87% sehen Spiegel und Stürmer auf der selben Wellenlänge

Gestern haben wir unsere Leser gefragt, ob sie einen Unterschied zwischen dem Spiegel und dem Stürmer sehen. Hintergrund der Frage ist das Spiegel-Cover, das Donald Trump mit IS-Fanatikern gleichsetzt und ihn zeigt, nachdem er die Freiheitsstatue geköpft hat. Für viele Leser sind mit diesem Cover nicht nur eine Geschmacks und eine Anstandsgrenze überschritten, dieses Cover zeigt für sie auch, dass Spiegel und Julius-Streichers Stürmer nichts mehr trennt.

stuermer-spiegel-trumpVon den 1.056 ScienceFiles-Lesern, die bislang an der Befragung teilgenommen haben, sind 401 (38%) der Ansicht, es gebe keinen Unterschied zwischen dem Stürmer und dem Spiegel. 518 (49%) sind gar der Ansicht, der Spiegel sei schlimmer als der Stürmer. 114 ScienceFiles-Leser (11%) sind der Ansicht, man könne den Spiegel nicht mit dem Stürmer vergleichen, und 23 (2%) Leser haben eigene Gedanken zu unserer Befragung formuliert, z.B.: „Das Layout im Spiegel ist besser“, „Der Spiegel ist teurer“ oder „Der Spiegel nähert sich dem Stürmer“.

Damit ist das Votum im Hinblick auf das Spiegel-Cover, das Anlass für unsere Befragung war, eindeutig. Mit dem Cover, so die Meinung von 87% der ScienceFiles-Leser, macht sich der Spiegel mit dem Stürmer gemein, schon weil die Methoden in beiden Blättern dieselben sind, geht es doch nicht darum, Informationen und Argumente bereit zu stellen, auf deren Grundlage sich Leser von Spiegel oder Stürmer ein eigenes Urteil bilden können, sondern darum, den Lesern das Urteil gleich mitzuliefern, sie zu framen. Im Dritten Reich war die affektive Botschaft, die gänzlich ohne Begründung vom Stürmer verteilt wurde. Die Juden sind unser Unglück. Die Meldung, die der Spiegel mit seinem Trump-Cover verbreiten will, lautet wohl: Donald Trump ist unser Unglück. Wie beim Stürmer gibt es keinerlei Begründung.

Damit teilen Spiegel und Stürmer das Ziel, ihre Leser affektiv anzusprechen und die Abneigung gegen Donald Trump bzw. Juden zu schüren. Beide Ziele sind keine statthaften Ziele eines ernsthaften Journalismus, es sind faschistoide Ziele eines ideologisch verbrämten Journalismus, der jede Informations- und Argumentationsfunktion aufgegeben hat. Auch deshalb ist das Spiegel-Cover ein Symbol für die Armseligkeit, die Journalismus in weiten Teilen in Deutschland zur Schau stellt und für die offenen Versuche, Stimmung gegen Personen zu machen, als Surrogat dafür, dass die entsprechenden Personen derzeit dem Zugriff der Spiegel- oder Stürmer-Häscher entzogen sind.

spiegel-und-stuermer

Was wir in diesem Zusammenhang vermissen, ist die Aufregung im Justizministerium. Heiko Maas, der keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich gegen vermeintlich rechte Hate-Speech zu positionieren, hat nicht einem Mucks von sich gegeben, um das Cover des Spiegels als das, was es ist, zu bezeichnen: Der Ausdruck von Hass und einzig dazu intendiert, affektive Stimmung gegen Donald Trump zu machen, etwa in der Weise, wie man Stimmung macht, um einen Lynchmob zusammenzutrommeln, ein Unterfangen, das in Deutschland eine lange Tradition hat und am 9. November 1938 erstmals mit großem Erfolg und nach jahrelanger Vorbereitung auch oder gerade im Stürmer inszeniert wurde.

Keiner der Politiker [wer einen kennt, die Kommentarfunktion ist offen], die ihre besorgten Gesichter zu Gedenkveranstaltungen am Tag der Reichskristallnacht aufsetzen, hat ´den Mut aufgebracht, das Spiegel-Cover als die hasserfüllte Geschmacklosigkeit zu verurteilen, die es ist. All diejenigen, die wilde Phantasien darüber verbreitet haben, wie durch Gedankenflug eine Pegida-Demonstration zu brennenden Asylbewerberheimen geführt haben soll, scheinen die entsprechenden Phantasien zu vergessen, wenn es um den Spiegel und sein Trump-Cover geht. Und die selben Politiker sind die ersten die wollen, dass Schüler aus der Geschichte lernen.

Wie wäre es, die gegen Hate Speech Engagierten gingen mit gutem Beispiel voran und würden aus der Geschichte lernen, jener Geschichte, die zeigt, dass dann, wenn Anstandsgrenzen überschritten werden und dann, wenn affektive Stimmungsmache an die Stelle rationaler Argumentation tritt, in Deutschland alles möglich ist, auch ein Holocaust.

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14 Responses to 8714 sehen Spiegel und Stürmer auf der selben Wellenlänge

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  3. gunst01 says:

    Mit diesem Cover findet der Spiegel vielleicht wieder zu seiner alten Größe zurück. Es könnte auch als homöophatischer Journalismus bezeichnet werden, getreu Hahnemanns Devise: `Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden´.

  4. Sama Singo says:

    was ist in diesem Zusammenhang mit Charlie Hebdo ?

  5. Hosenmatz says:

    Heiko Maas? Der Heiko Maas, der bei Anne Will (05.02.17) in Bezug auf Trump gesagt hat: „Gerichte unter Druck setzen geht gar nicht im Rechtsstaat.“?
    Hat er wohl seine Einflussnahme auf das netzpolitik.org-Verfahren schon wieder vergessen? Ist ja auch erst kaum 2 Jahre her.

  6. AMEISE says:

    als leser und käufer des spiegels habe ich mich schon vor jahren verabschiedet!

  7. palina says:

    Hagen Grell hat sich auch schon zum “Spiegel” ausgelassen. Kann ihn gut verstehen.
    Hetzblatt Spiegel will Bürgerkrieg in USA gegen Trump? (Wutrede)


    • Volker says:

      Herr Grell bezeichnet den Spiegel im Video als “Aktivistenblatt”. Gut getroffen. “Hetzblatt” würde es auch gut treffen, und das nicht nur bei politischen Themen…

    • Aufgewachter says:

      Ja, Bürgerkrieg in den USA – daran habe ich auch schon mal gedacht. Irgendeinen Grund muß es ja geben, das die Aktien der US-Rüstungsindustrie innerhalb von nur 24 Stunden um bis zu 12,5% zugelegt haben. Ich hatte damals folgende Umfrage gestartet. Bürgerkrieg in den USA als eine Antwortmöglichkeit war da auch mit dabei

      Warum steigen Deiner Meinung nach die Aktienkurse?

      a) Ausverkauf nuklearer Ladenhüter auf dem Schwarzmarkt für den IS
      b) Vorbestellungen ABC-Schutzanzüge für die Bundesweh zur AKW-Bewachung
      c) Nikolaus-Rabatt-Aktion Stealth-Bomber für die USAF wegen Nordkorea
      d) Weihnachts-Rabatt-Aktion Nukleare Bunker-Buster für die IADF wegen Iran
      e) Nur-so-lange-Vorrat-reicht-Aktion Mini-Nukes für die US-Army in Syrien
      f) Oster-Rabatt-Aktion auf alle automatischen Waffen wegen US-Bürgerkrieg
      g) Glückspiel-Aktion auf funktionierende Atomraketen-Abwehr für die NATO
      h) Rubbel-Los-Ausverkauf für eine nukleare Abrüstung mit Russland
      i) Russisches-Roulette um die 2 Billionen US-Dollar Reserve mit China
      j) Alles-Muss-Raus-Aktion der gesamten Waffenkammer für den 3. Weltkrieg
      k) Finanzbuchhalterin hat sich beim Tagesabschluss die Fingernägel lackiert
      l) Derivaten-Erlöse aus dem Hedge-Fond „Das Ende naht“ der Zeugen Jehovas

      Achtung / Ich versuche mal die Umfrage hier einzublenden


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