Gerechtigkeit oder Selbstgerechtigkeit: Keine Gnade für Auschwitz-Wachmann

“Sie waren knapp zweieinhalb Jahre in Auschwitz und haben damit den Massenmord befördert”, sagte Richterin Anke Grudda zu Beginn der Urteilsbegründung. Hanning sei bewusst gewesen, “dass in Auschwitz tagtäglich unschuldige Menschen in Gaskammern ermordet wurden”.

KZ Auschwitz, EinfahrtWäre Anke Grudda Wächter im Frauenlager von Ausschwitz-Birkenau gewesen, sie hätte natürlich einen Aufstand unter den Wachfrauen organisiert und versucht, die unschuldigen Menchen aus den Gaskammern zu retten, auch wenn sie dafür standrechtlich erschossen worden wäre! Dazu ist sie jedoch nicht alt genug. Entsprechend muss sie sich damit begnügen, 71 Jahre und etliche Monate später für ihre Gerechtigkeit zu sorgen und den 94-Jährigen Reinhold Hanning wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 (nicht etwa 169.524) tateinheitlich zusammentreffenden Fällen zu einer Haftstrafe von 5 Jahren zu verurteilen. Zum 100. Geburtstag ist Hanning also wieder auf freiem Fuß. Das ist Gerechtigkeit! Und dafür ist es nie zu spät:

 

Strafen, es mag den ein oder anderen überraschen, sind kein Selbstzweck. Vielmehr ist mit Strafen ein Zweck verbunden. Kriminologen sprechen in diesem Zusammenhang von der General- und der Spezialprävention.

Die Spezialprävention dient dem Zweck oder soll dem Zweck dienen, einen Straftäter von weiteren Straftaten abzuschrecken. Im Falle von Reinhold Hanning kann Spezialprävention als Zweck der Verurteilung ausgeschlossen werden, denn dass der 94-Jährige in absehbarer Zukunft abermals Wachmann in einem Konzentrationslager sein wird, ist ausgeschlossen. Dazu ist er zu alt (für jüngere Richterinnen ist dies anders).

Der Zweck von Generalprävention besteht darin, Personen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Straftat zu verüben, die Folgen der entsprechenden Straftat aufzuzeigen. Auch hierzu scheint das Urteil der Strafkammer am Landgericht Detmold nichts beizutragen, denn die Anzahl derer, die Wächter in einem Konzentrationslager sein wollen, ist schon deshalb gering, weil Deutschland derzeit keine unterhält.

Wenn die Prävention von Straftaten ausscheidet, bleibt als Zweck einer Verurteilung nur noch die reine Strafe, das reine Bestrafen-Wollen übrig. Nun nehmen pönale Systeme und die Jurisdiktion für sich regelmäßig in Anspruch, moralisch einem Straftäter überlegen zu sein. So soll z.B. eine lebenslange Inhaftierung für Mord, die nach 25 Jahren in der Regel mit der Entlassung des als Mörder Verurteilten endet, gerade zeigen, dass das Strafsystem moralisch über dem Täter angesiedelt ist. Letzterer hat ein Leben unabänderlich beendet, Ersteres hat ihm dennoch einen neuen Anlauf in ein straffreies Leben nach einer entsprechenden Wartezeit gewährt. Christian Klar kommt gerade in den Genuss dieser milden Seite des Strafrechts, die auf der Idee basiert, dass Menschen zu Reue und zum Lernen fähig sind.

Seltsamerweise wird das deutsche Strafsystem zum rachsüchtigen System, wenn es um Straftaten geht, die im Zusammenhang mit dem Dritten Reich begangen wurden. Dabei ist die Rachsucht so ausgeprägt, dass selbst diejenigen, die wie Reinhold Hanning Reue zeigen und die man als Mitläufer und nicht als Verantwortliche bezeichnen kann, mit aller Härte des Gesetzes verfolgt werden, ganz so, als gäbe es eine besondere Befriedigung daraus zu ziehen, dass ein 94-Jähriger nunmehr für 5 Jahre inhaftiert wird.

Auschwitz_aerial_view_RAF

Auschwitz-Birkenau aus der Luft

Für Heiko Mass, der sich am Justizministerium versucht, ist dieses Urteil späte Gerechtigkeit, was die Frage aufwirft: Gerechtigkeit wem oder was gegenüber? Gerechtigkeit basiert auf der Vorstellung einer Schieflage. Jemand hat mehr geleistet als jemand anderes, erhält aber weniger Lohn als der andere. Das ist ein Beispiel für Ungerechtigkeit. Jemand arbeitet 50 Jahre und zahlt in die Rentenkasse, eine andere setzt vier Kinder in die Welt und arbeitet 10 Jahre, erhält aber eine höhere Rente. Das ist ein Verstoß gegen das Prinzip der Gerechtigkeit. Wo aber liegt der Verstoß gegen Gerechtigkeitsvorstellungen, der es gerecht machen könnte, einen 94 Jährigen wegen Beihilfe zum Mord nach 71 Jahren zu einer Haftstrafe von 5 Jahren zu verurteilen? Wem gegenüber ist dieses Urteil gerecht? Gegenüber den 170.000 Opfern, für deren Tod Wachmann Hanning mindestens mitverantwortlich ist oder sein soll?

Wohl kaum.

Die Gerechtigkeit, die Heiko Maas hier sieht, sie müsste ein diffuses Etwas sein, das man dadurch herstellt, dass man auch 71 Jahre nach dem Ende von Ausschwitz noch uralte Männer, die bereits mit einem Fuß im Grab stehen, verfolgt. Es müsste eine Gerechtigkeit sein, die Strafe an sich als Gerechtigkeit ansieht, ohne Sinn und Zweck. Das ist aber keine Gerechtigkeit.

Also ist das, was Heiko Maas für Gerechtigkeit hält, keine Gerechtigkeit. Es ist simple Vergeltung und somit etwas, das gerade durch die Einführung eines pönalen Systems überwunden werden sollte. Überhaupt passt das Motiv der Vergeltung, das sehr schnell zum Motiv der Rache wird, nicht zum Anspruch moralischer Überlegenheit, der mit einem pönalen System geltend gemacht wird. Vielmehr stellen sich Richter und Justizminister, die darauf bestehen, auch noch im Jahre 71+ Vergeltung zu üben, auf eine Stufe mit denen, gegen die sie Vergeltung üben wollen.

Bleibt noch zu klären, warum sie das wollen. Richterin Grudda wird wohl geltend machen, sie sei an geltendes Recht gebunden (so wie Hanning an geltendes Recht gebunden war). Was aber macht Heiko Mass geltend? Vermutlich kann er nicht mehr für sich ins Feld führen als eine tiefe Befriedigung darüber, dass ein 94 Jähriger, der vor mehr als 71 Jahren Wachmann in Auschwitz war, ins Gefängnis geschickt wird, um dort zu sterben.

Das jedoch ist ein niedriges Motiv, denn Hanning hat Maas nichts getan. Maas kann auch keine legitime Befriedigung daraus ziehen, dass eine Straftat, die begangen wurde, als er noch nicht einmal geboren war, gesühnt ist. Er kann über die Strafe also solche befriedigt sein, weil ihm das Strafen als solches, dann, wenn es sich gegen Personen richtet, die er aus ideologischen oder aus anderen Gründen nicht mag, gefällt. Die Freuden des kleines Mannes, sie haben aber nichts mit Gerechtigkeit zu tun.


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75 Responses to Gerechtigkeit oder Selbstgerechtigkeit: Keine Gnade für Auschwitz-Wachmann

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  4. Klaus says:

    Wie, nur 170 000 Tote in 2,5 Jahren? Wo doch immer von Millionen die Rede ist…… .Grenzt das nicht schon an Holocaustleugnung?
    Und Hanswurst Maas hätte sich sicherlich mit seiner Einstellung auch in maßgeschneiderter SS-Uniform wohl gefühlt.

  5. rote_pille says:

    Der Mann hätte keinen Aufstand organisieren müssen, wenn er sich um sein Leben fürchtet, aber Sie können nicht annehmen, dass es keinen Weg gegeben hätte sich wenigstens unter irgendeinem Vorwand versetzen zu lassen und nicht zu kooperieren. Ich sehe seine Mitarbeit dort als Beweis dafür, dass er Teil dieses Systems war, weswegen eigentlich nur die Todesstrafe für ihn angemessen wäre – egal wie lange es her ist.

    • Sicher hätte es die Möglichkeit gegeben und wo wir schon in Polen sind, da ist die Ostfront nicht weit. Es ist immer leicht, von heute aus zu trompeten, dass man an der Stelle “des Mannes” damals natürlich Mittel und Wege gefunden hätte, dem Lager zu entgehen. Und für einen klasssischen Liberalen, der Sie doch sind, finde ich es erstaunlich, mit welcher Sicherheit sie Todesstrafen austeilen. Liberalität hat viel mit Empathie zu tun, “if I stood in your shoes”. Das scheint mir in Deutschland selbst unter denen, die sich liberal nennen, weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein.

      • rote_pille says:

        Man kann doch nicht einfach weiter seine Uniform anziehen und Teil der Truppe sein, unter deren Leitung Millionen Menschen umgebracht werden. Es gibt immer eine Wahl.
        Was die Todesstrafe angeht: das Argument, dass ich zur Rechtfertigung der Todesstrafe verwende und weswegen ich sie nicht für einen Verstoß gegen das Nicht-Aggressions-Prinzip halte: wenn man Mord begeht oder sich an Massenmord beteiligt, dann kann man sich später nicht beschweren, wenn man zur Strafe selbst umgebracht wird. Man hat durch seine Handlungen implizit seine Zustimmung dazu erteilt – der Einzige der Gewalt gegen jemanden rechtfertigen, kann ist derjenige selbst.

        • Heike Diefenbach says:

          Ihr Argument für die Todesstrafe wäre – einmal unter Ausblendung aller Aspekte die die Menschlichkeit betreffen (die mir persönlich aber die wichtigsten sind) – vielleicht nachvollziehbar, sozusagen als Generalabschreckung, wenn Sie sie ab einem bestimmten Stichtag einführen wollten und ganz klare Kriterien benennen würden (was unter “Mord” fallen soll und was nicht etc.), so dass jeder weiß, was in Zukunft Sache ist.

          Aber ex post facto zu sagen: du hast gedacht, es wäre ein Job beim Staat, aber es war Mord, und das hätte Dir auch klar sein müssen, ist nicht fair, selbst dann nicht, wenn Sie oder ich finden sollten, dass es der Person tatsächlich hätte klar sein sollen oder sogar müssen.

          In jedem Fall müsste man aufgrund Ihres einfach “das war Mord”-Kriteriums ex post facto allen Soldaten die Todesstrafe verkünden, und – gemäß meiner Definition von Mord – auch allen Metzger.

          Vielleicht fänden Sie Letzteres verfehlt, würden sagen: na, das sind Tiere, Mord ist aber auf Menschen beschränkt. Dann würde ich widersprechen und sagen, dass es hier darum gehen muss, dass anderen Lebewesen absichtlich und planvoll ihr Leben genommen wird, ohne dass sie damit einverstanden sind. Dann haben wir den Salat, und genau das ist der Punkt:

          Wenn man absolute Aussagen macht oder Prinzipien einführt, dann klärt man die Dinge nicht, sondern verlagert die Diskussion lediglich auf definitorische Fragen. Und heraus kommt letztlich dasselbe, was dabei herauskommt, wenn man gleich darüber diskutiert, unter welchen Bedingungen welche Morde – oder BEIHILFE zu welchen Morden, und um DIE geht es im Fall, den wir diskutieren, ja – “verzeihlicher” sind als andere unter anderen Bedingungen.

          Deshalb ist es – entgegen des ersten Eindrucks, den man angesichts der wunderbaren Klarheit einer absoluten Aussagen haben könnte – nicht hilfreich, absolute Aussagen zu machen in dem Glauben, man vermeide damit, sich sozusagen in den Sumpf der komplexen Realität begeben zu müssen.

          Das war ein pragmatisches Argument, das in dieselbe Richtung weist wie die guten moralischen Argumente, die man machen kann.

          • corvusalbusberlin says:

            Wer schuldlos ist, der werfe den ersten Stein.
            Er dürfte nie geworfen werden.

            Die meisten von uns haben Dinge getan, wenn auch nicht gemordet oder den Befehl dazu gegeben, aber für die wir uns schämen müssten.
            Da genau da kommt die Empathie ins Spiel. Sind sich die meisten überhaupt im Klaren, was sie manchen Menschen – wenn auch oft – nicht bewusst antun?

            • Heike Diefenbach says:

              “Wer schuldlos ist, der werfe den ersten Stein.
              Er dürfte nie geworfen werden.”

              Sie haben vollkommen Recht, und zu dieser Einsicht sollte es eigentlich bei jedem Menschen genügen.

              Aber es scheint, dass wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass es Menschen gibt, die keinerlei Probleme damit haben, den nächstbesten Stein aufzunehmen und zu werfen.

              Würde das aus Affekt passieren, wäre es vielleicht noch erträglich, aber dazu bereit zu sein, weil man denkt, das sei auch vollkommen richtig so und man stünde auf der Seite der Guten und Gerechten, diese Vorstellung reicht aus, um mir den Samstagabend zu vermiesen.

              Besser, ich höre jetzt auf, hierzu zu kommentieren, und widme mich etwas erfreulicherem!

              • corvusalbusberlin says:

                Vielleicht sollten viele Menschen mehr unsere guten alten Dichter lesen als immer die neueste Literatur.
                Zu diesem Thema, dass hier ja so hohe Wellen schlägt, empfehle ich Hermann Hesse,
                der zu dieser Zeit gelebt hat.
                Vor allem der Brief ” An eine jungen Mann in Deutschland” aus “Briefe” hat mich tief bewegt.
                Es würde mich interessieren, sehr geehrte Frau Diefenbach, ob Sie die “Briefe” und insbesondere diesen, kennen.

                • rote_pille says:

                  Natürlich, alles ist relativ, ob man jetzt mal einen Kaugummi geklaut, eine Autotür zerkratzt und abgehauen ist oder sich an Genozid beteiligt hat, wo ist der Unterschied, wir sind doch alle die gleichen Verbrecher. Schuld gibt es nicht, wir können nichts wissen, nie ein Urteil fällen, und letztendlich sollten wir noch andere 170000 Köpfe hinhalten, denn es ist so leicht und edel im Namen von anderen zu vergeben.

        • Marcus Junge says:

          Sie geben hier ein typisches Beispiel der Arroganz und Ignoranz der Spätgeborenen. Aus einem völlig anderem System kommend, mit 70 Jahren Gehirnwäsche, ohne jedes Verständnis für die damalige Zeit. Also 100% BRD.

          Wenn sie also so viel besser sind, warum brechen [dann] lauter Staatsdiener alle möglichen Gesetze (GG, EU-Verträge, Asylrecht), obwohl ihnen das ausdrücklich verboten ist? Wir wissen doch um “damals”, haben Internet, “freie” Presse, sind sooooo aufgeklärte “Weltbürger”, leben in einer “Demokratie”, mit “unabhängiger” Justiz und haben die Definition für Völkermord mit allen Löffeln der Weisheit gefressen – oder nicht?

          • rote_pille says:

            Bin ich ein Staatsdiener? Machen Sie mich etwa für fremde Fehler verantwortlich? Überhaupt was haben staatliche Gesetze mit moralischen Verbrechen wie Mord zu tun?

          • like_fire says:

            nicht zu vergessen, das die BRD an völkerrechtswidrigen Angriffskriegen (Jugoslawien) teilgenommen hat….

            wo war der Widerstand der System_linge da?

    • Heike Diefenbach says:

      … und Sie haben gar keine Angst, sich zu irren, irgendetwas nicht zu wissen, nicht beurteilen zu können?

      Sogar die Todesstrafe für jemand anderen zu fordern?

      Und das, obwohl Sie gar nicht wissen, ob der Mann nicht versucht hat, sich zu entziehen, oder ob das überhaupt möglich war, oder ob allein der Versuch einen höchst suspekt gemacht hätte/hat?

      Und obwohl Sie sicherlich wissen, dass es Mengen von Leuten gegeben hat, die von einem menschlichen oder moralischen Standpunkt aus betrachtet mindestens ebenso schuldig an dem Leid sind, das in Nazi-Deutschland systematisch produziert wurde, die aber niemals irgendwie belangt wurden, obwohl es für die meisten von ihnen irgendeinen Ausweg (und überhaupt: Selbstmord steht einem immer frei) gegeben hätte?

      Und obwohl Sie wissen, dass die Leute, die heute verurteilen, dieselben sind, die GENAU DIESELBE Rechtfertigung für ihr Tun vorbringen wie diejenigen, die damals so verurteilenswert gehandelt haben, nämlich die Rechtfertigung durch die bestehende Gesetzeslage?

      Und Sie sind ganz sicher, dass Sie unter vergleichbaren Umständen einen Weg gefunden hätten, sich moralisch mehr oder weniger schuldlos durch’s Leben zu drücken? Auch, wenn dieses Leben in Nazi-Deutschland zu leben gewesen wäre?

      Ich bin zuversichtlich, dass Sie zu einer anderen Einschätzung als zu der im Kommentar geäußerten kommen, wenn Sie das noch einmal ganz in Ruhe überdenken, denn gewöhnlich kommentieren Sie ja durchaus vernünftig (wenn ich das einfach einmal so, naja, sagen wir: selbstherrlich, sagen darf).

      • rote_pille says:

        (E-Mail-Adresse geändert)
        Eine Irrtumswahrscheinlichkeit besteht immer, aber unschuldig im Gefängnis zu verrotten ist doch auch kein wünschenswertes Schicksal. Zur Minimierung der Irrtumswahrscheinlichkeit gibt es Gerichtsverfahren. Ich habe bloß keinen Grund die Einschätzung dieses Gerichtes in Frage zu stellen. Wenn Sie einen haben, dann sollten Sie ihn benennen.
        Dass es Leute gegeben hat, die nicht bestraft wurden, entlastet keinen Täter von seiner Schuld. Wie gesagt bin ich davon überzeugt, dass diese Leute alle eine Wahl hatten. Die Offiziere konnten doch einschätzen, wer für diese Aufgabe geeignet ist und haben sie dafür ausgesucht – und Recht behalten. Das waren keine normalen Wehrpflichtigen, sondern alles SS-Leute, der harte Kern sozusagen. Keiner wurde gezwungen denen beizutreten.
        Ich wäre 1000-prozentig sicher nicht in diese Lage gekommen, schon weil ich jegliche politische Betätigung oder staatliche Funktion kategorisch ablehne. Auch im heutigen System. Die könnten mich zwingen, eine Funktion zu übernehmen, aber nicht, sie auch zufriedenstellend auszuführen.
        Ich argumentiere vollkommen unabhängig von der Rechtslage und frage mich nur: hat sich dieser Herr der Aggression schuldig gemacht, und wenn ja, wie sehr? Und meine Einschätzung in diesem Fall ist: so sehr, dass es keine Strafe gibt gegen die er noch protestieren könnte.

        • Heike Diefenbach says:

          “Eine Irrtumswahrscheinlichkeit besteht immer, aber unschuldig im Gefängnis zu verrotten ist doch auch kein wünschenswertes Schicksal. “

          Y

          Ich finde diesen Kommentar zynisch. Wie Sie mit Ihrem Leben umgehen und ob sie es an und für sich wertlos finden, ist eine Frage, wie es um das Leben anderer Leute, vor allem in deren eigener Wahrnehmung, bestellt ist, eine andere und sicherlich keine, über die zu entscheiden Ihnen zusteht.

          “Zur Minimierung der Irrtumswahrscheinlichkeit gibt es Gerichtsverfahren. Ich habe bloß keinen Grund die Einschätzung dieses Gerichtes in Frage zu stellen. Wenn Sie einen haben, dann sollten Sie ihn benennen.”

          Anscheinend haben Sie weder den Artikel noch meinen Kommentar verstanden: Der Grund, die “Einschätzung” des Gerichtes in Frage zu stellen, ist, dass das Gericht GENAU DIESELBE Rechtfertigung für sein Tun/seine Entscheidung vorbringt wie diejenige, die Nazimitläufer vorbringen können und vorgebracht haben. Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, warum dieses Gericht diese Rechtfertigung für sich selbst in Anspruch nehmen können sollte, sie anderen aber vorenthalten wird.

          “Dass es Leute gegeben hat, die nicht bestraft wurden, entlastet keinen Täter von seiner Schuld.”

          Nein, aber wenn Leute jemanden strafen, wohl wissend, dass er weder der einzige noch der Schlimmste ist, dann zeigt das deutlich, dass es den Strafenden um nichts anderes geht als darum, ein Exempel zu statuieren. Das ist – wie wir schon im Text festgestellt haben – ein sehr niedriges Motiv, das ein pönales System, das als vernünftig gelten will, nicht anleiten kann.

          ” Wie gesagt bin ich davon überzeugt, dass diese Leute alle eine Wahl hatten.”

          Wie gesagt, ich nicht.

          “Offiziere konnten doch einschätzen, wer für diese Aufgabe geeignet ist und haben sie dafür ausgesucht – und Recht behalten. Das waren keine normalen Wehrpflichtigen, sondern alles SS-Leute, der harte Kern sozusagen…”

          Wir wissen nur, dass der Verurteilte Wachmann gewesen ist. Mag sein, dass er in der SS war. Wenn Sie meinen, dass niemand gezwungen wurde, denen beizutreten, dann mag das formal stimmen, aber leider funktioniert das richtige Leben und Zusammenleben von Menschen nicht so formal, wie Sie eigentlich wissen sollten, wenn Sie älter als 14 Jahre sind. Es gibt alle möglichen Zwänge, auch solche psychologischer Art, subtile Zwänge, unausgesprochene Drohungen, implizit bleibende Erpressung etc. etc. Es gibt die bewusste Herstellung von moralischen Dilemmata der Art: okay, wenn Du nicht mitmachen willst, dann müssen wir uns natürlich schon fragen, ob Dein Cousin, der bei uns Mitglied ist, nur ein Spitzel ist … usw. usw. Der menschlichen Gemeinheit scheinen kaum Grenzen gesetzt zu sein. Wissen Sie das wirklich nicht?

          “Ich wäre 1000-prozentig sicher nicht in diese Lage gekommen, schon weil ich jegliche politische Betätigung oder staatliche Funktion kategorisch ablehne.”

          Ich kann nur für Sie hoffen, das das Leben Ihnen ersparen wird, etwas über sich selbst und Ihre Mitmenschen lernen zu müssen, und Sie wirklich niemals in eine vergleichbare Lage kommen. Aber Sie glauben nicht im Ernst, dass das Sich-Heraushalten aus politischer Betätigung in Nazi-Deutschland ein Garant dafür war, nicht in vergleichbare Lagen zu kommen, oder!? Im Gegenteil: Ein Sich-Heraushalten war an bestimmten Orten, in bestimmten Kontexten geradezu ein Hinweis darauf, dass jemand suspekt ist. Ruckzuck findet sich noch jemand, der diese Person auch nicht mag (die wird immer von ihrer Nachbarin besucht; ich glaube, die ist Lesbe … und so …), und ebenso flink sind sie zur Vernehmung vorgeladen oder landen gleich im KZ. Wie auch immer: ich nehme Sie beim Wort: Sie sind das unkorrumpierbare, übermenschliche Wesen, das eher den Freitod wählt als sich in einer Lage wiederzufinden, die keine sauberen moralischen Verfahrensweisen erlaubt. Vielleicht sind Sie dann auch nur das feige Wesen, das es nicht ertragen würde, in einer solchen Situation agieren zu müssen; das kann man so oder so sehen.

          “Die könnten mich zwingen, eine Funktion zu übernehmen, aber nicht, sie auch zufriedenstellend auszuführen.”

          Das möchte ich sehen: Sie in Beugungshaft, für eine Woche, einen Monat, ein Vierteiljahr; Sie vor Gericht; Sie im Gefängnis. Nun ja, Sie haben Glück. Sie würden (bis auf Weiteres) bloß im Gefängnis landen und müssten keinen Arbeitsdienst an einem gottverlassenen Ort ohne Mindeststandards in Hygiene leisten oder würden nicht gleich standrechtlich erschossen.

          ” der Aggression schuldig gemacht,”

          – also, das verschlägt mir die Sprache! Wenn “Aggression” ein Vergehen wäre, dann müsste man alle Menschen zwangseinschläfern, weil sie alle mehr oder weniger aggressiv sind und Aggressionen zeigen. Das meinen Sie nicht. Sie meinen: Mord oder Beihilfe zum Mord. Würden Sie wirklich “Aggression” meinen, dann würde ich kein weiteres Wort kommentieren, denn dann wäre ich endgültig überzeugt, dass Sie der Realität unwiederbringlich verlustig gegangen sind.

          “und wenn ja, wie sehr? Und meine Einschätzung in diesem Fall ist: so sehr, dass es keine Strafe gibt gegen die er noch protestieren könnte.”

          Ich weiß nicht, ob ER protestiert. WIR protestieren jedenfalls aus den im Text und in den Kommentaren genannten Gründen. Und mit uns protestieren Leser und Kommentatoren aus teilweise denselben, teilweise anderen Gründen.

          Ansonsten kann ich dazu nur sagen, dass ich aufrichtig froh und dankbar bin, wenn Sie nicht in eine Position kommen, in der relevante Entscheidungen zu treffen sind, denn meine Einschätzung ist in diesem Fall, dass es Ihnen zumindest in einigen wichtigen Zusammenhängen gehörig an Urteilsvermögen mangelt und dass wir als Menschen alles, aber auch alles, eher gebrauchen können als einen selbstgerechten, zornigen und strafenden Gott, der ganz genau weiß, was für wen wann falsch oder richtig ist und was wie mit eiserner Faust zu ahnden ist.

          Vielleicht sind Sie im Leben ja auch irgendwann einmal auf Hilfe und Mitleid angewiesen, die Sie nicht verdient haben. Und dann ist es gut, dass Sie die auch gar nicht wollen, sondern den Freitod wählen. Dann kann man sich auch nicht durch unterlassene Hilfeleistung an Ihnen schuldig machen.

        • Mit dieser schon abstoßenden “moralischen Überlegenheit” könnte man ja schon mal Listen anfertigen, von allen Angehörigen des Militärs der “BRD” die den gesamten nahen Osten mit Krieg, im Interesse einer fremden Macht, überziehen. Da haben wir in 50-70 Jahren jede Menge Täter. Echt mal darüber nachdenken. Der Tellerrand kann da kein Bezugspunkt sein.

        • St. Elmo says:

          @ Rote Pille,

          Der Mann wurde wegen Beihilfe verurteilt, weil er Wachmann war.
          Er hat das KZ “nur” Bewacht, an den Morden war er nicht aktiv beteiligt, weder hat er die Morde durchgeführt noch hat er diese Taten direkt unterstütz.
          Glauben sie ernsthaft das diese 170.000 Menschen nicht ermordet worden wären, wenn Herr Hanning dort nicht als Wachmann gearbeitet hätte?

          Was hier passiert ist das Gerichte eine “Lex Auschwitz”, bei der der Tatbestand der Beihilfe so weit aufgeweicht wird, das jetzt Leute die nur Anwesend waren Mitschuld sind.
          Nun haben wir aber in Deutschland den Grundsatz das Gesetze allgemein gültig seien müssen.
          D.h. wenn die “Lex Auschwitz” vom BGH und BVerfG durchgewunken wird, könnten sie in Zukunft auch den Busfahrer wegen Beihilfe bestrafen, weil die Brandstifter vom Flüchtlingsheim in seinem Bus zum Tatort mitgefahren sind.

    • Habnix says:

      Wie entziehen Sie sich dem System heute ?

      Vorsicht! Sie bekommen kein Geld als Nettolohn in bar wie früher, sondern nur indirekt auf ihr Konto.Das Konto selbst wird vom Finazamt seit 2005 Stichprobenweise überwacht.das ist so als wenn Sie ihr Portmonnaie einem Dritten den sie nicht kennen gegeben haben, der jederzeit rein sieht ob noch was zu holen ist. Das Faschistiche Sytem kann jederzeit komplett scharf gestellt werden.

      Also wie entziehen Sie sich dem System heute?

      • rote_pille says:

        Sie vermischen hier Täter und Opfer. Die Steuerzahler sind Opfer des heutigen Systems, und als Opfer sind sie nicht verpflichtet sich dem System zu entziehen, denn die Aggression geht nicht von ihnen aus. Die Täter sind die Finanzbeamten, die können dem System ihre Unterstützung entziehen indem sie sich einen anderen Job suchen oder zumindest absichtlich ineffizient arbeiten.

        • Habnix says:

          Das intressiert doch kein System und keinen Lohnabhängigen Finanzbeamten.Was ist das denn für eine Ausrede.Was ist denn jetzt wenn der 94 jährige Mann sagt, ich kann beweisen das ich damals Lohnabhängig war und ich keine Wahl hatte?

          Die Steuerzahler sind meist Opfer des Systems.Dadurch kann man zugleich Täter und Opfer sein.

          Das heutige System ist sogar schlimmer als das von den Nazis.Wehe, wenn es richtig scharf gestellt wird.

          • rote_pille says:

            Aha, also wenn Ihr Chef zu Ihnen kommt und Ihnen sagt, Sie sollen jemanden umbringen, machen Sie das und sagen später vor Gericht “ich war lohnabhängig und hatte keine Wahl” oder wie? Weil die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle für Sie den gleichen Stellenwert hat wie eine ernstzunehmende Androhung von Folter oder Tod?
            Im heutigen System müssen Sie sich nicht mal wirklich um irgendeinen Job bemühen, Sie können auch hartzen. Zu behaupten, das wäre schlimmer als das System der Nazis, wo Leute unter Todesdrohungen an die Front geschickt wurden, ist der reine Wahnsinn.

            • Heike Diefenbach says:

              ” Zu behaupten, das wäre schlimmer als das System der Nazis, wo Leute unter Todesdrohungen an die Front geschickt wurden, ist der reine Wahnsinn.”

              Wenn Sie Recht haben, dann haben Sie Recht! Und das bedeutet:

              Sie können also durchaus die besondere Härte der Situation würdigen, in der der Verurteilte war.

              Warum sind Sie dann an anderer Stelle so vehement dagegen, diese besondere Härte zuzugestehen???

          • corvusalbusberlin says:

            “Wehe, wenn es richtig scharf gestellt wird.”
            Scharf gestellt ist es bereits. Der Finger liegt bereits am Abzug.

          • Habnix says:

            ” Aha, also wenn Ihr Chef zu Ihnen kommt und Ihnen sagt, Sie sollen jemanden umbringen, machen Sie das und sagen später vor Gericht „ich war lohnabhängig und hatte keine Wahl“ oder wie? ”

            Was ist mit den Lkw-Fahrern die aus Lohnabhängigkeit genötigt werden die vorgeschriebene Lenkzeiten zu überschreiten?

            Was ist mit den Lohnabhängigen Arbeiter in der Fabrik, die in der Vergangenheit Chemieabfall irgendwo verbuddelten?

            Was ist mit den Kernkraftwerken die in Lohnabängigkeit errichtet wurden und werden.

            Das waren alles Fahrlässigkeiten vom Lohnabhängigen Arbeitnehmer, doch der Chef hätte es wissen müssen.

            Was ist mit Asbest ? Wie viel Tote gab es durch Asbest?

            Wie viel sind durch Kontagan geschädigt oder haben eventuell keine so hohe Lebenserwartung.

            Trotz Unglück in Fukushima, wird das Kraftwerk wieder hoch gefahren.

            Indirekt wurden sehr wohl vom Arbeitnehmer Mordaufträge ausgeführt.

            “Hiroshima und Nagasaki, ob wohl nicht nötig,weil die Russen die zweite Front gegen Japan aufgemacht haben. Auftrag in Lohnabhängigkeit ausgeführt!”

            Wie entziehen Sie sich dem System heute ?

            Das folgende wäre der erste Schritt.

            Die beste Demo gegen Kernkraft ist,wenn man sich den Strom mit Solar oder/und Wind oder Bachlauf,wenn möglich selbst macht.Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist es, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht.

            Der zweite Schritt wäre nach Artikel 20 des Grundgesetz Absatz [4], Schilder aufzustellen mit der Aufforderung: Bitte bleiben sie zu Hause und verhalten sie sich ruhig, da ein Generalstreik laut Artikel 20 Absatz 4 in Kraft ist. Gehen sie auf weiteres nicht zur Arbeit, ausgenommen sie sind für ein Krankenhaus,Feuerwehr u.s.w. tätig .

            Bei genügend Menschen die den esten Schritt gemacht haben, wäre der zweite Schritt nur eine Form Sache, da ja teilweise oder bei manchen ganz, durch den ersten Schritt die Lohnabhängigkeit bedingt oder ganz wegfällt.

            Nicht die Regierung muss das Volk/Staat regieren, sondern das Volk/Staat die Regierung regieren.

            Wenn die Demokratie führt, brauchen wir keine Führer.

        • corvusalbusberlin says:

          “Die Steuerzahler sind Opfer des heutigen Systems,….” Also der Staat ist schuld.

          Lesen Sie mal Hegel. Nach Hegels Logik kann der Staat sich nicht gegen den Bürger versündigen, aber der Bürger sehr wohl gegen den Staat.

          Und diese Logik scheint sich bis heute nicht geändert zu haben.

          • Habnix says:

            Der Staat sind wir alle. Wir versündigen uns gegen unsere Mitmenschen.

            • corvusalbusberlin says:

              Da sprechen Sie 2 unterschiedliche Dinge an, die nichts miteinander zu tun haben.
              “Der Staat sind wir alle.”
              Ich akzeptiere die Kollektivschuld “alle für einen und einer für alle” nicht.
              Das versucht man uns ja gerade mit einer “Neuauflage” mit dem Holocaust einzureden..
              Dann trügen Sie z. B. Schuld am Holocaust – egal wie alt Sie sind.

              Opfer meiner eigenen Fehler zu sein, ist schlimm genug. Da muss ich mir nicht auch noch die Gräueltaten ehemaligen Täter aufbürden.

              Das können Sie auch in der Bibel nachlesen.

              Aber wir versündigen uns – jeder auf seine Art . gegen unsere Mitmenschen und zwar jeden Tag aufs Neue. Da gebe ich Ihnen recht.

      • corvusalbusberlin says:

        “Also wie entziehen Sie sich dem System heute?”Auf die Antwort von rote_pille bin ich gespannt.
        Er könnte z.B. selbstständig werden und keine Steuern mehr bezahlen und in den Knast wandern und dies immer und immer wieder.
        Und zwar nicht als Steuerbetrüger, von denen wir ja genug haben, sondern als Steuerzahlungs-Verweigerer.

        Aber die Thoreau’s dieser Welt sind am Aussterben.

    • Ralf Pöhling says:

      @rote_pille

      Mein Vater hat damals genau das gemacht.
      Ein lapidarer Kommentar gegenüber einem glühenden Nazi über den Sinn und Zweck seinem 4 Jahre alten Bruder den Hitlergruß zu zeigen, wo dieser doch gar nicht wisse, wer Hitler sei, hat gereicht für den Besuch mehrerer Männer im Ledermantel und der Wahl zwischen “Umerziehung” oder Front.
      Er hat sich dann für die Front entschieden und nur knapp den Krieg überlebt.
      Das System war absolut brutal und hat keinerlei Widerworte geduldet.
      Als Hitler an der Macht war, war es bereits zu spät zu opponieren.
      Einzig der bewaffnete Widerstand hätte irgendetwas bewegen können, aber der öffentliche Druck und das Denunziantentum waren im III. Reich zu ausgeprägt, um irgendetwas mit der nötigen militärischen Schlagkraft organisieren zu können. Wie man am Beispiel Stauffenberg sieht, war selbst der Widerstand direkt aus der Spitze des Militärs erfolglos. Zu sterben ohne irgendetwas gegen das System erreicht zu haben, macht schlicht und ergreifend keinen Sinn.
      Insofern ist es zwingend geboten gegen jede Form der Diktatur zu opponieren, bevor sie die volle Macht entfaltet.
      Das setzt voraus, dass man sich darüber bewusst ist, dass sie bevor steht. Das war damals nur eingeschränkt der Fall. Heutzutage wissen wir mehr und haben zudem weit mehr Zugriff auf ungefilterte Informationen.
      Und gerade deshalb gilt es, der uns nun bevorstehenden Diktatur mit Vehemenz entgegenzutreten.

      • Heike Diefenbach says:

        ” Heutzutage wissen wir mehr und haben zudem weit mehr Zugriff auf ungefilterte Informationen.
        Und gerade deshalb gilt es, der uns nun bevorstehenden Diktatur mit Vehemenz entgegenzutreten.”

        Uneingeschränkte Zustimmung! Man kann es nicht oft genug sagen!!

    • Wer die Todesstrafe fordert sollte bedenken, daß diese niemals zurückgenommen werden kann, wenn sie vollzogen wurde … nicht bei Irrtum und nicht bei 94 jährigen oder gar bei 22 1/2 jährig, falsch Verurteilten, angeblichen Vergewaltigern in der tötungswilligsten Demokratie aller Zeiten, den USA zB.

      Wer die Todesstrafe fordert, sollte endgültiges, absolutes Wissen über eine Tat haben!

      Hast Du rote Pille das hier? … Oder sonstwo?

    • Johannes Friedrich says:

      Vor einigen Monaten habe ich das Dokumentationszentrum Wewelsburg bei Paderborn besucht. Dort gab es zur Ansicht Originalbefehle der SS-Kommandantur an die Wachmanschaften. Es war doch tatsächlich vorgekommen, dass sich einfache Wachleute human gegen die inhaftierten Sklavenarbeiter verhalten hatten. Daraufhin erging der Befehl, dass die Wachsoldaten angewiesen wurden, jegliche Solidarisierung bzw. Mitmenschlichkeit zu unterlassen. Bei Zuwiderhandlung drohte den Soldaten eine standrechtliche Erschießung. Man stelle sich so ein psychischer Druck vor. Ob es wohl in Auschwitz “menschlicher” zuging, auch gegenüber den Wachleuten? Wer von uns kann heute sagen, wie wir reagieren würden? Würden wir das Risiko einer Erschießung auf uns nehmen? Wir haben die Gnade der späten Geburt.

      • Frank Möller says:

        Das Verteidigungsargument des Befehlsnotstandes ist schon lange widerlegt. Kein deutscher Funktionsträger ist bestraft worden, weil er Massenmord verweigert hat. Ja, bei den Erschiessungen der Polizeibataillone wurde sogar vor Durchführung gefargt, wer sich nicht in der Lage fühlt, diese Erschiessungen mitzumachen. – Empfehlenswert: Christopher Brownung, Ganz normale Männer.

    • Dr. Sommer says:

      Sie haben vermutlich noch nie staatliche Repression am eigenen Leib erfahren. Andernfalls würden Sie Begriffe wie “versetzen” im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Barberei vermutlich nicht benutzen.

      Ob dies auch nur im Ansatz möglich war weiß ich nicht und Sie vermutlich auch nicht.

      Das ganze Verfahren ist pure Ungerechtigkeit. Die ist eine Folge der Aufhebung der Verjährung dieser staatlich organisierten Verbrechen. Die Täter (Politiker Beamte und Richter ließ man laufen, während das verblendete und gezwungene Fußvolk bis heute bestraft wird.

      Des weiteren kann sich der Mann gar nicht angemessen verteidigen. Er bewegt sich in einem Umfeld blinder staatlicher Rachsucht (und Verdrängung des eigenen Anteils) auf der einen, der politisch gewollten Aufrechterhaltung von sog. III Reich Straftatbeständen und der Unmöglichkeit von Entlastungsbeweisen durch den sog.”Holocaustparagraphen” (bei dem schon in der Wortschöpfung erkennbar ist woher er kommt und der unnötig wäre wenn …) .

      Das ist die “Gerechtigkeit” welche dieses Spitzenprodukt politischer Negativauslese meint. Seinesgleichen wurden “entnazifizert”, die armen Schweine die sich nicht wehren können bis heute verfolgt. Das ist ähnlich der Verfolgung von DDR Grenzern, währen sich der größte Nazidreck auf “Befehlsnotstand” berufen konnte und damit vor Gericht eine sehr verständige “Muff von 1000 Jahren” Richterschaft vorfand.

  6. Ralf says:

    So viele die sich damals die Hände schmutzig gemacht haben, wurden nie zu Rechenschaft gezogen. Industrielle die die KZ-Häftlinge für sich unter erbärmlichen Umständen arbeiten ließen, wurden nie oder sehr milde bestraft. Etliche konnten nach Kriegsende sich ein gutes Leben in den USA machen, weil sie nützlich für die USA waren. Man denke nur an einen gewissen Raketeningenieur der ‘von nichts gewusst’ haben will das KZ-Häftlinge sich für ihn totarbeiten durften.

    Einen 94 Jährigen nach über 70 Jahren den Prozess zu machen und ihn für 5 Jahre Gefängnis zu verurteilen hat nichts mehr mit Gerechtigkeit zu tun. Seine restliche Lebenserwartung kann man in Monaten prognostizieren und selbst wenn er 100 wird,
    in diesem Alter macht das Leben auch keinen Spass mehr.
    Wahrscheinlich ist er gesundheitlich bedingt eh nicht mehr hafttauglich.

    Wer hier von uns Deutschen hier anfängt zu jubeln wegen Gerechtigkeit, der sollte mal Ahnenforschung betreiben und gucken was seine Großeltern oder Urgroßeltern in diesen Zeiten so getrieben haben. Vielleicht finden sich dann noch welche denen wir den Prozess machen können.

  7. Martin Franz says:

    “Wäre Anke Grudda Wächter im Frauenlager von Ausschwitz-Birkenau gewesen, sie hätte natürlich einen Aufstand unter den Wachfrauen organisiert und versucht”….
    …..und ihre “Rolle” hier/jetzt wäre/ist???!!!….in dieser: http://www.freitag.de/autoren/martin-franz/diktatur-der-angst-und-einschuechterung

  8. W.Jäger says:

    Politiker wie Maas sind die, die gestraft gehören.Heute werden wieder Soldaten zum töten los geschickt.Die Kleinen müssen für die Sauereien ihrer Politiker herhalten.

  9. Kleineeber says:

    wenn man bedenkt das der mann 1945 gerade mal 23 jahre alt war, mus man sich auch die Frage erlauben, wenn er für solche taten verantwortlich gewesen wäre, ist er überhaupt in dem Alter schon im Stande gewesen, zu überblicken was er da tat. r war Wachman und demzufolge dem Wachhabenden unterstellt. Es war schon viele Jahre Krieg und alle waren aufgebracht.. Jeder hat irgendwie jeden gehasst und dann wurde er in en System hunei erzogen, was die nächste Frag aufwirft, wer die wahren Täter an diesen Kindern waren. also war er gerade mal 20 Jahre als er zu seinem Posten kam, da hat man bestimmt nicht die mentale Stärke seinen Vorgesetzten entgegen zu stehen, und berechtigte Angst vor dem Tod, bei Befehlsverweigerung. Es ist immer leicht zu sagen, wenn man selbst nie in so einer Situation war, darüber zu Urteilen.Wenn man mal überlegt wieviele heutzutage für weniger vor Ihrem Chef kuschen nur damit sie ihren Job nict verlieren, und im diesem Fall hätte er mit dem Tod bezahlen müssen. nd wenn wir ehrlih sind hätten 95% von uns, auch nur seine Dienst getanund weg geschaut aus Angst!!!!

  10. Habnix says:

    Wo wir auch immer die Infrastruktur gebrauchen müssen oder glauben sie gebrauchen zu müssen,ob für eine Demo oder den Weg zur Arbeit,sind wir in Ohnmacht der Macht der Politiker und ihrer Drahtzieher ausgeliefert.Die Infrastruktur der Macht, die Heute mittels Handy durch die Überwachung von dem selben, bis ins Private hinein reicht, ist die Macht die alles durchdringt.

    Selbst wenn es den Leuten peinlich ist, die Lohnabhängigkeit bleibt bestehen und wenn ein neuer Adolf Hitler käme, so würden sie ihm rein aus Lohnabhängigkeit folgen.

    Nach dem zweiten Weltkrieg sagten viele, sie hätten nur ihre Pflicht getan, aber in Wirklichkeit hatte die Lohnabhängigkeit ihre Pflicht getan.

    Die kleinen hängt man, die großen lässt man laufen.

    Nicht die Regierung muss das Volk regieren, sondern das Volk die Regierung regieren.

    Wenn die Demokratie führt, brauchen wir keine Führer.

    Warum durften Arbeitgeber sich in die Altersvorsorge durch den Arbeitgeberanteil zur Rente einkaufen.Wenn sich die Arbeitgeber durch einen Arbeitgeberanteil in meine Vorratskammer einkaufen dürften, wäre ich schon längst verhungert.

    Zitat des Tages

    Jeder möchte die Welt verbessern und jeder könnte es auch, wenn er nur bei sich selber anfangen wollte.

    Karl Heinrich Waggerl

    Die beste Demo gegen Kernkraft ist,wenn man sich den Strom mit Solar oder/und Wind oder Bachlauf,wenn möglich selbst macht.Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist es, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht.

    Diese Information ist zu unser aller Schutz gedacht und erhebt keine Anspruch auf Vollständigkeit.

  11. Bernhard says:

    Als sie den Kommunisten abholten,habe ich geschwiegen.Ich war kein Kommunist
    Als sie den Sozi abholten,habe ich geschwiegen.Ich war kein Sozi
    Als sie den Juden abholten habe ich geschwiegen.Ich war kein Jude
    Als sie mich abholten war keiner mehr da,der für mich demonstrieren konnte.
    Ca. drei Wochen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurde in Dachau das
    erste KZ errichtet. Die Insassen waren waren Kommunisten,Sozialisten,Gewerkschafter
    und Leute,die den Mund nicht halten konnten.
    Wenn dann noch jemand der Meinung ist,gegen den Faschismus noch aufstehen zu können,ist entweder geistig minderbemittelt oder Lebensmüde. Und da die meisten Menschen keine potentiellen Selbstmörder sind,ist Anpassung und Duldung der einzige Weg zum überleben.
    Der kommende Faschismus wird nicht wie der des dritten Reiches in Erscheinung treten, denn der kommende Massenmord wird unter dem Begriff “Humanität” praktiziert.
    Dies abzuwehren haben wir keine 20 Jahre mahr Zeit

  12. Ottavan says:

    Ganz hervorragender Artikel! Bleibt nur zu hoffen, dass die sog. “Gerechtigeit” eines Maasmännchens zur entsprechenden Zeit auch ihn selbst ereilen mag. Denn was dieser … sich so leistet – und schon geleistet hat – spottet jeder Beschreibung. Als Beispiel nur die Gleichschaltung von Facebook!

  13. Kai says:

    Dieser Vorgang ist bezeichned für den Zustand dieses Landes wenn man meint nach mehr als 70 Jahren Frieden mit all unseren Nachbarländern um uns herum alte weiße Männer die Teil des Nationalsozialistischen System waren an den Pranger zu zerren um die Deutschen letzendlich zu ermahnen wie böse sie doch alle sind und sich niemals damit anfreunden sollen, geschweige dem gleichzutun. Vielleicht bin ich mit dem Gedanken allein, aber ich denke die Mehrheit in diesem Lande hat weder die Absicht Massenmorde zu begehen, ein neues Reich zu gründen oder einen neuen Krieg auszulösen.

    Und anstatt die ganze Thematik um die Zeit von 1933-1945 zu versachlichen wird das immernoch versucht als monströse Propanz herzutragen und die Leute damit zu belästigen/verunsichern indem dann Kritiker von verschiedenen Themen als “Nazi” bezeichnet, worunter ich mir dann immer wieder Adolf Hitler vorstelle “das pure böse” der mit Mord und Totschlag seine Probleme löst.

    Ich kann darauf nur sagen, ich bin Pragmatiker, Adolf ist Tot und mich mit jemanden zu assoziieren den ich nicht kenne und dessen Ideale ich nicht Teile ist letzendlich der Mangel an Argumenten um sich sachlich auseinander zusetzen

    • corvusalbusberlin says:

      “………., Adolf ist tot….”
      Das war doch Adolf nicht alleine! Adolf war nichts anderes als eine Marionette wie Merkel heute. Die “Zubringer” sind die wahrhaft Schuldigen, die nie gefasst wurden, weil man nie nach ihnen fahndete.

      Und eine große “Volksgeißel samt Zubehör” taucht niemals ohne Grund auf.

      Warum versucht man mit allen Mitteln bis heute die Kollektivschuld zu erhalten?

      Darauf hätte ich gerne von den Lesern dieses Blocks eine Antwort.

      Was habe ich, die damals noch nicht einmal geboren war, mit dem Holocaust zu schaffen? Gar nichts!

  14. Habnix says:

    Wie viele haben versucht sich der DDR zu entziehen und sind dafür in den Knast gegangen.

  15. Martin Dornera says:

    „Wäre Anke Grudda Wächter im Frauenlager von Ausschwitz-Birkenau gewesen, sie hätte natürlich einen Aufstand unter den Wachfrauen organisiert und versucht, die unschuldigen Menchen aus den Gaskammern zu retten, auch wenn sie dafür standrechtlich erschossen worden wäre!“

    Ausweichen war ohne Todesstrafe möglich. Die grundsätzliche Bemerkung soll aber die Berufsbezeichung betreffen, denn Anke Grudda hätte nur Wächterin werden können.

    Über solche „Wärterinnen“ existiert auch Literatur.

    Gewalt im Dienstalltag. Die SS-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek 1942-1944.

    http://www.clio-online.de/default.aspx?tabid=40208174&ISBN=9783868542127

  16. Günter Heß says:

    Mit der Begründung hätte man auch Richard von Weizsäcker oder Helmut Schmidt verurteilen müssen wie viele andere Deutsche. Denn auch die haben die Verbrechen in Auschwitz billigend in Kauf genommen. Jeder Offizier in Polen wusste um den Kommissarbefehl des Führers und hat diese Tode billigend in Kauf genommen.
    Weizsäcker nahm an der Leningrader Blockade teil und hat damit den Tod von Zivilisten billigend in Kauf genommen. Er hätte sich ja auch versetzen lassen können.

  17. Friedhelm Marder says:

    Bevor hier über “Mitschuld” gesprochen wird,sollte man mal überlegen, wer sich heute alles Mitschuldig macht wegen Untätig sein!

    • corvusalbusberlin says:

      Der größte Teil der Bevölkerung

    • rote_pille says:

      Man kann sich an nichts mitschuldig machen durch “untätig sein”. Ihre moralische Integrität hängt nicht von anderen Menschen ab.

      • corvusalbusberlin says:

        Man kann man sehr wohl mitschuldig werden durch Nichtstun.

        • rote_pille says:

          Der Logik zufolge ist jeder Mensch schuldig an allem Bösen in der Welt, und die schlechtesten Menschen haben die totale Kontrolle über das Leben der Guten, weil die ständig deren Dreck wegräumen müssen. Das ist eine Perversion der Moral. Nein danke, behalten Sie Ihre Schuld für sich.

          • corvusalbusberlin says:

            “Der Logik zufolge ist jeder Mensch schuldig an allem Bösen in der Welt,……..”

            Welcher Logik zufolge? Wer hat das gesagt? Oder meinen Sie Ihre eigene Logik?

            Keine Angst, mit meiner Schuld werde ich Sie nicht belästigen.

  18. Livia says:

    Diese Leute werden vor allem bestraft, weil sie sich erlaubt haben derartig alt zu werden! Wäre der Mann nur vor wenigen Jahren gestorben, hätte er es sich erspart – und dem Steuerzahler den ganzen Aufwand, denn haftfähig ist er wahrscheinlich nicht mehr!
    Und hier liegt der Hase im Pfeffer! Es gibt immer noch – nicht schlecht bezahlt! – ganze institutionen, Abteilungen und ähnliches, die mit der Verfolgung von deutschen Kriegsverbrechen aus der Zeit des 2. Weltkrieges beschäftigt werden. Und die wollen ihre Jobs noch möglichst lange behalten – am Besten bis zur eigenen Verrentung!
    Also wird man schließlich – mangels Masse – jeden über 90jährigen, der sich auch nur in der Nähe eines KZ aufgehalten hat, vor den Kadi schleppen – sonst müßte man sich selber ja wegrationalisieren.
    Als ob man nicht andere Sorgen hätte …

    • Welehamm says:

      Das ist eine Analyse, die den Nagel auf den Kopf trifft: Ich habe mich auch gefragt, weshalb da die vielen Nebenkläger auf der Bank sitzen. Gibt es da was zu holen? Wer zahlt denn die Honorare der Rechtsanwälte, die da beteiligt sind?
      Norman Finkelstein hat 2001 das Buch “Die Holocaust-Industrie” mit dem Untertitel “Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird” (erschienen bei PIPER) geschrieben. Ich kann es als Lektüre nur empfehlen.

    • St. Elmo says:

      Die Ursache ist der Demjanjuk Fall… (oder wie hieß der Mann?) bei dem ein OLG die Beihilfe so weit gefasst hat, das man jetzt auch den Pfarrer der den KZ-Gefangenen vor der Hinrichtung die Absolution erteilt hat wegen Beihilfe verurteilen könnte.

  19. Jurko says:

    Wenn diese neue Definition der Beihilfe zum Mord greift, müßte man dann nicht zumindest die Angehörigen der Grenztruppen der DDR alle der Beihilfe zum Mord anklagen, da sie in gleicher Weise das Grenzregime abgesichert haben? Oder ist dies ein Sonderstrafrecht ausschließlich gegen die greisen Wachmänner der NS-Lager? Im übrigen für rote_pille: Vor kurzem wurde ein Wachmann verurteilt, der für 4 Wochen nach Auschwitz versetzt wurde und sich dann an die Front gemeldet hat. Ebenso schuldig? Todesstrafe?

  20. Welehamm says:

    Chapeau, das ist der beste Artikel, den ich zu diesem Thema gelesen habe. Das Gelände ist ja total vermint. Man soll aber mit der Anke Grudda nicht so hart ins Gericht gehen: Hätte sie ein anderes (menschlich gerechteres) Urteil gefällt, wären die alle über sie hergefallen, die, wenn sie im Dritten Reich gelebt hätten, im Untergrund Widerstandsnester gebaut und von dort den Kampf gegen Hitler organisiert hätten. Gegen den Hauptstrom (Mainstream) zu schwimmen ist heute natürlich viel schwieriger, als dies 1944 gewesen wäre. Heute wäre das für die Karriere der Anke Grudda sehr, sehr schädlich – im Gegensatz zu 1944, da war ja alles viel, viel einfacher. Damals wurden junge Menschen noch höflich gefragt, wie sie es gerne hätten: Möchten sie a) im KZ Dienst schieben, oder b) lieber im Keller eines deutschen Gerichtes Akten sortieren. Zu blöd auch, dass dieser Herr Hanning den falschen Buchstaben gewählt hat.

  21. Katalysator says:

    Es ist wirklich interessant zu sehen, wie sich in Deutschland die Rechtsprechung zu NS-Verbrechen entwickelt hat. Über 60 Jahre lang, genau gesagt, bis zum Demjanjuk-Prozess, galt, dass KZ-Personal in untergeordneten Positionen (Wachmann, Telefonist, Koch etc.) nur dann bestraft wurde, wenn dem Beschuldigten Tat-Beteiligung nachgewiesen wurde. Das galt im übrigen auch bei den alliierten Kriegsverbrecherprozessen und wurde selbst in Polen so gehandhabt. Zwar führten die Amerikaner etwa in den Dachauer Prozessen den Straftatbestand der Beteiligung am “Common Design” der KZs ein, beschränkten sich in der Strafverfolgung jedoch auf leitende Personen bzw. solche in untergeordneter Stellung, die an Misshandlungen oder Morden von Häftlingen beteiligt waren. Interessant ist übrigens, dass bei gemeinschaftlich begangenen Tötungsdelikten, wo die Täter Migrationshintergrund hatten, weiter sehr genau differenziert wird, wer den letztlich zum Tode des Opfers führenden Stich, Schlag oder Fußtritt getan hat und ein dementsprechendes Urteil gefällt wird.

  22. dw-seneca says:

    Sie haben eine sehr interessante Diskussion ausgelöst. Bei mir persönlich hat es nur die Verachtung gegen eine Judikative erhöht, die schon lange Urteile rein auf emotionaler Basis fällt. Die Analyse über fragwürdige Urteile hierzu könnte sicher mehrere Bücher füllen.

    Aber ein Satz ist mir übel aufgestoßen:
    Jemand arbeitet 50 Jahre und zahlt in die Rentenkasse, eine andere setzt vier Kinder in die Welt und arbeitet 10 Jahre, erhält aber eine höhere Rente. Das ist ein Verstoß gegen das Prinzip der Gerechtigkeit. ”
    Wenn der 50jährige keine Kinder gezeugt hat, wer soll dann seine Rente bezahlen? Der Staat? Ein Staat, der seine Einnahmen von den Kindern erzielt, die nie geboren wurden?

  23. Habnix says:

    In Berlin steht ein Hohes Haus, an dem steht in Stein gemeiselt, Dem Deutschen Volke.

    Wir als Deutsche Volk und alle die dem sich dazu gehörig fühlen, sollten einen dicken Stein hinzufügen, wo kein Abgeordneter vorbeikommen kann. In dem Stein sollte, Nie wieder Krieg, eingemeiselt sein.

    Diese Hohe Haus darf eigentlich nur mit Erlaubnis des Deutschen Volkes betreten werden.

    Weder hatte Adolf Hitler die Erlaubnis, noch die Heutigen Abgeordneten diese Haus zu betreten.Kaiser WilhelmII hat dies dem Deutschen Volk nach beendigung des ersten Weltkriegs gegeben.

    Wenn der Deutsche Kaiser das für sein Volk hat einmeiseln lassen, dann ist das zu respektieren. Einmal dem Deutschen Kaiser WilhelmII gegenüber und einmal dem Deutschen Volk.

  24. Basedow1764 says:

    In der Flut der Kommentare wurde es nur leider einmal angesprochen (#katalysator): Die Rechtsprechung in in Sachen NS-Massenmorde hat sich nach 60 Jahren um 180 Grad gedreht.
    60 Jahre galt: Die Täter sind Himmler und Hitler, alle anderen haben allenfalls Beihilfe geleistet. Während Beihilfe bei Mord laut StGB genauso wie die Tat selbst gesehen werden soll, hatte sich dank früher BGH-Rechtsprechung bei NS-Prozessen eingebürgert, dass nur noch die besondere Grausamkeit eines Einzeltäters strafbewehrt war. Der “normale” Tötungsprozess in den Lagern galt nicht als Mord, der einem einzelnen zum Vorwurf gemacht werden konnte.
    Dass diese Art der Rechtsprechung, die von ehemaligen Nazis in der bundesdeutschen Justiz und der Exekutive eingefädelt worden war, jetzt von einer jüngeren, unbelasteten Richter/-innengeneration vom Kopf auf die Füße gestellt wird, ist im Grunde zu begrüßen.
    Andererseits ist es mehr als fragwürdig, nach fast zwei Generationen gegenteiliger Urteile, die zwei. drei Greise, derer man noch habhaft wird, gnadenlos einzusperren.

  25. Florian Geyer says:

    Da sieht man mal wieder was eine Teilschuldeingeständnis in den Hexenprozessen der BRDDR wert ist!
    Ihm hat auch das Bekenntnis zur Holocaustreligion nicht geholfen.

    Und ein Strafantrag gegen die Hexenrichterin wegen der relatvierung auf nur 170 000 in mehr als zwei Jahren sollte ja jetzt aus der rechten Ecke mindestens kommen.

  26. Friedhelm Marder says:

    Mir stellt sich auch eine weitere Frage, weshalb hat man die Verbrecher der DDR Diktatur , die zwar auch schon ein gewisses greisenhaftes Alter hatten und trotzdem noch wesentlich jünger waren, einfach “laufen” – oder wie Erick H. einfach nach Chile ausreisen lassen? Ein Schelm wer böses dabei denkt

  27. Andreas says:

    In seinem Beitrag “Paradigmenwechsel bei der Strafverfolgung des
    Personals in den deutschen Vernichtungslagern?“ weist Thilo Kurz in ZIS 3/2013 auf verschiedene, teilweise sehr alte BGH-Urteile hin, die schon vor dem neuen Demjanjuk- Urteil unter dem Richter Götzl in München, der jetzt „überraschend“ auch den NSU- Zschäpe Prozess leitet, eine deutsche Kollektivschuld, auch ohne Einzelnachweis der Schuld bei Wachleuten in NAZI-Vernichtungslagern, unter Strafe gestellt haben.

    http://www.zis-online.com/dat/artikel/2013_3_739.pdf

    Insofern stimmt es so pauschal nicht, wie es hier und anderswo einige immer wieder behaupten, dass sich in der Rechtsprechung etwas „um 180 grad gedreht“ haben soll, in den letzten 60 Jahren und durch das neue Demjanjuk- Urteil durch den Richter Götzl in München.

    Spannend wird es dann aber, wenn dieses „Vermutungsstrafrecht“, das offenbar heute bei fast 100 jährigen ehemaligen deutschen Wachleuten in den NAZI-Vernichtungslagern gnadenlos angewendet wird, mit Bezug auf mutmaßliche Islamisten betrachtet wird.
    Bei den mutmaßlichen Islamisten soll dieses, bei ehemaligen deutschen NAZIS offenbar problemlos anwendbare, „Vermutungsstrafrecht“ interessanterweise gegen das Grundgesetz (Bestimmtheitsgrundsatz) verstoßen und Willkür sein. Das schreibt jedenfalls ein ehemaliger Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (Peter Vonnahme).

    “Auf dem Weg zu einem Vermutungsstrafrecht” Peter Vonnahme und Alexander Unzicker 27.10.2015

  28. Andreas says:

    Ich habe den Link offenbar vergessen, der Artikel
    “Auf dem Weg zu einem Vermutungsstrafrecht“ Peter Vonnahme und Alexander Unzicker vom 27.10.2015

    ist bei heise.de erschienen:

    http://www.heise.de/tp/artikel/46/46386/1.html

    • Roland K. says:

      Danke für den Artikel !
      Wenns in dem Stil bei unserer “Justiz” weiter geht, dann werden in bester kirchlicher oder besser “christlicher” Tradition noch Tote exhumiert und nachträglich verurteilt, damit “Rote Pillen” Beifall klatschen können.
      Nur um Unwesentliches zu erinnern: Bei Mordprozessen müssen normalerweise die Opfer personalisiert werden;konkret bedeutet das, dem Wachmann nachzuweisen, bei WEM er “Beihilfe” zur Tötung geleistet habe. Dies ist nach der Zeit und mangels klarer Beweise schwer oder gar nicht möglich. Also ersetzt eine schiere grosse Zahl ganz einfach einen “Beweis”. Dies auch noch “Gerechtigkeit” zu nennen, ist eine Verhöhnung des Begriffes wie auch der Opfer selbst. Den Opfern wird von einer entmenschlichten Justiz noch nicht mal die Nennung ihres Namens gewährt. Dem angeblichen “Täter” wird durch die “Zahl” auch jegliche wirkliche Verteidigung unmöglich gemacht.

      Weder ist “bewiesen”,daß der Angeklagte bei der Tötung von “XY” geholfen hat,noch kann er nachweisen, daß dem NICHT so war!

      DAS soll “Gerechtigkeit” sein? Pfui Teufel!

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