Gleiches Mitleid für alle! Alpenprawda fordert Gleichstellung in Mitleid

Es war vorherzusehen, dass diejenigen, die immer zur Stelle sind, um Moral von anderen zu fordern, im Krieg um die Hoheit im öffentlichen Diskurs nicht passiv am Rand stehen würden, wenn die Medien in einem Livestream nach dem anderen den Mitfiebernden die Rettung von 12 Jungen und ihrem Trainer in die erste Reihe liefern.

Das konnte nicht so bleiben.

Schon weil Genderisten schäumen müssen, ob der Tatsache, dass die Schlagzeilen von männlichen Hauptdarstellern monopolisiert werden, 12 Jungen, ein männlicher Trainer und 90 männliche Taucher. Wo immer Kompetenz und Fähigkeit verlangt werden, bleibt Gleichstellung auf der Strecke. Vielleicht schäumen die Genderisten deshalb bislang im Stillen.

Nicht mehr ausgehalten hat das passive am-Rand-Stehen Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung. Wie so oft, wenn es darum geht, eine bislang normale Berichterstattung zu etwas Unerquicklichem fortzuentwickeln, ihr eine gehörige Portion dessen, was Gutmenschen für Moral halten, beizumischen, und sie zu einer nicht mehr erträglichen Darbietung in „wer-ist-der-bessere-Mensch“ zu degenerieren, ist die Alpenprawda in erster Frontlinie.

Und dieses Mal hat die Alpenprawda „zweierlei Maß von Mitleid“ erkannt.

Drobinski will es erkannt haben.

Einerseits gebe es viel Mitgefühl für die „Jungs in der Höhle in Thailand“, andererseits „einen Verlust an Empathie mit den Flüchtlingen im Mittelmeer“.

Dass es irgendwann einen geben würde, der es nicht mehr aushält, der vor Gutmenschensaft schier platzt und sich entsprechend erleichtern muss, ob der täglichen Schlagzeile für Jungen, das war klar, und nun wissen wir auch, in welcher Weise der Schlag gegen das falsche Mitleid erfolgen würde, mit logischen Fehlschlüssen und der absurden Vorstellung, man müsse als Mensch mit allen dieselbe Menge und genau dieselbe Art von Mitleid haben.

Auf dieser Prämisse basiert der Text von Drobinski. Er schiebt sie seinen Lesern unter und verurteilt jeden, der sie nicht mit ihm teilt.

Wir teilen Sie nicht.

Wir gehören zu denen, die nicht denken, alle Menschen verdienten dieselbe Art von Mitleid. Wir wehren uns gegen diese Nivellierung von Unterschieden zwischen Menschen und dagegen, die unter Linken so beliebte Ergebnisgleichheit ungeachtet aller relevanten Variablen, die einen Unterschied im Ergebnis bewirken, vorzunehmen.

  • Menschen sind nicht gleich.
  • Menschen haben unterschiedliche Motive.
  • Menschen haben unterschiedliche Kompetenzen.
  • Menschen haben unterschiedliche Präferenzen.

Deshalb fiebern viele mit den Jungen in der Höhle in Thailand und hoffen auf deren Rettung.

Und deshalb kommen nur am Versuch, eine tragfähige Moral aufzubauen Gescheiterte, wie Drobinski auf die Idee, das Mitleid mit den Jungen in Thailand gegen das aus seiner Sicht nicht vorhandene Mitleid mit Flüchtlingen im Mittelmeer, sofern es sie derzeit gibt, aufzurechnen.

Wie muss es in einem Kopf aussehen, der es nicht ertragen kann, dass Menschen ihr Mitleid nicht mit der Gießkanne über die Welt verbreiten, der denkt, man dürfe nicht mit A Mitleid haben, wenn man nicht auch mit B Mitleid habe?

Das ist so krank, dass man Mühe hat, die grundlegenden Fehler in Worte zu packen, es ist, als wollte man dem Schüler, der sich über die Eins in Mathematik freut, vorwerfen, dass er sich nicht gleichermaßen darüber gefreut habe, dass Deutschland bei der Fußball-WM ausgeschieden ist.

Es hat nichts miteinander zu tun. Lediglich im Kopf von Drobinski, in dem es furchtbar aussehen muss, wird es zusammengebracht auf Basis seiner Aufrechnungsmentalität.

Aber da Drobinski diesen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen im Mittelmeer und Jungen in Thailand herstellen will, ist es notwendig, seine vielen logischen Fehler zu benennen.

Die versteckte Prämisse, die falsche versteckte Prämisse, auf der sein gesamter Text basiert, haben wir oben bereits angesprochen. Für den weiteren Text wollen wir es bei der Darstellung der vier offenkundigsten logischen Fehlern belassen:

  1. Falsche Äquivalenz

Die Flüchtlinge im Mittelmeer und die Jungen in einer Höhle in Thailand können nicht gleichgesetzt werden, schon weil erstere sich freiwillig auf ein nicht seetüchtiges Boot setzen, während Letztere in einer öffentlich zugänglichen Schauhöhle von den plötzlich einbrechenden Fluten eines Monsunregens überrascht wurden.

  1. Unvollständiger Vergleich

Wenn man beide vergleichen will, dann muss man auch die Folgen der Rettung beider Gruppen in Rechnung stellen. Die Jungen werden nach ihrer Rettung wieder ihr normales Leben in Thailand leben, vermutlich mit ein paar qualitativen Veränderungen, die in ihrer Persönlichkeit liegen, die Flüchtlinge, die sich im Mittelmeer retten lassen wollen, werden nach ihrer Rettung und für etliche Zeit auf Kosten einer Allgemeinheit leben, von der sich Drobinski fragt, warum sie kein Mitleid mit den Flüchtlingen hat.

  1. Fehlschluss der Psychologen

So wie Psychologen denken, sie seien über jeden psychologischen Schaden, den sie bei anderen diagnostizieren, erhaben, so denkt Drobinski von sich, er sei über jede Fehlzuweisung seines Mitleids erhaben und könne andere auf ihre Fehlzuweisung von Mitleid hinweisen. Indes spricht die Art und Weise, in der er von den „Jungs“ schreibt, mit denen man „hoffen und bangen“ MUSS, also es nicht etwa freiwillig tut, dafür, dass er klare Präferenzen hat, und nur deshalb Mitleid für die Jungen in Thailand empfinden will, weil sie ihm als Vorstufe für das größere Mitleid, das er mit den Flüchtlingen im Mittelmeer einfordert, dienen. Der Mann kann in seinem Leben noch nie Mitleid für ein Lebewesen gehabt haben, sonst wüsste er, dass Mitleid eine höchst individuelle Angelegenheit zwischen konkreten Lebewesen ist und kein kollektiver Sport zwischen Gruppen.

  1. Kafka Falle

Die Kafka-Falle wird gerne von denen aufgestellt, die sich anderen für moralisch überlegen halten oder doch zumindest inszenieren wollen. Sie basiert darauf, dass man versucht, seinem Gegenüber Schuld einzureden, z.B. weil es nicht in gleicher Weise Mitleid für die Jungen in Thailand und die Flüchtlinge im Mittelmeer habe (wobei die meisten – wie gesagt – gar nie auf die Idee kämen, beide in Verbindung zu bringen), um ihm dann, wenn er die entsprechende Schuld nicht für sich zulassen will, mit noch mehr Schuld zu beladen, bei Drobinski in der Form „Die Flüchtlinge sind den Europäern zu nahe gerückt mit ihrem Elend“, deshalb hätten Europäer kein Mitleid mehr mit den Flüchtlingen.

Derartige Habermaskeraden, die darin bestehen, begriffliche Wolkenkuckucksheime aufzubauen, sie auf andere anzuwenden und sich dann zu echauffieren, wenn diese anderen die Wolkenkuckucksheime nicht bewohnen wollen, sind leider sehr häufig in der deutschen Presselandschaft, in der die Zahl der Erregungs-, Wut- und Hassjournalisten jeden Tag zu wachsen scheint. Man fasst sie unter dem Fehlschluss der Reifikation zusammen.

Zeit, Mitleid zu haben, Mitleid mit Drobinski, der sich nicht mehr freuen kann, weil alle Ereignisse in seiner ideologischen Enklave so miteinander verwoben sind, dass er nicht anders kann, als anderen mit seiner moralischen Mission auf die Nerven zu gehen und im Gegensatz zu den Zeugen Jehovas geht er nicht, wenn man ihm gesagt hat, dass er sich trollen soll.

Übrigens finden wir, dass Matthias Drobinski zweierlei Maß von Mitleid hat, denn es macht ihm offensichtlich nichts aus, dass im Schlachthaus um die Ecke jeden Tag hunderte von Tieren umgebracht werden, damit Menschen wie er – Menschen mit multiplem Maß – ihr Dasein fristen und sich über zweierlei Maß ereifern können.

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7 Responses to Gleiches Mitleid für alle! Alpenprawda fordert Gleichstellung in Mitleid

  1. paul@traxl.de says:

    Habermaskeraden … eine herrliche Wortschöpfung !

  2. Wolf Köbele says:

    Warum sollte man Mitleid haben mit Erpressern? Mit Schmarotzern, die ihr Gutmenschentum auf die Schultern völlig Unbeteiligter laden, damit die den Kreuzweg für sie absolvieren? Mit Invasoren? Hätte Herr Drobinski seinerzeit Attila mit Mitleid betrachtet (denn es geht ihm ja nur ums Betrachten)?
    Vor zehn Jahren entgegnete ein Freund auf meine SZ-Wertung mit: “Aber ein gutes Feuilleton haben sie!” (Das “ABER” spricht damals schon Bände.) Heute hängt er an diesem Blatt nur noch aus Gewohnheit. Das tun leider noch viel zu viele!

  3. osthollandia says:

    Ich habe kein Mitleid für die Jungen in der Höhle, aber fiebere mit ihnen mit, hoffe das Beste, wünsche, dass von den Tauchern nicht noch jemand ernste Schäden davon trägt. Die Taucher bewundere ich, für mich sind das Helden!

    Mitleid habe ich mit den Eltern der Jungen, ich bin selber Mutter kann mir vorstellen, wie sich eine andere Mutter fühlt, wie viele Ängste sie hat, die tausend Tode, die sie stirbt.

    Mit Leuten, die hierherkommen, nicht Arbeiten, und unsere Töchter vergewaltigen und umbringen habe ich eher wenig Mitleid. Die haben sich ihr Schicksal ausgesucht.

  4. rjb says:

    Natürlich ist den in der Höhle Feststeckenden zu wünschen, da wieder herauszukommen. Es soll aber am Eingang davor gewarnt werden, die Höhle während der Regenzeit zu betreten, und zumindest der Trainer hätte es vielleicht besser wissen können. Mit dem Aufsehen, das diese Geschichte findet, dürfte aber so ziemlich jedem klargeworden sein, daß diese Warnung berechtigt ist. Und wenn in der nächsten Regenzeit jemand derartiges wiederholen sollte, könnte das Mitleid ebenso schnell absinken wie mit dem nicht abbrechenden Strom der Schlauchbootflüchtlinge.

    Nebenbei, wieviel Mitleid hält dieser Zeitungsschreiber beispielsweise für die anscheinend regelmäßigen Fälle von Personen bereit, die auf abgestellte Eisenbahnwagen klettern und sich von der Oberleitung grillen lassen?

  5. Umadbro says:

    Diese Leute suhlen sich in ihrer eigenen Verzweiflung. Die Realität kann schon echt reinhauen wenn man voll auf Östrogen ist.

  6. eht says:

    Die Sichtweise von Herrn Drobinski (und anderen Kritikern in den Medien) lebt davon, dass sie Unvergleichliches direkt vergleicht und natürlich hohe Ansprüche an alle Mitmenschen verkörpert. Es ist ja bereits im Haupttext zu Recht auf unterschiedliche Ausgangssituationen hingewiesen worden. Hinzu kommt schlicht, meine ich, dass das konkrete Schicksal einer (a) überschaubaren Anzahl von Personen bei einem (b) einmaligen Ereignis mit der (c) nicht ganz unbegründeten Hoffnung auf ein wirkliches Happy End nicht mit dem eher abstrakten Schicksal einer auch in den kommenden Jahr(zehnt)en für den Einzelnen schier unüberschaubar erscheinenden Anzahl von Migranten/Flüchtlingen gleichzusetzen ist. Da können einem die Not und erkennbaren, zum Teil evtl. kaum lösbaren Probleme eher überwältigen.

    Abgesehen davon, dass es einigermaßen verwegen ist, das Mitleid(en) seiner Mitbürger einschätzen zu wollen: Jeder Mensch hat ein endliches Reservoir an Emotionen, er kann mit einzelnen Menschen, je näher sie ihm stehen, und begrenzten Gruppen stark mitfühlen, aber schwerlich mit vielleicht 2–3 Milliarden Menschen in der Welt, denen es aus den verschiedensten Gründen schlecht geht. Denkt Herr Drobinski, das ist jetzt nicht polemisch gemeint, wenn er morgens sein Käsebrötchen frühstückt, an die vielen hungernden und sterbenden Kleinkinder in Afrika? Wie schrieb Martin Niewendick in der „Welt“: „Warum interessiert euch das Leid der Flüchtlingskinder im Mittelmeer, aber zu den Hunderten von der nigerianischen Terrormiliz Boko Haram entführten Mädchen schweigt ihr? Das gleiche gilt für die zwangsverheirateten Opfer von ‚Kinderehen‘ in Afghanistan, Kinderarbeiter in tansanischen Goldminen oder die in armen Gebieten in Indien systematisch nach der Geburt getöteten Mädchen.“ Und es gibt ja auch Millionen von Afrikaner, die nicht in Boote steigen und Schlepper bezahlen können, trotzdem aber im Elend leben.
    Natürlich ist es wichtig, sich bewusst zu sein, wie vielen Menschen auf der Welt es schlecht geht (und ich glaube auch, dass das den meisten Bürgern bewusst ist), Wichtiger als Mitleiden ist aber bei nüchterner Betrachtung: mit dem Kopf politische Strategien entwickeln und verwirklichen, um das Leid zu mindern.

  7. archenlaender says:

    Derweil wird in der WELT Elon Musk, der Ressourcen und Know-How aufwendet, um einen Plan B zu entwickeln, beschimpft, weil er angeblich die Rettung zu PR-Zwecken missbraucht.

    Der Artikel ist von einer Frau – wieviele Frauen haben denn einen besonderen Beitrag zur Rettung geleistet?

    https://www.welt.de/wirtschaft/article179069218/Hoehlendrama-in-Thailand-Kritik-an-Elon-Musks-Rettungsplan-Tweets.html

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