Ent-Dämonisierung von Adolf Hitler

Spätestens seit Albert Speer von den dämonischen Augen des Adolf Hitler geschrieben hat, die seine nähere Umgebung in Bann geschlagen und zu den unmenschlichsten aller Taten getrieben hat, ist die deutsche Welt in Ordnung. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, sie beschränkt sich darauf, keine Diskussion über ihn aufkommen zu lassen, Hitler und den Nazis in seiner direkten Umgebung, die Alleinschuld zu übertragen und ansonsten Greise wegen ihrer Anwesenheit in einem KZ und wegen Beihilfe zum Mord zu verurteilen.

Die deutsche Welt, sie ist, wie schon Jerome K. Jerome um 1905 festgestellt hat, eine gewaltsam heile Welt. Die Geschichte vom Führer und dem Nazi-Clan, die das deutsche Volk, also die tumbe Masse der deutschen Mitläufer, verführt haben, sie passt auch zum Populismus-Gerede, das heute so verbreitet ist und – wie die Geschichte von der nationalsozialistischen Verführung – auf der Annahme basiert, dass Deutsche von Politikern verführbar sind, dass Deutsche so schlichte Gemüter sind, dass sie sich unhinterfragt vorsetzen lassen, was Politiker ihnen erzählen und vor allem, dass Politiker etwas zu sagen haben könnten, was Bürger erstens glaubten und zweitens nicht schon selbst wüssten.

Derartige Prämissen mögen das Ego von Studienabbrechern und kognitiv eher durchschnittlich Begabten, wie sie die Parlamente bevölkern, streicheln, sie sind mit der Realität jedoch nicht zu vereinbaren, jener Realität, in der die meisten der Bürger, und mit Sicherheit alle, die einen richtigen Beruf nicht nur erlernt haben, sondern auch ausüben, besser qualifiziert sind, als die im Parlament versammelten Politiker, die nichts Besseres gefunden haben.

Es ist an der Zeit, mit derartigen Mythen aufzuräumen, wie es an der Zeit ist, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus informiert zu führen und nicht auf einer Basis von Angst, wie sie in der Gesetzgebung zum § 130 StGB, also zur Volksverhetzung, ihren Niederschlag gefunden hat, oder auf der Basis von Kindischkeit, wie sie sich derzeit in der unsäglichen No-Hate-Speech-Kampagne Bahn bricht, bei der das Geld der Steuerzahler dafür verschwendet wird, Kindereien zu finanzieren, die nicht nur dumm, sondern in höchsten Maße schädlich sind, denn sie beschädigen die gute Sache, für die sie sich angeblich einsetzen.

Wir haben vor einigen Tagen unsere Leser vor die Aufgabe gestellt, den Autor eines Textes, den wir aus einer alten Publikation entnommen haben, zu raten. Im Text wird etwas dargestellt, was man als Race to the Bottom beschreiben könnte, eine Entwicklung also, die man als Problem moderner Demokratien ansehen und darauf zuspitzen kann, dass der Anreiz für kompetente und fähige Menschen, sich in der Politik zu engagieren, in dem Maße schwindet, wie unfähige, inkompetente Menschen, Menschen mit abgebrochenem Studium, erfundenem Lebenslauf, abgeschriebener Doktorarbeit oder solche, die in ihrem Leben noch nie einen richtigen Beruf ausgeübt haben, das Niveau dessen, was als Politik gilt, derart verringern dass der gesellschaftliche Status von und die gesellschaftliche Achtung für  Politiker(n) sinken, bis sie nicht mehr sinken können. Politik wird zunehmend zum Abstellplatz für Unfähige, der von allen anderen gemieden wird. Folglich entwickelt sich die Politik zu einem Panoptikum der Irrationalität, Unsinnigkeit und der fixen und wahnhaften Ideen und, nun ja, die derzeitige Realität ist nicht mehr weit von dieser Dystopie entfernt.

Wer nun ist der Autor, der diese Entwicklung beschreibt?
Zehn Namen haben wir unseren Lesern vorgegeben.
Hier ihre Wahl:

Raetsel MK AH

177 unserer Leser sind also der Meinung, der zitierte Text stamme von Adolf Hitler. Ob sie nun aufgrund eigener Kenntnis oder auf Grund ihrer Textsuche mit Google zu diesem Ergebnis gekommen sind, sei einmal dahingestellt. Fest steht, sie haben Recht. Der von uns zitierte Text stammt aus Mein Kampf.

Interessanter als die Tatsache, dass 177 Leser richtig liegen, ist die Tatsache, dass 397 (69%) Leser falsch liegen. Sie ordnen den Text von Adolf Hitler nicht Adolf Hitler zu. Die Art zu schreiben, erinnert 124 Leser an Arthur Schopenhauer und 83 Leser sehen Ähnlichkeiten zu dem, was Friedrich Nietzsche, 59 zu dem, was Wilhelm Grimm geschrieben hat. Selbst Jean Jacques Rousseau, Heinrich Böll, Karl Liebknecht und August Bebel kommen auf eine stattliche Anzahl von Nennungen.

Eigentlich hätte man erwarten müssen, dass ein Text, den Adolf Hitler geschrieben hat, eindeutig zuordenbar ist. Steht Hitler doch für Rassismus, Antisemitismus, für alles, was aus heutiger Sicht schlecht ist. Gilt er doch als die Personifikation des Bösen. Entsprechend muss es entweder verwundern, dass er sich in der Nähe der ebenfalls zur Wahl stehenden Personen findet, oder man muss konzedieren, dass offensichtlich nicht alles, was Hitler geschrieben hat, diesen schrecklichen Hauch des Bösen ausströmt, der dem Dämon Hitler zugeschrieben wird.

THe Nazis a warningDeshalb ist es an der Zeit, sich richtig und sachgemäß mit dem auseinanderzusetzen, wofür Nationalsozialismus und Adolf Hitler stehen. Von einer aufgeklärten und mündigen Gesellschaft kann man erwarten, dass ihre Mitglieder in der Lage sind, sich ein Bild von den Ursachen des Phänomens zu machen, das die Nationalsozialisten an die Macht gespült und Hitler zum Führer gemacht hat. Man wird von ihr erwarten, dass sie die historischen Strömungen und Meinungen identifiziert, die in der deutschen Gesellschaft weitverbreitet waren, die es lange vor den Nazis gab, die sich als Antisemitismus, Antikapitalismus, als Suche nach der nationalen Identität schon Jahrhunderte vor den Nazis niedergeschlagen haben und von den Nationalsozialisten einfach nur genutzt wurden, um an die Macht zu kommen. Man wird, will man sich mit dem Dritten Reich wie ein erwachsener Mensch auseinandersetzen, zugestehen müssen, dass es eine sehr große Nähe zwischen sozialistischen und nationalsozialistischen Ideen gab, dass z.B. die Verballhornung des Darwinismus im Sozialdarwinismus nicht von den Nazis stammt, die mit Darwin’s Lehre nachweislich nichts anfangen konnten, sondern von Sozialisten wie August Bebel, die Darwin’s Lehre nachweislich nicht verstanden haben oder nicht gelesen haben können. Man wird sich der Frage widmen müssen, inwiefern der Anti-Amerikanismus von heute nur ein Abklatsch der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung ist, der sich die Nazis bedient haben, um Stimmen einzusammeln. Man wird sich der Frage stellen müssen, inwiefern dumme und sich selbst überschätzende Politiker dazu beigetragen haben und dazu beitragen, dass anti-liberale Strömungen, die eine Demokratie zerstören, wieder hoffähig werden. Man wird aufhören müssen, sich um eine Diskussion der historischen Fakten zu drücken und jeden Zweifel strafrechtlich als Volksverhetzung zu brandmarken und, am aller schwierigsten: Man wird damit anfangen müssen, die tatsächlichen Ursachen des Nationalsozialismus zu diskutieren und die historischen Fakten gegen die historischen Fabrikationen mit Argumenten und Belegen zu verteidigen und nicht durch Staatsanwälte verteidigen zu lassen. Das heißt auch, man wird Adolf Hitler ent-dämonisieren müssen und sich erneut die Frage stellen müssen, die z.B. die Briten seit Jahrzehnten beschäftigt: Wie konnte es dazu kommen, dass ein Kulturvolk wie die Deutschen in Teilen zu einer Horde von Mördern verkommt, die sich gegenseitig darin überbieten, dem von ihnen nicht dämonisierten, sondern glorifizierten Führer gefällig zu sein?


Helfen Sie uns dabei, ScienceFiles vom Hobby zum fest etablierten Blog zu machen. Machen Sie mit beim ScienceFiles-Projekt.

Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass wir uns nicht mehr nur nebenbei um ScienceFiles kümmern können und uns dem, was wir investigative Wissenschaft und angewandte Sozialwissenschaft nennen, voll widmen können.

Paypal:

PAYPAL

Spendenkonto:
Wir empfehlen Transferwise, um die horrenden Bankgebühren deutscher Banken zu vermeiden.

  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise
Print Friendly

Profile photo of Michael KleinAbout Michael Klein
... concerned with and about science

21 Responses to Ent-Dämonisierung von Adolf Hitler

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Ent-Dämonisierung von Adolf Hitler

  2. Gereon says:

    Ich habe schon öfter öffentlich gefragt, ob es denn Anfange zu regnen, wenn Hitler bei Sonnenschein behaupte, es scheine die Sonne. Weil ein Hitler einfach nicht Recht haben kann.
    Und weshalb wir dann den Krieg verloren hätten?
    Denn wenn Hitler kraft seines Wortes über den Sonnenschein Regen befehlen hätte können, hätte er immer Regen befohlen, sodaß die Bombengeschwader nicht fliegen konnten. So wurden zur Ardennenoffensive ein paar Regentage genutzt.
    Er hätte ja auch behaupten können, man habe keine Atombombe und keine Rakete, sie nach Amerika zu schießen.
    Da wir den Krieg aber verloran haben , geht daran irgendetwas nicht auf.

  3. Peter Wörmer says:

    Vielleicht sollten Sie sich von dem Vor-Urteil verabschieden, das Sie anscheinend vertreten: Dass beträchtliche Teile des Volkes Mitwisser oder gar Unterstützer von Massenmord waren. Das war beweisbar nicht so. Auch Bundespräsident Weizsäcker hat sich letztlich von diesem Vor-Urteil losgesagt. Sie gehen doch sonst nicht herrschenden Lehren auf den Leim.

  4. gunst01 says:

    Die Kernfrage ist wohl, wie viel von Hitlers Schreibe ist wirklich authentisch und wie viel wurde ihm von interessierter Seite untergeschoben.

  5. Ralf Pöhling says:

    Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus fokussiert sich bis heute auf das “Wer” und auf ein eher oberflächliches “Wie”. Hätte man frühzeitig und vor allem ehrlich auch die eigentlich viel wichtigere Frage nach dem “warum” ebenso behandelt, wären der Menschheit eine ganze Reihe Probleme im Nachgang des 2. Weltkrieges erspart geblieben.
    Aber die Suche nach einem eindeutig Schuldigen, auf den man mit dem Finger zeigen und auf den man seine eigene Schuld abladen oder von seiner eigenen Schuld ablenken kann, ist schon immer die einfachere Lösung gewesen.
    Genau genommen, hat man mit der oberflächlichen Abhandlung des Phänomens “Nationalsozialismus” den dort praktizierten “Führerkult” einfach fortgeführt und sich selbst so aus der Affäre gestohlen. Dies gilt für die Besiegten wie auch für die Sieger des 2. Weltkrieges, denn auch letztere wären bei ehrlicher Geschichtsaufarbeitung nicht ohne schwarze Flecken auf ihrer weißen Weste davongekommen.

  6. Peter Schaefer says:

    Wohlan, dann entdämonisieren Sie mal und ergründen Sie die tiefen Wurzeln Hitlers und seiner Nationalsozialisten in der deutschen Kultur und Geschichte.

    Ich habe nur den Eindruck, daß Sie dabei auf einem toten Gaul durch offene Türen reiten. Es gibt so gut wie keine andere Zeit der deutschen Geschichte zu der soviel geschrieben und gesagt wurde und ich kann mich bei Werken zur Geschichte nicht an die von Ihnen beschriebenen Scheuklappen erinnern.

  7. keynesianer says:

    Der deutsche Kaiser hatte mit 60 Millionen Goldmark den Bolschewiken in Russland an die Macht verholfen, damit der Frieden von Brest-Litowsk abgeschlossen wurde.

    Nun war die Frage des Jahres 1918/19, wie es die Bolschewiken schaffen konnten, sich ganz Europa zu unterwerfen. Man blicke auf eine Karte Europas im Mai 1941: Europa war geteilt zwischen den Bolschewiken und den bösen Nazis, die schon im Krieg mit England standen. Das gesamte Europa (außer England), das die Bolschewiken ihrem System unterwerfen wollten, war nur noch von den wenigen Hanseln der deutschen Wehrmacht verteidigt.

    Das Problem aus dem Jahr 1918/19 war im Mai 1941 gelöst: Die Rote Armee würde Europa mit Unterstützung von England und den USA vom Faschismus befreien. Die Rote Armee besaß – nur als ein Beispiel – etwa 25.000 Panzer, die Wehrmacht hatte gerade mal knapp 4.000 Panzer, bei Flugzeugen und Kanonen war es ähnlich.

    Dann ging der ganze schöne Plan schief, weil die Wehrmacht, keiner wusste recht wie, bis heute nicht, die Rote Armee zuerst einmal überrollt und aufgerieben hat.

    Jemand musste Hitler finanziert haben, so wie der Kaiser die Bolschewiken. Es waren die, die genau diese Frage, wer Hitler finanziert hat, bis heute nicht diskutieren. Erst wenn man das mal begriffen hat, kann man das Phänomen Hitler sinnvol diskutieren.

  8. Paule says:

    Yes Sir! Yes! Entdämonisierung von Adolf Hitler!

    Wir werden die Deutschen schon so liberal kriegen, das sie sich endlich mit den Strick erschießen, Ääähe, mit der Kugel erwürgen! Ähhh, na ja, das sie endlich verschwinden! Yes Sir! Yes!
    *Dummheit aus!*

    Meinen Sie das im Ernst? Beim letzten Mal (anlässlich der letzten Zahlung der Kriegsreparationen aus dem WK 1) waren wir dann das Tätervolk und willige Vollstrecker. Man wollte auf liebgeworden Einkünfte nicht verzichten.

    Wie lange waren sie den schon nicht mehr in Deutschland? Glauben sie wirklich das interessiert noch jemanden?

    Die wissen dort doch schon nichts anderes mehr als das Deutsche Nazis sind und lauter kleine Hitler, und das es nicht so schlimm ist wenn es keine Deutschen mehr gibt.

    Siehe Zitat:
    >>Es sei doch schön, wenn es keine Deutschen mehr in der Region gebe. »Der liebe Gott hat doch diesen Fleck Erde nicht für die Deutschen gemacht, erschaffen; dieser Fleck Erde ist für UNS Menschen gemacht!«
    Aus: http://www.freiewelt.net/nachricht/desillusionierte-integrationsbefuerworter-von-realitaet-enttaeuscht-10068140/

    Also was soll werden? Ein neuer Schwall Schuldgefühl?
    Dafür sorgen schon die Linken: “Linkspartei drängt Bundesregierung zur Anerkennung von griechischen Reparationsforderungen” ( http://www.finanznachrichten.de/38298778 )
    Demnächst werden wir Nazis die Tributzahlungen an Südafrika z.B. Herreros und Bantu auch ganz brave aufnehmen, und Argentinien und Brasilien den fällt schon auch was ein. Zahlungen an Amerika hat ja die VW übernommen. China zahlt ja wenigsten noch was für das was sie sich nehmen…. Naja bei den Scheichs wird schwer die sind verwöhnt..
    Nur die Russen halten Wort! Was sie mit genommen haben geben sie nicht wieder her, aber sie wollen wenigsten nicht noch mehr.

    Und wer noch mal, hat noch was großes vor zu bekommen, wenn wir jetzt Hitler schon wieder entdämonisiern sollen?

    Ach der Brexit und die 200 Milliarden Abstandszahlung? Na dann….

  9. rolandtluk says:

    Der Schatten von Adolf Hitler wird heute missbraucht, um offene demokratische Diskussionen und (für einige) unerträgliche Wahrheiten zu ersticken.
    Außerdem nutzten Berufspolitiker und fragwürdige Lobbygruppen dieses Mittel, um ihren politischen Konkurrenten aus dem Rennen zu nehmen.

    Leider sind die Deutschen keinesfalls so klug, dass sie diese Diffamierungen einfach ignorieren. Es ist erstaunlich, wie viele Biedermänner es noch gibt. Sie sind anfällig für die Hexenjagd und beteiligen sich bei jeder öffentlichen Steinigung.

    Trauriger Zustand. Langsam zweifel ich, ob mit diesen Leuten eine Demokratie überhaupt machbar.

  10. Livia says:

    Das eine Problem ist, daß nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung unter 80 die Gelelenheit hat(te), “Mein Kampf” zu lesen – und schon von daher keine Ahnung haben kann, wie der Schreibstil des “Führers” aussah.
    Schließlich gehörte der Mann selber zu dieser Kategorie, die er hier beschreibt. Man hätte also allenfalls von daher rückschließen können – nach der Regel: Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche! Wobei er weniger der Kategorie doof als der schlau, aber faul, zuzurechnen war. Schließlich brach er nach den Tod des Vaters – dessen harte Hand dann fehlte – die Schule ab und lernte danach nichts Gescheites, was ihn schließlich ins Obdachlosenheim von Wien brachte. Solches interlektuelles Proletariat hatte ein ehemaliger Kollege stets am meisten gefürchtet.

    Kindern und Jugendlichen, denen keine Grenzen aufgezeigt werden, die nicht erzogen werden, können dazu neigen, daß sie ihr Leben lang ausprobieren, wie weit sie gehen können. So entstehen wirkliche Tyrannen, wenn sie an die Macht kommen können. Kaiser Caligula ist hier wohl das extremste Beispiel. Bei Adolf hat die Erziehung wohl in der Pubertät aufgehört, da spielte es noch eine kleinere Rolle mit.

    Mit der Machtergreifung haben die teils gewöhnungsbedürftigen Staatstheorieen der Nazis aber nichts zu tun – eher mit den äußeren Umständen! Die NSDAP war lange eine Splitterpartei, holte erst zum Höhepunkt der Wirtschaftskriese mehr Stimmen, da sie Beschäftigung versprach. Als die Situation besser wurde, verlor sie bereits wieder Wähler. Zum Wahlsieg – und damit zur Machtergreifung – kam es erst, als die SPD – wohl um den Kommunisten Stimmen abzugraben – deren Wahlversprechen übernahm, nach einem Wahlsieg alle Kapitalisten zu enteignen!!! Damals waren die meisten Arbeiter und Angestellten interligent genug, zu erkennen, was passiert, wenn man ihre Arbeitgeber enteignet! Außerdem waren diesbezüglich auch die Zustände nach der Oktoberrevolution in Rußland allzu bekannt. Dem Menschen ist nun einmal das Hemd näher als die Jacke! Wenn es um das persönliche Wohl geht, wählt man das naheliegende. Da die NSDAP auch eine sozialistische Partei war, die aber die Arbeitgeber unangetastet lassen wollte, zog sie in dieser entscheidenden Abstimmung vor allem Potential von der SPD und auch der KPD ab! Die Menschen hatten nicht für die “Rassenlehre” gestimmt, sondern für ihre Arbeitsplätze! Die meisten hielten den abgehobeneren Teil des Parteiprogramms ohnehin für “Spinnerei”, der im Ernstfall nicht durchgeführt werden würde. Den ganzen Volk deswegen eine Kriegsschuld zu verpassen, ist von daher weit hergeholt.

    Ein anderes Ding allerdings ist, daß der Führer auf Frauen, vor allem auf die Jüngeren, einen Eindruck machte, wie heute ein Popstar! Der Mann war viel jünger als seine Mitbewerber, Junggeselle und sah für den damaligen Geschmack gut aus. Ohne Frauenwahlrecht wäre der Mann nie an die Macht gekommen! Ich kannte noch Zeitzeuginnen, die damals schon älter waren, es ablehnten und bei der Begeisterung für die Beatles in den 60ern gleich Bauchschmerzen und schlechte Erinnerungen bekamen: Auch bei Reden des Führers gab es Kreischalarm und sind die Mädels in Ohnmacht gefallen. (Weshalb auch sich die Schweiz schwertat, für Frauen das aktive Wahlrecht einzuführen, die hatten lange nur das passive!)

    Um darauf zurückzukommen, daß man auch skrupellos auf Tote zurückgreift, wenn man sich damit bereichern kann, sei hier an den Ablaßhandel der Renecancezeit erinnert, bei dem der Bischhof von Maiz (um die Schulden aus seinem Amtskauf zu zahlen) auch Ablaßbriefe für Verstorbene verkaufen ließ: Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele vom Fegefeuer in den Himmel springt! (Die Behörde, die heute haftufähige Greise wegen NS-Verbrechen verfolgen läßt, tut im Grunde nichts Anderes – sie sichert ihre Pfründe! – Und die sind bequemer, als bei der normalen Kripo Dienst zu tun.) Letztendlich hat diese Übertreibung aber zur Religionsspaltung (Das war der Kritikanlaß für Luther!) in katholisch und evangelisch geführt und in Folge zu Kriegen und Verfolgungen, die den Vorfällen im 20.Jh. in nichts nachstanden!

    Schlußendlich kann man folgern, daß historische Weichen allzuoft durch blöde Zufälle, dumme Entscheidungen und / oder Gier von Personen oder Gruppen gestellt wurden:
    Wenn die eigendlichen Erben des Tiberius nicht so früh gestoben wären, hätte es einen Kaiser Caligula nie gegeben, hätte der Pabst den Ämterkauf unterbunden, wäre Luther nicht rebellisch geworden und ohne den Blödsinn von SPD ( und KPD ) vor den entscheidenden Wahlen wäre Hitler nie Kanzler geworden …

  11. Das ist zu viel verlangt. Eine sachliche Analyse wird nicht möglich sein — in Deutschland. Vielleicht bringt Botswana mal so etwas fertig, oder Kambodscha, oder Ecuador, oder Belize…

    Carsten

    Demagogie schlägt Demokratie

  12. jens Lommatzsch says:

    Wer ist Walter Ulbrich?

error: Content is protected !!
Profile photo of Michael Klein
Holler Box
Skip to toolbar