Der Tagesstürmer: Journalismus mit Schaum vor dem Mund

Nigel Farage ist (wieder) zurückgetreten. 2009 ist er zurückgetreten, nur kurz. 2015 wollte er abermals zurücktreten, weil er den Einzug in das House of Commons nicht geschafft hat. Er blieb abermals, weil man ihn darum gebeten hat. Jetzt ist er wieder zurückgetreten. Er hat erreicht, was er wollte. UKIP und Farage sind u.a. angetreten, um das Vereinigte Königreich aus der EU zu entfernen. Mission accomplished. Farage tritt wieder zurück.

Nigel-Farage_2Im Vereinigten Königreich hat man seinen Rücktritt einerseits mit Bedauern, andererseits mit Respekt für die Entscheidung zur Kenntnis genommen. Nur in Deutschland hat wieder einmal etwas sein Haupt erhoben, was man wohl wirklich nur noch als Hass-Journalismus bezeichnen kann.

Wir haben uns die Freiheit genommen, einen Kommentar von Jens-Peter Marquardt, der
sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hat, jede Form von Anstand vergessen zu machen und jede Form von Niedrigkeit noch zu unterbieten, in seine Bestandteile zu zerlegen. Die roten Anmerkungen in eckigen Klammern sind unsere, der Rest ist der Auswurf von Marquardt.

“Ohne Farage wäre der Brexit nicht gekommen [unbelegte und zweifelhafte Behauptung, da außer Farage noch mehr als 17 Millionen Briten für den BREXIT gestimmt haben]: Sein Populismus [beleidigende, unbelegte Wertung] und seine Hetze [beleidigende, unbelegte Wertung] gegen Brüssel haben den EU-Austritt in Großbritannien erst mehrheitsfähig gemacht [unbelegte und zweifelhafte Behauptung, da außer Farage noch mehr als 17 Millionen Briten für den BREXIT gestimmt haben], meint J.-P. Marquardt.

Ein Kommentar von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Tagesstuermer MarquardtBye, Bye Nigel! Wir [Marquardt schreibt im Pluralis Majestatis, hält sich wohl für den Zeitungsführer] werden ihn nicht vermissen [Vermutlich wird Farage Marquardt, den er wohl nicht kennt, auch nicht vermissen]. Er war seit Jahren das hässliche Gesicht Englands [wertende Beleidigung, die man sich, hat man ein Gesicht wie Marquardt, doppelt überlegen sollte]. Er hat an die niederen Instinkte der Menschen appelliert [wertende Beleidigung, die seltsam wirkt, in einem Beitrag, der an die niederen Instinkte der Leser appelliert. Der Beitrag kann an sonst nichts appellieren, denn er enthält weder ein Faktum noch ein Argument] den Rassismus angestachelt [unbelegte und diskreditierend gemeinte Behauptung] und auch die “kleinen Leute” dazu gebracht [unbegründeter Paternalismus eines sich offensichtlich nicht den „kleinen Leuten“, vielleicht eher den kleinen Leuchten zugehörig Fühlenden], für den Austritt aus der EU zu stimmen [unbelegte und an den Haaren herbeigezogene Behauptung. Es gibt keinerlei Daten, die zeigen, dass Briten wegen Nigel Farage für den BREXIT gestimmt haben]. Genau die Leute, die jetzt darunter leiden werden [unbelegte Behauptung] – unter der Unsicherheit über die Zukunft, dem Einbruch der Wirtschaft, dem Verlust von Jobs [unbelegte Behauptung. Da sich eine Schlange von Ländern gebildet hat, die mit dem UK ein Freihandelsabkommen abschließen wollen, sind hier wohl die fiesen Motive und der Wunsch, die Briten mögen nun leiden, mit dem gehässigen Marquardt durchgegangen.]

Farage kann das egal sein [Farage hat erklärt, auch weiterhin für den BREXIT zu arbeiten und seiner Partei zur Verfügung zu stehen]. Er kassiert ja noch ein paar Jahre die Diäten aus dem EU-Parlament, danach eine üppige Altersversorgung und hat sich in seinem früheren Leben an der Londoner Börse die Taschen vollgemacht [derogative Behauptung, die einzig dazu dient, Neid und Missgunst zu schüren]. Farage holt sich jetzt sein Leben wieder zurück, wie er bei seinem Rücktritt verkündete, während er zuvor das Leben vieler und deren Zukunft kaputtgemacht hat [unbelegte Behauptung, die abermals der Phantasie von Marquardt entspringt, der sich so sehr wünscht, dass der BREXIT in Britannien Folgen hinterlässt, wie der Blitz in den Jahren 1940 und 1941 als die Deutsche Luftwaffe London und viele Industriestädte in Schutt und Asche gelegt hat. Das waren noch Zeiten, Herr Marquardt!]

Ohne Farage wäre Großbritannien nie so weit ins Abseits geraten [unbelegte Behauptung und zweifelhaft, da Farage in der Leave-Campaign nicht in erster Reihe stand. Dort standen Boris Johnson und Michael Gove und Daniel Hannan und und all die vielen anderen und das UK findet sich derzeit nicht im Abseits, eher im Zentrum des Interesses]. Sein Populismus [unbelegte, wertende Behauptung], seine kumpelhaften Auftritte in den Pubs [Marquardt ist kein Kumpel, der in Pubs geht, wohl eher ein Nichtkumpel, der Italiener heimsucht und mit seinen Weinkenntnissen prahlt], seine Lügen [unbelegte und beleidigende Behauptung] und seine Hetze [unbelegte und beleidigende Behauptung] gegen Brüssel und die EU haben den Austritt in Großbritannien überhaupt erst mehrheitsfähig gemacht [unbelegte und zweifelhafte Behauptung, denn das Vereinigte Königreich besteht nicht nur aus Farage. Tatsächlich hat David Cameron das Referendum über den Verbleib in der EU auf Druck von Abgeordneten der Conservatives durchgeführt. Farage hat damit nichts zu tun.]. Vor Farage interessierte sich in diesem Land niemand außer ein paar verknöcherten [beleidigende Wertung] Konservativen für die EU [unbelegte und falsche Behauptung, denn UKIP ist mit ein Ergebnis des Widerstands gegen die EU. Hätte es diesen Widerstand nicht gegeben, wäre UKIP nie gegründet worden und nie erfolgreich gewesen]. Man hat sie nicht geliebt, aber man hat sie hingenommen und von den Vorteilen des Binnenmarktes und der EU-Fördergelder profitiert [Viertelwahrheit, denn die Vorteile von einem Euro Fördergeld wurden mit vier Euro Steuergeld erkauft, die nach Brüssel überwiesen wurden. Ein schlechtes Geschäft!].

Damit wollen wir es bewenden lassen. Bei so viel „vitriol“ so viel Gehässigkeit in einem Text, bei einem solchen Text, der Marquardt so sehr die Fasson und das Gesicht verlieren und seine wirkliches Ich zeigen lässt, mag man nicht weiter zuschauen, bei der hässlichen Selbstinszenierung als hässlicher Deutscher.

Voelkischer beobachter ChurchillEs ist einfach nur widerlich, das Trauerspiel zu verfolgen, das in der deutschen Presse jeden Tag aufs Neue durchgeführt wird, ganz so, als könne man damit etwas bewegen, als könne man die Zeit dadurch zurückdrehen, dass man die Luft anhält, rot anläuft und dann in Medien wütet, wütet mit Kommentaren wie dem, den Marquardt veröffentlicht hat. Ein Kommentar, der wohl als Hetze und Hassrede zu gelten hat, jedenfalls dann, wenn man die beleidigenden, derogativen und zum Aufhetzen anderer gedachten Begriffe zählt.
Kommentare verkommen in Deutschland immer mehr zur Gelegenheit für Kommentierer, sich nach Herzenslust in Beleidigungen, Schmähungen und sonstigen Niedrigkeiten zu ergehen. Früher waren Kommentare einmal der Ort, in dem pointiert und witzig eine Meinung dargestellt und begründet wurde. Aber dazu braucht man ein Mindestmaß an Intelligenz. Zum Wüten und Hetzen braucht man keine Intelligenz, nur einen Fundus an Schimpfworten: Populismus, Rechtspopulismus, Lüge, Hetze, hässliches Gesicht. Das reicht heute, um die ganze Ärmlichkeit dessen, was Journalismus in Deutschland sein soll, zum Ausdruck zu bringen.

Geschichte, so heißt es, wiederholt sich nicht. Aber anscheinend gibt es für die Wütenden, diejenigen, die mit dem Wandel der Zeit nicht klarkommen, nur ein beschränktes Repertoire an Ausdrucksmitteln, ein Repertoire aus wilder Behauptung, Beleidigung, Schimpfworten und Hetze, so dass aus dem Stürmer scheinbar der Tagesstürmer geworden ist.


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