Nebensatzdiffamierung: Drei Stufen der ARD Manipulation

Gibt es eigentlich noch jemanden, der denkt, Journalismus wäre im Allgemeinen mit dem Versuch verbunden, objektiv zu berichten (das mag es in Ausnahmefällen noch geben)? Hat noch jemand die Vorstellung, dass sich die Gruppe der Journalisten aus mehrheitlich netten und aufrichtigen Menschen zusammensetzt, denen es darum geht, ihre Leser, Zuhörer, Zuschauer zu informieren?

Dann können wir nur fragen: In welchem Paralleluniversum leben Sie denn?

Journalismus ist in der Mehrzahl der Fälle ein schmutziges Geschäft, bei dem es darum geht, Leser/Zuhörer/Zuschauer mehr oder weniger offen zu manipulieren. Gelegenheit dazu gibt es in Hülle und Fülle.

Alles, was Medien in Deutschland und anderswo verbreiten, ist eine Auswahl der Nachrichten, die berichtet werden KÖNNTEN:

 

Stufe 1 der Manipulation: Was wird berichtet?

Journalisten treffen diese Auswahl nach Kriterien, die man nirgends nachlesen kann, aber die man rekonstruieren kann, wenn man z.B. kontinuierliche Auslassungen oder stetige Häufungen sammelt. Haben Sie schon einmal einen positiven Artikel über Donald Trump auf Tagesschau.de gelesen? Wir auch nicht. Am Shorenstein-Center der Harvard University hat man die Berichterstattung über Donald Trump für Nachrichtensender weltweit untersucht: Niemand berichtet so negativ über Donald Trump wie die ARD. Das ist eine vielsagende Häufung, die jede Aussage, es ginge bei der ARD darum, zumindest zu versuchen, objektiv zu berichten, Lügen straft.

Mit Auslassungen ist es nicht anders. Die US-Amerikanischen Medien berichten übereinstimmend davon, dass es Donald Trump um mehr Gerechtigkeit in den Handelsbeziehungen ginge und er langfristig einen kompletten Abbau von Handelsschranken anstrebt. Haben Sie davon etwas in Deutschland gelesen (aus bei ScienceFiles)?

Die Auswahl von Nachrichten erfolgt vor dem Hintergrund der Interessen, die diejenigen haben, die die Nachrichten auswählen. Die Auswahl von Informationen stellt somit ein Zeugnis der jeweiligen Interessen, keinen Überblick über die verfügbaren Informationen dar.

 

Stufe 2 der Manipulation: Wie wird berichtet?

Guter Journalismus zeichnet sich dadurch aus, dass zumindest versucht wird, faktisch zu berichten. Schlechter Journalismus vermengt die Beschreibung mit Bewertungen, manipulativer Journalismus versucht, Lesern Bewertungen unterzuschieben. Nehmen wir den heutigen Beitrag auf tagesschau.de mit dem Titel „Rundumschlag per Twitter“. Er ist eine Fundgrube für die Manipulation durch Bewertung. Wer den Beitrag gelesen hat, der soll Donald Trump in jedem Fall negativ bewerten. Das ist das eindeutige Ziel dieses Beitrags, der nicht einmal den Versuch macht, objektiv zu berichten.

Wir haben alle wertenden Ausdrücke aus dem Bericht zusammengestellt. Sie teilen eine Gemeinsamkeit: Sie sind ausschließlich negativ für Donald Trump. Der Versuch, ausgewogener Berichterstattung ist der ARD so fern wie GN-Z11 der Erde:

„Rundumschlag per Twitter“ [Konnotation: unberechtigt, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Unterschied…]

„nach seinem Eklat“
„verbal nachgelegt“
„Reihe wütender Tweets“
„attackierte er“
„scharf angegriffen“
„Serie wütender Tweets“ [Es waren drei Tweets]
[…]
„für eine Eklat gesorgt“
„wurde Trump scharf kritisiert“
„Andrea Nahles bezeichnete Trump als „Chaot“.

Im gesamten Text findet sich im Zusammenhang mit Donald Trump kein positives Adjektiv und keine positive Aussage. Nahles als Experte für Chaoten anzuführen, hat natürlich etwas, aber wir befürchten, bei der tagesschau hat man diesen Hinweis nicht ans Ende des Textes gestellt, um den Beitrag mit Ironie zu beenden, sondern, um den Lesern bis zum letzten Wort einzuhämmern, was sie von Trump zu halten haben.

 

Stufe 3 der Manipulation: Lügen und Zweifel an der Integrität unterschieben.

Auch diese Mittel, aus der untersten Schublade der Manipulation finden sich bei tagesschau.de.

Fangen wir mit dem Unterschieben an:

„Die Europäische Union habe einen Handelsüberschuss von 151 Milliarden Dollar und solle weit mehr fürs Militär ausgeben, forderte Trump. Kanada verbuche einen Überschuss von fast 100 Milliarden Dollar und nehme Aufschläge auf US-Molkereiprodukte. Und dann reagiere der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau verletzt, wenn er zur Verantwortung gerufen werde, kritisierte Trump. Zahlen, auf die er sich in seinen Tweets beruft, haben sich in der Vergangenheit schon öfter als falsch oder irreführend herausgestellt.“

Haben Sie bemerkt, wie ihnen im Nebensatz untergeschoben werden soll, dass der Hinweis auf die Importzölle, die Kanada erhebt, auf falschen Zahlen basiere, denn Trump habe schon in der Vergangenheit falsche Zahlen vorgelegt? Wer derartige Sätze ohne jeden Beleg schreibt, der hat nur ein Ziel: Das Objekt seiner Sätze zu diskreditieren. Tatsächlich sind die Zahlen, die Trump im Zusammenhang mit den Importzöllen nach Kanada genannt hat, richtig:

“Canada uses supply-management systems to regulate its dairy, chicken, turkey, and egg industries. The regime involves production quotas, producer marketing boards to regulate price and supply, and tariff-rate quotas (TRQs) for imports. Canada’s supply-management regime severely limits the ability of U.S. producers to increase exports to Canada above TRQ levels. Under the current system, U.S. imports above quota levels are subject to high tariffs (e.g., 245 percent for cheese, 298 percent for butter).”

Früher hätten wir uns gefragt, was die ARD da als Journalist beschäftigt. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre müssen wir leider feststellen, dass das die Normalität der Berichterstattung bei tagesschau.de darstellt.

Fehlt noch das Beispiel für offenes Lügen. Hier ist es:

„Trump hatte am Wochenende für einen Eklat gesorgt, als er über Twitter der zuvor mühsam ausgehandelten Abschlusserklärung zum Gipfeltreffen der G7-Staaten in Kanada seine Unterstützung entzog. Er begründete sein Vorgehen damit, dass Kanada weiter Gegenzölle auf die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium plant.“

Das ist eine Lüge. Die Begründung bestand darin, dass Justin Trudeau im Treffen mit Trump Einigkeit geheuchelt hatte und nachdem Trump das Treffen verlassen hatte, seine Sicht der Dinge als Ergebnis der Verhandlungen durchsetzen wollte:

Bleibt noch eine typisch deutsche Form der Verwunderung:

„Wieder einmal: America First“

Das ist als Vorwurf gedacht. Dass der US-Präsident sich in erster Linie als Präsident der US-Amerikaner versteht und an DEREN Vorteil interessiert ist, ist eigentlich normal. Unnormal ist, dass man in deutschen Medien, in öffentlich-rechtlichen Redaktionen glaubt, man könne gewählten Repräsentanten vorwerfen, dass sie am Vorteil ihrer Bevölkerung interessiert sind. Das ist eine Form der intellektuellen Schwäche, die man nur als Entartung des Denkens bezeichnen kann. Wer sich jetzt verletzt fühlt, weil die Nazis den Begriff der Entartung auch gebraucht haben, in einer entarteten Version, der muss mit seiner Verletzung umgehen lernen. Ganz im Gegensatz zu dem, was manche denken, sind es nicht die Begriffe, die Verletzungen zufügen. Diejenigen, die sich von Begriffen verletzt fühlen, sind vielmehr masochistisch veranlagt, haben Spaß und Freude daran, von einem Begriff verletzt zu werden. Eine Entartung beschreibt eine Mutation, die nicht überlebensfähig ist, weil sie keine Anpassung an die Erfordernisse der Umwelt darstellt. Und so ist der Begriff hier gebraucht, wer ihn dennoch nicht mag, kann ihn ja mit abartig oder schlicht „krank“ oÄm ersetzen.

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8 Responses to Nebensatzdiffamierung: Drei Stufen der ARD Manipulation

  1. Klingler says:

    Man muss Trump nicht mögen, ihn nicht lieben, aber über den höchsten gewählten Repräsentanten eines Volkes im öffentlichen Raum so vom Leder zu lassen, zeigt doch nur eines, “Null Respekt”. Und man solle ja nicht glauben, die machen halt – diese Welkes, diese Schreiber, diese Illner, und und, sie sind eine Schande für ihre Zunft, Systemhuren durch und durch.

  2. eht says:

    Es war schon immer klar, meine ich, dass der viel zitierte Vorwurf, „Lügenpresse“ (ein unglücklich gewähltes Wort) zu sein, nicht schlicht meinte, dass Medien „lügen“, sondern dass sie 1. selektiv berichten (das eine überbetonen, das andere unter den Tisch fallen lassen, herunterspielen), 2. unter dem Deckmantel des „Berichts“ subjektiv interpretieren, 3. zitierte Quellen gern eins zu eins abschreiben, anstatt zu recherchieren (was den Urhebern Macht verleiht). Klar gibt es keine objektive Realität, aber deren bewusst oder unbewusst vorgenommene Verzerrung lässt sich durchaus nachweisen. Und das alles hat natürlich damit zu tun, dass ein beträchtlicher Teil der Journalisten sich nicht als Beobachter der Szene versteht, sondern aktiv Politik machen möchte und ihr Publikum erziehen bzw. sich mit diesem empören möchte über die bösen Andersdenkenden.

  3. Pingback: Nebensatzdiffamierung: Drei Stufen der ARD Manipulation | volksbetrug.net

  4. George says:

    Das lustige ist, daß alle jetzt plötzlich anfangen von Framing zu reden. Dabei machen die Medien das schon lange vor. Jedem, der ein bißchen auf Sprache achtet, fällt das auf, diese wertenden Beschreibungen. Die einen demonstrieren, die anderen marschieren auf. Die einen fordern Dinge, die zukunftsweisend, modernisierend, inklusiv oder gerecht sind (ich meine, wie kann man gegen Gerechtigkeit sein?), bei den anderen ist es Stillstand, ungerecht oder sie wollen die Uhr zurückdrehen. Bei den Parteien sind es „die anderen“ und „wir alle“.

  5. Umadbro says:

    Benötige mal eine Einschätzung, ob ich jetzt langsam paranoid werde, was Jornalisten betrifft.

    Stellen Sie sich vor sie sind ein leitender, loyaler Mitarbeiter eines großen Konzerns. Der Vorstandsvorsitzende (!) erscheint bei Ihnen um über ein Thema zu reden. (Thema an der Stelle vollkommen irrelevant.) Während des Gesprächs nimmt dieser Ihren teuren, vom Vater vererbten Kugelschreiber, oder Füller von Wert (Nobelmarke) und rührt damit sein Getränk um. Ungeschickt? Unangemessen? Boshaft?

    Mal platt gesagt: Houston, wir haben ein Problem, oder? Wie sollte man ein solches Verhalten deuten?

  6. zawehn says:

    Früher haben Journalisten Berichte und Kommentare verfaßt. Heute schreiben Journs und Journinnen nur noch Journos.

  7. oprantl says:

    Es ist wohl wie bei den Arbeitnehmervertretern in den Aufsichtsräten.
    Man gibt ihnen viel Geld, viel mehr als sie wert sind, viel mehr, als sie laut Gesetz bekommen dürften, und siehe da, sie funktionieren. Nackte Gier macht den Parteiverrat. Die Logik kann man verstehen. Schöne Grüße an Klaus Kleber und Kollegeninnen !
    Bei den Journalisten funktioniert die Manipulation auch sehr gut, aber es fehlt überwiegend das viele Geld, selbst für Hungerlöhne funktionieren sie.
    Des Rätsels Lösung liegt wohl in der Teilhabe an der Macht und links oder rechts, egal, der Sozialist war schon immer ein überzeugter Rechtsradikaler und der Rechte schon immer auch ein Sozialist.
    Und wenn ich mir die Juristen anschaue, es ist mindestens genau so schlimm.
    Aber warum sind es so viele ? Andererseits, im 3. Reich waren es ähnlich viele und wahrscheinlich auch die gleichen Charaktäre..

  8. Xamterrec says:

    Diese Sprachmanipulation in den Medien ist wirklich augenfällig.
    Deswegen, höre, sehe und lese ich keine deutschen Leid-Medien.
    Mit Michael Klonovsky unterscheide ich L-Presse (Lügen-, Lücken- oder Lumpen-Presse)
    In der Schweizer Weltwoche wird z.B. über Trump kritisch, aber sehr fair berichtet.

    Bei der Sprachmanipulation der Medien wird auf den altbewährten Trick der ständigen Wiederholung zurückgegriffen, die ja bekanntlich im Gedächtnis haften bleibt.
    Das geschieht dadurch, dass bei jedem missliebigen Begriff ein “epitheton ornans” hinzugefügt wird: Der “Rechtspopulist” Wilders, das “klimaschädliche” CO2, der “umstrittene” Autor soundso.

    Dieser Trick wird aber nur bei rechten (sic!) Themen angewandt.
    Vom “Linkspopulisten” Wagenkecht oder von “vogelschreddernden” Windkraftanlagen liest man niemals.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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