Biomacht: Würden Sie Björn Höcke (oder Ralf Stegner) Ihr Herz spenden?

Oder Angela Merkel – oder Gregor Gysi – oder Sigmar Gabriel?

Ab 2020 ist in den Niederlanden jeder, der das 18. Lebensjahr erreicht, ein Organspender. So lange er nicht ausdrücklich widerspricht. Damit ist nach Kroatien, Spanien, Belgien und Wales, ein weiteres europäisches Land (eine weitere Region) zum Nudger geworden, der Entscheidungen für seine Bürger trifft.

Nudging ist die psychologische Waffe, die Staaten neuerdings einsetzen, um für Teile ihrer Bevölkerung Entscheidungen zu treffen, die angeblich besser sind, für alle und für die, über deren Kopf hinweg sie getroffen wurden.

Nudging basiert auf einer Perversion von Forschungsergebnissen, die Amos Tversky und Daniel Kahneman über Jahrzehnte angehäuft haben und die alle zeigen, dass die Annahmen, die im Wesentlichen die ökonomische Theorie über den „rationalen Akteur“, den homo oeconomicus macht, weit von der Realität abweichen. Denn: Menschen verletzten nahezu alle Prämissen, auf denen die rationale Entscheidung des homo oeconomicus basieren soll. Sie lassen sich von Vorgaben beeinflussen, sie entscheiden aus dem Bauch heraus, sind weder transitiv noch konsistent in ihren Entscheidungen.

Richard Thaler und Cass Sunstein haben diese Abweichungen der Realität vom theoretischen Modell zum Anlass genommen, um ihr Konzept des Nudging zu entwickeln, dessen Zeil vornehmlich darin besteht, die Entscheidung von Individuen über die Gestaltung der Entscheidungssituation (Thaler und Sunstein sprechen hier von einer Choice Architecture) so zu steuern, dass die Entscheidung getroffen wird, die nach Ansicht von Thaler und Sunstein oder nach Ansicht von Staaten, die sich auf das Konzept der beiden gestürzt haben, wie Schmeißfliegen auf einen Leichnam, für den einzelnen und alle und die Menschheit und das ganze Universum die beste Entscheidung ist.

Und dem niederländischen Senat hat es, mit sehr knapper Mehrheit von 2 Stimmen, gefallen, die Entscheidung darüber, ob ein Mensch Organe spendet oder nicht, für den Menschen, der sie spendet zu treffen, denn: Organspende sei eine gute Sache und jeder Mensch, der richtig darüber nachdenke, müsse natürlich zu der Entscheidung gelangen, dass sein Tod nur das Ende für sein Gesamtdasein darstellt, dass Einzelteile seines ehemaligen Gesamtdasein, aber weiterhin verwendbar sind, dass Tod nichts anderes ist als die Transformation eines Körpers in ein Ersatzteilelager.

Warum ist Organspende gut?

Diejenigen, die für Organspende werben, sie tun es gewöhnlich damit, dass sie Herz-Schmerzgeschichten geglückter Organspenden publizieren, in denen natürlich nicht der Tote, sondern der Empfänger der Organe des spätestens dann Toten, die Hauptrolle spielt, vom Sterbebett aufs Podest bei den Meisterschaften der Organtransplantierten (die gibt es wirklich).

Man ist tot und ermöglicht anderen ein (Weiter)Leben.

Andere, die für Organspende werben, tun dies etwas rabiater, z.B. dadurch, dass Sie ausmalen wie es wäre, wenn man eine neue Leber benötigen würde, um weiterleben zu können, aber keine bekommt, weil niemand spendet. Stellt Dir vor, Du brauchst eine Leber und niemand spendet eine!

Wieder andere, wie die Deutsche Welle, verweisen auf das Organschmarotzen deutscher Empfänger bei u.a. Kroatischen Spendern.

Alle, die die Werbetrommel für Organspende rühren, tun dies auf einer moralischen Basis der geteilten Menschlichkeit, die doch soweit gehen sollte, dass man sich im Tod von Organen trennt, die man, weil man (hoffentlich) tot ist, nicht mehr benötigt. Gutes Tun über den Tod hinaus oder: „Organspende ist ein humaner, ein würdevoller Akt“, wie es bei der Deutschen Welle heißt.

Trotz all der psychologischen Massage ist die Zahl der Organspender gering, jedenfalls nicht groß genug. Deshalb haben sich Staaten wie Belgien, Kroatien Spanien oder nun die Niederlande oder die Waliser Sozialisten im Sennet dazu entschlossen, die Trägheit ihrer Bürger, die sie als Spendenwilligkeit interpretieren, dadurch zu überwinden, dass sie sie per se zu Organspendern erklären, um die Trägheit nunmehr für sich auszunutzen, in der Hoffnung, dass die meisten derer, die zu Organspendern erklärt wurden, zu träge sein werden, um ihr Nichteinverständnis damit zu erklären, dass sie zum Spender gemacht wurden. Und natürlich spielen hier die Herz-Schmerz-Geschichten und der Verweis auf die geteilte Menschlichkeit eine Rolle. Derartige affektive Inszenierungen sollen darüber hinwegtäuschen, dass derjenige, der stirbt,  keinerlei Beziehung zu demjenigen hat, der seine Spenderorgane erhält, das ist auch gut so, denn wer weiß, ob diejenigen, die bereit sind zu spenden, spenden würden, wüssten sie, wer davon profitiert.

Aber Beziehungen zwischen Spender und Empfänger bleiben natürlich anonym und natürlich werden auch all die Probleme ausgespart, die es bei Organspenden gibt, von den Problemen bzw. der Unmöglichkeit, Hirntod als solchen punktgenau zu bestimmen, bis zu all den Problemen, die sich mit der Abstoßung fremder Organe und dem nachfolgenden Leben voller Medikamente, um das eigene Immunsystem daran zu hindern, das fremde Organ abzustoßen, verbinden.

Nein, Organspende ist ein humanitärer Akt, den diejenigen, die ein so großes Interesse daran haben, dass andere ihre Organe spenden, nicht mit den kruden und oft unangenehmen Fakten von Organhandel, Profit und Schmiergeldzahlungen belasten wollen.

Lieber treffen sie, wie die Niederlande, die richtige Entscheidung für ihre Bevölkerung. Bevormundung steht höher im Kurs als Aufklärung, so dass man sich fragen muss, warum haben Staaten ein so großes Interesse daran, dass so viele wie möglich aus ihrer Bevölkerung Organe spenden?

Lassen wir die Floskeln über Humanität und die Appelle an das Mitleid der potentiellen Spender einmal beiseite, dann kann man die Frage umformulieren: Wer profitiert wie davon, dass Organe gespendet werden?

Seltsamerweise treffen Regierungen lieber Entscheidungen für ihre Bürger als dass sie die Bürger mit Informationen versorgen. Man kann diesen Hang, für andere zu entscheiden, einerseits – bei den Dümmeren unter den Politikern – mit einer falsch verstandenen Humanität erklären, die dazu führt, dass sie Menschen, die sie nicht kennen, mit den Organen von anderen Menschen, die sie nicht kennen, retten wollen. Anonymität ist hier der Schlüssel. So mancher Kämpfer für die Humanität hat schon seine Grenzen gelernt, wenn er mit denen konfrontiert war, für deren Humanität er so viel Einsatz gezeigt hat – oder: Würden Sie Angela Merkel eine Leber spenden?

Für die weniger Dummen unter den Politikern, deren Bemühen nicht dahin geht, sich als guter Mensch auszuweisen, zu inszenieren, sich mit „virtue signalling“ zu befassen, hat die Macht, über die Köpfe derer hinweg zu entscheiden, die sie für so dumm halten, dass sie nicht einmal im Hinblick auf Organspende die richtige Entscheidung treffen können, eben diesen Reiz: Sie können sich einbilden, an der Ausübung dessen beteiligt zu sein, was Michel Foucault als „Bio-Macht“ bezeichnet hat.

Bio-Macht ist eine lebensschaffende Macht. Früher mussten Souveräne Macht durch Gewährung von Privilegien oder Abschöpfung von Gütern ausüben und hatten die Macht über den Tod. Heute maßen sich Regierungen die Macht über das Leben an. Das Ziel der neuen Machtform, der Biomacht ist es, wie Lemke (2003: 2) schreibt, das „Leben zu verwalten, zu sichern, zu entwickeln und zu bewirtschaften“. Die Bio-Macht ist eine (auf den ersten Blick) lebensschaffende Macht, das Biologische daher das Feld, auf dem sich die Politiker tummeln. Das „Leben der Individuen“, so schreibt Magiros (1995: 99) wird zu einem Bereich, der für bewusste Kalküle, für die politische Durchdringung, für Herrschaft und Kontrolle und Organisation ‚offen‘ geworden ist“. Die Modi, über die Herrschaft und Kontrolle ausgeübt werden sollen, sind Dressur und Disziplinierung. Erstere findet u.a. in Schulen statt, Letztere ist Gegenstand regulierender Kontrolle: „die Demographie wird zu einem wichtigen Wissens- und Machtgebiet, das Verhältnis von Ressourcen und Einwohnern bekommt sowohl in den Wissenschaften als auch in der Politik Gewicht, Fortpflanzung, Geburten- und Sterblichkeitsrate, Gesundheitsniveau und Lebensdauer werden zu den Variablen der Bevölkerung, die die Politik zu beeinflussen sucht” (Magiros 1995: 99).

Im Kontext von Bio-Macht werden Menschen danach beurteilt, ob sie nützlich, gesund, wertvoll, und lebenstüchtig sind. Die Bio-Macht, so schreibt Foucault (1976: 112), sie droht nicht mehr mit dem Tod, wie dies feudale Herrscher getan haben, sie „verspricht das Leben“.

Dieses Versprechen, dem die meisten Menschen anheim fallen, ist der Nukleus der modernen Medizin. Regulierende Eingriffe in die Freiheit, wie ihn aktuell die Holländer vorgenommen haben, dienen zum einen der Legitimation der Bio-Macht mit ihrem Versprechen auf Leben (oder Vegetation, je nach Sichtweise), zum anderen sind sie die Mittel der Durchsetzung der Bio-Macht. Wie gewöhnlich, wenn vermeintliche Gutmenschen wüten, bleibt die individuelle Freiheit auf der Strecke.

Und selbstverständlich lässt sich mit den Organen von Spendern, die letztere unentgeltlich zur Verfügung stellen, viel Geld verdienen. Es ist ein profitables Geschäft, wie nicht nur die Skandale der letzten Jahre belegen, ein Geschäft mit der Hoffnung auf der einen Seite und all zu oft der Anfälligkeit für Gefühlsduselei bzw. Trägheit auf der anderen Seite. Solange Regierungen sich in intime private Tauschbeziehungen einmischen und Organhandel fällt in diese Klasse, so lange kann es nur eine Reaktion auf diese Einmischung geben: Opt-out und Widerspruch dagegen, über seinen Kopf hinweg zum (hoffentlich erst) posthumen Ersatzteilelager für Dritte erklärt zu werden.

Wenn Staaten für Individuen angeblich richtige moralische Entscheidungen treffen wollen, dann ist es höchste Zeit, den Verantwortlichen ihre angebliche Moral dahin zurückzustopfen, wo sie hergekommen ist. Es sei denn, man will sein Leben als unmündiger Sklave der Regierungsentscheidungen führen, wie es unweigerlich passieren wird, oder haben Sie schon jemals erlebt, dass eine Regierung, der man an einer Stelle nachgesehen hat, dass sie über die Köpfe hrer Bürger und für diese Bürger entschieden hat, an einer anderen Stelle plötzlich Skrupel entwickelt, ob der Entmündigung der eigenen Bevölkerung?

Wir auch nicht.

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34 Responses to Biomacht: Würden Sie Björn Höcke (oder Ralf Stegner) Ihr Herz spenden?

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  2. Alfons Tresmann says:

    Eher noch Höcke als Stegner, Merkel definitiv gar nicht!

  3. Sven Kuchary says:

    Wem gehörtder tote Körper? Den Erben? Dem Staat? Niemandem? Die Rechtsfähigkeit erlischt dem Tod, der Verstorbene selbst kann nicht mehr Eigentümer sein. Juristen meinen, das ein toter Körper nicht einfach “Sache” ist, weil noch Persönlichkeitsrechte anhaften, z. B. hat der Verstorbene noch Rechte wie Bestattungswünsche (oder eben Organspende-Verfügungen), die ähnlich wie testamentarische Verfügungen zu beachten sind. In Deutschland lässt man die nächsten Angehörigen über den Körper verfügen (und auch die Beerdigung zahlen). – Das muss aber nicht so sein. Worin liegt die Begründung dafür? Warum sollte ein toter Körper nicht genausogut an die Allgemeinheit fallen? Dann wäre er (immer noch vorbehaltlich abweichender individueller Verfügung!) zur Plünderung als Ersatzteillager frei. Auch jetzt schon nimmt sich der Staat bei unnatürlichen Todesursachen das Recht auf eine Obduktion, sogar gegen den expliziten Willen der Angehörigen.

    • zawehn says:

      Es ist der Glaube. Der Glaube an die Auferstehung, die für manche nur gelingen kann, wenn der Körper vollständig ist, balsamiert, unverbrannt etc. pp. Religiöse Bedenken oder Ansichten, die die Leute nun mal zu Lebzeiten haben, spielen m.E. eine wichtige Rolle, je gläubiger, je wichtiger…

      • corusalbusberlin says:

        “Es ist der Glaube. ” Wer glaubt denn an die Aufersthehung? Die meisten Leute glauben doch gar nicht mehr an dieses religiöse Geschwafel.
        Sie wollen ein schönes Begräbnis für die lieben Hinterbliebenen. In Würde sterben mit Kränzen und allem drumherum. Und die meisten vergießen ihre Krokodilstränen.
        Das ist doch sooooo schön.
        Ich kann das nicht verstehen, denn wenn ich kein Auto habe , bin ich auch nicht im ADFC.

        • Heike Diefenbach says:

          Aber es geht eben nicht (nur) um Glauben, sondern m.E. vor allem um Respekt, und zwar nicht nur oder nicht vorrangig um Respekt vor dem Menschen, der verstorben ist, sondern um Respekt vor sich selbst. Und dieser Respekt vor sich selbst gebietet einem m.E., nicht in maßloser Selbstüberschätzung Entscheidungen für andere (und seien sie Tote) zu treffen und ihren vor dem Ableben ggf. erklärten Willen zu respektieren.

          Übrigens impliziert der Respekt vor sich selbst auch, dass man andere Lebewesen nicht als Ersatzteillager oder bloß als Fleisch zum Auffressen betrachtet – schließlich betrachtet man sich selbst auch nicht so und will nicht von anderen so betrachtet werden. Das ist also einfach eine Frage der Stringenz oder Konsequenz: Wenn man sich selbst ernst nimmt, muss man notwendigerweise dem Kantschen Imperativ folgen.

          Und wer für sich festlegt, dass er zu Lebzeiten oder nach seinem Tod (und da sind wir bei dem Problem, dass es bis heute kein unstreitiges Kriterium dafür gibt, wann der Tod eingetreten ist) lediglich ein Ersatzteillager für andere Lebewesen ist, dem steht es ja frei, sich entsprechend zu erklären.

          Für die meisten Menschen dürfte diese Ansicht nicht zutreffen, was schon dadurch erkennbar wird, dass die meisten Menschen eben keine Organe spenden wollen (weder zu Lebzeiten noch nach ihrem Tod). Und wenn das so ist, muss man grundsätzlich davon ausgehen, dass lebendige oder tote Körper nicht als Ersatzteillager oder Fressen für andere anzusehen sind.

  4. Pe Wi says:

    Organspende – nein Danke. Wenn jemand dran ist, zu sterben, dann ist es eben so. Der Mensch ist kein Ersatzteillager für andere Menschen. Dann kommt noch die Geschäftemacherei mit Organen von einst lebenden Menschen dazu. Mit meinen Organen darf niemand Geschäfte treiben. Wer kann mir denn garantieren, dass die Gier nach Organen meinen Tod abwartet? Letztendlich wird mit dem Ausschlachten des Menschen seine Totenruhe verletzt. Es geht ja nicht nur um Organe, darüber muss man sich im Klaren sein. Es geht um Haut, Knochen, Netzhaut und vielem anderen noch. Mit der Würde des Menschen ist das unvereinbar.

  5. Xep says:

    Organtransplantation ist pervers. Das zeigt die Abstoßreaktion des Empfängerkörpers. Es ist einfach nur ein einträgliches Geschäft für die involvierten Mediziner und die Pharmaindustrie.
    Ich werde nie ein fremdes Organ empfangen wollen, denn das was danach kommt (lebenslange Einnahme von Medikamenten, ein kaputtes Immunsystem) ist nicht das, was ich unter “Leben” verstehe. Warum akzeptieren so wenige den Tod?!
    Wer doch über Organspende nachdenkt, dem empfehle ich diese Seite mal zu besuchen:
    https://initiative-kao.de/

    • xxx says:

      Haben Sie einen dem entsprechenden Ausweis? Falls nein, haben Sie sich nicht aktiv mit dem Thema Organspende beschäftigt. Ob Sie im Falle eines Nierenversagens noch immer so denken, wage ich mal zu bezweifeln. Sie dürfen mich aber gerne eines Besseren belehren.

      • Xep says:

        Offensichtlich haben Sie die verlinkte Seite nicht besucht. Wenn Sie meinen Text gelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, daß ich -im welchen Fall auch immer- eine Organspende ablehne. Da diese Sch*** Regierung dem Menschen die Selbstbestimmung (selbstbestimmtes Sterben) abspricht, zum Beispiel durch das Verbot von Mitteln die ein schmerzloses Ableben (Pentobarbital) ermöglichen, habe ich, da ich keine Lust habe einen Lokführer zu traumatisieren, auf andere Weise vorgesorgt. Wer entsprechende Tips benötigt: https://archive.org/details/APracticalGuideToSuicide

      • Heike Diefenbach says:

        Das ist ein Fehlargument, das Sie hier formulieren, denn vermuten und unterstellen kann jeder alles; das sagt überhaupt nichts:

        Mit demselben Recht könnte man wagen, zu bezweifeln, dass Sie immer noch so denken würden wie Sie denken, wenn Sie als Empfänger einer Fremdniere dieselbe viermal hintereinander abgestossen haben, Ihr Immunsystem völlig am Ende ist, Sie daher alles möglichen Infektionen haben, Sie psychisch am Ende sind, weil Ihre Hoffnungen wieder und wieder enttäuscht wurden, und Sie einfach nur leiden, leiden, leiden – und im Grunde Angst vor der nächsten Operation und Ihren Folgen haben.

        Wenn dieser Fall einmal eintritt und Sie gezwungen sind, sich einmal “aktiv” mit Organspende zu beschäftigen, dürfen Sie uns gerne eines Besseren belehren.

  6. xxx says:

    Wo ist denn das Problem? Wer nicht Organspender sein möchte, kann sich aktiv dagegen entscheiden, ein Nicht-Organspendeausweis genügt. Es wird nur die Logik umgekehrt, so dass die Menschen, die sich damit nicht beschäftigt haben oder beschäftigen wollen dazu beitragen, den Organmangel zu beseitigen. Wer Angst vor Missbrauch hat, beschafft sich so einen Verweigerungsausweis und ist fertig.

    • zawehn says:

      Grundproblem: Der Staat startet eine Umkehr der Freiheitsrechte. Darum geht es. Nicht, daß man sich aktiv einen Nicht-Organspendeausweis holen kann (muß – in Holland)

      • xxx says:

        Darum geht es nicht. Der Staat verlangt durch die Gesetzesumkehr lediglich, dass man sich aktiv damit beschäftigt, weil das bei den meisten erst dann der Fall ist, wenn man auf ein Spenderorgan angewiesen ist. Wenn sich nach reiflicher Überlegung 75 Mio Menschen in Deutschland dazu entscheiden, sich einen NIchtspendeausweis anzuschaffen, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Die Vorgehensweise bei der gleichgültigen Mehrheit wird nur umgedreht.

        • Nomsm says:

          Der Staat hat sich einen Scheissdreck darum zu kümmern, ob ich mich mit etwas beschäftigen will. Es obliegt meiner persönlichen freien Entscheidung was mit meinem Körper passieren soll. Dazu muss ich aber nicht aktiv einen dummen Schein besorgen, denn ich übrigens dann immer mit mir herumtragen muss und der geg.falls auch gefunden werden muss — falls er nicht geg.falls einfach (wie praktisch) verschwindet. Sie haben offensichtlich fundamentale Probleme mit Freiheitskonzepten und würden am liebsten in einer Dikatatur — welcher Couleur auch immer — leben.

    • Heike Diefenbach says:

      … und wo war vorher das Problem???

      Wer Organspender sein möchte, konnte sich doch aktiv dafür entscheiden; ein Organspenderausweis hat doch genügt! Die Möglichkeit des Mißbrauchs haben diese Leute für sich ausgeschlossen oder keine Angst davor gehabt; das war doch völlig in Ordnung so.

      Mit welchem Recht erklären irgendwelche Hinze und Kunze alle Menschen in einer Gesellschaft per se zu Ersatzteillagern?

  7. Winnfried Gardner says:

    Alternative zu nudging.

    Abgesehen davon, dass ein 80 Millionen Volk bestehend aus lauter Gutmenschen mit “sozial Geschrei” auf den Lippen, komischerweise eine miese und so niedrige Spendenbereitschaft im Promille Bereich zeigt, verdeutlicht es doch den Egoismus des alles mitnehmen ” nur Kosten darf es nichts”.
    Ein Trasplantations Versicherungs Gesetz wäre für alle Interesierten wie alle anderen Versicherungen auch, eine Alternative. Jeder eingetragene Spender ist berechtigt selbst ein Organ bei Bedarf zu bekommen. Nichtspender sind von Organ Transplantationen ausgeschlossen. Wer der Meinung ist, in der Natur seine Organe verrotten zu lassen, soll der Natur auch seine Heilung überlassen. Die Kosten wären minimal und bei den versicherrungs- affinen Deutschen wären bald mehr Spenderorgane als Empfänger gelistet.

    • zawehn says:

      Sehr interessanter Ansatz, man wird Mitglied im “Club” und muß seine Organe pflegen, damit sie nicht durch Suff und Drogenseuche verrotten. Gibt es einen Unterschied zwischen verschuldeten und unverschuldeten Organkrankheiten? Ist egal, wie jeder mit sich umgeht? Hauptsache, man ist im Club und BEKOMMT eines Tages. Egal was man zur Erreichung dieses Zustands unterlassen hat…Eigentlich ist der Ansatz wirklich interessant….

      • corusalbusberlin says:

        Ja, finde ich auch, Warum gibt es nicht ein Stiftung, die das bestimmt? Vielleicht die Amadeu Antonio Stiftung ?

      • Winnfried Gardner says:

        Sie haben recht, viele Organe werden gebraucht weil der Lebenswandel die Krankheit bedingt hat. Wo ist eigentlich die Grenze zur Haftung bei privaten Aktivitäten? ich finde es nicht richtig die Allgemeinheit für privates Risiko zahlen zu lassen. Sportunfälle machen einen erheblichen Teil Kosten aus. Nicht nur Extrem Sportarten auch Massensport wie Fußball sind Verursacher. Meine Idee der Organ Versicherung beruht auf Gegenseitigkeit und freiwilliger Teilnahme. Auf diese Weise sind die System Schmarotzer ausgeschlossen.
        Eine private Sportversicherung würde die Unkosten durch Unfälle dem eigenen Risiko und Geldbeutel nicht der Allgemeinheit aufzwingen.

  8. N_K says:

    »Biomacht: Würden Sie Björn Höcke (oder Ralf Stegner) Ihr Herz spenden«

    Aber selbstverständlich. Beim Einen aber nur dann, wenn Gewißheit herrscht, daß es am nächsten Tag stehen bleibt.

  9. Heiner says:

    Sie arbeiten mit einem unsauberen Begriff. Das bin ich von Sciencefiles nicht gewohnt.

    “Hirntod” ist für die breite Masse das Schlagwort, aber das ist unpräzise.
    Man spricht heute vom “irreversiblen Ausfall der Hirnfunktion”. Dieser betrifft alle (!) Anteile des Hirns, vom embryogenetisch jüngsten Anteil, der Großhirnrinde, bis zum ältesten Teil, dem Stammhirn. In Letzterem liegen die Antriebszentren für Atmung und Herz/Kreislauf. Damit ist mit dem Ausfall dieses Teils des Hirns der Körper von selbst nicht mehr lebensfähig. Damit ist ein sicheres (!) Kriterium des Todes erfüllt.
    Die Bundesärztekammer hat dazu eine Richtlinie veröffentlicht, die 2015 in ihrer letzten Änderung veröffentlicht wurde: (http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/irrev.Hirnfunktionsausfall.pdf)
    Kann sich jeder durchlesen und ich muss aus rein medizinischer Sicht sagen: Einfach hat man es sich in der Kommission bei der Aufstellung der Regeln und des Prozedere nicht gemacht. Insbesondere wurde die fachliche Anforderung an die Ausbildung der an der Feststellung des Hirnfunktionsausfalles Beteiligten im Vergleich zu früheren Jahren nochmals deutlich angehoben.

    Der irreversible Verlust der Hirnfunktion ist tatsächlich schwer zu verstehen, da wir den Tod als fest definierten Zeitpunkt auf Tag/Stunde/Minute (und am liebsten Sekunde) definieren möchten und gemeinhin annehmen, daß das Herz mit seinem letzten Schlag der Endpunkt ist. So einfach ist der Todesprozess aber rein biologisch gesehen nicht, auch wenn er nicht über den Verlust der Hirnfunktion definiert wird. Es ist ein komplexer Prozess, wie übrigens alle unsere biologischen Prozesse im Leben auch. Wir sterben sozusagen auf Raten. Zuerst fallen die Zellen der Organe mit dem höchsten Sauerstoffbedarf aus, später die mit dem geringsten. Die überstehen Sauerstoffmangel einfach länger, bis die Autolyse einsetzt. Wenn Sie den Kreislauf und damit die Sauerstoffversorgung der Zellen sichern, dauert es länger bis die Autolyse beginnt. Das macht man übrigens bei denen ohne Hirnfunktion, damit die Organe “frisch” bleiben. Aber sobald sie den Stecker ziehen und der Kreislauf steht, läuft der (Zell-)Todesprozeß ab.
    Die Zeitangabe auf dem Totenschein ist lediglich für die Statistik, weil der Totenschein nicht den sich teils über Stunden hinziehenden Prozeß für jedes Organ und jede Zelle erfassen kann und will.

    Das Transplantationsgesetz verbietet übrigens, daß Mitglieder von organtransplantierenden Teams die Hirnfunktionsverlustdiagnostik durchführen um einen Interessenskonflikt zu minimieren.
    Alle landläufig bekannten Skandale in der Transplantationsmedizin betreffen transplantierende Ärzte, die die Daten frisierten, um die Dringlichkeit zu erhöhen, mit der ihre Patienten auf der Vergabeliste stehen.
    Es ist kein Fall aktenkundig, der die Hirnfunktionsverlustdiagnostik betrifft. Die damit beauftragten Mediziner können gar nicht wissen, wem eventuell ein Organ zukommt, weil die Typisierung unabhängig von ihnen abläuft und sie gar keinen Einblick in die entsprechenden Datenbanken der Vergabezentren haben. Ausserdem ist es unsinnig, weil Neurologen und Neurochirurgen keine Transplantationen vornehmen. Es träumt zwar mancher im Sciencefiction-Roman von der Hirntransplantation, aber schauen wir der Realität ins Auge: das wird auf lange, lange Zeit nichts werden. (Und da bin ich auch froh drüber, weil ich weder von den o.g. das Hirn haben möchte, noch ihnen meins geben möchte, obwohl es für den einen oder anderen eventuell ein Gewinn wäre. *gg*)

    Sorry, aber auch in der Medizin gibt es, wie überall, schwarze Schafe, man ist nur enttäuschter, wenn sowas rauskommt, weil man an den “Halbgott in weiß” glauben möchte. Alles nur Menschen. Ich weiß nicht, ob es da statistische Untersuchungen gibt, aber ich persönlich glaube, daß die Gaußsche Verteilungskurve auch hier zuschlägt.

    Jeder der schon einmal eine Leichenschau durchgeführt hat, kennt übrigens noch weitere sichere Todeszeichen, bzw. sollte diese kennen. Die meisten treten erst nach Minuten bis Stunden ein (Leichenstarre, Leichenflecke etc.) Aber das würde zu weit führen. Das ist seit Jahren Anlaß für diverse Weiterbildungen im ärztlichen Bereich, um die Qualität der Leichenschau zu verbessern.

    Gerichtsmediziner postulieren oft: “Wenn auf jedem Grab, in dem jemand liegt, dem fälschlicherweise ein natürlicher Tod bescheinigt wurde, eine Kerze brennen würde, wären unsere Friedhöfe nachts taghell.”

    Insofern argumentiert Herr Kuchary wirr mit der Obduktion bei unnatürlichen Todesfällen. Hier ist der Staat im Sinne der Rechtssicherheit sogar verpflichtet die Todesursache durch eine gerichtsmedizinische Leichenuntersuchung vorzunehmen, da sonst Tötungsdelikte etc unentdeckt blieben. Deshalb wird auch jede Leiche vor dem Verbrennen im Krematorium nochmals von einem in der Leichenschau erfahrenen Facharzt für Gerichtsmedizin einer erneuten Leichenschau unterzogen. Da wird Opas guter Anzug, mit dem er im Sarg liegt, komplett ausgezogen! Ich habe selbst im Studium in einem Gerichtsmedizinischen Institut ein Praktikum absolviert und wir wurden fündig, ein Tötungsdelikt wäre um ein Haar ungesühnt geblieben.
    Von den versicherungsrechtlichen Konsequenzen einmal abgesehen. (Beispiel: LKW-Fahrer fährt in einen Bus, er stirbt dabei und es gibt im Bus diverse Tote/Verletzte. Bei einem Herzinfarkt des LKW-Fahrers (natürlicher Tod) ist eine ganz andere Unfallursache gegeben als bei einem mutwilligen/fahrlässigen Auffahren mit Todesfolge des LKW-Fahrers (nichtnatürlicher Tod) und somit eine andere versicherungsrechtliche Bewertung, wer die Busopfer wie entschädigt etc.)

    Seit Jahren konkurrieren Zustimmungslösungen/Widerspruchslösungen etc. zur Organspende in allen entwickelten Gesellschaften.
    Die Schwierigkeit besteht, wie einige auch hier ausführten, in der Tatsache, daß wir uns zu Lebzeiten recht ungern mit dem eigenen Tod auseinandersetzen wollen.
    Eine Widerspruchslösung wie sie nun in den Niederlanden besteht, ist sicherlich eine Form des Nudgings, aber ich halte es, im Vergleich zu Lebensmittelampeln, Zuckerverboten, Rauchverboten und ähnlichem Käse für ein vermeintlich höheres Wohl des Bürgers, nicht für verwerflich, daß wir uns auch mal (gezwungenermaßen) mit der eigenen Endlichkeit beschäftigen. Der Tod wird aus unserer Fit-for-Fun- und Hedonismus-Gesellschaft nämlich permanent ausgeblendet, dabei ist er das natürlichste, was uns allen sicher ist!
    Meist machen wir das nämlich zu spät!
    Dann wird eben schon mal die 97jährige, schwer demente Pflegeheiminsassin auch wiederbelebt, weil keine Patientenverfügung vorliegt. Oder der seit Jahren mit ALS im Rollstuhl sitzende Mann, dem der Infarkt einen schnellen Abgang ohne weiteres Siechtum ermöglich hätte. Ob man das als Betroffener will, ist auch mehr als fraglich, oder? (Ist nicht an den Haaren herbeigezogen, alles selbst bzw. im Kollegenkreis erlebt).
    Als Palliativmediziner macht man beim ersten Patientenkontakt in der Regel mit dem Patienten eine Patientenverfügung, damit man den wirklichen Willen des Patienten erfährt. Sonst ist man nämlich im Zweifelsfall im Dilemma und muss einen am nicht heilbaren Krebsleiden Erkrankten beim Herzinfarkt reanimieren, obwohl die Prognose durch den Krebs miserabel ist. Wenn er das so will in seiner Verfügung, dann wird’s gemacht, wenn nicht, wird nicht reanimiert. Sonst steht man nämlich als Arzt wegen unterlassener Hilfeleistung vorm Kadi. So einfach ist die Laube! Da kann man philosophisch oder soziologisch oder religiös oder wie auch immer motiviert noch so drüber rumdenken und schreiben, das ist die Realität! Der Staatsanwalt steht da hinter dem Arzt und der Arzt mit einem Bein im Knast! Genauso ist es mit einem Organspendeausweis.

    Wie wir letztendlich die Leute dazu bekommen, auch mal an ihr Ende zu denken und dann zu entscheiden, ob es ihnen Wurst ist, ob sie mit allen Organen in die Grube gehen oder ob ein paar Gramm woanders noch ein bissel durch die Welt wandern – mir ist das weitgehend egal und ich akzeptiere jede persönliche Entscheidung, ob für oder gegen Organspende. Wenn Sie dafür einen Königsweg finden – her damit! Ich bin für Vorschläge jederzeit offen.
    Aber solange die Gesellschaft den Gedanken an den Tod an sich verdrängt, wird es fast keiner freiwillig machen. Sorry, aber dazu sind die Leute einfach zu träge.
    Das “memento mori” ist nun einmal aus dem Bewußtsein der Menschen gewichen und durch den Glauben an das ewige irdische Leben ersetzt worden. Und die Lebenswirklichkeit holt uns alle meist zu einem Zeitpunkt ein, wo wir nicht mehr klar denken und unseren Willen formulieren und zu Papier bringen können. Deshalb haben die meisten auch kein Testament und die Erbschaftsgerichte Hochkonjunktur.

    • Mister X says:

      Der beste Kommentar zu dieser Sache !

    • xxx says:

      Danke für dien Kommentar. In letzter Konsequenz müssten dann alle Menschen auch zum Verfassen einer Patientenverfügung “gezwungen” werden. Ohne Verfügung gibt es keine Wiederbelebung oder sonstige lebensverlängernde Maßnahmen.

      • Heiner says:

        Von “gezwungen” werden, lieber Mitkommentator xxx, im Sinne einer obligatorischen Abfassung einer Patientenverfügung möchte ich nicht gleich sprechen. Die Patientenverfügung wäre auch nur ein Mittel, um für sich selbst in bestimmten, klar definierten Situationen Reanimation oder lebensverlängernde Maßnahmen auszuschließen/zu beenden. Wie weit man diese Situationen faßt, bleibt die freie Entscheidung des Verfügenden.
        Es ist übrigens eine der wenigen sinnvollen Veröffentlichungen des BMJV aus der Amtszeit von Heiko dem Mittelmaasigen: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Patientenverfuegung.pdf;jsessionid=7C994F212A1F5AB18987E161681C5798.2_cid334?__blob=publicationFile&v=28
        Kennen (leider) nur wenige.

        Ein Nachdenken über eine solche Verfügung wäre schon wünschenswert, ob “gezwungen”, “genudged” oder auf andere Weise (ich kenne auch hier den Königsweg nicht), um den Umgang mit dem Tod und Krankheit zu entzaubern und sie als natürliche Bestandteile des Lebens zu akzeptieren und nicht zu verdrängen. Das Denken darüber hilft auch bei der Wertschätzung, die wir dem Leben gegenüber aufbringen. Man wird demütiger und ehrfürchtiger vor diesem wundervollen Geschenk des Lebens. In eine solche Verfügung kann und sollte man übrigens seine eigenen Wertvorstellungen als Begründung einbringen.

        Auch bei der Patientenverfügung gilt dann wieder, die Freiwilligkeit, ob man so etwas abfaßt.
        Der Umgang und die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit gehört für mich zu dem, was einen frei denkenden Menschen auch ausmacht. Die eigene Endlichkeit und die Gedanken daran aus dem Schattendasein, was sie derzeit führt, herauszuholen, ist wichtig. Wir brauchen auch hier, wie für alle Bereiche, eine offene, tabu- und angstfreie Diskussion.

        Genauso wie für die Auseinandersetzung mit Krankheiten. Krankheiten braucht kein Mensch, aber er bekommt sie dennoch. Es liegt eine gewisse Tragik darin, daß wir meist erst im Angesicht einer einschneidenden Lebensveränderung durch eine Krankheit begreifen, welch Geschenk das Leben überhaupt ist.
        Ich habe junge Männer nach durchstandener Hodenkrebserkrankung befragt, was sich in ihrem Leben geändert habe. Die Antwort von einem Anfang 20jährigen: “Das Gras ist anders grün!”
        Da sitzt man als behandelnder Arzt erst einmal sprachlos da! Welch philosophische Tiefe liegt in diesen wenigen Worten! Da habe ich als junger Arzt zum ersten Mal wirklich und in aller Fülle begriffen, was Leben wirklich bedeutet. Diese Patienten haben mir dafür die Augen und alle anderen Sinne weit geöffnet, dafür bin ich denen unendlich dankbar! Auch dafür, daß sie mich auf die eigene Endlichkeit und Verletzbarkeit aufmerksam machten. Ärzte denken ja oft, sie seien unverwundbar, die Krankheiten haben nur die anderen. Pustekuchen, sie sind auch nur Menschen!

        Soldaten, die in Auslandseinsätze der Bundeswehr gehen, wird vor dem Einsatz in einsatzvorbereitenden Seminaren geraten, über Testamente, Betreuungsverfügungen etc. nachzudenken und diese abzufassen.
        Warum müssen erst solche Grenz- und Extremsituationen des Lebens dazu führen, daß wir uns mit unserer Verletzlichkeit und Endlichkeit befassen?
        Warum ist das nicht natürlicher Bestandteil unserer humanistischen Bildung?

        Ich vermute immer Angst als Hauptgrund dahinter, daß wir uns damit nicht auseinandersetzen. Aber Angst ist in allen Lebensbereichen ein schlechter Ratgeber. Mit Angst kann man ganze Völker und Gesellschaften leichter dirigieren und regieren. (Dieser Blog macht uns dankenswerterweise immer wieder auf solche Mechanismen aufmerksam. Dafür an diese Stelle ein besonderes Dankschön an die Betreiber!) Befreien wir uns von unseren Ängsten, auch denen vor Krankheit und Tod, stellen wir uns ihnen, dann sind wir wirklich freie Individuen!

        Es mag etwas kitschig klingen, aber die für mich beste Zusammenfassung dieses Gedankens habe ich in allem bisher gelesenen (und ich lese sehr viel) in J.K. Rowlings Harry Potter Band 7, Die Heiligtümer des Todes, gefunden. Sie läßt dort Dumbledore im Kapitel “King’s Cross” zu Harry sagen: “Du bist der wahre Gebieter des Todes, weil der wahre Gebieter nicht versucht, vor dem Tod wegzulaufen. Er nimmt hin, dass er sterben muss, und begreift, dass es viel, viel Schlimmeres in der lebendigen Welt gibt, als zu sterben.” (Im Original: “You are the true master of death, because the true master does not seek to run away from Death. He accepts that he must die, and understands that there are far, far worse things in the living world than dying..”)

  10. NEIN – ich stehe nicht auf kranke Männer !!!
    Aber im ernst – ich spende meine Organe höchstens einem Familien-Mitglied, da diese Organe einem noch “lebenden” Menschen entnommen werden müssen von Toten sind die Organe nicht mehr zu gebrauchen. Die noch lebenden Menschen werden wegen den Schmerzen betäubt und festgegurtet. Diese Schmerzen, auch wenn sie vielleicht auch nur Seelische Schmerzen sind, nehmen wir mit und verarbeiten sie dort oder später in unserem neuen Leben.

  11. St. Elmo says:

    Was mich an der Organspende stört

    – Es wird in den Medien seltenst über die Kosten-Nutzen der Organtransplantation gesprochen.

    Jeder € aus der KV kann nur einmal ausgegeben werden und muss vorher von den Versicherten Erwirtschaftet werden von daher sollte er bei Intensivmedizinischen Eingriffen, da Ausgegeben werden wo das Beste Verhältnis von gewonnener Lebensqualität und Lebensjahren besteht.

    Kann mit den € die für die Organtransplantation und die medizinische Versorgung der Empfänger nach der Transplantation verwendet werden in anderen Bereichen mehr Nutzen im Sinne von besser Lebensqualität und zusätzlichen Lebensjahren erreicht werden,wenn man diese € dort verwenden würde. z.b. Krankenhaushygiene, Pflege, Ausstattung von Rettungsdiensten, Krankenhäuser, Krebsforschung usw.?

    – Die schlechte Überlebensrate in Deutschland gesprochen.
    Bei Lebertransplantationen liegt sie für das erste Jahr bei Netto ca. 90% (nach dem die Abgezogen wurden die Bereits auf dem Tisch geblieben sind sonst wäre sie noch schlechter).
    Rechtfertigt diese bescheidene Rate den Enormen Kostenaufwand?

    – Die Lüge das mehr Organspendeausweise mehr Transplantationen ermöglichen.
    Laut einem Artiekel der Welt aus 2010 waren, weil es immer weniger Unfalltote gibt, 1/3 der Transplantierten Organe von Personen über 65 Jahren.
    Viele mögliche Spender 10-20% fallen auch Aufgrund von Vorerkrankungen oder Organschäden aus. (Virusinfektion, Krebs, Erbkrankheit etc.)

    • xxx says:

      Deswegen ist ja das Gesetz erforderlich. Bei 900000 Todesfällen pro Jahr hätte man – 20% Ausfall berücksichtigt – 720000 Organsätze zur Verfügung. Bei einer Warteliste von 8000 Patienten bei Nieren (alle anderen Organe haben eine wesentlich kürzere Liste), müssten über 98% der verfügbaren Organsätze durch Ablehnungsausweis ausfallen, um Probleme zu bekommen. Das halte ich aufgrund der Bequemlichkeit der Deutschen für sehr unwahrscheinlich.

      • St. Elmo says:

        Äh nein.

        Sie begehen hier einen logischen Fehler in dem sie von den 900.000 Todesfällen pauschal davon ausgehen, das dies alles potentielle Spender sind und daher nur die heutigenbis zu 20 % der tatsächlichen Organspender abziehen die Aufgrund von Krankheiten u.ä. dann doch nicht als Spender genutzt werden können.

        Sie vergessen hier z.b. das Sterbealter zu berücksichtigen
        die Inneren Organe von über 70 Jährigen können sie selten noch verwenden.

        Wenn wir von den Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2015 ausgehen, dann war 2015 das durchschnittliche Sterbealter bei Männern 75 Jahre und bei Frauen 82 Jahre

        Jetzt ziehen wir einfach von den 925.000 Personen die 2015 gestorben sind nur diejenigen über 75 Jahre ab.
        D.h. 267.000 Männer und 361.000 Frauen
        so dann bleiben von ihren 925.000
        nur noch 297.000 übrig…
        (wenn wir auf 70 Jahre reduzieren würden nocheinmal fast 100.000 Personen ausfallen und es wären nur noch 198.000)

        Dabei sie setzt voraus das sie jeden Toten verwursten können

        Aber das wichtigste Kriterium haben sie/wir bis jetzt nicht berücksichtigt
        den Hirntod
        oder wie die BZgA so schön schreibt:

        “Der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) ist die Folge einer schweren Hirnschädigung. Ursachen dafür können Hirnblutungen, Hirntumore, Schlaganfälle oder Hirnhautentzündungen sein. Auch Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkte können die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und zu einer Hirnschädigung führen. Schwere Schädel-Hirnverletzungen, wie sie zum Beispiel bei einem Unfall verursacht werden können, können ebenfalls zum Hirntod führen.”

        – Hirntumor–> Krebs und dadurch fast komplett ungeiegnet und raus
        – Hirnhautentzündung –> Infektionskrankheit/Parasiten und dadurch fast komplett ungeiegnet und raus
        – Herzinfarkte –> Da leidet nicht nur das Hirn sondern alle Organe und somit mit hoher wahrscheinlichkeit raus.
        – Schlaganfall –> Zu alt oder nicht rechtzeitig gefunden bzw. dank Stroke-Units weniger Todesfälle somit und mit großer wahrscheinlichkeit raus.
        – Herzrythmusstörung –> Krankehit des Herz-Kreislaufsystems und somit mittlere chance raus zu sein.

        Bleiben die
        Schwere Schädel-Hirntrauma die meist durch Gewalteinwirkung wie z.b. Auto oder Motoradunfälle oder Unfälle im Haushalt auftreten.

        Und das wären dann bei lediglich ca. 25.000 Unfalltote in 2015
        Und wenn wir da die über 75 Jährigen rausrechnen bleiben ca. 9000 übrig und die Sterben nicht alle am Hirntod im Krankenhaus.
        Gehen wir davon aus das ca 50% davon am Hirntod im Krankenhaus sterben und bei 20% Ausfallquote bleiben dann

        4.000 potentielle Spender.

        Wenn sie also wirklich mehr Spender wollen, dann brauch sie nicht nur ein Opt-Out System sondern sie brauchen zusätzlich ein Verbot von Motoradhelmen und Sicherheitsgurten und eine Totalüberwachung aller Wohnräume damit jeder tödliche Haushaltsunfall rechtzeitig zur Organkoserverierung ins Krankenhaus kommt.

  12. sidthesloth89 says:

    Sollte mein Tod es anderen Menschen ermöglichen weiterzuleben, dann sollen sie meine Organe gerne haben. Jedoch…da anzunehmen ist, dass ich ein ähnliches Alter erreichen werden wie meine Vorfahren vor mir, die alle weit jenseits der 80 ihr Leben aushauchten, brauche ich mich darüber wohl nicht zu sorgen. Immerhin, wer entnimmt einer Person von 91 Jahren beim Tod ein Herz und setzt es anderen ein? Das würde meiner Meinung nach dessen Lebenszeit noch weiter verkürzen.

  13. oprantl says:

    Wenn derjenige, welcher von der Grundsicherung lebt, sein Herz einem Thurn und Taxis überläßt, ohne dass damit ein Vermögensausgleich statt findet, dann habe ich ein Problem damit.
    Für mich ist die Entmündigung des Spenders nicht akzeptabel.
    Ja, auch ein Stegner könnte meine Organe bekommen, aber nur gegen Überschreibung aller Pensionsansprüche an meine Erben.
    Und so denke ich wie die beteiligten Ärzte, ohne Moos nix los, außer der Empfänger ist arm.
    Aber leider bin in diesbezüglich durch den Gesetzgeber entmündigt.

  14. Heike Diefenbach says:

    Vielleicht schadet es auch nicht, daran zu erinnern, dass es so etwas wie einen Bedarf an Organen strenggenommen nicht gibt.:

    Jedes (bis auf Weiteres überlebensfähige) Lebewesen ist mit den Organen ausgestattet, die es braucht, um zu leben. Wenn diese Organe nicht mehr funktionieren, dann ist seine Lebensqualität eingeschränkt oder es muss sterben. Alles, was lebt, muss einmal sterben.

    Insofern kann man sich auch einmal fragen, aus welcher seltsamen Vorstellung über den Charakter des Lebens (ganz zu schweigen vom ggf. vorhandenen persönlichen Sinn des Lebens) die Idee der Notwendigkeit von Organspenden entsprungen ist.

    Und noch etwas:

    Die Zukunft hinsichtlich Ersatzorgane liegt nicht in Organspenden, sondern in der Entwicklung künstlicher Organe, und tatsächlich ist die Wissenschaft diesbezüglich schon recht weit fortgeschrittten.

    Insofern ist die Entmündigung von Bürgern, um an ihre Organe heranzukommen, ein weiteres Beispiel für eine Politik der Ewiggestrigen, die bloß dazu beiträgt, den Fortschritt in Sachen Entwicklung künstlicher Organe zu behindern.

    Das ist dasselbe wie im Fall der Tierversuche: jedes halbwegs moderne Institut, das etwas auf sich hält und auf dem technoioischen Stand der Dinge ist, macht gar keine mehr; die technischen Möglichkeiten bieten hier nicht nur Ersatz, sondern sind den alten Mißbrauchspraktiken in vieler Hinsicht überlegen.

    (Auch) Vor diesem Hintergrund muss die Erklärung von Bürgern zum Ersatzteillager per Gesetz, der sie widersprechen müssen, bestenfalls als reiner Akt des Gutmenschentums gelten, schlechtestenfalls als Geschäft, an dem der Spezi mitverdienen kann.

    • Heiner says:

      Vielleicht gib es auch kulturelle Unterschiede im Herangehen an das, was den Menschen ausmacht?
      Ein gutes Beispiel dafür ist der niederländische Biologe und Philosoph Midas Dekkers. Der schrieb vor Jahren ein, zuweilen recht provokantes, aus meiner Sicht auch recht amüsantes Buch: “An allem nagt der Zahn der Zeit”.

      Allein der Klappentext ist eine Provokation für sich: “Der Mensch, das ist nicht Geist, Moral und derlei immaterielles Gespinst. Der Mensch, das ist: Wasser für 60 Kannen Kaffee, Phosphor für 50 Schachteln Streichhölzer, genug Eisen für einen Nagel, ausreichend Kalium für eine Rolle Zündplättchen, so viel Kalk, dass man einen Hühnerstall damit weißeln könnte. Und dieses wundersame Gemisch, ein paar Zutaten haben wir weggelassen, ist ein ständiger Prozess des Werdens und Vergehens, bis ihm Alter und Verfall am Ende den Garaus machen.”

      Er plädiert übrigens dafür “Die Erotik des Verfalls” zu entdecken.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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