Meinungsforschung und schon gar nichts mit empirischer Sozialforschung zu tun. Das ist plumpe Meinungsmache.

Auch die 44% Lügenpresse-Zustimmer sind Meinungsmache, denn auch die Aussage zur Lügenpresse ist suggestiv und manipulativ und beinhaltet mehrere Stimuli, ganz davon abgesehen, dass man der Aussage voll und ganz oder eher zustimmen kann, aber nur „nicht zustimmen“, nicht etwa „eher nicht zustimmen“ kann. Ein weiterer Fauxpas, der einem empirischen Sozialforscher nicht passiert.

Doch zur Aussage:

„Die von oben gesteuerten Medien verbreiten nur geschönte und unzutreffende Meldungen“.

Damit ist ausgeschlossen, dass:

  • Medien, die nur geschönte Meldungen verbreiten, nicht von oben gesteuert sind.
  • Medien geschönte und zutreffende Meldungen verbreiten.
  • Medien ungeschönte und unzutreffende Meldungen verbreiten.
  • Medien von oben gesteuert sind und ungeschönte und unzutreffende Meldungen verbreiten.
  • usw.

framingKurz: Die Antwortvorgabe ist wertlos, denn sie enthält insgesamt drei Stimuli, so dass man keine Ahnung hat, worauf der Befragt reagiert hat. Ist er nun der Ansicht, die Medien seien von oben gesteuert? Ist er der Ansicht, die Medien verbreiten geschönte Meldungen? Ist er der Ansicht, die Medien verbreiten unzutreffende Meldungen? Oder ist er der Meinung, alle drei Stimuli treffen zu?

Und was hat diese Aussage mit dem Begriff „Lügenpresse“ zu tun? Der Begriff kommt darin überhaupt nicht vor. Entsprechend können auch nicht 44% der Befragten den Lügenpresse-Vorwurf von Pegida teilen.

Diese Interpretation der Ergebnisse, die dazu gedacht ist, die Ergebnisse zu entschärfen und zu diskreditieren, weil ja viel Mühe darauf verwendet wurde zu zeigen, was für extreme Spinner bei Pegida unterwegs sind, die über so gut wie keinen Rückhalt „in der Bevölkerung“ verfügen, ist also nicht möglich.

Nimmt man den Begriff Lügenpresse, der in der Befragung nach den veröffentlichten Unterlagen gar nicht vorkommt, aus dem Rennen und stellt in Rechnung, dass man nicht weiß, worauf die 44% der Befragten reagiert haben, dann steht unterm Strich, dass 441 Befragte von 1002 Befragten der Ansicht sind, bei Medien werde geschönt oder von Medien werden unzutreffende Meldungen verbreitet oder Medien sind von „oben gesteuert“, wer auch immer „oben“ sein mag. Das hat mit Lügenpresse nichts zu tun, sondern damit, dass die 441 Befragten, die doch für die Bevölkerung Deutschlands repräsentativ sein sollen, ein massives Unwohlsein mit der Berichterstattung in Medien verbinden.

Und wenn man die Berichterstattung im Stern über die Umfrage von Forsa betrachtet, dann muss man feststellen, dass die entsprechenden Ansichten wohl gerechtfertigt sind, nicht, weil eine Steuerung der Medien von oben naheliegen würde, sondern weil in Medien wie in allen Bereichen, in denen die Mittelschicht sich Pöstchen zuschiebt, eine Entprofessionalisierung mit einem Verlust grundlegender Fähigkeiten einhergeht, die man benötigt, um z.B. Journalismus zu betreiben. Anders formuliert: Die meisten deutschen Journalisten muss man nicht von oben steuern, damit sie Falschmeldungen verbreiten oder Nachrichten in einem ideologischen Licht verzerren: Die können es von sich aus nicht besser.

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Rechtsextremismus-Hype: Wie seit Jahren Rechtsextremismus geschaffen wird

Wer von unseren Lesern war dieses Jahr im Süden Italiens?

In Pompeij? In Neapel? In Sorrento? Amalfi?

Wer hat einen kleinen Abstecher auf den Vesuv gemacht?

Mt_Vesuvius_EruptingUnd wer hat dabei gedacht, dass er sich in Lebensgefahr begibt, bzw. darauf vertraut, dass der Vesus, der eigentlich überfällig ist, nicht gerade in dem Moment ausbricht, in dem er sich am Kraterrand befindet?

Gleichzeitig und Hand aufs Herz, wer von unseren Lesern hat Angst, dass er Opfer von Identitätsdiebstahl im Internet wird oder dass das Flüchtlingsheim um die Ecke angezündet wird?

Wissenschaftler diskutieren unterschiedliche Einschätzungen des Risikos, das mit einer Handlung verbunden ist, inadäquate Wahrnehmungen der Gefahr, in die man sich begibt, unter dem Stichwort der Salience. Salience beschreibt die Präsenz eines Themas, die Bedeutung, Normalität und Aktualität, die ein Thema in den Augen von Beobachtern hat.

Wer die Medien verfolgt, kann leicht den Eindruck haben, dass Deutschland in zwei Hälften geteilt ist. Eine Hälfte, nennen wir sie die böse Hälfte, ist vehement gegen Flüchtlinge eingestellt, demonstriert gegen Flüchtlinge bzw. sympatisiert mit denen, die demonstrieren, die andere Hälfte ist die Kopfschüttel-Hälfte, die sich über die andere Hälfte echauffiert und die erste Hälfte gerne in die Wüste schicken würde, sie in jedem Fall gerne unsichtbar und unhörbar machen würde.

Dieser Eindruck, den man leicht aus den Medien gewinnen kann, hat vermutlich (oder hoffentlich) nicht viel mit der Realität zu tun. Er ist das Ergebnis der Prominenz die, des Sendeplatzes der einem Thema, in diesem Fall dem Thema „Flüchtlinge“ eingeräumt wird. So sind es z.B. die Flüchtlinge, wegen derer vermutlich Steuern erhöht werden müssen, nicht etwa die Tatsache, dass Steuergelder für Gender Mainstreaming, die politischen Vereine der Parteien und den Unterhalt von allerlei Netzwerken und Stiftungen und Organisationen, die sich zu Freunden von Flüchtlingen erklärt haben und diejenigen bekämpfen, bekehren oder mundtot machen wollen, die ein Problem mit Flüchtlingen haben oder Kritik in welcher Weise auch immer äußern, verschwendet werden.

Die aus Steuergeldern unterhaltenen Netzwerke, Stiftungen, Organisationen und politischen Vereine der Parteien wiederum, die haben ein Interesse daran, dass die Themen, die ihre Finanzierung sichern, in den Medien und der Wahrnehmung der Bevölkerung verankert werden.

Lebt eine Stiftung davon, die „Nazis“ oder den „Rechtsextremismus“ zu bekämpfen, dann ist es natürlich wichtig, dass die Gefahr, die von Nazis und von Rechtsextremisten ausgeht, als immens dargestellt wird. Das Flüchtlingsthema ist bestens dazu geeignet, diese Gefahr aufzubauschen, die Gefahr, die von einem Haufen Rechtsextremer ausgeht, der nimmt man die Berichte des Bundesverfassungsschutzes zum Ausgangspunkt tatsächlich weniger gefährlich ist als Linksextreme.

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Aber: Linksextreme kommen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vor und die Organisationen und Stiftungen, die sich dem Kampf gegen Linksextremismus verschrieben haben, die muss man suchen (und selbst dann findet man keine, wir haben jedenfalls keine gefunden). Organisationen, die Nazis, Rechstextreme in Broschüren, Maßnahmen, Tagungen, Veranstaltungen, Netzwerktreffen, Erziehungsprogrammen für Jugendliche, Ausstiegshilfen für Kinder und Jugendliche und wer weiß, mit was noch allem, bekämpfen wollen, sind dagegen Legion.

Die interessante Frage ist die Frage, wie ein Thema es schafft, zum Hype zu werden. Wie war es möglich, den Rechtsextremismus in Deutschland zu einem Popanz aufzubauen, dem in etwa die Gefährlichkeit von al-Quaida zugeschrieben wird?

Die Antwort auf diese Frage verweist auf eine unheilige Allianz zwischen Organisationen, die mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus ihr Geld deshalb verdienen, und Wissenschaftlern an Hochschulen, die beide ein Thema hochgeredet bzw. hochgeschrieben haben, ohne dass es eine Begründung dafür gegeben hat.

Wir haben, um diese Hypothese zu prüfen, eine Auszählung (in Google Scholar) der wissenschaftlichen Beiträge (Zeitschriften, Bücher, Aufsätze, graue Papiere) zum Thema „Rechtsextremismus“ vorgenommen (berücksichtigt wurden nur Beiträge in deutscher Sprache) und gleichzeitig und zu Kontrollzwecken die wissenschaftlichen Beiträge ausgezählt, die es im selben Zeitraum zum Thema „Linksextremismus“ gab. Diesem Vorgehen unterliegt die Hypothese, dass das Thema „Rechtsextremismus“ häufiger behandelt wird als das Thema Linksextremismus, weil sich mit dem Thema „Rechtsextremismus“ deutlich mehr Steuergelder loseisen lassen als mit dem Thema „Linksextremismus“.

Die folgende Abbildung zeigt für den Zeitraum von 1980 bis 2014 die Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu den Themen „Rechtsextremismus“ und „Linksextremismus“.

Sie ist ein Beispiel dafür, wie ein Hype entsteht.

Rechtsextremismus hypeBeeindruckend – oder? Während das wissenschaftliche Interesse an Linksextremismus mehr oder weniger gleichbleibend kaum vorhanden ist, hat das entsprechende Interesse an Rechtsextremismus eine Reihe von Schüben erfahren.

Seit der Vereinigung nimmt die Anzahl der wissenschaftlichen Beiträge zum Thema Rechtsextremismus kontinuierlich zu, so dass man denken könnte, seit der Vereinigung gibt es ein Interesse daran, den Rechtsextremismus groß zu schreiben. Zuerst Anfang der 1990er Jahre, dann Anfang der 2000er und schließlich um 2010 gibt es regelrechte Sprünge in der Zahl der Publikationen von 153 im Jahre 1992 auf 345 im Jahre 1993, von 311 im Jahre 1999 auf 685 im Jahre 2002, von 817 im Jahre 2012 auf 1.270 im Jahre 2013. Rechtsextremismus ist zunehmend ein Mode-Thema der Sozialwissenschaften. Die Zahl der Beiträge ist ungefähr in dem Maße gestiegen, in dem die Hohe der Steuergelder gestiegen ist, die für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus bereitgestellt wurden.

Da es für entsprechende Broschüren, Maßnahmen, Tagungen, Veranstaltungen, Netzwerktreffen, Erziehungsprogrammen für Jugendliche, Ausstiegshilfen für Kinder und Jugendliche, die sich gegen Linksextremismus richten, kaum einen Blumentopf zu gewinnen gibt, hält sich auch das vermeintlich wissenschaftliche Interesse an Linksextremismus in Grenzen. Vermutlich ist die Anzahl der Veröffentlichungen zum Thema Linksextremismus, die zwischen 2 (1981) und 124 (2011) liegt, ungefähr die Anzahl von Beiträgen, die man erwarten würde, wenn das Thema nicht von anderen als wissenschaftlichen Interessen getragen würde.

Andere als wissenschaftliche Interessen, wirtschaftliche und ideologische Interessen, spielen jedoch bei der Schaffung von Rechtsextremismus, bei der Produktion eines Rechtsextremismus-Veröffentlichungs-Hype eine große Rolle, wie die vielen Aktivisten, die von der Bekämpfung des Rechtsextremismus leben, bezeugen können.

netz-gegen-nazis_largeNun hat Salience, von der wir zu Anfang gesprochen haben, einen Nebeneffekt, der misslich ist: Wenn man Rechtsextremismus zu einem Popanz aufbaut, der seinem realen Gefährdungspotential nicht ansatzweise gerecht wird, dann mag dies den Zugang zu Steuergeldern, um Rechtsextremismus zu bekämpfen, erleichtern. Der geschaffene Popanz vermittelt aber Dritten den Eindruck, dass Rechtsextremisten in Deutschland an jeder Hausecke zu finden sei, man keinen Schritt mehr gehen könne, ohne auf einen Rechtsextremen zu treffen, dass Rechstextremisten die Normalität in Deutschland geworden sind. An diesem Eindruck haben die vermeintlichen Wissenschaftler, die den Rechtsextremismus zum Phänomen der Mitte erklärt haben, einen wenig rühmlichen Anteil.

Ist der Eindruck, dass Rechtsextremismus weit verbreitet ist, erst einmal entstanden, dann baut dieser Eindruck Hemmschwellen bei denjenigen ab, die ein gewisses Potential zu Straftaten inkorporiert haben oder die nach einer Legitimation für Straftaten gesucht haben, die sie schon seit längerem begehen wollten. In den USA ist dies als Copycat-Criminality bekannt, in Deutschland ist es – wie so vieles, was in der Realität beobachtet wird – kaum bekannt.

Entsprechend kommen wir zu einem politisch nicht korrekten Schluss, der die moralische Verantwortung für die Zunahme von Brandanschlägen auf ausgewiesene Flüchtlingsunterkünfte nicht bei denen sieht, die gegen Flüchtlinge demonstrieren oder den Zuzug kritisieren, sondern bei all denen, die mitgeholfen haben, Rechtsextremismus in Deutschland von einer Randerscheinung, die außerhalb der Wehrsportgruppe Hoffmann niemanden interessiert hat, zu einer Mode, einem Trend groß zu schreiben, dem zwar immer noch eine kleine Zahl überzeugter Rechtsextremer gegenübersteht, dem sich aber eine zunehmende Zahl von Mitläufern beigesellt, die mit Rechtsextremismus nichts am Hut haben, ihn aber aufgrund des Hypes, der um Rechtsextremismus gemacht wird, einerseits als Legitimation für die eigene Kriminalität benutzen können, andererseits als Symbol für den Widerstand gegen was auch immer.

Das haben die Warner vor dem Rechtsextremismus, die mit dem Warnen ihren Lebensunterhalt sichern, wirklich gut gemacht!

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Gegen rechts Pöbeln und Diffamieren: Wissenschaft wird in Deutschland neu definiert

Es gab in Deutschland einmal einen Werturteilsstreit.

Ja, wirklich!

Es gab einmal eine Zeit, die 1960er Jahre, um genau zu sein, da haben sich selbst in Deutschland Wissenschaftler und Philosophen, allen voran Karl Acham, Hans Albert und Ernst Topitsch, Gedanken darüber gemacht, ob Wissenschaft normativ sein kann, d.h. ob in einem Erkenntnisprozess Werturteile enthalten sein dürfen.

Darf man also als Forscher seine Befragten als „bescheuert“ oder als „Problembürger“ bewerten? Ist es in einer wissenschaftlichen Arbeit statthaft, angeblichen Rechtspopulismus zu untersuchen oder Bürger als pöbelndes Pack zu bezeichnen?

Die Antwort, die der rationale Teil der deutschen Sozialwissenschaften gegeben hat, ist eindeutig: Werturteile haben in der Wissenschaft nichts zu suchen. Wer sie treffen will, der kann dies jederzeit außerhalb der Wissenschaft tun.

Das war die Baseline.

Und dann kam u.a. Jürgen Habermas und das, was eine kritische Frankfurter Schule sein soll, eine Schule, die Bewertung zum Ausgangspunkt von Forschung macht. Nicht mehr soziale Fakten werden untersucht, sondern normative Behauptungen aufgestellt, von denen die angeblichen Forscher zumeist der Ansicht sind, dass sie richtig seien.

Entsprechend findet man an deutschen Universitäten Kapitalismuskritiker, deren Ziel darin besteht, nicht den Kapitalismus, seine Institutionen und Wirkungsweisen zu analysieren, sondern ihn zu diskreditieren.

Entsprechend konnten sich Gender Studies mit ihrem Codex der Erlösung im Weiblichen durchsetzen, deren Ziel nicht darin besteht, Erkenntnis zu gewinnen, sondern darin, die Gesellschaft nach ihrer Einbildung zu verändern.

Und entsprechend wird an deutschen Hochschulen hemmungslos gegen Bürger gewertet, deren Verfehlung darin besteht, sich nicht an den Kanon des politisch Korrekten zu halten.

Die entsprechenden Bürger werden als rechtsxetreme Deppen, als Problembürger und als Wutbürger diffamiert, Forschung, die es zu diesen Menschen und ihren Motivationen gibt, wird ignoriert und die eigene Bewertung als soziales Faktum verkauft.

Es sind dunkle Zeiten für die Wissenschaft, denn die Spirale wissenschaftlicher Ausfälle, sie zeigt eindeutig nach unten. Der Brain Drain an deutschen Hochschulen und das Auffüllen des geistigen Vakuums mit Kadern, die in Pöbeln und Diskreditieren geschult sind, es ist im vollen Gange.

Beispiel gefällig?

Hier kommt es:

UDE diffamierung pegida„Es geht ein Rechtsruck durch das Land: zigtausend Pegida-Anhänger pöbeln auf deutschen Straßen. Die AfD, die „Alternative für Deutschland“, fördert den Trend zu offen geäußerten rechtspopulistischen Parolen. Wer wählt eine solche Partei? Wo hat sie sich bei der letzten Bundestagswahl vor allem durchgesetzt?“

So beginnt eine Pressemeldung der Universität Duisburg-Essen, die von sich behauptet, sie sei „Offen im Denken“. Die Pressemeldung belegt eher das Gegenteil, denn offen kann nur sein, wer nicht schon zu Beginn seiner Forschung die Bewertung der Ergebnisse parat hat, wer also nicht vor Datenerhebung schon weiß, dass die AfD die Partei des pöbelnden Pöbels ist und der Pöbel pöbelnd durch Dresden zieht.

Gibt es eigentlich niemanden unter den „zigtausend“ Pegida Teilnehmern, der sich hier verleumdet sieht und Strafanzeige gegen Beate Kostka, MA., Ressort Presse – Stabstelle des Rektorats erstattet, wegen Verleumdung? Immerhin beginnt die Pressemeldung mit einer Allaussage, die keinen Zweifel daran lässt, dass alle Pegida-Anhänger pöbeln.

Die Pressemeldung ist einer „ausgezeichneten politikwissenschaftlichen Arbeit“ gewidmet, die im Wesentlichen aus einem Datensatz besteht, in dem wohl auf Wahlkreisebene Daten zusammengespielt wurden: Wahlergebnis der AfD, Anteil der Arbeitnehmer, Anteil von Personen mit Hauptschulabschluss und mit tertiärer Bildung (vermutlich aus dem Mikrozensus zugespielt). Und dann hat der Autor ein wenig statistisch gespielt und vermutlich ökologische Regressionen berechnet, mit dem folgenden Ergebnis:

„Entscheidend für den Wahlerfolg [der AfD] ist, wie hoch der Ausländer- und Hauptschulabsolventenanteil in dem jeweiligen Wahlkreis ist. Leben dort viele Migranten und Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen, werden hier öfter als anderswo rechtspopulistische Parteien gewählt.“

Das Problem mit derartigen ökologischen Analysen besteht darin, dass man nicht weiß, was man nun tatsächlich gemessen hat. Ausländer haben in der Regel kein Wahlrecht, sie können also nicht für das Abschneiden der AfD verantwortlich sein. Und die Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen waren/sind traditionell das Wählerpotential der SPD, so dass man sich fragt, was bei dieser „ausgezeichneten Abschlussarbeit“ überhaupt gemessen wurde, schon weil Pegida und AfD da stark sind, wo es nicht viele Migranten und Ausländer gibt, wie z.B. in Dresden…

junk_scienceDie Begriffe Migranten und Ausländer, das hat sich an der Universität Dusiburg-Essen, die doch so offen im Denken sein will, noch nicht herumgesprochen, beschreiben einen unterschiedlichen Status. Ein Migrant kann Deutscher sein, ein Ausländer nicht. Aber das sind Kleinigkeiten, die vor dem großen Ganzen der Diffamierungsabsicht, die Triebkraft solcher Forschung zu sein scheint, verschwinden.

Abgesehen davon stehen die vermeintlichen Erkenntnisse im diametralen Gegensatz zu den vermeintlichen Erkenntnissen, die Borwin Bandelow herausgefunden haben will. Sie erinnern sich, Bandelow ist derjenige, der behauptet, Xenophobie komme nur in Gehirnen ohne Hochschulabschluss vor, könne aber dennoch durch Kontakt mit Ausländern behandelt und behoben werden. Wenn es um Rechtspopulismus geht, was immer das auch sein mag (ein wissenschaftlicher Begriff ist es jedenfalls nicht), dann sind der Phantasie und der Diffamierungswilligkeit bei Angehörigen von Universitäten, die sich linkspopulistisch betätigen, offensichtich keine Grenzen gesetzt.

Kurz: auf Basis von Aggregatdatenanalysen, also Daten, die für einen Wahlkreis vorliegen, kann man nicht allzu viel über Wähler aussagen. Aber das stört Personen, die Wissenschaftler sein wollen, heutzutage nicht mehr:

„Tobias Frank: ‚Offensichtlich fällt das Diffamieren und Diskreditieren Asylsuchender und das Schüren von Verlustängsten in diesen Wahlkreisen auf besonders fruchtbaren Boden. Außerdem profitiert die AfD von dünn besiedelten Gebieten mit älterer Bevölkerung.’“

Also: Wo es viele Migranten und viele „Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen“ gibt, sind die Personen voller Verlustängste, freuen sich, dass die AfD Asylsuchende diskreditiert und diffamiert und wählen die AfD deshalb und nur deshalb.

Wie leicht derartige Worte – diffamieren und diskreditieren – vermeintlichen Nachwuchswissenschaftlern doch über die Lippen kommen. Fast so, als wäre es ihnen in ihrer Forschung von Anfang an um nichts anderes gegangen, als eine Plattform zu finden, auf der sie dann diffamieren und diskreditieren können, denn nichts anderes tun Nachwuchswissenschaftler wie Tobias Frank: Er hat keinerlei Beleg dafür, dass die AfD von Menschen gewählt wird, die auf das Diffamieren und Diskreditieren Asylsuchender reagieren, er hat nicht einmal einen Beleg dafür, dass die AfD im Wahlkreis Südpfalz oder im Wahlkreis Elbe Elster II Asylsuchende diskreditiert und diffamiert.

Er will es offensichtlich so, denn seine Bewertung, dass die AfD deshalb gewählt wird, weil sie Asylsuchende diffamiert und diskreditiert, ebenso wie seine Behauptung, dass die AfD von Personen gewählt wird, die es gut finden, dass die AfD angeblich Asylsuchende diffamiert und diskreditiert, basiert auf keinerlei Daten. Beide Aussagen sind Ausgeburten der Phantasie von Tobias Frank, so dass wir nur feststellen können: Früh übt sich, wer als Populist und Ideologe Karriere in politischen Vereinen der Parteien (außer der AfD versteht sich) machen will.

Die Abschlussarbeit von Tobias Frank, deren Zweck wohl vornehmlich darin bestanden hat, die AfD und die Pegida, also die Teilnehmer an der Pegida zu diffamieren und zu diskreditieren, wurde am Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen geschrieben und ausgezeichnet. In Ermangelung wissenschaftlicher Inhalte wurde die Arbeit wohl für ihren linkspopulistischen Gehalt ausgezeichnet.

Wie dem auch sei, die Arbeit wird demnächst im Tectum Verlag veröffentlicht und von uns rezensiert werden!

Exempel statuieren: Akif Pirincci, ehemaliger Vorzeigetürke

Es ist wieder einmal Zeit für ein wenig Logik.

Um niemanden zu überfordern, Logik aus einem Reclam-Bändchen. Wesley Salmon hat die folgende Passage verfasst, die wir gerade wiederentdeckt haben:

Logik Salmon„Viele Menschen neigen bedauerlicherweise dazu, ‚undifferenziert zu denken‘ – zum Beispiel alles für ganz und gar gut oder aber für ganz und gar schlecht zu halten. Uns sind die Menschen nur zu gut bekannt, die davon überzeugt sind, dass von ihrer Nation nichts Schlechtes ausgehen kann, wohingegen von den anderen Nationen nichts Gutes ausgehen kann, es sei denn, sie stimmen mit unseren Zielen überein. Ebenso kennen wir denjenigen nur zu gut, der glaubt, dass seine politische Partei bei jeder politischen Kontroverse recht hat, während die Oppositionspartei immer im Unrecht ist. Undifferenziertes Denken beruft auf einer Verwechslung von konträren und kontradiktorischen Gegensätzen: der Fehler besteht darin, dass man zueinander konträre Aussagen als zueinander kontradiktorisch auffasst. ‚X ist ganz und gar gut‘ ist konträr zu ‚X ist ganz und gar schlecht‘; für jemanden, der undifferenziert denkt, scheint es ausgeschlossen zu sein, dass beide Aussagen falsch sind (275).“

Heute hat der Bertelsmann-Verlag nach langen Jahren der Zusammenarbeit mit Akif Pirincci alle Brücken zu Pirincci abgebrochen, hat doch Pirincci in Dresden verbal in einer Weise gewütet, wie er das, in der ihm eigenen expletiven Form des Schreibens und Sprechens, die man auch als Kraftwort- oder Schimpfwort-Stakkato bezeichnen kann, seit nunmehr Jahren und nicht nur auf Facebook oder in seinem Blog tut. Es ist eben sein Stil.

BErtelsmann ist gutDe gustibus non est dispudandum.

Jedenfalls in normalen Ländern. In Deutschland führt der Gesinnungsdruck und die Gesinnungsdiktatur dazu, dass die Katzenkrimis, die Pirincci in Deutschland bekannt gemacht haben und die dem Bertelsmann-Verlag über Jahre viel Geld gebracht haben, nunmehr aus dem Programm genommen werden, weil sie quasi unrein sind. Sie sind ange-Pirinccied und ein guter, reiner deutscher Verlag wie Bertelsmann, der hat natürlich keine unreinen Bücher, egal welchen Inhalts im Sortiment.

Es sei denn, es handelt sich um Bücher, die die seltsamen Ayatollahs aus dem Iran für unrein halten und deshalb bei sich verboten haben, weil sie die satanischen Verse tatsächlich für satanische Verse halten. Das ist anders: Die Ayatollahs haben nämlich unrecht und Bertelsmann hat recht, das eine, nicht aber das andere als unrein zu sehen.

Das hat auch mit Heuchelei nichts zu tun, denn beim Bertelsmann-Verlag, da weiß man, was richtig, gut und gesinningskonform ist, weshalb es auch bei Bertelsmann keine Bücher von Autoren gibt, die nicht richtig und gut und gesinnungskonform in Deutschland sind (nur anderswo). So ist das, mit dem undifferenzierten Denken, wenn der unreine Virus selbst in die Vergangenheit reicht, und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die Logik von Salmon bei Reclam und eben nicht bei Bertelsmann erschienen ist.

Vielleicht findet Pirincci ja einen neuen Verleger seiner Katzenkrimis im Iran!

Pirincci hat seinen denkwürdigen Auftritt in Dresden übrigens so angekündigt:

Morgen, also Montag (19. 10. 2015), werde ich anläßlich des einjährigen Bestehens von PEGIDA in Dresden auftreten und einen hübschen Text vorlesen, der in Sachen Wutrede in diesem Lande Maßstäbe setzen wird. Es wird um die Verbrechen gehen, die man diesem Volk gegenwärtig antut. Man erwartet bis zu 30.000 Leute, ich glaube, daß es mehr werden. Ach, Herr Staatsanwalt, bitte immer den Gesamtzusammenhang sehen und sich keine Wort-Rosinen rauspicken. So doof bin ich nämlich auch nicht …

Wenn der Auftritt als neue Form der Wut-Performance gedacht war, mit der man Schönwetter-Spießer aus der Spur schießen kann, dann hat Pirincci genau den Erfolg, den er zu haben beabsichtigt hat. Vielleicht wollte er ja auch seinen Verlag loswerden, weil er ein besseres Angebot bei einem anderen Verlag hat….

„Problembürger“: neue akademisierte Beleidigung durch Problembeamte?

Der Ton wird rauer.

Norbert Frei, der als Hochschullehrer im Fach „Geschichte“ an der Universität Jena von Steuergeldern lebt, er hat eine neue Note in die Diskussion um Pegida gebracht:

Klemperer LTI„‚Pegida‘ verwendet Begriffe wie die Nationalsozialisten in der Weimarer Republik, so der Historiker Frei in den tagesthemen. Die Demonstranten seien keine besorgten Bürger, sondern Problembürger. Politik und Verfassungsschutz müssten handeln.

Das, von einem Historiker gesagt, der für sich reklamiert gebildet zu sein, ist bedenklich, mehr als bedenklich, fast, dass man sich an Oswald Spengler erinnert fühlt, der auch in Bausch und Bogen über die Köpfe von Menschen hinweggefegt ist.

Um die Aussage von Frei, dem Historiker, in ihrer Tragweite richtig zu würdigen, ist es notwendig, sie auseinanderzunehmen:

„Pegida“ verwendet Begriffe, so wird er von der ARD zitiert. Nur: Pegida gibt es nicht. Und Pegida spricht nicht. Es sprechen immer nur Menschen, Einzelne, manchmal auch Gruppen, die skandieren oder Chöre, die Singsang sprechen. Die Behauptung „Pegida“ verwende Begriffe ist also Unsinn, nützlicher Unsinn, denn durch den kleinen Trick, kann man alle, die bei Pegida mitlaufen über einen Kamm scheren. Es ist übrigens, wie die historische Forschung herausgefunden hat, vor allem Kurt Sontheimer und Theodor Adorno (vor allem seine Mitarbeiter) sind hier sehr verdienstvoll, ein Markenzeichen von autoritären Persönlichkeiten, dass sie übertriebene Verallgemeinerungen und Schuldzuschreibungen vornehmen, dass sie die vielen Einzelnen, die Tausend Pegidianer entindividualisieren, gleichschalten und als Masse, als Pegida bezeichnen.

Wie der Historiker Norbert Frei sicher weiß, war die Kollektivierung von Einzelnen, die Verleugnung individueller Unterschiede der Trick, den die Nazis und die Kommunisten unter Lenin wie Stalin angewendet haben, um die Eigengruppe abzugrenzen und die Fremdgruppe der Feinde zu definieren. Alle Volksbürger und alle Genossen waren gleich und hatten einen ebenso undifferenzierten Feind – oder einen Problembürger?

Denn die Nazis haben Juden als Problem angesehen, Lenin hat u.a. den russischen Adel und alle, die Kerenski nahestanden, als Problem angesehen und Stalin hat eine Vielzahl entsprechender Probleme im Verlauf seiner Herrschaft beseitigt, so hat jeder seine Problembürger, Bürger, die nicht passen wollen.

Der beschriebene Kollektivismus, er feiert fröhliche Auferstehung, dieses Mal aus dem Mund von Norbert Frei, der nicht nur den Problembürger geschaffen hat, er hat auch gleich die Kollektivstrafe wiederbelebt, die seit Jahrtausenden (nicht erst seit den Nazis) erfolgreich eingesetzt wird, um wahllos Menschen zu verhaften, zu deportieren oder freundlicher: zu Problembürgern zu machen.

Oder wie Norbert Frei sagt:

„Die Leute, die da heute mitlaufen, können sich nicht mehr darauf berufen, dass ihnen das in den Tiefendimensionen nicht bekannt sei“, sagte Frei weiter. Jeder Demo-Teilnehmer wisse, was er da tue und müsse zur Verantwortung gezogen werden, wenn es zu Ausschreitungen komme oder damagogische Symbole verwendet würden.

Mitgegangen, mitgehangen hat man früher gesagt. Und sicher gilt die Forderung von Frei nicht nur für Rechte, sondern auch für Linke, wenn sie wieder friedlich in Frankfurt demonstrieren und dabei Polizeiautos anzünden (und natürlich für Problembeamte, die akademisierte Beleidigungen absondern, was letztlich nach der Lex Frei zur Schließung ganzer Fachbereiche führen muss). Man kann nur hoffen, dass Frei nicht weiß, was er da zusammenplappert, dass er nicht weiß, was er tut und ihm „die Tiefendimension“ seiner eigenen Aussage nicht bewusst ist.

Aber was ist die Tiefendimension?

Beginnen wir mit einer Frage: Was will Herr Frei mit den Problembürgern machen, die weiterhin „mitlaufen“? Wie will er sie zur Verantwortung ziehen, wenn einer der sagen wir 4.999 anderen Demonstranten ein „demagogisches Symbol“ verwendet?

Sollen dann alle Demonstranten unter Hausarrest gestellt werden, bei ihrem Arbeitgeber gemeldet werden? Sollen alle Demonstranten ihre Bürgerrechte verlieren oder in einem Lager in der Lüneburger Heide interniert werden, mit Stacheldraht drumrum und Hundestreifen? Oder was schwebt dem Historiker aus Jena vor?

Was vor allem wäre anders, wenn man damit beginnen würde, Kritiker, die das Pech haben, ebi einer Demonstration mitzulaufen, bei der ein Demonstrant ein „demagogisches Symbol“ verwendet oder Begriffe fallen, die auch von den Nationlsozialisten verwendet wurden, wie z.B. Bürger oder Arbeiter oder Aktiengesellschaft oder Geschichtswissenschaft oder Pack von einer weiteren Teilnahme abzuschrecken oder daran zu hindern?

Man würde sie nicht mehr sehen.
Aber sie wären noch da – würden vermutlich in ihrer Wohnung sitzen und brüten und weiterhin Problembürger sein!

Was tun, Herr Frei?

ARD ProblembuergerWie sieht das „harte Durchgreifen“ aus, das Norbert Frei fordert? Welche Handlung folgt von Seiten der Politik, des Staates, des Verfassungsschutzes gegenüber den „Problembürgern“, gegenüber den Bürgern, „die uns Sorgen machen müssen“? Und wer ist „uns“ in diesem Zusammenhang?

Wie wäre es damit, die Problembürger in Umerziehungslager zu stecken? Das wurde schon mit mehr oder weniger Erfolg in der Vergangenheit probiert. Das weiß der Historiker Frei bestimmt. Dort müssen die Problembürger dann jeden Tag von morgens 6 Uhr bis abends 10 Uhr den Katechismus der Demokratie nachbeten. Sie wissen schon: Meinungsfreiheit, individuelle Freiheit, Versammlungsfreiheit und so.

Wie wäre es damit, neue Erkenntnisse aus der Neurologie einzusetzen, eine Psychopharmaka-Pflicht für Pegida-Mitläufer, solche, die Pegida-Mitläufer waren, Pegida-Mitläufern Unterschlupf gewährt haben, sie verteidigt haben oder am Ende verstanden haben oder, ganz schlimm, versucht haben, über die Interessen der Pegida-Outlaws eine rationale Diskussion zu führen. Rationalität, auch so etwas, was sich in der Weimarer Republik aufgelöst hat, von links und von rechts, in Irrationalität und Lagerdenken, Lagerdenken in beiden Formen der Bedeutung. Ziel der eigens entwickelten Psychopharmaka für Pegida-Mitläufer und alle anderen, die ein gutes Haar an Pegida lassen, z.B. in dem sie darauf hinweisen, dass es „die Pegida“ nicht gibt, sondern ein paar Tausend Menschen mit unterschiedlichsten Interessen, Ziel dieser Psychopharmaka ist es natürlich, abweichende Gedanken, also solche, die zu Kritik am System führen können, zu blocken, sie zu erledigen noch ehe sie entstanden sind. Wenn es dazu notwendig ist, die Pegida-Demonstranten und ihrer Helfer und Helfershelfer und Versteher in einen dauerhaften Dämmerzustand zu versetzen, ist das auch in Ordnung.

Und natürlich müssen Pegida-Demonstranten eine elektronische Fussfessel verpasst bekommen, damit Norbert Frei auf seinem Bildschirm in seinem Jenaer Büro jederzeit nachvollziehen kann, wo sich die Pegida-Demonstranten befinden und bei auffälligen Klumpungen von Fussfesselträgern sofort die zustände Einheit der Bundespolizei verständigen kann.

Ja, die Möglichkeiten der Behandlung sie sind schier endlos, jedenfalls solange das Problem mit den Problembürgern nicht endgültig gelöst ist. Vielleicht arbeitet Norbert Frei ja schon an einer entsprechenden Problemlösung. Als Historiker hat er da sicher ein paar Ideen.

Gestern haben wir gedacht, weiter unten kann man nicht mehr aufschlagen als wir den Beitrag von Patrick Gensing analysiert haben. Und heute kommt Norbert Frei, ein Historiker aus Jena. Wir sehen uns falsifiziert. Man kann noch weiter unten aufschlagen, noch weiter in den irrationalen Kollektivismus abdriften, in dem aus Tausenden von Menschen, „die Pegida“ wird, jene gleichgeschaltete, entindividualisierte und zu einem Problembürger vermanschte Anzahl von Menschen.

Das, so weiß Herr Frei sicher, war auch ein Markenzeichen des Dritten Reiches, die Entindividualisierung, die Kollektivierung, die Gleichschaltung verschiedener Individuen unter einem abstrakten Begriff und die vollständige Intoleranz gegenüber jeglicher Form von Abweichung von der als richtig angesehenen Ideologie. Insofern sich hier Geschichte wiederholt, hat Deutschland tatsächlich ein Problem, ein erhebliches Problem, mit Problemangestellten an Universitäten, die Keile in die Bevölkerung treiben.