Die Pathologisierung der Ossis durch ihre Bundesbeauftragte

Wir hatten schon lange keinen Beitrag mehr über Legitimationsforschung also wissenschaftliche Beihilfe zu ideologischen Übergriffen.

Zeit, das zu ändern.

Haben Sie am 18. Mai schon etwas vor?

Nein?

Dann auf nach Berlin.

Dort werden die „Ursachen des Rechtsextremismus in Ostdeutschland“ benannt, gefunden in der gleichnamigen Studie des Instituts für Demokratieforschung in Göttingen, offensichtlich eines jener Institute, die das Problem der kausalen Beziehungen, mit dem SozialWISSENSCHAFTLER kämpfen, für sich dadurch gelöst haben, dass sie es ignorieren.

Wer also an dem Geheimnis, das unzählige Studien seit Adornos „Autoritärer Persönlichkeit“ erfolglos zu lüften versucht haben, interessiert ist, der sollte nach Berlin gehen, um die „Ursachen des Rechtsextremismus in Ostdeutschland“ zu erfahren. Lästige Fragen wie die nach dem Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität sind am Eingang abzugeben. Die feierliche Verkündung der ursächlichen Wahrheit über die rechtsextremen Ossis darf nicht durch wissenschaftstheoretische Bedenken gestört werden.

Schon gar nicht, wo doch bestimmt, wer bezahlt. Und bezahlt hat die Studie offensichtlich die Beauftragte der Ossis: Iris Gleicke, die ganz unbescheiden erklärt:

BMWi_Ursachen Rechtsextremismus„Vor dem Hintergrund zahlreicher fremdenfeindlicher und rechtsradikaler Übergriffe in Ostdeutschland habe ich das Institut für Demokratieforschung in Göttingen unter Leitung von Professor Dr. Franz Walter mit einer Studie zu den Ursachen von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland beauftragt.“

Wer im eigenen Namen und für sich Aufträge erteilt, der bezahlt die entsprechenden Aufträge sicherlich auch in seinem Namen und mit seinem Geld – oder?

Zumal Steuerzahler kaum für prätentiöse Legitimationsstudien in Anspruch genommen werden können, die von Ursachen faseln, die sie mit Sicherheit nicht belegen können, die im übertragenen Sinne Eulen nach Athen tragen, denn Rechtsextremismus ist kaum etwas, von dem man sagen kann, es sei „nicht hinreichend untersucht“, wie Gleicke dies wohl aus kompletter Unkenntnis heraus behauptet. Schließlich sind auch Ostdeutsche Steuerzahler. Daher ist es nicht vertretbar, sie für eine Studie zahlen zu lassen, die den Eindruck erweckt, Rechtsextremismus sei etwas, was es vor allem oder nur im Osten Deutschlands gibt.

Wer sich mit der einschlägigen Literatur auskennt, der weiß, dass Rechtsextremismus in Ostdeutschland nach 1990 entdeckt wurde. Im Anschluss an die Vorfällen in Hoyerswerda und Rostock wurde Rechtsextremismus in Ostdeutschland zum Modethema unter vielen, die Wissenschaft mit Virtue Signalling verwechseln und sich gerne für eine Förderung durch Beauftragte oder Ministerien empfehlen wollen – so wie das Institut für Demokratie in Göttingen, das den Gegenstand seiner Tätigkeit offensichtlich nicht unabhängig von öffentlicher Förderung bestimmen kann.

Dass die Behauptung, Ossi-Rechtsextremismus sei nicht erforscht, barer Unsinn, kausal über vollkommene Unkenntnis zu erklären, ist, dass der Auftrag für die „Studie zu den Ursachen“ des hinlänglich Erforschten kausal einem nicht vorhandenen Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit dem Geld von Steuerzahlern geschuldet ist, das zeigt die folgende Zusammenstellung bereits vorhandener Forschung zum Thema.

Wir haben sie kursorisch und auf die Schnelle zusammengestellt. Wer das, was es zu dem Thema, das Gleicke für wenig erforscht hält, umfassend recherchieren will, wird mit mindestens 20Mal so vielen Einträgen aufwarten können wie wir.

  • Borstel, Dierk & Heinrich, Gudrun (2010). Möglichkeiten erfolgreicher Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus im ländlichen Raum. In: Buchstein, Hubertus & Heinrich, Gudrun (Hrsg.)(2010). Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Demokratie und Rechtsextremismus im ländlichen Raum. Königstein i.Taunus: Wochenschau-Verlag, S.507-520.
  • Buchstein, Hubertus & Heinrich, Gudrun (Hrsg.)(2010). Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Demokratie und Rechtsextremismus im ländlichen Raum. Königstein i.Taunus: Wochenschau-Verlag.
  • Edinger, Michael, & Hallermann, Andreas (2001). Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Struktur und Ursachen rechtsextremer Einstellungen am Beispiel Thüringens. Zeitschrift für Parlamentsfragen 32(3): 588-612.
  • Friedrich, Walter (2001). Ist der Rechtsextremismus im Osten ein Produkt der autoritären DDR. Aus Politik und Zeitgeschichte 46: 16-23.
  • Friedrich, Walter & Schubarth, Wilfried (1991). Ausländerfeindliche und rechtsextreme Orientierungen bei ostdeutschen Jugendlichen: eine empirische Studie. Deutschland Archiv 24(10): 1052-1065.
  • Heinemann, Karl-Heinz, Schubarth, Wilfried & Brück, Wolfgang (Hrsg.)(1992). Der antifaschistische Staat entläßt seine Kinder: Jugend und Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Köln: PapyRossa.
  • Lillig, Thomas (1994). Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern. Forschungsgruppe Deutschland am Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
  • Melzer, Wolfgang & Schubarth, Wilfried (1995). Das Rechtsextremismussyndrom bei Schülerinnen und Schülern in Ost-und Westdeutschland. In: Schubarth, Wilfried & Melzer, Wolfgang (Hrsg.) Schule, Gewalt und Rechtsextremismus. Opladen: Leske & Budrich, S.51-71.
  • Neubacher, Frank (1994). Jugend und Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Vor und nach der Wende. Bonn: Forum Verlag Godesberg.
  • Pfahl-Traughber, Armin (2009). Die Besonderheiten des Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Eine Analyse gesellschaftlicher und lagerinterner Bedingungsfaktoren. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik 48(1): 94-108.
  • Schubarth, Wilfried (1993). Woher kommt der jugendliche Rechtsextremismus in Ostdeutschland. In. Heßler, Manfred (Hrsg.). Zwischen Nationalstaat und multikultureller Gesellschaft. Einwanderung und Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin: Hitit, S.169-184.
  • von Berg, Heinz Lynen (1994). Rechtsextremismus in Ostdeutschland seit der Wende. In: Kowalsky, Wolfgang & Schroeder Wolfgang (Hrsg.). Rechtsextremismus. Einführung und Forschungsbilanz. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.103-126.

BMwi_Ursachen Rechtsextremismus 2Das Legitimationsstudien-Unwesen kann kausal darauf zurückgeführt werden, dass Beauftragte, wie die für die neuen Bundesländer keinerlei Tätigkeitsbereich haben und entsprechend auch keine Arbeitsbeschreibung dafür gegeben werden kann, was sie eigentlich machen. Entsprechend können sie keinerlei Legitimation für ihr Amt dadurch gewinnen, dass sie z.B. auch nur einen Lebensumstand für einen Ossi verbessert haben. Aus Not wird die phatische Legitimation geboren: Dabei geht es nicht um Effizienz, sondern um den Versuch, die eigene Existenz durch Aktivismus zu legitimieren. Und was wäre wirkungsvoller, damit sich ein nutzloser Beauftragter für irgendwas doch einen mit seiner Existenz verbundenen Sinn vorgaukeln könnte, als andere dafür zu bezahlen, dass sie etwas machen, was man als Arbeitsnachweis des Beauftragten in ein entsprechendes Fach im Archiv des Ministeriums, dem der Beauftragte zugeordnet ist, stellen und hernach vergessen kann?

Das bringt uns zurück zur Frage, wer dieses neueste Beispiel von Legitimationsforschung bezahlt hat.

Steuerzahler natürlich, ostdeutsche Steuerzahler darunter, rechtsextreme ostdeutsche Steuerzahler darunter, rassistisch-rechtsextreme ostdeutsche Steuerzahler darunter, fremdenfeindlich rassistisch rechtsextreme ostdeutsche Steuerzahler darunter …

Phatische Legitimation ist ein Begriff, auf den wir ein Copyright erheben!


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9 Responses to Die Pathologisierung der Ossis durch ihre Bundesbeauftragte

  1. Jörg says:

    Mir stellen sich zu dem Thema zwei Fragen:
    1. Unter welchen Umständen kann generell der Straftatbestand des Wissenschaftsbetrugs festgestellt werden?
    2. Wann erfüllen die Ergebnisse von Legitimationsforschung juristisch den Straftatbestand der Volksverhetzung?

  2. Jochen says:

    Moment mal: „…..es sei „nicht hinreichend untersucht.“

    Haut diese Iris Gleicke etwa ihre eigenen „Kollegen“ in die Pfanne, diese hätten all die Jahre viele Steuermillionen zu unrecht in den unzähligen Studien zu diesem Thema versenkt, ohne handhabbares Ergebnis?
    Bestünde somit für den Steuerzahler womöglich sogar Möglichkeit, Geld zurückzufordern wegen unzureichender/fehlender Leistung, wie es in der freien Wirtschaft alltäglich ist?

    Ok ok, man kann ja mal träumen.

  3. Pingback: Die Pathologisierung der Ossis durch ihre Bundesbeauftragte – MoshPit's Corner

  4. Marcus Junge says:

    Das ist aber „schön“, daß die Junta der BRD sich so einen Spaß erlaubt, um über die „Nazis“ in den von Polen und Rußland besetzten deutschen Ostgebieten zu philosophieren.

  5. Enno Schneyer says:

    Die Ossis haben die friedliche Revolution erzwungen von einem kommunistischen Regime.Wir Ossis kennen das linke System.Nach der Wende war alles im Großen und Ganzen gut:das was wir wollten,D-Mark und Reisefreiheit hat sich erfüllt.Nun ist aber die BRD unter der Kanzlerin mit allen Parteien nach links gerückt.Die Ossis hatten das alles schon einmal.Ich kann garnicht begreifen,wie die CDU das alles so mitmacht.Die Wessis werden auch bei der Wahl im September gemeinsam Frau Merkel bestätigen.Im Osten sieht das ganz anders aus,da wird es sehr schwer für die CDU und SPD,Linke und vor allem die Grünen.Und nun behauptet die Presse,im Osten sind alle Rechtsradikale.Das stimmt ja so nicht.Wir werden leider radikalisiert von der Mainstreampresse.
    Wir haben uns unser Freiheitsgefühl nur erhalten und lassen uns nicht gleichschalten.Das ist bei Honecker auch gescheitert und wird jetzt auch scheitern.

    • Klaus D. Mueller says:

      Wenn Sie nach einem Punkt am Satzende einmal auf die lange Taste am unteren Rand Ihrer Tastatur drücken, liest sich Ihr Kommentar bestimmt viel besser.

  6. leipzigoma says:

    Oh, ich dachte immer der berühmte Kriminologe Christian Pfeiffer hätte die Ursachen des Rechtsextremismus bei den Ossis endgültig erforscht.
    http://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/extremisten/rechtsextremismus.html
    http://www.spiegel.de/panorama/ermittler-zum-fall-joseph-kein-rechtsradikaler-hintergrund-a-105252.html
    Aber klar, diejenigen, die damals in der DDR im Kindergarten in einer Reihe auf dem Töpfchen saßen, werden langsam alt. Da stellen sich neue Forschungsfragen, etwa zur Vererbung von Traumatisierungen bei der Sauberkeitserziehung und deren Umschlag in rechtsextreme Gesinnung. Evtl. könnte man da auch die Forschungsergebnisse der noch berühmteren Biologen Mitschurin und Lysenko heranziehen.
    Pfeiffer hat sich ja leider von den Ossis abgewandt, seitdem er sich im Joseph-Fall etwas blamiert hatte. Dafür springen nun die Göttinger in die Bresche und Herr Pfeiffer stellt seine Kapazität der Bundeswehr zur Verfügung.
    http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Bundeswehr-Skandal-Kriminologe-Christian-Pfeiffer-soll-Vorfaelle-erforschen

  7. Viva la Revolution says:

    Ist halt blöd, wenn die Linksfaschisten Teil des Staates sind und durch die Hintertür das Geld der Steuerzahler ihren linksextremen Freunden ausserhalb des Staates zukarren.

    Es ist ein gnadenloses, grossflächiges Ausplündern und totales Ausbeuten der Steuerzahler.

    Diese Leute gehören alle in den Knast !

    Wann ist eigentlich endlich Bürgerkrieg ?!
    Ich will die Köpfe aller Politiker rollen sehen!
    (Hier könnten wir direkt mal was vom Islam lernen, haha )

  8. Pingback: KW 19 | 08. – 14.05. – verrücktE wElt

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