Das miese Spiel mit der Kinderarmut

Kinderarmut ist wohl das Thema, mit dem zur Zeit am meisten Schindluder getrieben wird. Kaum eine Symbolik scheint so geeignet, um der Welt darzustellen, was für ein guter Mensch man doch ist, wie Kinderarmut. Jeder, der Kinderarmut anprangert, der gegen Kinderarmut anschreibt, der sie beklagt, der, nein etwas tun ist nicht das, was den wahren Kämpfer gegen die Kinderarmut auszeichnet, meint damit, sich als Guter zu inszenieren, seinen Wert, seine besondere Tugendhaftigkeit zu signalisieren. Deshalb spricht James Bartholomew im Hinblick auf diejenigen, die versuchen, sich als besonders wertvolle Teile der Spezies Mensch zu inszenieren, vom Virtue Signalling.

Die Meute der Guten, sie kommt regelmäßig dann in Wallung, wenn ein neuer Bericht zur Kinderarmut ansteht. Kinderarmt ist natürlich nicht die Armut von Kindern, sondern die Armut der Eltern, Eltern, die keine Arbeit, keine Einkommensquelle besitzen, die sich nicht aus Transferleistungen speist und dennoch Kinder haben, wobei die Tatsache, dass Kinder als solche eine Einkommensquelle, ein Mittel, um weitere Transferleistungen in Form von Vergünstigung und Zahlungen zu erhalten, sicher eine Rolle spielt.

Nun reichen Transferleistungen des Staates nicht dazu aus, ein Leben zu führen, wie es z.B. die Familie eines Facharbeiters, der bei der BASF Schicht arbeitet, auf Grundlage von dessen Einkommen führen kann. Entsprechend gibt es Unterschiede im Einkommen. Wenn diese Unterschiede im Einkommen das Einkommen des Facharbeiters, der Schicht arbeitet, um eine bestimmte Grenze unterschreiten, dann will es die Konvention, dass bei manchen Statistikern, die sich unter der staatlichen Fuchtel finden, von Armut gesprochen wird, eigentlich wird von relativer Armut gesprochen, also weniger haben als jemand anderes, aber dass „relativ“ wird regelmäßig weggelassen, denn es ist hinderlich. Wenn man sich als Guter inszenieren will, dann als absoluter, nicht als relativer Guter.

In Zahlen gilt als relativ arm, wer 60% des Nettoäquivalenzeinkommens zur Verfügung hat. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist als der Median der Einkommensverteilung definiert. D.h. es teilt die Einkommen in Deutschland in zwei gleichgroße Teile. Den Median benutzt man deshalb, weil er regelmäßig und deutlich unter dem Mittelwert liegt. So beträgt das Nettoäquivalenzeinkommen gemessen am Median im Jahr 2016 21.275 Euro, während der Mittelwert der Einkommensverteilung bei 24.020 Euro im Jahr 2016 liegt. Es macht sich einfach besser zu behaupten, jemand der im Monat ein Einkommen von 1.064 Euro (60% vom Median) zur Verfügung hat, sei relativ arm, als jemand, der 1.201 Euro (60% vom Mittelwert) hat. Tatsächlich fallen eine große Zahl von Rentnern in die Kategorie derer, die als relativ arm gelten, denn die durchschnittliche Rentenzahlung beträgt derzeit 1.003 Euro monatlich, die durchschnittliche Altersrente 1.078 Euro. Aber wir reden natürlich nicht von armen Alten, die man nach einem Erwerbsleben in relativer Armut geparkt hat, wir reden von Kindern, die in Familien von Hartz IV aufwachsen, entweder bei Alleinerziehenden oder in einer Familie in jedem Fall aber bei Eltern, die keinerlei Arbeit nachgehen, wie auf Seite 24 des Berichts der Bertelsmann-Stiftung nachzulesen.

Deren Kinder gelten als arm, über sie wird medial mit großer Aufregung berichtet, nicht etwa über die Alten, die nach einem Arbeitsleben in relativer Armut versinken oder die Gründe, warum die Eltern Kinder trotz Arbeitslosigkeit produzieren oder keine Arbeit finden, um ihren Kindern den Lebensstandard bieten zu können, den z.B. ein Facharbeiter der BASF, der Schicht arbeitet, seinen Kindern bieten kann. Denn, wie gesagt, mit Kindern und deren vermeintlicher Armut kann man sich gut produzieren, während Alte, die in Armut leben, in Deutschland keinen Medienhund hinter dem Ofen hervorlocken.

Nun enthält die Studie der Bertelsmann-Stiftung unvorsichtiger Weise ein Liste von Gütern, auf die Kinder, die jahrelang in Armut leben, wie es bei der Tagesschau heißt, obwohl relative Armut gemessen wurde, verzichten müssen. Etwas nicht haben, was andere haben, gilt heute als Armut, das muss man sich einmal vorstellen.

Wir haben uns die Liste der Güter, auf die die armen Kinder wegen Armut nach Ansicht von Bertelsmann verzichten müssen, genauer angesehen und auf Grundlage von Tabelle 11 in der Bertelsmann-Studie rekonstruiert, was die Bertelsmann-Stiftung verschweigen will, um die Schlagzeile: Kinder von Eltern, die dauerhaft nicht gesichert sind (also dauerhaft Hartz-IV beziehen und in der Regel alleinerziehend sind), müssen in Deutschland auf 7,3 der 23 „abgefragten Güter“ verzichten: „Armut bedeutet laut Bertelsmann-Stiftung für die Kinder Verzicht“.

Verzicht worauf?

7,3 Güter sind es, auf die die entsprechenden Kinder durchschnittlich verzichten müssen.
Rekonstruieren wir, worauf (auf Grundlage von Tabelle 11, Seite 50).
Sie müssen auf die eines der folgenden Güter verzichten:

  • Eine Wohnung ohne feuchte Wände oder Fußböden
  • Eine Wohnung, die mindestens so viele Zimmer hat, wie dort Personen wohnen.
  • Ein separates Badezimmer mit Badewanne oder Dusche in der Wohnung.
  • Eine Toilette innerhalb der Wohnung.
  • Ein Garten, ein Balkon oder eine Terrasse.
  • Sich ab und zu neue Kleidung kaufen können, auch wenn die alte noch nicht abgetragen ist.
  • Mindestens einmal täglich eine warme Mahlzeit haben.

Auf eines der oben genannten acht Güter müssen Kinder, die als arm verkauft werden sollen, damit sich Gutmenschen inszenieren können, verzichten. Verzichten müssen Sie auch auf 3 der folgenden vier Güter:

  • Einmal im Monat Freunde zum Essen zu sich nach Hause einladen können.
  • Einmal im Monat zum Essen in ein Restaurant gehen können.
  • Mindestens einmal im Monat ins Kino, Theater oder Konzert gehen können.
  • Eine mindestens einwöchige Urlaubsreise pro Jahr.

Schlimm, wenn man nicht mindestens einmal im Monat ins Kino oder ins Restaurant gehen kann. Das ist Armut!

Damit nicht genug, denn für die Kinder von Eltern, die sich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten auf Basis von Hartz-IV, Kindergeld und sonstigen Transferzahlungen durchschlagen (müssen), gibt es noch mehr Verzicht. Nicht nur das monatliche Essen im Restaurant ist in Frage gestellt, auch drei der folgenden 11 Güter können nicht konsumiert werden bzw. sind nicht vorhanden:

  • Eine Waschmaschine
  • Ein Fernseher
  • Ein Auto
  • Ein Computer mit Internetanschluss
  • Ein Videorekorder mit DVD-Player
  • Die Miete für die Wohnung bzw. die Zinsen für das Wohneigentum immer pünktlich zahlen können
  • Die Gas-, Wasser-, Heizungs- und Stromrechnung immer pünktlich zahlen können;
  • Einen festen Betrag im Monat sparen können;
  • Behandlungen in Anspruch nehmen können, die von der Krankenkasse nicht vollständig bezahlt werden, wie z.B. Zahnersatz oder Brille
  • Unerwartet anfallende Ausgaben mit eigenem Geld bezahlen können, z.B. eine kaputte Waschmaschine ersetzen;
  • Abgenutzte, aber sonst noch brauchbare Möbel durch neue ersetzen.

Dass der Besuch des Theaters, der nicht gemacht werden kann, oder die Einladung eines Freundes zum Essen für jedes Kind einen Verzicht darstellt, das ist natürlich die Phantasie der Bertelsmann-Stiftung. Niemand hat die Kinder gefragt, ob sie überhaupt ein gemeinsames Essen mit Freuden UND ELTERN oder einen monatlichen Theaterbesuch wollen. Hier scheint ihre Mittelschichtssozialisation mit den Bertelsmännern durchgegangen zu sein. Mit ihrem Ergebnis bestätigen sie entsprechend das, was die andere Stiftung aus Berlin herausgefunden haben will: Man findet immer, was man sucht, was nicht unbedingt das ist, was ist oder relevant ist. [Wenn man schon nach Theaterbesuchen und Computern mit Internetanschluss fragt: Um wie viel plausibler ist es, dass sich Rentner keinen Theaterbesuch leisten können (von dem sie etwas hätten im Gegensatz zu z.B. achtjährigen Kindern, die nicht ruhig sitzen bleiben) und wie viele Rentner leben wohl ohne Balkon und Terrasse, ohne Auto, Computer mit Internetanschluss, ohne monatlichen Restaurantbesuch und Sparvertrag, mit abgenutzten Möbeln und in feuchten alten Wohnungen und gelten dennoch nicht als arm, weil sie bekommen ja Rente?]

Tatsächliche Armut

Und für Deutschland 2017 hat dies folgende Konsequenz: Arm soll sein, wer nicht einmal im Monat ins Restaurant gehen kann, wer nicht monatlich mindestens einmal ins Kino oder Theater gehen kann, nicht mindestens eine Woche in Urlaub fahren kann, kein Auto hat, zwar Hauseigentum hat, aber die Zinsen darauf nicht zahlen kann, in einer feuchten Wohnung lebt und keinen festen Betrag im Monat sparen kann.

Arm soll auch sein, wer neben den Verzichten auf Restaurant, Kino und Urlaub, noch brauchbare Möbel nicht ersetzen kann, keinen Computer mit Internetanschluss, kein Auto, keinen Balkon, keinen Garten und keine Terrasse hat.

Wie man sieht, schrecken gute Menschen in ihrem Kampf gegen die Kinderarmut auch nicht davor zurück, sich lächerlich zu machen und das Konzept von Armut von jedem Sinn zu entleeren.

Wo sich inszeniert wird, da fallen eben Späne.

Eigentlich müssten die Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung dazu führen, dass man es feiert, dass nicht einmal Kinder von dauerhaften Hartz-IV-Beziehern in Armut leben und ihnen deshalb nichts Wesentliches zu einer gesunden und unbeeinträchtigten Entwicklung fehlt. Aber das ist natürlich nicht das, was guten Menschen wie den Bertelsmännern den Warm Glow verschafft, gegen die furchtbare Kinderarmut, die monatliche Theaterbesuche verhindert, vorgegangen zu sein, bloß verbal versteht sich.

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13 Responses to Das miese Spiel mit der Kinderarmut

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  2. Marcus Junge says:

    Die uralte Leier und Massen an geistig umnachteten BRDlingen glauben die Armutsmeldungen.

    Allerdings fehlt in dem Artikel noch etwas zur Beschreibung der Armut, da ist zwar von den Eltern die Rede und was diese charakterisiert, aber nirgendwo steht das “böse” Wort Ausländer oder “Fachkräfte” oder “Südländer”. Gerade die bereichern die Armutslügenstatistiken immer stärker und weit überproportional.

  3. Markus Meier says:

    Als ich vor 20 Jahren noch Sozialkunde unterrichtete war der relative Armutsdefinitionswert übrigens noch 50% unter´m Median (auch das natürlich völlig willkürlich, aber irgendwie halbwegs nachvollziehbar, weniger als die Hälfte). Wer wettet mit mir, wann der Wert auf 66% (2/3), 75% (3/4) oder nicht gleich 90% hochgesetzt wird um besser statistische Artefakte produzieren zu können ??!
    Im Vergleich zu meinem reichen Nachbarn bin ich i m m e r arm, es kommt eben immer nur auf die Definition an.
    Man muss sich immer auch klarmachen, was es – um im Bilde zu bleiben – für das Kind des schichtarbeitenden BASF´lers bedeutet, wenn es sieht, dass es kaum einen Unterschied in der Klasse macht, ob sich sein Papa die Knochen kaputtschuftet, oder die Mama von Kevin bei der Talkshow säuft, unter´m Strich bleibt bei beiden vermutlich das gleiche … nicht sehr motivierend, vermutlich.

  4. Diese Leute werden seit einiger Zeit in den Medien heimlich still und leise unter den Teppich gekehrt, damit Mutti ungestört weitermachen kann.

  5. Heike Diefenbach says:

    Nachtrag:

    Was die Bertelsmänner hier verbrochen haben, ist zumindest ein bemerkenswerter Beitrag zur Inflationierung und damit Verlächerlichung (ein schöner, weil treffender, Begriff; ich hoffe, es hat nicht schon jemand anderes diesen Begriff erfunden!) von Begriffen bzw.Konzepten, die die Sozialwissenschaften definiert und systematisch benutzt haben, um Phänomene zu beschreiben, die aufgrund ihrer Folgen tatsächlich relevant sind und daher Handlungsbedarf nahelegen, wie das z.B. auf Armut, verstanden als mittelfristig oder langfristig anhaltende Unterernährung, besondes im Kindesalter, zutrifft. Armut verstanden als „Es sind nicht alle gleich reich“ ist dagegen eine verbale Luftnummer, die sich sozusagen als Sozialwissenschaft verkleidet, um Lobbyarbeit machen und beide Hände wieder einmal in den Staatsgeldtopf stecken zu können.

    Das ist Verlächerlichung der Sozialwissenschaften, was mir als Soziologin und Ethnologin in der Seele wehtut (falls ich eine habe, also irgendwo wehtut). Es ist aber auch und vor allem fatal für eine Gesellschaft, weil es dazu führt, dass die Leute nur noch abwinken, wenn z.B. „Armut“ beschrieben wird, denn sie wissen ja: angesprochen wird in den meisten Fällen damit ohnehin kein ernstzunehmender Mißstand, den man nicht guten Gewissens völlig ignorieren könnte. Nehmen wir nun an, ein Sozialwissenschaftler thematisiert echte Armut, z.B. echte Altersarmut, von deren Existenz man sich leicht selbst überzeugen kann, wenn man sich an beliebigen drei oder vier Tagen in der Woche in einem Supermarkt wie z.B. Lidl aufhält und beobachtet, was Leute, die offensichtlich alt genug sind, um Rentner zu sein, kaufen (oder nicht kaufen und idealerweise noch nach den Gründen für ihr Kaufverhalten fragt). Muss man sich wundern, wenn das völlig ignoriert wird und mit ihm ein großer Teil der Bevölkerung mit seinen Beschränkungen und Sorgen? Und früher oder später kann das jeden von uns betreffen….

    Wie wäre es, wenn die Bertelsmannstiftung schließen würde und die eingesparten Gehälter an Kinder in Form von Theaterabonnements ausgezahlt würden? Oder wenn die Verfasser des Berichtes über Kinder“armut“ wenigstens einen Teil ihres Gehaltes für diesen Zweck abtreten würden? Wie wäre es, wenn es zum Grundsatz gemacht würde, dass jeder, der angeblich etwas beklagt, auch eine Leistung zur Bekämpfung des erklärten Mißstandes erbringen müsste, die nicht allein im Austoß von Worten besteht?!?

    Angemerkt sei noch, dass die Bertelsmänner ein gutes Beispiel dafür geliefert haben, dass derzeit in Westeuropa so gut wie nichts sinnvoll aufeinander bezogen ist, Hand und Fuß hat. Oder wie ist sonst zu erklären, dass es einerseits als „Armut“ beklagt wird, wenn Kinder keine neue Kleidung haben, auch, wenn die alte noch nicht abgetragen ist, dieselben Kinder aber in der Schule einer Manipulation zur politischen Korrektheit, diesmal in der Variante „Nachhaltigkeit“, ausgesetzt werden, konkret: dazu angehalten werden, die umweltverschmutzende und sozial ausbeuterische Billig-Kleidungsindustrie außerhalb Westeuropas keinesfalls zu unterstützen und Kleidung eben doch aufzutragen, bevor neue gekauft wird?

    Also, was denn nun? Vielleicht ist die Moral von der Geschicht‘, dass es keiner Moral bedarf, weil alles, was man tut, egal, was es ist, für irgendeinen Lobbyisten bei irgendeiner Organisation verwendbar ist, um ihm ein Auskommen zu verschaffen, sei es durch Berufung auf Armut, die bekämpft werden müsse, oder so genannte Nachhaltigkeit (ein netteres, modernes Wort für „Erhaltung des status quo“), die propagiert oder gar erzwungen werden müsse.

    Egal, was man tut, jemand anders hat immer einen Nutzen davon, und das ist doch gut, oder? Ergo: Egal, was ich tue (oder nicht tue, for that matter), es ist immer und in jedem Fall gut, wenn auch nicht für mich selbst, sondern für irgendjemand anderen, aber den eigenen Nutzen anzustreben, wäre ja sowieso höchst egoistisch und „böse“. Eine persönliche Festlegung auf Werte und eine Moral stünde der guten Sache also insofern im Wege als nicht alle Arten von Lobbyisten von einer Person profitieren, sie instrumentalisieren könnten (sondern bloß einige Arten von Lobbyisten). Und insofern wäre das Festhalten an einer Moral höchst unmoralisch, oder?!?

  6. Dr. M. Richter says:

    Das ist alles richtig.
    Aber das Mitleid mit den mir bekannten, zutiefst gutmenschlichen Rentnern kann ich nicht teilen. Für die armen Kinder würden die sogar beifallklatschend jene Partei wählen, deren Programm eine Ausplünderung der Alten zugunsten armer Fremdlingskinder propagiert.

    • Heike Diefenbach says:

      … vielleicht sind die Rentner, die Sie kennen, nicht repräsentativ.

      Und vielleicht müssen sich Leute nicht unbedingt selbst leid tun, um die Anteilnahme anderer Leute verdient zu haben.

  7. Fiete says:

    Den Begriff “Medienhund” versuche ich mir mal zu merken, da er ( zumindest mir ) eine kleine Assoziation zu “Rudelverhalten” aufnötigt.
    Mal ganz abgesehen von der abstrusen Definition von “relativer” Armut, kann es in D. m.E. gar kleine “Kinderarmut” geben. Denn es gibt keine eigenständig lebenden Kinder, keine “Kinderbedarfsgemeinschaft”, o.ä..
    Wenn jemand hier relativ arm ist, so ist das die Familie.
    Wenn also der ehemalige BASF-Schichtarbeiter per Ausgrenzung mittels Prozesskosten Zeitaufwand und Barunterhaltsforderungen wirtschaftlich ( und oft auch psychisch ) vernichtet ist, die gern alleinverziehende Ex-Partnerin keine Lust zum arbeiten hat und dann auch noch der Umgang durch Wegzug über hunderte von Kilometern ( Stichwort Anfahrtskosten ), oder Umgangsboykott verunmöglicht wird, dann kann man höchsten von staatlich regulierter, gezielter Kinder-Verelendung sprechen.
    Und die ist bekanntlich mindestens erwünscht, denn dann kann Bertelsmännchen wieder solche Propagandawerke, wie das oben behandelte, lukrativ produzieren und boshaften Unfug zum Zwecke der Meinungmanipulation in die Welt pusten.

  8. Donald Duck says:

    Ich war und bin also mein ganzes Leben lang arm. Weder hatte ich jemals einen Videorecorder, noch besitze ich aktuell einen Fernseher. Kleidung trage ich bis auf Ausnahmen (möglicherweise, kann mich jedoch nicht erinnern) bis sie kaputt ist. Immerhin habe ich Zugriff auf einen Garten in dem mehr wächst als Gras, musste also nicht hungern.
    Ich vermute, dass es eine signifikante Anzahl von Menschen gibt, die sich dem Konsumterror verweigern und “arm” leben, auch wenn sie es monetär nicht sind. Einer meiner Lehrer (noch verbeamtet, also definitiv nicht arm) hat immer gegen Fernsehen gelästert und hatte nie ein Gerät. Dessen Kinder sind mit Sicherheit nicht in Armut aufgewachsen, sondern in materiellem, geistigen und seelischen Wohlstand so weit ich das beurteilen kann.

    • Heike Diefenbach says:

      Ja, das haben wir auch gedacht: es ist schon seltsam, wie die Bertelsmänner sich eine, wenn nicht reiche, so doch nicht-“arme” Existenz vorstellen! Ich z.B. gehe überhaupt nicht gerne ins Kino (sehe mir aber ganz gerne Filme, die ich selbst aufgrund von Informationen z.B. aus reviews oder weil ich z.B. gerade eine “film noire”-Phase habe, ausgewählt habe, ganz in Ruhe auf DVD oder über den Computer zuhause an,) und esse auch nicht gerne im Restaurant. Gemäß der Bertelsmänner muss ich also arm sein; in ihrer sehr engen Vorstellungswelt können sie sich nicht vorstellen, dass man diese Aktivitäten überhaupt nicht erstrebenswert findet oder die damit teilweise verbundenen Wünsche und Bedürrfnisse auf anderen Wegen befriedigt.

      Offensichtlich haben sie sich halt einfach gefragt, welche Konsumwünsche und Wohngewohnheiten sie selbst auf gar keinen Fall aufgeben wollen würden, und haben ihre Ansprüche oder Normalitätsvorstellungen und die eher altmodischen Arten und Weisen, Konsumwünsche zu befriedigen, dann einfach auf alle anderen Menschen übertragen. Und dann sind wir noch nicht bei der Frage angekommen, ob die Konsumwünsche und Aneignungsmethoden der Eltern der Kinder denen entsprechen, die die Kinder haben oder kennen und verwenden (wollen würden).

      Dass andere Menschen andere Dinge wertig, bereicherned im Sinne des Wortes, finden könnten und dass sie mehr und andere Methoden kennen und nutzen, um sich bereichernde Erfahrungen zuzuführen, dazu fehlt den Bertelsmännern anscheinend die Phantasie.

      Theoretisch könnten sie sich so herausreden, dass sie halt diejenigen Größen berücksichtigt hätten, die für eine normale kindliche Entwicklung notwendig sind, aber praktisch können sie es nicht, denn dann müssten sie sich auf eine Theorie der kindlichen Entwicklung gestützt haben, die diese Größen als relevant postuliert und begründet, warum sie das sein sollten. Oder die Bertelsmänner müssten den empirischen Nachweis geführt haben, dass diese Größen für die kindliche Entwicklung tatsächlich notwendig sind, nicht irgendwie wünschenswert, sondern notwendig, den sonst macht die Rede von “Armut” noch weniger Sinn als sie es jetzt schon macht.

      Aber das haben sie nicht getan. Wie auch?! Kein Kind auf dieser Erde muss z.B. einmal im Monat (oder einmal in der Woche oder einmal im Jahr oder überhaupt) ins Kino gehen, um sich normal entwickeln zu können.

  9. Bianca says:

    Auch hier finde ich ein Denkmuster wieder, das mir die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Arbeitslose, Arbeitslosigkeit bzw. keiner Arbeit nach gehen. Kein Mensch auf dieser Welt und auch hier in Deutschland lebt ohne zu arbeiten. Erwerbslosigkeit ist wiederum was anderes, aber benannt wird es nicht als solches.Es gibt tatsächlich Tätigkeiten, die nicht entlohnt werden, weder mit Geldmitteln noch Naturalien . Da sie nicht in die Kategorie ERWERB passen, haben sich viele angewöhnt, derartige Tätigkeiten als Nicht-Arbeit zu klassifizieren und die Menschen die Nicht-Arbeiten, als Schmarotzer abzutun oder einfach nur faul!

  10. E.G. says:

    die wahre Armut liegt wohl mehr in der Gefühlsarmut. Was glauben sie, wie sich Menschen fühlen, die den ganzen Tag arbeiten, Rentner besonders alleinerziehende Frauen, die nicht ganztags arbeiten konnten und aufstocken müssen, um über die Runden zu kommen und die Reichen immer reicher werden und sehen wie die Regierung Steuergelder in Milliardenhöhe verpraßt ? Sind sie ein Sprachrohr für die regierungsnahe Bertelsmann Stiftung ? Es gibt arme Menschen in Deutschland, auch große Bildungsarmut und Emphatiearmut, wenn man bedenkt es ist eines der reichsten Länder der Welt !!! Und anderen Ländern geht es schlecht, weil unsere Raubtierkapitalisten Länder ausrauben.

  11. Pingback: Social Media Experte|Digitale Transformation| Keynote Speaker für Digitalisierung |Digitale StrategienChina, ein innovativer Disruptor, ein Reich der Ideen - Social Media Experte|Digitale Transformation| Keynote Speaker für Digitalisierung |Digitale Str

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