Journalismus zum Heulen

Manchmal hat man Assoziationen und weiß selbst nicht, wieso man sie hat. Wir muten sie unseren Lesern einfach einmal so zu, am Anfang dieses Beitrags:

“Ab etwa 1850 erfährt das Wort eine Bedeutungserweiterung indem es einen Skandaljournalisten, gewissenlosen Zeitungsschreiber oder böswilligen Kritiker, allgemein einen der in diffamierender oder abstoßender Weise publiziert, bezeichnen kann.”

Das haben wir in der Wikipedia gefunden, als eine Bedeutung von Schmierfink. Wie wir auf Schmierfink kommen? Nennen wir es einfach das Ergebnis eines Assoziations-Dadaismus, das müsste als Begriff diejenigen, die so gerne sozial und sonstwie konstruieren, in Verzückungskonvulsionen versetzen.

Eigentlich geht es gar nicht um Assoziationen, die sich bei uns einstellen. Vielmehr geht es um einen bewundernswerten Einsatz, den Hadmut Danisch gezeigt hat und der zu dem Beitrag “Lügenpresse in flagranti erwischt” auf Hadmuts Blog geführt hat. Darin widmet sich Hadmut in minutiöser Weise der Saga, die sich mittlerweile um die Absage Ulrich Kutscheras, der keine Lust hat, vor “Religioten”, wie er das nennt, einen Vortrag über Evolutionstheorie zu halten und befürchten musste, dass die verbalen Schrei- und Kampftruppen von ASta und verbündeten Agitpropern seinen entsprechenden Vortrag in Marburg stören würden, gebildet hat.

Stammleser werden sich erinnern: Wir hatten darüber berichtet, dass die PräsidentIN der Universität Marburg, in einem Versuch, Gesicht zu wahren und nicht zugeben zu müssen, dass in Marburg keine Wissenschaft mehr möglich ist, behauptet hatte, man habe Ulrich Kutschera ausgeladen, weil er Gender Studies “generell die Kompetenz und Legitimität abgesprochen” habe. Wie man einem Mistel-Fachbereich Kompetenz absprechen kann, ist uns zwar nicht klar, aber lassen wir das an dieser Stelle.

Wir haben es schon mehrfach gesagt, wir sagen es gerne noch einmal: Man kann Gender Studies weder Legitimität noch Kompetenz absprechen, denn Gender Studies haben weder das eine noch das andere. Gender Studies wurden als politische Brückenköpfe an Universitäten installiert und verfügen über keinerlei ausgewiesene Methode oder gar Theoriebildung. Wie armselig das wissenschaftliche Bild ist, das Gender Studies abgeben, zeigt sich schon daran, dass es den Vertretern der Gender Studies bis heute nicht möglich war, einfache Fragen, die ein Wissenschaftler im Schlaf beantworten kann, zu beantworten.

Verweisen wir an dieser Stelle lieber darauf, dass die PräsidentIN der Universität Marburg es offensichtlich, nachdem sie von uns beim Lügen erwischt wurde, weil wir auf Nachfrage von Ulrich Kutschera mitgeteilt bekamen, dass er nicht ausgeladen wurde, sondern seinen Vortrag abgesagt hat, es für notwendig erachtet hat, die Lüge, die auf der Seite der Universität Marburg veröffentlicht wurde, durch einen Satz Wahrheit zu ergänzen.

In der folgenden Tabelle findet sich links die ursprüngliche Lügenversion und rechts die Lügenversion mit dem Satz Wahrheit. Nun, es ist nicht wirklich ein Satz Wahrheit, es ist halt das, was dabei herauskommt, wenn man versucht, die Wahrheit an Lügen anzupassen (einfach das jeweilige Bild anklicken, um nachzulesen).

Lügenversion der Uni Marburg Lügenversion mit dem Satz Wahrheit
Marbugr Kutschera Absage Uni Marburg Satz wahrheit

Ist es nun lustig oder erbärmlich, wenn Leute, die beim Lügen erwischt wurden, versuchen, das Offensichtliche wegzureden?

Apropos Lügen – Hadmut Danisch hat nicht nur die Verantwortlichen der Universität Marburg zu Stellungnahmen gezwungen, die zu beurteilen wir unseren Lesern überlassen, er hat sich auch Bastian Ludwig gewidmet, der nach eigener Auskunft seit 2008 für die HNA, also die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine arbeitet, und zwar als Journalist. Wir sagen das ausdrücklich dazu, denn es ist nicht unbedingt offensichtlich.

Bastian Ludwig scheint sein journalistisches Dasein damit zu bestreiten, sich an Institutionen anzubiedern, Institutionen wie die Uni Marburg. Das Institutionenanbiedern ist nicht unbedingt ein seltenes Phänomen unter Journalisten. Folglich hat er, also Bastian Ludwig, am 29. März einen Beitrag mit der Überschrift veröffentlicht: “Nach Kritik: Uni Marburg lädt Kasseler Forscher aus”. Wie mittlerweile bekannt ist, entspricht dies nicht der Wahrheit.

Nun hat Hadmut Danisch Bastian Ludwig angeschrieben und ihn gefragt, wie er dazu kommt, Lügen in die HNA zu schreiben. Antwort von Ludwig: “unsere Berichterstattung [also sein Beitrag] basiert auf seriösen Quellen. Der Organisator der Vortragsreihe, Prof. Rensing von der Uni Marburg hatte selbst mitgeteilt, dass er Prof. Kutschera wieder ausgeladen hat”.

Auf der Seite der Universität Marburg steht indes nichts davon, dass Prof. Rensing seinen guten und geschätzten Kollegen Kutschera wieder ausgeladen hat. Vielmehr gibt es dort die “Information der PräsidentIN”, die oben zu sehen ist. Rensing hat gar nichts erklärt, ist nur als Kontakt genannt. Also hat Hadmut Danisch nachgefragt bei Bastian Ludwig, wie der Journalist der HNA an die Information gelangt ist, dass Rensing Kutschera ausgeladen habe.

Die Antwort des Journalisten an Prof. Rensing, den Hadmut Danisch ebenfalls angeschrieben hat, weil Journalisten ist ja bekanntlich nicht zu trauen: “ich habe gegenüber Herrn Danisch nie behauptet, dass wir Kontakt hatten. Ich habe Sie lediglich als Quelle angegeben, da unter Ihrem Text [hier ist wohl Name gemeint] auf der Internetseite der Uni Marburg Stellung zu dem Vorgang genommen wird”.

Die Stellungnahme unter dem Namen von Prof. Rensing, die Bastian Ludwig gelesen haben will, ist nichts anderes als die Information der PräsidentIN, die man nun wirklich nicht als Stellungnahme von Prof. Rensing ansehen kann – und schon gar nicht als seriöse Quelle (siehe abermals den Screenshot oben). Kurz: Bastian Ludwig hat sich etwas zusammengereimt, so wie es ihm gefällt. Was genau er sich zusammengereimt hat, wir geben es an dieser Stelle im Original wieder:

HNA Kutschera

“Es könne”, so zitiert der vermeintliche Journalist der HNA, “nicht akzeptiert werden, so das Präsidium weiter, wenn wissenschaftlichen Disziplinen wie etwa den Gender Studies, generell die Kompetenz und Legitimität abgesprochen werde. Diffamierungen schadeten der Wissenschaft”. Dies schreibt der angebliche Journalist, nachdem er den Lesern der HNA bereits mitgeteilt hat, dass jener “Kasseler Forscher” Kutschera eine “polarisierende Position” einnehme und vor allem seine “Wortwahl … als beleidigend und damit indiskutabel” gelte.

Wie wichtig es doch zu sein scheint, Gender Studies als Wissenschaft durchgehen zu lassen. Warum die Genderisten so einen großen Wert darauf legen, Teil dieser Welt der weißen Männer zu sein, die sie doch so verabscheuen, wir wissen es nicht und niemand erklärt es uns. In der wissenschaftlichen Welt gibt es jedoch Spielregeln, an die sich, wer dazu gehören will, halten muss: Methoden, Vorgehensweisen, Arten des Umgangs. Zum Beispiel ist es in der Wissenschaft vollkommen egal, in welcher Weise Kritik geübt wird, so lange die Kritik prüfbar ist, könnte sie auch als Beleidigung formuliert werden. Das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wären Genderista Wissenschaftler, sie wüssten das. Übrigens hat Ulrich Kutschera keine Beleidigungen formuliert. Vielmehr hat er auf Widersprüche hingewiesen, kritisiert und Fragen gestellt, das getan, was ein Wissenschaftler nun einmal so tut. Wenn Genderista das beleidigend finden, wäre es vielleicht an der Zeit, sie würden eine Therapie beginnen.

Herr Ludwig hat keine Probleme damit, sich auf eine Seite zu schlagen. Ob er sich freiwillig zum Sprachrohr der Genderista macht, sich freiwillig andient oder ob ihm dafür Brownie-Points in welcher Form auch immer gutgeschrieben werden? Wer weiß. Fest steht indes, dass der Journalist Ludwig kein Journalist ist, sondern einer, der zu anderen Zeiten bei Blättern beschäftigt gewesen wäre, die auch kein Problem damit hatten, einfach das zu übernehmen, was andere über Dritte behaupten und diese Dritte dadurch abzukanzeln und zu diffamieren, als Forscher, die mit ihrer Wortwahl beleidigen und indiskutabel sind, Paria der Wissenschaft, Ausgestoßene … Das gab es alles schon einmal, damals unter dem Signum “undeutsch”.

Rob Evans

Tackle by Rob Evans

Der vermeintliche Journalist, er kommt nicht einmal auf die Idee, auch die andere Seite, den “Forscher Kutschera”, zu Wort kommen zu lassen, die Behauptung, das, was Kutschera sage sei “beleidigend und indiskutabel” in Frage zu stellen. Warum sollte er auch? Wenn man sich anbiedert wie Ludwig, dann kommt man nicht auf derartige Ideen, die Fairness, Überlegenheit und rudimentäre journalistische Fähigkeiten verlangen, die mit dem Beruf eines Journalisten eigentlich verbunden sind.

Und wir, wir können uns einfach nur wundern, was heute alles Journalist sein darf und uns unseren Assoziationen hingeben … nein, nicht denjenigen, an die Sie denken, wir denken an die Scarlets, die gerade gegen die Cardiff Blues spielen und stellen uns vor, Rob Evans tackled Bastian Ludwig …

 

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3 Responses to Journalismus zum Heulen

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Journalismus zum Heulen

  2. Pingback: HNA stolpert über Lüge der Uni Marburg Leitung im Fall “Prof. Ulrich Kutschera” | LW-Freiheit

  3. Klaus says:

    Hab’ gestern Nacht mal wieder bei Lichtenberg (1742-1799) gelesen:
    “Ich glaube nicht, dass ein vernünftiger Mann in Deutschland ist, der sich um das Urteil einer Zeitung bekümmert…” (nur eins von vielen ähnlichen Zitaten)

    Dann natürlich der große K.K., der auch schon vor über 100 Jahren das feststellte und nachwies, was auch heute noch (und nicht etwa “schon wieder”) gilt: sie wissen nix, sie können nix… … = “Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s gedruckt sehn.” (“Die Fackel”, Nr. 406, 1915)

    “Jeder Idiot darf Journalist werden, das garantiert das Grundgesetz, und viele werden es auch tatsächlich, das kann man Tag für Tag in den “etablierten” Medien nachlesen, angucken, anhören. Und, richtig: Im besten Fall wird Fehlverhalten sanktioniert. Im Regelfall bleiben Lügen, Fehler, Verdrehungen, Versäumnisse und Manipulationen – selbstverständlich – unkorrigiert und ungesühnt.” (Niggemeier, – ausgerechnet in der taz ! – 22.12.2007)

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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